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Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft

Worte: 1.711
Inhalt: Jemand räusperte sich und sie drehten sich zur Tür, wo Ianto in seinem Bademantel und mit verschränkten Armen stand und sie müde anblickte. “Was geht hier eigentlich vor?”
Charaktere: Jack Harkness, John Hart, Ianto Jones
Pairing: Jack/Ianto, Jack/John, John/Ianto (angedeutet)
Rating: PG-13
Spoiler: Wundmale
Setting:
nach Wundmale
Warnungen:
Erwähnung von Canon Character Death
Anmerkungen: Geschrieben für die redisourcolor  Challenge #14 Kitchen. Ich mag John Hart wirklich und ich fand es etwas traurig, wie er am Ende von Wundmale dastand. Also habe ich versucht, das etwas zu ändern.
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

***
***


Jack hatte im Laufe der Zeit einen Instinkt entwickelt, wenn es um John Hart ging. Er wusste einfach, wann er in der Nähe war, als wären sie miteinander verbunden.

Deshalb war er nicht überrascht – nicht wirklich –, als er in den frühen Morgenstunden, drei Monate nach Gray, Bomben und Tod, Iantos Küche betrat und John auf einer der Arbeitsplatten saß, chinesisches Essen verschlingend, dass er sich offenbar aus dem Kühlschrank geholt hatte. Eine Tasche lag auf dem Küchentisch und John trug nicht seine Uniform, sondern dunkelblaue Jeans und ein weißes T-Shirt. Eine schwarze Lederjacke hing über einem der Stühle. Er sah aus wie ein gewöhnlicher Mann aus dem 21. Jahrhundert.

Jack blieb in der Tür stehen und John hielt einen Moment inne, um ihn vorsichtig zu mustern, als wolle er seine Stimmung einschätzen. Der Moment der Anspannung verflog, und während Jack sich eine Flasche Bier aus dem Kühlschrank holte, aß John weiter. “Schnuckelchen hat eine wirklich schöne Wohnung”, sagte er.

“Wie hast du mich gefunden?”, fragte Jack. John tippte mit den Essstäbchen gegen seinen Vortexmanipulator und deutete dann auf Jacks. Jack nippte an seinem Bier und lehnte sich neben John an die Arbeitsplatte. Das Fenster war gekippt und die kühle Nachtluft verursachte Gänsehaut auf Jacks nacktem Oberkörper. Er rieb einen seiner nackten Füße an dem weichen Stoff seiner Pyjamahose und wünschte, er hätte an Socken gedacht.

“Also, gute Reise gehabt?“, fragte Jack.

John nickte. “Wundervoller Planet. So viele schöne Orte … und Menschen.”

“Gehst du jetzt?“

“Ja”, sagte John. “Ich habe genug gesehen.”

Jack konnte nicht anders, als erleichtert die Luft auszustoßen. “Was machst du dann noch hier?”

“Mich verabschieden”, antwortete John. “Ich dachte, ich komme vorbei, verbringe etwas Zeit mit dir, und was finde ich vor? Dich und Schnuckelchen im Bett, aneinander gekuschelt. Wirklich ein niedliches Pärchen.”

“Ich hasse dieses Wort – Pärchen.”

“Oh ja, daran erinnere ich mich”, antwortete John und verdrehte die Augen. “Also dachte ich mir, ich esse was und warte, bis du aufwachst.”

“Jetzt bin ich hier”, sagte Jack. “Sag, was du sagen wolltest.”

“Wird Schnuckelchen nicht kommen?”, fragte John. Er wirkte etwas enttäuscht von Jacks ungeduldigem Verhalten.

Jack interessierte das herzlich wenig. Er fand, dass John viel weniger verdiente nach dem, was er getan hatte. “Er schläft.”

Die letzten Wochen waren anstrengend gewesen. Sie gewöhnten sich noch immer an die neue Teamstruktur und der Riss hatte kein Erbarmen gezeigt.

John sagte: “Man könnte beinahe glauben, du willst mich von ihm fernhalten.” Nachlässig warf er den leeren Pappbehälter ins Waschbecken.

“Das stimmt”, sagte Jack und stellte die Flasche ab. Er nahm den Behälter und warf ihn in den Müll.

“Woran liegt das?”, fragte John.

“Vielleicht daran, dass du mir gedroht hast, alles zu zerstören, an dem mir etwas liegt”, antwortete Jack, darum bemüht, seine Wut zu unterdrücken. Wut würde zu Vorwürfen führen, Vorwürfe zu Streit und Streit zu einem Kampf. Ein Kampf würde Ianto wecken und das wollte er verhindern.

John verdrehte die Augen. “Komm schon, wir haben darüber gesprochen. Ich wurde gezwungen, diese Dinge zu tun.”

“Ja, das ist der einzige Grund, aus dem ich dich nicht gleich erschossen habe, als ich vorhin reinkam”, sagte Jack, “aber diese Worte ...” Er starrte John aufmerksam, suchend, an. “Sie waren wahr, oder? Ein kleiner Teil von dir wollte das tun, weil es die gerechte Strafe dafür wäre, dass ich dich verlassen habe.”

John wirkte schockiert. “Nein.”

“Du lügst.”

“Nein. Jack, warum sollte ich dein Leben zerstören wollen?” Er lächelte traurig. “Ich liebe dich.”

“Und ich bin hier. Ich habe mich für die Erde, für mein Team – für Ianto – entschieden und nicht für dich.”

“Das hat wehgetan”, gab John mit einem kleinen Nicken zu, “aber falls du es nicht gemerkt hast, ich mag dein Team.”

“Sag das Tosh und Owen”, fauchte Jack und seine Hände packten Johns T-Shirt, drückten ihn an die Wand.

John versuchte Jacks Griff zu lösen und sich zu befreien. “Es tut mir leid, dass sie tot sind.”

“Tut es nicht!”

“Doch!”, schrie John. Er nutzte den Vorteil, den ihm seine erhöhte Sitzposition lieferte, und zog die Beine an, um sie gegen Jacks Brust zu stemmen und ihn gegen den Tisch zu schubsen. “Ich wollte diese Stadt nicht angreifen! Gray hat mich gezwungen, die Bomben zu legen und sie zu aktivieren! Ich habe mein bestes getan, um ihn davon zu überzeugen, dass das die falsche Art Rache ist. Ich wollte den Schaden minimieren. Er war total verrückt! Was soll ich zu jemandem sagen, der Löcher in ein Stück Papier brennt und sagt: 'Sieh mal. Eine Karte von Cardiff. Großartig, oder?'?” Er sprang von der Theke, drehte sich weg und fuhr mit einer Hand durch sein Haar. “Verdammt!”

Jemand räusperte sich und sie drehten sich zur Tür, wo Ianto in seinem Bademantel und mit verschränkten Armen stand und sie müde anblickte. “Was geht hier eigentlich vor?”

Jack bemerkte, wie Johns Augen Ianto musterten und stellte sich zwischen sie, indem er auf Ianto zuging und eine Hand auf seine Wange legte. “Es ist nichts.”

Er hörte John schnauben und Ianto hob ungläubig die Augenbraue.

Jack sagte: “Wirklich. Ich regle das.”

Ianto trat zur Seite, um John ansehen zu können.

“Hallo, Schnuckelchen.”

“Hallo”, antwortete Ianto.

“Heiß wie immer”, sagte John und Jack konnte sich lebhaft vorstellen, wie er Ianto hungrig anstarrte. Er drehte sich zu John und runzelte die Stirn. Er hatte es nie gemocht, wenn John mit Ianto – oder irgendjemandem von seinem Team – flirtete.

Ianto schüttelte den Kopf. “Ich gehe dann mal duschen. Wollen wir anschließend irgendwo frühstücken gehen?”

Jack nickte und Ianto verließ die Küche mit einem letzten, misstrauischen Blick in Johns Richtung.

John rief ihm nach: “Kriege ich keinen Abschiedskuss?”

Jack drehte sich wieder zu ihm, nun fest entschlossen, John aus seinem Leben zu verbannen. “Geh”, sagte er.

John presste die Lippen zusammen – ein Zeichen der Ergebung, wie Jack wusste – und er nahm seine Tasche und hängte sie um seine Schultern. Dann machte er sich auf den Weg zur Tür. Er blieb bei Jack stehen und hob den Kopf, um ihn anzusehen, ein letztes Aufflackern von Trotz in seinen Augen. “Lass mich … ich würde gerne eine Weile bleiben.”

“Ich dachte, du hättest genug von diesem Planeten.”

“Ich meine bei Torchwood. Lass mich euch helfen. Nur, bis ihr einen Ersatz für die Süße und den Doktor gefunden habt.”

Jack ballte die Hände zu Fäusten und unterdrückte mit Mühe seine Wut. “Ihre Namen waren Toshiko und Owen. Und nein, ich lasse dich nicht mal in die Nähe meines Teams.”

John nickte. “Du warst schon immer sehr besitzergreifend, Jack.”

“Darum geht es nicht. Es geht um Vorsicht. Ich habe gerade zwei wundervolle und mutige Freunde verloren und ich werde nicht zulassen, dass du ...“ Er drehte sich weg, um zu verstecken, wie sehr ihn Toshs und Owens Tod noch mitnahm. “Ich werde nicht zulassen, dass du mir auch Ianto und Gwen nimmst.”

“Vertraust du mir nicht mehr?”

“Nein!” Johns Schweigen zeigte ihm, dass die Worte ihn verletzt hatten, und er drehte sich wieder zu ihm und schwächte sie ab: “Doch. Ich weiß … ich weiß, dass du gezwungen wurdest, diese Dinge zu tun, aber du bist eine Erinnerung und ich will dich hier nicht. Noch nicht.”

John senkte den Blick. “Du weißt, dass es nicht deine Schuld war, oder?”

Es war verstörend, wie gut John ihn kannte. Jack antwortete nicht.

John seufzte tief. “Na ja … ich sollte wohl gehen.”

“Ja”, sagte Jack erleichtert.

John legte eine Hand an seine Wange. “Ich meine es ernst. Ich liebe dich.”

Jack starrte zu Boden. Er hatte John nie widerstehen können, wenn er ihn so ehrlich ansah.

John lachte leise, scheinbar wieder in der Lage, ihn zu verstehen, und sagte: “Gib Ianto etwas von mir.”

Jack sah zu ihm auf. “Was denn noch?”, fragte er gereizt.

John lächelte zärtlich. “Das.” Er lehnte sich vor und drückte seine Lippen gegen Jacks. Seine Zunge schlich sich in Jacks Mund. Jack stieß zittrig die Luft aus und erwiderte den Kuss einen Moment lang, indem er sich zu John lehnte und eine Hand in seine Halsbeuge legte, ein Daumen unter Johns Kinn. John zog sich zurück und nahm seine Lederjacke vom Stuhl.

Ein Grinsen zog an Jacks Mundwinkeln. “Das ist für Ianto?”

“Okay, schon gut”, antwortete John. “Er ist niedlich und ich bin eifersüchtig. Er muss wirklich gut im Bett sein, wenn du ihn mir vorziehst.”

Jack lachte leise. “Du hast kein Ahnung.”

John drehte sich zur Tür, stoppte jedoch wieder. “Es geht aber nicht nur um den Sex, richtig?”

Jack schluckte. “Nein”, sagte er.

“War das zwischen uns mehr als Sex?”

Die Frage traf Jack unvorbereitet und er verschränkte wieder die Arme, fühlte sich plötzlich unwohl nur in seiner Schlafanzughose und ohne seine Waffe.

“Dumme Frage”, sagte John und ging Richtung Tür.

“John”, rief Jack.

John hielt inne, seine Hand am Türgriff.

Jack trat näher an ihn heran. “Es war mehr.” Er sah, wie Johns Schultern sich entspannten und er den Kopf hängen ließ. Dann verließ er die Wohnung.

Jack seufzte tief und ging zum Bad. Als er die Tür öffnete, schlug ihm heiß-feuchte Luft entgegen, den Geruch von Iantos Duschgel tragend. Er trat ein und schloss die Tür, zog die Hose aus und stieg in die Dusche.

Ianto drehte sich mit besorgtem Gesicht zu ihm um. “Ist er weg?”

“Ja”, antwortete Jack und legte die Hände auf Iantos Hüften, um ihn näher an sich heran zu ziehen.

“Er ist kein so schlechter Kerl.”

“Er ist meine Vergangenheit”, sagte Jack. “Ich will ihn hier nicht.”

Iantos Finger fuhren durch Jacks nasses Haar und verfingen sich in den längere Strähnen. “Eines Tages werde ich auch deine Vergangenheit sein.”

Jack fühlte sich, als hätte Ianto ihn geschlagen.

Ianto fuhr fort: “Wirst du mich dann genauso einfach aus deinem Leben schneiden?”

“Das ist was anderes.”

“Wieso?”, fragte Ianto. “Eines Tages verlässt du diesen Planeten. Sag mir nicht, dass du nicht irgendwann rastlos werden wirst. Nicht mit dem, was da draußen auf dich wartet.”

Es gab keine Möglichkeit für Jack, diese Worte abzustreiten. Er konnte nur die Wahrheit sagen. “Ich gehe irgendwann”, sagte er mit einem Nicken, “aber erst, wenn du und Gwen nicht mehr da sind.”

“Das sagst du jetzt”, antwortete Ianto.

“Aber 'Jetzt' ist alles was wir haben”, antwortete Jack. Er sah Ianto ernst an. “Denkst du nicht?”


ENDE
04/11

Komplette Fanfiction Masterlist

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Comments

( 6 comments — Leave a comment )
aenn17
Apr. 28th, 2011 05:14 pm (UTC)
Eine meiner Lieblingsgeschichten... :)
Es ist echt toll, dass fast jedes Mal, wenn ich auf deine Seite schaue, neue Geschichten da sind...
Aber du weißt ja eh schon, dass ich ein riesen Fan von dir bin. :)
jolinarjackson
May. 1st, 2011 05:38 pm (UTC)
Danke. :)
pechfeder
Feb. 7th, 2013 01:42 pm (UTC)
Ich mag James Masters unglaublich gern und finde seine Rolle als John Hart grandios. Sie haben ihm diesen Charakter geradezu auf den Leib geschneidert und wie du das aufgegriffen hast und dabei seinen Charme genutzt hast, ist ebenso fantastisch.
Es ist toll, wie du ihn eingebracht hast, wenn auch nur für einen "Gastauftritt".
Ist zwar fies zu sagen, aber ich mag sogar die gedrückte Stimmung am Ende dieser Geschichte.

LG,
Federchen
jolinarjackson
Feb. 7th, 2013 03:18 pm (UTC)
Ich kannte James Masters vor Torchwood kaum. Aber ich liebe seinen John Hart. Ich finde, dass er es ganz toll hinbekommt, Hart vielschichtig darzustellen. Seine traurige und emotionalere Seite ist sehr subtil, aber ich kitzle sie gerne heraus.
pechfeder
Feb. 7th, 2013 08:46 pm (UTC)
Ich kannte ihn halt als Spike aus Buffy und da ist er zwar blond, aber ansonsten ziemlich ähnlich vom Charakter her. Wenn man es mit Horizon (bzw deiner Darstellung von ihm) vergleicht ist es noch besser zu sehen.
Spike als Vamipir ohne Seele hat sich in Buffy verliebt und hat sich selbst eine Seele eingesetzt um ihr zu gefallen und ist letzten Endes als Einziger auf ihrer Seite geblieben, als sich alle von ihr abgewandt haben. Er ist geblieben und am Ende für sie gestorben.
Nach außen hin war er aber immer ein Arsch XD

Vor allem die erste Kuss-Szene in der Serie und der anschließende Schlag in Jacks Gesicht. Wie bei Buffy, wo er in der einen Szene gegen sie kämpft und sie in der nächsten Szene gegen eine Betonwand in einer Seitengasse nimmt @.@

Wenn du die beiden Charas halt nebeneinander stellst, erkennst du massig Parallelen und kannst sie schon fast zu einem zusammen nehmen, wodurch der Charakter noch viel vielschichtiger macht.

Das mit dem Rauskitzeln gelingt dir aber ziemlich gut. Siehe Horizon ;D

LG
Federchen
jolinarjackson
Feb. 8th, 2013 12:57 pm (UTC)
Ich habe nur ein paar Folgen Buffy gesehen. Vampire waren nie wirklich mein Ding (bis auf wenige Ausnahmen) und meine Mutter hat uns damals die Serie auch verboten, als es das erste Mal rauskam. Zu gruselig. :)
( 6 comments — Leave a comment )