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Fünf Gelegenheiten, bei denen Jack Gwen mitten in der Nacht anrief …

Worte: ~ 3.000
Inhalt: Fünf Gelegenheiten, bei denen Jack Gwen mitten in der Nacht anrief und eine, bei der er es nicht tat.
Charaktere: Gwen Cooper, Jack Harkness, Ianto Jones, Rhys Williams
Pairing: Jack/Ianto, Gwen/Rhys, Jack/Doktor (angedeutet), Ianto/Lisa Hallett (angedeutet)
Rating: PG
Spoiler: Cyber Woman, Erntezeit, Fleisch, Wundmale / Hörbuch: Ghost Train / Hörspiel: The Dead Line / Roman: The House That Jack Built
Setting: nach Cyber Woman, nach Erntezeit, nach Fleisch, nach Wundmale, nach Ghost Train, nach The Dead Line
Warnungen: Erwähnung von Canon Character Deaths
Anmerkungen: Diese Story hat nichts mit Miracle Day zu tun, aber sie wurde dadurch inspiriert. Eine kurze, Spoiler-freie Erklärung: Jack ruft Gwen mitten in der Nacht an, es wirkte wie eine alte Gewohnheit und ich hatte diese Idee.
Beta: Vistin und Eleanor Harkness-Jones, danke!
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

***
***


Fünf Gelegenheiten, bei denen Jack Gwen mitten in der Nacht anrief …



1.



Das Handy riss sie aus dem Schlaf. Gwen fluchte leise und griff hastig danach. Jacks Name blinkte auf dem Display und sie hob ab, damit Rhys nicht wach wurde, bevor sie rasch aus dem Schlafzimmer schlich und die Tür schloss.

Erst im Wohnzimmer hob sie das Handy ans Ohr. “Ist etwas passiert?“, fragte sie.

Einen Moment lang war Jack still, dann seufzte er tief. “Ich weiß nicht, wie ich darauf antworten soll.“ Sie hörte ein quietschendes Geräusch und konnte sich regelrecht vorstellen, wie Jack sich müde in seinem Bürostuhl zurücklehnte. “Eine ganze Menge … nichts neues.“

Sie setzte sich auf die Couch. “Ist Ianto in Ordnung?“ Sie wusste, dass Jack Owen angerufen hätte, wenn das nicht der Fall wäre, aber sie hatte keine Ahnung, was er von ihr wollte. Er hatte noch nie ohne einen Grund bei ihr angerufen; ohne sofort zu sagen, wo und wann er sie brauchte. Aber heute hatten sich wohl einige Dinge das erste Mal ereignet: Das erste Mal, dass sie fast gestorben wäre. Das erste Mal, dass sie sich in einem Menschen so sehr getäuscht hatte. Das erste Mal, dass sie etwas – jemanden – kaltblütig exekutiert hatte.

“Er schläft in einer Zelle“, antwortete Jack. “Er bleibt dort, bis ich weiß, was ich mit ihm machen soll.“

Gwen lehnte sich auf der Couch zurück. “Was macht Torchwood in solchen Fällen normalerweise?“, fragte sie; nicht, weil sie es wissen wollte, sondern weil sie glaubte, den Grund für Jacks Anruf gefunden zu haben. Er wollte keine Meinung von ihr, keinen Ratschlag, keinen Trost oder Verständnis … keine Gesellschaft. Er wollte nur mit jemandem reden, der nicht allein bei der Erwähnung von Iantos Namen wütend reagierte wie Owen oder um Verständnis für Ianto bat wie Tosh. Er wollte jemanden, der auf seine Gedankengänge reagierte, ohne zu urteilen. Gwen konnte das machen, obwohl sie sich selbst nicht so sicher war, was heute passiert war. Sie war schockiert, weil Ianto nicht der war, der er zu sein schien. Traurig, weil er so sehr für jemanden gekämpft hatte und scheiterte. Wütend auf sich selbst, weil sie die leise Ahnung, dass etwas nicht ganz stimmte, immer als irrelevant abgetan hatte.

“Exekution“, antwortete Jack. Gwen biss sich auf die Lippe, unterdrückte ein 'Das kannst du nicht tun' nur mit größter Mühe. Jack fuhr fort: “Nenn mich schwach, aber das kann ich nicht.“

“Das ist nicht schwach“, antwortete Gwen. “Es ist menschlich.“

Er lachte humorlos. “Wirklich? Du hast ihn gehört – ich bin ein Monster.“

“Er war wütend … traurig. Jack, was er gesagt hat, tut nichts zur Sache.“

Es war lange ruhig.

“Ich kann ihn nicht exekutieren.“

Gwen zog eines ihrer Beine zu sich auf die Couch und legte einen Arm darum. “Warum nicht?“

“Ich verstehe ihn.“ Er seufzte tief. “Ich bin wütend, aber ich verstehe, warum er es getan hat.“

“Was bleibt neben Exekution?“

“Retcon.“

“Aber das willst du auch nicht“, riet Gwen, “oder du würdest mich nicht anrufen.“

“Ich will ihn nicht verlieren.“ Jack schien sich bewusst zu werden, wie das klang und ergänzte: “Er hat Potenzial. Und wir sind schon zu wenige.“

Gwen wusste nicht, was zwischen Ianto und Jack lief und sie war bisher auch immer der Überzeugung gewesen, dass es sie nichts anging. Owen hatte mehr als ein Mal etwas über eine Büroaffäre gesagt, aber es waren immer aus schlechter Laune heraus hingeworfene Bemerkungen gewesen und sie hatte ihnen nie viel Bedeutung zugemessen.

Aber plötzlich wollte sie es wissen, denn es hatte offenbar viel mit Jacks Entscheidung zu tun. “Du und Ianto … seid ihr ...“ Sie wusste nicht, wie sie den Satz zu Ende bringen konnte.

“Ein paar Mal“, antwortete Jack.

Irgendwie tat es weh, das zu hören. Gwen starrte an die Wand, hinter der Rhys friedlich schlief und unterdrückte das Gefühl rasch. “Und … du liebst ihn?“

Jack lachte bitter. “Nein. Nicht ihn.“ Das 'Jemand anderes' hing in der Leitung zwischen ihnen, ungesagt, aber eindeutig da. Gwen bezweifelte, dass Jack von irgendjemandem sprach, den sie kannte. Die Sehnsucht in seiner Stimme war zu groß.

“Aber du magst ihn.“

Jack antwortete nicht und es war Antwort genug.

“An was hast du gedacht?“, fragte sie.

“Suspendierung. Dann eine Rückkehr zum Dienst.“

“Damit kann ich leben. Tosh sicher auch. Owen wird sich damit abfinden müssen.“

Jack war wieder still.

Gwen ergänzte: “Ianto hat uns nicht angegriffen. Das war alles Lisa. Außerdem … glaube ich an zweite Chancen.“

Jack nahm einen tiefen Atemzug und Gwen war sich nicht sicher, ob er weinte. “Eine zweite Chance“, meinte er schließlich, “hat mir mal den Hals gerettet, also … denke ich, es ist okay.“

“Das ist es“, versicherte Gwen ihm.

“Danke, Gwen“, sagte er leise.

“Kein Problem“, antwortete sie. “Wann immer du mich brauchst ...“

“Ich weiß.“ Er legte auf.


2.



"Denkst du, ich habe einen Fehler gemacht?", fragte Jack, sobald Gwen den Anruf entgegen nahm.

Sie rührte in ihrem Tee – sie wollte Kaffee, aber es war mitten in der Nacht und vielleicht würde sie es doch noch schaffen einzuschlafen, wenn sie gleich wieder zu Rhys ins Bett ging – und kaute nachdenklich auf ihrer Unterlippe. "Inwiefern?", fragte sie schließlich.

An Jacks Ende klirrte ein Glas und sie hörte ihn die Luft anhalten, dann leise Schritte und eine Tür schloss sich. "Ich habe euch vor ein paar Tagen im Stich gelassen."

"Du konntest nicht wissen, dass sie Kannibalen waren."

"Nein, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass ich euch allein gelassen habe."

Sie wusste, dass es unmöglich sein würde, Jack das auszureden. Er war extrem, was seine Verantwortung anging – entweder wehrte er sie gänzlich ab oder er nahm sie vollkommen an. Ein Zwischending gab es für ihn nicht.

Gwen seufzte tief. "Wo bist du?"

"Bei Ianto. Tosh ist auch hier – sie war die letzten Tage hier. Seit … sie will nicht allein sein. Und Ianto und ich auch nicht." Etwas an seiner Stimme erschien ihr falsch. Er klang merkwürdig erschöpft oder angeschlagen oder …

"Hast du getrunken?"

"Nein", antwortete er, "ich brauche einen klaren Kopf …"

Gwen fragte sich, wie sie Jack wieder etwas aufmuntern könnte und lächelte. “Du hast meine Frage nie beantwortet.“

“Welche meinst du?“, wollte er wissen.

“Wen hast du zuletzt geküsst?“

Er lachte leise. “Zählen außerirdische Lebensformen auch?“

Gwen verdrehte die Augen. “Nicht ausweichen, antworten.“

“Ianto.“

Gwen war überrascht. “Unseren Ianto?“

“Ich kenne nur einen.“

“Aber Ianto sagte, sein letzter Kuss wäre mit Lisa gewesen.“

“Zu dem Zeitpunkt entsprach das auch der Wahrheit.“

Was hieß, dass Jack und Ianto innerhalb der letzten Tage …

“Hattet ihr ... habt ihr ...?“ Gwen brach ab.

Jack schwieg.

“Hältst du das für eine gute Idee, Jack?“

“Das ist nicht deine Sache.“

“Na schön.“ Sie wusste nicht, was sie fühlen sollte. Ob sie eifersüchtig sein sollte, besorgt oder glücklich … oder alles zugleich. “Warum hast du angerufen?“, fragte sie.

“Ich wollte fragen, wie es dir geht.“

“Mitten in der Nacht?“

“Ich habe gewusst, dass du nicht schlafen würdest.“ Das Grinsen in seiner Stimme war nicht zu überhören. “Ich weiß vieles über dich, Gwen Cooper.“ Er flirtete. Er spielte mit ihr. Er spielte mit ihr und Ianto und jedem anderen auch.

Wütend antwortete Gwen: “Nun ja, jetzt will ich schlafen.“

Damit legte sie auf.


3.



Gwen hätte beinahe nicht abgehoben. Sie starrte auf das Display, auf dem Jacks Name geduldig aufblinkte, und sah dann zu Rhys, der schlafend im Bett lag. Die Schlinge fixierte seinen Arm, aber er hatte trotzdem Schmerzen. Owens Schmerzmittel hatten ihn bereits vor Stunden in den Schlaf getrieben und nicht mal das Klingeln von Gwens Handy schien ihn zu stören. Sie seufzte tief, verdrehte die Augen über ihre eigene Schwäche und nahm den Anruf an. Sie überließ Jack das erste Wort.

“Hi“, sagte er leise.

“Hallo“, antwortete sie. “Was gibt’s?“

Sie konnte Myfanwy kreischen hören und schloss daraus, dass Jack in der Basis war.

“Ich hätte dich nicht drängen sollen, Rhys Retcon zu geben.“

Die Beinahe-Entschuldigung kam so unerwartet und schnell, dass Gwen einen Moment brauchte, um zu begreifen, was er gerade gesagt hatte.

“Das hättest du nicht“, antwortete sie. Gwen wusste, dass sie dem Team noch eine Entschuldigung schuldete. Die Worte, die sie in der Hitze des Gefechts geäußert hatte, waren nicht angemessen gewesen. Ihnen zu sagen, dass sie keine Ahnung hatten, was es bedeutete, jemanden beinahe zu verlieren, dass ihre Welt kalt und einsam war … für einen Moment hatte sie sich selbst vergessen. Sie hatte Lisa vergessen und Diane und Tommy. Sie hatte all die Menschen vergessen, die Jack verloren haben musste in seinem langen Leben.

Als könnte Jack ihre Gedanken hören sagte er: “Ich hätte heute beinahe Menschen verloren, die mir etwas bedeuten.“

Tosh wäre beinahe von dem riesigen Wal erdrückt worden und Ianto war nur ein leeres Magazin von einer Kugel im Kopf entfernt gewesen. Gwen hatte das alles am Rande wahrgenommen, aber Rhys Verletzung, ihre blinde Panik, hatte einfach alles andere überlagert.

“Ich weiß. Es tut mir leid.“

Sie glaubte, seine Stimme zittern zu hören – aus Wut? –, als er sagte: “Und meine Welt … ist garantiert nicht kalt und einsam.“

Sie wusste darauf nichts zu sagen. Sie war überrascht. Hatte Jack etwa jemanden? Hatte er vielleicht wieder etwas mit Ianto angefangen? Sie hatte davon nichts gewusst und sie hätte es mitbekommen, wenn Owen es gewusst hätte. Möglicherweise Tosh … sie würde Tosh fragen müssen.

Jack nahm einen tiefen Atemzug. “Ich habe alles, was ich mir im Moment wünschen kann.“ Damit legte er auf.


4.



Gwen wusste, dass das Handy mitten in der Nacht klingeln würde. Sie hatte sich deshalb aus Rhys Armen befreit, sobald er tief eingeschlafen war und sich ins dunkle Wohnzimmer auf die Couch gelegt, in eine Wolldecke gewickelt. Sie hatte das Gefühl, ständig zu frieren. Als hätten Owens und Toshs Tode ihr einen Teil ihrer selbst geraubt.

Sie hob ab und sagte: “Es war nicht deine Schuld.“

Jack schwieg einen Moment, als wäre er überrascht, dann seufzte er und antwortete leise: “Ich weiß. Glaub mir. Ianto hat Überzeugungsarbeit geleistet.“

Und irgendwo tat es ein klein bisschen weh, dass sie nicht länger diejenige war, die Jack diese Art von Trost spendete. Schon lange nicht mehr. Das änderte aber nichts daran, dass sie es gerne getan hätte.

“Was machen wir jetzt, Jack?“ Ihr stiegen Tränen in die Augen.

“Nicht aufgeben“, antwortete er. Sie hörte das Rascheln von Stoff und Jack sagte etwas – beruhigend, leise –, dann konzentrierte er sich wieder auf sie. “Was können wir sonst tun?“

“Bist du bei Ianto?“

“Ich konnte nicht in der Basis bleiben.“ Einen Moment lang war es still. “Er schläft, aber er hat Albträume.“

“Also bleibst du wach, um ihn zu beruhigen?“, fragte Gwen. Sie lächelte und glaubte, dass ein Stück Wärme bei dem Gedanken an Jack und Ianto – noch immer zusammen, Stetigkeit in einem unsicheren Job – in ihre Knochen zurückkehrte. “Das ist beinahe romantisch.“

“Er ist leider nicht der Typ Mann, dem man Blumen mitbringen könnte“, meinte Jack mit einem leisen Lachen.

“Ist er allergisch?“

“Nein, er mag es nur nicht.“ Jack seufzte. “Er sagt mir nicht wieso.“

“Ich habe ihn immer für einen Romantiker gehalten.“

“Das ist er nicht“, antwortete Jack. “Er ist eher pragmatisch.“

Sie schwiegen und die Traurigkeit kehrte zurück.

“Warum hast du angerufen?“, fragte Gwen.

“Ich wusste, du würdest wach sein.“

“Also … einfach so?“

Er lachte wieder leise, machte dann ein beruhigendes Geräusch und Gwen konnte sich beinahe vorstellen, wie sie in Iantos Bett oder auf seiner Couch lagen, einander haltend. Sie hatte sie mal zusammen schlafen gesehen, während sie mehrere Tage an einem Fall gearbeitet und in der Basis in Schichten geschlafen hatten. Sie hatte damals nicht sagen können, wer wem mehr Halt gab, aber sie hatte sie für einige Minuten nur angesehen und sich gefragt, wann das passiert war, wann sie einander so nahe gekommen waren, dass sie selbst einen kurzen Schlaf lieber zusammen als getrennt verbrachten.

“Einfach so“, sagte Jack und riss Gwen aus ihren Gedanken, “aber jetzt sollte ich dich schlafen lassen.“

Sie bemerkte plötzlich, wie müde sie geworden war. Jacks Stimme allein, der kurze Austausch über etwas anderes als die schrecklichen Geschehnisse, hatte ausgereicht, um sie zu beruhigen und die furchtbaren Bilder zu vertreiben, die wie in einer Wiederholungsschleife immer wieder durch ihre Gedanken rasten: Die zerstörte Stadt, Grey, Tosh, Owen …

“Gute Nacht, Gwen“, sagte Jack.

“Nacht“, antwortete sie.

Er legte auf.

Sie platzierte ihr Handy auf dem Couchtisch, in Reichweite, und schloss die Augen. Nicht lange danach war sie eingeschlafen.


5.



Jack rief verhältnismäßig früh an, kurz nach elf, als Gwen und Rhys noch wach waren. Rhys blieb auf der Couch sitzen und versuchte, ein einigermaßen interessantes Programm zu finden, während Gwen in die Küchenecke ging, um den Anruf entgegenzunehmen.

“Dein Mann ist ein echter Held“, sagte Jack.

“Das musst du mir nicht erzählen“, antwortete sie und holte eine Flasche Bier aus dem Kühlschrank. “Deshalb habe ich ihn geheiratet.“ Sie zwinkerte Rhys zu, der sich grinsend zu ihr umdrehte.

“Und wusstest du, dass er eine Weile in Iantos Wohnung geschlafen hat?“

Sie hörte Ianto genervt stöhnen.

Jack lachte. “Komm schon, ich kann nicht widerstehen.“

“Ich hätte es wissen sollen“, antwortete Ianto. Gwen lächelte. Um ehrlich zu sein, hatte sie noch immer nicht ganz verstanden, was passiert war. Sie hatten noch keine offizielle Besprechung der Ereignisse gehabt. Sie wusste nur von Rhys konfusen und aufgeregten Berichten, dass es Zeitreisen gegeben hatte und einen Zug, der den Riss durchquerte und dass die Kühlschränke, die seinen Kunden gestohlen worden waren, irgendetwas mit allem zu tun gehabt hatten. Kurz gesagt: Sie war nicht schlauer als vorher.

Jacks Stimme nach zu urteilen grinste er breit, als er sagte: “Und er hat uns beim Sex belauscht.“

Ianto sagte: “Jack!“

Gwens Augen weiteten sich. “Was?“

“Weißt du, er hätte nur etwas sagen müssen. Wir freuen uns immer über ein drittes Paar Hände.“

Wieder Ianto: Jack!“

Gwen starrte Rhys an, der ihren Blick unschuldig erwiderte.

Ianto sagte: “Gwen, es war nichts.“ Jack lachte. Iantos nächste Worte waren offenbar an ihn gerichtet. “Ich erzähle dir nie wieder etwas.“

Sie hörte ein schmatzendes Geräusch und Stoff rascheln. Sie wurde rot, als ihr bewusst wurde, dass sie sich vermutlich küssten – lange und leidenschaftlich. Einer von ihnen flüsterte etwas und es musste Ianto gewesen sein, denn Jack fragte: “Ach wirklich? Das könntest du?... Gwen, ich muss auflegen. Dringend.“

Sie lachte und dann knackte es in der Leitung, als Jack den Anruf beendete. Sie wartete, bis Rhys an seinem Bier nippte. “Also, du hast Jack und Ianto beim Sex belauscht?“, fragte sie dann. Er verschluckte sich und Gwen grinste.

Er schenkte ihr einen todernsten Blick. “Es war nicht angenehm. Ich sage dir … wirklich nicht.“

Sie lächelte und schlenderte zu ihm, um seinen Kopf zu küssen.

“Sie lieben sich, oder?“, fragte Rhys.

Gwen verharrte auf dem Weg zurück zur Küche. “Wie kommst du darauf?“

“Ich war lange in seiner Wohnung. Ich habe sie gehört … und ich meine nicht nur ...“ Er machte eine Geste, die Ianto wahrscheinlich eine Augenbraue hätte heben lassen. “... ich habe sie reden gehört, über den Haushalt diskutieren … Jack hat Wäsche gewaschen. Er war nicht jede Nacht da, aber er wohnt praktisch dort. Wie lange sind sie zusammen? Zwei Jahre oder so? Erzähl mir nicht, sie haben es einander noch nicht gesagt.“

Gwen erinnerte sich an ihr Gespräch mit Ianto in Jackson Leaves. Er hatte praktisch zugegeben, Jack zu lieben, aber auch eingeräumt, dass Jack wohl nicht genauso empfand.

Sie seufzte. “Haben sie nicht.“ Sie zuckte mit den Schultern. “Und ich glaube nicht, dass das nochmal passiert.“


… und eine Gelegenheit, bei der er es nicht tat



Jack war erstaunt, dass es ihn mehr erschöpfte, aus dem Koma zu erwachen als zu sterben. Er lag in Iantos Bett, in Iantos von Straßenlaternen vage erhelltem Schlafzimmer und Ianto lag neben ihm.

Jack drehte den Kopf und sah sein Handy auf dem Nachttisch liegen. Er hatte einen schweren Tag gehabt, hatte einer Wahrheit ins Gesicht gesehen, die er viel zu lange ignoriert hatte – Ianto liebte ihn, er liebte ihn –, aber der Wunsch, Gwen anzurufen, stellte sich nicht ein. Er könnte ihr erzählen, dass er Ianto beinahe seine eigenen Gefühle gestanden hatte. Er könnte sie fragen, was er nun tun sollte, denn sie war Iantos beste Freundin und auch Jacks und verheiratet, also musste sie es wissen, oder? Dafür brauchte er sie. Nicht für Entscheidungen, die allein Torchwood betrafen, sondern für all die Dinge, die er verlernt hatte – jemanden an sich heranzulassen, dicht … zu dicht. Er brauchte sie, um seine innere Ruhe zu finden … oder nicht?

Er stellte fest, dass er bereits völlig ruhig war, obwohl er aufgewühlt sein sollte – immerhin hätte er beinahe die Ewigkeit in Dunkelheit verbracht.

Er drehte sich zu Ianto und drückte sich an ihn, fühlte seine Ruhe sich vertiefen. Er wurde schläfrig. Ianto machte ein verschlafenes Geräusch. “Es stört mich nicht, wenn du sie anrufst“, sagte er leise. “Wenn es dir hilft ...“

Jack unterbrach ihn mit einem Kuss. “Nein“, flüsterte er, “nicht nötig.“

Er hatte Ianto. Gwen hatte Rhys.

Und er könnte sie immer noch morgen fragen.


ENDE
08/11



Wenn ihr diese (oder eine andere) Story als PDF haben möchtet, sende ich sie euch gerne. Schreibt mir einfach eine PM mit dem Titel der Story, der Sprache, in der ihr sie wollt und eurer E-Mail-Adresse und ich schicke sie euch. :)


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Comments

( 2 comments — Leave a comment )
aenn17
Sep. 22nd, 2011 02:19 pm (UTC)
Wow. :) Echt gut.
jolinarjackson
Sep. 22nd, 2011 05:09 pm (UTC)
Danke. :)
( 2 comments — Leave a comment )