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Torchwood: Abhängig (Fanfiction)

Abhängig

Serie: Lyrics 'Verse
Worte: ~2.200
Inhalt: Ein paar Tage nach ihrem Streit kommt Jack vorbei, um mit Ianto zu sprechen.
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones
Pairing: Jack/Ianto, Jack/Echter Jack (angedeutet), Ianto/Lisa Hallett (angedeutet)
Rating: PG-13
Spoiler: Cyber Woman, Faustrecht, Captain Jack Harkness
Setting: nach Captain Jack Harkness
Warnungen: Gespräche über Selbstmord
Anmerkungen: Das hier ist das Sequel zu Vertrauen und könnte der zweite Teil eines 'Verses sein, den ich auf Songtexten aufbauen will, die mich an Jack und Ianto erinnern. Ich weiß aber noch nicht, ob das so funktioniert.
Beta: Eleanor Harkness-Jones, danke!
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Vertrauen
Lyrics 'Verse Masterlist

***
***

I don't know where I crossed the line
Was it something that I said
Or didn't say this time
And I don't know if it's me or you
But I can see the skies are changing
In all the shades of blue
And I don't know which way it's gonna go
If it's gonna be a rainy day
There's nothing we can do to make it change
We can pray for sunny weather
But that won't stop the rain
(Please Don't Stop The Rain – James Morrison)



Es war merkwürdig, Ianto so zu sehen: In einer Ecke der Couch sitzend, eine Schüssel Chips auf dem Schoß und die Fernbedienung in der Hand. Er sah beinahe aus wie ein Mann seines Alters. Aber seine Augen verrieten ihn und zeigten Jack, dass Ianto vielleicht 24 war, aber dennoch bereits eine alte Seele. Ianto brauchte einen Moment, um seine Überraschung zu unterdrücken – es tat weh, zu sehen, wie ungewöhnlich Jacks Besuch in Iantos Wohnung geworden war, seitdem sie sich das letzte Mal zum Sex hier getroffen hatten –, dann stand er auf und strich seine Kapuzenjacke und die Jeans glatt, soweit es ihm möglich war. "Sir." Er schaltete den Fernseher aus. "Wir können sofort los."

"Ich bin nicht wegen Torchwood hier", sagte Jack. Die Vorstellung, dass das Iantos erster Gedanke gewesen zu sein schien, tat beinahe mehr weh, als die Ereignisse der letzten Tage. Der Streit mit Ianto in der Basis, Owen und ein Weevil in einem Käfig, dann 1941 und Captain Jack Harkness – der echte – und Iantos und Owens Kampf um die Führung über die Basis. Jack hatte komplett die Kontrolle über alles verloren, nichts wirklich neues für ihn, und sein Instinkt verriet ihm, dass es noch nicht vorbei war.

"Ich habe dir den Schlüssel für Notfälle gegeben", sagte Ianto. Er ging in die Küche. Jack folgte ihm.

Das Licht war beinahe grell und erreichte jede Ecke des kleinen Raumes. Alles war ordentlich und sauber, wie ein Bild aus dem Katalog. Keine Persönlichkeit.

Ianto begann, Kaffee zu machen.

"Schickst du mich weg?", fragte Jack.

"Das kommt auf deine Definition eines Notfalls an."

Jack stand in der Küchentür, zerrissen zwischen zwei Möglichkeiten: Sich an den Tisch zu setzen wie ein Chef, der quasi in die Wohnung seines Angestellten eingedrungen war oder Ianto so fest an sich zu drücken, dass sein Geruch und seine Wärme Jack einhüllen und seine Einsamkeit vertreiben konnten. Ianto würde das nicht wollen. Er hatte deutlich gemacht, dass ihre körperliche Beziehung vorbei war. Für jemanden, der Ianto nach dem Zwischenfall mit dem Cyberwesen geradezu dazu gedrängt hatte, jedes Gefühl und jeden Gedanken preiszugeben, hatte Jack eine Menge Dinge für sich behalten. Ianto hatte in den ersten dunklen Tagen seiner Suspendierung darauf vertraut, dass Jack sich alles anhören würde, was er ihm erzählen konnte – von der Flucht aus London über Lisas Schmerzen und Tanizakis Hände auf ihrem Körper bis hin zu Iantos Verrat … Jack hatte zugehört, gefragt "Und wie hast du dich dabei gefühlt?" und er hatte Ehrlichkeit und Tränen und Wut als Antworten erhalten. Ianto hatte ihm versprochen, nie wieder zu lügen und Jack hatte genickt und seine eigenen Geheimnisse weiter für sich behalten, seine eigenen Lügen weiter erzählt. Ianto war nicht wütend, weil Jack unsterblich war. Er war wütend, weil Jack noch immer Dinge über sich zurückgehalten hatte, nachdem Ianto ihm alles gegeben hatte.

Jack entschied sich dafür, sich an den Tisch zu setzen. "Ist es ein Notfall, wenn ich mich heute beinahe umgebracht hätte?"

Ein Löffel klapperte auf der Oberfläche der Arbeitsplatte und fiel dann auf den gekachelten Boden. Ianto murmelte etwas, dass eine Entschuldigung oder ein Fluch gewesen sein könnte und bückte sich, um ihn ins Waschbecken zu werfen. Als er die Schublade öffnete, um einen neuen zu holen, sah Jack seine Hand zittern.

Ianto räusperte sich. "Beinahe?" Es war nur ein Wort, aber es war eine Einladung an Jack, zu bleiben.

Er atmete erleichtert auf. "Beinahe," sagte er nickend. "Dann habe ich mich daran erinnert, was du zu mir gesagt hast – dass ich mein Leben nicht wegwerfen sollte – und ich konnte es nicht tun."

Ianto drehte sich zu ihm um. "Stattdessen bist du hierher gekommen?" Jack nickte. Ianto runzelte die Stirn. "Warum?"

"Um zu reden."

"Nein", antwortete Ianto und seine Finger hielten die Kante der Arbeitsplatte so fest, dass die Knöchel weiß hervorstanden. "Warum wolltest du dich umbringen?"

"Eigentlich derselbe Grund wie immer: Weil dann alles aufhört. Wenigstens für eine Weile."

Mit einem lauten Röcheln produzierte die Kaffeemaschine den letzten Rest Kaffee und Ianto drehte sich um, um sie auszuschalten. Er goss zwei Tassen ein und fügte Milch und Zucker hinzu, bis sie perfekt waren, dann setzte er sich Jack gegenüber und schob ihm seine Tasse hin. Jack nahm einen Schluck und die Wärme breitete sich bis in seinen Bauch aus.

Ianto sah ihn nachdenklich an. Etwas Wut war noch immer in seinen Augen. "Du willst, dass alles aufhört?"

Jack bemerkte, dass Ianto dasselbe tat, was Jack während Iantos Suspendierung getan hatte: Er verdrehte Jacks Antworten zu neuen Fragen, um ihn zum Weiterreden zu animieren.

Mit einem bitteren Lächeln schüttelte er den Kopf. "Das Leben kann ermüdend sein, wenn es nie endet, Ianto." Für ein oder zwei Minuten hing Stille über dem Tisch, dann erklärte Jack: "Tosh und ich haben im Jahr 1941 einen Soldaten getroffen – Captain Jack Harkness."

Ianto nickte. "Tosh hat uns erzählt, was passiert ist. Du hast seinen Namen angenommen."

"Ja. Vor langer Zeit." Als er noch zu selbstbewusst und jung und sterblich gewesen war. All das hatte sich geändert, als ihm eine junge Frau mit wilden, blonden Haaren und funkelnden Augen in die Arme gefallen war.

Ianto rutschte unruhig hin und her, bevor er fragte: "Du hast dich in ihn verliebt?"

Jack war überrascht von der Frage. "Hat Tosh das gesagt?" Ianto antwortete nicht, nickte nicht mal, aber seine Stille war Bestätigung genug. Jack seufzte tief. Er konnte Tosh nicht mal vorwerfen, dass sie so dachte, aber … "Nicht wirklich. Ich … ich habe ihn bewundert." Ianto starrte Jack erstaunt an. Jack zuckte mit den Schultern. "Er war alles, was ich immer sein wollte: Ein Held, ein guter Anführer, jemand, der alles riskiert, um der zu sein, der er nun mal war, keine Lügen, keine Geheimnisse. Das hat ihn anziehend gemacht. Ich habe mich nicht verliebt, aber wäre ich länger dort geblieben, wäre er nicht am nächsten Tag gestorben – es hätte Liebe werden können." Ianto wich seinem Blick aus und nippte an seinem Kaffee. Jack konnte sehen, dass er Ianto irgendwie verletzt hatte und er wünschte sich die unkomplizierte Freundschaft zurück, die sie gehabt hatten, das gegenseitige Verstehen, das so selbstverständlich gewesen war. Er seufzte. "Ich war beinahe mein ganzes Leben lang ein Lügner, Ianto. Ich musste immer einen Teil von mir zurückhalten. Denn es passieren immer schlimme Dinge, wenn Menschen zu viel über dich wissen."

Ianto starrte in seine Tasse. "Du weißt alles über mich."

"Das ist sicher übertrieben."

Ianto sah auf, sein Blick scharf. "Ich war suspendiert. Ich wollte alles in Ordnung bringen und du hast Ehrlichkeit von mir verlangt. Also alles über mich, was jetzt wichtig ist … das alles weißt du."

Jack schluckte. "Ianto-"

"Deshalb war ich so wütend, als ich raus gefunden habe, dass du nicht sterben kannst. Wir haben ganze Nächte damit verbracht … über Lisa zu reden und Torchwood 1 und uns beide. Und du hast es nie erwähnt. Nie."

Jack lehnte sich in seinem Stuhl zurück. "Tut mir leid. Ich wünschte, du hättest es nie herausgefunden-"

"Du verstehst mich nicht", antwortete Ianto und stand auf, um seinen Kaffee in die Spüle zu schütten. "Ich wollte es wissen. Ich wünschte, du hättest es mir gesagt."

"Warum?"

Ianto drehte sich zu ihm um. "Weil ich dich verstehen will."

"Warum?", fragte Jack erneut neugierig. Ianto drehte sich weg und wusch die Tasse aus. Jack spürte, dass etwas hinter den Mauern lauerte, die Ianto in den letzten Tagen um sich errichtet hatte. Er sah es in der Art, wie Ianto sich bewegte, wie seine Schultern sich verspannten und seine Hände die Tasse fest umschlossen. Jack stand auf und ging zu Ianto. Vorsichtig legte er seine Hände auf Iantos Schultern, nicht sicher, ob er abgewiesen werden würde. Ianto erstarrte, aber er schob ihn nicht weg. Jack grub seine Finger in angespannte Muskeln und trat näher, um sich gegen Iantos Rücken zu drücken. Er faltete die Hände auf Iantos Bauch. "Sag mir warum."

"Nein", antwortete Ianto.

"Warum nicht?", fragte Jack.

Ianto drehte sich um und drückte seine Lippen gegen Jacks. Nach den letzten Tagen der Abweisungen war Jack überrascht von der Geste, aber er erholte sich schnell. Er trat näher, um Ianto gegen die Arbeitsplatte zu drücken und eine seiner Hände glitt unter Iantos Kapuzenpullover, um den Hosenbund seiner Jeans nachzufahren.

Ianto drehte den Kopf zur Seite und küsste Jacks Wange. Dann flüsterte er: "Weil du mich nur zurückweisen würdest."

Jack hörte die unausgesprochene Antwort.

'Weil ich dich mehr mag, als ich sollte.'

Er trat verunsichert einen Schritt zurück. "Wir haben gesagt, dass es nichts ernstes werden würde."

"Eine Affäre reicht mir nicht."

"Okay", antwortete Jack, "das ist überraschend – davon wusste ich nämlich nichts."

Ianto senkte den Blick. "Ich wusste es auch nicht. Aber dann habe ich dich tot gefunden."

Die Luft schien aus dem Raum zu entweichen und Jack glaubte, ersticken zu müssen. Er musste hier raus. "Ich gehe."

Ianto runzelte die Stirn. "Du musst nicht gleich-"

"Ich gehe … weg von der Erde." Er sah, wie etwas in Ianto zerbrach. Sein Gesicht blieb neutral, aber seine Augen verrieten ihn wieder. Und Jack hasste Ianto dafür, dass er ihn dazu gebracht hatte, ihm wehzutun. Und er hasste ihn dafür, dass er eine perfekte Freundschaft mit Extras in das Äquivalent eines Gebiets voller Landminen verwandelt hatte.

"Wann?"

"Keine Ahnung. Vielleicht bald."

"Für wie lange?"

"Für immer." Er schloss die Augen. "Ich komme aus dem 51. Jahrhundert, ich bin hier gestrandet und ich kann in dieser Zeit nicht atmen, Ianto. Ich ersticke. Der Doktor wird kommen und mich mitnehmen. Er hat mein Leben einmal repariert – er kann es wieder tun." Er öffnete die Augen.

Ianto starrte ihn verwirrt an. "Und was heißt das für uns?"

"Euch?", fragte Jack und stützte die Hände auf die Hüften. "Verstehst du mich nicht? Alles, was ich tue, jeder, den ich kenne … so, wie ich jetzt bin, seid ihr ..." Er drehte sich weg und seufzte tief, während er nach den richtigen Worten suchte. "… Torchwood, das Team, du … ihr seid alle ein kurzer Funken in meinem Leben."

"Ein Funken?" wiederholte Ianto. Jack drehte sich zu ihm um. Iantos Arme waren verschränkt. Er sah unglaublich traurig aus.

"Siehst du?", fragte Jack bitter. "Mich zu kennen ist letztlich doch nicht so gut."

"Auf der anderen Seite", antwortete Ianto, "weiß ich jetzt, wo deine Prioritäten liegen." Er starrte Jack wütend an. "Nicht bei Torchwood oder dem Team … denn wir sind hier und dann", er schnippte mit den Fingern, ein scharfes Geräusch in der ansonsten stillen Küche, "verschwunden. Bedeutungslos."

"So habe ich das nicht gemeint."

"Doch, denn so siehst du die Welt. Weil das die Entschuldigung für dich ist, niemandem zu vertrauen. Du opferst all dein Vertrauen einem Mann und was passiert, wenn der dich enttäuscht? Was, wenn er dir nicht hilft? Vielleicht kann er es gar nicht."

"Als ob du nicht dasselbe tust!", antwortete Jack gereizt. Ianto sprach seine tiefsten Ängste an und er wollte sie nicht hören. "Du opferst dein ganzes Vertrauen mir, weil du denkst, dass ich dir helfen oder dass ich das Loch füllen kann, das Lisa hinterlassen hat und das nur, weil du Angst davor hast, allein zu sein oder nicht gebraucht zu werden. Aber das kann ich nicht. Ich weiß nicht mal, ob ich das will."

Stille schlug in die Küche ein.

Jack schluckte, als er realisierte, was er gesagt hatte. "Ianto-"

"Nein", unterbrach Ianto ihn. "Du hast Recht. Owen scheinbar auch." Er lächelte traurig. "Ich hätte nicht auf ihn schießen sollen." Er nahm Jacks Tasse vom Küchentisch und spülte sie aus. "Ich denke, wir sind hier fertig."

Seine Abweisung schmerzte, aber, so rief Jack sich ins Gedächtnis, das hatte er gewollt, oder? Ianto hätte ihm niemals so nahe kommen dürfen, denn wenn Jack die Erde verlassen würde, wäre es nur schwerer für Ianto, ihn loszulassen … also nickte er. "Sieht ganz so aus." Er wandte sich zum Gehen.

"Jack", sagte Ianto und er blieb stehen, "hinterlass eine Nachricht, wenn du uns verlässt. Nur, damit wir wissen …"

Jack antwortete: "Das kann ich nicht versprechen."

Und dann ging er.


ENDE
10/11

Stille
Lyrics 'Verse Masterlist