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Torchwood: Fesseln (Fanfiction)

FESSELN

Worte: 1.750
Inhalt: Jack ist zurück, aber er fühlt sich nicht wirklich zu Hause.
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Toshiko Sato, Owen Harper, Gwen Cooper
Pairing: Jack/Ianto
Rating: M
Spoiler: Kiss Kiss Bang Bang
Setting: direkt nach Kiss Kiss Bang Bang
Anmerkungen: Geschrieben für die Challenge #002 auf redisourcolor . Eingebaut werden sollte “Die Zeit rinnt in nur wenigen Momenten vorbei, sie verschwindet wie Rauch, für immer“ (freie Übersetzung der Autorin) und die Worte: Sonnenaufgang, Anfang und Geliebte. Meine erste Torchwood-Fanfiction. Entstanden spontan und nach intensiver Wikipedia-Recherche zum Thema Jack Harkness und allen Querverweisen, die man dazu findet (und das sind eine Menge!).
Feedback: Brauche ich wie Luft zum Atmen.
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.


Jack hatte nicht gewollt, dass es so weit kam, aber es war zu spät. Torchwood Cardiff sollte nie mehr sein als ein Zeitvertreib, ein Job, der ihn bei Verstand hielt, während er auf den Doktor wartete, ein Weg, Menschen zu helfen. Es sollte niemals eine Fessel sein. Aber er hatte es soweit kommen lassen und nun war er gefesselt. Was auch immer er davon hielt. Er hatte schon zu viele Geliebte, Freunde und Familienmitglieder sterben sehen, zu viele von ihnen zurückgelassen mit der Frage, wo er hin gegangen war oder wieso. Er wollte das nicht mehr.

Jack hatte die Hände in die Hosentaschen vergraben und starrte durch das Fenster seines Büros zu den vier Menschen, die sich in der Torchwood-Basis versammelt hatten. Er sah auf die Uhr. John Hart dürfte inzwischen weit weg sein und ihre Alter Egos sollten von dem Riss verschluckt worden sein. Eine anstrengende Nacht war vorbei. Jack hatte diese Arbeit vermisst. Dennoch nagten Johns letzte Worte an ihm. Gray … noch jemand, den er im Stich gelassen hatte. Sollte John tatsächlich die Wahrheit sagen? Konnte er ihn gefunden haben? Würde Gray Jack verzeihen, dass er irgendwann aufgehört hatte, ihn zu suchen? Er hatte ihn ihm Stich gelassen … wie diese Menschen hier, wie jeden anderen in seinem Leben zuvor auch. Und dennoch war sein Büro noch so aufgeräumt wie an dem Tag, an dem er gegangen war. Die großen, sauber gewischten Fenster gaben ihm einen guten Blick auf sein Team, sein Schreibtisch war ordentlich und sogar Scotch war vorrätig, als wäre er nur kurz unterwegs, um einen Weevil zur Strecke zu bringen.

Gwen lehnte an Owens Schreibtisch und lachte über etwas, was der Arzt sagte. Tosh lächelte und verdrehte die Augen, teilte einen amüsierten Blick mit Ianto, der ihnen Kaffee brachte. Als wäre alles noch beim Alten. Aber das war es nicht. Gwen war verlobt – und das verursachte einen stumpfen Schmerz in Jack, als hätte er etwas verloren, von dem er gar nicht wusste, dass er es gehabt hatte.

Owen hatte sich verändert – er war ruhig, aber nicht zurückhaltend. Die Bitterkeit, die in seinen Augen gelauert hatte, seit Jack den jungen Arzt das erste mal sah, war verschwunden und an ihrer Stelle war nur Entspannung. Seine Witze waren noch immer pointiert, aber nicht mehr so verletzend wie früher. Als ob er endlich seinen Platz gefunden hätte und bereit war, weiterzugehen. Toshs Verhalten war noch immer schüchtern und ihr Wesen ruhig, aber sie grinste offener und die früher noch versteckten Blicke in Owens Richtung waren inzwischen nicht mehr ganz so versteckt, als wolle sie ihn anregen, auf sie zuzugehen.

Aber die größte Veränderung – und auch die schmerzhafteste, weil Jack nicht begreifen konnte, wann es passiert sein könnte und weil er sich fragte, ob sein Weggang vielleicht etwas damit zu tun hatte – war in Ianto vorgegangen. Er stand nicht mehr länger nur im Hintergrund, ruhig ihre Unordnung beseitigend, traurige Augen durch die Basis schweifend … er war noch immer der Versorger des Teams, aber er war nun auch Teil des Teams. Und noch mehr hatte sich geändert. Er lächelte, er lachte, er machte Witze, seine Schultern nicht mehr länger schützend hochgezogen, die blauen Augen leuchteten. Und er war wunderschön. Jack hatte schon immer so gedacht, vom ersten Moment an, in dem er den jungen Mr. “Jones, Ianto Jones“ kennen gelernt hatte. Aber seine Schönheit war vorher eher tragisch gewesen, niemals so unbekümmert und offen, sodass jeder es sehen konnte. Er war immer Jacks Ianto gewesen, nur offen lächelnd, wenn sie einen intimen Scherz teilten oder während sie nach einer langen Nacht in Jacks Bett ausgeruht hatten. Dieser Ianto war immer Jacks Geheimnis gewesen.

Vielleicht hatte diese Veränderung ja etwas mit einem anderen Mann – oder einer anderen Frau – zu tun, der oder die nun auch erkannt hatte, wer Ianto eigentlich war. Jack realisierte nicht zum ersten Mal in dieser Nacht, dass sein Team wunderbar ohne ihn zurecht kam und plötzlich glaubte er, ersticken zu müssen. Er musste raus. Eilig verließ er das Büro. Als er sein Team auf dem Weg zu der großen Eingangstür passierte, warfen sie ihm fragende Blicke zu. Ianto war der einzige, der etwas sagte. ”Sir, soll ich das Auto bereit stellen?”

”Nein”, antwortete er und war weg.

”Was ist denn mit dem los?”, fragte Owen und kaute am Ende seines Bleistiftes.

Gwen zuckte mit den Schultern. ”Kann nicht am Riss liegen. Das hätte er uns gesagt.”

Owen hob die Augenbrauen. ”Sicher?”

Gwen zögerte.

Tosh schüttelte den Kopf. ”Sei nicht albern.” Sie blickte zur geschlossenen Tür. ”Was denkst du, Ianto?”

Er antwortete nicht und als die den Kopf zu dem Punkt wandte, an dem er gerade noch gestanden hatte, bemerkte sie, dass er weg war. Als laute Schritte von Jacks Büro kamen, drehte sie den Kopf. Ianto war auf dem Weg zur Tür, Jacks Mantel im Arm.

”Geh ihm nicht nach,” beschwerte Owen sich, aber Ianto warf ihm nur einen finsteren Blick zu und verließ die Basis. Owen seufzte frustriert. ”Großartig. Dann ist ja alles wieder wie früher, richtig? Jack wird zickig und der Kaffee-Junge läuft ihm nach wie ein getretener Welpe.”

”Owen!”, sagte Gwen scharf, ”Wir haben keine Ahnung, was er vielleicht durchgemacht hat.”

”Durchgemacht?”, schnaubte Owen, ”Vielleicht hat er mit Hart die intergalaktischen Clubs abgecheckt. Soweit wir wissen, könnte er an irgendeinem verdammten Strand in der Pegasus-Galaxie gewesen sein.”

Tosh und Gwen starrten ihn böse an und Owen stand von seinem Stuhl auf. ”Oi, er geht und ich kriege das Starren des Todes. Ihr könnt mich mal.” Damit verschwand er Richtung Autopsie.

***

Das bronzene Dach reflektierte den späten Sonnenaufgang. Er hatte seine eigene Jacke vergessen, wie Ianto verspätet feststellte. Er drückte den Mantel enger an seinen Oberkörper, während er auf Jack zuging, der mit dem Rücken zu ihm stand und von seinem gewohnten Platz aus über den menschenleeren Roald Dahl Plass blickte.

”Sir?”

Jack drehte sich nicht um. Er schob nur die Hände in die Hosentaschen. Ianto blieb neben ihm stehen, kämpfte gegen das Schwindelgefühl an, dass ihn auf Dächern immer überfiel. ”Den hast du vergessen.”

Jack lächelte traurig. Ianto reichte ihm den Mantel und Jack zog ihn langsam an. Ianto konnte beobachten, wie sich das Gesicht des Captains kurz entspannte. Jedes mal, wenn Jack den Mantel anzog, war es, als begrüße er einen alten Freund. Ianto verschränkte die Arme, um die schneidende Seeluft abzuwehren. Es war lange still. Ianto wartete darauf, dass Jack etwas sagte. Jack wusste nicht, wo er anfangen sollte. ”Ich bin wieder da ”, sagte er endlich, beinahe hilflos.

Ianto lächelte. ”In der Tat.”

”Alles ist anders.”

Ianto zuckte mit den Schultern. ”Nicht wirklich.”

”Du schon.”

Ianto blickte auf das Dach hinunter. ”Nicht wirklich.”

Er bemerkte aus dem Augenwinkel, wie Jack ihn prüfend ansah.

”Frierst du?”

”Ein bisschen, Sir”, gab Ianto zu und fand sich plötzlich in Jacks Armen wieder. Ihre Oberkörper und Hüften berührten sich und während Jack einen Arm um seine Schultern und einen um seine Hüfte legte, lehnte Ianto seinen Kopf an Jacks Schulter. Seine Arme fanden wie von selbst ihren Weg um Jacks Hüfte.

”Ich war so lange weg ”, sagte Jack, ”Natürlich ändern die Dinge sich da. Ich denke, ich wollte es nur nicht wahrhaben und ich … habe gehofft, wir könnten da weitermachen wo wir aufgehört haben.”

Ianto atmete den Duft nach altem Stoff, Jack und frischer Luft ein und schloss die Augen. Er hatte das vermisst. So selten solch ruhige Augenblicke zwischen ihnen auch gewesen waren – er hatte sie in sein Gedächtnis gebrannt.

”Ich habe nicht wirklich das gefunden, was ich gesucht habe”, sagte Jack, sein Griff festigte sich. Schmerz färbte seine Stimme dunkel. ”Und alles wurde nur schlimmer.” Seine Stimme brach. ”Ich habe euch verlassen und ihr habt gelernt, ohne mich zurecht zu kommen. Ich war so lange weg – ich habe so viel verpasst.”

Ianto räusperte sich. ”Die Zeit rinnt in nur wenigen Momenten vorbei, sie verschwindet wie Rauch, für immer.” Er sah zu Jack auf. ”Das habe ich vor ein paar Monaten irgendwo gelesen und … irgendwie ist es hängen geblieben.” Weil es ihn an Jack erinnerte. Er berührte zögerlich Jacks Wange, nicht sicher, was sie im Moment überhaupt füreinander waren. Jack hatte ihn um ein Date gebeten, aber Ianto konnte sich nicht als jemand sehen, um den geworben wurde. Dafür war zu viel passiert.

Sie waren mehr als Freunde und weniger als Geliebte und Iantos Erinnerungen riefen automatisch Owens Worte wieder herbei, als dieser Ianto sagte, sie seien nur “Teilzeit-Ficks”. Es tat noch immer weh, nach so langer Zeit, aber es beschrieb ihre Beziehung auch nicht.

”Was ich sagen will ist, dass du nicht lange genug weg warst, um ersetzt zu werden. Du bist unersetzbar.”

”Die Zeit ist geflogen, hm?”, fragte Jack.

”Wie immer, wenn man Spaß hat ”, antwortete Ianto mit einem Grinsen, dann schüttelte er den Kopf, ”Wir haben dich vermisst. Wir sind froh, dass du zurück bist. Ich glaube, Gwen will keine Anführerin sein.”

”Ich habe euch vermisst.” Jack drehte das Gesicht weg, als würde er die Stadt überblicken wollen, aber Ianto fühlte, wie er sich anspannte. ”Eine Zeit lang war es ziemlich schlimm.” Er erklärte diese Worte nicht und Ianto glaubte nicht, dass er das Recht hatte, zu fragen.

”Also, Ianto Jones ”, sagte Jack plötzlich, sein breitestes Lächeln aufgesetzt und der Wunsch, das Thema zu wechseln, in den Augen, ”Was gibt es bei dir neues – einen Freund?”

Ianto lachte. ”Niemanden”, antwortete er.

Jack legte eine Hand an seine Wange und zog ihn noch näher. ”Sieh dich an”, sagte er leise, nahm die leuchtenden blauen Augen, die geröteten Wangen und das dunkle, vom Wind zerzauste Haar in sich auf. ”Du bist wunderschön. Wer würde dich nicht wollen?”

Ianto wollte seinem Blick ausweichen, aber Jack legte den Daumen unter sein Kinn und zwang ihn sanft, ihn anzusehen.

”Ich habe Ja zu einem Date gesagt, nicht wahr?”

”Richtig.” Jack ließ einen Kuss auf seine Lippen fallen.

Ianto lächelte. ”Sind wir dann so was wie ein Pärchen?”

Jack zog eine Grimasse. ”Sagen wir Geliebte.” Sein Arm rutschte von seinem Platz um Iantos Schultern zu seiner Hüfte. ”Die Pärchen-Sache lassen wir noch sein.”

”Richtig”, antwortete Ianto, ”Ich will dich nicht festbinden.” Er klang enttäuscht, sogar in seinen eigenen Ohren. Er blickte über die Stadt.

Jacks Lippen berührten seine Schläfe, dann sein Ohr. ”Das hast du schon längst. Ich bin wegen dir zurückgekommen.”

Ianto blickte ihn an, ein leises Lächeln auf den Lippen. Er antwortete nicht.

”Auf einen neuen Anfang ”, flüsterte Jack.

Ianto seufzte und drückte einen Kuss in seine Halsbeuge. ”Ein neuer Anfang.”


ENDE
JJ 06/10

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