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Numb3rs: Fluchtreflex (Fanfiction)

Fluchtreflex

Worte: ~ 1.400
Inhalt: Sie waren alle müde. Sie waren alle am Ende ihrer Weisheit angelangt und jetzt gab die einzige Person, die ihnen helfen konnte, diesen Serienbombenleger zu finden, einfach auf. Aber Ian würde nicht aufgeben. Er würde nicht zulassen, dass Charlie resignierte.
Charaktere: Ian Edgerton, Charlie Eppes
Pairing: Charlie/Ian Edgerton
Rating: PG-13
Setting: Irgendwann nach Hinterhalt
Anmerkungen: Ich bin zurück! Seit einem Jahr (war es wirklich so lange?) bin ich im Hintergrund geblieben und ich habe gerade angefangen, die Serie noch einmal zu sehen (Gott, ich vermisse sie!) und ich bin diese Idee nicht mehr losgeworden. Ich denke, ich werde noch mehr schreiben. Ich habe da immer noch diese wirklich lange Charlie/Ian-Story auf meinem Desktop ...
Beta: Eleanor Harkness-Jones, die das hier gelesen hat, obwohl es nicht ihr Fandom ist. Danke!
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Numb3rs und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

***
***


Die Tür zur Abstellkammer fiel ins Schloss. Ian drängte Charlie zurück, bis der die Wand im Rücken hatte. Die Glühbirne flackerte. Es roch nach Papier und Tintenpatronen und Bodenreiniger und die abgestandene Luft war so anders als die im Büro, wo die Klimaanlage ununterbrochen lief. Einen Moment lang war ihr Atem das einzige Geräusch.

"Was soll das werden?", fragte Charlie schließlich und versuchte, an Ian vorbei zur Tür zu gelangen. Er scheiterte, als Ian ihm wieder in den Weg trat. Charlie starrte ihn mit dunklen, gequälten Augen an. Sein jungenhaftes Gesicht war müde und blass.

"Atme tief durch“, sagte Ian ruhig. Charlie runzelte die Stirn. Dann versuchte er erneut die Flucht, aber Ian legte rasch die Arme um seine Hüfte und hielt ihn zurück. Charlie wand sich, drückte gegen Ians Hände und Brust, aber Ian gab nicht nach. Stattdessen manövrierte er sie in eine Ecke des Raumes, wo er Charlie zwischen den Wänden und sich selbst halten konnte.

Charlie starrte ihn wütend an. "Lass mich gehen."

"Nein." Ian blickte in Charlies Augen. "Wir brauchen deine Hilfe in diesem Fall."

"Ich kann nicht mehr daran arbeiten!", erwiderte Charlie, fand scheinbar die Wut wieder, die ihn vor ein paar Minuten erst dazu gebracht hatte, seinen Bruder stehenzulassen. Ian war derjenige gewesen, der Charlies dramatischem Abgang in Richtung Aufzug gefolgt war und ihn in diese Abstellkammer gedrängt hatte. Charlies Hände ballten sich zu Fäusten, aber Ian wusste, dass er ihn nicht schlagen würde. Es brauchte noch mehr als all das, um Charlie dazu zu bringen, auf Gewalt zurückzugreifen. "Ich bin kein Computer! Ich kann nicht immer an dem Problem arbeiten, das ich gerade für euch lösen muss, kapiert ihr das nicht?"

"Oh, ich kapiere das schon. Ich kapiere, dass du vor Schwierigkeiten wegläufst, aber das kannst du nicht. Du hast eine Verantwortung, Charlie, und davor kann man nicht wegrennen." Ian fühlte Erschöpfung Überhand nehmen und seine Barrieren bröckeln, seine eigene Wut und Frustration herauskommen. Er nahm einen tiefen Atemzug, um sich zu beruhigen. Das letzte, was er tun wollte, war Charlie zurechtzuweisen. Don hatte genau das vor ein paar Minuten versucht und war gnadenlos gescheitert. Allerdings war es schwer für Ian, seine Fassung zu finden. Sie waren alle müde. Sie waren alle am Ende ihrer Weisheit angelangt und jetzt gab die einzige Person, die ihnen helfen konnte, diesen Serienbombenleger zu finden, einfach auf. Aber Ian würde nicht aufgeben. Er würde nicht zulassen, dass Charlie resignierte.

Charlies Gesicht verfinsterte sich noch weiter. "Wage es nicht, mir zu sagen, was meine Verantwortung ist. Du hast keine Ahnung von meiner Verantwortung! Du kennst mich doch gar nicht! Nicht wirklich!"

Die Worte schnitten tief und Ian konnte sich nicht davon abhalten, zurückzuschlagen. "Ich weiß, dass du hierher gekommen bist, weil du mit den großen Jungs spielen willst und jetzt musst du die Sache auch bis zum Ende durchziehen, weil man das in diesem Job nun mal tut, Charlie. Er ist nichts für Feiglinge." Charlies Augen wichen seinen aus und er senkte den Kopf. Ian atmete tief durch und erinnerte sich, dass es sein Ziel gewesen war, Charlie aufzurütteln, damit er zurückkam. Er hatte nicht die Absicht, ihn zu verletzen. Leiser fügte er hinzu: "Ich habe dich nie für einen Feigling gehalten, Professor." Der Spitzname war eine Entschuldigung.

Charlie nahm sie nicht an. "Ich bin kein Feigling."

"Beweise es."

Charlie starrte ihn für einen langen Moment an und dann füllten sich seine Augen langsam mit Tränen. "Ich kann nicht ... ich ..." Er schluckte und starrte zu Boden. Als er den Kopf wieder hob, waren seine Augen nicht mehr feucht, aber sein Gesichtsausdruck verriet, dass er sich schuldig fühlte. "Ich kann nicht. Ich kann mich … nicht konzentrieren. Manchmal kann ich einfach nicht an dem arbeiten, was benötigt wird."

"Woran kannst du jetzt gerade arbeiten?"

Charlies Hände umklammerten den Riemen seiner Umhängetasche, fest genug, dass die Fingerknöchel weiß hervortraten. "P versus NP."

Das hatte Ian befürchtet. Er hatte von diesem Problem, kannte Geschichten von Alan und Don – es war Charlies Rückzugsmöglichkeit, wenn er mit einer Krise konfrontiert war und er konnte Monate damit zubringen, an der Formel zu arbeiten ... und sie war unlösbar. "Man kann es nicht lösen, Charlie."

"Doch." Er klang jedoch nicht überzeugt.

Ian schüttelte den Kopf. "Du machst dir das nur vor. Ich will nicht unfair klingen, aber da draußen sprengt ein Kerl Schulbusse in die Luft und die einzige Person, die in der Lage sein könnte, uns zu sagen, wo er als nächstes zuschlägt, bist du. Für deine Bedürfnisse und P versus NP ist wirklich keine Zeit."

Charlie schloss die Augen. "Ich kann nicht daran arbeiten." Er schob Ian zur Seite, um zu gehen. Ian reagierte instinktiv. Er ergriff sanft Charlies Kopf und küsste ihn, zog ihn näher. Charlie machte ein überraschtes Geräusch und ließ seine Tasche fallen, aber dann küsste er zaghaft zurück, als ob er nicht ganz sicher war, was Ian erreichen wollte.

Ian legte einen Arm um Charlies Hüfte und legte seine freie Hand auf Charlies Brust. Er flüsterte: "Dein Herz rast." Charlie starrte ihn an. Leise fuhr Ian fort: "Du hast Angst." Er starrte in Charlies Augen. "Ich verstehe das. Glaub mir. Wir alle verstehen das. Wir haben alle Angst, dass wir einen Fehler machen und dass Menschen deshalb sterben, aber so ist es nun mal. Das ist das Risiko in unseren Job."

"Ich weiß nicht, ob ich das weiter machen kann."

"Klar kannst du", erwiderte Ian. "Ein Mann, der im Hotelzimmer eines ausgebildeten Scharfschützen auftauchen und ihn um ein Date bitten kann, ohne die geringste Ahnung zu haben, ob der Scharfschütze an Männern interessiert ist ..." Er lächelte. "Ein solcher Mann kann alles tun." Er wurde ernst. "Niemand hat gesagt, dass du da alleine durch musst. Lass mich dir helfen." Seine Lippen streiften Charlies wieder, keusch und zärtlich. Er legte seine Wange an Charlies Schläfe und flüsterte: "Okay, jetzt atme tief durch."

Charlie gehorchte, aber Ian spürte sein Herz noch immer rasen, fühlte noch immer die nervöse Anspannung seiner Muskeln.

Er umarmte ihn, barg Charlies Kopf unter seinem Kinn und streichelte beruhigend seinen Rücken. "Komm schon, du schaffst das." Ian wusste, dass sie gegen einen Instinkt arbeiteten, der tief in Charlie verwurzelt war. Don und Alan hatte erwähnt, dass sie mehrere Male versucht hatten, ihn von P versus NP wegzuholen, aber sie hatten immer zu spät reagiert und Charlie die Chance gegeben, sich in den Zahlen zu verlieren. Vielleicht würde das hier helfen: Charlie aus seiner Starre zu reißen, bevor er in seinen Gleichungen ertrank.

Charlie atmete tief ein, drückte sein Gesicht in Ians Halsbeuge. Ian war nie sehr taktil gewesen oder hatte viel Wert auf Zärtlichkeiten gelegt, aber das hier war anders. Und vielleicht half es auch ihm ein wenig, weil er ebenso frustriert und müde wie Charlie war. Er fürchtete, dass sie nicht in der Lage sein würden, den nächsten Anschlag zu verhindern. Und darüber hinaus machten ihm noch viele andere Dinge Angst: Diese Affäre mit Charlie wurde langsam zu etwas mehr, etwas, das Ian seit langer Zeit nicht gehabt hatte. Er strich mit den Fingern durch Charlies dunkle Locken und schloss die Augen. Aber es war okay. Es musste okay sein, denn wenn jemand mit einem so unglaublichen Gehirn wie Charlie es hatte an jemandem wie Ian interessiert sein konnte ...

"Ich kann das", sagte Charlie leise und blickte zu Ian auf.

Er lächelte und beugte sich hinunter, um ihn sanft zu küssen. "Ich weiß."

Charlie nickte und schenkte ihm ein kurzes Lächeln, noch unsicher, aber das war nicht unbedingt etwas Schlechtes. Er würde seinen Mut vor den Whiteboards wiederfinden. Das tat er immer. Charlie ging zur Tür und – nach einem letzten Blick über die Schulter – verließ den Raum entschlossen.

Ian seufzte tief. "Du bist der einzige, der an dir zweifelt."

ENDE
04/12


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