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Torchwood: Graustufen (Fanfiction)

Graustufen

Worte: ~ 1.400
Inhalt: Sie waren in Ordnung und sie hatten einander versprochen, dass es keinen Einfluss auf ihr Leben haben würde. Und doch hatte es das.
Charaktere: Ianto Jones, Jack Harkness
Pairing: Jack/Ianto
Rating: PG-13
Setting: Staffel 2
Warnungen: Erwähnung von Schwulenklatschen (Off-Screen), Erwähnung von Homophobie
Anmerkungen: Geschrieben für queer_fest und den Prompt: Manchmal vergisst Ianto, dass die Dinge jenseits von Torchwood nicht so einfach sind. Ich hoffe, das hier kommt dem nahe, was du lesen wolltest.
Beta: larsinger29, danke!
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

***
***


Sie waren in Ordnung und sie hatten einander versprochen, dass es keinen Einfluss auf ihr Leben haben würde.

Es war nur eines dieser Dinge, die passierten. Sie hatten die ganze Sache vertuscht, so dass das Team nichts davon erfahren würde: Sie behaupteten, dass Ianto die Woche bei seiner Schwester verbringen würde, um ihr auszuhelfen, während Johnny nach Glasgow ging, um zu arbeiten (in Wahrheit verbrachte Ianto die Tage zu Hause und beobachtete, wie die blauen Flecken in seinem Gesicht verschwanden), sie ließen die Reinigung das Blut aus Jacks Mantel entfernen (und bezahlten sie großzügig dafür, nie mehr darüber zu sprechen) und sie löschten die Aufzeichnungen von Überwachungskameras (wobei sie keine Möglichkeit fanden, die Verantwortlichen zu identifizieren – die Aufzeichnungen waren zu pixelig, die Gasse zu dunkel und keine andere Kamera hatte sie erwischt).

Das Team bemerkte keinen Unterschied, die Spuren in Iantos Gesicht verschwanden und die noch sichtbaren Hämatome versteckte er unter seinen Anzügen und Jack ignorierte das Wissen darum, wie sein Mantel vor ein paar Tagen noch ausgesehen hatte.

Sie waren in Ordnung und sie hatten einander versprochen, dass es keinen Einfluss auf ihr Leben haben würde.

Und doch waren sie nicht in Ordnung.

Und es hatte einen Einfluss.

***

Ianto lächelte Jack zu, während er die Touristeninformation abschloss. "Ich bin in der Stimmung für Sushi."

"Sushi?" fragte Jack. Selbst im spärlichen Licht der Lampen, die die Promenade um die Bucht erhellten, konnte Ianto eine Grimasse über sein Gesicht huschen sehen.

"Was ist dein Problem mit Sushi?" Er schlug den Kragen seines Mantels gegen den eisigen Winterwind hoch.

"Wenn du mal die Tioweser Version von Sushi gegessen hättest, würdest du mich verstehen."

"Will ich wissen, was das bedeuten soll?"

"Nein, das willst du nicht", antwortete Jack. Er sah auf das dunkle Wasser hinaus, als ob er dort Erinnerungen sehen könnte – ein winziger Funken Sentimentalität hellte sein attraktives Gesicht auf – und wandte sich dann wieder Ianto zu. "Lass uns chinesisch essen gehen."

Ianto zuckte mit den Schultern und nahm sich vor, bei Gelegenheit mit Tosh Sushi essen zu gehen. "Okay."

Jack streckte eine Hand aus, wie er es jeden Abend tat, wenn sie es schafften, lange genug für ein Date die Basis zu verlassen. Automatisch schob Ianto seine Finger zwischen Jacks. Als die frische Nachtluft jedoch lautes Lachen von einem der Boote am Pier zu ihnen trug, zog Ianto seine Hand zurück und Jack spannte sich an.

Und sie realisierten, dass sie noch lange nicht darüber hinweg waren.

***

Sie aßen chinesisch, aber nicht wie geplant im Restaurant, sondern in Iantos Wohnung. Danach hatten sie Sex: befriedigend und langsam und vorsichtig, denn sogar über eine Woche nachdem es passiert war, war Ianto noch nicht ganz geheilt. In gewisser Weise traf das auf sie beide zu.

Als sie schließlich atemlos und aneinander gedrückt in Iantos Bett lagen – Jacks Hand auf einem beinahe verheilten Hämatom auf Iantos Hüfte und Iantos Finger sanft über die Stelle auf Jacks Bauch streichelnd, wo das Messer eingedrungen war – fragte Jack plötzlich: "Sollten wir darüber reden?"

Ianto schluckte, unsicher, wie er antworten sollte. Seine Augen fanden die Vorhänge, wo die Straßenlaternen orange Flecken auf den weißen Stoff malten. "Ich weiß es nicht."

"Wir sind okay, nicht wahr?" Jack klang so unsicher, wie Ianto sich fühlte. Anspannung lag in seiner Stimme ... die Angst, dass Ianto "Nein" sagen würde.

Es gab wirklich nur eine Antwort. "Ja." Ianto küsste Jacks Brust. "Ja, wir sind okay."

***

Es dauerte vier weitere Abende, an denen sie in der Sicherheit von Iantos Wohnung anstatt in einem Restaurant aßen, bevor Ianto sagte: "Wir sind nicht in Ordnung."

Jack sah ihn über den Küchentisch hinweg an. Für eine Sekunde war es still genug, um die Uhr an der Wand ticken zu hören, dann antwortete Jack: "Ich weiß."

"Und warum geben wir dann vor, okay zu sein?"

"Weil es einfacher ist", antwortete Jack und es klang wie eine Frage.

Ianto starrte die Schachteln an, in denen das Essen gekommen war, die benutzten Teller und ihre Bierflaschen. Er seufzte. Sie sollten nicht hier sein, in seiner nackten, winzigen Küche, ihr Essen aus Schachteln wählen und aus der Flasche trinken. Sie sollten in einem Restaurant sitzen, das Essen von angewärmten Speiseplatten nehmen und Wein trinken. "Wir sind Torchwood", sagte Ianto. "Wir spüren Aliens auf, die uns töten könnten. Wir jagen Weevils, die uns die Kehlen herausreißen könnten, sollten wir ihnen den Rücken zudrehen. Wir haben so viele schreckliche Dinge überlebt. Warum ist das hier so anders?" Er stand auf und stapelte ihre Teller, brachte sie zur Spüle.

"Wir haben das hier auch überlebt", sagte Jack.

Ianto spritzte Spülmittel auf die Teller. "Ja, weil du nicht sterben kannst und weil sie unterbrochen wurden, bevor sie das Messer an mir benutzen konnten." Er öffnete den Wasserhahn. "Seien wir ehrlich: Wir können es ja nicht einmal beim Namen nennen."

Jacks Stuhl kratzte über das Parkett und dann wärmte sein Körper Iantos Rücken, als er das Besteck zu den Tellern legte und verweilte, seine Hände über Iantos Arme reibend. Sie starrten ins Waschbecken und beobachteten, wie das Spülmittel aufschäumte.

Schließlich sagte Jack leise: "Homophobie."

"Schwulenklatschen", korrigierte Ianto ihn.

"Ist dasselbe."

"Manchmal."

"Homophobie hat keine Graustufen, Ianto. Nur die Gewalt, die damit in Verbindung steht." Jacks Lippen streiften seinen Nacken.

Ianto ließ die Schultern hängen. "Das Schlimmste ist, dass ... ich war überrascht. Geschockt."

"Du hattest allen Grund dazu. Sie kamen aus dem Nichts." Jacks Hände rieben fest über Iantos Arme, als ob er versuchte, ihn zu wärmen.

"Nein, ich meine ... ich war überrascht," wiederholte Ianto und schüttelte den Kopf. "Als ob Homophobie nicht alltäglich wäre." Er begann mit dem Abwasch. "Dabei ist es das. Auf unterschiedliche Weise." Er drehte sich zu Jack um und trocknete die Hände an einem Geschirrtuch. "Es muss noch schlimmer für dich sein. Du kommst aus einer Zeit, in der es kein Problem mehr ist."

Jack schluckte sichtbar und wich Iantos Blick aus. "Es ist schwer. Das ist es jedes Mal. Ich ... habe gelernt, damit zu leben." Er lächelte leicht. "Es ist nicht mehr so schlimm, wie es früher mal war."

Ianto umrahmte Jacks Gesicht mit den Händen, seine Daumen streichelten Jacks Wangen. "Das ist dir schon mal passiert."

"Ich bin seit über einem Jahrhundert hier und davor bin ich bereits in die Vergangenheit der Erde gereist, also ja, es ist mir schon öfter passiert."

Ianto legte die Hände um Jacks Hosenträger und zog ihn sanft näher. "Ich habe nicht mehr daran gedacht, wie ... Torchwood – es ist so sicher, es war schon immer fortschrittlich, hat Frauen früher in leitenden Positionen beschäftigt als irgendjemand sonst, es war immer tolerant ... ich hatte vergessen …" Er nahm einen tiefen Atemzug. "Ich hatte vergessen, wie die Welt da draußen sein kann. Weevils, Aliens ... Kannibalen ... es war noch nie so persönlich." Er senkte den Blick, konnte Jack nach über einem Jahr noch immer nicht in die Augen sehen, wenn er über seinen Verrat sprach. "Auch Lisa ... der einzige, für den es persönlich war, war ich. Letztlich habt ihr nur auf eine Alien-Invasion reagiert. Das war eure Pflicht."

"Ich bezweifle, dass es so einfach ist."

Ianto schüttelte den Kopf und blickte zu ihm auf. "Im Zusammenhang mit dieser Diskussion ist es das." Jack seufzte und lehnte seine Stirn an Iantos. Ianto sah ihm in die Augen. "Du hast das schon öfter durchgemacht."

Jack nickte.

"Und doch hast du dich nie versteckt."

"Nicht für lange."

"Warum?"

"Weil ich keine andere Wahl habe. Das hier bin ich. Wenn ich mich verstecken würde, wäre ich unglücklich. Wenn ich mich versteckt hätte …" Er zog Ianto näher und faltete die Hände auf seinem Rücken. "... würde ich jetzt nicht mit dir hier stehen. Ich könnte das hier nie bereuen, Ianto Jones." Er küsste ihn sanft. "Ich habe keine Zeit für Reue."

Ianto nickte ernst und straffte die Schultern. "Die haben wir beide nicht. Also sollten wir morgen wieder zusammen essen – in einem Restaurant. Würdest du das Risiko eingehen, Sushi zu probieren? Du würdest es nicht bereuen." Sein Magen protestierte gegen die Idee, sich offen mit Jack zu zeigen, aber er ignorierte es. Denn sie hatten wirklich keine Zeit für Reue.

"Okay", antwortete Jack und verschränkte ihre Finger miteinander. "Und Sushi klingt nach einem Risiko, das ich bereit bin, einzugehen."


ENDE
05/12

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