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Ich bleib für dich wach

Serie: Lyrics 'Verse Masterlist
Worte: ~ 1.500
Inhalt: Und Jacks Augen … sie schrien, zeigten so viel Schmerz – ein Gefühl, das er in der Regel sicher versteckt hielt. Nun sah man es ihm nur allzu deutlich an und Ianto fragte sich, was so furchtbar sein konnte, dass es diesen selbstbewussten und tapferen Mann zu dieser Hülle seiner selbst reduzieren konnte.
Charaktere: Ianto Jones, Jack Harkness
Pairing: Jack/Ianto
Rating: PG-13
Spoiler: Das Ende aller Tage, Kiss Kiss Bang Bang
Setting: nach Kiss Kiss Bang Bang
Beta: larsinger29, danke.
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.
Der Song Zerrissen gehört Juli.

Lyrics 'Verse Masterlist
Seelenschmerz

***
***


Deine Haut ist ganz kalt
Dein Blick wird ganz leer
Dein Atem wird leise und dein Kopf wird ganz schwer
Was hat dich so zerrissen, was hat dich so verletzt, was hat dich und dein Leben und dein Herz so zerfetzt
Was hat dich so zerrissen, was hat dich so verletzt, was hat dich und dein Leben und dein Herz so zerfetzt
Was auch immer du tust, was auch immer du sagst
Ich pass auf dich auf
Ich bleib für dich wach
(Zerrissen von Juli)



Ianto war erschöpft. Ihr Tag war lang gewesen, voller unerwarteter Überraschungen und Gefahren.

Und Jack war wieder da.

Nach drei Monaten des Wartens, nachdem sie die Hoffnung verloren und ihr Leben alleine neu aufgebaut hatten, erschien es unwirklich. Jack war zurück von seinen Reisen mit dem Doktor und bereits jetzt hatte er wieder die Leitung an sich genommen – alles war wie früher. Obwohl das Team noch skeptisch war. Jack war wieder da, aber sie waren noch nicht ganz überzeugt, dass er bleiben würde. Jack war wieder da, aber er hatte auch neue Geheimnisse mitgebracht. Gray ... der Name, den John Hart erwähnt hatte, hatte Jack etwas bedeutet. Er war fassungslos gewesen, sogar schockiert, bevor er sich gefangen und vorgegeben hatte, dass nichts passiert war.

Jack war wieder da und sie alle mussten sich selbst aus dem Weg gehen und da die Basis keine Option war und Jack nirgendwo anders hin konnte, hatte Ianto sich entschlossen, ihn mit in seine Wohnung zu nehmen. Wider besseren Wissens. Obwohl ihre Beziehung alles andere als gut geendet hatte – Jack hatte Ianto verletzt und Ianto hatte dem Team geholfen, ihn zu hintergehen und ihre Büroaffäre war zerstört worden von zu vielen Geheimnissen, zu tiefen Gefühlen und Unsicherheit.

Es spielte aber keine Rolle mehr, denn Jack war wieder da und er hatte um ein Date gebeten und Ianto hatte zugestimmt und das alles war wie ein Neuanfang, der sich fern am Horizont abzeichnete.

Aber zuerst mussten sie sich wieder aneinander gewöhnen, dachte Ianto, während er seine Taschen nach dem Wohnungsschlüssel absuchte, und er brauchte dringend Schlaf.

"Der perfekte Ort, um dir selbst aus dem Weg zu gehen, ist deine Wohnung?", fragte Jack.

Ianto fand den Schlüssel und öffnete die Wohnungstür. "Allerdings." Er trat einladend zur Seite und hielt die Tür auf.

"Und du lässt mich reinkommen", sagte Jack, als wolle er sichergehen.

Ianto nickte. "Ja."

Jack trat langsam ein und schaute sich um. "Hat sich nicht viel verändert."

"Nein," stimmte Ianto zu. Er wusste, dass seine Wohnung nichts besonderes war, praktisch unbewohnt, da er so viel Zeit bei der Arbeit verbrachte. Die Räume schützten lediglich seine Besitztümer und stellten eine Rückzugsmöglichkeit dar, wann immer er eine brauchte. Das war alles. Er half Jack aus seinem Mantel, seine Knöchel streiften Jacks Arme. Er hörte Jack tief einatmen. Die Berührung war der erste richtige Körperkontakt, den sie teilten, seit Jack sie verlassen hatte. Ianto ließ seine Finger eine Sekunde länger als nötig verweilen, bevor er zur Seite trat und den Mantel an den Haken hängte. Seine Finger streichelten die Wolle, suchten nach Schäden.

"Er hat viel durchgemacht", antwortete Jack auf seine unausgesprochene Frage, "aber er ist okay."

"Brandflecken", sagte Ianto und besah sich ein kleines Loch genauer. "Ist das Öl?"

"Er lag eine Weile neben laufenden Motoren."

"Ich werde das wieder hinkriegen."

"Das musst du nicht."

"Ich liebe diesen Mantel", antwortete Ianto abwesend und wandte sich dann abrupt Jack zu. Er spürte, wie er rot wurde und lächelte verlegen. "Hast du Hunger?"

"Und wie", antwortete Jack.

***

Ianto hörte Jack nicht kommen, aber er erschrak auch nicht, als sich seine Arme um ihn legten. Er konzentrierte sich auf den Abwasch, lehnte sich jedoch etwas zurück, um Jack wissen zu lassen, dass der Kontakt erwünscht war. Jacks Lippen berührten seinen Nacken und er atmete tief ein. Dann war er plötzlich weg und Ianto stand allein an der Spüle in der Küchennische. Er sah Jack ins Wohnzimmer gehen und sich auf die Couch setzen, bevor er sich wieder dem Abwasch zu wandte. Jack hatte sich verändert. Nachdem John gegangen war, war seine Stimmung plötzlich umgeschlagen und er war still geworden, als ob er nicht recht wusste, was er tun sollte. Er hatte kaum gesprochen, seit sie in Iantos Wohnung angekommen waren, ihm nur für das Abendessen gedankt und sich erkundigt, ob er den Abwasch übernehmen sollte. Ansonsten hatte er geschwiegen und das war nicht wie der Jack, den Ianto kannte. Es war, als wäre eine andere Person im Körper von jemandem zurückgekommen, den Ianto liebte. Es war seltsam und beunruhigend. Und Jacks Augen … sie schrien, zeigten so viel Schmerz – ein Gefühl, das er in der Regel sicher versteckt hielt. Nun sah man es ihm nur allzu deutlich an und Ianto fragte sich, was so furchtbar sein konnte, dass es diesen selbstbewussten und tapferen Mann zu dieser Hülle seiner selbst reduzieren konnte. Und doch war der wahre Jack noch da. Er war herausgekommen, um sich der Situation um John Hart anzunehmen. Ianto hoffte nur, dass er sich wieder zeigen würde – und dann blieb. Er war entschlossen, alles zu tun, um das zu ermöglichen.

Mit zwei Tassen Kaffee kehrte er ins Wohnzimmer zurück. Er gab Jack seine Tasse und erhielt ein dankbares Lächeln. Er setzte sich neben Jack auf die Couch, weit genug weg, um sich nicht zu berühren. Für einen Moment waren sie ruhig, dann Jack stellte seine Tasse auf den Tisch und rückte näher an Ianto heran. Ianto sah ihn neugierig an, spürte Jacks Hand auf seinem Knie und dann zog Jack eines seiner Beine auf die Couch und setzte sich seitlich, um näher an Ianto heran zu rutschen, bis ihre Körperwärme sich ineinander verfing. Er hob die Hand von Iantos Knie und streichelte zärtlich seine Wange.

Schließlich flüsterte Jack: "Ich hatte vergessen, wie du aussiehst."

"Wie bitte?"

"Es ist, als ob ... wenn Menschen sterben, egal wie viel sie dir bedeuten, dann verschwimmen ihre Gesichter in deinen Erinnerungen, sie verändern sich. Du kannst dich irgendwann nicht mehr an ihre Stimme erinnern, ihren Geruch, den Klang ihres Lachens. Alles, was du hast, sind schlechte Kopien dessen, was mal wirkliche Erinnerungen waren ... Fotos helfen. Aber wenn du die nicht hast, dann …" Jack räusperte sich. "Ich habe vergessen, wie du aussiehst. Ich hatte mir selbst geschworen, dass mir das nicht passieren würde, aber du – ihr alle – seid eine verschwommene Erinnerung geworden."

Ianto sah Jack für einen langen Moment an und versuchte, seine Stimmung zu erahnen. Er fand schließlich etwas in seinem Gesichtsausdruck. Etwas, das er bereits kannte. Etwas, das sie mehr als ein Mal in dasselbe Bett getrieben hatte. "Etwas schlimmes ist passiert."

Tränen stiegen in Jacks Augen und er blinzelte sie weg. "Alles ist wieder okay."

"Was ist passiert?"

Jack wich seinem Blick aus, seine Augen waren leer. "Alles." Dann sah er Ianto wieder an. "Frag nicht."

Ianto nickte. "Okay."

"Ich komme wieder in Ordnung." Er zeigte ein schwaches Lächeln. "Ich brauche nur etwas Schlaf."

"Du brauchst nie Schlaf", sagte Ianto leise. "Du schläfst nur, wenn du es willst oder wenn es nichts anderes zu tun gibt."

"Oder wenn ich nachts nicht allein sein will."

Ianto lächelte. "Du musstest nur fragen."

***

Ianto konnte nicht schlafen. Vielleicht war es der Kaffee, den sie getrunken hatten. Vielleicht hatte sich das Adrenalin, das sich über den Tag hinweg aufgebaut hatte, noch nicht ganz verflüchtigt. Oder vielleicht war es die Tatsache, dass Jack Alpträume hatte. Das an sich war nichts neues. Sie hatten schon zuvor im selben Bett geschlafen und sie litten beide hin und wieder unter Albträumen. Aber diesmal war es anders. Dieses Mal flüsterte Jack Dinge vor sich hin, die Ianto nicht verstehen konnte, seine Atmung flach und seine Haut schweißgebadet. Die einzigen Worte, die Ianto klar erkennen konnte, waren Namen. Gwen, Owen, Tosh, Ianto ... manchmal Doktor und ein oder zwei Mal ein Name, den Ianto noch nie zuvor von Jack gehört hatte: Martha.

Ianto nahm Jacks Hand und drehte sich auf Seite. "Jemand ist gestorben", flüsterte er. "Oder?" Er rückte näher an Jack heran. Im trüben Licht der Straßenlaternen konnte er sein Gesicht gerade so erkennen. "Wer ist gestorben?"

Es war eine rein rhetorische Frage gewesen, aber Jack seufzte tief und seine Augen öffneten sich etwas. Er schaute Ianto an – nur für eine Sekunde – und sein Blick war unerträglich traurig. Er schloss die Augen wieder. "Alle", flüsterte er, das Wort nicht lauter als ein Atemzug, und dann schlief er wieder ein.

Ianto schloss die Augen und küsste Jacks Stirn, atmete seinen Geruch ein. "Du bist jetzt zu Hause." Er legte sich wieder hin und schaute Jack an. "Du bist zu Hause."

Und vielleicht würde jetzt alles gut werden.


ENDE
07/12

Wenn ihr diese (oder eine andere) Story als PDF haben möchtet, sende ich sie euch gerne. Schreibt mir einfach eine PM mit dem Titel der Story, der Sprache, in der ihr sie wollt und eurer E-Mail-Adresse und ich schicke sie euch. :)

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Comments

( 2 comments — Leave a comment )
momo_uli
Jul. 19th, 2012 12:30 pm (UTC)
Du hast es wieder geschafft. Ich sitze wieder schniefend am Rechner. Du meine Güte, das ist so gut. Schnief ...
Jacks Verzweiflung, Iantos Versuch zu verstehen - einfach perfekt geschrieben.

Ich verneige mich vor deiner Kunst zu schreiben.
Liebe Grüße
momo
jolinarjackson
Jul. 19th, 2012 08:41 pm (UTC)
Danke. :)
( 2 comments — Leave a comment )