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Gefangen (1)

Worte: ~ 23.100
Inhalt: Als ein Mitglied der Crew spurlos verschwindet, finden die meisten einen offensichtlichen Verdächtigen, der sich jedoch als unschuldig ausgibt. Während die Flüchtlinge Hand in Hand arbeiten müssen, bilden sich unerwartete Allianzen, um Eli zu finden.
Charaktere: Eli Wallace, Nicholas Rush, Everett Young, Camile Wray, Ronald Greer, Matthew Scott, Tamara Johansen, Chloe Armstrong, Sgt. Spencer, Adam Brody, Vanessa James, Dale Volker, Jeremy Franklin, Lisa Park, Airman Becker, Marian Wallace, OCs
Pairing: Chloe/Matt
Rating: PG-13
Spoiler: Die Destiny, Führungskampf auf der Destiny, Rettung für die Destiny, Finsternis, Gefahr für die Destiny, Die Zeitreise, Die Rückkehr, Human
Setting: Season 1 – nach Die Rückkehr
Warnungen: Gewalt
Anmerkung: Geschrieben für den sgu_challenge Big Bang.
Beta: artemis_neith, die die allererste deutsche Version vor Jahren gesehen hat – danke auch für den Input, um die Story besser zu machen. elaiel, die die englische Version korrigiert hat.
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Stargate Universe und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Gefangen Masterlist
Komplette Fanfiction Masterlist

***
***


1.



Der Flur des Krankenhauses war kahl und trostlos, ebenso wie der Regen, der an das nahe Fenster trommelte. Es roch nach Desinfektionsmitteln und nur einige wenige Bilder an den Wänden versuchten vergeblich, die Stimmung aufzuheitern.

Eli Wallace lehnte an der Wand neben der Tür zum Zimmer seiner Mutter und starrte zu Boden, während der grauhaarige Arzt vor ihm erklärte: “Es ist verständlich, dass du Sorgen wegen der Rechnung hast, aber deine Mutter hatte eine Lungenentzündung. Aufgrund ihres allgemeinen Gesundheitszustandes hat sie die Krankheit sehr geschwächt. Wir werden sie morgen entlassen. Nur noch ein Tag. Vertrau mir, ich bin ein sehr erfahrener Arzt. Ich würde sie schon heute entlassen, wenn ich könnte.“

Seufzend rieb Eli sich die Stirn und verschränkte dann die Arme. Seine Finger verkrampften sich in seiner Jeansjacke. “Es mir leid, ich … natürlich. Entschuldigung.“

Der Arzt lächelte. “Schon okay.“ Sein Gesicht wurde ernst. “Deine Mutter wird noch eine Weile lang Pflege brauchen. Sie ist sehr geschwächt.“

Eli nickte. “Sagen Sie mir nur, was ich tun muss.“

Der Arzt hob zweifelnd die Augenbrauen. “Ich bin sicher, ein Pflegedienst-“

“Wir haben kein Geld für so etwas. Ich kann in den Schulpausen nach Hause kommen. Und nach der Schule kümmere ich mich um sie. Ich bin gut in der Schule, ich schaffe das.“ Eli starrte den Arzt fest an und biss sich auf die Unterlippe, um seine Unsicherheit nicht durchscheinen zu lassen.

Er scheiterte scheinbar, denn Sorge trat in die Augen des Mannes. Der Arzt verschränkte die Arme über der Akte von Elis Mutter und runzelte die Stirn. “Wie alt bist du, Junge?“

Eli starrte wieder zu Boden. “15.“

Rush lachte und lehnte sich neben ihn an die Wand. Eli starrte ihn verwirrt an. Er gehörte nicht in diese Szene. Rush hob herausfordernd die Augenbrauen. “Ein Kind.“

Plötzlich stand Eli in einem Korridor der Destiny und ihm gegenüber nicht mehr der Arzt, sondern Sgt. Spencer. “Versager“, zischte der Marine.

Eli blickte Hilfe suchend zu Rush. “Doktor?“

Rush wandte sich ab. “Ich habe keine Zeit für so etwas.“

“Dr. Rush!“, rief Eli.

Rush drehte sich zu ihm um. “Sie sind außerordentlich begabt. Leider nutzen Sie das nicht, Mr. Wallace. Ich glaube nicht, dass das MIT der richtige Platz für Sie ist. Vor allem, wenn Sie daran zweifeln, ob Sie überhaupt hier sein sollten.“

Jemand legte ihm eine Hand auf die Schulter und Eli drehte den Kopf. Er blickte seinen Vater an, der mit einer Zigarette im Mund neben Spencer stand. “Ich kann das nicht, Eli.“ Seine brauen Augen waren entschlossen, sein Gesicht blass und müde. Die Lachfalten um seine Augen waren der einzige Beweis, dass er das Leben mit seiner Familie mal geliebt hatte.

Spencer verschwand, Rush ebenfalls und Eli stand in dem winzigen Garten seines Elternhauses. “Es tut mir leid“, flüsterte Eli, “Geh nicht. Bitte.“

“Ich halte das nicht aus.“

“Ich wollte das nicht.“ Eli ergriff panisch den Arm seines Vaters.

Seine Mutter rief hinter ihm: “Eli, komm ins Haus!“

Er hielt seinen Vater fest. “Dad? Ich wollte das nicht.“

Seine Mutter legte die Arme um ihn und fuhr ihm sanft durch die Haare. Eli starrte aus dem Küchenfenster in den Garten. Sie seufzte tief. “Du hast das nicht wegen mir getan, oder?“

Eli schüttelte den Kopf. “MIT war nichts für mich.“

Chloe saß auf dem Tresen vor dem Fenster und lächelte. “Du bist süß. Und ein guter Freund.“

…“Eli!“


Er schreckte hoch, seine Hand griff bereits automatisch nach dem Funkgerät. “Was?“, fragte er atemlos, stellte sich vor, dass die Destiny irgendwo leckte, dass sie direkt auf Crash-Kurs mit einem Meteoriten waren oder dass eine fremde Spezies auf dem Schiff eingefallen war.

Rush klang genervt, nicht panisch, als er antwortete: “Ich brauche dich an den Kontrollen. Wir müssen ein paar Berechnungen anstellen.“

Eli stieß erleichtert die Luft aus, schüttelte den Albtraum ab und warf dann einen Blick auf sein Handy-Display.

3:37 Uhr.

“Doc, wissen Sie, wie spät es ist?“

Seit Young einen 24-Stunden-Rhythmus auf der Destiny etabliert hatte, versuchte Eli sich an einem Tagesablauf, der geregelter war als den, den er auf der Erde gehabt hatte. Er blieb nicht bis in die frühen Morgenstunden auf, wenn er nicht musste und er fühlte sich tatsächlich ausgeruhter und zufriedener, als ob er seit Jahren das erste Mal wirklich wach war.

Rush schien es gleichgültig zu sein, dass er ihn geweckt hatte. “Ich brauche dich hier, Eli. Sofort.“

Er stöhnte auf und zog sich die Decke über den Kopf. Das Display seines Handys erleuchtete die Dämmerung, in der sein Quartier lag und warf ihm 3:39 Uhr an den Kopf. Er war früh ins Bett gegangen, aber der Tag war anstrengend gewesen: Matts Training, die Erkundung des Schiffes für Rush, das Lernen der Antiker-Sprache und die Sichtung von Kino-Material für Young. Er schloss die Augen. Er brauchte mehr Schlaf.

“Eli!“

“Verdammt!“, fluchte er und betätigte den Sendeknopf des Funkgeräts härter als nötig. “Sofort, Doc.“ Er konnte regelrecht vor sich sehen, wie Rush beim Gebrauch des neuen – gehassten – Spitznamens das Gesicht verzog. Vielleicht wäre ihm der Name lieber, wenn Eli ihm nie erzählt hätte, dass er ihn aus Zurück in die Zukunft hatte.

Eli stand auf und streckte sich, ehe er seine alte graue Jacke und die Turnschuhe anzog. Er strich das rote T-Shirt so glatt wie möglich und zog einen Energieriegel aus der Jackentasche, den er von einem Mittagessen vor ein paar Tagen aufgehoben hatte.

Er biss hinein und eilte dann mit dem Funkgerät und einem Kino ausgestattet Richtung Kontrollraum. Um diese Uhrzeit war es still auf der Destiny. Der größte Teil der unfreiwilligen Besatzung des außerirdischen Schiffes schlief. Der Kontrollraum hingegen war hell erleuchtet.

“Wurde auch Zeit“, grüßte Rush und Eli verdrehte die Augen. Rush stand an einer der Kontrolleinheiten und starrte konzentriert auf den Bildschirm. Die Befehle und Meldungen in der Sprache der Antiker darauf las er so schnell, als wäre es englisch. Eli stolperte noch immer über viel zu viele Worte und Buchstaben. Er war nie begabt im Bereich Fremdsprachen gewesen. Mathematik hingegen … seine Begabung für Zahlen hatte ihn erst hierher gebracht. Zu Dr. Rush … der älter als die Mitte 40 aussah, die er tatsächlich war und der sich frustriert durch die halblangen Haare fuhr.

“Schlafen Sie jemals?“, fragte Eli.

“Ich habe geschlafen“, antwortete Rush, der schottische Akzent durch Erschöpfung und unterdrückte Frustration wesentlich prominenter. Es würde nichts bringen, ihn zu fragen, warum er so gelaunt war. Frustration und Erschöpfung waren Emotionen, die zu Rush gehörten wie sein Name.

“Wann?“, wollte Eli wissen und stellte sich an eine der anderen beiden Kontrolleinheiten. Er rief Rushs Arbeitsschritte auf und versuchte zu verstehen, was er in den letzten Stunden getan hatte.

“Ich hatte gerade vier Stunden.“

“Vier Stunden. Das ist ein Nickerchen. Kein Schlaf.“

“Können wir uns jetzt auf das Wesentliche konzentrieren?“

Eli seufzte und nickte. “Klar. Was brauchen Sie?“

“Sieh dir diese Berechnungen an und sag mir, was du denkst.“ Rush blickte nicht mal von seinem Bildschirm auf, während er sprach.

Eli hob die Augenbrauen. “Ist das alles?“

Rush rieb sich die Stirn – Eli konnte nicht sagen, ob die Geste Ungeduld oder Kopfschmerzen signalisierte, aber im Augenblick war ihm das ziemlich egal. “Es ist halb vier Uhr morgens. Ich bin wirklich … wirklich müde …“

Er brach ab, als Rush nun doch zu ihm aufblickte. “Ich habe dich gestern drei Mal angefordert, Eli. Du hattest keine Zeit. Und da deine Beteiligung an diesen Berechnungen nun einmal unumgänglich ist …“ Rush hob die Augenbrauen und ließ den Satz in der Luft hängen.

Eli schüttelte den Kopf. “Also wecken Sie mich um halb vier Uhr morgens?“

“Es schien die einzige Uhrzeit zu sein, zu der Colonel Young dich nicht zu brauchen scheint.“

“Weil er schläft. Wie jeder andere hier auch.“

Rush lehnte sich mit den Unterarmen auf die Konsole und blickte Eli aufmerksam an. “Woher kommt dieser Wunsch, einer von Colonel Youngs Soldaten zu sein?“

“Was?“ Eli lachte ungläubig.

“Es interessiert mich wirklich. Du kennst uns … in etwa gleich lang. Du bist nicht dumm, also ist selbstständiges Denken nicht das Problem. Warum folgst du Colonel Youngs Befehlen?“

“Er ist unser Anführer.“

“Darüber wurde nie abgestimmt.“

“Er behandelt mich nicht wie ein Kind.“

“Mache ich das?“

“Ein bisschen Respekt wäre manchmal ganz nett.“ Eli wich Rush Blick aus und starrte zu Boden.

“Hm“, machte Rush. Einen Moment lang herrschte Ruhe, dann seufzte er und sagte: “Konzentrieren wir uns besser auf die Berechnungen.“

Eli blickte unsicher zu ihm auf, aber Rush war bereits wieder vollkommen auf die antikischen Texte auf dem Bildschirm konzentriert. Er spielt mit dem Gedanken, einfach zu gehen, aber er konnte Rushs Argumente zumindest ein Stück weit verstehen.

Seit er für Young jeden Schritt nach verfolgte, den Rush in der Datenbank der Destiny machte, verbrachte er nicht mehr so viel Zeit im Kontrollraum wie zuvor. Am Anfang war es ihm nur recht gewesen. Obwohl er ungeduldig und unfreundlich war, war Rush ein guter Lehrer und er schien Elis wissenschaftliche Meinung zu respektieren – zumindest manchmal. Doch je länger sie auf der Destiny waren, desto besessener wurde Rush von dem Schiff. Desto mehr forderte er Eli und obwohl das zu Beginn eine gute Sache gewesen war, so hatte Eli inzwischen immer häufiger das Gefühl, den Ansprüchen Rushs nicht gerecht werden zu können. Dass er nicht der einzige zu sein schien, dem es so ging, half nicht wirklich. Youngs Bitte war zu einem Zeitpunkt gekommen, an dem Elis Verhältnis zu Rush an einem Tiefpunkt angekommen war und er musste sich eingesehen, dass er etwas hatte finden wollen. Etwas, das bewies, dass Rush ihnen die Rückkehr zur Erde vor ein paar Wochen wissentlich verwehrt hatte. Aber der Plan, den die Erde geschmiedet hatte und der ihnen die einmalige Chance auf einen Weg nach Hause hatte bieten sollen, war tatsächlich unsicher gewesen. Rush hatte nicht gelogen, was das anging.

Eli hatte geglaubt, damit sei seine Aufgabe für den Colonel erledigt gewesen, aber er hatte sich geirrt. Young forderte immer öfter, dass Eli Rush über die Schulter blickte und langsam wurde es ihm unangenehm. Rush mochte Fehler gemacht haben – der größte war, dass sie alle hier gestrandet waren – und er hatte falsch gehandelt, als er vor ein paar Tagen behauptet hatte, einen Planeten gefunden zu haben, der ihnen die Rückkehr ermögliche. Aber Eli war sich auch nicht so sicher, ob Young den richtigen Weg ging und er fühlte sich unwohl bei dem Gedanken, irgendjemanden auszuspionieren. Auch Rush. Denn manchmal war der Wissenschaftler regelrecht gut gelaunt. Manchmal setzte er sich geduldig mit all den Fragen auseinander, die Eli hatte.

Rush blickte ihn an und Eli merkte, dass er schon seit etwa einer Minute regungslos mitten im Raum stand.

“Du kannst gehen“, sagte Rush und klang irgendwie resigniert. “Mit deiner Hilfe wäre ich jedoch wesentlich schneller.“ Und manchmal, wenn Eli ihn am liebsten links liegen lassen würde, sagte er solche Sachen.

Eli unterdrückte ein Lächeln und setzte sich an seine Konsole. “Wo sind Sie stehen geblieben?“

***

Eli konnte sich erst Stunden später von den Berechnungen lösen, als der Hunger ihn zwang, eine Pause einzulegen. Als er die Kantine betrat, waren die meisten der Gruppe bereits mit dem Mittagessen fertig und zu ihren Aufgaben zurückgekehrt.

Er sah Chloe und Matt an einem der hinteren Tische sitzen und überlegte kurz, ob er sich zu ihnen setzen sollte. Er strich die Idee, als er sah, wie Matt Chloes Hand nahm und sie ihren Kopf auf seine Schulter legte. Sie lachten. Eli wollte sie nicht stören ... und auch nicht zusehen, wie sie miteinander flirteten. Er setzte sich alleine an einen Tisch in der Ecke und begann, seine kalte Protein-Suppe zu löffeln. Währenddessen verfolgte er die Erkundungstour des Kinos, das er auf Autopilot gestellt hatte, auf dem Display der Fernbedienung. Die Bilder, die die kleine Kamera aus einem der bisher unerforschten Teile des Schiffes zurück sandte, lenkten ihn von dem faden Geschmack der Militärnahrung ab. Zum ersten Mal entspannte er an diesem Tag.

Ein Schatten fiel über ihn und als Eli aufblickte, setzte sich Everett Young ihm gegenüber. “Du warst weder beim Frühstück, noch bei der Besprechung“, stellte er tadelnd fest.

Eli nickte. “Rush hat mich gebraucht.“

“Wofür?“ Young verbarg seine Neugierde kaum, während er in seiner Ration rührte.

Eli legte die Fernbedienung weg. “Es ging nur um Kurse. Wir versuchen, abzuschätzen, wann die Destiny das nächste mal anhalten wird und wo. Wir wollen ein Muster zu finden, um besser vorbereitet zu sein. Außerdem dachte Rush, dass wir dem Mastercode vielleicht mathematisch näher kommen können.“

“Und?“, fragte Young interessiert. Die Suche nach dem Mastercode zu den Systemen der Destiny war ein Projekt, das er - und auch jeder andere an Bord – unterstützte. Wenn sie ihn herausfanden, könnten die Flüchtlinge auf die Steuerung des Schiffes zugreifen und wären nicht länger gezwungen, dorthin zu fliegen, wo der Autopilot sie hinführte. Das würde eine Rückkehr zur Erde ermöglichen. Dann hätte der Albtraum ein Ende. Seit ihrer Flucht von der Ikarus-Basis hierher brachte jeder Tag eine neue Katastrophe mit sich – ob ihnen Nahrungsmittel fehlten oder Wasser oder Energie … sie schienen seit dem Angriff auf Ikarus nicht mehr zur Ruhe kommen zu können.

Eli zuckte mit den Schultern. “Bisher noch nichts. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob wir ihn je finden.“

“Was denkt Rush?“

Eli kniff widerwillig die Lippen zusammen und richtete seinen Blick auf sein Essen. “Sie könnten ihn fragen.“

“Ich frage dich.“

“Was lässt Sie denken, dass er es mir sagt?“

“Er sagt dir mehr als jedem anderen hier.“

Eli ließ seinen Löffel fallen und er sah auf. “Ich fühle mich nicht wohl bei dem Gedanken, ihn auszuspionieren.“

“Eli“, sagte Young streng und Eli wich seinem Blick aus. Seine Augen trafen stattdessen auf die von Sgt. Spencer, der ihn dunkel anstarrte. Eli wich auch seinem Blick aus und starrte stattdessen in seine Schüssel. Young fuhr fort: “Ich brauche deine Hilfe. Ich kann mir nicht sicher sein, dass er komplett ehrlich zu mir ist, was die Destiny betrifft.“

Eli biss sich auf die Unterlippe. “Fragen Sie jemand anders.“

“Du bist der einzige, den er so nah an sich heran lässt. Er vertraut dir.“

“Richtig und so soll es auch bleiben. Ich-“

“Eli“, unterbrach Young ihn scharf, “ich versuche nur, uns zurück nach Hause zu bringen.“ Sein Ton wurde sanfter. “Ich brauche dich. Ich will nur sicher gehen, dass Rush dasselbe Ziel verfolgt wie wir.“

“Warum sollte er nicht?“, fragte Eli. Um ehrlich zu sein, war er sich selbst manchmal nicht sicher, ob Rush in ihrem besten Interesse handelte, aber er kannte auch keinen Grund, warum er es nicht tun sollte. Vielleicht wusste Young mehr.

Young seufzte. “Bitte, Eli. Arbeite mit ihm an diesem Code. Behalte ihn im Auge.“

Eli schloss die Augen und nickte. “Schön.“

“Gut“, antwortete Young mit einem Lächeln. Er stand auf, zog seine dunkle Uniformjacke zurecht und klopfte Eli auf die Schulter, ehe er ging. Eli rührte in seinem Essen – nicht mehr hungrig – und ließ dann den Löffel los, stützte den Kopf in die Hände. Ein Blick in Chloes Richtung zeigte ihm, wie sie und Matt Arm in Arm gingen. Eli schüttelte den Kopf und stand auf. Er gab seine Schüssel bei Airman Becker ab und verließ die Kantine.

Auf dem Weg zurück zum Kontrollraum konzentrierte er sich auf die Kino-Fernbedienung in seiner Hand. So sehr, dass er Spencer nicht kommen hörte, bis er direkt neben ihm war und ihn gegen die Wand stieß. Erschrocken blickte Eli zu ihm auf.

Spencer überragte ihn um einige Zentimeter und er war wesentlich muskulöser als Eli. Die hellen Augen starrten ihn kalt an. “Hoppla!“, meinte Spencer gleichgültig, “Tut mir leid.“

“Ja, jedes mal“, antwortete Eli und wollte weitergehen.

Spencer hielt ihn fest. “Worüber hast du mit Young geredet?“

Eli versuchte nervös, Spencers Griff abzuschütteln, aber der ließ nicht los. “Kann ich nicht sagen.“

“Kannst du nicht oder willst du nicht?“

Eli machte einen weiteren Schritt zurück und Spencer ließ ihn gehen. “Beides“, antwortete Eli und wandte sich ab. Spencer versetzte ihm einen Stoß und Eli stolperte. Wütend fuhr er herum. “Hey!“

“Wenn du mich anschwärzt, du kleine Ratte, dann kannst du was erleben“, zischte Spencer.

“Spencer!“, wurden sie unterbrochen. Eli sah zu Ronald Greer, der auf sie zukam. Dafür, dass er kleiner als Spencer war, trat er wesentlich selbstbewusster auf.

Spencer blickte Eli drohend an, dann straffte er die Schultern und wandte sich an Greer. “Sir?“

“Was ist hier los?“

Spencer nickte mit dem kahl geschorenen Kopf in Elis Richtung. “Nichts, Sir. Ich habe Wallace nur etwas gefragt.“

Greer blickte prüfend zu Eli. Der entschied, dass er für einen Tag genug Konfrontationen gehabt hatte und zuckte mit den Schultern. Er wich Greers stechendem Blick aus. “Ich muss los“, murmelte er und ging.

Die Probleme mit Spencer waren nichts neues. Von Anfang an schien er es auf Eli und die anderen Zivilisten abgesehen zu haben. Aber Eli hatte das Gefühl, dass er in den letzten Tagen zu Spencers Lieblingsziel geworden war. Da Eli sich weigerte, mit Rush oder Young darüber zu sprechen – er war noch nie überzeugt von der Strategie gewesen, andere seine Kämpfe fechten zu lassen – würde sich das in nächster Zeit wohl auch nicht ändern. Aber Eli kannte sich mit Menschen wie Spencer aus. Schon in der Schule hatte er zu der Gruppe gehört, die von den beliebten Cliquen geschnitten wurden. Irgendwann würde er sich ein anderes Opfer suchen.

Eli kehrte nicht in den Kontrollraum zurück, sondern in sein kleines Quartier.

Dort angekommen ließ er sich auf sein Lager fallen und starrte an die Decke. “Ein weiterer perfekter Tag auf der Destiny“, sagte er leise.

Er schloss die Augen und war gerade am Einnicken, als das Funkgerät ein Geräusch von sich gab, gefolgt von Rushs Stimme: “Eli?“

Er seufzte genervt und antwortete: “Ich bin sofort da.“


Kapitel 2
Gefangen Masterlist
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