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Gefangen (9)

Worte: ~ 23.100
Inhalt: Als ein Mitglied der Crew spurlos verschwindet, finden die meisten einen offensichtlichen Verdächtigen, der sich jedoch als unschuldig ausgibt. Während die Flüchtlinge Hand in Hand arbeiten müssen, bilden sich unerwartete Allianzen, um Eli zu finden.
Charaktere: Eli Wallace, Nicholas Rush, Everett Young, Camile Wray, Ronald Greer, Matthew Scott, Tamara Johansen, Chloe Armstrong, Sgt. Spencer, Adam Brody, Vanessa James, Dale Volker, Jeremy Franklin, Lisa Park, Airman Becker, Marian Wallace, OCs
Pairing: Chloe/Matt
Rating: PG-13
Spoiler: Die Destiny, Führungskampf auf der Destiny, Rettung für die Destiny, Finsternis, Gefahr für die Destiny, Die Zeitreise, Die Rückkehr, Human
Setting: Season 1 – nach Die Rückkehr
Warnungen: Gewalt
Beta: artemis_neith, die die allererste deutsche Version vor Jahren gesehen hat – danke auch für den Input, um die Story besser zu machen. elaiel, die die englische Version korrigiert hat.
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Stargate Universe und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Kapitel 8
Gefangen Masterlist

***
***


9.



Young betrat den Kontrollraum mit einem Gesichtsausdruck, der Nicholas schon alles verriet, was er wissen wollte. “Niemand ist gekommen“, stellte er fest.

Young schüttelte den Kopf. Nicholas stützte sich auf seiner Kontrolleinheit ab und rieb sich die müden Augen. Young stemmte die Hände in die Hüften. “Scott und James haben noch mal Spencer befragt. Er bestreitet, etwas mit der Sache zu tun zu haben. Allerdings gibt er zu, Eli mehrmals angegriffen zu haben, nachdem ich Franklin vor ihm verteidigt habe.“

Nicholas nickte.

“Scheinbar deshalb, weil er sich an mir rächen wollte.“

Das überraschte Nicholas. “Hat er das gesagt?“

“Nicht in diesen Worten.“

Nicholas konnte sehen, dass Young Wut unterdrückte. “Was haben Sie nun vor?“

“Ich weiß es nicht.“

Nicholas lachte spöttisch. “Wenn Sie Spencer ungeschoren davon kommen lassen, wie sollte Ihnen da irgend jemand glauben, dass Sie denjenigen, der hierfür verantwortlich ist, nicht auch in Ruhe lassen?“

Young funkelte ihn wütend an.

“Sie müssen jetzt Führungsstärke beweisen“, erklärte Nicholas.

“Ich lasse mir von Ihnen nicht sagen, wie ich dieses Schiff zu führen habe. Was soll ich tun? Jeden, der sich etwas zuschulden kommen lässt, einsperren?“

Nicholas zuckte mit den Schultern und nickte.

“Vielleicht diejenigen, die etwas schlimmeres machen als stehlen, auf einem Planeten aussetzen?“

Nicholas seufzte und verdrehte die Augen.

“So ein Anführer will ich nicht sein“, sagte Young fest. Er wandte sich ab und wollte den Raum verlassen, dann drehte er sich noch einmal um. “Rush … wussten Sie, dass Elis Mutter krank ist?“

“Ja“, antwortete Nicholas, verwirrt von dem rasanten Themenwechsel. “Sie nicht?“

“Hat er es Ihnen erzählt?“

“Ich habe seine Akte gelesen. Warum wollen Sie das wissen?“

Young antwortete nicht, sondern ging.

Nicholas schüttelte den Kopf und ging das automatisierte Protokoll der Destiny durch, um zu sehen, ob er während der Versammlung im Torraum etwas verpasst hatte. Dabei fiel ihm wieder das Warnsignal ins Auge, das eine Fehlfunktion einer der Türen in den unteren Ebenen anzeigte. Er griff zu seinem Laptop und rief den Plan auf, den er für die Suche erstellt hatte. Sergeant Greer und Airman Rennie hatten den Bereich durchsucht. Er sollte nachsehen, was mit der Tür nicht stimmte. Kleinigkeiten, das hatte er inzwischen gelernt, konnten auf der Destiny bald zu großen Problemen werden. Er nahm eine Taschenlampe und machte sich auf den Weg.

***

Es war kalt. Nicholas verfluchte, dass er nicht daran gedacht hatte, eine der dickeren Jacken aus dem Lagerraum zu holen. Greers Beschwerde über die Temperaturen in dem Sektor war ihm zu spät wieder eingefallen.

Er leuchtete mit den Taschenlampe den Weg und blieb dann vor der Tür stehen, die Probleme machte. Sie war geschlossen und ein Kreidekreuz daran sagte ihm, dass das aus Gründen der Sicherheit so war. Als Nicholas, Dr. Park und Brody diesen Teil des Schiffes mit Hilfe einer Gruppe Soldaten vor ein paar Tagen erforscht hatten, hatten sie mehrere Türen aufgefunden, die wegen Löchern in der Hülle der Destiny geschlossen waren. Aber … Nicholas runzelte die Stirn, dann griff er zum Funkgerät. “Dr. Park, hier ist Rush.“

Er wusste, dass sie mit Brody in der Nähe des Kontrollraumes an einem Projekt arbeitete. Tatsächlich antwortete sie kurze Zeit später. “Ja, Doktor?“

“Gehen Sie doch bitte in den Kontrollraum und sehen Sie etwas für mich nach.“

Es dauerte eine weitere Minute, dann meinte Park: “Okay, ich bin da.“

“Ich bin in Sektor acht und stehe vor einer markierten Tür.“

“Sektor acht? Dr. Rush, der Bereich des Schiffes ist-“

“Ich weiß. Hören Sie mir einfach zu. Sie wissen, wo der Konferenzraum ist, den wir gefunden haben?“

Es war das einzig interessante, dass sie hier gefunden hatten. Sie hatten den Raum wegen dem großen Tisch in der Mitte so getauft, um den herum acht Stühle standen. Der Rest des Sektors bestand aus Quartieren und Lagerräumen.

“Ja“, antwortete Park.

“Ich befinde mich am Ende dieses Korridors und blicke auf die letzte Tür.“

“Okay“, antwortete Park, nachdem sie wahrscheinlich den Plan auf den Schirm gerufen hatte.

“Sie ist markiert, ich glaube aber, dass in diesem Korridor keine Lecks waren.“

Park brauchte einen Moment, ehe sie antwortete: “Sie haben recht. Laut meinen Aufzeichnungen müsste die Tür in Ordnung sein.“

“Ich werde sie jetzt öffnen.“

“Dr. Rush, halten Sie das für klug?“

“Sie können sie ja schließen, wenn ein Problem auftritt.“ Damit lehnte er sich an die Wand neben der Tür und betätigte den Mechanismus. Die Tür öffnete sich gehorsam. Nichts passierte.

“Dr. Rush?“, fragte Park vorsichtig. “Ich sehe nichts ungewöhnliches. Keine Warnung.“

“Alles in Ordnung.“

“Warum war die Tür markiert?“

Nicholas ließ die Frage unbeantwortet und leuchtete mit der Taschenlampe in den Raum. Eli sah er beinahe sofort am Boden liegen. Er rannte die wenigen Schritte zu ihm und ging neben ihm in die Knie. “Eli?“ Er fühlte nach einem Puls und fand ihn – viel zu langsam. Elis Haut war kalt und blass und seine Lippen blau. Im Schein der Taschenlampe erkannte Nicholas getrocknetes Blut auf Elis Gesicht und er kniff die Lippen zusammen. “Eli?“ Es kam keine Reaktion. Nicholas Hand fand das Funkgerät. “Ich brauche sofort medizinische Unterstützung.“

“Dr. Rush, sind Sie verletzt?“, fragte Park.

“Ich habe Eli gefunden.“

***

Nicholas lauschte, konnte jedoch noch nichts hören. Keine näher kommenden Schritte, die durch die Gänge der Destiny hallten, nur Stille. Er griff ungeduldig zum Funkgerät. “Wo bleiben Sie?“

Johansen klang außer Atem. “Wir sind unterwegs, Doktor.“

Nicholas blickte zu Eli hinunter und bemerkte, dass seine Augen leicht geöffnet waren.

“Eli?“ Er legte eine Hand auf seine Schulter. “Sieh mich an.“ Er wusste nicht viel über Erste Hilfe. Das einzige, was er spontan getan hätte, wäre Eli vor der Kälte zu schützen, aber er wusste nicht wie. Er hatte nicht mal eine Jacke dabei.

In der Ferne erklangen schnelle Schritte.

“Tut mir leid“, sagte Eli leise.

“Was?“

“Tut mir leid, Dad.“

Johansen kam in den Raum gerannt. “Dr. Rush“, keuchte sie und ging neben ihm auf die Knie.

“Ich glaube, er ist unterkühlt“, sagte Nicholas und Johansen nickte bestätigend. Sie nahm Elis Puls und Nicholas schwieg, damit sie sich konzentrieren konnte.

Scott und Greer kamen in diesem Moment an. Sie schoben den Hover-Schlitten vor sich her. Greer sah sich um. “Verdammt. Ich habe hier unten doch alles gecheckt.“

“Da waren Kreidezeichen auf der Tür“, erwiderte Nicholas. “Gut möglich, dass jemand sie dahin gemacht hat, um zu verhindern, dass jemand die Tür öffnet.“ Johansen drückte Nicholas ihre Taschenlampe in die Hand und sorgte dafür, dass er sie auf die Kopfwunde richtete. Nicholas blickte zu Scott auf. “Ich denke, wir können einen Unfall endgültig ausschließen.“

Scott hob Elis Handy auf, deaktivierte die Taschenlampen-Funktion und schob es in seine Hosentasche. Er nickte.

Greer richtete seine Taschenlampe auf den zerstörten Türmechanismus. “Jemand hat nachgeholfen.“

***

Eli war bewusstlos, als sie in der Krankenstation eintrafen und ihn auf eines der Betten verlegten. TJ blickte zu Vanessa James, die neben ihr stand. “Ich brauche Decken.“

Vanessa nickte und eilte davon, um welche aus dem Lagerraum zu holen. Chloe trat an das Bett, die Arme verschränkt. TJ beugte sich über Eli und checkte seine Pupillen, ehe sie wieder seinen Puls nahm. Seine Haut war eiskalt und TJ hoffte, dass sie in der Lage sein würden, ihn aufzuwärmen.

Chloe fragte ängstlich: “Was ist mit ihm?“

“Tu mir einen Gefallen“, antwortet TJ und legte eine Infusion. “Pack die Sachen aus meinem Rucksack aus und leg sie hier auf den Tisch.“

Chloe gehorchte, fragte aber dennoch: “Ist es schlimm?“

“Chloe“, antwortete TJ scharf, “jetzt nicht.“

“Klar“, erwiderte Chloe leise und ließ den nun leeren Rucksack fallen. “Entschuldige.“

Aus dem Augenwinkel sah TJ Everett auf der Krankenstation eintreffen. Der Offizier warf einen Blick auf Eli und gesellte sich dann zu Rush, Matt und Ronald, die am Fußende von Elis Bett standen. “Wo haben Sie ihn gefunden?“, fragte Everett.

Rush verschränkte die Arme. “In einem der Sektoren, die wir schon durchsucht hatten, hinter einer Tür mit Kennzeichnungen.“

TJ blendete die Unterhaltung aus und legte sich das Stethoskop um den Hals, ehe sie Elis Jacke öffnete. Vanessa kehrte mit mehreren Decken zurück. “Hier“, sagte sie und legte sie ans Fußende.

“Deck schon mal seine Beine zu“, sagte TJ abgelenkt, froh, jemanden zur Hand zu haben, der ruhig und konzentriert war. Chloe stand am Kopfende von Elis Bett, die Arme verschränkt, und beobachtete TJ. Sie biss immer wieder auf ihre Unterlippe, als müsse sie tausende von Fragen zurückhalten. Vanessa zog Elis Schuhe aus und ließ sie achtlos zu Boden fallen, ehe sie die Decken über seinen Beinen ausbreitete. TJ zog Elis T-Shirt hoch und hielt erschrocken inne. Chloe schlug eine Hand vor den Mund.

“Scheiße“, meinte Vanessa und trat neben TJ. Die Unterhaltung der Männer war verstummt. Vanessa stellte die Diagnose. “Gebrochene Rippen.“

TJ tastete über den Bluterguss, der sich Elis Seite hinunterzog und verzog das Gesicht, als die Knochen darunter leicht nachgaben. Eine leichte Panik befiel sie, aber sie kämpfte sie nieder.

“Punktierte Lunge?“, sprach Vanessa TJs Angst aus.

“Kann ich nicht sagen“, antwortete TJ. Sie hörte Elis Lunge ab. “Ich kann keine außergewöhnlichen Geräusche hören. Er hat auch kein Blut gespuckt, glaube ich.“

“Ich habe das hinter mir“, erklärte Vanessa und starrte TJ besorgt an. “Ich musste operiert werden.“

TJ hörte wieder die Lunge ab und schloss die Augen, um sich zu konzentrieren.

“Wir müssen ihn operieren“, sagte Vanessa.

“Nein“, antwortete TJ. “Ich kann nichts hören. Ich glaube nicht, dass seiner Lunge was fehlt.“

“Und wenn doch?“, fragte Vanessa.

Chloe sagte erstickt: “Er könnte innerlich verbluten.“

Everett mischte sich ein. “Tamara?“

Sie atmete tief durch, hörte erneut Elis Lunge ab. Sie tastete über das Hämatom. Sie hätte alles für ein Röntgengerät gegeben. “Nein“, sagte sie schließlich, “seine Lunge wurde nicht punktiert. Die Rippen heilen von allein. Das Hämatom kommt von Tritten. Man kann beinahe den Stiefelabdruck erkennen.“ Sie zog das T-Shirt zurecht und griff nach einer der Decken. “Wir müssen ihn wärmen und die Kopfwunde behandeln.“

Vanessa half ihr mit der Decke und TJ überspielte das Zittern ihrer Hände. Sie war sich nicht sicher. Sie würde Eli genau beobachten müssen. Sie wich Chloes skeptischem Blick aus und wurde stattdessen von Rushs Augen gefangen. Er hatte die Stirn gerunzelt und wirkte ebenso skeptisch wie Chloe, aber er nickte ihr leicht zu. TJ zwang ihre Hände zur Ruhe und konzentrierte sich darauf, die Kopfwunde an Elis Haaransatz zu säubern.

“Was ist mit der Unterkühlung?“, fragte Everett und TJ antwortete: “Er ist jenseits des Stadiums, in dem der Körper noch zittert.“ Sie stellte erleichtert fest, dass die Wunde nicht tief war und bereits zu bluten aufgehört hatte. Sie versorgte sie mit einem Pflaster und notierte sich mental, Eli auf eine Gehirnerschütterung hin zu beobachten.

Matt verschränkte die Arme. “Ist das schlimm?“

Sie breitete eine dritte Decke über Eli aus und antwortete: “Es ist rückgängig zu machen. Er braucht Wärme. Ein weiteres Problem ist Dehydrierung, aber darum kümmern wir uns.“

Chloe fragte: “Warum ist er bewusstlos?“

“Der Schlag auf den Kopf, Dehydrierung, Erschöpfung, Unterkühlung …“ TJ seufzte frustriert. “Ich kann es nicht genau sagen. Ich habe kein Röntgengerät, kein Labor, gar nichts. Ich tue, was ich kann, aber für den Moment kann ich nicht mehr tun als ihn aufzuwärmen, seinen Körper mit Flüssigkeit zu versorgen und ihn zu überwachen.“

Everett nickte und ergriff die Initiative: “Wir sollten nicht alle hier herumstehen.“

TJ blickte ihn dankbar an.

“Dr. Rush, Leutnant Scott, Sergeant Greer, ich will Sie in meinem Quartier sprechen. Leutnant James, tun Sie mir den Gefallen und holen Sie Ms. Wray dazu.“

Vanessa nickte und machte sich auf den Weg, um sie zu suchen.

Everett blickte TJ an. “Ich werde allen Bescheid geben, dass wir Eli haben und darum bitten, nicht zur Krankenstation zu kommen.“

“Das wäre gut, Sir“, erwiderte TJ.

Everett nickte und verließ mit Rush, Matt und Greer die Krankenstation.

TJ hatte beinahe vergessen, dass Chloe noch da war, aber nun meldete sie sich wieder zu Wort. “Ich will helfen.“

“Im Moment gibt es nicht viel zu tun.“

“Er braucht Wärme“, sagte Chloe. “Körperwärme?“

TJ blickte sie überrascht an. “Zum Beispiel.“ Chloe zog ihre Fleecejacke aus und dann ihre Schuhe. TJ blickte das schmale Bett an. “Das wird eng. Die Dinger sind nur für einen gemacht.“

Chloe schüttelte den Kopf. “Das geht schon.“

TJ hielt die Decken hoch und Chloe legte sich neben Eli, ehe sie den Kopf auf seine Schulter legte und einen Arm um ihn.

“Pass mit seinen Rippen auf“, meinte TJ.

“Alles klar.“

***

Jack O’Neill lehnte sich in seinem Stuhl zurück und nickte. “Das sind ausnahmsweise gute Nachrichten.“

Young und Rush saßen ihm gegenüber in den Stühlen vor seinem Schreibtisch. Young trug wieder Bill Lees Körper, während Rush sich im Körper eines Airmans befand. Young nickte ebenfalls. “Wir haben uns besprochen“, meinte Young mit einem Seitenblick zu Rush und Jack ahnte, dass auch Camile Wray an der Besprechung teilgenommen hatte. Wenn nicht sogar noch mehr. “Wir haben keine konkreten Verdächtigen, aber Eli wird uns möglicherweise sagen können, wer verantwortlich ist.“

Rush stützte den Kopf auf eine Hand. “Dass es sich um Absicht handelte, ist inzwischen klar.“

Jack fragte: “Was wollen Sie machen?“

Young zuckte mit den Schultern. “Wir sind uns noch nicht einig.“

“Dass etwas getan werden wird, ist aber klar“, fügte Rush hinzu.

“Wir wollen abwarten, wen Eli als den Täter identifiziert.“

Jack nickte zustimmend. “Halten Sie mich auf dem Laufenden.“

“Ja, Sir.“

***

Eli hatte vor knapp einer Stunde angefangen zu zittern. Chloe war beinahe eingeschlafen, als es begann. TJ hatte sie beruhigt und versichert, dass die Reaktion völlig normal sei. Inzwischen war das starke Zittern abgeklungen und er atmete etwas ruhiger. TJ nickte Chloe zu, nachdem sie auf das Fieberthermometer geblickt hatte. “Er ist wieder auf normalem Niveau.“

Erleichtert schloss Chloe die Augen. Eli drehte leicht den Kopf in Chloes Richtung und sie richtete sich etwas auf. “Eli?“

Er runzelte die Stirn. “Au“, sagte er leise.

TJ fragte: “Wo tut’s weh?“

Eli schüttelte den Kopf. “Brust … Kopf …“ Er öffnete leicht die Augen und blickte zu Chloe auf.

TJ trat in sein Blickfeld und legte eine Hand auf seine Stirn. “Ich muss mir deine Augen ansehen, okay?“, fragte sie und checkte seine Pupillen. Eli kniff die Augen zusammen und versuchte, den Kopf wegzudrehen, aber TJ blieb hart. “Sieht alles gut aus“, meinte sie und nahm seinen Puls. “Sind die Schmerzen auszuhalten?“ Sie hatte nur ein begrenztes Lager und obwohl die Medikamente mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht reichen würden, bis sie nach Hause kamen, so konnte sie trotzdem versuchen, sie so lange wie möglich zu strecken.

“Skala?“, fragte Eli.

“Eins bis zehn.“

Eli schloss die Augen. “Sechs. Geht.“

“Okay. Versuch etwas zu schlafen.“

“’kay.“

Chloe lächelte TJ an und die nickte ihr zu. “Ich denke, er hat Glück gehabt. Er wirkt recht zusammenhängend und bisher gibt es keinen Hinweis darauf, dass seine Lunge punktiert wurde. Wenn das so bleibt, kann ich ihn morgen früh in sein Quartier schicken, um sich zu erholen. Die nächsten Wochen sollte er sich nicht überanstrengen, um seine Rippen zu schonen. Mit etwas Glück kann er aber schon in ein paar Tagen wieder die Arbeit aufnehmen.“ Sie wandte sich ab, um nach Riley zu sehen.

“Chloe?“, fragte Eli leise.

“Hm?“, antwortete sie.

“Will mich nicht beschweren, aber … was machst du in meinem Bett?“

***

Als Nicholas auf der Krankenstation eintraf, kontrollierte Johansen gerade Elis Puls. Sie blickte zu ihm auf und lächelte. “Hallo, Doktor Rush.“

Er nickte ihr zu.

“Kann ich was für Sie tun?“, fragte sie.

“Nein. Ich bin wegen Eli hier.“

Sie nickte verstehend. “Ich muss Rileys Bandagen wechseln. Ich habe Wasser bereit gestellt. Also, wenn Eli aufwacht, sollte er was trinken.“

Nicholas nickte. Johansen schenkte ihm ein Lächeln und ging dann zu den Kisten, in denen sie ihre Ausrüstung aufbewahrte. Nicholas setzte sich auf den Hocker neben Elis Bett und legte seinen Laptop auf die Matratze. Eli schien zu schlafen, also konzentrierte sich Nicholas auf seine Arbeit. Er hörte Johansen leise mit Riley sprechen und blickte auf. Doktor Park stand neben Johansen und half ihr, Riley etwas aufzusetzen. Er wandte den Blick ab und starrte direkt in Elis Augen.

“Hey, Doc“, sagte Eli leise und räusperte sich.

Nicholas verzog mitleidig das Gesicht. “Eli.“ Er griff nach dem Becher. “Wasser?“

Eli nickte und setzte sich etwas auf. Er verzog das Gesicht und Nicholas stand auf, um eine helfende Hand auf seine Schulter zu legen. “Vorsichtig.“ Er brachte das Kissen in Elis Rücken in Position. “Besser?“

Eli nickte. “Viel besser.“

Nicholas gab ihm den Becher. Elis Hände zitterten leicht, aber er schüttelte den Kopf, als Nicholas ihm mit dem Becher helfen wollte. Während er trank, warf er Nicholas einen abschätzenden Blick zu. Nicholas verschränkte die Arme und wich seinem Blick aus. Eli stellte den leeren Becher ab und Nicholas öffnete die Feldflasche, die daneben stand, und goss nach.

Mit einem amüsierten Lächeln meinte Eli: “Sie sind der perfekte Krankenpfleger.“

Nicholas schraubte die Flasche zu. “Es gibt Dinge, die man lernt, wenn …“ Er brach ab.

Eli fragte: “… wenn man so ein Genie ist wie Sie?“

Nicholas zuckte mit den Schultern und griff nach seinem Laptop. Er räusperte sich. “Also … Colonel Young und ich denken, du solltest … dir diese Aufnahmen ansehen und uns sagen, wer … dich eingesperrt hat.“

“Was passiert dann?“, fragte Eli.

Nicholas stellte den Laptop auf Elis Schoß ab. “Es ist an Colonel Young und Miss Wray, das zu entscheiden.“

Eli nickte langsam. Er blickte auf den Bildschirm und Nicholas startete die Aufnahme von einer Rede, die Colonel Young nach dem fehlgeschlagenen Wählversuch zur Erde gehalten hatte. Das Kino erfasste die versammelte Mannschaft. Eli stoppte die Aufnahme und deutete auf einen jungen Mann, der neben Leutnant James stand.

Nicholas runzelte die Stirn. “Das ist Airman Jennings.“

Eli zuckte mit den Schultern. “Ich kenne ihn nur vom Sehen.“

“Er hilft Becker in der Kantine. Er war bei der Suche sehr engagiert. Bist du dir sicher?“

Eli nickte.

“Ich hatte erwartet, du würdest Sgt. Spencer identifizieren.“

“Ich hatte Probleme mit Spencer. Aber er war es nicht. Ich habe Airman Jennings versehentlich erwischt, als er sich Nahrungsmittel eingesteckt hat.“

“Der Kocher“, sagte Nicholas.

“Was?“, fragte Eli verwirrt.

Nicholas nahm seinen Laptop. “Danke, Eli.“ Damit verließ er die Krankenstation.


Kapitel 10
Gefangen Masterlist

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