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Torchwood: Unsterblich (Fanfiction)

Unsterblich

Serie: Lyrics 'Verse
Worte: ~ 2.000
Inhalt: Jack nahm einen tiefen Atemzug, blinzelte, stieß die Luft aus. Es ging ihm gut. Er war okay. Auf dem besten Wege wenigstens.
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones
Pairing: Jack/Ianto
Rating: R
Spoiler: Hörspiel: In The Shadows
Setting: nach In The Shadows
Warnungen: Erwähnung von Selbstmord, Erwähnung von Seitensprüngen
Beta: larsinger29, danke!
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Entscheidung
Lyrics 'Verse Masterlist

***
***


All meine Wut und meine Tränen
All mein Lachen gehört dir, nur dir
Denn du kannst mich sehn, wie ich bin
Ganz zerbrechlich
Du siehst mich ungeschminkt
Nur bei dir fühl ich mich
Unsterblich
(Unsterblich von Luxuslärm)



Das Wasser umgab ihn, erstickte ihn, nahm ihm den Atem und dann war es in seinen Lungen und er konnte nicht entkommen und er ...

… prallte gegen die gekachelte Wand und sank zu Boden, ein ängstliches Wimmern auf den Lippen, bevor er überhaupt bemerkte, dass er nicht mehr in der Hölle war, nicht mehr ertrank. Er war nicht mehr allein und einsam und verloren … er war in Iantos Dusche. Es ging ihm gut. Er war in Sicherheit.

Jack griff nach oben und schaltete das heiße Wasser aus. Er blieb zusammengekauert in der Ecke sitzen und legte die Arme um seine Knie, presste seine Stirn dagegen und atmete. Er war müde. Müde genug, um unter der Dusche einzuschlafen, müde genug, um sofort von diesem Ort zu träumen, seinem Selbstmord …

”Jack?!” Iantos Stimme zog ihn aus seinen Erinnerungen zurück in die Dusche und die feuchte Wärme des Badezimmers. Jack nahm einen tiefen Atemzug, blinzelte, stieß die Luft aus. Es ging ihm gut. Er war okay. Auf dem besten Wege wenigstens. Wieder drang Iantos Stimme durch die geschlossene Tür, dieses Mal näher. ”Jack, beeil dich! Ich glaube, das Abendessen ist fertig.”

Ein zögerndes Lächeln zog an Jacks Lippen.

Abendessen, Ianto, zu Hause. Dieses Mal wirklich.

Er trat aus der Dusche, trocknete sich schnell ab und zog Iantos Bademantel an, bevor er in die Küche ging. Der kleine Raum war hell beleuchtet, angenehm warm und roch nach Hühnersuppe. Ianto starrte nachdenklich in einen Topf und rührte.

”Verursacht die Suppe Kopfschmerzen?”, fragte Jack. Er nahm Ianto den Löffel ab und rührte selbst.

”Kochen verursacht bei mir Kopfschmerzen”, antwortete Ianto.

Jack zog ihn mit einem Arm um die Hüfte näher und platzierte einen festen Kuss auf seinen Lippen. ”Ich schätze es sehr, dass du es für mich versuchst.”

”Das hast du schon mal zu mir gesagt”, erwiderte Ianto mit einem Lächeln.

Jack erinnerte sich und lachte leise. Er rieb mit der Nase über Iantos Wange. ”Nun ja, ich habe es eben tatsächlich geschätzt, dass du der Sache eine Chance gibst.” Seine Hand glitt zu Iantos Hintern und zog ihn noch näher. ”Sehr geschätzt.”

”Die ganze Nacht, wenn ich mich recht erinnere”, sagte Ianto.

”Nun ja, es gab viel wertzuschätzen”, erwiderte Jack mit einem Lachen. Ianto grinste ihn an, aber in den Lachfältchen um seine Augen konnte Jack Müdigkeit erkennen. Die letzten Tage waren für sie alle hart gewesen. Jack spürte, wie Erinnerungen in ihm hochkamen und lenkte sich schnell ab, indem er die Suppe probierte. Er hatte bisher nicht gemerkt, wie hungrig er war. Selbst so etwas einfaches wie eine Suppe schmeckte himmlisch. ”Sehr gut.”

”Dosensuppe”, gab Ianto zu.

Jack hatte sich das beinahe gedacht. Ianto war nicht für seine Kochkünste bekannt. Normalerweise kochte Jack für ihn. ”Aber du hast nachgewürzt?”

”Ja.”

”Perfekt.”

Ianto schnaubte. ”Das bezweifle ich. Du solltest mal die Suppe in diesem feinen, französischen Restaurant in der Stadtmitte versuchen. Sie ist unglaublich. Ich war mal mit Tosh da.”

Jack hob die Augenbrauen und lächelte neckend. ”Bittest du mich um ein Date?“

”Du hast zuerst gefragt”, antwortete Ianto, küsste seine Lippen und wandte sich ab. ”Ich warte noch immer auf unser erstes Date.”

Die Worte taten weh. Natürlich war es nur ein Scherz, nicht ernst gemeint, das wusste Jack. Ianto brauchte keine Dates und Blumen und Pralinen. Was er brauchte, war Berührung, Intimität, die über das Sexuelle hinausging, die Nähe zu jemandem. Er zeigte es bei der Arbeit nicht und selten, wenn er mit Jack alleine war, aber Jack wusste es. Dennoch verletzte die Bemerkung ihn. Er wandte Ianto den Rücken zu und konzentrierte sich auf die Suppe, atmete tief durch.

”Fertig?”, fragte Ianto.

Jack setzte ein falsches Lächeln auf. ”Fertig.”

***

Es gab eine Sache an Ianto, die Menschen häufig nicht verstanden. Jack hatte selbst eine Weile gebraucht, um es zu sehen. Bevor er es getan hatte, war er stolz auf seine Verführungstechniken gewesen, auf die Art, wie er Ianto langsam aber sicher in sein Bett gelotst hatte, dass seine Küsse und Berührungen Iantos Atem zum Stocken brachten und nichts als raue, offene Emotionen hinterließen.

Manchmal glaubten Leute, dass Ianto schwach und unterwürfig war, da er meistens hinter Jack ging und immer bereit war, Dinge zu besorgen, die andere verlangten: Kaffee, ein Snack oder Unterstützung beim Aufräumen. Es war leicht, Ianto als den Butler des Teams zu sehen, als den persönlichen Assistenten Jacks, als einen Bettwärmer.

Es war jedoch komplizierter als das, denn tatsächlich konnte man Ianto nicht zwingen, etwas zu tun, was er nicht wollte. Er ließ zu, dass das Team ihm Aufgaben erteilte, die weit unter seinen Qualifikationen lagen und er ließ zu, dass Jack ihn wieder und wieder verführte, ließ ihn näher an sich heran als irgendjemanden zuvor, ließ ihn die Kontrolle übernehmen, wenn er es brauchte und übernahm die Kontrolle, wenn Jack es wollte. Ianto war stark, verlässlich und tapfer und er ließ sich nie von jemandem missbrauchen. Jack mochte das an ihm. Er mochte, sich immer darauf verlassen zu können, dass er Ianto nicht ausnutzen konnte.

Doch nun begann er, daran zu zweifeln.

”Bist du okay?”, fragte Ianto.

Etwas erschrocken sah Jack über den Küchentisch hinweg zu ihm. ”Was?”

”Ich habe gefragt, ob alles okay ist.”

”Mir geht's gut.”

”Denn die Geschichte über Owen und den Weevil sollte dich eigentlich zum Lachen bringen.”

Jack starrte auf seinen leeren Teller hinab. ”Ich habe nicht zugehört, entschuldige.”

Ianto nickte nachdenklich und legte seinen Löffel weg. ”Sag nicht, dass es dir gut geht, wenn es nicht stimmt. Du hattest einen höllischen Tag.” Er stand auf und räumte den Tisch ab.

Jack blieb sitzen und faltete die Hände. ”'Höllisch' ist ein gutes Stichwort.”

Ianto erstarrte für eine Sekunde und obwohl sein Rücken Jack zugewandt war, konnte Jack sich vorstellen, wie er die Augen schloss und “Scheiße” flüsterte. Er wandte sich Jack zu. ”Entschuldige.“ Er stellte die Teller auf die Küchentheke und lehnte sich dagegen, die Arme verschränkt. ”Willst du darüber reden?”

”Da gibt es nicht viel zu erzählen”, antwortete Jack. ”Ich war allein, fühlte sich wie eine lange Zeit an, ich beging immer wieder Selbstmord.”

Ianto wirkte unentschlossen, als ob er nicht sicher war, ob er etwas sagen sollte, doch am Ende meinte er: ”Das ist nicht alles.”

Jack wich seinen Augen aus. ”Tosh und Owen waren tot. Ich erschoss Gwen.”

“Es war nicht real.”

“Das weiß ich. Aber es fühlte sich echt an.”

Ianto trat näher und ließ einen Kuss auf Jacks Kopf fallen. Jack legte die Arme um Iantos Hüften und vergrub sein Gesicht an seinem Bauch. Das alte T-Shirt roch nach Waschmittel und Iantos Duschgel. ”Es ist vorbei”, sagte Ianto und fuhr mit den Fingern durch Jacks Haare.

Jack seufzte tief. ”Dank dir. Weil du mir vergeben hast.“

“Das war doch keine große Sache“, erwiderte Ianto und lachte dann leise. ”Man gewöhnt sich daran.” Er beugte sich hinunter, um Jacks Stirn zu küssen und wandte sich dann dem schmutzigen Geschirr zu.

Jack ergriff sein Handgelenk, fühlte das Verlangen, etwas zu sagen, das ihm seit seiner Begegnung mit dem Ianto in der Hölle auf der Seele brannte. ”Du bist nicht klein.”

Ianto sah ihn fragend an. ”Wie bitte?”

”In der Hölle, du … die andere Version von dir … er sagte, dass ich nie an die kleinen Leute denke, also auch nicht an dich.”

Ianto schluckte und trat wieder näher. ”Nun, ich denke nicht so über dich.”

”Du hast mich betrogen, in der Hölle.”

Ianto hockte sich hin und verschränkte seine Finger mit Jacks. ”Um mich zu rächen?”

Jack nickte.

”Okay“, flüsterte Ianto. “Du weißt, dass das nicht real war, oder? Nichts dort war real.”

Jack zog seine Hand weg und schnappte: “Ich weiß das.“ Er stand auf und ging an Ianto vorbei. ”Aber du … die andere Version von dir … er hatte Recht. Ich vergesse die kleinen Leute, ich vergesse dich und du lässt mich einfach. Du lässt zu, dass ich dich verletze.” Er wandte sich Ianto zu, der sich wieder aufgerichtet hatte und ihn traurig anstarrte. Jack fuhr dort: ”Ich dachte immer, dass das mit uns gut funktioniert, dass du dich selbst schützt, aber ich merke langsam, dass ich falsch lag.”

”Jack”, sagte Ianto ruhig, ”ich verstehe nicht, wovon du redest.”

”Wir hatten noch kein Date. Schon vor Monaten habe ich dir eins versprochen. Und du vergibst mir. Alles.“

Ianto seufzte frustriert und fuhr sich durch die dunklen Haare. “Das waren nur Witze, Jack. Ich habe das nicht so gemeint.“

“Du lässt nicht zu, dass Menschen dich verletzen, nicht wirklich, aber bei mir … ist das anders …” Jack verstummte und verschränkte die Arme, bevor er den Kopf senkte.

”Es ist in deine Gedanken eingedrungen”, sagte Ianto nach einem Moment der Stille. ”Nicht wahr?” Er atmete aus und stemmte eine Hand auf seine Hüfte. ”Jetzt hör mir zu. Du hattest mit einer Sache vollkommen Recht. Ich lasse nicht zu, dass ich schlecht von irgendjemandem behandelt werde. Nicht mehr. Und es gibt keine Ausnahmen. Nicht mal für die Person, die mich dazu gebracht hat, diese Regel aufzustellen.” Jack sah Ianto an, der nickte. ”Und ja, manchmal stehen mir Emotionen im Weg. Manchmal machen sie mich blind, aber … Jack, eine Sache sollte dir klar sein: ich werde nicht zulassen, dass du mich schlecht behandelst. Und … mir ist es egal, ob wir Dates haben oder ob du mit anderen flirtest oder dass du manchmal Abstand brauchst, weil es Dinge an mir gibt, die dich nicht stören. Es gibt nicht viel, was mich wirklich verletzen könnte. Du weißt das. Und ich zweifle nicht daran, dass du mir eher sagen würdest, dass du das zwischen uns beenden willst, als so weit zu gehen. Du magst vieles sein, Jack, aber keiner, der seinen Partner betrügt.” Ianto lächelte. ”Und die kleinen Leute liegen dir am Herzen, Jack. Vieles liegt dir am Herzen. Das ist Teil deiner Natur.“ Sein Gesicht wurde ernst und er ergriff Jacks Hände. ”Es ist wichtig, dass du mir glaubst. Ich muss wissen, dass du mir vertraust und du musst wissen, dass dein Leben wertvoll ist.” Er fuhr mit den Händen durch Jacks Haare und umfasste sein Gesicht. ”Ich weiß, dass du das nicht glaubst, aber so ist es.”

Jack starrte in Iantos Augen. ”Ich stehe immer wieder auf.”

”Du verdienst den Schmerz nicht, den das Sterben mit sich bringt. Unsterblich zu sein heißt nicht, dass du vergessen solltest, zu leben. Im Gegenteil. Es sollte nur darum gehen.” Er schluckte. ”Du verdienst keine schlechten Dinge, Jack. Du bist kein Sünder.”

Jack lächelte traurig. ”Ich bin auch kein Heiliger.”

”Nun, das steht fest”, erwiderte Ianto und verdrehte die Augen. Er küsste Jack fest, zog den Kuss in die Länge. ”Jack”, sagte er leise, ”ich bin glücklich. Mein Leben ist im Moment gut zu mir. Du musst keine Geister jagen.”

Jack starrte ihn an, suchte nach einem Hinweis für eine Lüge in Iantos Augen, doch Ianto legte nur die Arme um Jacks Hals und lächelte. Jack legte die Hände auf Iantos Hüften. ”Du lässt nicht zu, dass ich dich verletze.”

”Wenn du nicht vergisst, am Leben zu bleiben”, antwortete Ianto und küsste Jacks Lippen.


ENDE
12/12

Vergessen zu vergessen
Lyrics 'Verse Masterlist

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