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Der Faden der Ariadne – 3/15

Worte: ~ 30.000
Inhalt: Nach einem Unfall im Archiv landen die Torchwood-Agenten Jack und Gwen in einer alternativen Dimension, wo sie unerwartet auf die Warehouse 13-Agenten Artie und Claudia treffen, die ebenfalls dort gestrandet sind. Um sie zu retten, müssen die Organisationen zusammenarbeiten: Ianto und Rhys fliegen nach South Dakota, während die Gestrandeten sich einem tödlichen Feind gegenüber sehen.
Charaktere: Jack Harkness, Gwen Cooper, Claudia Donovan, Arthur Nielsen, Ianto Jones, Steve Jinks, Rhys Williams, Myka Bering, Pete Lattimer, Leena, Mrs. Frederick, Trailer, OCs
Pairing: Jack/Ianto, Gwen/Rhys, Pete/Kelly Hernandez (angedeutet), Artie/Vanessa Calder (angedeutet)
Rating: PG-13
Spoiler: Die Braut, die vor nichts graut, Wundmale / Doctor Who: The Sound Of Drums
Setting: nach Wundmale
Crossover: Warehouse 13
Crossover-Setting: nach Lovesick
Crossover-Spoilers: Spielt in der dritten Staffel von Warehouse 13, also sind Charakter-Spoiler selbstverständlich! Aber ich verrate nichts über den wirklich spannenden Handlungsbogen. :)
Warnungen: Erwähnung von Canon Character Death
Beinhaltet: Canon Slash
Anmerkungen: Das hier ist das Produkt eines Traumes. Und dann dachte ich, dass die beiden Serien gut zusammenpassen würden. Also passierte das hier.
Beta: larsinger29 und EmrysofWriting, danke. :)
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und Warehouse 13 und die in ihnen vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.


Kapitel 2
Der Faden der Ariadne Masterlist

***
***


3.



Steve war nicht sicher, ob er sich Sorgen machen sollte. Er stieg die Treppe hoch zum Büro und sah zurück über die endlosen Regalreihen des Warehouse. Er konnte die Pyramide sehen, die sie hier aufbewahrten und auch den Zeppelin, der in der Luft schwebte und dort, um die Ecke gerade noch zu erahnen, das Football-Feld, aber kein Zeichen von Artie oder Claudia. Aber Claudia hatte ihm eindeutig auf seinen Ruf geantwortet. Und dann war er um die Ecke gebogen und es war niemand da gewesen. Entweder war etwas passiert oder Claudia und Artie hatten ihm einen Streich gespielt, aber das glaubte er nicht. Artie war an seinen besten Tagen mürrisch und hielt nichts von kindischen Spielen während der Arbeitszeit (oder allgemein) und Claudia würde das nicht tun. Wenigstens glaubte er das.

Er hörte Gelächter aus dem Büro dringen und trat ein. Das Büro war das Herz des Warehouse und auch der Ort, wo sie während der Arbeitszeit entspannen konnten. Es teilte sich in einen Arbeitsbereich an der Front, wo die Fenster einen atemberaubenden Blick über das Warehouse boten, und einen gemütlicheren Teil im hinteren Bereich nahe der Eingangstür. Pete Lattimer und Myka Bering befanden sich in diesem Teil des Raumes. Pete hatte sich in einem gemütlichen Sessel am runden Tisch in einer Ecke ausgestreckt und sah aus, als säße er auf der Veranda in der Sonne. Myka jedoch trug einen ihrer Hosenanzüge und eine Bluse und hatte ihre dunklen Haare streng zurück gebunden. Sie saß in einem anderen Sessel, die Beine überschlagen und die Arme verschränkt.

Beide hörten auf zu lachen, als sie ihn bemerkten. Steve schluckte die Unsicherheit, die ihn plötzlich zu ersticken versuchte. Er rang sich ein Lächeln ab und schloss die Tür. "Hey, Leute. Was ist los?"

Myka lächelte. "Nichts."

Pete zuckte mit den Schultern. Sie sahen sich an und lachten.

Steve brauchte nicht mal seine Gabe anzuwenden, um Bescheid zu wissen. "Okay", sagte er und stemmte die Hände auf die Hüften, "du lügst."

Pete deutete mit beiden Händen auf Steve und verkündete: "Der menschliche Lügendetektor, meine Damen und Herren!"

Steve kniff die Augen zusammen, jetzt verärgert. "Klar. Hat jemand Artie oder Claudia gesehen?"

"Nein", antwortete Myka. Die Wahrheit.

Pete grub eine Hand in seine dunklen Haare und schaffte es, noch entspannter auszusehen als ohnehin schon. "Sie waren unten und haben Warehouse 2 ausgepackt."

Steve hob eine Augenbraue. "Sie sind nicht da. Ich habe sie gerufen und Claudia hat geantwortet, aber als ich ihrer Stimme folgte, konnte ich sie nicht finden. Sollten wir uns Sorgen machen?"

Myka runzelte die Stirn. Gut, zumindest einer von ihnen nahm ihn ein bisschen ernst. "Ich denke nicht. Wir haben Sensoren zur Überwachung der Artefakt-Aktivitäten. Kein Alarm heute."

"Weißt du, wie diese Systeme funktionieren?", fragte Steve.

"Sicher."

Steve schüttelte den Kopf. "Das ist eine Lüge."

Myka seufzte. "Ich kenne die Grundlagen."

"Oh, bitte!", sagte Steve.

Myka verdrehte die Augen und gab zu: "Artie und Claudia sind die Technik-Genies."

Pete stand auf und ging hinüber zu einem der Computer. "Kann nicht so schwer zu überprüfen sein. Ich meine, ich habe meinen iPod alleine installiert. Das hier kann nicht komplizierter sein."

"Ich hatte meinen iPod in fünf Minuten installiert", antwortete Myka.

Steve hob eine Hand. "Drei."

Pete verdrehte die Augen und stieß die alte Tastatur an, die aussah, als wäre sie aus einer Schreibmaschine gefertigt worden. Er wackelte mit den Fingern und drückte dann ein paar Tasten, nur, um erschrocken zurückzutreten, als die Computer protestierten – lauthals. "Ich war's nicht! Ehrlich."

Myka eilte herbei und zog ihn vom Schreibtisch weg. "Du ... hör auf damit." Sie blickte wieder zu Steve. "Aber wir sollten uns keine Sorgen machen. Man kann sich da unten leicht irren. Ich bin sicher, dass du an der falschen Stelle gesucht hast."

"Ja", antwortete Pete, "einmal haben wir Artie drei Tage nicht gesehen. Wir waren in totaler Panik und dann spazierte er einfach durch die Tür, als ob nichts gewesen sei und meinte, er hätte Inventur am anderen Ende des Warehouse erledigt." Er legte eine Hand auf Steves Schulter. "Außerdem ist mein Bauchgefühl ruhig."

Steve seufzte. Petes Bauchgefühl hatte mehr als einmal bewiesen, dass es die perfekte Alarmanlage war. Er wusste, er konnte darauf vertrauen. Er wurde nur sein eigenes Bauchgefühl nicht los.

***

Rhys folgte Ianto durch den Korridor in den Hauptraum. Die hellen Lichter blendeten ihn für einen Moment, seine Augen waren an das Dämmerlicht der Archive gewöhnt, und er blinzelte, während Ianto bereits zu einem der Schreibtische mit den vielen Computerbildschirmen darauf eilte. "Was ist passiert?", fragte Rhys. "Ich habe nur etwa die Hälfte von dem verstanden, was du gesagt hast."

Ianto ließ sich in den Stuhl fallen und rief die Überwachungsvideos der Archive auf einem Bildschirm auf, dann benutzte er die drei anderen, um mehrere Programme zu öffnen, deren Funktion Rhys nicht verstand. Sein Blick war auf die Monitore konzentriert, sein Gesichtsausdruck der eines Mannes, der das Beste hoffte und das Schlimmste erwartete. "Ich weiß nicht, was genau passiert ist, aber wir werden es herausfinden."

Rhys beobachtete ihn dabei, wie er 1974 und 2006 in eine Suchmaschine eingab, dann deutete Ianto auf den Bildschirm. "Überwachungskamera." Sie zeigte Jack und Gwen, die Artefakte sortierten. Dann plötzlich fuhren sie erschrocken zurück und verschwanden. Ianto wandte sich an die Suchmaschine. Diese war noch beschäftigt. Er öffnete ein weiteres Programm. "Ich überprüfe unsere Scanner und Archive, um zu sehen, was ich herausfinden kann."

Rhys stemmte die Hände in die Hüften. Er fühlte sich ein wenig nutzlos, wie er nur so herumstand, während Ianto arbeitete. "Das hat sich vor einer Minute noch komplizierter angehört."

Ianto lächelte leicht, ohne den Blick vom Bildschirm zu wenden. "Entschuldige. Es gab scheinbar einen massiven Energieausstoß in den Archiven. Die Art Energieausstoß, die Transporter verursachen." Er runzelte die Stirn. "Ich kann ihn nicht verfolgen." Er hielt einen Moment inne, als ob er nachdachte. "Jack hatte sein Handy dabei."

"Gwen auch", sagte Rhys und hatte endlich das Gefühl, helfen zu können.

"Ich werde die GPS-Signale verfolgen." Während er das tat, rief die Suchmaschine nach seiner Aufmerksamkeit. Ianto beendete die Programmierung der GPS-Suche und wandte sich der Suchmaschine zu. Er erklärte: "Es gibt mehrere Akten, die 1974 erstellt und im Jahr 2006 bearbeitet wurden." Er überflog die Liste. "Nur eine von ihnen von Tosh." Er öffnete sie. Rhys versuchte nicht, sie zu lesen. Ianto war schneller und er wäre in der Lage, es ihm zu erklären. So tigerte er lediglich nervös auf und ab.

Nach einer Minute sagte Ianto: "Okay. Die Zusammenfassung klingt schlecht." Er sah Rhys an. "Scheint, als wären sie von einem transdimensionalen Transporter getroffen worden."

"Einem was?"

"Sie wurden in eine andere Dimension transportiert. Sie könnten immer noch hier sein, direkt neben uns, aber wir können sie nicht sehen und sie können uns nicht sehen, weil sie sich in einer anderen Phase befinden – in einer anderen Dimension."

Rhys starrte ihn an. "Was?!"

Er schätzte es sehr, dass Ianto nicht wie ein Vater klang, der seinem Sohn etwas offensichtliches das fünfte Mal erklärte. "Stell dir vor, dass die Realität aus mehreren Schichten besteht und wir zwei befinden uns zwischen zwei von ihnen. Jack und Gwen sind zwischen zwei anderen gefangen."

Rhys dachte, dass das irgendwie vertraut klang. Vielleicht hatte er darüber durch alte Star Trek-Wiederholungen gehört. "Sie sind in einer Parallel-Welt?"

"Nein, in einer anderen Dimension."

"Hier, aber nicht hier."

"Genau."

Rhys starrte Ianto an. "Also ... was tun wir dagegen?"

"Lass mich die Akte lesen, lass das GPS-Programm seine Arbeit tun und dann sehen wir weiter."

***

Die Küche des B&B war geräumig, aber gemütlich, wie der Rest des Hauses auch. Das Team betrat sie nur selten. Sie war Leenas Reich, wo sie Mahlzeiten und Snacks für alle zubereitete. Steve war das letzte Mal hier gewesen, als Leena ihm das Haus gezeigt hatte. Damals war sie sehr ordentlich gewesen. Als er nun eintrat, verursachte der Geruch nach Essen ein Knurren in seinem Magen und das geordnete Chaos einer geübten Köchin regierte den Raum. Leena stand an der Arbeitsplatte unter dem Fenster und schnitt Gemüse. Das Blumenmuster ihrer Bluse passte in die gemütliche Atmosphäre des Raums. Sonnenlicht fing sich in ihren langen, lockigen Haaren und malte Muster auf ihre dunkle, glatte Haut.

Steve räusperte sich und sie sah zu ihm auf. "Hallo", sagte sie mit einem warmen Lächeln, dann runzelte sie sofort die Stirn. "Was ist passiert?"

"Woher weißt du-"

"Deine Aura", erklärte Leena und trat näher, kniff die dunklen Augen zusammen, als ob sie versuchte, sich auf etwas zu konzentrieren, das nicht wirklich da war. Ihre Gabe, die Aura von anderen Menschen zu lesen, verunsicherte Steve immer etwas. Vor allem, da sie ihm mal gesagt hatte, dass seine Aura ihr Sorgen bereitete. "Ich meine, deine Aura ist immer etwas dunkel. Aber heute ..."

Steve nickte. Er war zu ihr gekommen, weil er besorgt war und glaubte, dass sie vielleicht die einzige sein würde, die ihm zuhörte.

"Was ist los?", fragte Leena.

"Ich kann Claudia und Artie nicht finden. Pete und Myka sagen, es sei kein Grund zur Sorge, aber ..."

"... du machst dir Sorgen." Sie runzelte die Stirn. "Im Warehouse ist also alles ruhig?"

"Ja. Keine Artefakt-Aktivitäten, kein Alarm, nichts."

"Dann mache ich mir auch Sorgen."

Steve runzelte die Stirn. "Wieso?"

"Es ist Dienstag. Jeden Dienstag, wenn es keinen Alarm oder andere Probleme mit dem Warehouse gibt, telefoniert Claudia mit ihrem Bruder Joshua. Er hat angerufen, aber da sie nicht hier ist, nahm ich an, dass sie arbeiten muss. Sie würde nie ohne triftigen Grund einen Anruf verpassen. Nicht von ihm."

"Du denkst also auch, dass etwas passiert ist?"

"Ich denke, dass das ungewöhnlich ist."

Steve lächelte leicht. Leena war immer diplomatisch, stellte sich selten auf eine bestimmte Seite. Wie eine Mutter für sie alle.

Die Eingangstür fiel ins Schloss und dann betraten Myka und Pete die Küche. Als sie Steves und Leenas ernste Gesichter sahen, blieben sie stehen. Myka fragte: "Was ist los?"

"Steve hat mir gesagt, dass er Claudia und Artie nicht finden kann", antwortete Leena.

Myka runzelte die Stirn. "Ja, aber sie sind wahrscheinlich nur arbeit-"

"Claudia hat Joshuas Anruf verpasst", unterbrach Leena sie.

Myka verschränkte die Arme und wechselte einen Blick mit Pete. "Okay, das ist seltsam."

"Ja", stimmte Pete zu.

Leena seufzte. "Wann habt ihr sie zuletzt gesehen?"

Myka antwortete: "Beim Frühstück. Dann sind sie losgezogen, um sich um das Warehouse 2-Inventar zu kümmern und Pete und ich mussten ein paar Berichte schreiben."

Steve fügte hinzu: "Ich habe den Rest des Handbuchs gelesen. Claudia und ich wollten zu Mittag zu essen, aber sie ist nicht gekommen."

"Also hat niemand sie seit dem Frühstück gesehen?", fragte Leena.

"Ich habe sie gehört. Ich war auf der Suche nach ihnen, weil Claudia nicht zu unserer Verabredung gekommen ist. Sie waren nicht im Zelt, also habe ich gerufen und Claudia hat geantwortet. Ich folgte ihrer Stimme, aber ich konnte sie nicht finden. Das war vor etwa fünf Stunden."

Myka lehnte sich gegen die Arbeitsplatte. "Wir hatten keine Artefakt-Aktivität. Nichts Ungewöhnliches ist passiert."

Pete legte seine Hände auf die Hüften. "Wir sollten zurückgehen und sie suchen. Ihre Schritte zurückverfolgen."

Steve starrte ihn überrascht an. "Können wir das?"

Myka lächelte. "Oh, ja. Das können wir."

***

"Okay", sagte Claudia leise, als ein weiteres Knurren verklungen war und verkrampfte ihre Hand in der alten Wolle von Arties Strickjacke. "Wir haben nicht zufällig einen riesigen Wachhund, den du nie erwähnt hast?"

"Nein, haben wir nicht", flüsterte Artie.

Claudia schluckte und kämpfte gegen den Drang an, wegzurennen. "Was hat da geknurrt?"

"Ich weiß es nicht." Artie sah sich um, dann nahm er ihre Hand. "Lass uns gehen." Er begann, den Gang entlang zu eilen.

Claudia war nicht sicher, ob das der richtige Schritt war. Sie fühlte sich ein bisschen wie eine Maus in einem Labyrinth, die von einer Katze von oben beobachtet wurde. "Wohin?"

"Weg vom Knurren."

"Ich liebe diesen Plan", antwortete Claudia und ließ sich von Artie um eine Ecke und in einen anderen Gang ziehen. Sie sah hinter sich, etwas ängstlich, dass die Gefahr plötzlich hinter ihnen auftauchen könnte, und dann stellte sie eine Frage, die ihr schon vor einer Weile durch den Kopf geschossen war. "Die anderen wissen, was mit uns passiert ist, nicht wahr?"

Artie zögerte. "Ich bin mir nicht sicher."

Claudias Augen weiteten sich. "Sie werden doch merken, dass wir fehlen, oder?"

"Ich hoffe es."

"Wenn nicht, werde ich echt sauer."

Artie seufzte und ging um eine weitere Ecke. "Selbst wenn sie wissen, was passiert ist, werden sie nicht wissen, wo wir sind oder wie sie uns zurückbekommen."

"Sie werden einen Weg finden."

"Gott, das hoffe ich."

Sie gingen weiter, zurück in Richtung Büro, doch als sie um eine Ecke bogen, geschah etwas Unerwartetes: zwei Leute standen im Gang und sahen sich um. Ein Mann und eine Frau, die sie noch nie gesehen hatten.

Artie und Claudia erstarrten. Der Mann trug einen langen Mantel mit militärischen Insignien auf den Schultern – er schien ein bisschen altmodisch, als ob er ihn auf einem Veteranen-Flohmarkt gekauft hätte. Die Frau, modern gekleidet, stand sehr dicht neben ihm und hatte dunkles Haar, das ihr auf die Schultern fiel.

Als der Mann sie bemerkte, hob er die Hand und Claudia fand sich am falschen Ende einer Pistole wieder. Sie keuchte erschrocken und Artie schob sie schützend hinter sich. Der Mann tat das gleiche mit der Frau. "Wer seid ihr?", fragte er. Er war groß, athletisch und sehr gut aussehend. Sein Gesicht war linear und glatt, seine dunklen Haare streiften seine Stirn. Ein Paar blaue Augen starrte sie misstrauisch an. Die Hand mit der Pistole war beunruhigend ruhig.

Artie hob eine Hand, aber er streckte die andere zur Seite, um Claudia hinter ihm zu halten. Claudias Gedanken rannten ihr davon: Wer waren diese Leute? Wie waren sie hierher gelangt? Wussten sie vom Warehouse?

"Komm raus", sagte der Mann laut und Claudia realisierte, dass er sie meinte. "Zeig mir deine Hände."

Nun fand Artie seine Stimme wieder. "Wer sind Sie?"

"Ich habe zuerst gefragt", antwortete der Mann, dann schaute er wieder zu Claudia. "Komm schon."

"Jack", sagte die Frau nun und legte eine Hand auf seinen Arm, "es ist nur ein Mädchen."

"Wenn ich einen Penny für jedes Mal hätte, dass ich das gedacht und es bereut habe", antwortete der Mann – Jack.

Die Frau schüttelte den Kopf und drückte seinen Arm. Sie hatte ein freundliches Gesicht mit großen, grünen Augen und als sie Artie und Claudia anlächelte, fiel Claudia eine kleine Lücke zwischen ihren Schneidezähnen auf. "Es ist okay. Keine Angst."

"Gwen-"

"Jack", unterbrach sie ihn. "Um Gottes willen, sie sind nicht gefährlich und du weißt das. Vielleicht können sie uns helfen, hier herauszukommen."

Claudia trat hinter Artie hervor, obwohl er versuchte, sie davon abzuhalten. "Herauszukommen?", wiederholte sie. "Seid ihr auch hier gefangen?"

Gwen lächelte sie an und Jack senkte widerwillig die Waffe. Er steckte sie in das Holster, wobei er den Mantel etwas zurückschob. Claudia bemerkte rote Hosenträger, ein Hemd und eine dunkle Hose und dann fanden ihre Augen ein breites Lederband um sein Handgelenk, bevor der Mantelärmel es wieder verdeckte. Sein Blick blieb wachsam, seine Haltung angespannt.

"Sind wir", antwortete Gwen auf Claudias Frage. "Wir wurden hierher transportiert." Ihr Akzent war seltsam. Nicht australisch, nicht ganz britisch, aber auf keinen Fall amerikanisch wie Jacks. Sie trat auf Claudia und Artie zu und bot ihre Hand an. "Gwen Cooper."

Artie schüttelte zögerlich ihre Hand und nickte. "Artie Nielsen und das ist Claudia Donovan."

Claudia winkte ihnen mit einem nervösen Lächeln zu, das Gwen erwiderte.

Jack kam näher. Er nickte ernst, eindeutig noch nicht ganz bereit, ihnen voll und ganz zu vertrauen. "Captain Jack Harkness."

Gwen fügte hinzu: "Mein Chef."

Claudia grinste. "Artie ist mein Chef."

Er schnaubte. "So wie sie mich behandelt, merkt man davon nicht viel."

Ein kleines Lächeln breitete sich auf Jacks Gesicht aus. "Ich kenne das Gefühl."

"Hey!" Gwen runzelte die Stirn.

Jack wurde ernst. "Ihr müsst mir genau erklären, was passiert ist. Habt ihr etwas Ungewöhnliches berührt? Etwas Seltsames gespürt? Etwas gesehen?"

Artie und Claudia tauschten einen Blick, bevor Artie antwortete: "Das wollte ich gerade fragen."

Claudia nickte. "Habt ihr Pralinen gerochen, obwohl keine da waren?"

"Pralinen?", fragte Jack.

Claudia erinnerte sich an etwas und starrte Artie an. "Ich habe übrigens keine Pralinen gerochen – nicht einmal ein Hauch."

"Okay", sagte Gwen ruhig, "wir sind Experten in Sachen Merkwürdigkeiten, also könnt ihr uns ruhig sagen, was ihr gesehen habt. Wir werden euch glauben."

Claudia schluckte. "Mann, klingt wie etwas, das wir sagen würden."

Artie stieß einen verzweifelten Seufzer aus. "Wer genau seid ihr? Welche Art von Experten?"

Jack antwortete: "Das ist geheim. Wer seid ihr?"

"Ebenfalls geheim."

"Wir haben eindeutig ein Problem."

"Eindeutig."

Sie starrten einander an.

Claudia schlug vor: "Wie wäre das: ihr sagt, wer ihr seid und dann sagen wir, wer wir sind?"

Gwen verschränkte die Arme. "Klingt vernünftig", sagte sie und sah Jack fragend an.

"Gut", stimmte er zu. "Wir sind Torchwood Cardiff. Unser Spezialgebiet sind außerirdische Invasionen, Zeitreisen und Dinge, aus denen Alpträume bestehen."

Claudia versuchte noch, diese Antwort zu verarbeiten, während Artie schon sagte: "Warehouse 13, South Dakota. Wir beschäftigen uns mit emotional aufgeladenen Objekten und ihren gefährlichen Nebenwirkungen."

"Emotional aufgeladen?", fragte Jack ungläubig. "Bitte!"

"Aliens?", antwortete Artie ebenso ungläubig. "Bitte!"

"Jungs!", sagte Claudia. "Seid nett zueinander." Sie sah Gwen neugierig an. "Aliens?"

Gwen zuckte mit den Schultern. "Manchmal."

"Cool!"

Das Knurren hallte erneut durch das Warehouse.

Jacks Hand legte sich um den Griff seiner Waffe und Gwen drehte sich im Kreis, sichtlich bemüht, die Quelle des Geräuschs zu finden. "Was war das?", fragte sie.

Artie antwortete: "Ein Problem. Ein wahrscheinlich sehr großes Problem."

Jack zog seine Pistole. "Klingt jedenfalls so. Wir sollten einen sichereren Ort zum Reden finden."

Claudias Augen weiteten sich. "Petes Höhle!"

Artie runzelte die Stirn. "Muss ich wissen, was das ist?"

"Unter anderen Umständen? Auf keinen Fall", antwortete sie. "Ich weiß, wo wir lang müssen." Sie begann zu laufen und die anderen folgten ihr.

Artie blieb neben ihr, während Gwen und Jack ihnen folgten. Claudia hörte Gwen fragen: "Glaubst du, dass Ianto weiß, was passiert ist."

"Ich bin mir sicher", antwortete Jack. "Du kennst Ianto."

Neugierig drehte Claudia sich um und ging rückwärts weiter. "Wer ist Ianto?"

Gwen antwortete: "Er arbeitet mit uns. Er ist sehr einfallsreich."

Jack nickte. "Ich bin sicher, dass er bereits an einer Lösung sitzt."

Artie fügte hinzu: "Und er wird nicht der einzige sein. Meine Agenten sind bestimmt dabei, uns hier rauszuholen." Claudia hatte das Gefühl, dass eine Art Wettbewerb zwischen den Männern lief, als Artie Jack ein falsches Lächeln zuwarf. "Sie werden wissen, was zu tun ist. Sie sind hoch qualifiziert und sehr erfahren."



Kapitel 4
Der Faden der Ariadne Masterlist