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Der Faden der Ariadne – 10/15

Worte: ~ 30.000
Inhalt: Nach einem Unfall im Archiv landen die Torchwood-Agenten Jack und Gwen in einer alternativen Dimension, wo sie unerwartet auf die Warehouse 13-Agenten Artie und Claudia treffen, die ebenfalls dort gestrandet sind. Um sie zu retten, müssen die Organisationen zusammenarbeiten: Ianto und Rhys fliegen nach South Dakota, während die Gestrandeten sich einem tödlichen Feind gegenüber sehen.
Charaktere: Jack Harkness, Gwen Cooper, Claudia Donovan, Arthur Nielsen, Ianto Jones, Steve Jinks, Rhys Williams, Myka Bering, Pete Lattimer, Leena, Mrs. Frederick, Trailer, OCs
Pairing: Jack/Ianto, Gwen/Rhys, Pete/Kelly Hernandez (angedeutet), Artie/Vanessa Calder (angedeutet)
Rating: PG-13
Spoiler: Die Braut, die vor nichts graut, Wundmale / Doctor Who: The Sound Of Drums
Setting: nach Wundmale
Crossover: Warehouse 13
Crossover-Setting: nach Lovesick
Crossover-Spoilers: Spielt in der dritten Staffel von Warehouse 13, also sind Charakter-Spoiler selbstverständlich! Aber ich verrate nichts über den wirklich spannenden Handlungsbogen. :)
Warnungen: Erwähnung von Canon Character Death
Beinhaltet: Canon Slash
Anmerkungen: Das hier ist das Produkt eines Traumes. Und dann dachte ich, dass die beiden Serien gut zusammenpassen würden. Also passierte das hier.
Beta: larsinger29 und EmrysofWriting, danke. :)
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und Warehouse 13 und die in ihnen vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.


Kapitel 9
Der Faden der Ariadne Masterlist

***
***


10.



“Verdammt!”, fluchte Myka und eilte zu der Neutralisierungsstation in der Ecke, während Pete Ianto und Steve anstarrte, die erstarrt in der Mitte des Gangs standen. Eine Kamera im Regal lief und schoss mit einem lauten Klicken ein Foto nach dem anderen. Trailer bellte und seine Zähne knabberten ungeduldig an Petes Hand. Er war derjenige gewesen, der Pete und Myka hierher gebracht hatte. Seine aufgeregtes Auftreten hatte sie schnell davon überzeugt, dass etwas nicht stimmte. Myka tauchte mit dem Schlauch wieder auf und Pete nahm ihn ihr ab, während Myka rasch die Pumpe aktivierte. Eine dickflüssige, lila Flüssigkeit schoss aus dem Schlauch und ertränkte die Kamera innerhalb weniger Sekunden. Sie gab einige grelle Lichtblitze von sich, weshalb Myka und Pete sich wegdrehten, und dann schrien Ianto und Steve auf und sprangen auseinander.

”Oh mein Gott”, murmelte Steve und sank zu Boden. ”Oh Gott!” Trailer winselte und leckte sein Gesicht. Steve griff sein Halsband und schob ihn sanft weg. Pete sah seine Hände zittern und er wirkte, als müsste er sich übergeben.

Ianto legte eine Hand auf seinen Mund und wandte sich ab.

Etwas atemlos von ihrem Sprint hierher fragte Myka: ”Seid ihr okay?”

Sie blickten sie an, aber antworteten nicht. Mykas Augen weiteten sich und sie nickte. ”Richtig.” Sie sah zu der tropfenden Kamera im Regal. ”Gerda Taros Kamera.”

Pete fand, dass sie etwas altmodisch aussah, wie etwas aus dem Beginn des letzten Jahrhunderts. ”Was kann sie?”

”Wenn jemand in die Linse blickt, dann erleben sie ihre schlimmsten Erlebnisse wieder. Wenn jemand anderes sie dann berührt, übertragen die Erinnerungen sich.”

Pete schluckte. Jetzt verstand er, warum Ianto und Steve so schockiert schienen. ”Nur schlimme Erlebnisse?”

”Sie war eine Kriegsfotografin”, erklärte Myka und Pete nickte verstehend.

Ianto seufzte und wandte sich wieder zu ihnen um. Er schloss die Augen. ”Es war meine Schuld. Ich habe in die Linse gesehen. Ich dachte, Artefakte würden nur auf Berührung reagieren.”

”Die meisten schon”, erwiderte Myka. ”Schon okay, das konntest du nicht wissen.”

Pete runzelte die Stirn, während er beobachtete, wie Steve noch immer am Boden kauerte. Er war sich nicht ganz sicher, aber er glaubte, Tränen in seinen Augen zu sehen. ”Steve?”

Ianto antwortete an seiner Stelle. ”Ich habe ein paar ziemlich schlimme Erinnerungen. Tut mir leid.”

Myka sah ihn fragend an, aber Ianto ignorierte sie.

Er hockte sich vor Steve, der langsam seine Atmung wieder unter Kontrolle bekam. ”Tut mir leid.”

***

Jacks Plan klang einfach. Artie war sich nicht sicher, ob es tatsächlich so einwandfrei funktionieren würde. Solche Dinge klangen häufig in der Theorie besser, aber es war die einzige Idee, die sie hatten. ”Diese Risse tauchen regelmäßig auf, ab er in unterschiedlichen Teilen des Warehouse”, sagte Jack, während er sein Armband studierte. ”Sie geben Energie ab. Reagiert das Warehouse auf fremde Energiesignaturen und warnt die anderen vielleicht?”

Artie verzog das Gesicht. ”Ich bin nicht sicher. Wenn es stimmt, was ihr sagt, und das Artefakt ist außerirdischen Ursprungs, dann könnten die Sensoren nicht auf die Energiewerte reagieren.”

Claudia stemmte die Hände in die Hüften. ”Aber wir haben Bewegungssensoren und sie sind gut. Ich habe sie gerade erst verbessert. Sie geben jedes Mal einen Alarm, wenn sich jemand, den das System nicht kennt, außerhalb des Büros bewegt.”

”Nur nachts”, korrigierte Artie.

”Nein, immer.” Sie sah Artie mit gehobenen Augenbrauen an. ”Ich habe doch gerade gesagt, dass ich Upgrades durchgeführt habe.”

Obwohl er versuchte, ruhig zu bleiben, konnte Artie nicht anders als zu fragen: ”Warum wusste ich davon nichts?”

”Das liegt daran, dass ich noch nicht damit fertig bin. Steve und ich sind die einzigen, die momentan damit arbeiten und wir sind noch in der Probephase. Der Alarm geht an unsere Handys.”

Artie starrte sie an. ”Das hast du nicht mit mir abgesprochen.”

”Hättest du Ja gesagt?”

”Nein.”

Claudias Gesichtsausdruck verdunkelte sich. ”Das tust du nie. Ich muss dich regelrecht zwingen, etwas Neues auszuprobieren und das geht nur, wenn ich dir einen funktionierenden Prototyp vorsetze.”

Artie wurde nun wirklich wütend. ”Das System funktioniert sehr gut. Warum musst du immer alles in Frage stellen, wofür ich Jahre gearbeitet habe?”

”Weil wir ein Update brauchten. McPherson, HG Wells … muss ich noch mehr sagen?”

Gwen räusperte sich und hob beruhigend die Hände. ”Ich denke, wir kommen vom Thema ab.”

Claudia biss sich auf die Unterlippe und senkte den Blick. Artie seufzte. ”Okay.” Gott, er war hungrig. Und das machte ihn gereizt.

Claudia sah wieder zu ihnen auf. Sie wirkte nicht zufrieden mit dem Ende der Diskussion, aber sie schien einzusehen, dass sie das Thema nicht vertiefen konnten. ”Steve bekommt eine SMS sobald jemand, den die Gesichtserkennung nicht zuordnen kann, sich im Warehouse bewegt.”

Jack runzelte die Stirn. ”Ja, aber das System kann einen Riss nicht vorhersehen und sie öffnen sich nur für wenige Augenblicke. Sobald die anderen uns also erreichen, hat der Riss sich wieder geschlossen.”

Artie wusste, woran Claudia dachte, als er ihren Gesichtsausdruck sah. ”Sie haben das Durationale Spektrometer. Es ermöglicht ihnen, die Dinge zu sehen, die in den letzten sechs Stunden geschehen sind. Sie könnten uns damit sehen.”

”Aber sie können uns nicht hören”, sagte Jack.

Artie runzelte die Stirn. Es schien eine Art Hobby von Jack zu sein, immer das Schlimmste zu fürchten. Claudia ersparte ihm eine sarkastische Antwort, indem sie sagte: ”Pete kann Lippen lesen.”

Jack nickte, scheinbar zufrieden damit. ”Nun, das ist unser Plan. Wir gehen zu den Rissen, die mein Manipulator errechnet. Es wäre am besten, wenn wir uns aufteilen. Dann können wir auch gleichzeitig zu zwei Rissen gehen. Gwen und ich haben unsere Headsets und die funktionieren, also bleiben wir in Kontakt.”

”Es ist schade, dass ich Steve nicht einfach anrufen kann”, sagte Claudia.

”Ja, aber transdimensionale Kommunikation ist mit einem normalen Handy nicht zu bewerkstelligen. Wir haben Glück, dass unsere Headsets funktionieren.” Er sah auf sein Armband. ”Mein Manipulator zeigt im Augenblicklich zwei Stellen an, wo Risse zur anderen Dimension entstehen könnten. Gwen, du gehst mit Claudia, Artie und ich nehmen die andere.”

Artie sah Claudia zu ihm blicken und er nickte zustimmend. Es bedeutete ihm viel, dass sie ihn selbst in diesem Moment noch als ihren Chef wahrnahm, obwohl die Art, wie sie mit verschränkten Armen und einem Schmollen da stand ihm verriet, dass er später würde bezahlen müssen. Erfahrung sagte ihm, dass sie wahrscheinlich ein paar Tage nicht mit ihm reden würde. So, wie er sich gerade fühlte, hörte sich das himmlisch an. Es war manchmal schwer, Claudia beizubringen, dass er nur besorgt war. Vom ersten Tag an hatte sie mit Warehouse-Technologie herumgespielt und mehr als einmal hatte sie durch Unvorsicht kleine Blessuren davongetragen oder sich in peinliche Lagen gebracht. Es war ein Wunder, dass bisher noch nichts schlimmeres geschehen war und Artie würde es gerne dabei belassen. Aber Claudia war stur, hoch intelligent, unabhängig und jung und das konnte eine gefährliche Kombination sein. Artie fühlte sich für sie verantwortlich, nicht nur, weil ihr Bruder erwartete, dass er sie beschützte, sondern auch weil er sie sehr mochte.

Jack ließ Gwen auf seinen Manipulator sehen, wahrscheinlich, um ihr den Weg zu zeigen, dann sagte er: ”Ich werde euch danach zum nächsten führen.”

Gwen nickte und Jack legte eine Hand auf ihren Rücken. Er lehnte sich hinunter, um etwas in ihr Ohr zu flüstern. Gwen nickte wieder und antwortete: ”Du auch.”

Artie sah Claudia mit einem schwachen Lächeln an und bekam ein zögerndes als Antwort, dann teilten sie sich auf.

”Also”, sagte Artie, als sie sich auf den Weg zu ihrem ersten Riss zwischen den Dimensionen machten. Er vertraute darauf, dass Jack wusste, wo sie hin mussten. ”Was genau wird passieren, nachdem wir den anderen den Code genannt haben?”

”Es ist kein Code”, antwortete Jack.

”’Streichhölzer’ klingt wie ein Code.”

Jack lächelte bitter. ”Vor einer Weile hatten wir Problem mit Streichhölzern, die Menschen in eine andere Dimension zogen, so wie hier. Nur war diese Dimension als eine Art Hölle kreiert. Wenn man dort hineingeriet, passierten schlimme Dinge. Die schlimmsten, die passieren konnten und dann war man dort gefangen, bis man starb.”

”Was für Dinge?”

”Kommt auf die Person an. Als ich gefangen war, wurde mir glauben gemacht, dass zwei meiner Freunde tot waren, ich erschoss Gwen und … zwischen mir und Ianto passierten Dinge. Am Ende haben sie mich herausgeholt. Oder eher gesagt: Ianto hat mich herausgeholt, indem er mir meine Sünden vergab. Wir wissen nicht genau, warum die Streichhölzer mich haben gehen lassen, aber wir werden es wahrscheinlich auch nie erfahren. Tatsache ist, dass Iantos Rettungsaktion nicht geplant war. Eigentlich hatte unsere Technikerin Toshiko ein Computerprogramm geschrieben, das mich zurück in unsere Dimension ziehen sollte. Ich hoffe jetzt, dass Ianto es einsetzen kann, um uns zu retten.”

”Ich nehme an, Toshiko ist einer der Freunde, die gestorben sind.”

Jack hielt kurz inne. ”Ja.”

Artie nickte ernst. ”Das tut mir leid.”

”Nicht deine Schuld.” Jacks Gesicht war eine neutrale Maske geworden, die Artie nur allzu gut kannte. Er trug sie oft genug selbst.

”Ich weiß, wie das ist, wenn man Kollegen verliert. Ich habe ständig Angst um meine Agenten. Ich weiß zwar, dass sie erwachsen sind und gut ausgebildet, aber ...”

”Man fühlt sich trotzdem verantwortlich”, beendete Jack den Satz.

”Ja, sogar für ihr Privatleben. Ich meine, Pete und Myka könnten eine Beziehung brauchen, die nichts mit dem Warehouse zu tun hat. Und Claudia und Steve sind noch jung – sie sollten auf Partys gehen und Jungs hinterher jagen. Stattdessen sind sie hier. Aber darüber bin ich andererseits auch froh.”

”Gwen hat lange gebraucht, um die Balance zu finden. Ein normales Leben neben Torchwood zu haben ist schwer, aber ihr Mann kommt damit zurecht. Ich denke, es hilft, dass er über uns Bescheid weiß”, erklärte Jack. “Nur fühle ich mich manchmal wegen Ianto schuldig. Wenn er nicht arbeitet, ist er bei mir und ich bin immer im Dienst. Es ist … hart.” Mit einem Lächeln schüttelte er den Kopf. ”Aber ich habe versucht, sie wegzuschicken und sie wollten nicht gehen. Am Ende ist es ihre Entscheidung.”

Artie nickte ernst. ”Ja, das ist es.”

***

Ianto rieb über das Metallgeländer, das den Balkon vorm Büro vom Warehouse trennte. Das Metall erwärmte sich unter seinen Händen, aber es konnte nicht das Gefühl der Kälte vertreiben, das in seinem Magen saß. Er starrte die Regalreihen an, versuchte, einen Weg zu finden, und er war sich sicher, dass es da etwas gab, aber es fiel ihm nicht ein.

”Es tut mir leid”, sagte jemand hinter ihm und er wandte sich zu Steve um, der in der Tür zum Büro stand, die Hände in den Jeanstaschen und die Schultern hochgezogen.

Ianto runzelte die Stirn. ”Was?”

Steve lächelte hilflos. ”Ich weiß nicht mal, wo ich anfangen soll. Lisa, Torchwood 1, Kannibalen … Toshiko und Owen. Ich weiß es wirklich nicht. Da gibt es zu viel.” Er lehnte sich neben Ianto an das Geländer und starrte ebenfalls über die Regale.

”Sie sind nur ein Teil meines Lebens”, sagte Ianto. ”All die schlimmen Dinge. Es gab auch schöne Momente.”

”Wirklich?”

”Das solltest du wissen”, antwortete Ianto und sah ihn suchend an. ”Du hast deine Schwester verloren und schlechte Erfahrungen aufgrund deiner Sexualität gemacht, aber es muss auch schöne Zeiten gegeben haben. Liebhaber, Freunde, Beförderungen ...”

”Ich hatte noch nie einen wirklichen Liebhaber. Nur Dates hier und da, ein paar kurze Affären ...” Er zuckte mit den Schultern. ”Etwas permanentes barg immer das Risiko, entdeckt zu werden. Manche meiner Kollegen waren homophob und sie mochten mich ohnehin schon nicht, weil ich Lügen erkennen kann, also hatte ich … einfach Angst, etwas zu riskieren. Mein Leben hat nicht viele helle Seiten.”

”Du brauchst nicht viele, wenn sie wirklich hell sind”, erwiderte Ianto. ”Im Moment habe ich Gwens Freundschaft und Rhys' und ich habe Jack. Alles andere verschwindet irgendwie unter Toshs und Owens Tod, aber diese drei geben mir genug Helligkeit, um weiterzumachen.” Er zögerte einen Moment. ”Und ich glaube nicht, dass Pete und Myka dich nicht mögen.”

Steve verdrehte die Augen. ”Mann, das hast du auch gesehen?”

”Im Augenblick bereitet dir das Sorgen, weil du glaubst, eine Karriere beim ATF aufgegeben zu haben, also ja, das habe ich auch gesehen.” Er lächelte. ”Weißt du, ich war auch mal ein ziemlicher Einzelgänger in meinem Team. Ich habe ihnen die Schuld gegeben, aber irgendwann realisiert, dass es auch meine war, weil ich mich von ihnen isoliert hatte. Ich habe damit aufgehört und es wurde besser.”

Steve seufzte. ”Weißt du, in der Lage zu sein, Lügen zu erkennen, macht dich misstrauisch.”

”Vielleicht solltest du aufhören, immer das Schlimmste zu vermuten, wenn jemand lügt.”

Steve sah ihn an und seine blauen Augen wirkten nicht mehr so traurig. ”Vielleicht sollte ich das.” Er zog sein Handy aus der Tasche und blickte auf das Display, dann lachte er amüsiert.

”Was ist los?”, fragte Ianto.

”Warnungen. Weil ihr vorhin durch das Warehouse gelaufen seit, hat das System Alarm geschlagen. 34 Warnungen.” Er seufzte. ”Das könnte nervig werden, wenn wir Besucher hier haben. Ich sollte mit Claudia darüber reden.”

Ianto nickte und blickte wieder über das Warehouse. ”Und das wirst du.”

***

Gwen blickte zu Claudia, während sie den Gang hinunter eilten. Ihr Gesicht trug ein Stirnrunzeln, ihre Haltung war angespannt und ihre Hände zu Fäusten geballt. Ihre Augen zeigten, wie frustriert sie war. Gwen wollte sie etwas beruhigen. ”Passiert das öfter?”

Claudia blickte zu ihr und Gwen ergänzte: ”Der Streit.”

”Das war kein Streit”, antwortete Claudia. ”Das war nur mal wieder typisch: Er lässt keine Veränderungen zu.” Sie seufzte. ”Ich mache viel, weißt du, aber es ist manchmal, als ob er das nicht sieht.”

”Ich bin sicher, dass er das tut”, antwortete Gwen.

Claudia zuckte mit den Schultern und entspannte etwas. ”Ich habe Hunger”, sagte sie.

”Ja, ich auch. Ich glaube, ich bin noch nie so lange ohne wenigstens ein Stück Schokolade ausgekommen.”

”Ich schon. Manchmal sogar länger”, erwiderte Claudia leise. Gwen sah sie an, überrascht. Claudia zuckte mit den Schultern. ”Für eine Weile. Aber jetzt bin ich an Leenas Essen gewöhnt und daran, dass Pete und Artie immer einen Snack dabei haben.”

Gwen schluckte und ignorierte den letzten Teil von Claudias Antwort. ”Was ist passiert?”

Claudia sah sie an und ihr Gesicht verriet Gwen, dass sie nicht darüber reden wollte und vermutlich bereute, das Thema angeschnitten zu haben. ”Dinge”, antwortete sie. ”Eine Weile war ich obdachlos.”

Gwen nickte und ließ das Thema fallen. Sie hatte während ihrer Zeit als Police Constable nicht mit vielen obdachlosen Kindern zu tun gehabt, aber doch mit ein paar. Und jetzt, wo die Bilder wieder erwacht waren, konnte sie sie nur schwer verdrängen.

”Da”, sagte Claudia plötzlich und deutete den Gang hinunter.

Und da war er. Es war nur eine leichte Änderung, aber dennoch erkennbar. Der Gang sah noch so aus wie vorher, aber die Regale waren nicht mehr nur mit den identischen Kisten gefüllt, sondern mit Artefakten, kleineren Kartons und Vitrinen. Es war, als blickte man durch ein Fenster und als Gwen die Augen verengte, konnte sie leichte Turbulenzen in der Luft erkennen, genau dort, wo die Dimensionen aufeinandertrafen.

”Was machen wir jetzt?”, fragte Claudia.

Gwen schluckte und trat näher. Sie wagte es nicht, den Riss zu berühren, da sie nicht wusste, was er ihr antun könnte. Sie sah zurück zu Claudia. ”Na ja, deine Bewegungssensoren müssten mich bemerkt haben, also … bewege ich mich einfach weiter.” Sie begann zu winken.

Claudia blieb neben ihr stehen. ”Okay, dann sollten wir mal sehen, dass sie unsere Nachricht bekommen.”



Kapitel 11
Der Faden der Ariadne Masterlist