?

Log in

Previous Entry | Next Entry

Der Faden der Ariadne – 14/15

Worte: ~ 30.000
Inhalt: Nach einem Unfall im Archiv landen die Torchwood-Agenten Jack und Gwen in einer alternativen Dimension, wo sie unerwartet auf die Warehouse 13-Agenten Artie und Claudia treffen, die ebenfalls dort gestrandet sind. Um sie zu retten, müssen die Organisationen zusammenarbeiten: Ianto und Rhys fliegen nach South Dakota, während die Gestrandeten sich einem tödlichen Feind gegenüber sehen.
Charaktere: Jack Harkness, Gwen Cooper, Claudia Donovan, Arthur Nielsen, Ianto Jones, Steve Jinks, Rhys Williams, Myka Bering, Pete Lattimer, Leena, Mrs. Frederick, Trailer, OCs
Pairing: Jack/Ianto, Gwen/Rhys, Pete/Kelly Hernandez (angedeutet), Artie/Vanessa Calder (angedeutet)
Rating: PG-13
Spoiler: Die Braut, die vor nichts graut, Wundmale / Doctor Who: The Sound Of Drums
Setting: nach Wundmale
Crossover: Warehouse 13
Crossover-Setting: nach Lovesick
Crossover-Spoilers: Spielt in der dritten Staffel von Warehouse 13, also sind Charakter-Spoiler selbstverständlich! Aber ich verrate nichts über den wirklich spannenden Handlungsbogen. :)
Warnungen: Erwähnung von Canon Character Death
Beinhaltet: Canon Slash
Anmerkungen: Das hier ist das Produkt eines Traumes. Und dann dachte ich, dass die beiden Serien gut zusammenpassen würden. Also passierte das hier.
Beta: larsinger29 und EmrysofWriting, danke. :)
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und Warehouse 13 und die in ihnen vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.


Kapitel 13
Der Faden der Ariadne Masterlist

***
***


14.



Claudia starrte Jack an. Er lehnte an einem Regal, beinahe, als wäre eingeschlafen, doch das Blut, das sein Hemd durchtränkte und der unnatürliche Winkel, in dem sein Hals hing, erzählten eine andere Geschichte.

Er war eindeutig tot.

Sie trat einen Schritt zurück. Tränen brannten in ihren Augen, aber sie konnte nicht blinzeln, nicht wegsehen. Ihr Sichtfeld verschwamm und sie drückte ihre Hände auf die Lippen, um ein Schluchzen zu unterdrücken. In der Stille dieses alternativen Warehouse würde jedes Geräusch nur dazu dienen, dass sie wirklich zu weinen begann. Sie dachte nicht mal an den Minotaurus, an das Portal, an den Rückweg, wusste nicht, wie sie den anderen noch in die Augen sehen sollte mit dieser Schuld im Nacken.

Es war ihre Schuld, oder? Sie hatte ihn abgelenkt, im Weg gestanden, als er fliehen wollte und das letzte, was er daraufhin getan hatte, war, sie zu schützen.

Claudia holte tief Luft und schluckte, bevor sie vorsichtig an Jack herantrat. ”Tut mir leid”, flüsterte sie und hockte sich vor ihn. Würde Gwen wütend sein, fragte sie sich. Und wie enttäuscht würde Artie sein, wenn er wieder einmal einen Beweis dafür sah, dass sie einfach ihre Klappe nicht halten und das tun konnte, was man ihr sagte?

Und wie konnte sie sich selbst verzeihen?

Ein tiefer Atemzug von Jack durchschnitt die Stille und er zuckte zusammen. Claudia schrie auf, versuchte, aufzustehen, aber sie stolperte und fiel gegen das Regal hinter ihr. Sie schrie erneut, weil sie glaubte, platzen zu müssen, wenn sie es nicht tat, aber der Schrei klang erstickt und atemlos, da ihre Lungen ebenso gelähmt waren wie der Rest ihres Körpers. Jack sah sie an, dann das Blut. Er hob eine Hand. “Ist schon okay.”

Sie starrte ihn an, atemlos und schockiert. Gedanken rasten ihr blitzartig durch den Kopf. Das war unmöglich, der Tod war endgültig und nicht rückgängig zu machen und er hatte noch nicht mal ein Artefakt, das dies erklären könnte. Oder doch? Automatisch ging sie jedes ihr bekannte Artefakt durch, aber sie konnte nicht richtig denken. Alles, was sie konnte, war Jack anzustarren, der sie anblickte, eine Hand noch immer beruhigend gehoben. Und alles, was sie sagen konnte, war: ”Mann … du warst tot!”

”Ja”, erwiderte Jack ruhig und ein kleines Lächeln zog an seinen Lippen. ”Ja, das war ich. Aber jetzt bin ich es nicht mehr.”

”Das ist unmöglich.”

”Du hast es doch gerade gesehen.” Er grinste schief. ”Und du musst es gerade sagen bei deinem Job.”

Claudia schluckte. Es gab keinen Grund, Jack nicht zu glauben. Es gab keinen Grund, anzunehmen, dass er einen Trick angewendet hatte. Er hatte ihr immerhin das Leben gerettet. “Was hast du benutzt?“

Er hob fragend die Augenbraue.

“Ich bin nur neugierig“, antwortete Claudia. “Welches Artefakt könnte so etwas tun? Oder hast du Alien-Technologie benutzt?“

“Nichts von beidem“, antwortete Jack. “Es ist ein Teil von mir.“

“Was ist passiert? Ein Unfall im Labor? Ein Spinnenbiss?“

Jack lachte leise. “Ich fürchte, es ist nicht so simpel.“

“Bist du ein Alien?“

Jack zögerte nur den Bruchteil einer Sekunde, aber Claudia bemerkte es.

“OMG, du bist ein Alien!“

“Ich bin kein Alien!“ Er seufzte. “Aber ich wurde auch nicht auf der Erde geboren.“

“Du bist Superman!“

“Ich habe definitiv das Kinn dafür“, antwortete Jack mit einem Augenzwinkern.

”Verrückt”, sagte sie.

”Ja, das gebe ich zu”, erwiderte Jack mit einem Nicken.

”Und irgendwie cool.”

”Das ist es nicht.” Er seufzte tief und stand auf, bevor er sich streckte und den Nacken massierte. Dann streckte er eine Hand aus und half Claudia auf die Füße. Sie starrte auf das Blut auf seinem Hemd und er schenkte ihr ein beinahe beschämtes Lächeln. ”Leider haben meine Kleider nie so viel Glück wie ich.”

”Passiert das oft?”

”Dass ich von einem Minotaurus angegriffen werde?” Jack schüttelte den Kopf. ”Das war nur das zweite Mal. Dass ich gestorben bin? Das passiert immer mal wieder.”

Er zuckte mit den Schultern und Claudia schauderte bei der beiläufigen Art, auf der er über seinen Tod sprach. Sie schluckte, nicht sicher ob sie fragen sollte. ”Wissen sie Bescheid?”

”Ja”, antwortete er ernst. ”Ja, das tun sie.” Dann sah er zum Büro auf, eindeutig in der Absicht, das Thema zu wechseln. ”Ich nehme mal an, dass wir da hoch müssen, um das Wollknäuel zu finden?” Seine Augen weiteten sich, als ihm plötzlich etwas einfiel. ”Wo ist der-”

”Weg. Er ist durch das Portal verschwunden. Und das Portal hat sich geschlossen.” So viel hatte sie gesehen, bevor sie bemerkte hatte, dass Jack nicht wieder aufstand. Der Minotaurus war gegangen und nur ein paar Momente später war das Portal verschwunden. Claudia biss sich auf die Lippe und verschränkte die Arme. ”Glaubst du, es geht ihnen gut?”

”Da bin ich mir sicher”, antwortete er auf seine übliche beruhigende und zugleich zuversichtliche Art, die ihre Stimmung bisher immer gehoben hatte. Er blickte zum Büro und dann zu Claudia. ”Ich nehme an, dass Springen außer Frage steht.”

”Nachdem es letztes Mal so einen durchschlagenden Erfolg hatte?”, fragte Claudia und verdrehte die Augen. ”Bitte.”

Jack sah sich um. ”Na ja, wir haben etwas, was wir vorher nicht hatten.”

”Und das wäre?”

”Zeit”, sagte er grinsend, ”und wir haben Kisten. Viele Kisten.”

Claudia lächelte. “Geniale Idee.”

”Ich bemühe mich immer redlich.” Er zwinkerte ihr zu und sie wurde rot.

***

Gwen blieb in der Tür zum Büro stehen und beobachtete Ianto, der auf dem Balkongeländer lehnte und das Warehouse überblickte, als suche er nach etwas. Oder jemandem. Er sah jung aus in der Jeans und dem Kapuzenpullover, nicht wie der kompetente und professionelle Ianto, den sie kannte: Der Mann, der seinen Anzug trotz Weevil-Jagden, Alien-Invasionen und einem abenteuerlustigen Liebhaber sauber halten konnte. Manchmal wunderte sie sich über ihn und Jack, wie die Beziehung zwischen zwei emotional so verschlossenen Männern funktionierte. Sie schienen immer so harmonisch, zeigten nie, ob etwas zwischen ihnen nicht stimmte, während Gwen oftmals wütend über einen Streit die Spülmaschine oder schmutzige Wäsche betreffend zur Arbeit kam. Sie fragte sich, ob Jack und Ianto je dieselben Problem hatten. Sie ließen es sich jedenfalls nie anmerken.

Sie trat auf den Balkon und schloss leise die Tür, sperrte Arties Stimme ein, der den anderen erzählte, was in der anderen Dimension geschehen war. Sie trat neben Ianto und lehnte sich ebenfalls an das Geländer. Sein Gesicht war nachdenklich, ernst – typisch für ihn. Sie konnte ihn nicht lesen, wusste nicht, was er fühlte und sie fürchtete, dass das ein schlechtes Zeichen war. Sie räusperte sich und fragte: ”Alles okay?”

Er nickte. ”Ich hasse das Warten.”

”Ja, das ist der schlimmste Teil.” Sie stieß ihn mit der Schulter an. ”Aber du kennst doch Jack. Er wird einen anderen Weg finden.”

”Glaubst du …” Er unterbrach sich selbst. Gwen wartete einen Moment und ließ ihn seine Gedanken sammeln. Schließlich fragte er: ”Fragst du dich manchmal nicht, ob wir aufhören sollten? Wo Tosh und Owen doch weg sind … und letzte Woche hat Jack mit Archie gesprochen und meinte, dass Torchwood 2 vielleicht geschlossen wird … ich frage mich manchmal, ob es das noch wert ist.” Er sah sie an und seine blauen Augen waren ungewöhnlich ausdrucksvoll – traurig. ”Wo wir doch wissen, dass es uns früher oder später umbringt.”

Gwen konnte seinen Blick nicht halten und sah stattdessen zu den Regalreihen. Eine Bewegung zog ihre Aufmerksamkeit auf sich und sie erkannte Steve, der ruhelos umher ging. Trailer folgte ihm auf den Fuß. Unterhalb des Balkons war der Minotaurus verschwunden – verbrannt – und nur die Teile der Maschine lagen noch verteilt am Boden. ”Doch”, gab sie zu. ”Manchmal schon.” Sie seufzte. ”Dann stelle ich mir vor, wie es wäre, zurück zur Polizei zu gehen oder etwas ganz anderes zu tun und es ist … unmöglich. Nach allem, was ich gesehen habe. Was ich nun weiß. Außerdem …” Sie sah Ianto an. ”Jack wird niemals aufhören, nicht ohne einen guten Grund, und ich kann mir nicht vorstellen, ihm das alles allein zu überlassen.”

”Manchmal wünschte ich, du würdest gehen”, erwiderte Ianto, ”eine Familie gründen, ein gutes Leben haben.”

Gwen nahm seine Hand und drückte sanft. ”Ich habe ein gutes Leben und du bist ein Teil davon. Jack ist Teil davon. Außerdem: Was ist mit dir? Du könntest ebenfalls gehen. Jemand anderen finden, eine Familie gründen.”

”Es ist zu spät für mich”, antwortete er. ”Gebe ich Jack oder Torchwood auf? Ich habe eigentlich keine Wahl.”

”Liebst du ihn?”

Ianto drehte abrupt den Kopf in ihre Richtung. Er war eindeutig überrascht von ihrer Frage, beinahe erschrocken. Das geschah nur selten. Aber Gwen hatte noch nie gefragt und das schien ihr der beste Moment zu sein. Die Frage war ihr schon seit einiger Zeit durch den Kopf gegangen. Seine Antwort war überraschend ehrlich und einfach – wie viele seiner Antworten. Ianto war niemand, der gerne über sich oder seine Beziehung zu Jack sprach, aber er wich Fragen darüber auch nicht aus. ”Ja.”

”Liebt er dich?”

Er starrte wieder zu Steve, als wolle er sie nicht ansehen, während er antwortete: ”Das kann ich nur hoffen.“

***

“Gut”, urteilte Claudia, während sie ihre Arbeit begutachtete.

”Ja”, stimmte Jack zu und legte die Hände auf die Hüften, ”das ist es.”

Sie hatten eine übergroße Treppe aus den Kisten gebaut, die das Warehouse hergegeben hatte. Es war harte Arbeit gewesen und hatte eine Weile gedauert, aber nun hatten sie es endlich geschafft. Ohne die konstante Bedrohung durch den Minotaurus hatten sie die Zeit genutzt, um zu reden, doch obwohl Jack beinahe ständig etwas gesagt hatte und Claudia viel von sich preisgegeben hatte, war sie sich sicher, dass sie nur an der Oberfläche der Person gekratzt hatte, die Jack Harkness war. Sie wusste, dass sie nicht viel Menschenkenntnis besaß, aber sie war sich sicher, sagen zu können, wenn jemand ihr etwas vorspielte und Jack schien das zu tun. Als ob er eine dunklere, andere Seite an sich hinter einer Maske verbarg. Dennoch mochte sie ihn. Er war witzig und charmant und clever und diese Eigenschaften gepaart mit seinem guten Aussehen und breiten Grinsen machten es einfach, die Schatten in seinen Augen zu übersehen.

Claudia verschränkte die Arme und sah zu Jack auf. ”Also, ziehen wir das jetzt durch?”

”Wir gehen nach Hause”, antwortete er nickend.

”Das hoffe ich. Ich will nicht da hochklettern und dann herausfinden, dass der Faden nicht dort ist.”

Jack legte eine Hand auf ihre Schulter. ”Vertrau mir. Er wird dort sein.”

Claudia holte tief Luft und dann begann Jack, die Kisten hochzuklettern und sie folgte ihm. Sie waren besorgt gewesen, dass die Kisten zu instabil werden würden, wenn sie sie bis auf die Höhe des Balkons bauten, also hatten sie nur hoch genug gebaut, um den Balkon geradeso erreichen zu können. Wagen des Hungers und der Erschöpfung kam es Claudia jedoch wie ein viel zu weiter Sprung nach oben vor. Jack ging als erstes und half ihr hoch. Claudia atmete erleichtert auf, als sie endlich festen Boden unter den Füßen hatte und das Warehouse überblicken konnte. Sie wandte sich dann der Tür zum Büro zu und zögerte einen Moment. Sie hatte Angst vor der Möglichkeit, dass der Faden nicht dort sein könnte. Jack jedoch war entschlossen genug für sie beide und trat einfach ein. Claudia folgte ihm.

Der Raum war leer, bis auf einen kleinen Tisch in der Mitte – und darauf lag das Wollknäuel.

”Okay”, sagte Claudia mit einem erleichterten Seufzen. ”Sollten wir noch mehr hässliche Überraschungen erwarten oder können wir uns einfach das Wollknäuel schnappen und verschwinden?”

Jack sah das Wollknäuel nachdenklich an und benutzte dann sein Armband, um etwas nachzusehen. “Ich denke, wir können es riskieren. Der Minotaurus war die Gefahr, die wir überwinden mussten.”

”Keine Falltüren? Keine Speere, die aus dem Nirgendwo kommen? Keine riesigen Steinkugeln, die uns jagen?”

Jack lachte. ”Das denke ich nicht. Nimm meine Hand.” Da war Blut an seinen Fingern und es lenkte Claudias Aufmerksamkeit auf sein noch immer blutiges Hemd. Leise sagte Jack: ”Hey, es wäre nett, wenn du das deinem Team gegenüber nicht erwähnen würdest.”

”Sie werden es kaum übersehen können.”

”Ich meine nicht das Blut. Ich kann immer eine Entschuldigung für das Blut finden. Ich meine, dass ich gestorben bin.”

Sie nickte. ”Okay, Kal-El.” Sie nahm seine Hand und gemeinsam traten sie näher an den Tisch heran. Claudia sah sich um, erwartete irgendetwas. Doch nichts geschah. ”Berühren wir es einfach?”

Jack antwortete nicht. Er zog sie einfach näher und griff nach dem Wollknäuel.



Kapitel 15
Der Faden der Ariadne Masterlist


Icon created by trexaur