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Numb3rs: Verbindungen 7/13 (Fanfiction)

VERBINDUNGEN 7/13

Worte: 28.456
Inhalt: Während er Don bei den Ermittlungen gegen den Drogenboss JM hilft, wird Charlie von einem Auto angefahren. Als klar wird, dass der Unfall in Wahrheit ein Attentat war, beginnt Don sich Sorgen um Charlies Leben zu machen. Ein Wettrennen gegen die Zeit beginnt, Loyalitäten werden in Frage gestellt und Charlie muss gegen seine ganz eigenen Dämonen kämpfen.
Pairing: Charlie/Amita (angedeutet)
Rating: PG
Spoiler: Hinterhalt, Spiel des Lebens
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Numb3rs und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Verbindungen Masterlist
Kapitel 6


7.



“Sieh mal einer an“, meinte Colby und lehnte sich gegen die Motorhaube. Das Metall war heiß und er verzog das Gesicht. Seit einer Stunde standen er und David hier an der Fairdrive-Raststätte in der Hitze und warteten.

Während David vor ein paar Minuten in der Tankstelle verschwunden war, um Wasser zu holen, war ein Sportwagen an Colby vorbeigefahren und hatte unter dem Baum gehalten.

Zwei junge Männer hatten darin gesessen, das Radio auf volle Lautstärke gedreht.

Nur wenig später war ein dritter Mann, etwas älter als Colby, aus einem Kombi auf der anderen Straßenseite ausgestiegen und hatte die beiden Männer im Sportwagen begrüßt. Nun standen sie im Schatten des Baumes und unterhielten sich. Colbys Instinkte sagten ihm, dass sie die Männer waren, nach denen sie suchten. JMs Dealer.

Er nahm die Wasserflasche entgegen, die David ihm reichte. David faltete den Stadtplan von Los Angeles auseinander, den er in der Tankstelle gekauft hatte, und blickte konzentriert hinein, während Colby ein paar Schlucke trank. Dann deutete er auf den Plan und anschließend in die ungefähre Richtung der drei Männer. “Die beiden Typen mit den Sonnenbrillen gehören zusammen – JMs Leute. Der mit der Jeansjacke ist aus dem Kombi da drüben gekommen – der Kunde. Einer von JMs Männern trägt eine Waffe, vermutlich der Bodyguard des anderen.“

David runzelte die Stirn. “Mutig.“

Colby nickte. “Das sind sie.“

“Behalten wir die Sache im Auge“, meinte David und gab Colby den Plan. “Siehst du das Kennzeichen?“

Colby versuchte, das Nummernschild des dunklen Sportwagens zu erkennen, neben dem die Männer standen, aber er schaffte es nicht. “Zu weit weg.“

“Sind wir sicher, dass sie es sind?“, fragte David und verschränkte lässig die Arme.

Colby tat noch immer so, als würde er den Stadtplan studieren. “Der Typ rechts mit der Sonnenbrille und dem Kopftuch … das ist Freddy Tyson.“

Freddy war einer von JMs Dealern.

“Unser Glückstag“, meinte David mit einem Nicken, “Den Typen suchen wir seit Wochen.“

Colby nickte und beobachtete, wie Freddy dem Kunden einen Rucksack gab.

“Drogen.“

Er bekam dafür einen Umschlag, dessen Inhalt er kurz kontrollierte, ehe er ihn einsteckte.

“Geld.“

“Mutig“, wiederholte Colby und faltete den Stadtplan zusammen. “Am hellichten Tag.“ Er stieg in den Wagen. David ließ sich in den Beifahrersitz fallen. Sie beobachteten, wie der Mann, der den Rucksack bekommen hatte, die Straße überquerte und in sein Auto stieg. Freddy und sein Begleiter stiegen in den Sportwagen.

“Wohin die uns wohl führen?“, meinte Colby und fuhr langsam auf die Ausfahrt zu. Er wollte dem Sportwagen einen Vorsprung lassen.

“Lass es uns raus finden“, antwortete David.

***

Tom Hitchcock starrte Don mit einer Mischung aus Unglauben und Empörung an. “Sie haben was getan?“

Don stemmte die Hände in die Hüften und blickte den anderen Agent fest an. “Ich habe Amita die Raststätten neu berechnen lassen. Sie hatte ein Ergebnis: Colby und David folgen gerade einem Verdächtigen.“

Megan biss sich auf die Unterlippe, als sich Toms Augen gefährlich verengten. Sandra und Tanja blickten einander an und Simon Mirren rieb sich angespannt die Stirn.

“Wieso?“, fragte Tom und verschränkte die Arme.

“Ich denke, JM wurde vorgewarnt. Ich habe Amita darum gebeten, das in die Berechnungen einfließen zu lassen.“

“Also, die Rastplätze, die Ihr Bruder für uns errechnet, bringen keine Ergebnisse. Anstatt anzunehmen, dass er falsch liegt, machen Sie Ihr eigenes Ding?“

“Ich bin der leitende Ermittler.“

“Wir sind ein Team“, antwortete Hitchcock aufgebracht. “Was dachten Sie, dass einer von uns JM gewarnt hat?“

Don schüttelte den Kopf. “Ich war nur vorsichtig. Megan, David und Colby wussten auch nichts davon, bis Amita mir ein Ergebnis geliefert hat.“

“Also dachten Sie, dass einer von uns es ihm gesagt hat“, meinte Hitchcock nickend. Megan, Sandra, Tanja und Simon beobachteten die Auseinandersetzung schweigend. Megan wusste, dass es nichts brachte, sich zwischen die beiden Männer zu stellen.

“Wer hat Sie auf die Idee gebracht? Ihr kleiner Bruder? Hat er irgendwie errechnet, dass wir die Bösen sind?“

Don kniff die Augen zusammen. “Worum geht es hier? Geht es darum, dass ich es Ihnen nicht gesagt habe, oder darum, dass ich zivile Berater hinzuziehe?“

“Es geht darum, dass Sie diese Ermittlungen leiten, wie es Ihnen gerade passt, obwohl es Teamwork sein sollte. Dabei war es reine Glückssache, dass Sie die Leitung übertragen bekommen haben.“

“Aber ich habe die Leitung“, antwortete Don, “Ob es Ihnen passt oder nicht. Und anstatt uns zu streiten, sollten wir uns darüber freuen, dass Colby und David in diesem Moment Freddy Tyson auf den Fersen sind.“

Tom starrte Don finster an, dann schüttelte er den Kopf. “Das hat Folgen, Eppes. Das schwöre ich Ihnen.“ Damit verließ er den Konferenzraum.

Don starrte ihm nach, dann entspannte er sich etwas und drehte sich zu Megan. Er fuhr sich durch die Haare. “Sei ehrlich.“

Sie zuckte mit den Schultern. “Ganz Unrecht hatte er nicht.“

Don seufzte. “Ich wusste, du würdest das sagen.“

***

Charlie betrat eilig sein Elternhaus. “Dad? Ich habe hier heute morgen eine blaue Mappe liegen gelassen. Hast du …“ Er brach überrascht ab, als Don aus der Küche kam, ein Bier in der Hand. Charlie konnte seinen Vater weder im Wohnzimmer, noch im angrenzenden Esszimmer sehen. Unsicher strich er sich die Haare aus der Stirn. “Hey, Donnie!“

“Ich bin keine sieben mehr, Charlie.“ Don setzte sich an den Kopf des Esstisches und konzentrierte sich auf die Zeitung, die aufgeschlagen vor ihm lag. Charlie nickte und verkrampfte seine Hände in dem Gurt seiner Tasche, die Schultern hochgezogen. Er hatte vollkommen vergessen, was er eigentlich wollte. Vergessen, dass er in einer halben Stunde einen Kurs geben musste. Vergessen, dass er seine Notizen dafür holen wollte. Alles, was er sah, war Don – nach sieben langen Wochen – und er saß einfach da, als sei nie etwas passiert.

“Du …“

Er reagierte nicht auf Charlies Stimme und der Mathematiker fuhr fort: “… hast heute frei?“

Don nahm einen Schluck Bier. “Ja“, antwortete er dann, blätterte um. Charlie kam langsam auf den Esstisch zu, blieb neben Dons Stuhl stehen. Und die Gegenwart ihrer Mutter fehlte so sehr, dass es schmerzte.

“Ich habe die Tafeln abgewischt“, sagte Charlie – er wusste nicht, wieso –, “hat Dad dir das erzählt?“

Don ließ ein Nicken sehen. Sonst nichts. Charlie setzte sich auf die Stuhlkante des Platzes neben Don. “Ich unterrichte wieder.“

Don zuckte mit den Schultern. Charlie spürte seine Hände zittern, stützte den Kopf in beide Hände und grub sie in seine Haare, um es zu verstecken. “Donnie-“

“Ich wollte mit Dad zu Mittag essen. Wann kommt er?“, fragte Don, starrte auf die Zeitung, als gäbe es keine interessantere Meldung als die Eröffnung des neuen Stadtschwimmbads.

Charlie legte eine Hand auf die Zeitung. “Ich versuche es wirklich. Hast du meine Anrufe nicht bekommen?“

Don zog die Zeitung weg und blätterte um. “Willst du einen Orden dafür, Charlie?“

“Nein, ich will nur …“ Charlie griff nach der Zeitung und versuchte, sie wegzunehmen, aber Don packte seine Hand und blickte ihn das erste Mal wirklich an – voller unterdrückter Wut.

“Lass das“, sagte er leise.

“Dann sprich mit mir“, bat Charlie verzweifelt, “Wir haben nicht geredet seit … der Beerdigung.“

Dons Griff festigte sich und Charlie verzog schmerzvoll das Gesicht. “Donnie …“

Sein Bruder ließ ihn los und stand auf. Die Zeitung fiel zu Boden.

“Wann kommt Dad?“

Charlie senkte den Blick auf die Tischplatte. “Ich weiß nicht. Vielleicht trifft er sich mit Stan.“

“Sag ihm, dass ich hier war“, meinte Don.

“Wir könnten zusammen essen“, meinte Charlie. Er könnte den Kurs ausfallen lassen.

“Ich will nicht“, antwortete Don und ging Richtung Haustür.

“Don, bitte!“

Sein Bruder drehte sich zu Charlie um, sein Gesicht wütend. “Du hast uns hängen lassen, Charlie. Mir ist egal, dass Mom gesagt hat, sie würde es verstehen. Meinetwegen kann auch Dad so tun, als wäre nie etwas gewesen, aber ich kann es nicht.“

“Es ist zwei Monate her“, sagte Charlie, “Und es tut mir leid.“

“Weißt du was, Charlie?“ Don öffnete die Haustür. “Ist mir egal.“


Charlie öffnete die Augen und Alan lächelte ihn an. “Hallo!“

“Hey!“, antwortete er verunsichert. Er blickte sich im Krankenzimmer um. Die Nachmittagssonne strahlte durch das Fenster. “Don?“

“Er musste arbeiten“, antwortete Alan. Er runzelte die Stirn. “Alles okay?“

Charlie schüttelte den Kopf. “Ich weiß nicht.“

“Hast du Schmerzen?“ Alan griff nach dem Rufknopf, aber Charlie schüttelte den Kopf.

“Lass. Ist okay.“ Charlie rieb sich die Stirn. War es ein Traum gewesen oder eine Erinnerung?

Alan blickte Charlie aufmerksam an, versuchte, ihn zu lesen. Charlie schloss die Augen. Er hatte etwas Schlimmes getan. Etwas, das mit dem Tod seiner Mutter zusammenhing. Nur was? Eine Hand fand ihren Weg in seine Locken und ein Daumen streichelte seine Augenbraue, beruhigte ihn. Und er erinnerte sich daran, dass Alan das schon immer getan hatte, wenn Charlie krank gewesen war oder verletzt. Manchmal sogar, wenn er nicht mal wusste, was Charlie fehlte. Wenn er sah, dass sein Jüngster verzweifelt oder traurig war.

“Schon gut, Charlie“, sagte Alan leise.

Und plötzlich saßen sie auf der alten Couch in der Garage und Charlie starrte auf Tafeln, voll geschrieben mit Berechnungen. Und er erkannte P versus NP auf den ersten Blick. Alans Hand fuhr durch seine Haare und legte sich in seinen Nacken. “Du weißt, wie Donnie ist“, sagte Alan beruhigend, “Er kommt wieder.“ Er seufzte. “Da ist man einen Nachmittag nicht da …“, murmelte er.

Charlie nickte traurig. “Es tut mir leid. Ich weiß, ich habe versprochen, das nicht mehr zu tun.“

Alan stand auf. “Wichtig ist, dass du von alleine aufgehört hast“, antwortete er und griff nach dem Lappen, der auf einer der Tafeln lag. Er begann die Zahlen wegzuwischen. “Hilfst du mir?“, fragte er.


Charlie blickte Alan unentschlossen an.

“Alles okay?“, fragte Alan.

Charlie nickte. “Ja.“ Er zwang sich zu einem Lächeln. “Nur ein Alptraum.“

Kapitel 8
Verbindungen Masterlist