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Firefly: Der verlorene Sohn (Fanfiction)

Der verlorene Sohn

Worte: ~1.400
Inhalt: Immerhin hatte Regan oft von diesem Moment geträumt und war in ihrem Kopf immer wieder durchgegangen, was sie sagen würde, wie sie ihre Kinder willkommen heißen könnte. Sie hatte es sich nie so vorgestellt.
Charaktere: Regan Tam, Simon Tam
Pairing: Simon/Kaylee (angedeutet), Regan Tam/Gabriel Tam (angedeutet)
Rating: PG
Spoiler: etwas Safe (die Flashbacks), Ariel
Setting: nach dem Film Serenity
Anmerkungen: Diese Story ist so lange in meinem Kopf herumgespukt und ich habe sie nie wirklich aufschreiben können. Nun endlich ist sie fertig – harte Arbeit.
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Firefly und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Komplette Fanfiction Masterlist

***
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Völlig unerwartet - an einem Abend, an dem die Luft noch immer warm und der Himmel klar war - stand er vor der Tür wie eine Erscheinung aus der Vergangenheit.

Regan musste zwei Mal hinsehen, um ihren eigenen Sohn wiederzuerkennen. Er hatte sich sehr verändert im Gegensatz zum letzten Mal, als sie ihn gesehen hatte: Damals hatte er einen seiner Anzüge getragen, sein Haar ordentlich und sein Gesicht glatt rasiert.

Nun war sein dunkles Haar länger als sie es je gesehen hatte, fiel in seine Stirn und ließ ihn wie einen Dockarbeiter aussehen, nicht wie einen der begabtesten Chirurgen dieses Planeten. Seine einst klaren, neugierigen Augen erschienen älter, sein weiches Gesicht schmäler, als hätte er länger nicht mehr richtig gegessen. Er trug eine Jeansjacke über einem weiten Pullover und grüne Cargohosen. Er war einfach nicht mehr der Mann, den sie großgezogen hatte. Regan schluckte, als sie kurz etwas unter seiner Jacke sah, dass wie eine Waffe in einem Holster aussah. "Simon", sagte sie und verstummte dann. Sie wusste nicht, was sie sagen sollte.

"Mutter." Er nickte knapp und seine Hände griffen den Gurt der großen Tasche, die er dabei hatte, fester. "Ich muss ein paar Sachen aus Rivers Zimmer holen, bitte. Und auch aus meinem."

"Ich ..." Regan schluckte. Sie konnte keine Worte finden und war zu überrascht, um daran zu denken, zur Seite zu treten.

Simon lächelte bitter. "Kann ich reinkommen? Wir haben einen Auftrag und müssen in etwa einer Stunde los, um rechtzeitig zu liefern. Ich muss noch zurück zu den Docks und habe nicht viel Zeit."

Regan fand endlich ihre Fassung wieder und hatte nur eine Frage. "Wo seid ihr gewesen?"

Seine Augen wichen ihren aus. Einen Moment lang dachte sie, er würde sich schämen, doch dann erkannte sie seinen Gesichtsausdruck als denselben wieder, den er getragen hatte, als Rivers merkwürdige Briefe sie erreichten: Er war wütend ... und trotzig.

"Die Allianz war hier!", sagte sie wütend. "Soldaten haben unser Haus nach dir durchsucht! Sie sagten, du hättest River aus der Akademie entführt!"

"Ich habe sie nicht entführt, ich habe sie befreit!", erwiderte er hitzig. "Ich habe sie da raus geholt. Sie wollte dort nicht mehr bleiben."

"Dein Vater hätte beinahe seine Position verloren. Manche seiner Kollegen vertrauen ihm noch immer nicht."

"Das tut mir außerordentlich leid für ihn", antwortete Simon sarkastisch. "Kann ich jetzt reinkommen oder nicht?"

Regan trat zur Seite und ließ ihn eintreten. Als er an ihr vorbeiging, roch sie so etwas wie Maschinenöl an ihm und verzog das Gesicht. Sie sah den Pfad hinunter, der zum Tor führte. "Ist sie nicht bei dir?", fragte sie.

Er schüttelte den Kopf. "Natürlich nicht, Mutter. Das würde ich nicht riskieren."

Regan schloss die Tür und verschränkte die Arme. "Du redest, als wären wir deine Feinde."

"Nicht meine Feinde", erwiderte Simon. Im hellen Licht der Diele sah sie einen dunklen Fleck auf seiner Wange. Der Simon, den sie erzogen hatte, wäre nie so nachlässig. Ein weiterer Beweis, dass die Dinge sich fundamental geändert hatten. Er starrte sie wütend an. "Ihr hört nur auf die falschen Leute." Damit eilte er die Treppe hoch. Seine abgetragenen Stiefel machten auf dem Teppich kein Geräusch und Regan fühlte sich wieder an einen Geist aus der Vergangenheit erinnert ... als wäre Simon nicht wirklich hier.

Regan folgte ihm. Sie bereute ihre Worte bereits. Immerhin hatte sie oft von diesem Moment geträumt und war in ihrem Kopf immer wieder durchgegangen, was sie sagen würde, wie sie ihre Kinder willkommen heißen könnte. Sie hatte es sich nie so vorgestellt. "Simon." Sie sah von der Tür zu, wie er hastig den Kleiderschrank seiner Schwester durchsuchte, einige der einfacheren Kleider und Outfits wählte und sie in die Tasche steckte. Das Zimmer hatte sich seit Rivers Aufbruch zur Akademie nicht verändert: Es war noch immer der Traum eines Teenager-Mädchens. Regan glaubte, sie noch immer im Schaukelstuhl sitzen zu sehen - manchmal mit ihrem Bruder, manchmal alleine - lesend oder Musik hörend. Regan seufzte. "Kommt nach Hause."

"Ich glaube, das wäre keine gute Idee", antwortete er, während er sich Rivers Schuhen zu wandte. "Die Allianz ist noch immer an River interessiert."

"Aber da draußen ist es nicht sicher."

"Uns geht es gut. Wir haben Arbeit, ein Zuhause, eine Familie."

Die Art, wie er es sagte – als wäre es das erste Mal, dass er so etwas von sich behaupten konnte – machte sie traurig. "Wir sind eure Familie", sagte sie leise.

Er hielt inne und sah zu ihr auf. "Das dachte ich damals auch." Er griff sich Rivers Lieblingsteddy von ihrem Bett und entfaltete ein Blatt Papier mit einer Liste darauf, bevor er einige Bücher aus dem Regal wählte und sie in die Tasche steckte.

Regan hasste das hier, hasste die Distanz zwischen ihnen und diese kochende Wut in ihm, die er nur mühsam zu unterdrücken schien. Sie berührte seine Schulter und er erstarrte, sah ihr nicht in die Augen. "Simon ... Liebling ... es tut mir leid."

Er blickte sie scharf an. "Wirklich?"

Sie nickte, sah die Chance, zu ihm durchzubrechen. Sie wollte nichts sehnlicher, als ihre Kinder zurück in ihrem Haus. Und wenn sie Fehler eingestehen musste, um das zu erreichen, dann würde sie es tun, gleichgültig, was ihr sturer Ehemann davon hielt. "Wir hätten dich mehr unterstützen sollen. Wir hätten die Schule kontaktieren sollen, sie fragen, ob River unglücklich war. Vielleicht hatte sie Schwierigkeiten, sich anzupassen."

"Sie haben in ihrem Gehirn herumgestochert", antwortete Simon. "Es war nicht ihre Schuld."

Regan schluckte, unsicher, ob sie das glauben sollte. Es klang lächerlich und vertiefte ihre Sorge nur. "Wir könnten eine andere Schule für sie finden", schlug sie ihm vor.

Er schüttelte entschlossen den Kopf. "Zu spät. River ist jetzt glücklich, wo sie ist, und ich werde sie nicht verlassen. Wir werden die Crew nicht im Stich lassen."

Sie schnaubte. Er hatte zu viel Sturheit von seinem Vater geerbt. Bitter fragte sie: "Du gibst eine vielversprechende Karriere und ein bequemes Leben auf, um als Mechaniker auf irgendeinem heruntergekommenen Schiff zu arbeiten?"

"Ich bin der Arzt", antwortete Simon und ging durch die Tür, die sein Zimmer mit dem Rivers verband. "Meine Frau ist die Mechanikerin."

Regan folgte ihm. Sein Zimmer – wie Rivers auch – hatte sich nicht verändert: Ebenso ordentlich, aber praktischer als das seiner Schwester. Regan war noch immer überrascht über seine letzten Worte. Die selbstverständliche Art, auf die er sich ausgedrückt hatte über einen Teil seines Lebens, den sie zu gerne erlebt hätte – die Hochzeit ihres kleinen Jungen. "Deine … deine Frau?", fragte sie fassungslos.

"Ich habe letzten Monat geheiratet", antwortete er und öffnete seinen Kleiderschrank. Er hielt inne, schüttelte den Kopf und schloss ihn wieder. Er packte Bücher ein, die meisten medizinischer Natur, und blickte sich noch einmal um, während er die Tasche schloss. "Das war's." Er wandte sich ihr zu, wirkte mehr wie ein Abenteurer als der Arzt, den sie kannte. Und er schien plötzlich unentschlossen, als ob seine kühle Fassade den bevorstehenden Abschied nicht überspielen konnte. "Ich wünschte, die Dinge wären anders."

Regan nahm seine Hand. "Kommt nach Hause, Simon … wir können über alles reden."

"Mutter … selbst, wenn das möglich wäre, ich will nicht nach Hause kommen. River will nicht nach Hause kommen. Wir sind glücklich. Das musst du akzeptieren."

Sie legte eine Hand auf seine Wange, rieb über den Ölfleck, den wahrscheinlich seine Frau dort hinterlassen hatte. Sie wusste wieder nicht, was sie sagen sollte. "Simon ..."

Er schüttelte den Kopf. "Ich wünschte, es wäre anders gelaufen. Ich wünschte, ihr hättet mir geglaubt, dass ..." Er schloss die Augen und schluckte. "Du hast keine Ahnung, was wir durchgemacht haben, was River durchgemacht hat. Ihr habt uns im Stich gelassen, also werden wir uns weiter auf diejenigen verlassen, die für uns da waren."

"Ich wollte dich nie verlieren. Du bist mein Sohn, Simon. Du gehörst hierher."

"Ich bin dein Sohn, aber Kaylee ist meine Frau und River ist meine Schwester und ich habe die Verantwortung für eine Crew. Wir kommen nicht zurück." Er beugte sich vor und küsste ihre Wange. "Ich liebe dich, Mom. Sag Dad, dass es mir leid tut. Aber wir haben etwas Besseres gefunden."

Seine Worte machten sie wieder wütend. Sie folgte ihm die Treppe hinunter und zur Tür. "Was könnte besser sein als das hier?", fragte sie, als er die Tür öffnete. Er erstarrte und sie fuhr fort: "Was könnte besser sein, als ein schönes Haus und immer genug Essen auf dem Tisch zu haben?"

Als er sich zu ihr um wandte, trug er ein Lächeln. "Zufriedenheit", antwortete er. "Wir haben Zufriedenheit gefunden."

Und einfach so verschwand er wieder.


ENDE
11/13

Komplette Fanfiction Masterlist


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