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Wofür wir kämpfen

Word Count: 2.020
Inhalt: "Also … wo warst du?" Die Stille hielt an. Jack starrte ihn noch immer an, der Ausdruck in den blauen Augen nicht zu deuten. Er schwieg lange.
Charaktere: Ianto Jones, Jack Harkness, Steven Carter
Pairing: Jack/Ianto
Rating: PG-13 (sexuelle Andeutungen)
Spoiler: Cyber Woman, Aus dunkler Vorzeit, Kiss Kiss Bang Bang, Aus dem Leben eines Toten, Kinder der Erde
Setting: der erste Teil spielt in Season 1 nach Aus dunkler Vorzeit, der zweite in Season 2 nach Aus dem Leben eines Toten
Anmerkungen: Geschrieben für Challenge #006 – Kinder auf redisourcolor .
Feedback: Brauche ich wie Luft zum Atmen.
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

***
***


Ianto blickte von den Formularen auf, die er auf Jacks Schreibtisch sortierte, als der andere Mann sein Büro betrat.

"Sir", sagte er und blickte auf die Uhr.

Jack war beinahe den ganzen Tag weg gewesen. Er hatte Ianto nicht gesagt wohin, nur, dass er per Handy zu erreichen sei. Seit Jacks Freundin Estelle vor ein paar Tagen gestorben war, war der Captain gedrückter Stimmung gewesen. Nun lächelte er, wenn auch müde, und Ianto glaubte sogar zu sehen, dass er etwas aufrechter ging.

Da Jack nicht da und der Riss ausnahmsweise einmal ruhig gewesen war, war der Tag vor sich hin geschlichen.

Die anderen waren schon vor einer Weile nach Hause gegangen.

Ianto war geblieben, um auf Jack zu warten. Er hielt es für seine Pflicht sicher zu gehen, dass der Captain in Ordnung war.

"Es ist spät."

"Ich weiß", antwortete Jack mit einem müden Seufzen und Ianto nahm ihm den Mantel ab. "Langer Tag."

"Wo warst du?", fragte Ianto und fügte dann hinzu: "Wenn ich fragen darf."

"Du darfst immer", antwortete Jack und schob seine Hände in die Hosentaschen. "Solange ich es vorziehen darf, nicht zu antworten."

Ianto nickte, fühlte sich zurecht gewiesen. "Verzeihung, Sir." Er kontrolliert, ob Jacks Mantel die Reinigung oder den Schneider brauchte, ehe er ihn aufhängte. Ein paar Sandkörner hafteten an der rauen Wolle. Ianto wischte sie weg.

"Ist okay." Jack küsste Iantos Stirn. "Geh nach Hause, Ianto."

Der Archivar zögerte.

"Du siehst müde aus", sagte Jack. "Du arbeitest zu hart."

"Mir geht’s gut."

"Wirklich?" Jacks Daumen berührte Iantos Schlüsselbein, seine Hand warm auf Iantos Schulter. "Geht’s dir wirklich gut?"

Ianto nickte und belohnte Jacks Mühe mit einem Lächeln.

"Ja, Sir. Ich wollte nur sicher sein, dass alles in Ordnung ist, ehe ich gehe."

Jack lächelte. "Du bist einer von den Guten, Ianto Jones."

***

Ianto wachte auf, als Jack hinter ihm ins Bett stieg und einen Arm um den jüngeren Mann legte, um ihn näher zu ziehen. Ein Blick auf den Wecker auf seinem Nachttisch sagte ihm, dass es weit nach Mitternacht war.

"Wo warst du?", fragte er verschlafen und drehte sich zu Jack um, um seine Stirn an dessen nackte Brust zu drücken. Ihre Beine verschränkten sich miteinander und als Iantos Hand Jacks Oberschenkel streifte, merkte er, dass der Captain überhaupt nichts trug. Das bedeutete nichts Gutes für Iantos Wunsch, nach einem Tag harter Arbeit zu schlafen. Er hatte den gesamten Tag damit verbracht, die Presse mit Erklärungen für die merkwürdigen Lichter zu füttern, die in der vorigen Nacht über Cardiff gesehen worden waren.

Owen war noch vor Ianto in der Basis gewesen und hatte zugegeben, für die Lichter verantwortlich zu sein, ehe er den Puls überreicht hatte.

Jack seufzte. "Weg."

"Weg?" Ianto blickte zu ihm auf, spürte Eifersucht in ihm hoch krabbeln. "Wo?"

Jacks Gesicht blieb unlesbar. "Ist das wichtig?"

Ianto schloss die Augen und zog Jack näher. "Wahrscheinlich nicht", antwortete er, atmete Jacks Duft ein und fragte sich, ob er in der letzten Stunde geduscht hatte. Vielleicht, um den Geruch eines anderen Mannes weg zu waschen.

Nur einen Moment später schämte er sich für diesen Gedanken. Ianto hasste es, wenn er so unsicher wurde. Jack hatte ihm keinen Grund gegeben, an seiner Treue zu zweifeln, seit sie offiziell miteinander ausgingen. Sogar bevor sie offiziell miteinander ausgingen. Eigentlich hatte Ianto den Captain häufig flirten, aber nur selten mehr machen sehen. Er war immer in der Basis, immer bereit.

Ianto sollte es wissen. Er war auch viele Nächte in der Basis gewesen, um sich um Lisa zu kümmern und später, um seine Trauer weg zu arbeiten.

Jack war immer da gewesen und hatte ihn mit einem Essen oder einem Gespräch abgelenkt … manchmal mit mehr.

Jacks Hand berührte Iantos Hüfte und ruhte dann auf Iantos Hintern, zog ihn näher.

Ianto küsste entschuldigend Jacks Brust. "Ich bin müde."

"Das ist okay. Du kannst einfach hier liegen und dich ausruhen und ich mache die ganze Arbeit."

Ianto lachte leise und Jack drückte einen Kuss auf seine Stirn. Jacks Hand zog spielerisch an Iantos Pyjamahose, bis der jüngere Mann ihn mit einem genervten Seufzen stoppte. "Jack …"

"Ich mache doch gar nichts", grinste Jack.

"Das ist Belästigung."

"Du liebst es."

Ianto blickte Jack an und lächelte. "Stimmt."

***

Iantos Wohnungstür öffnete sich und Jack trat ein. Ianto beobachtete ihn, als er ins Wohnzimmer trat und sich umblickte.

Der Fernseher zeigte die Nachrichten und Ianto saß auf der Couch, eingewickelt in die Decke, die er und Lisa für das Wohnzimmer ihrer ersten gemeinsamen Wohnung gekauft hatten.

"Hey!", sagte Jack und legte seinen Mantel über die Couchlehne.

"Hey!", antwortete Ianto. Jack ließ sich auf die Couch fallen und Ianto kuschelte sich an ihn. Jacks Arm legte sich um Ianto und zog ihn näher.

Der jüngere Mann konzentrierte sich weiterhin auf die Nachrichten.

Jack küsste seine Schläfe, dann das dunkle Haar. Ianto drehte den Kopf und Jack küsste ihn leidenschaftlich, zog ihn noch näher. Als der Captain den Kuss brach, blickte er in Iantos Augen. "Willst du nicht wissen, wo ich den ganzen Tag war?"

Ianto hob die Augenbrauen. "Würdest du es mir sagen? Immer, wenn ich dich frage, machst du ein Geheimnis draus."

Jack blickte ihn nur an.

Ianto seufzte. "Also … wo warst du?"

Die Stille hielt an. Jack starrte ihn noch immer an, der Ausdruck in den blauen Augen nicht zu deuten. Er schwieg lange.

Dann sagte er: "Ich war bei meinem Enkel."

Ianto war noch dabei, diese Nachricht zu verdauen, da fuhr Jack schon fort: "Ich bin regelmäßig dort. Seine Mutter – meine Tochter – sie will mich nicht um sich haben und ich kann es ihr nicht verdenken, aber manchmal reden wir, wenn Steven schläft und Steven … sie lässt mich zu ihm, wann immer ich will. Natürlich glaubt er, ich sei sein Onkel. Und irgendwann muss ich ihm entweder die Wahrheit sagen oder die Besuche einstellen. Aber dort war ich heute." Er seufzte. "Bei meinem Enkel."

Ianto schluckte, leicht überfordert. Er schnappte nach Luft. Er atmete aus. "Wie dumm von mir", sagte er. "Du bist schon so lange auf der Erde und ich habe nie daran gedacht, dass du eine Familie hier haben könntest. Es tut mir so leid."

"Ist okay. Ich habe nie über sie gesprochen."

Ianto seufzte. "Wow! Eine Familie."

"Ja", antwortete Jack. "Wow!"

***

Steven war blond und hatte Jacks Augen. Und es sah ganz so aus, als wäre er ein Herzensbrecher. Vier Mädchen hatten sich auf dem Spielplatz um ihn versammelt. Und Steven machte sie alle irgendwie glücklich.

Zumindest sah es für Ianto so aus. Er saß auf der Decke, die er und Jack auf dem Rasen im Park ausgebreitet hatten. Die Sonne schien bereits seit drei Tagen und es war heiß. Sie hatten frei, da Tosh, Gwen und Owen auf den Riss achteten. Ianto fühlte sich fehl am Platze, obwohl er in den Jeans und dem dunklen T-Shirt perfekt angepasst war. Jack, der die einzige Jeans in seinem Besitz und ein weißes T-Shirt trug, blickte von dem Buch auf, das er las. Er starrte Ianto an, der Steven und die anderen Kinder im Park beim Spielen beobachtete.

"Da weiß man wieder, wofür wir kämpfen, oder?"

Ianto nickte.

Jack legte das Buch weg und setzte sich auf. Er wickelte einen Arm um Iantos Hüfte und lehnte sich zu ihm, um sein Kinn auf Iantos Schulter zu legen. "Zu viel?", fragte er leise.

Ianto drehte den Kopf, um ihn anzusehen. "Was?"

"Überfordere ich dich? Du bist kaum 25 und ich mache dich zu einem Stief-Großvater."

"Das ist es nicht", sagte Ianto rasch.

"Ach nein?"

"Nein. Versprochen", antwortete Ianto. "Das ist es nicht. Er ist … er ist ein toller Junge. Ich mag ihn."

"Das bedeutet aber nicht, dass du nicht gerade ausrastet."

"Ich raste nicht aus", antwortete Ianto.

Jack wartete ein paar Moment und ließ die Stille zwischen ihnen zu, ehe er er sie brach. "Warum bist du dann so still, seit wir ihn abgeholt haben?"

Ianto seufzte tief. "Ich weiß es nicht, ich …" Er zuckte mit den Schultern. "Er erinnert mich an die Kinder meiner Schwester."

"Du bist Onkel?" In Jacks Stimme lag echte Überraschung.

Ianto nickte.

"Siehst du? Das wusste ich nicht. Wie oft siehst du sie?"

Ianto senkte den Blick und räusperte sich. "In den letzten zwei Jahren eigentlich gar nicht. Seit London."

Jack runzelte die Stirn. "Warum?"

"Ich weiß nicht. Ich bin … zuerst musste ich mich um Lisa kümmern und dann war da die Arbeit und … dann habe ich mies gefühlt, weil ich so lange nicht da war. Rhiannon könnte sogar glauben, dass ich tot bin."

"Ich denke, sie würde sich freuen zu sehen, dass du es nicht bist."

Ianto blickte Jack an und lächelte hilflos. "Ich habe mich verändert. Ich habe … Narben. Ich bin nicht mehr der kleine Bruder, den sie kannte."

"Onkel Jack", unterbrach Steven sie und Ianto versuchte sich an einem Lächeln, ehe er den Jungen anblickte.

Jack brachte problemlos eines zustande. "Was?"

"Die anderen dürfen Eis kaufen. Darf ich auch?"

Jack zog zwei Fünfer aus seiner Jeanstasche. "Sicher. Hol auch was für mich und Ianto, okay?"

Steven nickte.

"Verlass den Park nicht. Bleib in meiner Nähe."

"Okay." Steven nahm das Geld und rannte davon.

"Vanille!", rief Jack ihm nach. Dann blickte er Ianto abwartend an, ein Auge immer auf Steven gerichtet.

"Sieh dich an", sagte Ianto traurig. "Du bist ein toller Onkel … Großvater. Ich nicht. Ich meine, ich bin nicht die Art Onkel, die sich hinsetzt und den Kindern ein Märchen erzählt. Sie kennen mich kaum."

"Das kannst du ändern."

"Ich bin mir nicht sicher, ob ich das will. Mein Leben ist … schwierig. Ich weiß nicht, ob ich für sie ein guter Onkel sein kann. Und die Dinge zwischen Rhiannon und mir … sind schwierig."

Jack küsste Iantos Wange und lehnte seine Stirn an die Schläfe des jüngeren Mannes. Er war ihm so nahe, dass Ianto die Sonnencreme auf seiner Haut riechen konnte.

"Es ist deine Entscheidung. Ich will nur, dass drüber nachdenkst."

Ianto nickte. "Das werde ich."

Steven kehrte mit dem Eis in drei kleinen Plastikbechern zurück.

"Danke", sagte Jack.

Steven wollte ihm das Wechselgeld geben, aber Jack winkte ab und Steven steckte das Geld grinsend ein. "Danke." Er ging mit seinem Eis und kehrte zu den vier Mädchen zurück, die ein paar Meter entfernt im Gras saßen.

Ianto blickte in seinen Becher. "Warum habe ich Vanille?"

"Ich weiß, es ist schockierend", antwortete Jack und ergänzte leiser: "Vor allem, da du … meistens doch gar nicht auf Vanilla stehst."

Ianto schob ihn weg. "Jack!" Aber seine Stimmung hob sich. Er wusste nicht, wie Jack es machte, aber er konnte Ianto mit nur wenigen Worten aufheitern.

"Du liebst es."

Ianto grinste.

Jack begann, sein Eis zu essen. "Ich mag Vanille."

"Und ich wollte Erdbeere!", antwortete Ianto.

"Gut, dass ich Kondome mit Geschmack gekauft habe."

Ianto musste lachen. "Hör auf, Jack. Hier sind Kinder."

"Denen ist es egal. Gott, ihr Leute aus dem 21. Jahrhundert! So prüde. Kindern macht es nichts aus, wenn wir über Sex reden."

Ianto schüttelte lächelnd den Kopf. Sie aßen eine Weile lang schweigend ihr Eis, entspannten in der Sonne und der Gegenwart des anderen.

"Wir machen das nicht oft genug", seufzte Ianto.

"Ja", antwortete Jack.

"Danke, dass du mich mitgenommen hast."

"Danke, dass du mitgekommen bist."

Sie küssten sich zärtlich.

"Habe ich dir schon gesagt, wie heiß du in der aussiehst?", fragte Jack, zog Ianto mit einem Arm um seine Hüfte näher und rieb mit den Fingern über die Haut über dem Saum seiner Jeans.

Ianto tat, als müsse er darüber nachdenken. "Während dem Frühstück, während dem Mittagessen, bevor wir Steven abgeholt haben und dann, als wir um den Spielplatz gelaufen sind."

"Du hast das eine mal nach dem Mittagessen vergessen."

Ianto runzelte die Stirn. "Nach dem Mittagessen? Wir hatten Sex nach dem Mittagessen."

"Genau", antwortete Jack.

Ianto wurde rot und wich seinem Blick aus.

"Ich könnte es dir wieder sagen, sobald wir Steven nach hause gebracht haben."

Ianto lächelte. "Das könntest du", nickte er.

Jack biss sich auf die Unterlippe. Dann fragte er: "Was für eine Art des … Beweises würdest du denn vorziehen? Vanille oder Erdbeere?"

Ianto grinste. "Beides?"


ENDE
07/10

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