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Feind im Spiegel

Worte: 40.911
Inhalt: Nach Iantos Verrat glaubt Jack die Kontrolle über sein Team verloren zu haben. Er versucht, die mentalen Wunden zu heilen, obwohl er selbst nicht in der Lage ist, Ianto vollständig zu vergeben. Als das Team dann scheinbar von jemandem bedroht wird, der über Gedankenkontrolle Zugang zu Torchwood sucht, ahnen sie nicht, dass der Feind bereits unter ihnen ist …
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Owen Harper, Toshiko Sato, Gwen Cooper, Rhys Williams, Myfanwy, OCs
Pairing: Jack/Ianto, Gwen/Rhys, Tosh/OC, Owen/OC
Rating: PG-13
Spoiler: Tag Eins, Cyber Woman
Setting: nach Cyber Woman
Warnungen: Kraftausdrücke, wirklich kurze Dub-Con Kussszene
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Kapitel 1
Masterliste

***
***


2.


Nachdem Lisa versucht hatte, Torchwood zu übernehmen, gab Jack Owen gegenüber zu, dass es ein Fehler gewesen war, Myfanwy auf das Cyberwesen loszulassen. Lisa hatte den Dinosaurier im Kampf verletzt. Die meisten Wunden waren oberflächlich gewesen, aber einer ihrer Flügel war schwer beschädigt worden. Mehrere Knochen waren gebrochen und die Flughaut gerissen. Owen hatte die Wunden versorgt, nachdem Jack Myfanwy betäubt hatte. Sie würden diesen Luxus dieses mal nicht haben.

“Guter Pteranodon”, murmelte Owen, während er in ihr Nest kroch. Es war nicht mehr als eine Kiste, groß genug, dass Myfanwy sich darin hinlegen konnte. Sie war hoch oben angebracht, dicht unter der Decke. Nur eine schmale Leiter führt nach oben. Ianto benutzte sie regelmäßig, da er für Myfanwys Nest und Fütterung verantwortlich war. Owen und die anderen kamen nicht oft her.

Der Arzt stieß sich den Kopf an der niedrigen Decke und fluchte leise. Er spürte etwas nasses unter seinen Fingern, als er sich abstützte, und wischte seine Handfläche an dem Stroh ab, das Myfanwys Nest gemütlicher machte.

”Oh! Das ist widerlich. Warum kann sie nicht lernen, ein Katzenklo zu benutzen?” Er setzte sich schließlich und legte die Verbände und das Spray neben sich. Ianto krabbelte neben ihn und stellte den Eimer mit dem Fleisch zur Seite. Owen fragte sich, wie er es schaffte, so kompetent und ordentlich in seinem Anzug auszusehen, während er mitten im schmutzigen Nest eines Dinosauriers saß. Myfanwy lag im Stroh, ihr Kopf leicht angehoben, und ihre kleinen Augen beobachteten jede Bewegung der beiden Menschen. Ianto machte ein leises, beruhigendes Geräusch und streckte eine Hand aus. Myfanwy schnurrte und rieb ihren Schnabel an Iantos Handfläche.

”Braves Mädchen”, flüsterte Ianto. Er schaltete das kleine Licht an, das sie im Nest installiert hatten, und sah zu Owen. ”Wir sollten anfangen.”

”Sie wird zickig, sobald wir die Wunde versorgen?”

”Ja”, nickte Ianto.

”Großartig”, antwortete Owen. ”Zum Glück habe ich meine Waffe dabei.”

Ianto warf ihm einen skeptischen Blick zu.

”Wir wollen helfen”, antwortete er.

”Ja”, nickte Owen, ”aber wenn sie mich töten will, komme ich ihr lieber zuvor.”

Myfanwy fauchte und Owen zuckte zusammen.

Ianto lehnte sich vorsichtig vor und berührte Myfanwys Kopf.

”Sh!” Er blickte zu Owen. “Wir sollten nicht im Nest eines Pteranodons streiten. Sie kann Stress spüren.”

”Richtig”, antwortete Owen. Er bemerkte, dass Myfanwy Ianto eindeutig liebevoll musterte. ”Sie mag dich.”

”Weil ich sie füttere”, antwortete Ianto. Er zog den Eimer näher und warf Myfanwy ein Stück Fleisch zu. ”Wenn du brav bist, kannst du den Rest später fressen”, versprach er.

”Oder uns”, murmelte Owen. Aber er streckte die Hand aus und streichelte über Myfanwys Kopf, ihren Rücken entlang zu ihrem Flügel. Sie beobachtete ihn vorsichtig.

Owen schenkte ihr ein falsches Lächeln.

”Bitte töte mich nicht.” Sobald er den Verband an ihrem beschädigten Flügel berührte, bewegte sie ihn weg und traf Owen beinahe ins Gesicht. Sie fauchte. Er schützte seine Augen.

”Okay”, sagte Ianto beruhigend. ”Entschuldige. Entschuldige. Beruhige dich, meine Süße.”

In dem engen Nest fühlte Owen sich wie das perfekte Abendessen.

”Warum sedieren wir sie nicht? Wir haben es getan, als ich die Wunde genäht habe.”

”Das hier wird nur fünf Minuten dauern.”

”Falls wir es überhaupt schaffen, sie anzufassen”, antwortete Owen. Myfanwy drückte ihren Schnabel mit Schwung gegen Iantos Brust und schubste ihn weg.

”Hey!”, sagte Owen und wollte seine Waffe ziehen.

Ianto schüttelte den Kopf.

”Nicht. Sie zeigt mir nur, dass sie mich nicht in ihrer Nähe haben will. Es hat nicht mal weh getan … nicht sehr.” Er rieb seine Rippen und verzog das Gesicht.

”Ja, das werde ich mir später ansehen”, antwortete Owen.

Ianto warf Myfanwy ein weiteres Stück Fleisch zu und setzte sich dann neben Owen, um zu warten.

”Gib ihr eine Minute, um sich zu beruhigen.” Er sah sie traurig an. ”Es tut mir leid, meine Süße.”

”Wieso immer 'Süße'? Man könnte denken, du sprichst mit einer Katze.”

Ianto antwortete nicht. Er streckte die Hand aus und Myfanwy betrachtete ihn einen Moment misstrauisch, ehe sie ihren Schnabel hinein legte.

Ianto streichelte ihn, dann ihren Kopf.

”Es tut mir leid.”

Myfanwy schnurrte.

”Mal ehrlich, wie viel Zeit verbringst du hier oben?”, fragte Owen.

”Genug”, war die kryptische Antwort.

”Das sehe ich.”

”Versuchen wir es noch mal”, sagte Ianto und streichelte weiter Myfanwys Kopf.

Owen richtete sich auf und drückte sich an Ianto vorbei, um auf seiner anderen Seite zu sitzen.

”Richtig, du lenkst sie ab, während ich meinen Arm abgebissen bekomme.”

Ianto lächelte.

”Kein Grund, sich zu beschweren, Owen.”

Der Arzt berührte den Kopf des Pteranodons und strich den langen Hals entlang zu ihrem Rücken, dann über ihren Flügel. Dieses mal ließ Myfanwy ihn machen. Sie drückte ihren Schnabel gegen Iantos Schulter, bat um mehr Aufmerksamkeit, und er lachte leise. Er begann, sie mit beiden Händen zu streicheln.

Vorsichtig entfernte Owen den Verband und betrachtete die Wunde in der ledernen Haut des Flügels.

”Okay. Sieht gut aus. Ich glaube, das ist das letzte mal, dass wir die Wunde neu verbinden müssen. Sie ist fast geheilt.”

Myfanwys Schnurren wurde zu einem Knurren, als Owen die neue Haut berührte, die den größten Teil des Risses in dem empfindlichen Flügel bedeckte. Ein Teil der Wunde lag noch immer offen.

Er drückte leicht auf einen der dünnen Knochen.

”Die Fraktur ist gut verheilt.” Er nahm das antiseptische Spray und blickte zu Ianto. ”Das könnte weh tun.”

”Ich weiß.” Ianto atmete tief durch. Dies war immer der schwierigste Teil in Myfanwys Behandlung. Tosh, Gwen und Jack hatten ihm abwechselnd mit ihr geholfen, nachdem Owen die Wunde genäht hatte. Ianto war der einzige, der bei all ihren Behandlungen dabei gewesen war, da er sie am besten kannte. Er war sogar während seiner vierwöchigen Suspendierung her gekommen. Bisher hatte niemand mehr davon getragen als ein paar Kratzer.

Owen nickte und sprühte. Myfanwy zuckte zusammen und schrie auf. Sie stieß Ianto weg. Er fiel zurück und Myfanwy war sofort auf ihm. Sie drückte ihn knurrend zu Boden.

Owen zog seine Waffe.

”Scheiße!”

”Nicht!”, rief Ianto. Myfanwys Flügel traf Owens Hand und der Schuss traf die Decke ihres Nests. Owen wurde von ihrem Flügel gegen die Wand gepresst und versuchte, sein Gesicht zu schützen, während sie verzweifelt entkommen wollte.

”Nein, nein, nein ...”, murmelte Ianto. ”Nein, Myfanwy. Sh.”

Owen berührte seinen Hinterkopf und fühlte Blut.

”Scheiße”, murmelte er und versuchte, sich zu orientieren. Myfanwy schlug mit den Flügeln.

”Nein”, sagte Ianto. ”Paham mae dicter, o Myfanwy, yn llenwi'th lygaid duon di?”

Owen war versucht zu lachen. Manchmal schaffte Ianto es noch immer, ihn zu überraschen. Der Pteranodon schrie und Owen sah sie misstrauisch zu Ianto hinunter blicken. Er starrte zurück, auf dem Rücken liegend und von ihren Klauen am Boden gehalten. Owen blickte beide an, versucht, wieder zu schießen. Er wusste aber, dass es sie nur erschrecken würde und sie Ianto angreifen könnte. Hinter seiner Stirn begann es zu pochen und er schloss die Augen gegen den Schmerz. Er musste das Holz ziemlich hart getroffen haben. Myfanwy knurrte bedrohlich, dann drehte sie plötzlich den Kopf weg und ging von Ianto runter, ehe sie sich in einer Ecke zusammen rollte.

Ianto schloss erleichtert die Augen.

”Oh Gott!”

”Das war knapp, nicht wahr?”, fragte Owen, erleichtert, als die Kopfschmerzen nachließen. Ein Lächeln stahl sich auf seine Lippen. Er fühlte sich etwas besser, jetzt, wo die Gefahr vorbei war.

”Einen Moment lang ...”, seufzte Ianto.

”Du rezitierst walisische Lieder, um sie zu beruhigen?”

”Es funktioniert”, antwortete Ianto.

Owen zog ihn am Arm näher.

”Bist du okay?”

Myfanwy kauerte in einer Ecke und beobachtete sie.

”Ja, ich denke schon. Und du?”

”Ich habe mir den Kopf angeschlagen”, antwortete Owen. Er blickte Myfanwy an. ”Lassen wir es gut sein, Ianto. Sie braucht den Verband nicht mehr wirklich.”

Der Archivar nickte zustimmend und schob den Eimer in Myfanwys Richtung, ehe er ihn entleerte. Sie krabbelten aus dem Nest auf die kleine Plattform davor, ehe sie die Klappe schlossen. Owen atmete erleichtert aus und lehnte sich an die Wand. Ianto verzog vor Schmerz das Gesicht und hob eine Hand zu seiner Schulter und unter das Jackett. Als er sie zurück zog, war sie mit Blut verschmiert. Er blickte seine Hand an, als wüsste er nichts damit anzufangen. Der Arzt in Owen übernahm das Kommando und er zwang Ianto sanft, ihm in die Augen zu sehen.

Er schien nicht unter Schock zu stehen, aber er starrte ihn verständnislos an.

”Sie hat mich gekratzt.”

Owen schob das Jackett zur Seite und sah, dass das weiße Hemd und die graue Weste darunter sich rot verfärbten.

”Gekratzt?”, fragte er. ”Machst du Witze? Das ist eine Menge Blut.”

”Owen”, sagte Ianto und kniff die Augen zusammen, ehe er schwankte.

Owen spürte, wie sich Ianto gegen ihn lehnte.

”Hey, du wirst mir jetzt nicht umkippen, oder?”, fragte er und drückte Ianto an die Wand. Dann schloss er seine Augen für eine Sekunde, denn er kämpfte selbst mit Übelkeit.

Ianto murmelte: ”Da ist Blut an deinem Hals.”

Owen nickte.

”Ja, ich habe mit den Kopf wohl doch etwas schlimmer angeschlagen, als ich dachte.” Ihm wurde schwindelig. ”Hey … um einiges schlimmer.”

”Du kippst mir jetzt nicht um, oder?”, hörte er Ianto fragen, ehe Owen genau das tat.

***

Owen kam zu sich, als er auf etwas kaltes gelegt wurde. Er öffnete die Augen und erkannte sofort sein weiß gekacheltes Reich – den Autopsieraum. Er lag auf dem Untersuchungstisch in der Mitte.

Jack stand neben ihm, die Arme über seinem Hemd verschränkt. Sorge grub tiefe Falten in seine Stirn.

"Wieder bei uns?", fragte er und Owen nickte vorsichtig. Er starrte an die kahlen Wände und versuchte, sich nicht zu übergeben. Jack musste ihn den ganzen Weg vom Nest hinunter getragen haben. Owen fühlte sich mies genug, dass es ihn nicht störte, wie peinlich das war.

Jack drehte sich weg.

"Ianto, tu mir den Gefallen und setz dich, bevor du auch noch umkippst. Ich denke, ich habe für heute genug Männer rumgeschleppt."

Owen drehte den Kopf und sah Ianto, der sich langsam auf die Stufen sinken ließ, die zum Autopsieraum hinunter führten, ein Handtuch an seine verletzte Schulter gedrückt. Er trug weder sein Jackett, noch die Weste und war etwas blass und zittrig. Jemand trat in Owens Blickfeld und er brauchte einen Moment, um mitzubekommen, dass er nun offen auf Toshs Brüste starrte. Er setzte sich langsam auf, dann hob er den Kopf.

Sie war bereits dabei, Latexhandschuhe anzuziehen, die sie in einem der metallenen Vorratsschränke an der Wand gefunden hatte.

"Du hast eine Kopfwunde. Vielleicht eine Gehirnerschütterung."

"Danke für diese Diagnose, Doktor Sato", antwortete er sarkastisch.

Sie verdrehte die Augen.

"Ansonsten geht’s dir offenbar prima. Du hattest Glück."

Owen hielt sich an Toshs Schulter fest, als der Raum gefährlich schwankte.

Jack hockte vor Ianto und betrachtete sich seine Wunde.

"Das gilt für euch beide." Er schüttelte den Kopf. "Ein Kratzer, Ianto? Ich muss das nähen."

Owen sprang vom Tisch.

"Lass mich das machen." Ihm wurde schwindelig, er stolperte und dann war es nur Tosh, die ihn davor bewahrte, auf dem Boden zu landen.

"Bleib einfach sitzen, bis ich mir deinen Kopf angesehen habe", sagte sie genervt.

"Ärzte sind die schlimmsten Patienten", lächelte Jack. Er ließ Ianto das Handtuch zurück auf die Wunde drücken und richtete sich auf. Owen deutete auf einen der Metallrollcontainer, aber Jack schien sich hervorragend alleine zurecht zu finden. Owen quittierte das mit einem Stirnrunzeln. Manchmal vergaß er, dass Jack schon sehr lange für Torchwood arbeitete, lange genug, um auf den Fotos der letzten zehn Jahre aufzutauchen.

Er wollte sich dennoch nicht nutzlos vorkommen.

“Zweite Ampulle von rechts. Du solltest ungefähr-“

“Ich weiß. Ich nähe nicht zum ersten Mal eine Wunde.“ Jack bereitete eine lokale Betäubung vor.

“Wie kommt's, dass du mir nie unter die Arme greifst, wenn du so ein talentierter Arzt bist?“, fragte Owen spöttisch.

Jack lächelte ihn an.

“Ich kann nur nähen und amputieren.“

“Das beruhigt mich nicht gerade.“ Owen griff nach der Spritze in Jacks Hand, aber der Captain wich ihm aus.

Owen starrte ihn böse an. Er ließ zu, dass Tosh ihm zurück auf den Tisch half und schmollte, während sie seine Wunde versorgte. Er konnte nicht anders, als Jack dabei zu beobachten, wie er sich um Ianto kümmerte … und ihm Ratschläge zu erteilen.

"Mir gefällt nicht, dass er so blass ist", sagte er. "Jack, er hat vielleicht einen Schock."

"Ich habe keinen Schock", antwortete Ianto. "Es geht mir gut." Er entspannte sich etwas, als die lokale Betäubung Wirkung zeigte und der Schmerz nachließ. Jack begann zu nähen.

Owen lehnte sich zur Seite, um ihm zusehen zu können.

"Okay, das sieht ganz gut aus. Au, Tosh!"

"Entschuldige", sagte sie und klang, als ob sie es nicht so meinte.

"Fertig", sagte sie ein paar Minuten später.

Owen konnte nicht anders, als das Pflaster an seinem Hinterkopf mit den Fingern zu kontrollieren.

"Nicht schlecht", gab er zu. "Schmerzmittel?" Er hielt eine Hand auf und Tosh ging, um Ibuprofen zu holen.

Ianto blickte Jack an.

"Du musst das nicht tun", sagte er leise.

Jack blickte auf.

"Ich will aber", antwortete er.

"Die Wunde wird ohnehin nicht wirklich heilen können. Sobald UNIT eintrifft."

Jack wich Iantos Blick aus und antwortete nicht. Er konzentrierte sich darauf, die Wunde unter Owens aufmerksamen Augen zu verbinden. Und wenn seine Finger etwas länger als notwendig über die weiche Haut von Iantos Oberkörper strichen, dann erwähnte der junge Mann es nicht. Als Jack fertig war, stand er auf und blickte zu Owen und Tosh, die inzwischen nebeneinander auf dem Tisch saßen.

"Geht nach Hause." Er blickte Ianto an. "Alle. Schluss für heute."

***

Jack starrte seinen Computerbildschirm an, als könne sein Blick das UNIT-Memo löschen.

"Verdammt", murmelte er und schaltete den Bildschirm aus. Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück und schloss die Augen, fühlte sich plötzlich müde. Da lag ein Bericht in seiner Schreibtischschublade, von Hand geschrieben und darauf wartend, abgetippt zu werden. Er enthielt Aussagen seines Teams das Cyberwesen betreffend, seinen eigenen Bericht und die formelle Anfrage, die Bestrafung ihm selbst zu überlassen. Eine Anfrage, die die Chance eines Schneeballs in der Hölle haben würde. Weshalb er bisher noch nichts abgeschickt hatte. So sehr das, was passiert war, ihn verletzt hatte – er konnte Ianto nicht UNIT überlassen. Egal, was Owen und die anderen dachten, sein Zögern hing nicht damit zusammen, dass er und Ianto miteinander geschlafen hatten. Er würde dasselbe für jeden seines Teams tun. Aber der Verrat schmerzte viel mehr. Er hatte geglaubt, dass Ianto freiwillig in sein Bett gekommen war. Stattdessen musste er feststellen, dass es nur eine Maßnahme gewesen war, um ihn von dem Cyberwesen im Keller abzulenken.

Er fragte sich, wie oft Ianto sich gewünscht hatte, woanders zu sein, während sie miteinander geschlafen hatten. Jack fühlte sich wie ein Vergewaltiger, obwohl er wusste, dass er nichts falsch gemacht hatte. Das schlimmste war, dass er geglaubt hatte, Ianto würde es auch wollen. Dass er gerne Zeit mit ihm verbracht hatte. Nicht nur im Schlafzimmer, sondern auch außerhalb. Sex war nur ein kleiner Teil ihrer Dynamik gewesen. Sie hatten keine Beziehung gehabt, aber waren einander mit Respekt und einer Freundschaft begegnet, auf die Jack sich verlassen hatte. Die Gespräche, während sie spät abends Papierarbeit erledigt hatten, der Smalltalk am frühen Morgen, ehe die anderen eingetroffen waren, der Schießunterricht, den Jack Ianto erteilt hatte … alles – das Flirten, Lächeln, die zufälligen Berührungen – alles war eine Lüge gewesen. Und er war darauf herein gefallen.

Jack öffnete die Augen und seufzte tief. Ein leises Geräusch an seiner Tür und Jack blickte auf.

"Ich dachte, ich hätte euch allen gesagt, ihr sollt gehen", seufzte er.

Ianto zuckte mit den Schultern. Er verzog das Gesicht, weil die Bewegung schmerzte. Er trug ein sauberes, rotes Hemd und das Ersatz-Jackett, das er in seinem Schließfach aufbewahrte.

"Ich wüsste nicht, was ich da sollte. Es gibt hier zu viel zu tun. Die Archive und ..." Er hielt die Akte in seinen Händen hoch. "... das hier."

"Buchhaltung", seufzte Jack und verdrehte die Augen. "Das habe ich fast vergessen."

"Ich habe mir die Freiheit genommen, das zu erledigen. Fehlt nur noch eine Unterschrift, Sir." Er trat in das Büro und zu Jacks großem Schreibtisch. Zwischen den beiden Stühlen für Besucher blieb er stehen. Er gab Jack die Akte.

Der Captain öffnete sie und unterschrieb auf dem ersten Blatt.

"Danke, Ianto."

"Willst du es nicht kontrollieren?"

"Ich vertraue darauf, dass du gründlich warst. Du hast mir versprochen, Torchwood nicht mehr zu verraten. Ich glaube dir."

"Und doch …", begann Ianto, beendete den Satz aber nicht.

"Und doch …", wiederholte Jack. Er blickte seinen Assistenten an. "Ich denke, dass das, was immer zwischen uns war, nicht so schnell wieder in Ordnung kommt."

Ianto schloss die Augen und senkte den Blick. Er sah niedergeschlagen aus und Jack hatte Mitleid, aber er zeigte es nicht. Es war nicht seine Schuld. Er war hier nicht der Schuldige. Sondern Ianto.

Die Augen des Archivars blieben an der Luke auf dem Boden von Jacks Büro hängen, in der Nähe des Schreibtisches. Er fragte sich, wie oft er sie geöffnet und Jack in seinem Schlafzimmer darunter besucht hatte. Dass die Dinge so zwischen ihnen standen, war allein seine Schuld.

Er nickte langsam, drehte sich weg und ging zur Tür. Jack entschied sich, es ihm zu sagen – die anderen wussten es bereits. Es würde nicht mehr lange dauern, ehe Ianto es erfuhr.

"Ich habe es UNIT nicht gemeldet."

Ianto drehte sich zu ihm um.

"Wie bitte?"

"Ich habe Lisa UNIT nicht gemeldet. Und ich werde es nicht tun."

Ianto wirkte schockiert, nicht erleichtert.

"Warum?"

Jack zuckte mit den Schultern.

"Ich finde ihre Art der Bestrafung nicht gut. Lisa ist weg und es gibt keine weiteren Cyberwesen da draußen. Keine Bedrohung mehr."

Ianto starrte ihn noch immer ungläubig an und Jack fügte hinzu: "Ich gebe dir eine Chance. Und du solltest sie nutzen. Jetzt kannst du dich auf deinen Job konzentrieren, anstatt darüber nachzudenken, wann UNIT hier aufkreuzt."

Der junge Mann nickte schnell.

"Das werde ich."

Jack sah Tränen in seinen Augen und drückte seinen Rücken gegen die Stuhllehne, damit er nicht aufstand und etwas tat, das er später bereuen würde. Er würde nicht nachgeben. Er war nicht der Schuldige.

"Geh schon, Ianto", sagte er.

"Danke, Sir", antwortete Ianto und floh aus dem Büro. Er wischte sich über die Augen.

Jack sah ihm nach und vergrub dann das Gesicht in den Händen. Er stieß ein frustriertes Knurren aus, riss die Schublade seines Schreibtisches auf und entnahm den Bericht. Er zerriss ihn und fiel zurück in seinen Stuhl.

"Ianto Jones", murmelte er, "ich hoffe, das war kein Fehler."

Kapitel 3