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Feind im Spiegel

Worte: 40.911
Inhalt: Nach Iantos Verrat glaubt Jack die Kontrolle über sein Team verloren zu haben. Er versucht, die mentalen Wunden zu heilen, obwohl er selbst nicht in der Lage ist, Ianto vollständig zu vergeben. Als das Team dann scheinbar von jemandem bedroht wird, der über Gedankenkontrolle Zugang zu Torchwood sucht, ahnen sie nicht, dass der Feind bereits unter ihnen ist …
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Owen Harper, Toshiko Sato, Gwen Cooper, Rhys Williams, Myfanwy, OCs
Pairing: Jack/Ianto, Gwen/Rhys, Tosh/OC, Owen/OC
Rating: PG-13
Spoiler: Tag Eins, Cyber Woman
Setting: nach Cyber Woman
Warnungen: Kraftausdrücke, wirklich kurze Dub-Con Kussszene
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Kapitel 2
Masterliste

***
***


3.


“Kein Interesse”, sagte die hübsche Brünette.

Sie ließ Owen an der Bar zurück.

”Danke”, rief er ihr nach. Sie blickte kurz zögernd zu ihm zurück, doch dann stieß sie zu ihren drei Freundinnen – alle ebenso hübsch wie sie – und sie begannen eine Unterhaltung. Über den Lärm des Clubs konnte Owen nicht hören, worüber sie sprachen. Aber die Brünette schaute zu Owen und sagte etwas, das ihre Freundinnen dazu brachte, ihrem Blick zu folgen. Sie lachten. Er drehte sich weg.

”Großartig. Das perfekte Ende eines perfekten Tages.” Vorsichtig fuhr er mit den Fingern über die Wunde an seinem Hinterkopf. Er hatte das Pflaster nach einer Dusche entfernt. Die Wunde war nur oberflächlich und wurde perfekt von seinen kurzen Haaren versteckt. Die von Tosh diagnostizierte Gehirnerschütterung waren nur Kopfschmerzen. Owen sollte es wissen. Er war der Arzt des Teams.

Er gab dem Barkeeper ein Zeichen und schob seine Hände in die Jeanstaschen, um nach dem Geld zu suchen. Seine Finger berührten etwas Kühles und Glattes und er schloss geschlagen die Augen, als er sich erinnerte, was es war.

”Großartig. Jack wird mich umbringen.”

Alien-Technologie mitzunehmen war schon immer verboten gewesen, aber seit Suzie verrückt geworden war und sich selbst getötet hatte, kam es einem Verrat gleich. Nach dem Zwischenfall mit Myfanwy hatte Owen den Stein vergessen, den er in der Kiste aus dem Archiv gefunden hatte.

Er entschied sich, ihn morgen zurück zu legen, wenn keiner hinsah. Das war das Beste. Sie mussten nicht mal wissen, dass er ihn mitgenommen hatte.

Er seufzte verärgert. Sein Tag wurde immer besser. Die Brünette war bereits die fünfte Frau gewesen, die ihn heute abgewiesen hatte, und er brauchte dringend Sex. Er massierte seine Stirn, als die Kopfschmerzen schlimmer wurden. Der Barkeeper reichte ihm sein Bier und Owen fand das Geld in seiner anderen Tasche.

”Das geht auf mich.” Die Stimme war weiblich, doch tief. Owen drehte den Kopf und hob überrascht die Augenbrauen, als er die Brünette erkannte, die ihn vor einer Minute so laut abgewiesen hatte. Sie stand nun neben ihm und bezahlte sein Bier, ein Arm und eine Hüfte an die Bar gelehnt. Sie trug ein schwarzes Kleid, das ihren schlanken Körper perfekt umspielte und betonte.

”Hallo.” Ihre blauen Augen funkelten.

Owen lachte.

”Hast du deine Meinung geändert?”

”Ja.” Sie verdrehte die Augen. ”Meine Freundinnen da drüben … sie sagen, dass ich zu hart zu dir war. Ich meine … du bist irgendwie süß.” Sie legte eine Hand auf seinen Arm. ”Und du siehst erschöpft aus. Schwerer Tag?”

”Der schlimmste”, antwortete er. ”Mein Chef hat mich runter gemacht und ich habe mir den Kopf angeschlagen, als ich mit … dem Wachhund … gespielt habe.”

Sie nickte verständnisvoll.

”Armes Ding”, sagte sie. Dann grinste sie. ”Ich bin Melissa und ich weiß, wie du dich besser fühlen wirst.” Ihre Augenbrauen hoben sich anzüglich.

Owen lächelte und seine Stimmung verbesserte sich.

”Das wette ich.”

***

Owen erwachte in seinem eigenen, warmen Bett. Die ersten Sonnenstrahlen fielen durch die großen Fenster dahinter und streichelten den Raum. Melissa lag an ihn gekuschelt, ihre langen, braunen Haare kitzelten sein Kinn, seine nackte Brust und Arme. Owen dachte darüber nach, sich krank zu melden und sie davon zu überzeugen, es auch zu tun. Sie könnten hier bleiben und den Tag im Bett verbringen. Es war lange her, seit er die Zeit für so etwas gehabt hatte. Für Torchwood zu arbeiten war großartig, aber es nahm ihm viel von seinem Leben weg. Für eine Weile - nach Katies Tod - war ihm das gleichgültig gewesen, aber er realisierte langsam, dass er vielleicht gerade seine zweite Chance verpasste.

Sein Magen knurrte und Owen blickte auf die Uhr. Er hatte noch genug Zeit, aber er sollte langsam aufstehen, wenn er Zeit für ein ausgedehntes Frühstück haben wollte. Irgendwie wollte er heute eines. Er seufzte tief und streichelte über die glatte Haut von Melissas Rücken. Sie lächelte ihn mit verschlafenen Augen an.

”Ich muss in einer Stunde zur Arbeit”, sagte Owen.

Melissas volle Lippen zeigten ein Schmollen.

”Schade”, sagte sie.

”Glaub mir, ich bin deiner Meinung.” Er küsste sie leidenschaftlich, dann knurrte er frustriert und stand auf. ”Kaffee ist in der Küche. Fühl dich wie zu Hause. Da müsste Brot und Aufstrich im Kühlschrank sein. Ich gehe duschen.” Damit verließ er das Bett, um sich fertig zu machen. Er rasierte sich und kontrollierte seine Wunde.

Als er in sein Schlafzimmer zurückkehrte, um sich anzuziehen, konnte er Melissa in der Küche hören. Er fluchte, als er feststellte, dass er bald waschen müsste und zog dieselbe Jeans an, die er am Abend zuvor getragen hatte. Er fand einen sauberen Pullover in seinem Schrank und ging zu Melissa in die Küche, während er die Kopfschmerzen hinter seiner Stirn weg zu massieren versuchte. Er stoppte abrupt in der Küchentür.

Melissa lächelte ihn, eine Tasse Kaffee in ihrer Hand, an.

”Ich habe Frühstück gemacht.”

”Das sehe ich.” Seine Augen starrten auf den kleinen Tisch, komplett gedeckt mit zwei Tellern, auf denen Rührei, Toast und Bacon warteten, Käse, Brot und Honig – er konnte sich nicht erinnern, Honig gekauft zu haben. Der Tisch war wie eine Insel in seiner spartanischen Wohnung. Er könnte sich daran gewöhnen. Ein Lächeln stahl sich auf seine Lippen und er seufzte zufrieden. Melissa führte ihn zu einem der Stühle und er setzte sich. Sie nahm ihm gegenüber Platz.

”Wow!”, sagte er. ”Danke. Genau das brauche ich jetzt.”

Melissa goss sich Kaffee nach.

”Habe ich mir gedacht. Dein Magen hat auch laut genug geknurrt.” Sie lächelte. ”Ich wollte dir einen Gefallen tun.”

”Das hast du”, grinste Owen und begann zu essen.

***

Meistens mochte Owen seine Arbeit. Aber es gab Momente, in denen er sie hasste.

"Was? Schon wieder?", fragte er.

Ianto nickte und hielt ihm geduldig die Formulare auf einem Klemmbrett entgegen, ganz der aufmerksame Sekretär.

"Wir machen jeden Monat eine volle Inventur, Owen. Das weißt du."

Owen schnaubte und lehnte sich in seinem Stuhl zurück.

"Ich habe wirklich keine Zeit für so etwas."

Tosh verdrehte die Augen.

"Weißt du, es könnte dir helfen, deine Vorräte im Auge zu behalten. Dann brauchst du nicht am Ende des Monats alles durchzugehen. Ich schreibe die Dinge, die ich benutze, immer gleich auf und weiß dann, was ich neu brauche."

Owen starrte sie böse an.

"Weil du ein Freak bist."

Sie wirkte verletzt und konzentrierte sich auf ihre Bildschirme. Owen blickte zurück zu Ianto. Dabei fingen seine Augen Gwen ein, die auf der Couch saß und in einer Zeitschrift blätterte.

"Warum muss sie das nicht machen?"

Ianto starrte ihn nur an – wann immer er diesen Blick aufgesetzt hatte, kam der Arzt sich besonders dumm vor.

"Sie macht keine Experimente und braucht von daher keine Hilfsmittel."

"Das ist unfair."

Jack unterbrach den Streit von seiner Bürotür aus.

"So ist das Leben. Sogar ich muss es machen, Owen, also nimm einfach die Formulare und hör auf, jeden Monat ein solches Theater zu veranstalten."

"Ja, du. Du brauchst nie viel. Büroklammern vielleicht. Du bist immer schon nach fünf Minuten fertig." Owen entriss Ianto das Klemmbrett. "Großartig. Ich gehe und zähle Pflaster." Damit ging er schmollend Richtung Autopsieraum. Jack warf Tosh einen amüsierten Blick zu und sie lächelte zurück. Gwen blickte Owen mitleidig nach.

Jack nickte Ianto zu.

"Lass ihn schmollen, Ianto."

Der Archivar zeigte ein kleines Lächeln.

"Wie immer, Sir." Er machte sich auf den weg in die Archive.

***

Owen massierte seine Schläfen und nahm den Kaffee an, den Ianto ihm hinhielt. Er beobachtete, wie der junge Mann die Treppe zum Hauptraum der Basis heraufstieg. Gwen ging an Ianto vorbei. Sie gesellte sich zu Owen, der einen hohen Hocker an den Autopsietisch gezogen hatte und seine Nadeln zählte. Gwen lehnte ihre Ellbogen auf den Tisch und blickte zum Eingang des Autopsieraumes, ehe sie leise sagte: "Ich könnte das für dich machen. Dann kannst du dich mit deiner Weltraumratte beschäftigen."

Er runzelte die Stirn. Sie hatten das Tier während einer Weevil-Jagd vor einer Woche gefunden. Es war größer als eine Ratte von der Erde, aber es sah fast genauso aus, deshalb hatten sie es so getauft. Die Woche war anstrengend gewesen und Owen hatte noch nicht die Zeit für eine Autopsie gefunden. Er war neugierig. Dennoch ...

"Warum solltest du das tun?"

"Um dir einen Gefallen zu tun. Ich meine, wie lange wird das schon dauern?" Sie blickte auf das halb ausgefüllte Formular und zuckte mit den Schultern. "Höchstens eine Stunde. Ianto hat dir gerade Kaffee gebracht, also wird er für mindestens zwei Stunden nicht mehr hier aufkreuzen. Niemand erfährt was. Ich mache die Inventur und du machst … was auch immer du machst."

"Du wirst länger als eine Stunde dafür brauchen."

"Nein", lächelte Gwen. "Du weißt doch, dass ich Polizistin war. Inventuren, Formulare … wir lieben solche Sachen. Ich bin schneller als du."

Owen blickte in ihre grünen Augen, aber sie schien ihn nicht aufziehen zu wollen und er hatte schlimme Kopfschmerzen. Er wollte diese Inventur wirklich nicht machen. Sie stieß ihn mit der Schulter an.

"Ich sage es niemandem."

Er lächelte dankbar.

"Das hoffe ich."

***

Nach Lisa hatte Owen beschlossen, Ianto regelmäßig zu untersuchen, nur, um sicher zu gehen, dass körperlich alles in Ordnung war. Er wusste, dass Ianto unter Stress dazu neigte, nicht auf sich acht zu geben. Kurz nachdem er bei Torchwood 3 angefangen hatte, war Ianto krank geworden. Eine Erkältung hatte sich zu einer Lungenentzündung entwickelt. Owen hatte damals angenommen, dass Ianto noch traumatisiert von der Schlacht um Canary Wharf gewesen war und deshalb seine Gesundheit vernachlässigt hatte. Und vielleicht war das auch wahr gewesen. Aber nun war er sich ziemlich sicher, dass es auch mit Lisa zu tun gehabt hatte. Das Ergebnis war dasselbe. Unter Stress aß Ianto kaum und er schlief zu wenig. Owen wollte nicht, dass sich das wiederholte. Er war immerhin Arzt.

"Okay", sagte Owen und wickelte einen neuen Verband um Iantos Schulter, "sieht gut aus." Er trat von dem Autopsietisch zurück und nahm Iantos Akte zur Hand.

"Wie ich schon sagte, mir geht es gut", antwortete Ianto und zog sein Hemd wieder an, als Owen ihm signalisierte, dass er fertig war. Er blieb auf dem Metalltisch sitzen, während er es zuknöpfte.

Owen blickte in Iantos Akte und zuckte mit den Schultern.

"Ich bin mir da nicht so sicher. Du bist zu leicht, dein Blutdruck ist zu hoch und ich kann sehen, dass du nicht schläfst. Wie ist es mit der Übelkeit?"

"Besser", sagte Ianto und Owen verdrehte die Augen.

”Wirklich”, versprach Ianto. Während seiner Suspendierung war er von Übelkeit gequält worden, die seinen ohnehin schon geschwächten Körper angegriffen hatte. Er hatte sich nicht mehr übergeben, seit er wieder arbeitete, dennoch war die Übelkeit noch immer da. Er konnte kaum essen. Ein weiterer Grund, das Mittagessen mit dem Team zu meiden.

Owen runzelte die Stirn.

"Richtig. Okay, ich frage dich das jetzt schon seit fast einem Monat und du hast seit deiner Suspendierung nicht zugenommen. Stattdessen hast du über ein Kilo abgenommen. Und du warst schon zu dünn."

"Ich bin nur nicht sehr hungrig. Ein bisschen gestresst."

"Du weißt schon, dass ich dich zwei Mal pro Woche untersuchen werde, bis du etwas zugenommen hast und ich sehen kann, dass es dir besser geht. Und ich weiß, dass wir beide genervt davon sind. Ich denke also, du solltest mit jemandem reden."

"Ich habe kein post-traumatisches Stress-Syndrom."

"Nein, aber du bist gestresst und das reicht mir."

"Mir geht es gut."

"Sicher, Jones. Du kannst gehen."

Ianto nahm sein Jackett und die Krawatte vom Tisch und eilte die Treppe zum Hauptraum der Basis hinauf.

"Und ruh dich aus."

"Mir geht es gut", antwortete Ianto und war weg.

"Ja, klar."

Iantos Suspendierung war eine Woche her. Vor fast vier Wochen hatte Tosh ihn in seinem erzwungenen Urlaub besucht und vor der Toilette kniend gefunden. Sie hatte Owen angerufen, als Ianto sich am nächsten Tag und am Tag darauf wieder übergeben hatte. Owen wusste wieso. Ianto hatte die Hölle durchlebt und sein Körper reagierte darauf, dass er seinen Stress mit niemandem teilte. Stattdessen quälte er sich lieber selbst mit was wäre wenns und Erinnerungen. Hinzu kam die Menge an Arbeit, die Ianto sich selbst auferlegte und die Tatsache, dass Owen und Gwen ihn teilweise noch immer wie einen Fremden behandelten, was Ianto nur dazu brachte, ihr Vertrauen umso schneller zurückgewinnen zu wollen. Owen konnte verstehen, dass er erschöpft, gestresst und emotional ausgelaugt war. Ianto arbeitete besonders hart daran, sich Jacks Vertrauen zu verdienen und der Captain ging sicher, dass Ianto sah, wie viel ihm das bedeutete. Er stoppte Owen, wenn seine Kommentare zu verletzend oder aber Gwen, wenn ihre Fragen zu neugierig wurden. Er wollte Ianto ganz offensichtlich als seinen Assistenten behalten. Owen konnte das verstehen. Ianto war fantastisch in seinem Job.

Aber davon abgesehen schien die Beziehung zwischen Jack und Ianto rein beruflich zu sein – keine Flirts, keine Berührungen. Vielleicht war das noch schlimmer für Ianto, als Jacks Vertrauen überhaupt zu verlieren. Falls sie vor dem Zwischenfall mit dem Cyberwesen Sex gehabt hatten, dann verstand Owen, warum Jack Abstand hielt. Er war stolz und es musste ihn verletzt haben, dass Ianto es geschafft hatte, ihn zu täuschen.

Owen ging die Treppe zum Hauptraum hoch und gesellte sich zu Tosh, die auf der alten Couch saß und ihre Pause mit einem Stück kalter Pizza und einem ausgedruckten Artikel verbrachte. Gwen saß an ihrem Computer, in ihre Arbeit vertieft, aber offensichtlich gelangweilt. Owen sah Ianto zu Jacks Büro gehen, sein Anzug mit dem Jackett und der Krawatte nun wieder vollständig, und wandte den Blick ab, als der Captain und der Archivar über etwas zu reden begannen, das Ianto auf ein Blatt Papier geschrieben hatte.

"Alles okay mit ihm?", fragte Tosh.

Owen blickte sie an.

"Er sollte sich ausruhen."

"Du machst dir Sorgen", meinte Tosh.

Owen fuhr sich mit der Hand durch die Haare.

"Ist nicht so, als wollte ich es. Er hat uns verraten." Er seufzte. "Aber Jack will ihn behalten, also müssen wir mit ihm leben." Er stahl etwas Käse von Toshs Pizza. "Und um ehrlich zu sein, UNIT ist etwas extrem."

Sie nickte.

"Er hat sie geliebt. Er wollte nicht, dass jemand verletzt wird."

Owen machte ein Geräusch, das weder Zustimmung noch Verneinung war. Er dachte noch immer darüber nach, wie er Ianto dazu bringen könnte, sich hinzulegen. Er runzelte die Stirn, als seine Kopfschmerzen plötzlich und heftig zurückkehrten und schloss die Augen, um die Lichter der Basis auszublenden. Sie waren plötzlich zu grell. Vielleicht sollte er Jack sagen, dass er mit Ianto sprechen sollte. Der junge Mann schien immer auf den Captain zu hören.

Ein alarmiertes “Ianto?“ drang aus Jacks Büro und dann rief er: "Owen!"

Der Arzt sprang von seinem Sitzplatz auf der Couch auf und rannte zu Jacks Büro. Er hörte Gwen und Tosh hinter sich, aber er achtete nicht auf sie, als er das Büro erreichte und Ianto mit dem Rücken an Jacks Schreibtisch gelehnt auf dem Boden sitzend vorfand. Der Captain hockte neben ihm. Jack hatte einen Stuhl zur Seite geschoben, um Platz für Ianto zu machen, und wirkte besorgt. Als Owen eintrat, fanden Jacks Augen die seinen.

"Er ist einfach zusammengebrochen", sagte Jack.

Ianto öffnete die Augen.

"Es geht mir gut."

Owen kniete sich neben ihn.

"Wirklich?" Er zückte seine kleine Lampe und leuchtete in Iantos Augen.

"Mir wurde nur schwindelig", antwortete Ianto.

"Ja, klar. Du bist blass. Ich habe dir gesagt, du sollst dich ausruhen", antwortete Owen und nahm Iantos Puls. Er bemerkte die zitternden Hände und den Schweiß auf Iantos Gesicht. "Blutdruck ist zu hoch." Er seufzte. "Noch immer schwindelig?"

"Nein", antwortete Ianto.

"Was habt ihr gemacht?"

"Ich habe die Inventur mit Jack besprochen."

"Er wirkte gesund", nickte der Captain.

"Ich bin gesund. Mir geht es gut."

"Wann hast du das letzte Mal etwas gegessen?", fragte Owen. Ianto dachte darüber nach. Owen seufzte.

"Okay, das dauert zu lange." Er stand auf und hielt Ianto eine Hand hin. Gemeinsam mit Jack zog er den Archivar auf die Beine. Der junge Mann zupfte sein Jackett zurecht und nestelte an seiner Krawatte. Tosh und Gwen standen nahe der Tür und Ianto schenkte ihnen ein versicherndes Lächeln. Es verfehlte seine Wirkung bei Owen.

"Wann ist so was das letzte Mal passiert?", wollte er wissen.

Ianto runzelte konzentriert die Stirn.

"Ich bin mir nicht sicher. Ich bin normalerweise nicht anfällig für solche Sachen. Selbst wenn ich nichts gegessen habe."

"Na ja, dein Körper ist geschwächt", sagte Owen. "Klingt nach einem guten Grund, oder?"

Jack ging um seinen massiven Schreibtisch herum und setzte sich in seinen Stuhl.

"Mach eine Pause."

Ianto sah ihn widerwillig an.

"Aber, Sir ..."

"Mach eine Pause, Ianto", wiederholte Jack entschlossen. "Iss etwas."

Ianto seufzte geschlagen.

***

Owen war müde. Und es würde noch ein paar Stunden dauern, ehe er nach Hause gehen konnte. Er hatte die Autopsie beendet, seine Inventur eingereicht – von Gwen ausgefüllt, die sogar seine Handschrift gefälscht hatte –, Ianto untersucht und den Archivar dabei beobachtet, wie er widerwillig ein Sandwich aß. Dann hatte Owen Jack dabei geholfen, ein Weevil zu fangen.

Nun, zurück in der Basis, war der Captain duschen gegangen und Owen saß auf der Couch. Er wartete darauf, dass Kaffee sich auf magische Weise auf dem Tisch vor ihm materialisieren würde, aber natürlich war Ianto in den Archiven und konnte gar nicht wissen, dass Owen eine Tasse Kaffee brauchte. Obwohl er es ihm zutrauen würde. Der Archivar schien manchmal einen sechsten Sinn für die Bedürfnisse des Teams zu haben.

Er seufzte tief und schloss die Augen. Vielleicht sollte er früher nach Hause gehen und diese anhänglichen Kopfschmerzen loswerden. Der Geruch nach Kaffee ließ ihn überrascht die Augen öffnen. Gwen hielt ihm eine Tasse hin.

"Für dich."

Owen starrte sie an.

"Für mich?"

Sie nickte.

"Wie hast du die Maschine zum Laufen gebracht?"

Die Kaffeemaschine war Iantos Baby. Owen hatte sie nur ein Mal verwendet. Er hatte anschließend vergessen, aufzuräumen und Ianto hatte sich mit einem ewig langen Vortrag über die Wartung der Maschine gerächt. Owen weigerte sich seitdem, sie zu benutzen.

"Ist ganz leicht", sagte sie. Owen runzelte misstrauisch die Stirn und Gwen verdrehte die Augen. "Okay, ich habe ihn aus der Thermoskanne auf Jacks Schreibtisch."

"Bist du verrückt? Er tötet dich, wenn er das rausfindet."

Jack war besitzergreifend, wenn es um Iantos Kaffee ging.

Gwen grinste.

"Wird er nicht."

Owen nahm die Tasse.

"Danke."

"Wollte dir nur einen Gefallen tun", sagte Gwen und ging zu ihrem Schreibtisch.

Tosh blickte Owen mit hoch gezogenen Augenbrauen an.

"Seid ihr …?"

Er schüttelte den Kopf.

"Nein!" Er wich ihrem Blick aus. Er hatte das unbestimmte Gefühl, dass Tosh sehen konnte, wie er an seinen und Gwens Kuss dachte, den sie in ihrem Versteck vor Lisa geteilt hatten. Obwohl sie niemandem davon erzählt hatten.

"Sie hat mir nur einen Gefallen getan."

"Hm", sagte Tosh. Owen musste ihr Recht geben, es war merkwürdig. Gwen war nicht die Art Frau, die einfach einen Kaffee vorbei brachte.

Owen sah Jack zu seinem Büro gehen und entschied sich, sich im Autopsieraum zu verstecken. Er ließ Tosh an ihrem Schreibtisch zurück.

Sie blickte ihm nach. Ihr ging Owens allzu schnelle Antwort auf ihre Frage nicht aus dem Kopf. Hatten die beiden etwa tatsächlich Sex? Tosh konnte sich das nicht vorstellen. Gwen hatte immerhin einen Freund. Aber sie kannte Gwen auch noch nicht so lange. Vielleicht … die Frage war als ein Scherz gedacht gewesen. Nun wusste sie nicht, ob sie selbst noch darüber lachen konnte.

Kapitel 4