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Feind im Spiegel

Worte: 40.911
Inhalt: Nach Iantos Verrat glaubt Jack die Kontrolle über sein Team verloren zu haben. Er versucht, die mentalen Wunden zu heilen, obwohl er selbst nicht in der Lage ist, Ianto vollständig zu vergeben. Als das Team dann scheinbar von jemandem bedroht wird, der über Gedankenkontrolle Zugang zu Torchwood sucht, ahnen sie nicht, dass der Feind bereits unter ihnen ist …
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Owen Harper, Toshiko Sato, Gwen Cooper, Rhys Williams, Myfanwy, OCs
Pairing: Jack/Ianto, Gwen/Rhys, Tosh/OC, Owen/OC
Rating: PG-13
Spoiler: Tag Eins, Cyber Woman
Setting: nach Cyber Woman
Warnungen: Kraftausdrücke, wirklich kurze Dub-Con Kussszene
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Kapitel 3
Masterliste

***
***


4.


Owen streckte sich auf der Couch im Hauptraum der Basis aus und sah auf die Uhr. Zeit nach Hause zu gehen - endlich. Als Gwen Tosh fragte, ob sie mit ihr zusammen etwas trinken gehen wollte, wanderten Owens Gedanken zu dem Kuss, den er und Gwen geteilt hatten. Seitdem gab es eine gewisse sexuelle Spannung zwischen ihm und Gwen, da war Owen sich sicher. Gwen lächelte immer verliebt, wenn sie über ihren Freund sprach, aber manchmal wirkte es aufgesetzt.

Gwen kicherte über etwas, das Tosh gesagt hatte, und holte ihre Tasche unter ihrem Schreibtisch hervor. Sie war noch nicht lange bei Torchwood. Zu kurz, um weniger als die perfekte Neue zu sein, die von Jack entdeckt worden war, aber jeder von ihnen hatte etwas zu verstecken. Es gehörte beinahe zu ihrem Job dazu. Owen versteckte seine Vergangenheit. Er wollte nicht, dass jemand von seiner Verlobten erfuhr. Es würde zu viele unangenehme Fragen aufwerfen. Warum benahm er sich dann manchmal wie ein Arschloch gegenüber Frauen, wenn er sogar fast verheiratet gewesen war? Und was war passiert? Nur Jack kannte die ganze Geschichte und der Captain war nicht der Typ, der so etwas herum erzählte. Tosh … Owen wusste nicht, was sie versteckte, aber da war etwas. Jack wusste darüber, da war Owen sich sicher. Und Jack … Jack versteckte so viele Dinge, das man sie unmöglich zählen konnte. Er war wie ein Puzzle, das niemand zusammensetzen konnte. Owen war sich nicht mal sicher, ob Jack es selbst vermochte. Ianto hatte seine Cyber-Freundin versteckt, sein Geheimnis war also raus, aber vielleicht hatte er bereits ein neues. Vielleicht hatten er und Jack doch wieder Sex.

Owen war nicht homophob. Tatsächlich eher das Gegenteil. Es gab Gelegenheiten, bei denen er gerne für beide Teams spielte, aber er zog Frauen vor. Er glaubte aber, dass es falsch war, dass Jack und Ianto etwas miteinander anfingen. Die Dynamik des Teams wurde dadurch gestört und wenn Ianto tatsächlich mit Jack schlafen sollte, war das erbärmlich. Ein weiterer Punkt auf der Liste, die Owen vom ersten Tag an führte: Jack um einen Job anbetteln - erbärmlich. In der sicheren Basis bleiben, anstatt um einen Platz im Team zu bitten - erbärmlich. Hinter ihnen her räumen und alles tun, um ihnen das Leben etwas leichter zu gestalten – erbärmlich, aber nützlich.

Gwen und Tosh verabschiedeten sich und gingen. Owen seufzte tief. Ianto sollte sich nicht auf Jack einlassen. Er sah gar nicht schlecht aus. Er könnte schnell eine neue Freundin finden, wenn er nur mal öfter lächeln würde. Vielleicht war eine Freundin auch genau das, was er brauchte. Jemanden, zu dem er nach Hause kommen konnte und der ihn etwas ablenkte. Owen entschied sich, Ianto mit in einen Pub zu nehmen. Er würde ihm helfen, eine Freundin zu finden. Oder einen Freund, da war Owen nicht wählerisch. Jack würde auch glücklich sein, da Owen Zeit mit Ianto verbrachte.

”Ianto!”, rief Owen. Er wusste nicht, ob Ianto im Hauptraum war, aber er fand die Couch viel zu bequem, um ihn zu suchen.

”Sechs Tassen reichen, denkst du nicht?!”, kam Iantos Stimme aus einem der oberen Stockwerke - aus dem Gewächshaus.

”Ich will keinen Kaffee! Willst du mit mir weggehen?!”

Jack ging an ihm vorbei.

”Du bist nicht sein Typ.” Er schlug Owen spielerisch mit einer Akte.

”Keine Sorge, Harkness, ich habe es nicht auf ihn abgesehen. Er gehört ganz dir.”

Jack ignorierte die Andeutung, wie immer. Deshalb glaubte Tosh Owen nicht, wenn er ihr sagte, dass Jack und Ianto es nach der Arbeit miteinander trieben. Sie waren diskret.

”Ich kann nicht!”, erklang Iantos Stimme. ”Ich bin beschäftigt!”

Owen knurrte frustriert.

”Mit was denn bitte?!”

”Die Pflanzen gießen, die Weevils füttern, nach Myfanwy sehen …”

”Oh, komm schon, Jones!”

Iantos Schritte waren auf den metallenen Stegen der oberen Stockwerke zu hören. Sie näherten sich der Treppe.

”Ich will nicht! Ich bin nicht in der Stimmung!”

Owen verdrehte die Augen und rieb sich die schmerzende Stirn. Ianto ging die Stufen hinunter.

”Ein anderes Mal?!”

”Als ob”, murmelte Owen. ”Komm schon, Ianto!”

Jack ging zurück zu seinem Büro, dieses mal ohne die Akte.

”Nicht betteln. Das mag er nicht.”

”Du musst es ja wissen”, konterte Owen. Verdammt, wie konnte er Ianto dazu bringen, ihn zu begleiten?

Etwas fiel lautstark die Treppe hinunter und Jack und Owen starrten einander alarmiert an, ehe sie in die Richtung stürmten, aus der das Geräusch gekommen war. Jack war als erster da.

”Ianto?”

Er lag am Fuß der Treppe, bewusstlos. Jack kniete sich neben ihn und legte eine Hand auf seinen Rücken. Er versuchte, ihm ins Gesicht zu sehen.

”Mein Gott”, keuchte er.

Owen nahm Iantos Puls.

”Stabil.” Er untersuchte ihn oberflächlich, kontrollierte, ob er sich etwas gebrochen hatte. ”Nichts. Er ist nicht tief gefallen.”

”Hat das was mit seiner Erschöpfung zu tun?”

Owen nickte.

”Vielleicht”, er sah sich Iantos Kopf genauer an, ”aber er hat sich den Kopf nicht angeschlagen. Zumindest kann ich nichts finden. Ich habe keine Ahnung, warum er bewusstlos ist.”

Ianto öffnete vorsichtig die Augen.

”Bin ich nicht”, murmelte er. ”Au!”

”Nicht bewegen”, sagte Owen. ”Wo tut's weh?”

”Mein Kopf. Kopfschmerzen.”

Jack half Ianto, sich aufzusetzen und ging, um ein Glas Wasser zu holen. Owen sah sich Iantos Pupillen an.

”Ist dir wieder schwindelig?”

”Schwindelig. Und Kopfschmerzen. Und dann war da plötzlich … ich weiß nicht.” Ianto runzelte die Stirn.

Owen fragte: ”Was?”

”Etwas stimmt nicht”, antwortete Ianto. ”Etwas merkwürdiges geht hier vor.” Er rieb sich die Stirn.

Owen verdrehte die Augen.

”Okay, möglicherweise hast du dir doch den Kopf angeschlagen. Was ist das letzte, an das du dich erinnerst?”

Ianto zuckte mit den Schultern und nahm mit einem dankbaren Lächeln das Glas an, das Jack ihm reichte. Er nahm einen Schluck und antwortete: ”Du hast mich gefragt, ob wir etwas trinken gehen. Dann … ich bin mir nicht sicher. Es hat sich fast angefühlt, als ob ...”

Owen runzelte die Stirn.

”Was?”

Ianto schüttelte dem Kopf. Owen blickte zu Jack, der eine Augenbraue hob.

”Ja, du bleibst heute Nacht hier.”

Ianto blickte ihn verwirrt an.

”Ich meine das ernst. Ich will dich im Auge behalten. Du wirst schlafen. Mindestens acht Stunden.”

Owen nickte zustimmend.

”Ich sehe mal, ob ich etwas finde, das dir beim Einschlafen hilft.” Er ging Richtung Autopsieraum.

Jack lehnte sich zu Ianto und sagte leise: ”Sobald er weg ist, unterhalten wir uns.”

Ianto schluckte - unsicher, worüber Jack mit ihm reden wollen würde, aber er nickte.

”Ja, Sir.”

***

Owen dachte darüber nach, eine Dusche zu nehmen und auszugehen, aber er war müde und nicht wirklich in Stimmung, also ließ er sich in seinen Sessel fallen und schaltete den Fernseher an. Regen schlug gegen seine großen Fenster und machte allein den Gedanken, die Wohnung zu verlassen, noch unangenehmer. Als er sich gemütlicher hinsetzte, grub sich etwas in seinen Oberschenkel. Er schob eine Hand in seine Jeanstasche und holte den Stein heraus.

”Verdammt!” Er hatte vergessen, ihn zurück zu legen. Na ja, Tosh hatte ihn auch nicht gerade vermisst. Owen stellte den Fernseher stumm und rutschte etwas tiefer in den Sessel. Neugierig betrachtete er den Stein. Was es wohl war?

Er runzelte die Stirn. Er sah aus wie etwas, das IKEA in der Deko-Abteilung verkaufen würde, aber es musste außerirdischen Ursprungs sein. Vielleicht könnte er Tosh morgen bitten, sich den Stein anzusehen.

Nein, das würde er nicht. Owen schloss seine Hand um die kühle, glatte Oberfläche. Er würde ihn selbst untersuchen, wenn die anderen weg waren. Er musste es nur schaffen, auch Jack aus der Basis zu bekommen, dann könnte er so viele Untersuchungen anstellen, wie er wollte. Er lächelte. Das klang nach einem Plan. Er legte den Stein auf den kleinen Tisch neben dem Sessel und stand auf, um eine Dusche zu nehmen.

Während er unter der Dusche stand, kehrten seine Gedanken zu dem Stein zurück.

Warum machte er so ein großes Geheimnis daraus?

Er könnte Jack einfach sagen, dass er sich den Stein näher ansehen wollte. Der Captain würde es erlauben. Jack mochte es, wenn sein Team eigene Projekte verfolgte. Er wollte, dass sie ihre Arbeit mochten. Morgen würde er also zu Jack gehen und ihm von dem Stein erzählen - aber nicht, dass er ihn mit nach Hause genommen hatte, das wäre Selbstmord - und dass er ihn näher untersuchen wollte.

Als Owen sich eine halbe Stunde später mit einem Teller mit aufgewärmtem Essen und einem Bier zurück in den Sessel fallen ließ, blieben seine Augen an dem Stein hängen, der unschuldig auf dem Tisch lag. Owen schüttelte den Kopf. Nein, er konnte es den anderen nicht sagen. Er wusste nicht wieso, aber eine innere Stimme riet ihm, das Ding – was auch immer es war – für sich zu behalten.

Kapitel 5