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Feind im Spiegel

Worte: 40.911
Inhalt: Nach Iantos Verrat glaubt Jack die Kontrolle über sein Team verloren zu haben. Er versucht, die mentalen Wunden zu heilen, obwohl er selbst nicht in der Lage ist, Ianto vollständig zu vergeben. Als das Team dann scheinbar von jemandem bedroht wird, der über Gedankenkontrolle Zugang zu Torchwood sucht, ahnen sie nicht, dass der Feind bereits unter ihnen ist …
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Owen Harper, Toshiko Sato, Gwen Cooper, Rhys Williams, Myfanwy, OCs
Pairing: Jack/Ianto, Gwen/Rhys, Tosh/OC, Owen/OC
Rating: PG-13
Spoiler: Tag Eins, Cyber Woman
Setting: nach Cyber Woman
Warnungen: Kraftausdrücke, wirklich kurze Dub-Con Kussszene
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Kapitel 4
Masterliste

***
***


5.


Als Ianto in den Hauptraum der Basis zurückkehrte, nachdem er die Touristeninformation geschlossen hatte, stand Jack in seinem Büro und ging einige Akten durch. Seine Hosenträger hingen herunter und sein hellblaues Hemd war auf die Sitzfläche von Jacks Stuhl geworfen worden. Das weiße T-Shirt, das er darunter trug, war nicht in die Hose gesteckt. Ianto konnte nicht anders. Er ging zum Stuhl des Captains und nahm das Hemd hoch, faltete es ordentlich und legte es auf die Tischkante, um es später für die Wäsche mitzunehmen. Jack beobachtete ihn mit gehobenen Augenbrauen.

”Du bist nervös”, sagte er schließlich.

Ianto nickte.

”Ja, Sir.”

”Warum?”

Ianto schluckte, verschränkte die Hände hinter dem Rücken und antwortete: ”Ich weiß nicht, Sir.”

Jack schob seine Hände in die Hosentaschen und nickte zu seinem Stuhl hinüber.

”Setz dich, Ianto.”

Der junge Mann ging um den Schreibtisch herum und setzte sich in Jacks Stuhl. Er faltete die Hände auf seinem Schoß und starrte über Jacks Schulter hinweg an die Backsteinwand. Er glaubte zu wissen, was hier gerade passierte. Es war ein Wunder gewesen, dass Jack ihm nach Lisas Tod kein Retcon gegeben hatte. Vielleicht hatte er inzwischen gemerkt, dass er Ianto nicht hier behalten konnte.

Der Captain seufzte, massierte seine Stirn und trat dann zwischen den Schreibtisch und den Stuhl. Er drehte den Stuhl so, dass Ianto ihn ansehen musste und lehnte sich an die Kante seines Schreibtisches. Sein Oberkörper versperrte Ianto nun den Blick auf die Wand und da er nicht da sitzen und auf Jacks Brust starren wollte, senkte Ianto den Blick. Er bemerkte, dass Jack auf einigen Formularen für UNIT saß und zog sie unter dem Captain hervor, um sie zur Seite zu legen. Manche Blätter hatten nun Eselsohren und Ianto versuchte, sie zu glätten.

”So kann es nicht weiter gehen”, sagte Jack und Ianto drehte sich der Magen um.

Seine Hände hielten inne. Jack ergriff sanft Iantos Kinn und zwang ihn, ihm in die Augen zu sehen. Ianto schnappte nach Luft und antwortete: ”Bitte nicht, Captain.”

”Ich weiß nicht, was ich sonst tun soll.”

”Es tut mir leid.”

”Dafür kannst du dich nicht einfach entschuldigen. Du schadest dem Team. Du schadest mir. Und das muss aufhören, Ianto.”

Der jüngere Mann senkte den Blick und Jack ließ ihn los. Ianto zog seine Hände zurück und legte sie auf seine Oberschenkel. Er zwang Tränen hinunter, dann blickte er zu Jack auf.

”Ich brauche Torchwood. Bitte. Schick mich nicht weg.”

Jack runzelte die Stirn.

”Niemand schickt dich weg.”

Iantos Verwirrung musste sich auf seinem Gesicht widergespiegelt haben, denn Jack lehnte sich vor und schüttelte den Kopf.

”Verstehst du nicht, was passiert? Du verletzt dich selbst. Das kann ich nicht brauchen. Du bist zwei Mal zusammengebrochen. Wenn das keine Warnung ist ...” Er richtete sich auf und verschränkte die Arme. ”Um es nochmal deutlich zu sagen: Ich will, dass du bleibst, Ianto. Du bist großartig in deinem Job und du lässt dich von dem, was passiert ist, nicht aufhalten. Ich glaube, dass dieses Team wirklich gut sein kann, aber es braucht noch etwas Zeit. Und ich will nicht, dass du dich selbst so drängst. Nicht, wenn deine Gesundheit dafür zahlt.”

Ianto senkte wieder den Blick und starrte auf seine Hände.

”Ich versuche es.”

”Ich weiß. Aber … du warst bei der Schlacht von Canary Wharf dabei. Du hast gesehen, wozu diese … Dinger fähig sind.”

Ianto hatte es gesehen – den Fall von Torchwood 1. Er erinnerte sich an Feuer und Schreie und Blut. Cybermänner in jedem Raum, die das Torchwood-Personal mitnahmen und töteten oder schlimmer: zu einem von ihnen machten. Wie Lisa.

Jack fuhr fort: “Und du hast eins von ihnen versteckt. Es wäre beinahe entkommen, hätte beinahe die Basis übernommen. Es hätte uns beinahe getötet. Was du getan hast, war unglaublich dumm, es war ein Vertrauensbruch und was am schlimmsten ist, zwei Menschen sind gestorben. Tanazaki kannte die Risiken, das sehe ich ein, aber das arme Mädchen?”

”Ich weiß, Sir”, antwortete Ianto. ”Es tut mir leid.”

”Aber”, fuhr Jack fort und Ianto sah zu ihm auf, ”nachdem sich alles beruhigt hatte und während deiner Suspendierung habe ich begriffen, dass es dich manipuliert hat. Und es war gut darin. Es hat Lisas Erinnerungen benutzt, um dich glauben zu machen, sie wäre noch immer am Leben. Ich weiß, dass du sie geliebt hast und ich weiß, dass sie vermutlich das einzige war, was dir nach Canary Wharf geblieben ist. Ich verstehe Einsamkeit und dass man alles tut, um sie zu umgehen. Du wolltest nicht, dass die Dinge so enden. Deshalb habe ich dich nicht UNIT gemeldet.” Ianto starrte wieder seine Hände an. Jack seufzte.

”Deshalb weiß ich, dass du deinen Job weiterhin großartig machen wirst und die anderen wissen das auch. Tosh hat dir schon vergeben, oder? Gwen ist auf dem besten Weg und sogar Owen strengt sich an.”

Ianto nickte. Sie saßen eine Weile schweigend zusammen, während Jack auf eine Erwiderung wartete und Ianto sich nicht sicher war, wie er sie formulieren sollte – ob er sie aussprechen sollte.

Er räusperte sich.

”Und du?”

Jack hätte so tun können, als ob er nicht wisse, wovon Ianto sprach, aber er blieb ehrlich. Es hätte die Dinge nur schlimmer gemacht, wenn er die Frage ignoriert hätte.

Er nahm sich Zeit, über seine Antwort nachzudenken, ehe er sagte: ”Das ist was anderes, Ianto.”

”Ja”, antwortete Ianto.

”Du hast mich benutzt.”

Ianto nickte.

”Und ich fühle mich, als ob ich dich zu etwas gezwungen hätte. Als ob ich dich dazu gezwungen hätte, mit mir zu schlafen.”

Ianto hob den Kopf, ein ungläubiger Ausdruck auf seinem Gesicht.

”Nein. Denk das nicht.”

Jack seufzte.

”Ich versuche es, okay?”

Ianto nickte.

”Ich wünschte nur, du würdest meine Entschuldigung annehmen.”

”Das kann ich nicht. Noch nicht.” Er fühlte sich noch immer hintergangen und benutzt und verwirrt … manchmal wollte er Ianto umarmen und ihm helfen, das Geschehene hinter sich zu lassen. Manchmal war die Wut so schlimm, dass er schreien wollte.

Ianto nickte.

”Ich verstehe.” Er hasste diese Distanz zwischen ihnen, aber das musste Jack nicht wissen. Er tat bereits so viel, indem er Ianto in das Team zu integrieren versuchte und er achtete auf seine Gesundheit. Ianto blickte Jack an und lächelte hilflos.

”Nur um, das klar zu stellen, du hast mich nicht gezwungen. Ich habe damit angefangen.”

Was nicht ganz wahr war. Jack hatte mit der Flirterei begonnen, Ianto hatte nur den ersten Kuss initiiert.

”Nur … wieso?”, fragte Jack. ”Du hättest mich auch ohne Sex ablenken können.”

”Ich brauchte dein Vertrauen”, antwortete Ianto und erstickte beinahe an den Worten, ”also habe ich dir gegeben, was du wolltest.” Er konnte Jack nicht sagen, dass es mehr für ihn geworden war. Der Captain könnte es als emotionale Erpressung ansehen. Außerdem wusste er nicht, ob Jack überhaupt noch Interesse an ihm hatte. Sicher, er hatte Ianto gesagt, dass er sich verletzt und benutzt fühlte, aber das könnte an seinem Stolz liegen und nicht an irgendwelchen tiefer gehenden Gefühlen.

Denn letztlich war das, was sie gehabt hatten, nur Sex gewesen. Sie waren nicht miteinander ausgegangen oder hatten eine Beziehung aufgebaut. Häufig war es nur der Abschluss eines anstrengenden Arbeitstages gewesen. Jack hatte geflirtet, während sie die letzte Papierarbeit des Tages erledigten, gegrinst und eine unmissverständliche Einladung ausgesprochen und Ianto war ihr gefolgt. Und er schämte sich, zuzugeben, dass er es die letzten Male gerne getan hatte. Ein paar Stunden in Jacks Bett waren ein paar Stunden ohne Sorgen um Lisa gewesen oder der Angst, entdeckt zu werden. Ein paar Stunden, in denen er nach etwas verlangen konnte und es bekam. Aber letztlich endete es immer gleich – ohne Versprechen oder Liebesbekundungen. Sie verließen Jacks Schlafzimmer und waren wieder Angestellter und Chef und es war nie sicher, wann es das nächste mal passieren würde.

Jack schloss die Augen.

”Und das war alles?”

Ianto nickte.

”Das war alles, Sir.”

***

Jack wusste, wie dumm es war und er hatte sich versprochen, es nie wieder geschehen zu lassen, denn als Unsterblicher, als jemand, der durch Zeit und Raum gereist war, hatte er zu viele Menschen in seinem Leben verloren. Dennoch hatte er sich an seinen Platz hier gewöhnt. An diesen kleinen Planeten namens Erde, an Torchwood 3, an das Team und an Ianto Jones.

Er saß mit verschränkten Armen und an den Oberkörper gezogenen Beinen in einer Ecke seines kleinen Schlafzimmers unter seinem Büro. Es war beinahe dunkel, nur ein wenig Licht drang durch die geöffnete Klappe nach unten. Es kam vom Hauptraum der Basis, gefiltert durch die zugezogenen Jalousien seines Büros. Das Bett war schmal, für eine Person gebaut. Ansonsten gab es hier unten nur einen kleinen Nachttisch und eine Holzkommode, die Jack in den 70ern gekauft hatte.

Ianto, in ein T-Shirt und eine Jogginghose gekleidet, schlief friedlich unter Jacks Bettdecke in Jacks Bett und es war beinahe ironisch. Sie hatten viele Male zusammen in diesem Bett geschlafen, immer nach großartigem Sex, wenn Ianto zu müde gewesen war, um nach Hause zu fahren oder Jack nicht wollte, dass er ging.

Dass Ianto nun alleine und unter dem Einfluss von Schlaftabletten hier lag, erschien falsch. Sie hatten nach ihrem Gespräch gegessen und schmerzhaften Smalltalk betrieben, dann hatte Ianto die Tabletten genommen und war bald darauf eingeschlafen.

Jack stand auf und blieb neben dem Bett stehen. Er streckte eine Hand aus und fuhr sanft durch Iantos dunkles Haar, erlaubte sich nur, den jüngeren Mann zu berühren, da er schlief. Jacks Blick glitt über Iantos Gesicht – die dunklen Schatten unter den Augen und die blasse Haut – und obwohl er es sich nie eingestanden hätte – er wollte zu Ianto ins Bett kriechen und sich an ihn schmiegen. Nicht, um Sex zu haben. Nur, um sich auszuruhen. Ehe Lisa passiert war, hatte er Iantos Gesellschaft genossen, sein Wissen über alte Filme, die Jack zuletzt im Kino gesehen hatte, als sie erschienen waren, seinen trockenen Humor und die stille Intelligenz. Jack war nicht verliebt. Weit entfernt. Er war zu oft verliebt gewesen und wusste genau, wie es sich anfühlte, aber diese Sache mit Ianto war am Ende auch nicht nur Sex gewesen.

Nicht für ihn.

Kapitel 6