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Feind im Spiegel

Worte: 40.911
Inhalt: Nach Iantos Verrat glaubt Jack die Kontrolle über sein Team verloren zu haben. Er versucht, die mentalen Wunden zu heilen, obwohl er selbst nicht in der Lage ist, Ianto vollständig zu vergeben. Als das Team dann scheinbar von jemandem bedroht wird, der über Gedankenkontrolle Zugang zu Torchwood sucht, ahnen sie nicht, dass der Feind bereits unter ihnen ist …
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Owen Harper, Toshiko Sato, Gwen Cooper, Rhys Williams, Myfanwy, OCs
Pairing: Jack/Ianto, Gwen/Rhys, Tosh/OC, Owen/OC
Rating: PG-13
Spoiler: Tag Eins, Cyber Woman
Setting: nach Cyber Woman
Warnungen: Kraftausdrücke, wirklich kurze Dub-Con Kussszene
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Kapitel 6
Masterliste

***
***


7.


Seine Augen waren dunkel und nicht zu deuten. Das Gesicht irgendwo zwischen einem Affen und einem Monster und Owen begann unwillkürlich zu zittern. Er erinnerte sich an das erste mal, dass er ein solches Wesen gesehen hatte. Jack hatte ihn hier herunter gebracht, zu den Zellen, und ihn auf einen Stuhl gesetzt.

”Sieh es dir an”, hatte er gesagt. ”Es wurde nicht auf diesem Planeten geboren. Es ist durch den Riss gekommen und es ist echt.”

Owen war überfordert gewesen, neu bei Torchwood und unsicher.

Die Weevils machten ihm noch immer Angst, obwohl er gelernt hatte, sie zu bekämpfen.

”Hallo, Stuart”, sagte er. Er hielt den Stein fest in der Hand. Es stand in einer Ecke der kahlen Zelle. Das Glas, das es von Owen trennte, war schmutzig. Bereits jetzt hing der feuchte Geruch der Wände in Owens Kleidern. Die Zellen waren nicht sein Lieblingsort, aber sie waren nötig. Sie konnten die Weevils nicht kontrollieren, sie nur einfangen und dorthin zurückbringen, wo sie hergekommen waren – die Kanäle unter der Stadt. Dieses – Stuart genannt, obwohl sie nicht mal sicher waren, ob es ein Männchen war – blieb in der Basis, weil Jack mehr über die Kreaturen herausfinden wollte.

Es zeigte seine Zähne.

”Tu mir einen Gefallen”, sagte Owen und legte eine Hand auf das Glas. ”Setz dich.”

Es knurrte. Der Stein funktionierte nicht bei Jack. Vielleicht galt das auch für Weevils.

”Setz dich”, wiederholte Owen und konzentrierte sich auf Stuarts Augen. Kopfschmerzen drückten gegen seine Stirn und dann war da plötzlich etwas, das er nicht sehen, aber spüren konnte. Es war wie eine solide Wand direkt vor ihm.

Owen runzelte die Stirn. Er versuchte, sich mental dagegen zu stemmen und keuchte, als die Kopfschmerzen nachließen und Stuart einen Schritt zurück machte, um sich hin zu hocken. Er starrte es an. Das war neu – dass er gegen eine mentale Wand drücken musste. Vielleicht hatte es etwas damit zu tun, dass er den Stein bewusst einsetzte. Vielleicht hatte er es bisher nicht bemerkt und für Kopfschmerzen gehalten. Tatsache war, dass er Weevils kontrollieren konnte. Das würde die Jagd einfacher machen und weniger gefährlich.

Er räusperte sich.

”Ich komme rein.” Er öffnete die Zelle mit der Fernbedienung und schluckte. Stuart beobachtete ihn neugierig. Owen betrat die Zelle vorsichtig.

”Braver Junge”, flüsterte er. Es bewegte sich, als er nur noch ein paar Schritte entfernt stand. Es sprang auf die Füße. Owens Gedanken schrien Zurück!, während sein Körper bereits nach der Waffe griff, die er in seine Jeans gesteckt hatte. Er brauchte sie nicht. Der Befehl seiner Gedanken schlug Stuart entgegen wie eine Kugel und zwang das Weevil zurück und zu Boden. Owen verließ die Zelle rasch und schloss die Tür. Er starrte Stuart an. Die Kreatur kauerte am Boden und winselte.

”Wow!”, keuchte Owen. Ein Lachen entkam ihm. Seine Hände zitterten, noch immer beeinflusst durch die Sekunde Panik, als Stuart versucht hatte, ihn anzugreifen. Über allem lag ein Gefühl des Stolzes, das ihn beinahe schwindelig machte, und eine Welle eines Glücksgefühls, das er nicht erklären konnte. Das war das beste, was ihm je passiert war, entschied er, während er den Stein anstarrte. Er ignorierte die Stimme in seinem Kopf, die ihm sagte, er solle es Jack erzählen. Jack würde ihm den Stein wegnehmen. Nein, das hier war gut. Solange er es für sich behielt, war es gut.

***

Am nächsten Tag entschied Owen sich, etwas Rache für all die Male zu üben, als Gwen und Tosh sich gegen ihn verbündet hatten. Es war einfach in Gwens und Toshs Köpfe einzudringen. Er ignorierte die Kopfschmerzen und schon bald schien sich sein Körper an die neue Gabe gewöhnt zu haben. Die Kopfschmerzen ließen nach und am späten Nachmittag waren sie ganz verschwunden. Nur ein leichtes Druckgefühl hinter seiner Stirn blieb, wann immer er in Gwens und Toshs Köpfe eindrang. Er brachte Gwen dazu, ihm Kaffee zu bringen und Tosh, seinen Schreibtisch aufzuräumen. Beide lächelten dabei, was Jack dazu veranlasste, einen schmutzigen Witz über flotte Dreier zu reißen und zu fragen warum zur Hölle war er nicht eingeladen gewesen war.

Jede Manipulation wurde von einem warmen Glücksgefühl begleitet, das Owen durchströmte und die Arbeit etwas leichter erscheinen ließ. Er hatte sich seit Katie nicht mehr so zufrieden gefühlt, also benutzte er den Stein wesentlich öfter, als er am Anfang vorgehabt hatte. Owen versuchte nicht, Jack zu beeinflussen. Nur zur Sicherheit. Er dachte auch nicht daran, Ianto zu manipulieren, bis der Arbeitstag fast vorbei war.

Der Archivar hatte den Großteil des Tages in der Touristeninformation verbracht. Er hatte Akten im Hinterzimmer gelesen und sich eine Stunde mit einer Gruppe Touristen auseinander gesetzt, die darauf bestanden, mit ihm auf walisisch zu sprechen, obwohl sie die Sprache nie zuvor ausprobiert hatten. Sie hatten zehn Minuten gebraucht, um nach der Toilette zu fragen. Den Rest der Zeit hatten sie damit verbracht, die Kataloge in den Regalen zu betrachten und Iantos Andeutungen zu ignorieren, dass er das Büro schließen wolle.

Sobald Ianto den Hauptraum der Basis betrat, rief Jack ihn in sein Büro. Owen beobachtete, wie sie einige Akten durchgingen.

”Es nicht nett, Leute auszuspionieren”, sagte Tosh.

Owen verdrehte die Augen.

”Ich gucke doch nur.”

Gwen kehrte vom Kühlschrank zurück und reichte ihm eine Dose Cola. Er lächelte.

”Danke.”

”Kein Problem”, antwortete sie. ”Kann ich dir sonst noch was bringen?”

”Nein.”

Sie leistete Tosh an ihrem Schreibtisch Gesellschaft. Owen nahm sich eine Minute, um das Glücksgefühl zu genießen, das der Stein ihm brachte, dann öffnete er die Dose. Gwen war leichter zu beeinflussen als Tosh. Er wurde besser darin, die Frauen zu manipulieren, aber er achtete auch darauf, es nicht zu übertreiben. Er wollte nicht, dass Jack misstrauisch wurde.

”Worauf wartest du?”, fragte Tosh, als er weiterhin Jacks Büro beobachtete. ”Sie machen doch gar nichts.”

Daraufhin hatte Owen eine Idee.

”Willst du wetten?”

Der Stein lag schwer in seiner Jeanstasche. Er hatte gelernt, dass er ihn nicht berühren musste, um ihn zu benutzen. Aber er würde nicht versuchen, Tosh dazu zu bringen zu wetten. Er würde nicht so weit gehen. Außerdem war es nicht nötig. Sie würde wetten. Da war er sich sicher.

Gwen runzelte die Stirn.

”Was meinst du?”

”Ich wette, dass Ianto Jack küsst, bevor er das Büro verlässt.”

Gwen und Tosh lachten.

Tosh zog fünf Pfund aus ihrer Jeans. Gwen holte ihre Brieftasche.

”Ich bin dabei. Das passiert nie.”

Owen wusste, dass sie Recht hatten. Es würde nie passieren, es sei denn, er half nach. Es wurde allmählich zu leicht, Gwen und Tosh zu manipulieren. Er wollte es bei Ianto versuchen. Er legte fünf Pfund auf seinen Schreibtisch, um den Frauen zu zeigen, dass die Wette galt, dann gingen die drei zurück an die Arbeit. Heimlich behielten sie Jacks Büro im Auge.

Ianto stand neben dem Stuhl des Captains, eine Hand auf den Tisch gestützt und mit der anderen auf etwas in der Akte deutend, die Jack hielt.

Owen konzentrierte sich auf Ianto und suchte nach einem Zugang zu seinem Kopf.

Ianto runzelte die Stirn und schwankte. Er stützte sich auf Jacks Schreibtisch ab, um sein Gleichgewicht zu finden.

”Hey!”, sagte der Captain. ”Ianto, bist du okay?”

Ianto schloss die Augen, die Lichter blendeten ihn plötzlich.

”Ich ...”

Jack stand auf.

”Setz dich. Komm.” Er griff sanft nach Iantos Schultern.

Es war nicht leicht. Owen fühlte sich, als würde er gegen die Wand anrennen, die er – bisher – so leicht überwinden konnte. Er runzelte die Stirn und schloss die Augen, ehe er es wieder versuchte.

“Setz dich”, murmelte Jack wieder und half Ianto, in seinem Stuhl Platz zu nehmen.

Ianto keuchte, als etwas – eine Präsenz, jemand, ein Eindringling – gegen die Schilde drückte, die er um sein Bewusstsein gelegt hatte.

”Sir”, sagte er und griff nach Jacks Handgelenk, ”Code Sieben.”

Dann verschwamm seine Sicht, heiß-roter Schmerz fuhr durch Iantos Kopf und er wimmerte. Er konnte nicht atmen, es gab nicht genug Luft und er versuchte, seine Kräfte zu sammeln, wie man es ihm beigebracht hatte. Er hörte Jack erst nach ihm rufen und dann nach Owen. Ianto drückte gegen das Bewusstsein des Eindringlings und versuchte, sich zu stabilisieren, aber sein letztes Training war so lange her und er war nicht sicher, ob seine Schilde stark genug waren, um den Eindringling fern zu halten. Er lenkte seine ganze Kraft auf seine Verteidigung, schnappte nach Luft und erinnerte sich dann an das, was man ihn gelehrt hatte: Identifizieren Sie den Eindringling.

Er hielt das Bewusstsein des anderen fest, las flüchtige Gedankenblitze, die offen und ungeschützt vor ihm lagen und das machte einfach keinen Sinn … sollte er sich nicht selbst schützen, bevor er Ianto angriff?

Jacks Stimme klang weit entfernt, murmelte: ”Atme, Ianto. Du musst atmen.”

Er hielt den Eindringling fest, bis die Schmerzen zu stark wurden, dann stieß er ihn weg und ihm wurde schwarz vor Augen.

Owen keuchte und blickte sich um. Er saß in der Basis an seinem Schreibtisch und das letzte, an das er sich erinnerte, war, dass er Ianto manipulieren wollte. Was war passiert?

Gwen ergriff seine Schulter.

”Owen! Schläfst du etwa? Jack ruft dich.”

”Was?” Verwirrt blickte Owen sie an.

Jack verließ sein Büro. Er trug Ianto, der in den Mantel des Captains eingewickelt war.

”Owen!”, schnappte er. ”Wir haben einen PS. Ich brauche dich sofort.” Er legte Ianto auf die Couch und ging sicher, dass er zugedeckt war. Owen reagierte automatisch. Er rannte in den Autopsieraum und holte seine Tasche, dann eilte er zurück in den Hauptraum und setzte sich neben Iantos ausgestreckten Körper auf die Couch. Die Augen des jüngeren Mannes waren halb geöffnet, unfokussiert und er schien in einem Schockzustand zu sein. Sein Atem ging schwer und unregelmäßig, als bekäme er keine Luft und sein Gesicht war blass und von kaltem Schweiß bedeckt. Owen griff nach seiner kleinen Lampe und testete die Reaktion von Iantos Pupillen, dann kontrollierte er Iantos Herzschlag und versuchte verzweifelt, sich an alles zu erinnern, was er auf der letzten UNIT-Tagung über PS gelernt hatte. Jack hockte neben ihm, eine seiner Hände in Iantos Haaren.

”Owen?”

”Hey! Ich tue, was ich kann, okay?”

Gwen verschränkte die Arme, während Tosh neben ihr stand und nervös auf ihren Fingernägeln kaute. Gwens Stimme zitterte: ”Was ist PS?”

Niemand antwortete ihr. Sie wollte wissen, was passierte. Alle schienen angespannt zu sein und sie konnte sehen, dass Owens Hände zitterten. Das machte ihr Angst. Gwen entschied, dass Owen zu beschäftigt war und wandte sich an den Captain: ”Jack? Was ist PS?”

Er blickte sie an, die Stirn gerunzelt.

”Gwen, sieh dir die Überwachungsvideos an. Ich will wissen, ob in der letzten Stunde jemand auf dem Plass oder in der Nähe der Touristeninformation herumgelungert hat. Tosh, check unser Alarmsystem und geh sicher, dass niemand eingedrungen ist.”

Tosh nickte und eilte zu ihrem Schreibtisch, offensichtlich froh, etwas anderes tun zu können als Iantos teilnahmsloses Gesicht anzustarren.

Gwen war verwirrt.

”Was?”

”Tu es einfach!”, schnappte Jack. Gwen presste die Lippen zusammen, aber sie gehorchte. Jack wandte sich wieder an den Arzt: ”Owen?”

”Hey, es ist das erste Mal, dass ich so etwas behandle.” Er fixierte eine Sauerstoffmaske über Iantos Gesicht.

”Gib ihm einfach das Tiramin. Du musst schneller sein. Oder er wird-”

”Ich weiß, Jack! Okay? Ich weiß. Aber ich kann ihm das Zeug nicht einfach geben. Ich muss sicher gehen, dass es ihn nicht tötet.” Er zog die Spritze auf. ”Aber es ist alles okay. Mal sehen, ob das funktioniert.”

Gwen und Tosh beobachteten von ihren Computern aus, wie Owen Ianto etwas spritzte. Gwen biss sich auf die Unterlippe und konzentrierte sich wieder auf ihren Bildschirm. Owen nahm eine von Iantos Händen, um den Puls zu kontrollieren, und zog mit der anderen die Maske zurecht.

”Er kann nicht richtig atmen. Puls ist zu langsam. Komm schon.”

Was hatte er getan? Owen schloss für einen Moment die Augen. Was hatte er getan?

Er hätte es wissen müssen.

Ianto schnappte laut nach Luft und blinzelte. Jack positionierte sich sofort auf der Couch hinter ihm und setzte ihn auf, stützte ihn mit seinem Oberkörper.

”Ianto?”

Der junge Mann keuchte und starrte ins Leere. Dann griffen seine Hände verzweifelt nach vorne und klammerten sich an das erste, was er finden konnte – Owens Pullover. Er zitterte noch immer stark, aber endlich blinzelte er und Bewusstsein kehrte in seine Augen zurück.

”Oh Gott!” Seine Stimme wurde durch die Maske gedämpft. Er zog Owen näher.

”Oh Gott!” Er klang ängstlich und Owen konnte es ihm nicht verübeln. Immerhin war er dafür verantwortlich.

Jack löste Iantos Hände von Owens Pullover und bot seine eigenen als Ersatz an. Er starrte Owen mit einem dunklen Gesichtsausdruck an und eine Sekunde lang dachte der Arzt, dass Jack Bescheid wusste, doch dann schüttelte der Captain den Kopf.

”Es war niemals Erschöpfung. Jemand hat versucht, in seinen Kopf zu kommen.”

”Niemand auf den Überwachungsvideos”, sagte Gwen. Iantos Zittern ließ nach und er wurde schläfrig. Gwens Stimme war hart wie Stahl: ”Was passiert hier?”

Jack schien zu ahnen, dass er jetzt um keine Antwort mehr herum kam.

”PS ist ein Psi-Schock. Das passiert, wenn jemand versucht, in das Bewusstsein von Leuten einzudringen, die ein Psi-Training erhalten haben, das Eindringlinge abwehrt. Um bei Torchwood 1 zu arbeiten, musste man ein solches Training erfolgreich abschließen, also hat Ianto es. Auf diese Art sollte sichergestellt werden, dass kein Einfluss von außen versuchen konnte, Torchwood über einen Mitarbeiter zu sabotieren.”

Owen verfluchte sich selbst. Er hätte es wissen sollen. Torchwood 1. Psi-Training. Das war nichts neues für ihn. Warum hatte er es überhaupt versucht?

Gwen starrte Jack an, als wäre ihm ein zweiter Kopf gewachsen.

”Also … wenn jemand Gedankenkontrolle ausübt?”

”Oder etwas ähnliches”, antwortete Jack. Er stand auf und legte den schlafenden Ianto vorsichtig auf die Couch zurück. Owen konzentrierte sich darauf, Iantos Atmung zu kontrollieren.

Jack schob seine Hände in die Hosentaschen.

”Einen solchen Eindringling abzuwehren bedeutet nicht automatisch, dass man einen Psi-Schock erleidet. Je nachdem, wie gut man trainiert ist, kann man den Eindringling abwehren oder wenigstens Alarm geben, ehe man übernommen wird. Ich weiß, dass Ianto als talentiert angesehen wurde. Er kann starke Eindringlinge abwehren. Dass er einen Psi-Schock bekommt … wer auch immer das getan hat, war stark und brutal. Man kann das Bewusstsein eines anderen subtil und vorsichtig übernehmen – in manchen Galaxien ist es eine angesehene Kunst – oder man kann es mit dem Vorschlaghammer in die Knie zwingen. Ich denke, letzteres ist hier der Fall. Nicht sehr schön, aber es hätte fast geklappt.”

Gwen runzelte die Stirn.

”Also hat Ianto ihn abgewehrt?”

Jack nickte.

”Er hätte keinen Schock bekommen, wenn er es nicht geschafft hätte. PS ist die Reaktion des Körpers auf … einen Kampf der Gedanken, um es mal billig auszudrücken. Einen Eindringling abzuwehren ist erschöpfend und es schmerzt und der Mensch des 21. Jahrhunderts ist eigentlich nicht dafür geschaffen.”

Gwen blickte zu Ianto, der zwar schlief, aber noch immer unregelmäßig atmete.

”Aber er kommt in Ordnung?”

Owen nickte.

”Ich habe ihm einen Adrenalin-Cocktail verabreicht, den Torchwood für Notfälle wie diesen entwickelt hat. Er ist okay, sobald er aufwacht.” Er konzentrierte sich wieder auf Iantos Atmung.

Jack fuhr sich mit einer Hand durch die kurzen Haare.

”Niemand war in der Nähe.” Er sah Gwen an.

Sie schüttelte den Kopf.

”Nein.”

Tosh fügte hinzu: “Und das Sicherheitssystem funktioniert. Keine Eindringlinge.”

Jack seufzte.

”Wer auch immer das war, er war stark. Es ist schwer, jemanden aus der Entfernung zu manipulieren.”

”Warum Ianto?”, fragte Gwen.

”Warum nicht?”, antwortete Jack. ”Er hat die Schlüssel, beinahe alle Passwörter und er kennt die Basis besser als ich. Sein Bewusstsein ist wie ein All you can eat-Buffet für Eindringlinge.”

”Warum nicht du?”, wollte Gwen wissen.

Jack lächelte.

”Ich bin zu stark. Ich wurde dafür trainiert, noch ehe ich Torchwood beigetreten bin. Das bedeutet, wer auch immer es war, er weiß über uns Bescheid. Er kennt vielleicht sogar unsere Akten.”

”Was machen wir jetzt?”, fragte Tosh.

Jack seufzte.

”Nichts. Wir können mentale Fähigkeiten nicht zurück verfolgen. Es hätte jeder sein können.”

Owen biss sich auf die Unterlippe und senkte den Blick.

***

“Glaubst du wirklich, dass jemand in die Basis eindringen will?”, fragte Gwen, als sie mit Toshiko Torchwood verließ.

”Sieht so aus”, antwortete Tosh und schloss die Touristeninformation von außen ab.

Der Wind zerrte an ihren Mänteln und Gwen blickte hoch in den grauen Himmel.

”Sieht nach Regen aus.”

”Wie immer”, murmelte Tosh. Sie gingen Richtung Roald Dahl Plass. Tosh lächelte sie an.

”Manchmal frage ich mich, warum wir nicht so eine Art Wetter-Manipulator finden können. Es würde nie wieder regnen.”

Gwen lachte.

”Das wäre mal eine nette Abwechslung.”

Sie gingen eine Weile schweigend nebeneinander, dann fragte Gwen: ”Was meinte Jack mit seiner Bemerkung über Menschen aus dem 21. Jahrhundert?”

”Es kommen so viele Dinge aus der Zukunft durch den Riss”, antwortete Tosh. ”Jack weiß viel darüber und auch über die Zukunft. Frag mich nicht wie. So ist er.”

Gwen zuckte mit den Schultern. Sie fragte sich, ob sie Tosh sagen sollte, dass sie Jack sterben gesehen hatte und dass er ein paar Minuten später wieder aufgestanden war, als sei nichts geschehen. Sie entschied sich dagegen. Es war seine Entscheidung, wer von seiner Unsterblichkeit wissen sollte.

”Denkst du, Ianto ist okay?”

Tosh schob ihre Hände in die Manteltaschen und starrte auf die Pflastersteine, wo ihre Füße den Pfützen des gestrigen Regens auswichen.

”Laut Jack schon.”

”Woher soll er das wissen?”

”Keine Ahnung”, antwortete Tosh und murmelte: ”Seit wann interessiert es dich überhaupt?”

Gwen blieb stehen.

”Das ist unfair.”

Tosh drehte sich zu ihr um, die Stirn gerunzelt.

”Wirklich?”

”Ich mag Ianto.”

”Ach ja?”

Gwen schüttelte den Kopf und drehte sich weg. Sie machte sich auf den Weg zu ihrem Auto.

”Das muss ich mir nicht anhören.”

Tosh holte sie ein und hielt ihren Arm fest.

”Du wolltest ihn einsperren. Du wolltest ihm Retcon geben.”

Gwen blieb stehen.

”Ich war in Panik, okay? Ich hatte gerade die schlimmsten zwei Stunden meines Lebens hinter mir.”

”Meinetwegen”, sagte Tosh. ”Das sehe ich ein. Was ich nicht verstehe, ist, wie du und Owen ihn die letzten Wochen behandelt habt. Owen tut alles in seiner Macht, um Ianto fertig zu machen und du ignorierst ihn.”

”Das stimmt nicht.”

”Richtig … manchmal stellst du ihm Fragen über Lisa und Canary Wharf und warum er sie versteckt hat, anstatt Jack die Wahrheit zu sagen. Du hast keine Ahnung, Gwen, absolut keine Ahnung, wie sehr es ihm weh tut, darüber zu sprechen oder daran erinnert zu werden. Deshalb unterbricht Jack dich, wenn du davon anfängst. Du verstehst diese Andeutung nur nicht, sondern machst einfach weiter.”

Gwen senkte den Blick.

”Ianto war krank während seiner Suspendierung. Krank und allein und müde. Er hat nicht mal mich angerufen und als ich es zufällig raus gefunden habe, musste ich Owen regelrecht in Iantos Wohnung zwingen und er ist nur gekommen, weil er Arzt ist. Du bist nicht ein Mal aufgetaucht. Sogar Jack war da.” Tosh seufzte. ”So, wie ich das sehe, hat Ianto einen riesigen Fehler gemacht, aber hast du nicht selbst gesagt, dass er kein schlechter Mensch ist? Du redest immer nur, Gwen. Erinnere mich doch nochmal, wie viele Männer gestorben sind, als du dieses Sex-besessene Alien auf Cardiff losgelassen hast.” Damit drehte Tosh sich weg und ging.

Gwen starrte ihr nach.

***

Owen nippte an seinem Kaffee und starrte auf den Bildschirm. Gwen und Tosh waren bereits weg und er saß allein im Hauptraum der Basis. Die Tür zu Jacks Büro öffnete sich und er kam zu Owen, um über seine Schulter zu blicken.

”Was machst du?”, fragte er.

Owen seufzte.

”Den Bericht über die Weevil-Jagd gestern beenden.”

”Das meine ich nicht.”

Owen runzelte die Stirn und sah zu Jack auf, der ihn finster anstarrte.

”Es ist nur eine Frage der Zeit”, sagte er.

”Bis was passiert?”, fragte Owen.

”Bis ich weiß, wer dafür verantwortlich ist.”

Ianto sprach ihn von seinem Platz an Toshs Schreibtisch an: ”Owen?”

Er blickte zu dem jüngeren Mann, der ihn verwirrt anblickte. Ianto fragte: ”Wer bist du?”

… Owen schreckte aus dem Schlaf. Sein Schlafzimmer war beinahe dunkel, in das dämmrige Licht der Stadt getaucht, sodass er die Umrisse seines Kleiderschrankes und der Tür sehen konnte. Regen schlug gegen die Fenster hinter ihm.

”Verdammt”, flüsterte Owen. ”Verdammt!” Er musste den Stein loswerden. Er musste.

Aber während er wieder einschlief, sagte eine innere Stimme ihm, dass er es längst Jack erzählt hätte, wenn er das wirklich wollen würde.

Kapitel 8