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Brute Force 2/14

Worte: 45.503
Inhalt: Banken in L.A. werden scheinbar wahllos ausgeraubt. Die Räuber sind dem FBI immer einen Schritt voraus - bis Charlie sich in die Ermittlungen einbringt und selbst ins Visier der Bande gerät.
Charaktere: Charlie Eppes, Don Eppes, Colby Granger, David Sinclair, Megan Reeves, Larry Fleinhardt, Amita Ramanujan, OCs
Pairing: Charlie/Amita (Pre-Ship)
Rating: PG-13
Spoiler: Keine
Setting: Zwischen Season 1 und 2 – Megan und Colby sind schon dabei, aber sie kennen Charlie noch nicht.
Warnungen: Gewalt, verbale Homophobie
Anmerkungen: Meine erste Numb3rs-Story. Es hat etwas gedauert, sie zu übersetzen, ich wollte aber die englische und die deutsche Version gleichzeitig auf meinem LJ veröffentlichen.
Feedback: Brauche ich wie Luft zum Atmen.
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Numb3rs und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Kapitel 1
Brute Force Masterlist

***
***


2.


Am Nachmittag kam Charlie in die Zentrale. Er passierte die Sicherheitsschranke mit seinem Ausweis und eilte auf einen Aufzug zu, dessen Türen sich gerade schlossen. Seine Tasche und die großen Stadtpläne in seinen Armen behinderten ihn und er fand sich damit ab, den nächsten Aufzug nehmen zu müssen. Aber der Agent in der Kabine hielt die Tür auf, als er Charlie auf sich zu rennen sah.

“Danke“, murmelte Charlie und öffnete den Reißverschluss seiner Jacke, ehe er den Ausweis um seinen Hals hängte. Einer der Stadtpläne rutschte ihm aus den Armen und er fluchte. Ehe er ausgeklügelt hatte, wie er die Karte am besten aufhob, ohne seine Tasche oder die restlichen Pläne zu verlieren, hatte sein Begleiter den Plan in der Hand. “Danke“, lächelte Charlie.

Colby warf einen Blick auf Charlies Ausweis. “Professor Eppes“, sagte er überrascht.

“Ja.“

“Sie sind Dons Bruder?“

Charlie nickte. Colby antwortete: “Ich bin Colby Granger. Ich bin neu im Team.“

“Hi“, antwortete Charlie, warf einen Blick auf seine vollen Arme, “ich … würde Ihnen ja die Hand schütteln, aber …“

“Schon okay“, winkte Colby ab. Sie erreichten die richtige Etage und verließen den Aufzug. Colby steckte die Hände in die Hosentaschen, während sie zu Dons Schreibtisch gingen. “Sie errechnen also, wo sich unsere Räuber befinden.“

“Sie klingen skeptisch“, antwortete Charlie lächelnd. Er war es gewöhnt, dass die Mitarbeiter der Regierungsbehörden an seinen Taktiken zweifelten.

“Ich bin wohl eher der praktische Typ und nicht der theoretische“, antwortete Colby. Don sah seinen Bruder in Colbys Begleitung auf sich zukommen und stand auf.

Er nickte ihm zu. “Das ging schnell“, meinte er.

Charlie lächelte ihn an. “Ich hatte wenige Variablen.“

Don antwortete: “Ja, tut mir leid.“ Er nahm Charlie ein paar der Karten aus der Hand. Dann wandte er sich an Colby. “Megan und David sind im Pausenraum. Kannst du sie holen, während ich Charlie helfe, alles im Konferenzraum vorzubereiten?“ Colby nickte und nahm seine Kaffeetasse mit.

“Er ist skeptisch“, sagte Charlie, als er mit Don den Konferenzraum betrat.

“Er ist Ex-Militär“, erklärte Don und legte die Karten auf einen der Tische. Charlie ließ seine Umhängetasche auf den Boden gleiten, nachdem er die restlichen Karten auf den Tisch gelegt hatte. Er warf einen Blick aus der verglasten Front des Raumes in das geschäftige Großraumbüro. Dann suchte er zwei der Karten heraus und befestigte sie mit Dons Hilfe an der Pinnwand.

“Amita sitzt noch an den Daten. Aber ich soll dir ausrichten, dass der Hacker sehr geschickt gewesen sein muss. Auf die Dateien mit den Alarmcodes und das Verzeichnis der Mieter der Schließfächer zuzugreifen, ist extrem schwer.“

Megan, David und Colby hatten die letzten Sätze gehört und Megan fragte: “Wie geschickt war er?“ Charlie drehte sich zu den drei Agents um, die sich mit Kaffeetassen bewaffnet an den großen Tisch in der Mitte gesetzt hatten.

Er antwortete: “Sehr geschickt. Ein Genie. Sie hat herausgefunden, dass jemand Zugriff von außen auf die Daten hatte. Ich vermute, ihr habt auf einen Insider spekuliert.“

Colby antwortete in einem Ton, der keinen Widerspruch duldete: “Allerdings.“ Don mochte seinen neuen Kollegen, aber er fand, dass das Militär noch zu sehr auf Colby abfärbte. Er hielt an einer fest gesetzten Meinung fest und wollte sich nur ungern davon abbringen lassen. Er hoffte nur, dass es zwischen Colby und Charlie nicht zu Schwierigkeiten kommen würde. Denn sein Bruder stand Colby in Sachen Sturheit in nichts nach.

Charlie lächelte Colby an. “Diese Theorie ist hinfällig. Räuber finden vielleicht Insider in einer Bank, möglicherweise zwei, aber in allen betroffenen Häusern? Das glaube ich nicht.“

Colby entgegnete: “Wir schließen aber nichts aus.“ Don setzte sich zu seinen Kollegen und beschloss, die Diskussion zu unterbrechen, als er merkte, wie Charlie lauernd die dunklen Augen verengte.

Er blickte seinen neusten Kollegen neugierig an. “Colby, du warst bei den Video-Experten.“

“Ja“, antwortete er. “Und ich komme gerade von einer Tour der Läden in der Nähe der Filiale, die heute überfallen wurde. Und … wir haben zum ersten Mal ein Bild des Wagens.“

Megan, David und vor allem Don horchten auf. “Tatsächlich?“

Colby nickte. “Bisher haben sie darauf geachtet, vor keiner Kamera zu parken, aber dieses mal haben sie eine Kamera beim Lieferanteneingang eines Supermarkt direkt neben der Bank übersehen, vermutlich, weil der Markt vom Gesundheitsamt vor Wochen geschlossen wurde. Die Täter wurden aufgezeichnet, als sie hinter der Bank parkten und dann nach vorne rum gingen. Es sind fünf und zweifellos alles Männer.“

Megan lehnte sich in ihrem Stuhl zurück. “Deshalb wurde nie ein Wagen gesehen. Sie parken hinter den Banken in Straßen mit Lieferanteneingängen. Dort ist frühestens ganz früh am Morgen jemand. Nicht in der Nacht.“

Colby fuhr fort: “Ein weißer Van. Kennzeichen nicht zu erkennen und die Gesichter leider auch nicht. Es war dunkel in der Gasse und die Qualität des Bildes ist schlecht. Unsere Experten sitzen dran, aber sie glauben nicht, dass sie da viel raus holen können. Ich habe die Fahndung nach dem Van raus gegeben.“

Don nickte zufrieden: “Es ist ein Anfang.“ Er wandte sich an Charlie, der wartend vor den beiden Plänen stand. “Was hast du für uns?“, fragte er und blickte auf die Stadtkarten. Charlie hatte auf einer Übersicht ganz L.A. ausgedruckt und mit verschiedenen Farben die Bereiche markiert, aus denen die Räuber kommen könnten. Don fiel auf, dass es erschreckend viele und meist große heiße Zonen waren. Als Charlie diese Technik das erste mal für das FBI angewendet hatte, hatte er nur eine Zone herausbekommen.

Charlie schien seinen nachdenklichen Blick richtig zu deuten. “Erinnerst du dich daran, wie ich euch gesagt habe, dass scheinbar zufällige Muster von Tätern so gut wie nie zufällig sein können?“, fragte er. Don nickte.

David erinnerte sich ebenfalls und antwortete: “Es ist unmöglich, ein zufälliges Muster zu erstellen, da Menschen immer ein Muster im Hinterkopf haben.“

“Tja, ich sagte eigentlich, unmöglich ist es nicht“, korrigierte Charlie mit erhobenem Zeigefinger, “aber schwer.“ Er seufzte. “Die Bankräuber haben es geschafft.“

Don rieb sich frustriert die Stirn. “Und deshalb greifen deine Berechnungen nicht?“

Charlie nickte. “Deshalb mehrere Zonen.“

Colby schüttelte den Kopf. “Das sind acht Zonen. Acht. Wir können genauso gut auch auf die Straße gehen und Leute fragen, ob sie zufällig einen weißen Van gesehen haben.“

Charlie antwortete: “Ich weiß, es sind viele, aber mit der Brute Force-Methode habe ich die Wahrscheinlichkeit errechnet, mit der die Täter sich in der jeweiligen Zone aufhalten.“

Megan legte fragend die Stirn in Falten. “Brute Force?“, fragte sie.

“Ein Ausschlussverfahren. Jede der heißen Zonen hat Werte erhalten. Je nachdem, was sich darin befindet. Bankräuber werden sich zum Beispiel weniger in einem Viertel aufhalten, in dem Polizeistationen oder Sicherheitsfirmen ihre Sitze haben. Eher in möglichst unbewohnten Zonen, wo sie niemandem auffallen“, antwortete Charlie. Er deutete auf das hervorgehobene Gebiet auf der zweiten Karte. “Ich habe dieser Zone eine Wahrscheinlichkeit von 61% gegeben – die höchste unter den acht. Ein Industriegebiet. Keine Streifenwagen fahren dort durch – ich habe mich bei der Polizei erkundigt. Viele der Gebäude stehen leer, also ist dort kaum ein Mensch.“ Er nickte Colby zu. “Und ein weißer Van würde denen, die noch dort arbeiten, nicht auffallen. Dort stehen viele Vans oder Lieferwagen.“

Colby schnaubte ungläubig. “61%.“ Er blickte zu Don. “Komm schon, das ist Unsinn. Du kannst mit Mathematik nicht errechnen, wo sich eine Gruppe Bankräuber aufhält.“

Charlie fuhr fort: “In dem Gebiet befindet sich übrigens eine Firma, die Lagerräume vermietet. Viel Platz für Beute. Niemand fragt, was du lagern willst, solange du zahlst. Und in diesen Räumen ist auch Platz für Vans.“ Megan stand auf und notierte sich den Namen der Straße, in der die Lagereinheiten lagen, auf einem Post-It. Dann ging sie zu dem Schreibtisch in einer Ecke des Raumes und rief die Auskunft an.

Colby schüttelte den Kopf. “61% ist gar nichts“, sagte er.

Charlie verschränkte die Arme. “Mehr als die Hälfte. Mit 61%iger Wahrscheinlichkeit befinden sich die Täter dort.“

Don rieb sich die Stirn. 61% war weniger als 100% oder wenigstens 80%, aber Charlie hatte Recht. Über die Hälfte würde ihnen erst einmal reichen. Dennoch fragte er: “Was kommt als nächstes?“

Charlie deutete auf die restlichen, noch zusammengerollten Karten auf dem Tisch. “38% - ein Viertel mit vielen Einfamilienhäusern – Nachbarn achten aufeinander. 35% - ein Viertel mit einer Polizeiwache und zwei Sicherheitsfirmen, die wegen der vielen Diebstähle in der Gegend ihre Runden fahren. 22% - ein Viertel, in dem sich nur Schulen und Kindergärten befinden, außerdem ein Gemeindezentrum und eine Kirche. 13% - die kleinste heiße Zone, ein verlassenes Schwimmbad. Allerdings ist es neu vermietet und obwohl der Mieter noch nichts mit dem Gelände angefangen hat, ist die Gefahr zu groß, dass er sich plötzlich dafür entscheidet und dort aufkreuzt. 8% - außerhalb der Stadt, keine Gebäude in einem Radius von 15 Kilometern. Sie müssten in einem Zelt leben, wenn sie dort wären. 5% - ein Villenviertel mit Sicherheitsdienst. 3% - eine Einkaufsstraße, zu viele Menschen.“

Colby blieb skeptisch. “Und wenn die Täter in keiner dieser heißen Zonen sind?“

Charlie antwortete fest: “Sie müssen dort sein.“ Don kannte den Tonfall. Charlie wurde trotzig, wenn man seine Berechnungen anzweifelte. Er hatte allen Grund. Er lag so gut wie nie falsch. Und wenn er sich irrte, dann lag es an verfälschten oder falschen Daten, manchmal auch an der Herangehensweise – niemals am Rechenweg. “Meine Berechnungen stimmen.“

Colby schüttelte den Kopf. “Don, du glaubst doch nicht an diesen Unsinn.“

“Dieser Unsinn hat im letzten Jahr meine Aufklärungsrate auf 85% gepusht“, antwortete Don.

Megan kehrte zu ihnen zurück und blieb neben Don stehen. Sie hielt das Post-It in der Hand, die Adresse und Telefonnummer der Verwaltung der Lagereinheiten darauf gekritzelt. “Und er könnte Recht haben. Der Besitzer der Lagereinheiten hat tatsächlich an den Fahrer eines weißen Vans vermietet. Er erinnert sich an ihn, weil er sich unter dem Namen John Doe eintrug und einen Hunderter pro Mietrate drauflegte, damit keine Fragen gestellt werden.“

David schüttelte missbilligend den Kopf. “Und so was melden Leute nicht?“

Megan zuckte mit den Schultern. “Er sagte, er hat weder Leichentransporte bei Nacht beobachtet, noch merkwürdige Geräusche aus der Lagereinheit gehört. Also war es okay für ihn, solange keine Ermittler bei ihm nachfragen. Er hat sehr bereitwillig geantwortet. Er will keinen Ärger, jetzt, wo wir uns einschalten.“

Don nickte. “Wir checken das sofort.“ Er klopfte Charlie auf die Schulter. “Danke.“ Sein Bruder lächelte schwach, während die vier Agents eilig den Raum verließen.

***

Die Lagereinheiten waren etwas größer als Garagen, mit schmutzig grünen Rolltoren ausgestattet und in vier hintereinander stehenden langen Reihen erstreckten sie sich über den Platz. Reifen- und Fußspuren waren im vom Regen aufgeweichten Boden zu erkennen. Auf dem Hof schien mehr Betrieb zu sein, als Don angenommen hätte. Der Maschendrahtzaun mit dem Stacheldraht oben auf der Krone sollte Einbrecher abhalten. Das Büro des Verwalters war ein Container. Die Geräusche des Fernsehers drangen nach draußen, während der Angestellte vor ihnen – Jason Cox – seinen Parka zuknöpfte. Er ließ die Agents spüren, dass sie ihn in seinem Tagesablauf störten und er kaute provozierend betont auf seinem Kaugummi, während er mit ihnen sprach. “Ja, der Boss hat gesagt, dass Sie kommen würden. FBI. Er musste nach Hause. Seine Alte macht ihm ständig Ärger. Sind wirklich vier Agents nötig?“, fragte er missmutig und steckte die Hände in die Taschen. Don sah sich um.

Scheinbar waren sie im Augenblick alleine. Viel mehr als einen Nachmittag vor dem Fernseher konnten sie nicht unterbrochen haben. Allerdings konnte er die hinteren Reihen an Lagereinheiten nicht einsehen. “Wir haben es mir gefährlichen Bankräubern zu tun.“

“Ach, die!“, sagte Jason wegwerfend. “Ja. Hab’s im Fernsehen gesehen.“ Er kramte eine Mütze aus einer der Jackentaschen und stülpte sie über seine kurz geschorenen, schwarzen Haare. “Kommen Sie. Ich zeig Ihnen die Einheiten, die der Typ gemietet hat.“ Er stiefelte die erste Reihe hinunter. Don und sein Team folgten ihm.

“Er hat also mehrere Einheiten gemietet?“, fragte Don.

“Ja. Bar bezahlt. Mehr als üblich. Trug sich als John Doe ein.“ Jason blieb stehen und deutete auf drei nebeneinander liegende Tore. “Hier.“

“Haben Sie Schlüssel?“, fragte Don.

Jason lachte. “Offiziell?“ Er schnaubte. “Nein.“ Er kramte wieder in seiner Tasche. “Aber manchmal zahlen die Typen, die hier mieten, am Anfang des neuen Monats nicht. Wir warten zwei Monate, dann öffnen wir die Tür und verkaufen den Ramsch da drin. Schlüsseldienste sind teuer. Wir werden zu oft übers Ohr gehauen.“ Er schloss ein Tor nach dem anderen auf. “Ich muss wieder zum Büro.“ Damit stiefelte er durch den kalten Winterwind zurück.

Megan hob die Augenbrauen. “Wisst ihr, ich bin ja auch der festen Überzeugung, dass meine Vermieterin in meiner Wohnung herumschnüffelt.“

Don lachte. “Gibt’s da was zu sehen?“ Er schob das erste Tor hoch. Die vier versammelten sich vor der Lagereinheit und starrten in das Innere.

Colby meinte schließlich: “Na, das nenne ich mal eine Enttäuschung.“ Er trat in den leeren Raum.

David öffnete das zweite Tor. “Auch leer!“, hörte Colby ihn rufen.

“Charlie hat sich geirrt“, meinte Colby und blickte Don an, als hätte der es von Anfang an wissen müssen.

Der verzog zweifelnd das Gesicht. “Ein weißer Van, John Doe … es passt zu gut.“

“Don!“, rief Megan in dem Moment. Sie hatte die dritte Einheit geöffnet. Die drei Männer eilten zu ihr.

Colby blickte ins Innere und stieß enttäuscht die Luft aus. “Ist leer.“

Megan hielt eine Banknote hoch. “Bis auf das hier.“ Auf ihr hatte jemand mit Kugelschreiber eine Nachricht geschrieben.

Mögen die Spiele beginnen, Agent Eppes.

Kapitel 3
Brute Force Masterlist

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