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Brute Force 3/14

Worte: 45.503
Inhalt: Banken in L.A. werden scheinbar wahllos ausgeraubt. Die Räuber sind dem FBI immer einen Schritt voraus - bis Charlie sich in die Ermittlungen einbringt und selbst ins Visier der Bande gerät.
Charaktere: Charlie Eppes, Don Eppes, Colby Granger, David Sinclair, Megan Reeves, Larry Fleinhardt, Amita Ramanujan, OCs
Pairing: Charlie/Amita (Pre-Ship)
Rating: PG-13
Spoiler: Keine
Setting: Zwischen Season 1 und 2 – Megan und Colby sind schon dabei, aber sie kennen Charlie noch nicht.
Warnungen: Gewalt, verbale Homophobie
Anmerkungen: Meine erste Numb3rs-Story. Es hat etwas gedauert, sie zu übersetzen, ich wollte aber die englische und die deutsche Version gleichzeitig auf meinem LJ veröffentlichen.
Feedback: Brauche ich wie Luft zum Atmen.
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Numb3rs und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Kapitel 2
Brute Force Masterlist

***
***


3.


“Die wissen, wer in dem Fall ermittelt“, sagte Don und beobachtete, wie Megan eine Plastiktüte aus ihrem Auto holte und die Banknote darin verschwinden ließ.

David nickte und steckte die Hände in seine Manteltaschen. “Du warst im Fernsehen, Don. Wenn auch nur kurz.“ Das Auto von Hank Gillion – dem Chef der Lagereinheiten - parkte neben dem Büro-Container.

Jason kam aus dem Büro. “Mein Chef“, sagte er und nickte zu dem Auto. Megan ließ die Banknote auf dem Fahrersitz liegen und schlug die Autotür zu. Hank stieg aus seinem alten, verbeulten Ford und blinzelte die vier Agents an. Er war in den 60ern, etwas übergewichtig, mit stechenden, grauen Augen.

“Haben Sie was gefunden?“

Don erwiderte das neugierige Lächeln nicht. Er winkte Megan, ihm zu folgen, ehe er auf das Verwaltungsbüro der Lagereinheiten zu schritt. “Wir würden Sie und Ihren Angestellten gerne im Büro sprechen, Mr. Gillion.“ Colby lehnte sich wartend an Megans Wagen, mit dem sie zusammen hergefahren waren, während David Charlie anrief, um ihn auf den neusten Stand zu bringen.

Hank blieb einen Moment verwirrt stehen, dann nickte er langsam. “Sicher“, antwortete er nervös. “Gehen wir rein.“

Der Container war klein, voll gestellt mit drei großen, überfüllten Aktenschränken, zwei Schreibtischen, einem Fernseher und einem Computer. Vier Metallstühle mit abgewetzten Sitzflächen aus Leder standen im Büro – zwei an den Schreibtischen für Hank und Jason und zwei an der Tür für Kunden.. Don und Megan blieben stehen, während Hank und Jason sich auf die Stühle an den Schreibtischen setzten. Don sagte ohne Umschweife: “Die wussten, dass wir kommen und haben ihre Lagereinheiten leer geräumt.“

Hank zog überrascht die Augenbrauen hoch, dann stand er hastig auf. “Von mir haben sie es nicht, Agent. Und von Jason sicher auch nicht. Oder?“ Jason schüttelte rasch den Kopf.

Megan antwortete streng: “Irgendwie haben sie es aber erfahren.“

Hank beteuerte panisch: “Nicht von uns.“ Er blickte zu Jason, der mit den Schultern zuckte und dann wieder zu den skeptischen Agents. “Das schwöre ich.“

***

Das einzige Geräusch im Konferenzraum des FBIs war das Quietschen des Filzstiftes, mit dem Charlie auf die weiß beschichtete Tafel schrieb. Don blieb einen Moment in der Tür stehen, überlegte, wie oft er in seiner Jugend in die Garage seines Elternhauses gekommen war und Charlie so auf eine Tafel konzentriert vorgefunden hatte und beschloss, dass er es nicht zählen konnte. Charlie hatte am Anfang, mit vier oder fünf Jahren, in Notizbücher geschrieben – Seiten voller Formeln und Gleichungen und Theorien. Ihre Mutter Margaret war auf die Idee gekommen, Charlie eine Tafel in die Garage zu stellen, als er anfing, die Notizzettel an die Wand zu heften, ehe er darauf schrieb. Don erinnerte sich noch genau an den Streit, den er mit seinen Eltern gehabt hatte, als fünf Tafeln später seine Tischtennisplatte in den kühlen Keller gestellt werden musste, um mehr Platz für die mathematische Kreativität seines Bruders zu schaffen. Nicht der erste Streit über Charlie und auch nicht der letzte.

Don seufzte, dann festigte er den Griff um die Kaffeetasse in seiner Hand und trat ein. “Was rechnest du?“

Charlie drehte sich erschrocken zu ihm um, dann lächelte er verlegen. “Ich habe an eine neue Herangehensweise gedacht. Ich benutze eine Mischung aus statistischer Analyse und Wahrscheinlichkeitsrechnung, um herauszufinden, wo sie als nächstes zuschlagen.“

“Hast du nicht gesagt, dass sie zufällig agieren? Dann kannst du doch überhaupt kein Muster erkennen.“

Charlie lächelte und antwortete: “Hier geht es nicht um Muster.“ Don ob fragend die Augenbrauen. “Bei Baseball-Spielen gibt es keine Muster“, erklärte Charlie. “Es hängt alles von der Performance der Spieler ab.“ Don nickte. “Trotzdem kann man mit Wahrscheinlichkeitsrechnung und statistischer Analyse errechnen, wer eventuell das nächste Spiel gewinnt.“

“Du kennst die Spieler und ihre Schwachstellen – damit rechnest du“, meinte Don verstehend.

Charlie nickte. “Hier arbeite ich mit Faktoren wie … Nähe zu einer großen Straße, über die man schnell verschwinden kann … ob sich das bisherige Vorgehen der Täter auf andere Banken übertragen lässt … wie sicher die Banken sind – gibt es Nachtwächter? – und wie viel zu holen ist …“ Don hob eine Hand und Charlie brach ab. Don rieb sich müde die Augen und stellte den Kaffee zur Seite. Er sollte nach Hause gehen, etwas essen und dann ins Bett. Und er sollte seinen Bruder nach Hause bringen, ehe ihr Vater sich darüber beschwerte, dass Charlie das Abendessen verpasste. Ein merkwürdiger Gedanke, wenn man bedachte, dass Charlie bald 31 wurde. Don glaubte manchmal, dass weder Charlie noch sein Vater das Haus loslassen konnten, in dem ihre Mutter und Ehefrau gestorben war. Alan war im letzten Jahr zwar fest entschlossen gewesen, das Haus zu verkaufen, aber Charlie hatte es gekauft, um es nicht verlassen zu müssen. Und Alan hatte nie wieder Umzugspläne erwähnt. Wenn Don ehrlich war, ließ er das Haus auch nicht los. Er lebte seit Jahren in seiner Wohnung und es standen noch immer unausgepackte Kartons im Gästezimmer. Er aß öfter bei seinem Vater und Bruder zu Abend als in seiner eigenen Wohnung.

Charlie zögerte einen Moment, dann meinte er leise: “David sagte, dass ihr eine Nachricht an dich gefunden habt.“ Don nickte. Charlie klang nun besorgt. “Vielleicht ist etwas persönliches … gegen dich gerichtet.“

“Glaube ich kaum. Die Nachricht war herausfordernd. Die halten sich für cleverer, als wir es sind und wollen uns das beweisen. Außerdem konnten sie nicht wissen, dass ich die Bankraube untersuchen werde. Wäre es etwas persönliches, hätten sie sich direkt an mich gewendet.“ Er gähnte und blickte dann durch die Glasfront des Konferenzraumes in das Großraumbüro, wo kaum noch Agents anwesend waren. “Wir sollten langsam nach Hause.“

Charlie sah auf die Uhr. “Ich wollte sowieso gerade gehen. Dad wartet mit dem Abendessen.“

“Was gibt es?“

“Steaks.“

Don klatschte in die Hände, wieder etwas wacher. Wach genug für die Steaks seines Vaters. “Ich bin dabei.“

***

Vier Uhr morgens und im unteren Stockwerk des Eppes-Hauses brannte Licht. Don schloss die Badezimmertür und überlegte, ob er nachsehen oder zurück ins Bett in seinem alten Kinderzimmer gehen sollte, dann zuckte er mit den Schultern und nahm die Treppe ins Erdgeschoss. Das Licht einer Ecklampe im Wohnzimmer erhellte die Sitzecke mit den Sesseln und der Couch und spiegelte sich im toten Bildschirm des Fernsehers. Die Lampe war neu. Charlie und Alan waren dabei, das alte, riesige Haus schrittweise zu renovieren oder neu einzurichten. Dabei achteten sie allerdings darauf, dass die neuen Möbel in die Holz- und Lederatmosphäre passten, die hier vorherrschte, seit die Familie das Haus bewohnte.

Charlie lag auf der Ledercouch, sein Laptop auf dem Bauch und schlief. Don verkniff sich ein Lachen und schüttelte stattdessen nur den Kopf. Er nahm den Computer von seinem gefährlichen Ruheplatz und stellte fest, dass der Bildschirmschoner noch nicht angesprungen war. Charlie konnte noch nicht lange eingeschlafen sein. “Lass, ich mache gleich weiter“, murmelte sein Bruder verschlafen und setzte sich auf.

“Du solltest schlafen gehen“, antwortete Don und stellte den Laptop auf dem Couchtisch ab.

“Nein. Unsinn. Es ist nur … dieses Projekt, an dem Larry arbeitet. Ich habe die letzten drei Nächte damit zugebracht, die Formeln zu schreiben, die er dafür braucht.“

Don fragte sich manchmal, warum Charlies Kollege seine Berechnungen nicht selbst machte. Eine Diskussion, die auch immer wieder zwischen Charlie und Amita aufflammte.

Charlie schien Gedanken lesen zu können. “Er ist ein genialer Physiker, aber seine Rechenwege … er ist sich unsicher mit ihnen.“

Don klappte den Computer zu. “Du solltest wirklich schlafen.“ Er blickte Charlie mit in die Hüften gestemmten Händen an.

Sein Bruder gähnte und fuhr sich durch die dunklen Haare, dann stand er auf. “Du hast Recht.“ Er zog sein Handy aus der Jeanstasche und warf einen Blick darauf. “Amita hat eine SMS geschrieben – vor zehn Minuten.“ Don verdrehte die Augen. Sollten Charlie und Amita jemals ein Paar werden und eine Familie gründen, wären ihre Kinder nachtaktiv, Workaholics und gefährlich intelligent. Dann konnte Don nur hoffen, dass sie auf der Seite des Gesetzes standen. Charlie las die Mitteilung durch und blickte dann zu Don auf. “Sie will morgen mit mir ins FBI kommen und mit dir reden. Scheinbar weiß sie, zu welchen Dateien der Hacker Zugriff hatte.“

“Gut“, nickte Don.

***

“Hey, Professor!“, rief Colby und stand von seinem Schreibtisch auf. Er kam Charlie und Amita entgegen, die mit Papieren, Karten und Laptops bewaffnet auf den Konferenzraum zustrebten. Er blieb vor den beiden stehen und nahm Amita ihren Laptop aus der Hand. “Hallo“, lächelte er.

Sie grinste ihn an. “Hi.“

Charlie räusperte sich laut und Colby wandte ihm den Blick zu, ein ertappter Ausdruck auf seinem Gesicht. “Ich wollte mich bei Ihnen entschuldigen, wegen gestern. Sie hatten vollkommen Recht mit den Lagereinheiten.“

Charlie zuckte mit den Schultern. “Halb so schlimm. Sie waren nicht der erste und bei weitem auch nicht der kritischste Skeptiker, mit dem ich es zu tun hatte.“

Colby stieß erleichtert die Luft aus. “Gut, Professor, ich wollte nur … es war nichts Persönliches.“

Charlie nickte verstehend. “Nennen Sie mich Charlie.“

Der Agent lächelte. “Colby.“

Charlie fuhr fort: “Das ist meine Kollegin Amita Ramanujan.“ Colby wandte den Blick wieder der hübschen jungen Frau zu.

Er grinste charmant: “Amita.“ Sie lächelte zurück. Charlie runzelte die Stirn.

Don brach das angespannte Schweigen, indem er seinem jüngeren Kollegen eine Hand auf die Schulter legte und ihn Richtung Konferenzraum steuerte. “Denk nicht mal dran. Sie ist viel cleverer als du.“ Charlie blickte Colby finster nach, während Amita sich an Don wandte.

Sie nickte zum Konferenzraum. “Da drin?“ Don lächelte ihr mit einem Kopfnicken zu und Amita ging, um sich vorzubereiten. Don legte eine Hand auf Charlies Schulter und folgte ihr mit seinem Bruder etwas langsamer.

Sobald sie außer Hörweite war, meinte er: “Du solltest langsam was tun, Charlie. Solche Frauen bleiben nicht lange Single.“

Charlie schüttelte überfordert den Kopf. “Ich weiß. Ich … weiß.“

“Du hast Glück“, fuhr Don fort, als sie fast am Ziel waren. “Sie steht wirklich auf dich.“ Ohne Charlie die Möglichkeit zu einer Antwort zu geben, gesellte er sich zu Amita und seinem Team. Charlie folgte ihm seufzend.

***

Amita verschränkte die Arme und erklärte: “Also habe ich raus gefunden, dass er zuerst einen Vulnerability Scanner verwendet hat. Damit untersucht man Computer und Systeme auf Schwachstellen, über die man eindringen kann. Dann hat er sich eingehackt, womit er Zugriff auf interne E-Mails, Daten und das Kamerasystem bekam. Mit einem Sniffer war er in der Lage, das Passwort für die Eingänge herauszufinden. Außerdem das zum Safe. Als sie den Einbruch verübt haben, ist er wieder ins System eingedrungen und hat die Kameras ausgeschaltet. Sie gingen rein, sie stahlen, sie kamen raus.“ Amita zuckte mit den Schultern. “Kleinigkeit.“ Colby wollte nicht zugeben, dass er nur die Hälfte von dem verstanden hatte, was die junge Frau erklärt hatte, also schwieg er.

David lehnte sich mit einem Arm auf den Tisch, um seinen Kopf darauf zu stützen. “Woher wussten, sie, welche Schließfächer sie ausräumen wollten? Sie haben nur die der reichsten Kunden genommen.“

Amita nickte. “Die Schließfachbelegungen wurden wahrscheinlich mit den Kontoständen der Kunden verglichen. Ich habe das auch getan. Sie haben die Schließfächer der Leute ausgeraubt, deren Kontostände bei über 20.000 Dollar lagen. Prominente, Manager … Firmengründer. Persönlichkeiten, die in den Wirtschafts- und Boulevardblättern zu recherchieren sind“, antwortete Amita.

Colby ergänzte: “Je reicher der Kunde desto höher die Chance auf wertvollen Schmuck und ähnliches.“

Don fragte: “Und hat der Hacker jetzt so einen … virtuellen Fingerabdruck hinterlassen?“ Amita seufzte und blickte zu Charlie, der ihr zunickte.

Sie gab zu: “Er ist gut … verdammt gut. Besser als ich. Er hat einen Rootkit verwendet. Damit verwischen Hacker ihre Spuren. Und seiner ist besonders gut.“

Megan zog nachdenklich die Stirn in Falten: “So jemand ist doch sicher schon mal im Zusammenhang mit einem Gesetzesverstoß aufgefallen. Hacker nehmen sich doch nicht gleich als erstes eine Bank vor. Sie testen ihre Fähigkeiten und steigern sie.“

Don antwortete: “Sollte man meinen. Aber wir haben keinen Hinweis auf die Identität des Hackers, richtig?“ Amita schüttelte den Kopf. “Es wird wie viele in Amerika geben … Tausende? Das bringt uns nicht weiter.“ Fertig mit ihrem Teil der Erklärung setzte Amita sich.

Charlie stand auf. “Ich bin sämtliche Banken in L.A. durchgegangen und habe errechnet, welche das nächste Zeil der Räuber sein könnte. Ich habe eine Liste der Banken erstellt und wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass dort als nächstes eingebrochen wird. Die Bank of America auf dem Jefferson Boulevard hat den höchsten Wert erhalten. Und sie werden bald zuschlagen. Allerdings konnte ich nicht genau errechnen wann, dafür haben sie zu unregelmäßig gehandelt.“

David fragte: “Wie wäre es, wenn wir Charlies Top Drei überwachen?“

Megan nickte. “Das hört sich gut an.“

Don stand auf. “So machen wir’s.“

***

Don behielt den nächtlichen Ocean Front Walk vor der Pinnacle Investment Bank wachsam im Auge, während er seinen Begleiter fragte: “Also, du und Amita?“ Er konnte sich ohne Probleme auf seine Umgebung und die Straße konzentrieren. Das war ihm während seinen Tagen bei der Fugitive Recovery in Fleisch und Blut übergegangen. Er mochte den Job gehasst haben, aber er hatte eine Menge gelernt.

Charlie warf ihm einen verärgerten Blick zu. “Darüber will ich jetzt wirklich nicht reden.“

“Mir ist langweilig. Du wolltest unbedingt mit. Und es interessiert mich.“

Charlie verdrehte die Augen. “Ich will aber nicht drüber reden.“

“Du hast Angst, sie anzusprechen“, folgerte Don.

“Und wenn?“, fragte Charlie trotzig. Don beobachtete einen Mann und eine Frau, die vor der Bank stehen blieben. Sie verabschiedeten sich mit einem Kuss und der Mann ging weiter, während die Frau ein Taxi anhielt und davon fuhr.

“Du weißt, Dad wartet auf Enkel.“

“Warum beschaffst du ihm nicht welche?“, fragte Charlie. Don lachte. Dann stieß er gelangweilt die Luft aus und sah auf die Uhr. Es wurde allmählich spät und nur noch wenige Menschen gingen an der Bank vorbei. Dons Wagen stand auf der gegenüberliegenden Straßenseite, außerhalb des Lichtkegels einer Straßenlaterne, die beiden Insassen verdeckt vom Schatten überhängender Äste der Palmen, die den Bürgersteig von der Straße trennten. Vereinzelte Jogger liefen Richtung Küste, Paare gingen an ihnen vorbei. In regelmäßigen Abständen leuchteten Straßenlaternen, aber es gab noch immer genügend Verstecke zwischen den Autos, im Schatten der Palmen und Häuser. Es war drei Stunden her, dass Don und Charlie Colby und David abgelöst hatten. Die beiden Agents würden am nächsten Morgen wieder kommen und die Brüder von ihrer Schicht erlösen. Megan hatte die Aufgabe, in der Zentrale zu bleiben und die Überwachungsteams vor den drei Banken zu koordinieren sowie auffällige Beobachtungen weiterzugeben. Charlie verschränkte die Arme und drückte sich in den Beifahrersitz. “Es wird kalt.“

“Ja“, antwortete Don. “Keine Standheizung. Wir dürfen nicht auffallen.“ Charlie verzog missmutig das Gesicht. Don lächelte. “Nur halb so spannend, wie du es dir vorgestellt hast, oder?“

Charlie zuckte mit den Schultern. “Hat mich nur interessiert, wie du arbeitest“, antwortete er.

Don lehnte sich zur Rückbank und zog eine der Decken von dort nach vorne. “Hier“, meinte er und reichte sie an seinen Bruder. “Ich habe auch heißen Kaffee und Sandwichs. Alles, was man braucht.“

“Wow“, antwortete Charlie und breitete die Decke über sich aus, “du machst das wirklich oft, nicht wahr?“

“Als ich in der Fugitive Recovery war, war das so ziemlich alles, was ich getan habe.“

Charlie nickte verstehend.

***

Justin Finchley blieb neben dem großen, geliehenen Jeep stehen, in dem Connor Hill saß und stieg auf der Beifahrerseite ein. Er war noch etwas außer Atem von seinem Jogging-Rundgang auf dem Ocean Front Walk und wischte sich mit dem Ärmel des Sweatshirts, das er mit der Trainingshose trug, über die verschwitzte Stirn. “Zwei“, keuchte er schließlich. “Es ist tatsächlich Eppes, der Typ aus dem Fernsehen“, fuhr er dann etwas ruhiger fort und akzeptierte die Wasserflasche, die Connor ihm reichte. “Sonst scheinen keine Agents in der Nähe zu sein.“

Connor blickte nachdenklich nach draußen. “Wer ist bei ihm? Colby, Reeves oder Sinclair?“

“Keiner von ihnen.“

Connor wirkte überrascht. Dann drehte er sich zur Rückbank um, wo Kenny Jacobson mit dem Laptop auf dem Schoß saß.

Connor fragte: “Hast du jemanden übersehen?“

Kenny schüttelte sofort den Kopf. “Nein. Eppes Team besteht aus Colby, Reeves und Sinclair. Sonst niemandem.“ Er drehte den Laptop in Richtung der beiden älteren Männer und deutete auf die Benutzeroberfläche der internen FBI-Datenbank. “Sieh selbst nach.“

Connor winkte ab. “Nicht nötig.“ Er vertraute darauf, dass der Kleine die Wahrheit sagte. Kenny war erst 22, aber ein gerissener Hacker. Es war so gut wie unmöglich, dass er etwas übersah. Connor dachte einen Augenblick nach, behielt das Auto des FBI-Agents ein paar Wagen vor ihnen im Auge. “Ein Agent von einem anderen Team“, überlegte er.

Justin lachte. “Der sah nicht aus wie ein Agent, wenn du mich fragst. Längere Haare, schmal, nicht gerade sportlich. Eine Schwuchtel, wenn du mich fragst.“ Kenny zuckte auf der hinteren Bank zusammen und senkte den Blick.

Connor wirkte einen Augenblick nachdenklich. “Was ist mit zivilen Beratern?“, fragte er dann. “So etwas hat das FBI.“ Kenny tippte bereits auf die Tastatur seines Laptops. Es dauerte nur eine halbe Minute, dann reichte der junge Mann den Laptop nach vorne zu Justin. Justin und Connor gingen eine Akte nach der anderen durch. Justin achtete auf die Bilder, bei manchen stockte er, aber er schien den Mann nicht zu finden.

Dann ging er plötzlich drei Akteneinträge zurück. “Er“, sagte er fest und deutete auf das Foto.

Connor warf einen Blick auf den Namen und lächelte böse. “Charles Eppes. Na, wenn das kein Zufall ist.“

Justin war fassungslos. “Der Kerl ist sein Bruder?“

Connor antwortete: “Sieht ganz so aus.“ Er nahm den Laptop auf den Schoß und las sich in Charlies Akte ein. “Interessant“, murmelte er.

“Was?“, fragte Kenny neugierig und rutschte nach vorne, versuchte, über Connors Schulter einen Blick auf den Bildschirm zu bekommen. Die Fransen seines braunen Haare fielen ihm in die Stirn und er wischte sie ärgerlich beiseite. Er musste demnächst zum Friseur.

“Mathematiker“, antwortete Connor nachdenklich, “Hat schon eine Menge fürs FBI gemacht.“

Justin schnaubte. “Na und?“

Connor warf ihm einen ärgerlichen Seitenblick zu, dann meinte er: “Nichts.“

Justin verengte misstrauisch die braunen Augen. “Irgendwas ist doch.“

“Frag nicht“, antwortete Connor. “Ich fand es nur interessant.“

Kapitel 4
Brute Force Masterlist

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