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Brute Force 8/14

Worte: 45.503
Inhalt: Banken in L.A. werden scheinbar wahllos ausgeraubt. Die Räuber sind dem FBI immer einen Schritt voraus - bis Charlie sich in die Ermittlungen einbringt und selbst ins Visier der Bande gerät.
Charaktere: Charlie Eppes, Don Eppes, Colby Granger, David Sinclair, Megan Reeves, Larry Fleinhardt, Amita Ramanujan, OCs
Pairing: Charlie/Amita (Pre-Ship)
Rating: PG-13
Spoiler: Keine
Setting: Zwischen Season 1 und 2 – Megan und Colby sind schon dabei, aber sie kennen Charlie noch nicht.
Warnungen: Gewalt, verbale Homophobie
Anmerkungen: Meine erste Numb3rs-Story. Es hat etwas gedauert, sie zu übersetzen, ich wollte aber die englische und die deutsche Version gleichzeitig auf meinem LJ veröffentlichen.
Feedback: Brauche ich wie Luft zum Atmen.
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Numb3rs und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Kapitel 7
Brute Force Masterlist

***
***


8.


Larry beobachtete seinen jüngeren Freund einige Minuten still von der Tür aus. Es war dämmrig in Charlies Büro, die Vorhänge waren zugezogen und ließen nur genug Sonnenlicht hinein, um die Möbel erkennen zu können. Zusätzliches Licht kam von der Schreibtischlampe und einer Stehlampe in der Ecke. Larry klopfte leise an den Türrahmen und trat ein. Charlie wandte sich von der Tafel um, kniff die Augen zusammen, als hätte er Schmerzen und rieb sich die Stirn. “Hey, Larry!“, sagte er. Larry stellte das Tablett in seinen Händen ab, auf dem sich Sandwichs und Saft für Charlie sowie Milchreis und Milch für Larry befanden. Charlie drehte sich wieder zur Tafel um und Larry trat neben ihn, warf einen geübten Blick auf die Formen. Er kannte Charlies Arbeitsweise besser als jeder andere. Sie hatte sich nicht sehr geändert, seit er seinen Freund kennen gelernt hatte. Trotzdem erstaunte es Larry immer wieder, wie schnell Charlie die Welt um sich herum in Zahlen umwandeln konnte.

So war es gewesen, seit er Charlie das erste mal beim Arbeiten beobachtet hatte – spät abends in Larrys Büro in Princeton. Er erinnerte sich noch daran, wie Maggie Eppes in einem Lehnstuhl in der Ecke gesessen und gelesen hatte, während der 14-Jährige Larry erklärt hatte, wo der Dozent aus einem seiner Kurse einen Fehler in seinen Berechnungen gemacht hatte.

“Charles, gehe ich recht in der Annahme, dass diese Berechnungen für Dons aktuellen Fall sind?“

Charlie kniff wieder die Augen zusammen. “Ja.“ Er schloss die Augen, rieb sich mit einer Hand die Stirn und begann dann, seine Schläfe zu massieren. Larry erkannte heftige Kopfschmerzen, wenn er sie sah. Er öffnete die oberste Schublade in Charlies Schreibtisch und hielt ihm die Dose Aspirin hin. “Hab schon drei genommen“, antwortete Charlie. “Ich nehme was stärkeres, sobald ich zu Hause bin. Aber ich kann mir das vor der Sprechstunde nicht leisten.“

Larry stellte die Tabletten auf den Schreibtisch. “Charles, du solltest nicht arbeiten.“ Er runzelte die Stirn, deutete auf eine Gleichung und fragte dann: “Versuchst du hier etwa Heisenberg zu umgehen?“

“Ich spekuliere, wie die Täter sich verhalten. Sie haben jetzt all ihre Karten offen gelegt – das FBI weiß, dass sie den Funkverkehr stören können, dass sie schwer bewaffnet sind und wie sie bewaffnet sind - und sie haben einen Mann an das FBI verloren. Sie wissen, dass sie im Fokus der Aufmerksamkeit stehen, dass das FBI ihnen auf die Schliche gekommen ist und ich muss herausfinden, wo sie als nächstes zuschlagen.“

Larry schüttelte missbilligend den Kopf. “Ich dachte, ich habe dir bereits gesagt, dass es Dinge gibt, die auch die Mathematik nicht lösen kann.“

“Ich muss raten, ich weiß.“

“Raten ist nicht gut“, antwortete Larry.

“Das ist mir klar“, seufzte Charlie. Er legte die Kreide hin und setzte sich. “Und deshalb gehe ich von mehreren Ausgangssituationen aus. Beruhigend ist, dass der Typ, den das FBI gefasst hat, scheinbar nicht der Anführer der Truppe ist.“ Larry begann, seinen Milchreis zu löffeln, hielt aber inne, als Charlie sprach.

“Inwiefern beruhigt dich das?“

“Das bedeutet, dass die Struktur der Gruppe weitestgehend bestehen bleibt und auch -“

“Ihre Taktik“, nickte Larry verstehend. “Nur ein paar kleine Änderungen werden sie vornehmen.“

“Es ist, als müsste eine Firma die Hälfte ihrer Angestellten entlassen, mit weniger Geld auskommen und die Auftragsbücher wären fast leer. Bleibt der Chef derselbe, so wird er Änderungen vornehmen, um die Situation zu verbessern. Aber die tragen noch immer seine Handschrift, denn jeder Mensch führt eine Firma anders. Manche werden Kredite aufnehmen und in Werbung investieren, andere werden abwarten und solange Ressourcen sparen.“

“Megan hat dir ein Profil des Anführers erstellt, nehme ich an?“, meinte Larry.

Charlie nickte. “Ja. Es ist sehr knapp, aber sie geht von einer starken Führungspersönlichkeit aus. Sehr organisiert. Clever. Sie hat auch die Gruppe im Allgemeinen eingeschätzt. Wir haben keine Video-Aufzeichnungen aus den Banken, die Safes sind extrem gekonnt geöffnet worden und die Täter wussten, in welchen Schließfächern was zu holen ist. Also nimmt sie an, dass er eine sehr gut ausgebildete Gruppe um sich geschart hat. Ich habe festgestellt, dass zwischen den Überfällen kein Muster zu erkennen ist. Sie überfallen eine Bank, wenn sie bereit dazu sind. Das macht sie unberechenbar, aber überlegt. Anhand des Profils kann ich schätzen, wie die Täter auf die veränderten Umstände reagieren und Don mehrere Listen mit den nächsten wahrscheinlichen Zielen vorlegen.“

“Nicht viel besser als raten“, meinte Larry.

“Ja“, antwortete Charlie schulterzuckend. “Mehr nicht.“

***

Dons Handy klingelte, als er mit Megan eine Pause machte. Seine Augen schmerzten von den Aktenbergen, durch die sie sich gekämpft hatten, auf der Suche nach Bankräubern und Hackern, die erst kürzlich entlassen worden und fähig waren, die Überfälle zu begehen. Er blickte auf die ID und hob besorgt ab. “Dad, was gibt’s denn?“

“Ich muss dich um einen Gefallen bitten. Kannst du Charlie vielleicht bei der CalSci abholen und nach Hause bringen? Ich würde Larry fragen, weiß aber, dass er um diese Zeit immer eine Vorlesung hält. Ich hatte eine Autopanne und werde wohl noch eine Weile hier in der Werkstatt warten müssen.“

Don runzelte die Stirn. “Was soll das heißen? Ist Charlie etwa wieder arbeiten gegangen?“

“Nein. Er wollte nur seine Sprechstunde nicht versäumen.“

Don stieß genervt die Luft aus. “Er weiß echt nicht, wann man mal loslassen muss.“

“Ja, an wen erinnert dich das?“, fragte Alan und Don schüttelte lächelnd den Kopf. Er konnte … leicht besessen werden, wenn ihn ein Fall sehr beschäftigte.

Das musste er zugeben. “Ich hole ihn. Soll ich dich in der Werkstatt aufsammeln?“

“Nein, nein. Die meinten, es ist nur eine Kleinigkeit. Sie reparieren es gerade. Das dauert aber noch mindestens eine Stunde. Ich warte einfach hier.“

“In Ordnung, Dad.“ Don legte auf. “Ich muss für eine halbe Stunde weg.“

Megan lächelte wissend. “Kann der Professor es nicht lassen?“

Don lachte. “Sieht ganz so aus.“

***

“Also, wenn Sie sich die Unterlagen der letzten Vorlesungen noch einmal genau ansehen, dürften Sie keine Probleme mit der Prüfung haben“, erklärte Charlie und öffnete für die junge Studentin an seiner Seite die Bürotür. “Sie machen sich völlig umsonst Sorgen. Ich hatte bisher den Eindruck, dass Sie den Stoff sehr gut verstehen. Sollten Sie trotzdem Probleme haben, können Sie jederzeit eine E-Mail schreiben.“

Sie lächelte. “Danke, Professor.“ Als sie ging, warf Charlie einen Blick in den Korridor vor seiner Tür. Keine weiteren Studenten warteten dort auf seinen Rat, also kehrte er in sein Büro zurück und ließ die Tür geöffnet, ehe er sich an seinen Schreibtisch setzte. Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass sein Vater eigentlich schon da sein sollte. Seine Sprechstunde hatte vor zehn Minuten geendet. Er begann, seine Unterlagen zu ordnen und einige davon in seine Tasche zu schieben, um sie in den nächsten Tagen zu Hause zu studieren. Nachdem die Kopfschmerzen in der Sprechstunde weiter schlimmer geworden waren, musste er zugeben, dass er einfach noch nicht fit genug für den Alltag war. So wollte er die nächsten Tage den Rat des Arztes befolgen und zu Hause bleiben. Wenigstens blieben die Übelkeit und das Schwindelgefühl verschwunden. Charlie stand auf und blickte nachdenklich auf die Berechnungen für Dons Fall. Er hatte zwar bereits die Ergebnisse für seinen Bruder notiert, aber da sein Vater sich scheinbar verspätete, konnte er sich die Gleichungen auch noch einmal ansehen.

Ihm fiel eine Möglichkeit ein, die Rechnung zu verbessern. Stirnrunzelnd griff Charlie zum Schwamm und entfernte die Gleichungen, dann nahm er Kreide zur Hand und verbrachte die nächsten Minuten damit, die Berechnungen zu verbessern. Für die Mittagszeit war es erstaunlich ruhig auf den Korridoren vor Charlies Tür. Vom Hof vor dem Fenster konnte er die Stimmen der Studenten hören, die ihre Mittagspause trotz der Kälte und des Regens draußen verbrachten. Er blendete die Geräusche gewohnheitsmäßig aus, bis er nur noch das Kratzen der Kreide hörte. Diese Angewohnheit hatte seinen Vater während Charlies Jugend zur Verzweiflung getrieben. Er hörte nichts, wenn er sich wirklich konzentrierte, nicht mal, wie jemand seinen Namen rief.

Schließlich zog er einen Doppelstrich unter sein neues Ergebnis. Er trat einen Schritt zurück und musterte den Rechenweg noch einmal aus der Entfernung. “Hm“, machte er. In dem Moment, in dem er sich umdrehen wollte, um die Ergebnisse auch auf der Zusammenfassung für Don zu korrigieren, merkte er, dass er nicht mehr alleine war. Er starrte auf die Tafel, wusste instinktiv, dass weder sein Vater, noch Freunde oder Studenten hinter ihm standen. Der Lauf einer Waffe presste sich in seinen Rücken.

“Ich persönlich hatte ja immer miese Noten in Mathematik“, sagte ein Mann. Charlie schloss die Augen, wagte nicht, sich zu bewegen. Er wünschte nur, dass sein Vater jetzt nicht vorbei kam. “Hier ist der Deal, Professor. Sie nehmen Ihre Tasche und begleiten mich zu meinem Wagen, ohne mit jemandem zu reden, ohne jemanden auch nur anzusehen. Im Gegenzug werde ich Sie nicht verletzen.“ Charlie schluckte hart. Die Waffe drückte sich fester in seinen Rücken. “Haben wir uns verstanden?“ Charlie nickte langsam. “Gut.“ Der Mann ergriff seinen Oberarm und nahm die Waffe weg, ehe er Charlie zu sich umdrehte. Charlie blickte zu ihm auf, versuchte, sich so viel wie möglich einzuprägen. Er war größer als Charlie, sogar größer als Don. Er musste um die 50 sein, mit kurzen, blonden Haaren, die von grauen Strähnen durchzogen waren, und blauen Augen. Er trug eine Lederjacke, die nicht verbarg, dass er gut durchtrainiert war. Mit einer Hand hielt er weiterhin Charlies Oberarm, während die andere mit der Beretta sich in eine der großen Jackentaschen schob.

Das Leder war alt und weich, teilweise schon ziemlich ausgebeult. Niemand würde eine Waffe in der Hand des Mannes vermuten. “Ihre Tasche“, sagte er und stieß Charlie Richtung Schreibtisch. Charlie griff nach dem Träger der Tasche, dann sah er sein Handy auf der Tischplatte liegen. Möglichst beiläufig griff er danach, während er die Tasche über seine Schulter hängte. Der Mann lachte amüsiert und nahm ihm das Handy aus der Hand, legte es zurück auf den Schreibtisch. “Diese Dinger kann man orten. Es sollte lieber hier bleiben, meinen Sie nicht auch?“ Er schob Charlie Richtung Tür.

“Was wollen Sie?“, fragte er atemlos.

“Nur ein paar Antworten“, meinte der Mann. Sie betraten den Korridor und sein Entführer ließ Charlie los, legte jedoch einen Kumpelhaften Arm um seine Schultern. Sie gingen nicht auf die Haupttreppe Richtung Erdgeschoss zu, sondern in die andere Richtung – zum Notausgang am anderen Ende des Flures. Niemand kam ihnen entgegen die Bürotüren von Charlies Kollegen waren geschlossen, die meisten Büros um die Mittagszeit nicht mal besetzt. Er wusste nicht, ob es ihm nicht sogar lieber war, dass niemand sie sah. Er wollte nicht riskieren, jemand anderen in diese Situation hineinzuziehen.

“Charlie? Warte mal. Wo willst du hin?“

Charlie wollte stehen bleiben und seinen Bruder warnen, aber der Mann zog ihn weiter.

Don klang alarmiert, als er erneut rief: “Charlie!“ Charlie konnte sich lebhaft vorstellen, wie sich der Griff des Mannes um seine Waffe festigte.

Er konnte nicht schweigen. “Don, Waffe!“ Schneller als Charlie reagieren konnte, hatte der Mann neben ihm ihn quer über den Brustkorb gepackt und wirbelte sie zu Don herum, die Waffe im Anschlag und Charlie als lebendes Schutzschild vor seinem Körper. Charlies Tasche rutschte ihm von der Schulter und schlug dumpf auf dem Boden auf. Don hatte die Tür zu einem nahen Büro aufgerissen und stand unter dem schützenden Türrahmen, die Waffe auf den Mann gerichtet, der Charlie an sich drückte und rückwärts weiter auf den Notausgang zustrebte.

Don verfluchte, dass er keinen direkten Draht zu irgendeiner Art von Verstärkung hatte. “FBI! Lassen Sie die Waffe fallen.“ Die Tür zu Dr. Jennings Büro öffnete sich.

Er fragte verwirrt: “Was ist denn hier los?“ Dann sah er Dons Waffe, wurde blass und ging in sein Büro zurück.

Don hielt mit der freien Hand seine Marke kurz hoch, ließ die Augen nicht von Charlie und dem Mann hinter ihm. “FBI. Rufen Sie die Polizei. Sagen Sie denen, sie sollen diesen Notausgang umstellen.“ Er widmete seine volle Aufmerksamkeit wieder Charlies Entführer. “FBI! Sie sollen die Waffe fallen lassen.“ Sie waren bald am Notausgang. Charlie wusste, dass seine Chancen schlecht standen, wenn sie es bis dahin schafften. Also ließ er sich fallen, in der Hoffnung, dass sich sein Entführer nicht von zusätzlichem Gewicht aufhalten lassen wollte. Der Mann ließ einen überraschten Laut hören, ehe er leise fluchte.

Sein Griff um Charlie festigte sich, er presste ihn an sich, und zerrte ihn weiter. “Steh auf“, zischte er. Sirenen waren in der Entfernung zu hören. Der Mann fluchte leise, dann stieß er ein Knie in Charlies Rücken und schleuderte ihn nach vorne. Aus Dons Waffe löste sich ein Schuss und Charlie hob die Arme über den Kopf, blieb auf dem Boden liegen und hoffte, dass Don getroffen hatte. Die Tür zum Notausgang fiel zu und bestätigte, dass dies nicht der Fall war.

“Verdammt“, fluchte Don. Er eilte zu seinem jüngeren Bruder und hockte sich neben ihn, versuchte, irgendwelche Verletzungen zu finden. “Charlie, bist du verletzt?“

“Ich bin okay“, antwortete er und setzte sich auf. Er schlug Dons Hände weg. “Mach schon. Lauf ihm nach.“ Don schien zu zögern. “Ich bin okay. Geh schon.“ Don nickte knapp und eilte zum Notausgang. Als er durch die Tür verschwunden war, ließ Charlie sich an die Wand des Flures fallen und rieb sich die Stirn.

“Charlie, bist du in Ordnung?“

Er blickte zu Dr. Jennings auf und nickte. “Alles klar, Carl. Danke.“

Jennings ging neben ihm in die Hocke und blickte zum Notausgang. “Was zum Teufel war das?“

“Ich bin mir nicht sicher“, antwortete Charlie.

***

“Don“, sagte Megan eine halbe Stunde später in der FBI-Zentrale und reichte ihm eine Tasse Kaffee. Er riss sich aus seinen Gedanken und wandte den Blick von Charlie ab, der im Konferenzraum gemeinsam mit einem Zeichner ein Phantombild erstellte. Sein Bruder wirkte müde und er rieb sich ständig die Stirn oder die Schläfen und Don wusste, dass er gewaltige Kopfschmerzen haben musste. “Sie konnten ihn nicht finden“, erklärte Megan und Don stieß frustriert die Luft aus.

“Hab ich mir fast schon gedacht. Er war gut vorbereitet. Wollte Charlie aus dem Notausgang schleusen, anstatt ihn über den Campus zu führen.“ Er beobachtete wieder seinen Bruder, sah David, der Charlie einen Kaffee brachte und sich dann unauffällig, aber wachsam in eine Ecke des Konferenzraumes stellte.

Auch Megan blickte zu Charlie. “Hat das was mit dem aktuellen Fall zu tun? Was denkst du?“

Don zuckte mit den Schultern. “Kann sein. Kann aber auch irgendein Verbrecher sein, der Charlies Talente ausnutzen will.“

Megan ergänzte vorsichtig. “Es könnte auch jemand sein, der es auf dich abgesehen hat.“

Don wurde übel bei dem Gedanken, aber er zwang sich zu einem Nicken. “Auch möglich. Ich habe für alle Fälle Colby nach Hause zu Dad geschickt.“

Megan sah ihrem Vorgesetzten an, dass er extrem besorgt war und fragte sanft: “Was wirst du jetzt tun?“

Don nippte an seinem Kaffee. “Meine Familie beschützen.“

***

Colby öffnete die Haustür der Eppes, als Don mit Charlie auf das Haus zukam. Der junge Agent klärte Don auf, während sie das Haus betraten: “Niemand zu sehen. Kein verdächtiger Wagen, keine verdächtigen Personen, nichts … wirkt ganz so, als wäre dein Vater nicht das Ziel.“ Don schloss die Haustür.

Alan kam aus der Küche zu ihnen. “Gott sei Dank ist euch nichts passiert“, sagte er nervös und starrte Don fassungslos an. “Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn ich ihn abgeholt hätte.“

Don wollte sich das ebenfalls nicht ausmalen und sagte stattdessen: “Charlie, du solltest dich etwas hinlegen. Und ich meine hinlegen.“ Der antwortende Blick seines Bruder war leicht genervt, aber auch erschöpft, weshalb er wohl nichts weiter zu dem Thema sagte und sich auf den Weg nach oben machte. Don wandte sich an seinen Vater. “Er hat ziemliche Kopfschmerzen. Und die ganze Sache hat ihn etwas mitgenommen.“

Alan antwortete: “Ich bringe ihm gleich ein Sandwich hoch, damit er seine Tabletten nehmen kann.“ Er nickte Don noch einmal zu und folgte seinem Jüngsten nach oben. Don vermutete, dass Alan Charlie erst einmal beruhigen wollte. Möglicherweise auch sich selbst.

Don seufzte und wandte sich an seinen Kollegen. “Colby, ich muss zurück ins Büro und einige Dinge mit David organisieren. Megan wird in etwa einer halben Stunde kommen, um dich abzulösen.“

Colby hob überrascht die Augenbrauen und fuhr sich durch die dunkelblonden Haare. “Ich kann heute Nacht auch hier bleiben, Don. Das ist kein Problem für mich, ehrlich.“

“Nein, du fährst nach Hause und schläfst dich aus. Ich will, dass du gleich morgen früh gemeinsam mit David und Charlie aus der Stadt verschwindest.“

Colby verschränkte die Arme. “In ein sicheres Haus?“, fragte er.

Don schüttelte den Kopf. “Ich werde das heute noch genauer mit David besprechen, aber ihr solltet euch ein Motel suchen.“

“Ein Motel“, wiederholte Colby verwirrt. “Ein sicheres Haus wäre die bessere Wahl, denkst du nicht?“

Don massierte sich frustriert den Nacken. “Merrick will mir keins zuteilen. Er denkt, dass es ausreicht, wenn wir Charlie bewachen. Er glaubt, ich bin zu persönlich involviert. Ich konnte nicht mit ihm darüber streiten. Er hätte Charlies Schutz sonst jemand anderem übertragen.“

“Ich nehme also an, er weiß nicht von deinem Plan“, antwortete Colby.

“Nicht direkt. Er weiß, dass ich dich und David damit beauftrage, auf Charlie zu achten. Wo ihr das macht, kann ihm egal sein. Aber mir wäre es lieber, wenn er sich außerhalb seines gewohnten Umfeldes befindet. Dort ist er schwerer zu finden.“

“Was ist mit deinem Dad?“, fragte Colby.

Don seufzte. “Der Entführer sagte zu Charlie, dass er Antworten will. Ich gehe also davon aus, dass es ihm explizit um ihn ging. Zur Sicherheit wird Dad morgen für ein paar Tage in meine Wohnung umsiedeln. Die ist klein und es ist schwerer, sich unauffällig hinein zu schleichen. Ich habe eine neugierige Nachbarin mit einem sehr gereizten Hund. Der bellt sofort, wenn jemand im Flur ist.“

Colby warf einen Blick die Treppe hinauf und verzog das Gesicht. “Wird Charlie das alles gefallen?“

Don lachte humorlos. “Und wenn ihr ihn fesseln und knebeln müsst – morgen verschwindet er hier.“

Kapitel 9
Brute Force Masterlist

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