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Brute Force 13/14

Worte: 45.503
Inhalt: Banken in L.A. werden scheinbar wahllos ausgeraubt. Die Räuber sind dem FBI immer einen Schritt voraus - bis Charlie sich in die Ermittlungen einbringt und selbst ins Visier der Bande gerät.
Charaktere: Charlie Eppes, Don Eppes, Colby Granger, David Sinclair, Megan Reeves, Larry Fleinhardt, Amita Ramanujan, OCs
Pairing: Charlie/Amita (Pre-Ship)
Rating: PG-13
Spoiler: Keine
Setting: Zwischen Season 1 und 2 – Megan und Colby sind schon dabei, aber sie kennen Charlie noch nicht.
Warnungen: Gewalt, verbale Homophobie
Anmerkungen: Meine erste Numb3rs-Story. Es hat etwas gedauert, sie zu übersetzen, ich wollte aber die englische und die deutsche Version gleichzeitig auf meinem LJ veröffentlichen.
Feedback: Brauche ich wie Luft zum Atmen.
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Numb3rs und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Kapitel 12
Brute Force Masterlist

***
***


13.


“Oh mein Gott“, flüsterte Kenny und starrte schwer atmend auf den total zerstörten Wagen des Agents. Das Blaulicht funktionierte noch, aber die Sirene war verstummt, als der dunkle Wagen mehrere Bäume gerammt hatte und schließlich mit zerknautschter Motorhaube und eingedrückter Fahrerseite stehen geblieben war. Der dunkelblonde Fahrer regte sich nicht. “Ist er tot?“, fragte Kenny.

Connor öffnete die Tür des Vans. “Komm schon, komm schon!“, rief er, als Kenny sich nicht regte und rannte zu dem Auto hinüber. Er hatte beabsichtigt, dass der Agent die Kontrolle verlieren sollte, aber er hatte nicht damit gerechnet, dass der Unfall so fatal werden würde. Er hatte ihre Geschwindigkeit unterschätzt. Er rüttelte an der Fahrertür und bekam sie schließlich auf. Der Fahrer lag auf mit dem Kopf auf dem Airbag, Blut sickerte aus einer Platzwunde hinter seinem Ohr und färbte den Kragen des weißen Hemdes rot.

Kenny kam atemlos neben Connor an. “Was machen wir, wenn er tot ist?“ Er sog erschrocken die Luft ein. “Dann sind wir wegen Mord dran.“

“Halt einen Moment die Klappe, Kenny“, fuhr Connor ihn an. Er tastete nach einem Puls. “Er lebt.“ Er lehnte den Agent in seinem Sitz zurück und beugte sich über ihn, um den Gurt zu lösen.

“Was hast du vor?“, fragte Kenny.

“Zwei Geiseln sind immer noch besser als eine“, antwortete Connor.

Kenny sah sich ängstlich um, aber weder ein Wagen, noch Wanderer waren zu sehen. “Warum tun wir das, Connor?“

Der ältere Mann zog den Agent aus dem Wagen und hob ihn auf seine Schultern. “Das weißt du.“

“Wir könnten dafür lebenslang ins Gefängnis gehen.“

“Sie kriegen uns nicht“, antwortete Connor und machte sich auf den Rückweg zum Van. “Mach die Seitentür auf.“

Kenny gehorchte, blieb aber weiter skeptisch. “Ich kann nicht zurück ins Gefängnis, Con. Es geht nicht. Bitte … lass ihn einfach hier liegen. Und lass den Professor gehen.“ Connor legte den Agent in den hinteren Teil des Wagens und schlug die Tür zu.

Dann stemmte er die Hände in die Hüften und starrte Kenny aus ernsten, blauen Augen an. “Du hast gesagt, dass du dabei bist.“

“Ich habe zugestimmt, mich in die Systeme der Banken zu hacken. Ich wollte nicht, dass wir jemanden entführen. Und erst recht nicht, dass wir jemanden umbringen.“

Connor legte eine Hand in Kennys Nacken und grub die Finger in die braunen, kurzen Haare es Jungen. “Wir wollen ein Ziel erreichen. Niemand kann uns schnappen, wenn wir es geschafft haben. Ich habe gesagt, dass ich dich beschütze. Vor der Polizei, vor dem Gefängnis und vor Steve. Aber du musst mir vertrauen.“ Kenny wirkte unentschlossen, starrte zu Boden, dann wieder hinauf in Connors Augen. Er nickte schließlich. Connor lächelte und fuhr spielerisch durch Kennys Haare. “Lass uns fahren.“

***

Ihm tat alles weh. Er wusste nicht, was passiert war. Er hatte das Gefühl, dass sogar seine Augenlider schmerzten. Er verzog das Gesicht und versuchte, die Augen zu öffnen, aber er schaffte es nicht. Etwas kaltes und nasses wurde auf seine Stirn gedrückt und Colby zuckte zusammen.

“Hey“, sagte jemand beruhigend, “warte! Ich will nur das Blut wegwischen.“

Colby stöhnte auf. “Ich hatte wirklich einen Autounfall?“, fragte er. Seine Erinnerungen kehrten bruchstückhaft zurück.

“Sieht ganz so aus“, antwortete der andere.

“Das ist irgendwie nicht meine Woche“, murmelte Colby.

“Ich hatte auch schon bessere“, antwortete der andere und Colby schaffte es, die Augen zu öffnen.

“Charlie“, entfuhr es ihm und er versuchte, sich aufzusetzen, aber sein Kopf protestierte. Colby sog scharf die Luft ein und presste eine Hand gegen seine Stirn, über den nassen Lappen, der dort lag. “Verdammt.“ Er ignorierte den Schmerz mühsam und konzentrierte sich stattdessen auf den anderen Mann. “Bist du in Ordnung?“, fragte er und er legte den Lappen zu Seite.

Charlie ließ ein schwaches Nicken und müdes Lächeln sehen. “Soweit schon.“ Colby wagte einen neuen Versuch im Aufsetzen und schaffte es dieses Mal, ohne dunkle Flecken vor den Augen zu sehen. Sie befanden sich in einem kleinen Raum, der von einer nackten Glühbirne an der Decke kaum erhellt wurde. Vor das einzige Fenster war ein Brett geschraubt und eine schwere Metalltür versperrte den Weg nach draußen. Charlie tippte ihn mit einer halb gefüllten Wasserflasche an und Colby nahm sie dankbar entgegen. Der Mathematiker rutschte an die Wand und zog die Beine an den Körper. Er fröstelte leicht und auch Colby wurde plötzlich bewusst, wie kühl es im Raum war. Und dass sie ihm seine Jacke weggenommen hatten. Colby setzte sich neben Charlie auf die dünne Matratze, um von dem kalten Boden wegzukommen. Er zog ebenfalls die Beine an und lehnte seine Ellbogen darauf. Sein Körper schmerzte noch immer und er war der Überzeugung, ein einziger großer blauer Fleck zu sein, aber wenn er daran dachte, mit welcher Geschwindigkeit er unterwegs gewesen war, hatte er wohl ziemliches Glück gehabt. Auf der anderen Seite äußerten sich innere Verletzungen manchmal erst nach einer Weile. Er warf einen Blick zu Charlie hinüber, der den Kopf in eine Hand gestützt hatte und zur Tür starrte. Er wirkte erschöpft und mehr als nur etwas mitgenommen. Seine Kleidung war schmutzig und sein Sweatshirt hatte einen langen Riss an der Schulter. Bis auf eine Schramme unterhalb seines Auges schien er jedoch in Ordnung zu sein. Dann fiel Colby der Verband an Charlies Bein auf, der hastig über der Jeans angelegt worden war. Der Stoff der Mullbinde könnte einmal weiß gewesen sein, aber scheinbar hatte er ebenso viel mit gemacht wie der Rest von Charlies Kleidung und war nur eher braun als weiß. Außer Dreck könnte ein Teil der braunen Verfärbung auch von getrocknetem Blut kommen.

“Was ist da passiert?“, fragte Colby.

Charlie seufzte. “Connor hat auf mich geschossen.“

“Wieso?“, fragte Colby.

Charlie blickte ihn an und antwortete: “Ich habe mich geweigert, mit ihm zusammen zu arbeiten.“ Er biss sich auf die Unterlippe und senkte den Blick. “Aber es ist wahrscheinlich nur ein tiefer Streifschuss oder so. Ich kann laufen und es blutet schon lange nicht mehr.“

“Es könnte sich entzünden“, meinte Colby besorgt. “Lass mich das mal ansehen.“

Charlie schüttelte den Kopf. “Ich denke, es ist besser, wenn der Verband bleibt, wo er ist. Zumindest so lange, bis wir hier raus und in Sicherheit sind.“

Colby nickte zustimmend. “Okay.“ Er sah sich wieder um. “Dann sehen wir zu, dass wir verschwinden.“

Charlie lächelte humorlos. “Ich hab’s versucht. Ich kam bis zum Zaun.“ Er hob die Hand, die Colby bisher nicht hatte sehen können und der Agent erkannte Handschellen daran, die an dem Heizungsrohr hinter ihnen befestigt waren. “Ich glaube, ich habe Connors Vertrauen enttäuscht.“ Colby war beeindruckt. Wenn er ehrlich war, hätte er Charlie nicht zugetraut, eine Flucht zu wagen. Es lag nicht daran, dass er ihn nicht respektierte. Charlie hatte ihm bewiesen, dass er dem FBI nützlich sein konnte. Aber Colby hätte einfach nicht vermutet, dass der eher schmächtige Professor seinem Entführer Probleme bereitete.

“Was will er von dir?“

Charlie zuckte mit den Schultern. “Er will irgendetwas aus der Datenbank des FBIs. Ich soll es für ihn holen.“

Colby dachte bereits wieder angestrengt über Connors Motive nach. “Zu welchen Daten hast du Zugriff?“

Charlie seufzte und lehnte den Kopf an die Wand, starrte nachdenklich an die Decke. “Abgeschlossene Fälle. Aktuelle Fälle, an denen ich beteiligt bin.“ Er blickte zu Colby. “Nicht viel. Ich meine, ich könnte mir wahrscheinlich Zugang zu einer Menge von Bereichen verschaffen, weil meine Sicherheitseinstufung derart hoch ist, aber … ich habe das nie gewollt oder gebraucht.“ Die Tür zu ihrer Zelle öffnete sich und Connor trat ein, ein Mann, den Colby als Steve Klein erkannte, direkt auf seinen Fersen. Steve hielt eine Beretta in der Hand, die er auf Colby richtete.

“Agent Granger“, sagte Connor, “Sie sind wach.“ Er wirkte auf den ersten Blick ruhig, aber Colby konnte sehen, dass es nur eine Maske war. Connor stand unter Zeitdruck und der Agent fürchtete, dass ihn das gefährlich machte. Colby stand auf und machte einen Schritt zur Seite, stand damit genau vor Charlie. Er hatte ein Mal versagt, jetzt würde er sichergehen, dass es nicht wieder passierte. Connor ließ ein Lächeln sehen. “Dann können wir ja anfangen.“

***

Connor drückte Charlie auf den Stuhl vor dem Laptop und ließ seine Hände schwer auf den Schultern des jungen Mannes liegen. Steve trat Colby in die Kniekehlen, sodass er neben dem Tisch mit dem Computer darauf auf den harten Beton fiel. Colby verzog vor Schmerz das Gesicht, schwieg aber. Kenny Jacobson stand hinter Charlie und Connor an die Wand gelehnt und beobachtete die vier Männer. Colby fing seinen Blick, aber Kenny sah sofort zu Boden.

“Loggen Sie sich ein, Professor“, bat Connor. Colby beobachtete, wie Charlie die Hände auf seinem Schoß miteinander verschränkte, als wolle er sich selbst daran hindern, zu gehorchen. Er starrte auf den Bildschirm. Colby war ein weiteres Mal beeindruckt. Ihm kam der Gedanke, dass Don auf seinen jüngeren Bruder abgefärbt haben musste. Möglicherweise hatte er ihn sogar mal auf eine solche Situation vorbereitet. Auf der anderen Seite hatte Charlie angeblich schon häufiger sensible Aufträge behandelt. Colby fragte sich plötzlich, ob Charlie schon einmal in einer solchen Situation gewesen war. Connor griff hinter sich und zog eine Beretta aus seinem Gürtel. Colby verzog das Gesicht, als er den Lauf der Waffe an Charlies Kopf drückte. “Jetzt, Professor.“ Charlie schloss die Augen. Colby sah, wie sich seine Finger umeinander verkrampften. Er sah auch, dass Connor die so mühsam aufgesetzte Maske der Geduld verlor. Er packte mit seiner freien Hand Charlies Sweatshirt und zerrte ihn von dem Klappstuhl hinunter auf den Boden. Er versetzte Charlie einen Tritt in die Seite, ehe er ihn hochriss, sodass er Colby gegenüber kniete. Eine Hand packte Charlies Haare und zwang ihn, Colby anzusehen. “Ihr eigenes Leben ist Ihnen möglicherweise egal, Charlie, aber wie seht es mit Agent Granger aus?“, fragte Connor wütend. Colby hörte, wie Steve hinter ihm seine Waffe entsicherte und er wusste einfach – spürte -, dass sie auf ihn gerichtet war. Charlie starrte ihn alarmiert an.

Colby konnte sehen, dass er nachgab und schüttelte beschwörend den Kopf. “Nicht, Charlie.“

Connor merkte ebenfalls, dass Charlie zögerte und holte zum nächsten Schlag aus. “Und wenn wir Agent Granger erledigt haben, wie wäre es, wenn wir dann Ihre süße Freundin zu uns holen?“ Er ging neben Charlie in die Hocke. “Oder Ihren Vater? Ich habe nicht vor, Unbeteiligte in diese Sache mit rein zu ziehen, aber wenn Sie mir keine andere Wahl lassen …“

“Charlie“, sagte Colby fest, “Nicht.“ Charlie starrte ihn an und schluckte schwer. Stille legte sich über das Lagerhaus, während Connor wartete. Colby hörte jemanden nach Luft schnappen und er sah Kenny mit eng um sich geschlungenen Armen an der Wand stehen. Der Junge wirkte, als wäre er lieber noch immer im Gefängnis als hier. Möglicherweise hatte Hailey recht und er war ein Opfer. Connors scharfer Befehl riss ihn aus seinen Gedanken.

“Steve, erschieß ihn.“

“Nein!“, rief Charlie. “Ich tu’s.“ Connor ließ ein Lächeln sehen, während Charlie wiederholte: “Ich mache es.“

***

Megan starrte auf das Autowrack vor sich und verschränkte die Arme. Die Agents und Spurensicherung um sich herum blendete sie vollkommen aus, während ihr durch den Kopf ging, dass sie am Anfang der Woche noch zu fünft gewesen waren. Fünf, die versucht hatten, Hill und seine Bankräuber-Bande zu schnappen. Und jetzt waren sie nur noch zu zweit – mit Agent Hailey zu dritt. Don befragte die Familie, die die Polizei verständigt hatte, während Hailey sich zu Megan gesellte. “Es tut mir wirklich leid“, sagte sie.

Megan seufzte schwer. “Muss es nicht. Wir finden sie.“ Sie räusperte sich und fragte: “Keine verlassenen Gebäude in der Umgebung. Nichts, was sie als Versteck nutzen könnten?“

Hailey schüttelte den Kopf, blies sich eine blonde Locke aus der Stirn und deutete auf die Landkarte, die sie über Dons Motorhaube ausgebreitet hatte. “Ich habe nachgesehen und ich habe sogar bei der Stadt angerufen und mich nach verlassenen Industriegeländen erkundigt, aber hier in der Umgebung gibt es nichts. Das hier ist schon so lange ein Naturschutzgebiet.“

“Warum sind sie dann hier entlang gefahren?“, fragte Megan nachdenklich.

Hailey zuckte mit den Schultern. “Um Agent Granger abzuhängen, wahrscheinlich. Hill ist zu clever. Er würde niemanden direkt in sein Versteck führen.“

Don trat zu ihnen, der besorgte Blick, den er schon seit Charlies Verschwinden hatte, noch tiefer in seine dunklen Augen eingegraben. “Sie haben gesehen, wie zwei Männer einen dritten in den Van getragen haben und weggefahren sind. Sie hatten zu viel Angst, um dazwischen zu gehen, haben aber sofort an der nächsten Notrufsäule auf einem der Wanderwege hier die Polizei geholt. Sie sagen, der eine Mann war groß und blond, der andere nur ein Junge mit braunen Haaren.“

Hailey verschränkte die Arme. “Hill und Kenny.“

Don nickte. “Das denke ich auch. Sie wirkten wohl, als wären sie sich uneinig. Der Junge sah so aus, als ob er nicht mehr mitmachen wollte, aber scheinbar hat der andere Mann ihn überzeugt.“

“Also können wir sicher sein, dass sie Colby haben“, meinte Megan.

Don nickte. “Ziemlich sicher, ja. Er ist nicht hier und Ranger suchen den Wald ab. Aber es ist unwahrscheinlich, dass er ausgestiegen und weggegangen ist. Erst recht wenn man bedenkt, was die Zeugen gesehen haben.“

Megan blickte wieder zu dem Autowrack. “Die Spurensicherung sagt, er kann nicht schwer verletzt worden sein. Es ist kaum Blut im Auto.“

“Hoffen wir, dass er keine inneren Verletzungen hat“, antwortete Don und Megan nickte.

“Dass Hill Granger entführt hat, macht aber durchaus Sinn“, meinte Hailey nach einem Moment der nachdenklichen Stille. Don und Megan blickten sie an und Hailey erklärte: “Hill hat selbst gesagt, Professor Eppes soll etwas für ihn tun. Würde er sich weigern?“

Don, an den die Frage gerichtet war, antwortete: “Er ist nicht der Typ Mensch, der leicht zu überreden ist. Und er nimmt seine Verantwortung sehr ernst.“

“Also nicht“, meinte Hailey. “Hill kann ihm nicht viel tun, denn er braucht Ihren Bruder möglichst unverletzt. Oder körperliche Gewalt hat nicht viel gebracht.“ Don verzog das Gesicht, während Hailey über Charlie und Gewalt im Zusammenhang sprach, als bedeute es gar nichts. Aber machte er nicht häufig dasselbe, wenn er über die Opfer seiner Fälle redete? “Dann braucht er einen überzeugenden Grund, um Professor Eppes doch zur Kooperation zu zwingen.“

“Nur steht Colby Charlie nicht sehr nahe. Colby hat gerade erst hier angefangen. Die beiden kennen sich kaum.“

“Aber Colby ist Hill geradezu in die Arme gelaufen“, antwortete Megan. “Er nimmt, was er kriegen kann.“

Don rieb sich die Stirn. “Und Charlie wird nicht zulassen, dass Colby etwas passiert, weil er nicht kooperiert.“

***

Charlie stand langsam auf und setzte sich zurück an den Tisch. Colby schüttelte den Kopf. “Charlie, tu das nicht.“ Steve versetzte dem knienden Agent einen Fußtritt zwischen die Schulterblätter und Colby fiel nach vorne.

“Halt die Klappe“, herrschte Steve ihn an.

Charlie blickte entschuldigend  zu Colby auf, während Connor hinter ihn trat. “Loggen Sie sich ein, Professor. Jetzt“, verlangte er ungeduldig. Charlie gehorchte. Mit zitternden Fingern gab er sein Passwort ein und loggte sich in das System des FBIs, das den Mitarbeitern auch am heimischen Computer zur Verfügung stand oder wo immer sie es gerade brauchten. “Sehr gut“, meinte Connor. Er wandte sich an Steve. “Du kannst Granger wieder einsperren. Ich denke, der Professor ist jetzt bereit, uns zu helfen.“ Steve zerrte Colby auf die Beine und zurück zu dem Raum auf der anderen Seite der Halle. Charlie sah zu, wie Steve Colby einsperrte und die schwere Tür abschloss. “Kenny“, sagte Connor. Es kam keine Antwort von dem Jungen, also drehte Connor sich zu ihm um. “Kenny!“

Charlie drehte sich ebenfalls um und sah den Jungen zusammen zucken. “Entschuldige“, murmelte er. “Was?“

“Mach uns ein paar Sandwichs. Auch welche für den Professor und Agent Granger.“

Kenny nickte rasch und floh regelrecht in die Richtung des kleinen Kühlschranks, der in einer Ecke der Lagerhalle stand. Connor legte eine Hand auf Charlies Schulter. “Dann fangen wir mal an.“

***

Amita eilte durch die Eingangshalle des FBI-Gebäudes und wollte durch die Sicherheitsschranke hetzen, aber einer der Security-Mitarbeiter packte ihren Arm und hielt sie fest. “Nicht so schnell, Lady.“

“Ich bin zivile Beraterin“, sagte Amita und blickte sehnsüchtig zu den Fahrstühlen. “Ich habe Neuigkeiten für Agent Eppes. Bitte, ich muss sofort rauf.“

“Ihren Ausweis, Ma’am“, sagte der Mann ihr gegenüber und Amita biss sich auf die Unterlippe und fluchte leise.

“Ich hatte das letzte Mal einen Besucherausweis hier.“ Sie wandte sich flehend an die Empfangsdame. “Sie erkennen mich wieder, oder? Ich war mit Professor Eppes hier. Ist nicht mal eine Woche her.“ Die Frau schüttelte ratlos den Kopf. Amita schlug fluchend mit der flachen Hand auf den Tresen.

“Ma’am, ich muss Sie bitten, zu gehen“, sagte der Mann von der Security und Amita antwortete: “Nein. Ich habe Informationen. Rufen Sie Agent Eppes an. Er weiß, wer ich bin.“

“Ich fürchte, Agent Eppes ist nicht im Haus“, antwortete die Empfangsdame nach einem Blick in den Computer.

“Dann Agent …“ Amita versuchte fieberhaft, sich an den Namen zu erinnern, strich sich nervös die schwarzen Haare hinter die Ohren. “Megan, sie heißt Megan.“

“Ich denke, das reicht jetzt, Ma’am“, meinte der Mann ungeduldig und nahm wieder ihren Arm.

“Nein, es ist wirklich wichtig. Ich hatte doch einen Ausweis.“

“Besucher müssen bei jedem Betreten des Gebäudes von einem Agent neu angemeldet werden oder aber in Begleitung eines Agents oder autorisierten Mitarbeiters erscheinen, Ma’am. Und ich weiß zufällig, dass für heute niemand angemeldet wurde und ich sehe weder einen Agent noch einen unserer Berater in ihrer Begleitung.“

Amita hätte ihn für seinen arroganten Tonfall am liebsten geohrfeigt. “Ich bin zivile Beraterin“, behauptete sie. Möglicherweise griff sie damit etwas vor, aber sie hatte tatsächlich für diesen Fall selbständig beraten.

“Wenn Sie den entsprechenden Ausweis vorlegen können, lasse ich Sie gerne durch“, antwortete Mann.

“Hören Sie mir denn nicht zu?“, fragt Amita wütend. “Ich habe Hinweise.“

“Ma’am, da kann ja jeder kommen“, antwortete den Mann.

Amita wandte sich wieder an die Empfangsdame. “Rufen Sie Megan an. Sie ist in Don Eppes Team. Es gibt nur eine Megan in diesem Team.“

“Sie meinen Agent Reeves?“, fragte die Frau zögerlich.

“Ja!“, rief Amita triumphierend. “Genau. Agent Megan Reeves.“ Der Mann seufzte und nickte der Empfangsdame zu. Die griff zum Telefon.

Nur ein paar Minuten später stand Megan vor ihnen. “Gott sei Dank“, sagte Amita, nachdem Dons Kollegin für sie eine Unterschrift geleistet hatte und sie im Fahrstuhl auf dem Weg nach oben waren.

“Wir werden uns darum kümmern, dass du einen Ausweis als Beraterin bekommst“, antwortete Megan. “Was ist denn so wichtig?“, fragte sie dann.

Amita starrte sie aufgeregt an. “Ich weiß, wofür sie Charlie brauchen.“

Kapitel 14
Brute Force Masterlist

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