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Torchwood: Weinende Erde 4/17 (Fanfiction)

Weinende Erde 4/17

Serie: Mosaik
Worte: 41.067
Inhalt: Coedwig Street war lange Zeit eine friedliche Nachbarschaft, doch seit neuestem treibt sich dort ein geheimnisvolles Wesen herum, das die Anwohner verschreckt und Torchwood auf den Plan ruft. Das Team ahnt nicht, dass es sich mit einer Kraft anlegt, die älter als der Planet selbst ist … und gefährliche Verbündete hat. Und während Gwen mit Beziehungsproblemen kämpft und Ianto mit der Tatsache, dass er sich zu Jack hingezogen fühlt, scheinen die Feen noch eine Rechnung mit dem Captain offen zu haben.
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Gwen Cooper, Toshiko Sato, Owen Harper, Rhys Williams, die Feen, Andy Davidson, Myfanwy, OCs
Pairing: Jack/Ianto, Gwen/Rhys
Rating: PG-13
Spoiler: Wie alles begann, Die Geistermaschine, Aus dunkler Vorzeit, Offenbarungen, Charaktere aus Kinder der Erde (Iantos Familie) / Romane: Slow Decay / Doctor Who: Andeutungen auf The end of the World und The Sound of Drums, sowie The Last of the Time Lords
Setting: nach Aus dunkler Vorzeit
Warnungen: MPreg eines OCs, in der Vergangenheit.
Feedback: Brauche ich wie Luft zum Atmen.
Beta: Vistin, alt_universe_me  und danian . Danke.
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Kapitel 3
Masterliste

***
***


4.


Ianto legte den Kopf schief und zoomte näher an den jungen Mann heran, der auf den Stufen saß, die in die ovale Vertiefung des Roald-Dahl-Plass führten. Es war bereits dunkel, aber die umliegende Beleuchtung und die außergewöhnlich gute Auflösung der Torchwood-Überwachungskamera ermöglichte es ihm, so gut zu sehen, als sei es Mittag. Er gab einen Befehl in seinen Computer im Hinterzimmer der Touristeninformation ein und stützte dann den Kopf auf eine Hand. Er kniff die Augen zusammen, um sich besser konzentrieren zu können.

Der junge Mann telefonierte mit seinem Handy und er lachte immer wieder über etwas, was sein Gesprächspartner sagte. Er war groß, muskulös und attraktiv. Ianto versuchte sich vorzustellen, von ihm angesprochen zu werden oder ihn anzusprechen. Er stellte sich vor, wie sie zusammen ausgingen und sich unterhielten und danach in Iantos Wohnung gingen und was sie dort tun könnten. Er fühlte nichts. Dann stellte er sich vor, wie er Jack mit in seine Wohnung nehmen würde und ihm wurde heiß bei dem Gedanken.

Er beobachtete, wie der junge Mann auflegte und den Roald-Dahl-Plass verließ. Ianto schloss das Überwachungsprogramm und nahm sich einen Moment Zeit, sich selbst dafür zurechtzuweisen, dass er es für private Zwecke genutzt hatte. Er schloss müde die Augen, verschränkte die Arme auf dem Tisch und legte den Kopf darauf. Es konnte doch nicht sein, dass er ausschließlich auf Jack stand, oder? Man fand nicht nur einen Mann attraktiv. Ianto hatte nicht nur Lisa attraktiv gefunden, sondern auch andere Frauen. Die Frage war, was das zu bedeuten hatte.

Die Antwort gefiel Ianto nicht.

***

Andy Davidson schlug die Tür des Streifenwagens zu und richtete seine Taschenlampe auf den Wald. Das Licht erreichte nur die äußersten Bäume, dann wurde es von den Schatten verschluckt. Etwas unheimlich war ihm Roundstone Wood schon immer gewesen. Eigentlich war er sogar etwas erleichtert, dass das Gebiet gerodet werden sollte.

“Ich kann nicht glauben, dass wir schon wieder hier sind“, meinte er zu seiner Partnerin Gillian, die sich misstrauisch umsah. “Das ist jetzt das dritte Mal diese Woche, dass uns jemand aus der Nachbarschaft ruft“, fügte Andy missmutig hinzu und blickte die Coedwig Street entlang. Saubere Einfamilienhäuser, die wie aus einem Katalog wirkten. Die Gegend war vom oberen Mittelstand bewohnt. Er könnte sich mit seinem aktuellen Gehalt niemals ein solches Haus leisten.

Gillian rückte ihre Kappe auf dem dunklen Haar zurecht und nickte zustimmend. Sie erinnerte Andy etwas an Gwen. Ähnliche Figur, ähnliche Größe, dunkle Haare und grüne Augen. Sie hatte nicht denselben derben Humor wie Gwen und ihr war anzumerken, dass sie den Streifendienst nur als Zwischenstation auf dem Weg in den gehobenen Dienst betrachtete, aber er mochte sie.

Gillian seufzte tief. “Wäre besser, wenn wir die Frau endlich schnappen.“

“Du glaubst wirklich, dass da jemand ist?“, fragte Andy und sie gingen langsam die Straße entlang. “Die bisherigen Beschreibungen klangen etwas … abenteuerlich.“

“Ich sag's ja ungern“, meinte Gillian, “aber wir fahren seit Tagen immer wieder hierher und keine Spur von ihr. Möglicherweise sollten wir Torchwood hinzuziehen. Das hört sich nach etwas an, das denen gefallen könnte.“

Andy schnaubte. “Torchwood“, meinte er abfällig. “Eine ehemalige Kollegin arbeitet jetzt da. Die ruft auch nicht mehr an.“

“Eifersüchtig?“, fragte Gillian lächelnd.

Ein Schluchzen war zu hören und sie blieben stehen.

“Hallo?“, fragte Andy.

Worte wurden vom schneidenden Wind zu ihnen getragen, aber sie waren so verzerrt, dass sie sie nicht verstehen konnten. Andy rückte unbewusst etwas näher an Gillian heran, deren Hand sich auf den Schlagstock an ihrem Gürtel legte. “War das englisch?“, fragte Gillian.

“Keine Ahnung“, antwortete Andy atemlos. Er packte Gillians Arm, als plötzlich eine Frau einige Meter entfernt auf der Straße stand. Sie hielt den Kopf gesenkt.

“Miss?“, fragte Andy. “Sind Sie in Ordnung?“

Die Frau schluchzte und flüsterte etwas, das die beiden nicht verstanden.

Gillian fragte: “Miss, sprechen Sie unsere Sprache? Verstehen Sie uns?“

Andy verzog das Gesicht, als ein kalter Windstoß ihn zittern ließ. Die ganze Sache wurde ihm mehr als unheimlich. Die Frau trug nur ein dünnes weißes Kleid, aber Andy konnte erkennen, dass die Kälte der Nacht sie nicht zu stören schien, da sie nicht zitterte. Gillian machte einen Schritt vorwärts, aber Andy hielt ihren Arm fest. “Spinnst du?“

Gillian sah ihn herausfordernd an. “Es ist unsere Pflicht nach ihr zu sehen.“ Sie ging langsam auf die Frau zu. Andy fluchte und folgte ihr dann zögernd. Gillian hob beide Hände, als wolle sie ein Pferd beruhigen. “Miss, meine Name ist Gillian Ford. Ich bin von der Polizei. Wie ist Ihr Name?“

Andy schluckte nervös. Die Frau hatte Haut, die beinahe schwarz zu sein schien, und starrte zu Boden, sodass dunkles, langes Haar strähnig ihr Gesicht verdeckte. Sie weinte leise. Andy schüttelte den Kopf und nahm wieder Gillians Arm. “Das ist mir nicht geheuer.“

“Wem sagst du das?“

Plötzlich hörte die Frau auf zu weinen. Stattdessen hob sie den Kopf. Andy stolperte erschrocken zurück, als ihn stechende, milchig-weiße Augen aus einem verrunzelten Gesicht anstarrten. Sie hatte eine gekrümmte Nase über dünnen, blutleeren Lippen und stand leicht vornübergebeugt. Eine ihrer riesigen Hände deutete auf Andy und Gillian, bevor sie einen schrillen Ruf ausstieß, der die Polizisten vor Schmerz aufschreien ließ. Dann war sie plötzlich weg. Andy und Gillian keuchten und dann versetzte Gillian Andy einen Schlag gegen die Brust. “Das war kein Mensch. Das war niemals ein Mensch!“ Sie klang panisch. “Ich sagte doch, wir müssen Torchwood anrufen!“

***

Es war der Teamleiter, der Andy am meisten an Torchwood störte. Etwas stimmte mit diesem Mann nicht. Wenn er sich vorstellte, hörte es sich jedes Mal wie der Beginn einer Verführung an. Der lange Mantel, der – Andy hatte mal bei Google nachgeschlagen – aus dem zweiten Weltkrieg stammte und die Hosenträger – wer trug schon Hosenträger heutzutage? - reicherten das Mysterium nur an. Und dann dieses breite perfekte Lächeln, die amüsiert funkelnden Augen … er war charmant und attraktiv, das musste Andy zugeben. Attraktiv auf eine Art, die Schönheitsoperationen vermuten ließ. Attraktiv auf eine Art, die Frauen beim leisesten Anflug seiner Aufmerksamkeit erröten und Männer nervös stottern ließ. Andy konnte das nicht leiden.

Für die Polizei waren Tochwood und Jack Harkness ein rotes Tuch – offiziell. Aber Andy konnte schon gar nicht mehr zählen, wie oft er Kolleginnen über Harkness hatte schwärmen hören.

Der schwarze Torchwood-SUV kam mit quietschenden Reifen hinter dem Polizeiwagen zum Stehen und Harkness sprang elegant aus dem Wagen. Auf der Beifahrerseite stieg Gwen aus. Andy unterdrückte das Lächeln, das ihm bei ihrem Anblick entkommen wollte. Er war noch immer etwas sauer darüber, dass sie von Torchwood rekrutiert worden war und ihn im Stich gelassen hatte. Nicht nur das: Anfragen, die er ihr bezüglich eines Jobs bei Torchwood geschickt hatte, kamen immer mit einem Nein, tut mir leid. Nichts frei zurück und das konnte Andy irgendwie nicht glauben. Er wusste, dass außer Harkness und Gwen nur drei andere Teammitglieder existierten. Der unfreundliche Arzt, die Asiatin und der junge Mann im Anzug, der nur selten mit von der Partie war und immer einen Schritt hinter Harkness blieb, falls der Captain mit ihm das Polizeirevier besuchte. Irgendwo musste da noch ein Job frei sein. Möglicherweise wollte Gwen einfach nicht, dass er wieder mit ihr zusammenarbeitete.

Gwen und Harkness kamen auf Andy und Gillian zu, die an ihren Streifenwagen gelehnt warteten. Andy nickte Gwen zu und versuchte sich nicht anmerken zu lassen, dass er sie vermisst hatte. “Gwen Cooper, das ist Police Constable Gillian Ford.“

Die beiden Frauen nickten einander höflich zu. Harkness grinste Gillian an und streckte die Hand aus. “Captain Jack Harkness.“

Sie schüttelte seine Hand, wurde rot und lächelte nervös. Andy verdrehte die Augen, bis Harkness ihn anlächelte und seine Hand schüttelte. “Gwen hat mir so viel von Ihnen erzählt, Police Constable … Davidson, richtig?“

Es klang wie eine Anmache. Andy weigerte sich, den Köder zu schlucken und nickte nur knapp. Harkness trat einen Schritt näher auf ihn zu und Andy drückte sich gegen den Wagen hinter ihm. Harkness' Lächeln wurde weicher. “Aber sie hat ausgelassen, wie niedlich Sie sind.“

Gwen stöhnte genervt. “Ich denke, das reicht“, meinte sie. Andy entriss Harkness seine Hand und wandte den Blick von den amüsierten blauen Augen ab. Er konzentrierte sich auf Gwen, die ihn fragend ansah. “Warum habt ihr uns gerufen?“

Gillian antwortete: “Hier gehen merkwürdige Dinge vor. Im Revier sagte man uns, merkwürdige Dinge sind euer Spezialgebiet.“

Harkness hob die Hand zum Ohr und aktivierte das Headset, das Andy bisher nicht bemerkt hatte. “Das ist wahr“, antwortete er und dann sagte er ins Headset: “Ianto, hörst du uns?“

Gwen fragte: “Was habt ihr gesehen?“

Andy blickte Gillian an. Er war sich noch immer nicht sicher, ob Torchwood so eine gute Idee gewesen war. Gillian berichtete: “Wir haben uns hier umgesehen, weil es Beschwerden gab. Eine Frau, die nachts in den Gärten herumlungert und Passanten belästigt.“

Andy grinste schief. “Also das übliche für Cardiff.“

Gwen lächelte über den Insiderwitz. Gillian fuhr fort: “Jedenfalls haben wir uns umgesehen. Wir dachten, vielleicht sind es Jugendliche, die auf den Baumaschinen rumspielen und zu übermütig geworden sind.“

Harkness warf einen kurzen Blick auf die Bagger und Lastwagen am Straßenrand. Gillian verschränkte die Arme. “Aber wir haben sie gesehen. Eine Frau.“

Harkness stemmte die Hände in die Hüften und setzte einen konzentrierten Blick auf. “Wie sah sie aus?“

“Ungepflegt. Dunkle Haare, merkwürdig dunkle Haut. Sie hat … ich glaube, sie hat geweint.“

Gwen runzelte die Stirn. “Geweint?“

Andy ergänzte: “Und sie hat irgendetwas gesagt, aber wir konnten es nicht verstehen.“

Aus Harkness' Gesicht war inzwischen jede Flirterei verschwunden. “Eine fremde Sprache?“, wollte er wissen.

“Es war etwas undeutlich ...“ Andy sah fragend zu Gillian. “Könnte aber auch eine fremde Sprache gewesen sein.“

“Hast du das, Ianto?“, fragte Harkness in das Headset. Nachdem er der Antwort gelauscht hatte, sah er zu Gwen. “Er durchsucht die Datenbank.“

Gwen wandte sich wieder an Andy und Gillian. “Die Nachbarn haben sich beschwert?“

Andy nickte. “Ja. Deshalb sind wir hier.“

Harkness sah sich um und Andy fiel auf, dass sein Blick an Roundstone Wood hängen blieb, bevor er wieder auf ihm landete. “Regelmäßig?“, wollte Harkness wissen. “Immer um dieselbe Uhrzeit?“

Andy schüttelte den Kopf.

Harkness wandte sich ab und kehrte zum Auto zurück. Ins Headset fragte er: “Was hast du für mich, Ianto?“

Gwen lächelte Andy und Gillian an. “Danke für den Anruf. Wir gehen der Sache nach.“

“Haltet uns auf dem Laufenden“, meinte Andy und wusste, dass das nicht geschehen würde. Gwen nickte dennoch, lächelte nochmal kurz und folgte Harkness zurück zum Auto.

***

Im Licht der vorbeigleitenden Straßenlaternen wirkte Jacks Gesicht etwas blass, fand Gwen. Er starrte auf die Straße, die Hände fest um das Lenkrad geschlossen. Sie fragte sich, was in seinem Kopf vorging. Sie konnte nicht einschätzen, ob er mehr über diese Sache wusste, als er zugeben wollte und bei dem Gedanken zog sich ihre Brust zusammen. Jack bestand darauf, dass keiner Geheimnisse vor ihm hatte und dennoch behielt er so viel über sich selbst für sich.

Seine leise Stimme riss sie aus ihren Gedanken.

“Ich fahre dich nach Hause“, meinte er.

Sie nickte dankbar und wandte den Blick aus dem Beifahrerfenster. Rhys war sauer gewesen, als ihr Handy geklingelt hatte und sie so spät abends wieder hatte gehen müssen. Sie war sich sicher, dass Jack lieber Owen oder Tosh mitgenommen hätte, aber Andy hatte nicht bei ihm angerufen, sondern bei Gwen. Etwas überrascht war sie gewesen, als Jack ihr gesagt hatte, dass Ianto in der Basis warten und die Datenbank durchforsten würde, sobald sie etwas wussten. Sie hatte geglaubt, alle wären längst nach Hause gegangen. Aber bei Ianto konnte man sich in letzter Zeit nicht mal sicher sein, ob er die Basis überhaupt jemals verließ.

Die Stille im Wagen erdrückte sie und da sie noch mindestens 20 Minuten von Gwens Wohnung entfernt waren, fragte sie: “Was könnte es sein?“

“Ianto hat nichts in der Art in unserer Datenbank gefunden. Möglicherweise ist es ein Echo.“ Jack klang geschäftsmäßig. Gwen war es manchmal etwas unheimlich wie selbstverständlich er ihre Fälle behandelte. Sogar Owen, Ianto und Tosh zeigten noch Überraschung oder Erstaunen bei manchen Fällen, aber Jack schien diese Gefühle verloren zu haben. Natürlich, erinnerte Gwen sich, arbeitete er schon seit sehr langer Zeit für Torchwood. Dennoch hoffte sie, niemals so abgestumpft zu werden.

Sie fragte: “Und das ist was genau?“

“Zeit ist getrennt durch einen Vorhang. Manchmal zerreißt er und wir können etwas sehen, das längst passiert ist. Nur ganz kurz. Wir können einen Blick in die Vergangenheit werfen, allerdings kann die Vergangenheit uns nicht sehen.“ Er grinste. “Menschen, die Echos gesehen haben, sagen häufig, es seien Geister.“ Er bog ab. “Die Echos sind immer da, nur nicht immer sichtbar. Wenn du glaubst, etwas zu hören oder etwas zu sehen oder das Gefühl hast, nicht alleine zu sein-“

“Geister“, sagte Gwen. “Wie mit dieser Maschine vor ein paar Monaten.“

“Echos werden besonders häufig in alten Gebäuden gesichtet. Geschichtsträchtige Orte.“

“Schlossgespenster“, sagte Gwen.

“So in der Art“, antwortete Jack. “Ist es nicht großartig, was man bei Torchwood alles über die Welt lernen kann?“

Kapitel 5
Masterliste