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Original Fiction: Schmerz

Schmerz

Worte: 1.132
Inhalt: ”Da ist dieser Mann, den ich treffe … ein Crewmitglied auf einem der anderen Schiffe. Ich habe ihm versprochen, dass ich mit dir Schluss mache.”
Pairing: m/m (angedeutet)
Rating: PG-13
Anmerkungen: Ich lasse diese Charaktere das erste mal in die Öffentlichkeit. Aber eigentlich kenne ich sie schon seit knapp zwei Jahren. Ich überlege immer noch, dieses Drehbuch zu schreiben. Seid bitte nett, es ist meine erste veröffentlichte Original Fiction. Geschrieben für den 5_prompts  Prompt-Table #30 für Prompt 01 – Er kommt nicht zurück.
Beta: callygal1 , danke dafür!
Disclaimer: Die Charaktere und Orte in dieser Story gehören mir. Ebenso der Plot. Bitte benutzt nichts davon, ohne mich vorher zu fragen.

Prompt Table

***
***


Die Motoren des Raumschiffes brummten leise vor sich hin, ein Geräusch, an das Delwyn Evans schon so gewöhnt war, das er manchmal fast glaubte, es würde von ihm selbst kommen. Er hörte es am besten, wenn er auf dem Bett in seinem Quartier lag, die harte Matratze unter ihm und seine Fingerkuppen über das raue Material der Decke streichend. Er konnte die Wärme der Sonnenstrahlen, die durch das Fenster fielen, auf seinem Gesicht fühlen. Die Luft roch abgestanden, aber er war auch daran gewöhnt; er assoziierte es mit Geborgenheit und Heimat.

Delwyn hatte die Nehalennia nie gesehen. Er hatte sein Augenlicht vor langer Zeit verloren, lange bevor er das Schiff das erste Mal betreten hatte, aber er konnte es dennoch von jedem anderen unterscheiden. Die Menschheit hatte eine ganze Raumkolonie hier draußen – über der Erde schwebend – und eine geringe Anzahl an Raumschiffen. Es waren bessere Schiffe als dieses, aber Delwyn fühlte sich in ihnen nicht wohl. Nur dieses Schiff mit seiner kleinen Mannschaft – mit Serdar – gab ihm Geborgenheit. Aber Serdar war weg und er würde nicht zurück kommen.

Es sollte nicht so sehr weh tun, wenn man bedachte, dass sie nie mehr als eine Bettgeschichte gewesen waren. Doch es tat weh, tief in ihm, und Delwyn dachte, dass er sein Quartier vielleicht nie mehr verlassen würde. Das klang natürlich etwas melodramatisch und es würde all die fiesen und homophoben Dinge bestätigen, die Mark über Delwyn dachte, aber er konnte den Wunsch nach ewiger Einsamkeit nicht verbannen. Etwas Trost brachte ihm die Entschlossenheit, nicht zu weinen.

Delwyn hatte eigentlich immer gewusst, dass er und Serdar nicht lange halten würden. Es war undenkbar. Serdar war mutig, stark und stur, ein Soldat mit unzähligen Fertigkeiten. Wer war Delwyn im Vergleich dazu? Nur ein Techniker, der durch die engen Innereien von Schiffen kroch und nach der fehlenden Schraube oder durchgerosteten Teilen suchte, die alte Schiffe wie die Nehalennia des öfteren behinderten. Es machte keinen Unterschied, dass jeder ihn für außergewöhnlich zu hielten, nur weil er im Augenblick zufällig der einzige war, der dieses Schiff verstand. Aber jeder Tech wäre in der Lage, sich einzuarbeiten und die Reparaturen durchzuführen. Die Nehalennia unterschied sich nicht so sehr von anderen Schiffen der Erde. Die anderen glaubten auch, dass er etwas besonderes war, weil er all dies ohne sein Augenlicht vollbrachte, aber er war seit seiner Kindheit blind und für ihn war es vollkommen natürlich, beschädigte Teile zu ertasten oder auf die Geräusche des Motors zu achten. Egal was alle dachten, er fühlte sich nicht sehr außergewöhnlich, also sollte er froh sein, dass Serdar ihm überhaupt jemals Beachtung geschenkt hatte.

Es klopfte und Delwyn drehte sich auf den Rücken, bevor er sich auf die Bettkante setzte. Er mochte sich vielleicht wie ein Teenager fühlen, der seine erste große Liebe verloren hatte und sich in seinem Zimmer die Augen ausweinte, aber er musste nicht so aussehen. Und geweint hatte er noch immer nicht.

Er räusperte sich. ”Es ist offen!”

Die Tür öffnete sich quietschend – er würde sich darum kümmern müssen – und schwere Schritte kamen näher. Delwyn war stolz darauf, jeden seiner Schiffskameraden allein an seiner Schrittfolge erkennen zu können, also wusste er, wer ihn besuchte. Und er war überrascht.

”Mark.”

”Hey!”

Mark sprach noch immer etwas lauter mit ihm als mit den anderen. Manchmal glaubte Delwyn, dass Mark den Unterschied zwischen Blindheit und Taubheit nicht kannte. Er fragte sich, was Mark von ihm wollen könnte. Das neueste Mitglied der Crew war noch immer dabei, sich auf dem Schiff einzuleben und er schien bisher nicht besonders viel Interesse an Delwyn gehabt zu haben. Mark war ein Soldat. Die meisten Soldaten konnten die Techs nicht leiden.

Delwyn überspielte seine Überraschung, indem er fragte: ”Was gibt's?”

”Ich wollte nur … sehen, wie's dir geht.”

Delwyn hob die Augenbrauen. ”Das ist … nett.”

Stoff raschelte, ein Anzeichen dafür, dass Mark sich etwas bewegte. Vielleicht fühlte er sich fehl am Platz. Delwyn und er waren keine Freunde. Delwyn überlegte noch, ob es seine Aufgabe war, ein Gespräch zu beginnen, als Mark ihm diese Entscheidung abnahm.

”Es ist nicht … vielleicht ist es nicht für immer.”

”Er kommt nicht wieder”, antwortete Delwyn. ”Er hat das ziemlich deutlich gemacht.”

Delwyn erinnerte sich noch an Serdars Stimme, dicht neben ihm, weil sie nahe beieinander auf dem Bett gesessen hatten.

”Del, erinnerst du dich daran, wie du mir sagtest ich könnte … dass es dir nichts ausmachen würde … da war … da ist dieser Mann, den ich treffe … ein Crewmitglied auf einem der anderen Schiffe.” Er machte eine Pause und holte tief Luft. Serdar hasste es offenbar, das zu tun. Vielleicht tat es ihm sogar leid.”Ich habe ihm versprochen, dass ich mit dir Schluss mache.”

Delwyn zerrte seine Gedanken zurück in die Gegenwart. Er stand auf und ging ein paar Schritte, um etwas Abstand zwischen sich und das Bett zu bringen. ”Danke für's Kommen.”

Drei weitere Schritte und er blieb stehen. Er stand nun nahe der Wand. Er kannte dieses Schiff so gut, in und auswendig. Er verirrte sich nie und er brauchte keine Hilfe, wenn er durch die Korridore und Räume ging. Er wusste alles über die Nehalennia und manchmal, wenn er die Flure entlang ging und genau wusste, wo die Biegungen und Türen waren, dann fühlte es sich an, als könne er wieder sehen. Er wünschte, Menschen wären ebenso leicht zu verstehen.

”Hey”, sagte Mark, ”ich weiß, dass wir unsere Probleme hatten ...”

Delwyn erinnerte sich an den Gebrauch des Wortes Schwuchtel und an eine Transportkiste, die in einem der Korridore “vergessen“ worden war, sodass er über sie fiel.

”... aber lass uns neu anfangen, okay?”

”Warum?”, fragte Delwyn. ”Bemitleidest du mich?”

”Nein”, sagte Mark und Delwyn hörte ihn näher kommen. ”Aber ich habe mich wie ein Arschloch benommen und ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn jemand, dem man vertraut hat, einen verrät.” Eine Hand landete auf seiner Schulter und Delwyn zuckte zusammen. Mark zog die Hand zurück.

”Entschuldige.”

”Ist okay. Ich mag es nur … ich mag es nicht, wenn man mich ohne Vorwarnung anfasst.”

”Schlechte Erfahrungen gemacht?”

”So in der Art.” Mehr als er zählen konnte.

”Na ja, dann … ich lasse dich allein. Bis später.”

”Ja. Bis später.”

Marks Schritte entfernten sich. Die Tür öffnete sich und Mark sagte “Er kommt zurück“, als wisse er etwas, von dem Delwyn keine Ahnung hatte, dann schloss sich die Tür und Delwyn war allein. Er ging zurück zum Bett – sechs Schritte – und ließ sich auf die Matratze fallen.

Er seufzte. ”Nein, wird er nicht.”

Und wenn er nach Marks Besuch zwei Stunden lang weinte, dann würde es nie jemand erfahren.


ENDE
01/11

Prompt Table
Komplette Fanfiction Masterlist

Comments

( 2 comments — Leave a comment )
toniajones
Oct. 12th, 2011 03:58 pm (UTC)
Schöne Idee, sehr gut erzählt, gefällt mir!! Hoffe irgendwann mehr darüber zu erfahren, ob nun hier oder bei Amazon oder in der TV-Serie ;-)
jolinarjackson
Oct. 13th, 2011 05:12 am (UTC)
Dankeschön. Na ja, ich sehe mal, was daraus wird. :)
( 2 comments — Leave a comment )