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Torchwood: Vorherbestimmt (Fanfiction)

Vorherbestimmt

Worte: 3.490
Inhalt: "Vielleicht sind Gwen und du füreinander bestimmt und ich nur ... ein Hindernis."
Charaktere: Ianto Jones, Jack Harkness
Pairing: Jack/Ianto, Jack/Gwen UST (angedeutet)
Rating: PG-13
Spoiler: Fleisch, Die Braut der vor nichts graut
Setting:
nach Die Braut der vor nichts graut
Anmerkungen:
Geschrieben für redisourcolors Challenge #13: Fate/Destiny. Ich wollte eigentlich nicht teilnehmen. In letzter Zeit habe ich viel um die Ohren. Dann haben sie im Fernsehen Weil es dich gibt wiederholt und ich liebe diesen Film so sehr, dass ich ihn mir wieder angesehen habe. So wurde diese Story geboren. An alle, die Weil es dich gibt nicht kennen: Ein besserer Film, als der Titel vermuten lässt.
Beta: czarina_kitty, die sich dem hier ganz spontan und schnell angenommen hat.
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

***
***


Die Stille im Auto war erstickend.

Ianto starrte aus dem Beifahrerfenster, sein Kinn auf eine Hand gestützt, um nicht Jack ansehen zu müssen. Jack, der mit finsterer Miene geradeaus starrte.

Tosh und Owen fuhren in Toshs Auto nach Hause und Gwen und Rhys übernachteten im Hotel. Für sie war alles in bester Ordnung. Tosh und Owen würden morgen wie üblich zur Arbeit erscheinen, Tosh etwas müde, aber lächelnd, und Owen hellwach und gut gelaunt. Gwen und Rhys würden als glücklich verheiratetes Paar aufwachen und in ihre Flitterwochen fahren.

Ianto hatte das unbestimmte Gefühl, dass weder er noch Jack in nächster Zeit glücklich oder gut gelaunt sein würden. Etwas hing zwischen ihnen in der Luft und er wartete auf die Explosion. Von dem festen Griff ausgehend, den Jack um das Lenkrad hatte, würde er nicht mehr lange warten müssen. Die Erinnerung an Jacks und Gwens Tanz tat weh. Rhys schien es nicht sonderlich zu stören, aber er war auch zu beschäftigt damit gewesen, mit Gwens Tante zu tanzen, um sich an der offensichtlichen Intimität der beiden zu stören. Tatsächlich schien niemandem aufgefallen zu sein, dass Jack und Gwen sich etwas zu nahe zu sein schienen, was Ianto dazu veranlasste zu glauben, dass er sich die Funken zwischen den beiden nur eingebildet hatte. Dass sie sich nicht wirklich tief in die Augen gesehen hatte, leicht lächelnd, so eng aneinander tanzend ... obwohl dieser Anblick allein schon geschmerzt hatte, wünschte Ianto jetzt, er hätte niemals die Initiative ergriffen und sie unterbrochen. Denn alles, was danach passiert war, tat noch viel mehr weh als für die Dauer eines Songs zu beobachten, wie Jack seine Trauer über Gwens lebenslanges Treueversprechen einem anderen gegenüber zu verstecken versuchte. Die Tatsache, dass sie Ianto nicht mal gehört hatten, verloren in ihrer eigenen Welt, die Tatsache, dass sie sich eigentlich nicht voneinander trennen wollten und ... die Bewegung war nur klein gewesen, kaum wahrnehmbar eigentlich, aber als Ianto zwischen sie getreten war, hatte er gesehen, wie Jack ein genervtes Augenrollen unterdrückt hatte. Vielleicht dachte er, dass Ianto es nicht bemerkt hatte, aber da lag er falsch. In diesem Moment hatte Ianto sich wirklich dafür verflucht, dass er den Tanz unterbrochen hatte.

Jack bog in Iantos Straße ein und parkte.

"Danke", murmelte Ianto und löste den Sicherheitsgurt.

"Du hast mich eingeladen, heute Nacht bei dir zu bleiben", sagte Jack tonlos. Er war offensichtlich wütend, versuchte aber ebenso offensichtlich, es nicht zu zeigen. Ianto zögerte einen Moment. Sollte er Jack nun wegschicken, würde dieser vermutlich einen Witz über Eifersucht machen, der Ianto momentan etwas zu tief treffen würde. Sollte er die Einladung bestätigen, würden sie sich eine Weile an schweigen und dann wütenden, rauen Sex haben, nach dem Ianto sich absolut nicht besser fühlen würde. Er sollte Jack wegschicken.

"Das gilt auch noch", sagte Ianto stattdessen und er hasste sich selbst dafür, dass er nachgab. "Ich hätte nur nicht gedacht, dass du bleiben willst."

"Habe ich einen Grund, nicht zu bleiben?", fragte Jack und Ianto sah ihn das erste Mal an, seit sie das Hotel verlassen hatten. Sein Gesicht war merkwürdig emotionslos. Ein Zeichen dafür, dass er tatsächlich wütend war.

"Ich denke nicht."

***

Jack beobachtete, wie Ianto seinen Anzug mit der Präzision auf hängte, die er an ihm liebte. Normalerweise. Im Moment war er nur wütend auf ihn. Es war nicht so, als ob Ianto ihn absichtlich wütend gemacht hatte. Nicht mal unabsichtlich. Es lag eher daran, dass Ianto ihn seit Wochen verwirrte und Jack hatte noch nie damit umgehen können, etwas nicht zu verstehen. Deshalb versuchte er, seinen Ärger und seine Frustration nicht allzu deutlich zu zeigen. Das letzte, was er wollte, war, Ianto mit einem gedankenlosen Kommentar, geäußert aus Wut, zu verletzen. Ianto war zwar ein erwachsener Mann, der während Einsätzen in der Lage war, auf sich aufzupassen und alles einzustecken, was ihm entgegen geschleudert wurde, aber was Emotionen und ihre nicht-wirklich-eine-Beziehung anging, war er manchmal etwas zu empfindlich.

Ianto zog seine Schlafanzughose an und ging ins Bad, um sich zu waschen. Jack war schneller fertig gewesen als er und bereits im Bett. Er lehnte am Kopfende, die Beine unter der Decke ausgestreckt. Seine Hand rieb über den rauen Stoff seiner alten Jogginghose und er seufzte tief. Er war nicht wirklich sicher, ob er überhaupt hier sein wollte. Er wusste nicht, warum er nicht den Ausstieg aus dem geplanten gemeinsamen Abend genommen hatte, den Ianto ihm im Auto angeboten hatte. Etwas war anders zwischen ihnen. Ianto war anders. Jack konnte nicht genau bestimmen, was es war, aber etwas beschäftigte Ianto, etwas, das nur ihn und Jack betraf, aber er redete nicht darüber und Jack wollte ihn nicht drängen – das würde nur dazu führen, dass Ianto sich noch mehr verschloss. Für Jack bedeutete das, dass Ianto ihm nicht vertraute, und nun verbrachte er den Großteil seiner Zeit damit, auf die Explosion zu warten – er vermutete, dass Ianto ihm entweder sagen wollte, dass er nicht mehr länger sein Bett teilen würde oder aber, dass er sich in Jack verliebt hatte. Beides war nicht gut. Er wollte Ianto nicht verlieren. Er bedeutete ihm eine Menge, sogar, wenn er ihn aufregte, aber ein Liebesgeständnis wäre noch schlimmer, denn er könnte Iantos Liebe nicht erwidern. Er weigerte sich. Es würde nur zu sehr schmerzen, sobald der Tag kam. Er war natürlich nicht dumm. Er wusste, dass er nicht wirklich etwas gegen dieses Gefühl tun konnte – man verliebte sich, ob man nun wollte oder nicht –, aber er konnte zumindest verhindern, dass Ianto das wusste und am Ende dachte, das zwischen ihnen wäre es. Die grausame und brutale Wahrheit war nämlich, dass Jack es niemals haben würde. Nicht mit seinem Fluch im Gepäck.

Er hörte Ianto die Zähne putzen, ein so häusliches Geräusch, und lehnte den Kopf zurück an die Wand. Er hasste es, nicht zu wissen, was Ianto dachte und fühlte. Er tat all diese Dinge, die Jack nur noch mehr durcheinander brachten und damit noch wütender machten. Wie die Unterbrechung des Tanzes ... Jack hatte keine Ahnung, wie Ianto auf diese Idee gekommen war, aber er hatte in einem Raum voller fremder Menschen auch keinen Aufstand machen wollten. Die Hochzeit war schon ohne ein finales Drama "dieser Schwulen", wie Gwens Mutter sie genannt hatte, aufregend genug gewesen. Was Ianto damit getan hatte, war die Verteidigung seines Reviers gewesen. Jack hatte das sehr wohl verstanden, aber es war kindisch und unnötig gewesen.

Ianto stieg ins Bett und legte sich hin. Jack schaltete die Nachttischlampe aus. Er musste nicht hinsehen, um zu wissen, was Ianto nun machte. Er richtete sich auf die Nacht ein und seufzte tief, auf dem Rücken liegend, den Kopf zur Seite gedreht, die Decke bist zur Brust hochgezogen. Jack hatte sich eigentlich auf diesen Moment gefreut, seit Ianto ihn am Morgen eingeladen hatte ... er hatte sich vorgestellt, wie er sich zu Ianto beugte und ihn küsste, seine Hände unter den dünnen Stoff der Hose schob und ihn näher zog. Es wäre zärtlich gewesen, leidenschaftlich ...

"Bist du nicht müde?", fragte Ianto leise und eine seiner Hände legte sich warm auf Jacks Oberschenkel.

"Nicht wirklich", antwortete Jack.

"Du hast seit drei Tagen nicht mehr geschlafen", sagte Ianto. Seine Finger zeichneten beruhigende Kreise auf Jacks Oberschenkel.

"Ich bin nicht müde."

"Also willst du einfach die ganze Nacht da sitzen?", fragte Ianto.

"Na ja, der Abend verlief nicht unbedingt so, wie ich es mit vorgestellt hatte. Ich hatte ein anderes Ende geplant, aber ich bin nicht mehr in der Stimmung", antwortete Jack.

Iantos Hand hielt inne. Das Bettzeug raschelte und aus dem Augenwinkel sah Jack, wie Ianto sich im schwachen Schein der Straßenlampen aufsetzte. "Ich zwinge dich nicht zu bleiben. Du kannst auch gehen, wenn du willst."

Jack drehte den Kopf und konnte gerade so Iantos Gesichtszüge ausmachen, sehen, wie seine Augen Jacks rasch auswichen. Jack nickte langsam. "Vielleicht mache ich das."

Iantos Hand verschwand und er legte sich wieder hin, der Rücken Jack zugewandt, die Decke bis ans Kinn hoch gezogen. "Vergiss nicht, die Tür abzuschließen."

Jack bewegte sich nicht. Er war sich noch nicht sicher. Noch vor einem Jahr wäre er niemals ohne das Versprechen von Sex in Iantos Wohnung gekommen. Er war nie über Nacht hier geblieben, wenn sie nicht miteinander schliefen, außer in den seltenen Fällen, in denen Ianto krank oder verletzt gewesen war. Vor einem Jahr noch hatten sie nur Sex gehabt. Ianto hätte vielleicht ein netteres Wort für ihr Arrangement verwendet, aber das änderte nichts daran, dass Sex ihre Art gewesen war, einen schlecht gelaufenen Einsatz zu verarbeiten, eine Erweiterung ihrer Freundschaft ins Schlafzimmer. Dabei machte es keinen Unterschied, dass unter den meist schnellen und rauen Sex auch zärtliche Nächte gemischt waren. Es war dennoch nicht mehr als eine Büroaffäre gewesen. Aufregend, leidenschaftlich und wundervoll.

Nun hatten sie Dates, aber alles andere war geblieben wie früher. Abendessen und ein Film wurden immer Abendessen, ein Film und Sex. Sie redeten jetzt mehr über ihre Vergangenheit und sie verbrachten auch faule Stunden kuschelnd im Bett, aber Sex gehörte immer dazu.

Das hier – zu bleiben ohne Sex erwarten zu können – war neu und musste durchdacht werden. Jack wollte nicht die falschen Signale senden. Er wollte nicht, dass Ianto glaubte, er wäre nur eine Bettgeschichte, das war er nie gewesen, aber er wollte diese Sache auch nicht zu einer Beziehung machen. Er mochte die Dinge, wie sie gerade liefen. Beziehungen tendierten hingegen dazu, nicht gut für ihn zu enden.

Das Bettzeug raschelte. Jack weigerte sich, Ianto anzusehen, und starrte stattdessen auf die verschwommenen Punkte, die die Straßenlampen auf die beigen Vorhänge malten.

Ianto fragte: "Glaubst du, dass zwei Leute füreinander bestimmt sein können?"

Jack antwortete nicht.

Ianto schien zu glauben, dass er seine Frage erklären musste. "Als wäre es Schicksal. Sie treffen sich und egal, was zwischen ihnen steht, am Ende kommen sie zusammen. Wie in Weil es dich gibt."

"Den Film habe ich nie gesehen."

"Das solltest du", sagte Ianto, "aber darum geht es nicht."

Jack stieß verärgert die Luft aus. "Ich glaube nicht an Schicksal", sagte er, "und ich weiß wirklich nicht, warum du mir eine so dumme Frage stellst." Er wollte Ianto nicht verletzen, aber seine Frustration gewann die Oberhand.

"Vielleicht sind Gwen und du füreinander bestimmt und ich nur ... ein Hindernis."

Jack stand auf. "Das muss ich mir wirklich nicht anhören. Das ist das kindischste, was ich seit langem gehört habe, Ianto." Er verließ den Raum und knallte die Tür zu. Dann erinnerte er sich daran, dass seine Kleidung auf dem Stuhl neben der Kommode lag. Es wäre etwas peinlich, nach seinem Abgang wieder zurück zu gehen, um sie holen, also machte er sich auf den Weg in die Küche.

Die Nacht würde noch ein paar Stunden dauern und er konnte ein Bier gut gebrauchen.

***

Ianto starrte an die Decke und versuchte, seinen Atem zu beruhigen. Er konnte Jack in der Küche hören, der in den Schubladen nach etwas suchte, bis er es zu finden schien.

Nur eine Minute später schloss sich die Tür zum Wohnzimmer, leise dieses Mal, und Stille kehrte ein. Er wünschte nun, niemals etwas gesagt zu haben, aber es war zu spät. Er war noch immer erschöpft, aber unruhig und er wusste, dass er nicht würde schlafen können. Er schaltete die Nachttischlampe an und stand auf, machte einen Umweg ins Bad, um seinen Bademantel zu holen und folgte Jack. Als er vor der Tür zum Wohnzimmer stehen blieb, hörte er leise Musik nach draußen dringen. Moonlight Serenade. Das bedeutete üblicherweise, dass Jack entweder in ausgesprochen guter Laune, nostalgisch oder wütend war. Das Stück konnte ihn beruhigen und es erinnerte ihn an wie er sagte "gute Zeiten". Ianto wusste, dass er die Zeit mit Rose und dem Doktor meinte. Aber im Moment nahm er an, dass Jack nicht um Erinnerungen ging, sondern er nur wütend war und sich beruhigen wollte.

Er öffnete die Tür und trat langsam ein. Jack saß auf der Couch und nippte an einer Flasche Bier. Da er ihm zugewendet saß, sah er Ianto herein kommen. Er reagierte, indem er sich etwas aufrechter setzte und das Kinn auf eine Hand stützte. Er stellte die Flasche auf den Tisch und legte seine nun freie Hand auf den Oberschenkel. Ianto war versucht, sich zu entschuldigen, aber er realisierte, dass es ihnen nichts bringen würde. Sie mussten reden.

"Wenn du genau hinsiehst, dann entdeckst du ein Muster", sagte er leise.

Jack hob eine Augenbraue.

Ianto erklärte: "Es geht um dich und Gwen, Jack."

"Ich bin mit dir zusammen."

Ianto senkte den Blick. "Ja."

Etwa eine Minute lang war das Lied das einzige Geräusch. Es endete und begann von neuem. Ianto hatte Jack die CD geschenkt, nachdem sein alter Plattenspieler ihn im Stich gelassen hatte. Jack benutzte mit beinahe kindlicher Freude den Repeat-Knopf an Iantos Anlage, um dasselbe Stück immer und immer wieder zu spielen, während er kochte, aufräumte, spülte und mit Ianto auf der Couch Sex hatte.

Jack fragte: "Von welchem Muster redest du?"

Ianto sah ihm in die Augen und bemerkte, dass Jack etwas nachgeben wollte, Ianto die Chance gab, ihm seine Gefühle zu erklären.

"Sobald Gwen Rhys näher kommt, tust du alles in deiner Macht, um ihr näher zu kommen."

"Also geht es um sie?"

"Nein." Ianto schüttelte den Kopf. "Es geht nicht um sie. Es ging nie um sie. Es geht um dich." Er schluckte. "Du sorgst dafür, dass sie glaubt, sie hätte eine Chance."

Jack kniff die Lippen zusammen. "Das tue ich nicht. Ich habe ihr nie etwas versprochen."

"Das machst du ohnehin nie." Ianto verschränkte die Arme. "Aber du konfrontierst sie mit diesem traurigen Gesichtsausdruck und diesem Lächeln und diesem ganzen 'Ich wünschte du wärst mit mir zusammen'-Verhalten. Was soll sie sonst denken? Es ist, als würdest du nur darauf warten, dass sie den ersten Schritt macht. Manchmal frage ich mich, was passiert, wenn sie es tut."

Jack stand auf. "Das ist nicht fair, Ianto."

"Das ist es nicht!", sagte Ianto. "Es ist nicht fair ihr gegenüber oder aber mir. Ich meine, sie droht dir, Torchwood zu verlassen und du machst ihr so etwas wie eine Liebeserklärung – vor den anderen."

"Das war keine Liebeserklärung, Ianto. Warst du deshalb die letzten Wochen so merkwürdig?"

"Merkwürdig?"

"Du willst, dass ich dir sage, was ich ihr gesagt habe, richtig?", fragte Jack und kam näher. "Du willst, dass ich dir rote Rosen schenke und dir sage, dass du mir alles bedeutest und dass es ein verdammt großes Loch in mir hinterlassen würde, wenn du Torchwood verlassen würdest!" Er zeigte mit einem Finger auf Ianto. "So funktioniert das zwischen uns nicht, Ianto."

"Warum nicht?", fragte Ianto.

"Du bist nicht Gwen!"

***

Sobald die Worte Jacks Mund verlassen hatten, fühlte er sich wie der größte Bastard auf dem ganzen Planeten. Ianto starrte ihn an, fassungslos und mit Tränen in den Augen, aber auch entschlossen, sich nicht verletzt zu geben. Jack konnte sich nicht mal entschuldigen, denn das wäre eine Lüge. Er hatte gemeint, was er gesagt hatte, wenn auch anders, als Ianto dachte.

"Richtig“, sagte Ianto, "ich bin nur der Kerl, den du fickst. Ich habe wirklich kein Recht, mehr zu verlangen oder dich darum zu bitten, es den anderen gegenüber zuzugeben, denn es soll ja niemand über uns Bescheid wissen, Jack. Owen und Tosh denken, dass wir alle nur einsame Singles sind – außer Gwen natürlich. Die glaubt, dass die Welt für uns einsam und kalt ist, weil wir keine Beziehung führen. Ich frage mich wirklich, warum ich diese Geheimniskrämerei zugelassen habe!“

Jack senkte den Blick, drehte sich weg und fuhr mit einer Hand durch sein Haar.

"Geh bitte“, sagte Ianto.

Jacks Herz setzte einen Schlag aus und er drehte sich wieder zu ihm um. "Ianto-"

"Es ist aus“, sagte Ianto, dann lachte er hilflos. "Stell dir vor, ich beende etwas, dass offiziell nie existiert hat.“

"Kann ich was sagen? Ich gehe sofort, wenn du willst, aber ich würde gerne erklären ...“ Jack stoppte, unsicher, wie er den Satz beenden sollte.

Ianto nickte.

Jack stieß erleichtert die Luft aus. "Du hast mich missverstanden“, sagte er, “und das ist meine Schuld.“ Er räusperte sich. Es war ihm nie leicht gefallen, in Gefühlsdingen ehrlich zu sein. Alle seine Ex-Lover konnten das bestätigen. "Ich wollte nicht, dass sie es wissen“, sagte er langsam, "weil ich Angst hatte, es zu zerstören und dann wäre ich der Schuldige vor allen gewesen – zurecht –, aber der Schuldige und der Boss zu sein verträgt sich nicht sehr gut miteinander.“

Ianto antwortete ihm, indem er die Augenbraue in seiner bekannten 'Das ist nicht dein Ernst'-Bewegung hob.

"Ich weiß“, sagte Jack. "Ich wollte es ihnen sagen, sobald wir etwas sicherer sein würden, aber ... es geheim zu halten, war aufregend. Das war es damals auch und jetzt, wo wir zusammen essen gehen und ins Kino, ist es noch besser.“ Er konnte sehen, dass Ianto dieser Erklärung nicht beeindruckte und fügte hinzu: "Außerdem war es großartig. Kein Teil von Torchwood, sondern unsere private Sache. Ich wollte nicht, dass Owen Witze darüber macht oder dass Gwen Doppeldates vorschlägt oder Tosh mir droht, dich gut zu behandeln.“

Ianto seufzte. "Sie wissen es doch schon. Owen hat es irgendwie herausgefunden, bevor er gestorben ist und er hat es den anderen gesagt aber ... für sie ist es nur eine Bettgeschichte. Ein dreckiges kleines Geheimnis.“

"Wolltest du deshalb heute mit mir tanzen?“, fragte Jack. "Um ihnen zu beweisen, dass es mehr ist?“

"Ist es das?“, fragte Ianto.

"Natürlich“, antwortete Jack. "Sei nicht albern, Ianto.“

"Warum dann?“, fragte Ianto. "Warum hängst du weiter an Gwen?“

"Sie bedeutet mir viel, Ianto, aber das heißt nicht, dass du mir nichts bedeutest.“ Er seufzte frustriert. "Ich weiß, dass ich es manchmal übertreibe, aber ich kann mir nicht helfen, okay? Ich sage ihr aber immer, Rhys ist perfekt für sie. Ich würde nie ... ich würde nie etwas mit ihr anfangen, weil ich ihr nicht geben kann, was sie braucht. Sie glaubt vielleicht, dass ich das bin, was sie will, aber sie irrt sich.“

"Zu was macht mich das?“, fragte Ianto. "Dem Trostpreis?“

"Gott, nein.“ Jack legte beide Hände an Iantos Wangen. "Du bist weder der Trostpreis, noch etwas anderes in der Richtung.“ Er seufzte. "Alles, was ich Gwen jemals gesagt habe, habe ich dir auch schon mehrmals gesagt.“

Ianto sah ihn fragend an.

Jack lächelte. Er küsste Iantos Lippen und übersetzte: "Du bist großartig.“ Seine Hand glitt zu Iantos Rücken und zog ihn näher. "Ich brauche dich.“ Sie legte sich auf Iantos Hintern. "Ich will dich.“ Seine Nase rieb über Iantos Wange. "Ich weiß nicht, was ich ohne dich tun würde.“ Er küsste seine Stirn. "Danke.“ Dann nahm er Iantos Hand und legte sie auf seine eigene Brust, bevor er begann, sich im Takt der Musik zu bewegen. "Lass mich bleiben.“ Er lächelte traurig. "Ich hätte nicht gedacht, dass ich Worte brauche, um dir diese Dinge zu sagen.“

Iantos freie Hand legte sich in der traditionellen Tanzposition auf Jacks nackte Schulter und er seufzte tief. "Charmeur.“

Jack grinste. "Du willst es doch so.“

"Wir müssen aufhören, ein Geheimnis daraus zu machen“, sagte Ianto. Er folgte Jack, als dieser eine elegante Drehung nach rechts machte, und sah dann wieder in seine Augen auf. "Es war aufregend, aber es passt nicht mehr zu uns.“

"Okay“, sagte Jack, "aber du musst anfangen, mir zu vertrauen.“

"Das tue ich.“

"Tust du nicht. Nicht wirklich. Nicht, wenn es um uns geht.“

Ianto schluckte und sagte leise: "Es ist nur so, dass ... manchmal, wenn ich mit dir zusammen bin, fühlt es sich an als würde ich versuchen, eine Rolltreppe hoch zu rennen, die nach unten führt ... und ich kann nicht mal sicher sein, dass du am oberen Ende auf mich wartest.“

"Mache ich nicht“, sagte Jack. "Ich warte nicht. Ich helfe dir hoch.“

Ianto lächelte und Jack küsste ihn leidenschaftlich, zog ihn näher.

Nach ein paar Minuten lehnte Ianto die Stirn an Jacks und schloss die Augen. "Ich dachte, ich könnte nicht einschlafen, aber jetzt bin ich wirklich erschöpft“, sagte er.

Jack hörte zu tanzen auf und legte beide Arme um Ianto. "Langer Tag“, flüsterte er.

"Oh, ja“, antwortete Ianto.

"Du solltest schlafen gehen“, schlug Jack vor.

"Schlaf“, sagte Ianto langsam, als ob er bereits auf dem besten Weg dorthin wäre, "klingt himmlisch.“ Seine Hände rieben kurz über Jacks Rücken, dann hob er den Kopf, um ihn anzusehen. "Bleibst du?"

Jack schluckte, zögerte. Er wollte schon, aber es würde einen Schritt weiter weg von dem bedeuten, an das er sich gewöhnt hatte. Einen Schritt näher an eine Beziehung und damit einen Schritt näher an den Tag heran, an dem Ianto realisieren würde, dass er nicht mit Jack zusammen sein konnte. Oder eher mit Jacks Fluch.

Doch dann sah er Ianto an, der nervös den Blick abwandte. Iantos Hände glitten zu Jacks Hüften, kurz davor, sich ganz zurück zu ziehen, und er realisierte, dass Ianto hier ebenfalls etwas tat, was ihm neu war und dessen er sich nicht sicher war. Er riskierte etwas, also sollte Jack es auch können. Er nickte langsam. "Ja. Etwas Schlaf klingt gut.“


ENDE
04/11

Wenn ihr diese (oder eine andere) Story als PDF haben möchtet, sende ich sie euch gerne. Schreibt mir einfach eine PM mit dem Titel der Story, der Sprache, in der ihr sie wollt und eurer E-Mail-Adresse und ich schicke sie euch. :)

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Comments

( 3 comments — Leave a comment )
pechfeder
Feb. 7th, 2013 01:11 pm (UTC)
Ein gelungener OS, der mehr als deutlich zeigt, wie unsicher sich beide mit ihrer Situation sind. Es macht [i]diese Sache[i] zwischen ihnen aber auch mehr als menschlich, dass sie sich nicht einfach nur in die Augen sehen und sofort verstehen, sondern dass hin und wieder Dinge Angesprochen werden müssen. Vor allem auch mal unangenehme Dinge.
So eine Meinungsverschiedenheit gehört zum Leben dazu, genau so wie die Wut und das aussprechen von Worten, die einem sofort wieder leid tun.

Ich finde, du hast diese Thematik hervorragend umgesetzt und wunderbar an die Ereignisse der Folge angeknüpft.

Leider muss ich zu meiner Schade zugeben, den Film bislang noch nicht gesehen zu haben. Aber was noch nicht ist, kann ja bekanntlich noch werden.

LG,
Federchen
jolinarjackson
Feb. 7th, 2013 03:53 pm (UTC)
Ich denke, gerade Jack und Ianto haben einen enormen Bedarf, Dinge auszusprechen, aber sie tun es nicht. Das ist frustrierend. :P

Es ist ein sehr schöner Film. Einer meiner Lieblingsfilme sogar.
pechfeder
Feb. 7th, 2013 08:29 pm (UTC)
Frustrierend? Nur für die Beiden ;D
Dir bietet es massig Material und mir die Freude beim Lesen.
( 3 comments — Leave a comment )