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Nächtliche Anrufe

Worte: ~1.500
Inhalt: Brians Telefon klingelte mitten in der Nacht und das bedeutete für gewöhnlich, dass etwas Schlimmes passiert war ...
Charaktere: Brian Kinney, Michael Novotny
Pairing: Brian/Michael (canon), Michael/David Cameron (angedeutet)
Rating: PG-13
Spoiler: Finale der 1. Staffel
Setting: Zwischen Season 1 und 2
Anmerkungen: Ich war schon eine Weile nicht mehr in diesem Fandom unterwegs und ich habe noch nie etwas dafür gepostet. Also ist das quasi ein erstes Mal für mich. Geschrieben für einen 5_prompts Table, Challenge 2: as serious as a heart attack.
Beta: Miko Akako, danke!
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Queer As Folk und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Prompt Table

***
***


Brians Telefon klingelte mitten in der Nacht und das bedeutete für gewöhnlich, dass etwas Schlimmes passiert war ... oder aber Debbie hatte sich entschieden, dass nun ein guter Zeitpunkt sei, um ihm eine Standpauke zu halten. Das wäre nicht das erste Mal. Es war zwar nicht mehr vorgekommen, seit er Michael mit 23 in irgendeinem Untergrundnachtclub vergessen hatte – neben dem Alkohol und den Drogen in seinem Blut und dem Kerl, der ihm eine unvergessliche Nacht versprochen hatte, war sein bester Freund einfach untergegangen. Es war deshalb trotzdem nicht seine Schuld, dass Michael in eine Schlägerei verwickelt wurde, aber irgendwann zwischen seinem von Debbie unterbrochenen Versuch, Michael einen runterzuholen und seinem peinlichen Auftritt auf ihrem Geburtstag, als er 21 und high war, war Debbie wohl zu dem Schluss gekommen, dass alles, was in Michaels Leben schief lief, Brians Schuld war.

Brian seufzte und überlegte, ob er das Telefon ignorieren sollte, doch dann wurde ihm klar, dass es tatsächlich schlechte Nachrichten sein könnten, die mit Gus oder Vic oder Michael zu tun hatten, also hob er ab. "Ja."

"Brian ..." Es war Michael. Michael, der eigentlich ein glückliches Homoleben mit David leben sollte. Er klang etwas nervös, als ob er nicht sicher wäre, ob Brian nicht direkt wieder auflegen würde. Aber er klang keinesfalls panisch oder ängstlich.

Das bedeutete, dass niemand verletzt war und ihm Sterben lag.

"Michael, es ist vier Uhr morgens. Ich bin gerade ins Bett. Ich muss um acht einen Kunden beeindrucken."

"Entschuldige, aber ... kannst du mich abholen?"

Brian brauchte nicht zu fragen, wieso. Das würde er später erfahren. "Wo?"

***

"Sag niemanden, dass ich hier bin", war das erste, was Michael sagte, während er seine Tasche im hinteren Bereich des Jeeps verstaute, und Brian stimmte zu, indem er ihn zu sich zog und küsste. Das Auto hinter ihnen hupte und Brian öffnete das Fenster, um eine beleidigende Geste zu machen. Michael schloss die Beifahrertür.

Brian fuhr los. "Also", sagte er, während er sich fragte, ob es eine Art Geheimtreffen um halb fünf Uhr morgens am Flughafen gab. Es staute sich, die Leute wurden ungeduldig und Brian war müde. "Du bist in geheimer Mission hier?"

Michael nickte und kämpfte einen Moment lang mit dem verdrehten Gurt.

"Wo wirst du schlafen?", fragte Brian. "Und wird David dich nicht vermissen?"

"Ich dachte, ich könnte bei dir bleiben und David vermisst mich sicher nicht."

"Habt ihr Schluss gemacht?"

"Wir machen eine Pause", sagte Michael.

"Ihr habt Schluss gemacht", schloss Brian mit einem Nicken.

"Ich hasse es, wenn du das tust!", schnappte Michael. "Wir haben nicht Schluss gemacht. Wir denken nur, dass es das Beste für uns beide ist, etwas Abstand zu gewinnen."

"Okay", sagte Brian. Er wartete einen Moment, um Michael die Möglichkeit zu geben, sich zu beruhigen, dann fragte er: "Das waren Davids Worte und nicht deine, richtig?"

Michael verschränkte die Arme und starrte aus dem Beifahrerfenster.

"Was hat er getan?", fragte Brian.

Michael kniff die Lippen zusammen und schüttelte den Kopf.

Brian wartete.

Michael sagte: "Er behandelt mich wie ein Kind."

"Das ist nichts neues", antwortete Brian, aber Michael ignorierte ihn und fuhr fort: "Ich wollte mit ihm ausgehen, die Szene kennen lernen, aber er meinte nur, wir wären nicht mehr in Pittsburgh und dass wir die Szene hinter uns lassen sollten."

"Ich hoffe, du hast ihm gesagt, wo er sich diese Bemerkung hin schieben kann."

"Er hat mich nicht gelassen. Er fing an, darüber zu reden, wie kindisch die Szene ist und ..." Er stoppte.

"Und?", fragte Brian.

"Er meinte, dass ich nach einer Entschuldigung suche, nicht mit ihm zusammen zu sein. Dass ich dort nach jemandem wie dir suchen würde."

Brian hatte das erwartet. "Sollte ich mich angegriffen fühlen?"

"Ich weiß nicht", seufzte Michael. "Ich bin nur müde." Er sah zu Brian. "Danke fürs Abholen. Ich wusste nicht, wen ich sonst anrufen sollte."

"Das hoffe ich", antwortete Brian. "Ich würde gerne immer derjenige sein, den du anrufst, nachdem du Schluss gemacht hast."

"Wir haben nicht Schluss gemacht."

"Was auch immer."

***

Die Lichter der Stadt erreichten kaum Brians Schlafzimmer. Brian und Michael lagen zusammen im Bett und Brian konnte Michael leise atmen hören. Es fühlte sich an wie damals, als sie Teenager in Michaels schmalem Bett gewesen waren, und er war versucht, die Taschenlampe aus der Nachttischschublade zu holen und die Bettdecke über ihre Köpfe zu ziehen. Damals war nichts einfach gewesen. Homophobie und Schläger und Brians Vater waren tägliche Alpträume gewesen, aber all das lag lange vor Rechnungen und Arbeit und festen Partnern. Damals war es nur sie beide gegen den Rest der Welt gewesen und das machte es irgendwie besonders.

"Wie gehts Justin?", fragte Michael.

Brians Hand ballte eine Faust gegen Michaels Bauch, in den Stoff des verwaschenen T-Shirts. "Besser. Er ist frustriert." Er seufzte und fügte hinzu: "Habe ich zumindest gehört."

"Hast du ihn nicht besucht?", fragte Michael und eine Spur Enttäuschung war aus seiner Stimme zu hören.

"Nicht wirklich", antwortete Brian.

"Aber warum?"

"Keine Ahnung", schnappte Brian. Er fühlte sich sofort schuldig, da sie seit Wochen das erste Mal wirklich miteinander sprachen. Michael hatte ihre Anrufe immer schnell beendet, vielleicht, weil er nicht wollte, dass Brian merkte, wie es ihm wirklich ging.

Er schwächte seinen Ton ab, indem er Michaels Bauch streichelte. Er wusste, dass er Justin aus dem Weg ging und dass das nicht mehr lange funktionieren würde, aber er konnte ihn nicht besuchen. Er hatte es versucht, aber ihn anzusehen erschien ihm unmöglich.

Michael drehte sich zu ihm um und im schwachen Licht erschienen seine Augen beinahe schwarz. "Du weißt, dass es nicht deine Schuld ist, oder?", fragte Michael und seine Finger strichen Brians Wange entlang.

"Ich weiß", antwortete Brian, aber er log. Ein Teil von ihm gab sich selbst die Schuld.

"Ich finde, dass das, was du auf dem Ball getan hast, großartig war", sagte Michael. "Manche würden sogar sagen ... romantisch."

Brian stöhnte auf. "Halt die Klappe!" Sein Ton war nicht aggressiv, nur genervt.

Er sah Michael breit lächeln. "Das war es", sagte Michael und dann lachte er, als Brians Finger seine Rippen kitzelten. Brian fing sich und erinnerte sich daran, dass sie 30 waren und nicht 15. Er sollte Michael wirklich nicht kitzeln.

Er drehte ihm stattdessen den Rücken zu, um zu verstecken, dass ihm die Situation etwas unangenehm war. Manchmal wollte er nicht mal Michael so tief blicken lassen. "Lass mich schlafen", beschwerte er sich.

Michael drückte sich an Brians Rücken. "Ich wünschte, wir hätten das tun können. Auf dem Abschlussball tanzen."

Brian drehte erst den Kopf, dann seinen ganzen Körper. "Ja", sagte er. "Ich hatte das sogar geplant."

Michaels Lächeln wurde schwächer, dafür zärtlicher. "Meinst du das ernst?"

"Absolut."

"Warum haben wir es dann nicht getan?"

Brian verbiss sich die Wahrheit, und schüttelte stattdessen nur den Kopf. "Ich habe geahnt, dass es nur zu Problemen führen würde."

"Seit wann hält dich das auf?"

Er zuckte mit den Schultern. "Das hat es damals." Er zog Michael näher. "Es wäre aber großartig gewesen." Bis nach dem Ball, natürlich. Todd Braskins gemeines Lächeln hatte gereicht, um Brian davon abzubringen, Michael auf die Tanzfläche zu ziehen. Er hatte es in Todds Augen gesehen, die leicht glasig vom Alkohol gewesen waren, den er und seine Freunde in den Saal geschmuggelt hatten. Brians Familie hatte direkt nach dem Ball einen Ausflug nach New York geplant und allein der Gedanke an Michael, das perfekte Opfer für die Nachwirkungen von Brians Sturheit, der die Konsequenzen alleine würde tragen müssen – im Einkaufszentrum, in irgendeiner Gasse. Wo auch immer. Todd und seine Freunde würden ihn kriegen.

Michael legte den Kopf auf Brians Schulter. "Ich habe das vermisst“, sagte er, dann leiser: "Ich vermisse dich.“

Brian wollte ihm sagen, dass er dann einfach zurückkommen solle, nach Pittsburgh und ins Babylon, zu seinen Freunden und der Familie ... zu Brian. Aber er hatte schon vor langer Zeit eine Entscheidung gefällt. Diese Sache mit Michael durfte nicht weiter gehen als sie bereits fortgeschritten war, oder er würde ihn an Bitterkeit und Hass verlieren – seine Eltern waren der Beweis, dass Beziehungen nicht hielten. Er liebte Michael, wirklich, und wenigstens sich selbst gegenüber konnte er das eingestehen. Er wusste, er müsste es nur sagen und Michael würde in seine Arme fallen. Aber er konnte nicht. Liebe, gemischt mit Sex, war so einfach zu zerschlagen – er konnte an etwas so Zerbrechliches nicht glauben und er vertraute nicht darauf, dass es ihn und Michael würde tragen können.

Michael seufzte tief und sein Daumen rieb über Brians nackte Schulter. "Ich habe Angst, dass ich das mit David nicht hinkriege.“

"Musst du nicht“, sagte Brian. "Das wirst du.“ Er rollte sich herum und sah zu Michael hinunter. "Du bist fantastisch Mikey. Deshalb wirst du morgen ins Flugzeug steigen und die Sache mit David klären.“

"Und wenn ich das nicht schaffe?“

"Hör auf, rumzujammern!", sagte Brian. "Das ist einfach. Wenn du das nicht schaffst, dann kommst du nach Hause.“

Michael schien einen Moment unentschieden, dann fragte er: "Vermisst du mich?“

"Sei nicht so erbärmlich“, sagte Brian. Er grub sein Gesicht in Michaels Halsbeuge und atmete tief ein. "Ich brauche dich“, murmelte er. "Ich muss wissen, dass du glücklich bist.“

Es war lange ruhig. Brian war bereits kurz davor, einzuschlafen, als ein Kuss auf seine Stirn gedrückt wurde und Michael drei Worte flüsterte, die er selten sagte: "Ich liebe dich.“

Brian zog ihn näher. "Ich dich auch. Habe ich immer, werde ich immer.“


ENDE
04/11

Komplette Fanfiction Masterlist

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Comments

aenn17
May. 24th, 2011 10:18 am (UTC)
Hm. Ich kenne eigentlich nur die von RTD... Muss ich mir auch mal angucken... :)