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Torchwood: Stahl und Feuer (Fanfiction)

Stahl und Feuer

Worte: ~1.600
Inhalt: Sie saßen einen Moment stumm da, mitten in der Apokalypse, einander anstarrend und ihr Schluchzen unterdrückend, sodass nur leise Geräusche der Verzweiflung zu hören waren.
Charaktere: Ianto Jones, Lisa Hallett
Pairing: Ianto/Lisa Hallett
Rating: R
Spoiler: Cyberwoman / Doctor Who: Age Of Steel, Doomsday
Setting:
vor Staffel 1
Warnungen: Gewalt
Anmerkungen: Geschrieben für redisourcolor Challenge #16 – Apokalypse.
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

***
***


Es gab einen Schlag, der die dicke Sicherheitstür aus den Angeln riss und gegen die Schreibtische schleuderte. Büroutensilien, Laptops und Akten regneten auf die Gruppe herab, die sich zwischen den Tischen verschanzt hatte. Mia schrie.

Und einfach so ging Iantos Welt unter.

***

Ianto stolperte und stürzte. Etwas spitzes grub sich in seinen Brustkorb und für etwa eine Sekunde glaubte er, dass er sich selbst aufgespießt hatte. Es lagen genügend große Scherben und verbogene, scharfe Überreste der Metallpfeiler herum, die einst den kühlen Charme der Personalabteilung ausgemacht hatten. Doch der Schmerz wurde zu einem stumpfen Pochen und als er sich langsam aufsetzte, sah er, dass es nur eine zersplitterte Schreibtischplatte war, die er getroffen hatte. Nicht mal sein Hemd war zerrissen. Ianto wischte sich Schweiß und Ruß von der Stirn und bemerkte nicht, dass er die Mischung wie dunkle Tränen auf seinen Wangen verteilte. Er hustete, spürte, wie die Hitze und der Rauch der kleinen Feuer, die scheinbar durch mehrere Kurzschlüsse entstanden waren, ihn zu ersticken versuchten. Vorsichtig stand er auf.

Dort, in einer Ecke, saß Lisas Vorgesetzter Gabriel Hutchinson und starrte ihn mit toten Augen an. Es gab kein Blut. Er musste von einem Dalek getötet worden sein. Die vernichteten ihre Gegner ohne Spuren zu hinterlassen und so … ordentlich.

Ianto spürte ein hysterisches Lachen seine Kehle hoch kriechen und versuchte, es zu unterdrücken. Es kam trotzdem, erstickt zu einem Schluchzen. Nichts war mehr, wie es zuvor gewesen war. Er stand in der Mitte des Großraumbüros, das von der Personalabteilung belegt war. Alle Schreibtische waren entweder zerstört oder zur Seite geworfen worden, um den Invasoren Platz zu machen. Die Computer und Laptops waren auseinander genommen, einige Schreibtischlampen aber flackerten noch. Alles – sein Leben, sein Job, seine Kollegen ... alles war einfach weg. Er hatte so viele Tote gesehen, während er sich hierher vorgekämpft hatte. So viele zerbrochene Menschen, die an den Wänden aufgestapelt gewesen waren – gestorben, weil sie nicht kompatibel waren oder weil ihre Gehirne erfolgreich in den stählernen Körper eines Cyberwesens transferiert werden konnten oder weil sie die Konvertierung von einem menschlichen Körper zu dem eines Cyberwesens nicht überlebt hatten. Überall hatte er so viel Blut gesehen, in Pfützen um halb umgewandelte Körper. Leblose Gesichter von Menschen, die Ianto regelmäßig in der Kantine gesehen oder mit denen er manchmal im Aufzug gesprochen hatte. Sogar die Gesichter seiner Freunde. Nun war nur noch eine Person übrig, die er lebend finden konnte. Ein Gesicht, dass er noch nicht gesehen hatte.

"Lisa!", schrie er. Jedes Stockwerk war mit mehreren Konvertierungseinheiten für das Torchwood-Personal ausgestattet. Nachdem die Cyberwesen und Daleks plötzlich verschwunden waren, kurz bevor Ianto in eine der Einheiten geschnallt worden wäre, war er an so vielen davon vorbei gekommen. In manchen waren noch Menschen gewesen, einige von ihn hatten noch geatmet, gestöhnt, geschrien ... oh, Gott, sollte Lisa am Ende auch ...

"Lisa!"

"Ianto?"

Er rannte dorthin, wo die schwache Stimme hergekommen war, um eine Ecke ... zwei Konvertierungseinheiten, eine leer, aber mit Blut verschmiert, die andere ... Ianto war sofort neben ihr. "Oh, mein Gott", flüsterte er. Seine zitternden Hände berührten das kalte Metall, das an ihrem Körper befestigt war und ihre wunderschöne Haut zerstörte. Oh, Gott, das konnte nicht wahr sein, er wollte jetzt aufwachen ...

Lisas Finger verkrampften sich in seinem Haar, zogen ihn näher. "Ianto ... bitte ... bitte ... es tut weh ..."

Seine Fingerspitzen fuhren an den Stellen entlang, an denen das Metall, klebrig von geronnenem Blut, in ihre Haut überging. Es sah aus, als wäre es an ihren Körper geschraubt ... in ihre Knochen ... er drehte sich weg und übergab sich.

"Ianto ..." Sie schluchzte. "Ianto, bitte hilf mir ..."

Er wischte seinen Mund an einem Ärmel ab und schloss die Augen. Er atmete tief durch. Konzentration war jetzt wichtiger als Panik, er musste nachdenken, denk nach, denk nach ... sie war halb konvertiert. Sie würden sie nicht verschonen. Sobald UNIT hier eintreffen und das Gebäude stürmen würde ... sie würden für noch mehr Tote sorgen. Lisa ...

"Ianto, hilf mir. Bitte. Ich liebe dich."

Nein, sie würden Lisa nicht bekommen!

Er drehte sich wieder zu ihr um, nun fest entschlossen. "Ich weiß", sagte er und küsste ihre Stirn. "Ich dich auch. Okay, wir müssen ..." Seine Hände zitterten noch immer und verrieten seine Angst. "Wir müssen dich da rausbekommen." Die Fesseln waren bereits gelöst, ein Teil der Einheit war rußgeschwärzt. "Es hat sich selbst abgeschaltet ... ein Kurzschluss vielleicht ...", murmelte er. Das war wenigstens etwas positives. Wenigstens würde er sie nicht aus den Fesseln schneiden müssen.

"Ianto, wir müssen gehen ..." Lisas Stimme war schwach, aber ein harter Unterton war auch zu hören. Ihre sture und entschlossene Natur war noch nicht gebrochen. "Hilf mir hier raus."

Er schaffte es, ihr beim Aufstehen zu helfen. Sie war so schwer mit dem ganzen Metall an ihrem Körper, so groß, kalt, kantig und anders. Nicht seine Lisa.

Er schluchzte, aber steuerte sie Richtung Tür. Sie kamen nicht weit. Nach nur ein paar Schritten schrie sie leise auf und brach zusammen. Ianto fiel mit ihr zu Boden. Er spürte Tränen auf seinen Wangen und er konnte sehen, dass Lisa ebenfalls weinte. Sie saßen einen Moment stumm da, mitten in der Apokalypse, einander anstarrend und ihr Schluchzen unterdrückend, sodass nur leise Geräusche der Verzweiflung zu hören waren.

"Ich ..." Ianto schüttelte den Kopf. "Ich schaffe das nicht."

"Ianto." Wieder der stählerne Unterton in ihrer Stimme. "Ianto ... bitte ..." Sie versuchte, sich vor zu lehnen, aber es ähnelte mehr einem Sturz, der nur von Iantos Händen gestoppt wurde. Ihre Stirn traf auf seine, Lisas Augen – ihre wunderschönen, dunklen Augen – starrten in Iantos. "Ich brauche deine Hilfe, Ianto ... ich kann in diesem Zustand nicht lange überleben. Du musst mir helfen."

Er wischte sich mit dem Ärmel über das Gesicht. "Was soll ich denn tun?"

"Hilf mir aus dem Gebäude. Hol eine der Konvertierungseinheiten. Mit ein paar Modifikationen könnte sie mich am Leben halten, bis wir eine Lösung gefunden haben."

Ianto schloss die Augen. Er konnte sie nicht ansehen, wenn er diese Frage stellte. "Woher weißt du das alles?"

"Die Konvertierung ...", sagte Lisa. "Sie haben Dinge in mein Gehirn geladen. Ich weiß ... Dinge. Wir können sie nutzen, um mir zu helfen." Sie keuchte und schrie plötzlich auf, ihre Hände auf ihren Bauch gedrückt.

"Lisa ..."

"Ianto, du musst mir gehorchen oder ich sterbe!"

Sie zuckten zusammen, als das Geräusch von Waffenfeuer unter ihnen durch das Gebäude hallte.

Lisa schloss die Augen, ihre Stimme wurde schwächer: "Sie kommen, um mich zu töten."

Ianto kniff entschlossen die Lippen zusammen. "Nein", sagte er und stand auf. Er trat hinter Lisa und legte die Arme um ihre Brust, um sie hinter sich her zur Tür zu ziehen. "Das werden sie nicht."

Lisa schrie, als ihre Beine gestreckt wurden, und Ianto konnte Blut unter den Metallplatten hervor laufen sehen. Er stoppte schwer atmend und versuchte, sich unter Kontrolle zu bringen. Doch er schaffte es nicht, seine Panik, Angst und Trauer zu unterdrücken und sammelte die Gefühle stattdessen, um zu schreien: "Oh, Gott, irgendjemand muss uns helfen!" Er war sicher, dass niemand ihn hören konnte, aber er konnte seine Gefühle so los werden und sie aus dem Weg schaffen. Nun konnte er sich etwas besser konzentrieren. Sie brauchten einen Plan.

***

Der Abfallschacht war Lisas Idee gewesen. Es war schmerzhaft, weil sie in einem Container landeten, der nur ein wenig mit Altpapier gepolstert war. Lisa weinte wieder, aber sie wollte nicht, dass Ianto wartete, bis der Schmerz nachlassen würde – sie beide wussten, dass dafür keine Zeit blieb.

Er half ihr in eine der kleinen Hintergassen, die Canary Wharf durchzogen, und versteckte sie zwischen zwei Müllcontainern.

"Wo gehst du hin?", fragte sie.

"Wir brauchen ein Auto", sagte er und zog seine Schlüssel aus der Hosentasche. "Ich habe Zugang zum Fuhrpark und den Vans." Er kniete sich vor sie hin und wischte Tränen und Ruß von ihrem Gesicht. "Du wartest hier auf mich, aber es wird eine Weile dauern. Ich denke, das Gebiet ist abgesperrt, also wird dich hier wahrscheinlich niemand finden. Alle sind noch mit der Durchsuchung des Gebäudes beschäftigt. Laut Protokoll müssen Überlebende sich registrieren lassen. So komme ich wieder in die Nähe des Eingangs. Ich kenne jede Abkürzung im Gebäude und habe die Codes für alle Türen im Archiv. Ich gehe da runter und hole einen der tragbaren Perzeptionsfilter, dann schnappe ich mir eine der Konvertierungseinheiten. Niemand wird bemerken, dass ich mit ihr verschwinde, wenn ich den Filter benutze. Ich packe sie in den Van und wir werden ..." Er schüttelte den Kopf, als er realisierte, dass sein Plan ein Loch hatte. "Ich weiß noch nicht, wo wir dann hingehen, aber ich finde eine Lösung. Versprochen. Ich bringe das in Ordnung."

Sie nahm seine Hand und ein kleines Lächeln zeigte sich auf ihrem müden Gesicht. "Du hältst deine Versprechen immer", flüsterte sie. Es war ein alter Scherz zwischen ihnen. Sie fand, dass es niedlich war, wie er alle möglichen Hindernisse übersprang, um pünktlich zum Essen zu Hause zu sein, wenn er es versprochen hatte, und sie sagte ihm das auch so oft wie möglich. Es war ihm immer etwas peinlich.

"Ja", flüsterte er und küsste sie. "Richtig."


ENDE
05/11

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