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Torchwood: Berührung (Fanfiction)

Berührung

Worte: ~1.000
Inhalt: Ein Jahr lang in Ketten gelegt, gefoltert und immer wieder getötet – was würde man am meisten vermissen?
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, der Doktor (Ten)
Pairing: Jack/Ianto
Rating: PG-13
Spoiler: Das Ende aller Tage, Kiss Kiss Bang Bang
Setting:
nach Staffel 1 / in Staffel 2
Crossover: Doctor Who
Crossover-Setting:
nach The Sound Of Drums / nach The Last Of The Time Lords
Crossover-Spoilers: The Sound Of Drums, The Last Of The Time Lords
Warnungen:
Erwähnung von Folter
Anmerkungen: Geschrieben für den jack_ianto_las Prompt “I didn't see that one coming ...“.
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

***
***


Das Licht war blendend hell und Jack wünschte sich bald schon wenigstens eine einzige Minute in völliger Dunkelheit. Seine Muskeln protestierten gegen die unbequeme Haltung, in die er gezwungen war. Die Haut an seinen Handgelenken war aufgeschürft von all den Malen, in denen er sich gegen die Fesseln gestemmt hatte. Die Wachen aber durften von seinen Schmerzen nichts wissen oder ihr Spott würde noch tiefer schneiden als er ohnehin schon tat. Also versteckte Jack seine Gefühle zwischen sturem Schweigen, wenn sie ihn verletzten und gnadenlosem Flirten, wenn sie es nicht taten. Manchmal schloss er nur die Augen und floh in Erinnerungen: Toshs schüchternes Lächeln, Owens schneidender Humor, Gwens offene Wärme und Iantos loyale Unterstützung. Er erinnerte sich an den Geschmack des Regens auf der Erde, an Wind, der ihm ins Gesicht schlug, wenn er auf einem Dach stand, die Geräusche der Basis. Er klammerte sich an diese Erinnerungen, als der Master ihn auf die unterschiedlichsten Weisen tötete, nur, um Jacks Körper bei der Heilung zusehen zu können.

Vor langer Zeit hatte er überall hin reisen können und in jede Zeit. Sogar, als er Grenzen gesetzt bekam – die Erde und keine Möglichkeit, in der Zeit zu springen – hatte er sich nie so gefangen gefühlt. Dieses Leben – dieser Raum, diese Ketten und der Gestank nach Blut und Schmerz – war alles, was er noch hatte.

Über ein Jahr verging, 372 Tage, dann half Martha Jones dem Doktor, die Erde zu retten, und plötzlich war Jack frei. Doch erst, als der Doktor sich in der TARDIS auf dem Weg zurück nach Cardiff zu ihm setzte, wurde Jack wirklich bewusst, was für eine Narbe der Master auf ihm hinterlassen hatte. Nur eine Hand auf seiner Schulter war nötig, um die Wunde wieder aufzureißen.

Nichts – nicht die Folter, der Spott, die vielen Tode – hatten Jack darauf vorbereiten können, was ihm diese Berührung antat.

Bevor er wusste, was vorging, weinte er in den Mantel des Doktors und Marthas Jacke und er fühlte sich so verloren und klein und wund wie schon lange nicht mehr. ”Es tut mir leid”, flüsterte er, beschämt über seinen Gefühlsausbruch. ”Ich weiß nicht, wieso ich ...”

Der Doktor brachte ihn zum Schweigen und Jack sah seinen eigenen Schmerz in diesen alten, alten Augen widergespiegelt. Plötzlich wusste er, dass er nicht der einzige war, der sich so fühlte – er war nicht der einzige, der glaubte, nicht atmen zu können.

”Ich weiß warum”, sagte der Doktor leise. ”Es gibt eines, was jedes fühlende Wesen braucht, um glücklich zu sein – eine sanfte Berührung.” Er seufzte traurig. ”Wir beide haben ein Jahr ohne auskommen müssen. Es tut weh, sich wieder daran zu gewöhnen.” Er kniff die Lippen zusammen und nickte langsam, ein abwesender Ausdruck auf seinem Gesicht. “Aber daran führt kein Weg vorbei, es ist Instinkt.”

***

Das Licht war freundlich und einladend, intim und warm. Jack wollte nichts mehr, als für immer hier bleiben, aber er wusste, dass das hier nur gestohlene Momente des Friedens waren, und anstatt darüber nachzudenken, wie er die Welt dazu bringen könnte, anzuhalten, genoss er sie einfach. Sein Körper fühlte sich schwer an – die Folgen eines guten Essens und einer Flasche Rotwein. Die Haut seiner Handgelenke rieb über den rauen Stoff von Iantos Jeans. Seine Hände ruhten auf Iantos Oberschenkeln, um ihn davon abzuhalten, aufzustehen, obwohl Ianto sich darüber beschwerte, zu schwer zu sein, um auf Jacks Schoß zu sitzen. Er wehrte sich aber nicht gegen Jacks Griff, nicht wirklich, sondern rutschte stattdessen näher, bis seine Knie gegen Jacks Hüften drückten und sein Schoß gegen Jacks Bauch. Sie waren nicht erregt, noch nicht, sondern ließen sich nur treiben.

Jacks rechte Hand fuhr über Iantos Oberschenkel unter seinen Pullover, um die weiche Haut darunter zu berühren und er hörte Iantos Atem einen Moment lang stocken, sah, wie sich seine Augen schlossen und fühlte ihn noch näher rücken. Iantos Arme legten sich um Jacks Nacken und sie küssten sich sanft. Jack glaubte, dass er und Ianto noch nie intimer miteinander waren als in diesem Moment.

Seine Hand streichelte nun Iantos Rücken, er genoss das Gefühl warmer Haut, und drückte ihn an sich. ”Also?”, fragte er leise und nahm damit das Gespräch wieder auf, dass sie beim Essen nicht ganz beendet hatten.

Ianto leckte sich über die Lippen und starrte in Jacks Augen. ”Da war niemand”, flüsterte er. ”Ich habe mit niemandem geschlafen, während du weg warst.”

Jack sah seine eigene Frage in Iantos Augen widergespiegelt und antwortete: ”Ich auch nicht.” Er legte beide Arme um Ianto und drückte sein Gesicht gegen Iantos Schulter. Dann hob er den Kopf wieder und fügte hinzu: ”Ich habe noch nicht mal jemanden auf die Art berührt.”

Iantos Finger strichen durch Jacks Haar und seine Augen schienen allwissend. ”Wie lange warst du wirklich weg?”

Jack könnte sich in Ianto verlieben, wenn er so wie jetzt Andeutungen auffing, die andere nicht mal bemerkten.

Er küsste Iantos Halsbeuge. ”Über ein Jahr. In Ketten.”

Ianto nickte traurig.

Jack hasste es, ihm wehzutun, aber er wusste auch, dass Ianto nicht wollen würde, dass er sich zurückhielt, denn Ianto war kein Kind oder jemand, der Schutz brauchte – wie sehr Jack ihm diesen auch geben wollte. Er war stark und unabhängig und auch ein Beschützer … und vielleicht, dachte Jack, brauchte er selbst zur Abwechslung mal etwas Schutz.

Er lächelte. ”Ich habe mal gehört, dass fühlende Wesen sanfte Berührungen brauchen, um glücklich zu sein.”

Ein schiefes, jungenhaftes Grinsen hellte Iantos Gesicht auf und versteckte die Traurigkeit. ”Und du bist nicht mehr gefesselt.”

”Nein”, bestätigte Jack, aber er fühlte sich noch immer beschädigt und es kostet ihn viel Kraft, Ianto nicht verzweifelt an sich zu pressen, bis seine Wärme und der bekannte Geruch alles waren, was ihn umgab. Er wollte sich wieder wie ein Mensch fühlen, nicht mehr wie ein Freak und das Lieblingsprojekt des Masters.

Ianto küsste seine Wange und flüsterte: ”Dann berühr mich.”

Und endlich konnte Jack wieder atmen.


ENDE
05/11

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