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Torchwood: Freiheit (Fanfiction)

Freiheit

Worte: ~1.600
Inhalt: An ihrem ersten Abend in Freiheit bekommt Tosh Besuch von ihrem neuen Chef.
Charaktere: Toshiko Sato, Jack Harkness
Pairing: Jack/Tosh
Rating: PG-13
Spoiler: Offenbarungen
Setting:
vor der Serie
Anmerkungen: Geschrieben für die redisourcolor-Challenge #19 – Celebration. Ich hatte schon aufgegeben, etwas für diesen Prompt zu schreiben. Ich fing zwei Mal an und ich hörte zwei Mal mittendrin auf. Dann wurde das Abgabedatum nach hinten gerückt und ich hatte diese Idee.
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

***
***


Die Wohnung – ihre Wohnung – korrigierte Tosh sich, war bereits möbliert und hatte viele Fenster sowie eine große, helle Küche. Die Regale im Wohnzimmer waren noch leer und die Wohnung wirkte noch recht unpersönlich, aber Tosh war sich sicher, dass sie das mit der Zeit ändern konnte.

Sie stand an der Arbeitsplatte in der Küche und sah aus dem Fenster. Draußen war es bereits dunkel, später Abend, und ihre Wohnung wirkte wie eine helle Insel in einem Ozean aus sanften, orangen Straßenlichtern. Sie starrte ihre Reflexion an – das müde Gesicht, die ängstlichen Augen – und versuchte, ein Lächeln zu finden. Vielleicht hatte sie einfach noch nicht ganz verarbeitet, dass sie jetzt frei war. Nicht offiziell frei, natürlich, aber Captain Harkness – “nenn mich Jack” – hatte ihr gesagt, dass er sie nicht als Gefangene ansah. Er hatte ihr alles auf dem Weg von UNIT nach Cardiff erklärt. Sie würde für ihn arbeiten, ihre eigene Wohnung haben und auch die Chance, in den Urlaub zu fahren, falls der Riss es zuließ, was unglücklicherweise nicht oft war. Tosh war der Urlaub gleichgültig. Wo sollte sie hin? Sie durfte ihre Mutter nicht sehen (“UNIT würde das verdächtig vorkommen. Ich habe denen gesagt, dass du deine Strafe bei mir verbüßen kannst, aber sie wollen, dass du eine Gefangene bleibst. Du darfst ihr aber schreiben, wenn du willst.”) und sonst gab es im Moment niemanden, den sie besuchen wollte. Nein, die Freiheit bestand für sie darin, arbeiten zu dürfen, ihr unterfordertes Gehirn wieder in Gang zu bringen.

Ein Klopfen schreckte sie aus ihren Gedanken. Sie öffnete zögernd.

Jack grinste sie an und hielt eine Flasche Wein hoch. “Ich habe zwar deinen Kühlschrank gefüllt, aber ich habe Alkohol vergessen. Immerhin hast du etwas zu feiern”, erklärte er und trat ohne auf eine Erlaubnis zu warten ein.

Tosh schloss die Augen, als sie seinen Geruch einfing – nicht identifizierbar, männlich – und schloss die Tür. Als sie die Küche betrat, öffnete Jack bereits die Flasche. “Also”, fragte er, “wie findest du die Wohnung?”

Sie verschränkte die Arme. “Sie ist schön. Ich kann das aber nicht annehmen.”

“Keine Sorge. Es ist kein Geschenk. Ich habe nur die Papiere unterschrieben. Du kannst dir die Miete leisten, darauf habe ich geachtet, und sie ist in der Nähe der Basis.” Er holte zwei Gläser aus dem Schrank – ihrem Schrank – und goss Wein ein. Mit einem breiten Grinsen reichte er ihr eines der Gläser und hielt sein eigenes hoch. “Auf Freiheit, Klugheit und Schönheit”, sagte er und sie stießen an. Tosh nahm einen Schluck, um zu verstecken, dass sie rot geworden war. Etwas machte Jack Harkness unwiderstehlich attraktiv und verwandelte seine Flirts und Zweideutigkeiten zu Versprechungen. Es lag nicht an seinem Aussehen, obwohl er ein außergewöhnlich attraktiver Mann war. Es lag daran, dass er Sicherheit, Trost und Selbstbewusstsein ausstrahlte und sie war diesen Dingen immer verfallen gewesen. Sie hatte etwas Angst, sich in ihn zu verlieben, denn das ging nicht. Er war ihr Chef und er war nicht interessiert. Wer wäre das schon? Sie war niemand.

Jack lehnte sich mit dem Unterarm auf die Kücheninsel und sie tat es ihm unbewusst nach. Seine Finger verschränkten sich mit ihren, verursachten eine Gänsehaut wegen dem Kontrast, der entstand: Seine warme Hand und die kühle Steinplatte. Sie beobachtete, wie seine Finger mit ihren spielten. Es schien eine unschuldige Geste zu sein, sanft und tröstend. Tosh wich nervös seinem Blick aus. Sie hatte noch nie mit Körperkontakt umgehen können.

“Okay”, sagte Jack und tippte ihren Handrücken an. “Morgen stelle ich dich Owen und Suzie vor und du kannst mit der Arbeit anfangen. Ich will, dass du zunächst in der Basis bleibst, bis ich sicher bin, dass du etwas Feldtraining hattest. Hast du je eine Waffe abgefeuert?”

Sie schüttelte den Kopf.

“Kannst du kämpfen?”

Wieder schüttelte sie den Kopf. Sie fühlte sich eingeschüchtert und klein. Es wurde deutlich, dass sie dem Team nicht von Nutzen sein konnte, höchstens am Schreibtisch. Was wenn das technische Talent, das Jack an ihr schätzte, versagte? Würde er sie zurück zu UNIT bringen? Er war im Moment nett zu ihr, aber sie bezweifelte nicht, dass er ein sehr gefährlicher Mann sein konnte.

Eine große, warme Hand legte sich auf ihre Wange und hob ihren Kopf, bis sie in freundliche, blaue Augen blickte. “Du bist genau das, wonach ich gesucht habe, Toshiko. Zweifle nicht daran.”

Sie konnte nicht anders: Ihr entkam ein Schluchzen, ein zerbrochenes, hässliches Geräusch in dieser perfekten, schönen – ihrer – Küche. Ein lauteres Schluchzen folgte, dann Tränen und bevor sie wusste, was geschah, legten sich starke Arme um sie und ihre Wange rieb gegen das raue Material von Jacks Mantel. Eine ihrer Hände glitt unter den Mantel und suchte nach etwas, woran sie sich festhalten konnte. Sie fand Hosenträger. Ihre Finger klammerten sich an sie, um Jack näher zu ziehen, und sich selbst einen festen Platz in seiner Wärme und Stärke zu suchen. Ihr Unterbewusstsein spottete, dass sie sich wie eine Idiotin benahm, aber sie konnte nicht aufhören. Sie war einfach nur erleichtert über ihre Freiheit, hatte Angst vor dem Versagen, genoss die Tatsache, wieder fühlen zu können … ihre Emotionen waren während ihrer Gefangenschaft ebenso eingesperrt gewesen wie sie selbst oder sie hätte das Gefängnis nicht überlebt. Nun brachen sie unkontrolliert aus ihr hervor.

Eine Hand verfing sich in ihren Haaren, sanft durch die Strähnen streichelnd, und sie hörte Jack leise eine ihr unbekannte Melodie summen. Sein Geruch war nun leichter zu identifizieren: Eine starke Mischung aus Gewürzen, Holz, Leder und etwas Süßem.

Jack ging etwas in die Knie und küsste ihre Stirn. Instinktiv drehte Toshiko ihren Kopf und fing seine Lippen mit ihren. Seine Hand legte sich auf ihren Rücken und zog sie näher. Er erwiderte den Kuss vorsichtig, bis Tosh sich beschämt zurückzog. “Tut mir leid, ich weiß nicht, warum ich das getan habe.”

“Es macht mir nichts aus”, antwortete er. Sein Nase streifte ihre Wange und er fügte hinzu: ”Tatsächlich können wir mehr machen, wenn du willst.”

Tosh ließ ihn los und trat zurück. Ein trauriges Lachen entkam ihr. “Gehört das zum Vertrag? Mitleidssex?”

“Niemand hat etwas von Mitleidssex gesagt”, antwortete Jack. Er klang beinahe beleidigt. “Du bist eine schöne Frau. Ich würde mich geehrt fühlen.”

“Es bleibt Mitleidssex”, antwortete Tosh und wischte sich die letzten Tränen weg. “Ich schlafe mit dem erstbesten Mann, der nett zu mir ist. Zu was für einer Frau würde mich das machen?” Sie nippte an ihrem Wein und wich Jacks zu klugen Augen aus.

Jack sagte lange nichts, dann antwortete er merkwürdig zögerlich: “Tut mir leid, wenn ich dich missverstanden habe. Manchmal bin ich etwas … ich hätte das nicht tun sollen.”

Tosh sah ihn an und schenkte ihm ein Lächeln. “Kein Sorge. Du bist ein Gentleman.”

Er schien erleichtert, aber etwas unsicher. “Was machen normale Chefs in so einer Situation?”

Sie lachte. “Sich hinsetzen und das Handbuch über sexuelle Belästigung studieren?”, schlug sie vor.

Du hast mich geküsst”, antwortete Jack, seine Augen funkelten fröhlich, scheinbar erleichtert über ihre Art, die peinliche Situation zu übergehen. “Außerdem habe ich vergessen, wo im Archiv es ist. Vielleicht habe ich es unter A abgelegt.”

A?”, fragte Tosh.

Antiquiert”, erklärte er. “Dieses Jahrhundert ...” Er schien sich selbst zu stoppen und schüttelte nur den Kopf, sein Lächeln gefror. “Ich weiß, was du durchmachst. Wieder von vorne zu beginnen”, sagte er ernst. “Ich bin mit nichts weiter als den Kleidern, die ich trug, hier gelandet und … ich habe ewig aus dem Koffer gelebt. Ich will, dass du weißt, dass du mich jederzeit anrufen kannst, Toshiko. Zum Reden … oder vielleicht für einen Kuss.” Er zwinkerte ihr zu und Tosh kicherte. Dieses Mal versteckte sie nicht, dass sie rot wurde. Sie vertraute diesem Mann. Etwas an ihm war einfach richtig. Nicht perfekt, in seinen Augen lauerte etwas Dunkles und Trauriges, aber er war ein guter Mann.

Sie nickte. “Danke.”

Er leerte sein Glas. “Na ja, ich nehme an, das war's. Ich sollte gehen. Es ist spät.”

“Ich bin nicht müde”, sagte Tosh und wünschte, er würde bleiben. Sie brauchte etwas Gesellschaft, aber sie wollte nicht fragen.

“Das Gefühl kenne ich”, antwortete er mit einem Seufzen.

“Tatsächlich”, sagte Tosh, “bin ich hungrig.”

Er lächelte. “Ich kenne eine tolle Pizzeria in der Nähe. Sie liefern rund um die Uhr.”

“Klingt gut.”

“Soll ich ...” Er wirkte einen Moment lang unsicher – ein merkwürdiger Ausdruck für einen Mann wie ihn – und legte seine Hände auf die Hüften. “Soll ich bestellen?”

Er versuchte offensichtlich, sie nicht zu drängen, ihr etwas Platz zu gönnen. Sie schätzte das, aber sie wollte nicht alleine sein. Dennoch wusste sie auch, dass er ein beschäftigter Mann war. “Ich würde verstehen, wenn du gehen musst. Du hast sicher Arbeit”, sagte sie.

“Nein”, antwortete er. “Nichts Dringendes. Und ich habe seit heute Mittag nichts mehr gegessen. Ich könnte einen Elefanten verdrücken.”

“Ich auch”, antwortete Tosh mit einem erleichterten Lächeln. Sie goss Jack mehr Wein ein. “Lass uns noch etwas feiern”, schlug sie ungewohnt selbstbewusst vor. Aber es fiel ihr leicht, in seiner Gegenwart mutig zu sein.

Er sah sie ansah, als wäre er stolz auf sie und hob sein Glas. “Toshiko Sato, du bist eine Frau nach meinem Geschmack.”


ENDE
07/11

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