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Stargate Universe: Mathboy (Fanfiction)

Serie: Destinys Gesichter (Masterlist)
Begleitende Story: Mathboy (sie zu kennen, ist aber nicht notwendig)
Worte: 2.151
Inhalt: “Du bist talentiert, ein schneller Lerner ... leider konnte man dir nicht trauen, Mathboy.” Eli wurde bewusst, dass er den Namen zu hassen begann.
Charaktere: Eli Wallace, Nicholas Rush
Rating: PG
Spoiler: Die Zeitreise, Mordverdacht, Uneins
Setting: zwischen Uneins und Glaube
Anmerkungen: Geschrieben für die Stargate Universe Challenge Community. Ich beantworte Prompt #011 – Identität. Inspiriert durch das unten stehende Zitat. Ich fand es
1.) schade, dass Eli und Nick nie über das Geschehene geredet haben (obwohl man ja nicht weiß, was noch kommen wird)
2.) merkwürdig, wie Eli auf Amanda Perry reagiert hat, als sie ihn Mathboy genannt hat (in Sabotage)
3.) interessant, dass sich die Stimmung an Bord seit Glaube geändert hat. Ich wollte versuchen, diese Änderung hier einzubinden, weiß aber nicht, wie gut das gelungen ist.
Feedback: Brauche ich wie Luft zum Atmen.
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Stargate Universe und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Destiny's Gesichter Masterlist


“Hey, Mathboy! Hast du die Berechnungen für mich?”-“Ja. Und ... bitte nenn mich nicht so.”
(Eli und Amanda Perry in Sabotage)


Er hatte bisher nur ein Mal in seinem Leben unter Schlafproblemen gelitten. Als er 14 gewesen war und sein Vater ihn und seine Mutter verlassen hatte, da war es Eli Wallace ein halbes Jahr lang schwer gefallen, einzuschlafen. Er hatte in seinem Bett gelegen und seiner Mutter zugehört, während sie versucht hatte, ihr Schluchzen zu verstecken. Und immer hatte er sich gefragt, ob er zu ihr gehen und sie trösten sollte. Aber er hatte es nicht getan. Er hatte sich gesagt, dass es einen Grund hatte, dass sie nur dann weinte, wenn er nicht zu Hause oder schon im Bett war. Sie wollte nicht, dass er sie tröstete oder sich Sorgen machte. Am nächsten Morgen hatte sie ihn immer unbekümmert angelächelt, während sie das Frühstück machte und Eli hatte nicht das Herz gehabt, sie auf ihre nächtlichen Qualen anzusprechen. Er hatte gegessen, seine Schultasche genommen und ihr einen Kuss auf die Stirn gedrückt, ehe mit einem “Ich hab dich lieb” das Haus verlassen hatte. Irgendwann hatte sie aufgehört, abends zu weinen und Eli schlief seitdem schneller ein.

Jetzt wünschte er sich, dass es einen so einfachen Grund für seine Schlaflosigkeit gäbe. Aber während er an die Decke seines Quartiers auf der Destiny starrte und darauf wartete, dass er einschlafen würde, wurde ihm bewusst, dass die Gründe alles andere als einfach waren. Jemand ging an seinem Quartier vorbei. Eli hörte die schweren Schritte im Korridor widerhallen und vermutete, dass einer der Soldaten seine nächtliche Runde drehte. Colonel Young ließ nun die Gänge bewachen. Er sagte, es sei nur für ein paar Tage, bis er sicher sein könne, dass es keinen erneuten Aufstand oder heimliche Treffen der Zivilisten gab. Eli wusste, dass Youngs Ego einen Dämpfer verpasst bekommen hatte, von dem es sich so bald nicht erholen würde. Machtdemonstrationen waren seine Art, damit umzugehen.

Eli seufzte und drehte sich auf die Seite. Sein Quartier war fast dunkel, nur von dem Bildschirm der Kino-Station schwach erhellt. Er stieß die Luft aus, rieb sich die müden Augen und stand dann auf. Er zog seine Jacke über das T-Shirt und seine Schuhe an, ehe er sein Funkgerät in die Jeanstasche schob. Dann verließ er sein Quartier. Ein bisschen zu laufen würde ihm vielleicht helfen. Er war müde, aber sein Kopf konnte offenbar nicht abschalten. Wenn er ihn daran erinnerte, wie erschöpft sein Körper war, dann würde er vielleicht schlafen können.

Er steckte die Hände in die Jackentaschen und machte sich auf den Weg zum Observationsdeck. Schritte ließen ihn inne halten. Er wollte nicht von einem der Soldaten in den Korridoren erwischt werden und erklären müssen, was er um diese Uhrzeit tat. Er kam sich albern vor, als er sich hinter einem Wandvorsprung an das kühle Metall der Wand drückte wie ein Flüchtiger. Er konnte die Kreuzung einsehen, von der die Schritte zu ihm hallten, und war überrascht, als er nicht einen der Soldaten sah, sondern Nicholas Rush. Der Wissenschaftler ging mit gesenktem Blick und war voll und ganz auf seinen Notizblock konzentriert. Eli runzelte die Stirn. Er war offenbar nicht der einzige, der an Schlaflosigkeit litt. Vorsichtig folgte er Rush bis zu seinem Quartier.

Einen Moment lang stand er unentschlossen vor der verschlossenen Tür. Seit Rushs Operation hatten sie kein Wort mehr miteinander gewechselt. Das lag nicht nur daran, dass Rush ihn ignorierte. Eli mied den Wissenschaftler auch, so gut es ihm möglich war. Und nicht nur ihn. Er hatte sich schon seit Wochen nicht mehr so unsicher in der Gruppe gefühlt wie seit der versuchten Übernahme des Schiffes durch die Zivilisten vor ein paar Tagen. Nicht nur hatten Rush und die anderen Wissenschaftler – und auch Chloe – ihn aktiv ausgeschlossen, als sie ihre Pläne schmiedeten, sondern Young hatte den Aufstand gewaltsam nieder geschlagen und Eli als Ablenkung genutzt, ohne ihn zu fragen.

Im Augenblick war Eli lieber alleine. Er wusste nicht mal, warum er Rush gefolgt war. Er schüttelte den Kopf und wandte sich von der Tür ab. Als er gehen wollte, öffnete sie sich hinter ihm und er wandte sich zu Rush um. Der Wissenschaftler war sichtlich überrascht, ihn zu sehen. “Eli”, sagte er. Er blickte sich im Korridor um, als erwarte er einen Soldaten oder Young in Elis Begleitung, dann fixierte er seinen Blick wieder auf ihn. “Wolltest du etwas Bestimmes?”

Verunsichert schüttelte Eli den Kopf. Rushs Augen verengten sich lauernd. “Was treibst du dann vor meiner Tür?”

“Was treiben Sie in den Korridoren?”, konterte Eli.

“Ich könnte dich dasselbe fragen.”

Eli zog die Schultern hoch und rieb sich mit dem Handrücken die Stirn.

“Ich arbeite an der Energieversorgung zum Observationsdeck. Colonel Young weiß bescheid, falls dich das interessiert.”

“Nein”, antwortete Eli leise, “Nicht wirklich.”

Rush verließ sein Quartier und die Tür schloss sich. “Dann Gute Nacht.” Er ließ Eli stehen und machte sich auf den Weg zurück zum Kontrollraum.

“Eigentlich”, sagte Eli und Rush blieb stehen. Eli wusste nicht, wie er den Satz beenden sollte. “Eigentlich”, fing er wieder an, “würde ich gerne ... könnten wir ... kurz reden?”

Rush kniff die Augen zusammen und kam langsam auf Eli zu. “Worüber?”

Eli schluckte. “Ich ... weiß nicht.”

“Du weißt nicht? Du willst reden, um drei Uhr früh – und du weißt nicht, worüber?” Wenn Rush ihn so anblickte, fühlte Eli sich wie der unfähigste Mensch auf dem ganzen Schiff. Er schloss einen Moment die Augen. Als er sie wieder öffnete, starrte Rush ihn forschend an.

“Der Aufstand.”

“Ja?”, fragte Rush.

“Wieso?”, fragte Eli. Seine Kehle fühlte sich wie zugeschnürt an und er schluckte. Rush runzelte die Stirn. Dann öffnete er plötzlich die Tür die Tür zu seinem Quartier und trat ein. Nach einem auffordernden Blick in Elis Richtung folgte der junge Mann ihm zögerlich. Die Tür schloss sich und Rush warf seinen Notizblock auf das Bettende, ehe er er sich an die Wand unter dem Fenster lehnte und die Arme verschränkte. Als er einen Moment später das Gesicht verzog und die Arme sinken ließ, um die Hände in die Hosentaschen zu schieben, fragte Eli: “Haben Sie noch Schmerzen?”

Rush lachte humorlos. “Die Operation hätte besser gemacht werden können.”

Eli fand das unfair. “TJ hat getan, was sie konnte. Dass der Kontakt zu Dr. Brightman abbricht, konnte keiner ahnen.”

“Ich gebe Lt. Johansen keine Schuld, Eli.”

Eli senkte den Blick. Rush wartete. Als Eli schwieg, meinte er: “Ich habe zu arbeiten. Wenn du etwas mit mir besprechen willst, dann tu es jetzt.”

Eli atmete durch. “Sie hätten diesen Aufstand nicht anzetteln dürfen.”

Rush schnaubte. “Ich denke, es hat Colonel Young ganz gut getan, zu erfahren, was wir von seinem Kommando halten.”

“Deshalb haben Sie es nicht getan”, antwortete Eli kopfschüttelnd, “Sondern weil Sie das Kommando wollten. Sie wollten es von Anfang an.”

Rush zuckte mit den Schultern. Seine Gleichgültigkeit machte Eli wütend. “Sie sind selbst Schuld an dem, was passiert ist. Sie haben ihm den Mord an Spencer in die Schuhe geschoben, weil Sie an den Stuhl wollten. Das ist hinterhältig.”

Rush wurde ebenfalls wütend. “Und was Young getan hat, war richtig? Mich auf einem Planeten zurückzulassen?” Er wirkte beinahe verletzt, als er hinzufügte: “Natürlich wäre er mit dieser Geschichte niemals durchgekommen, wenn er nicht deine Hilfe gehabt hätte.”

Eli trat einen schockierten Schritt zurück. Rush kam auf ihn zu und stemmte die Hände in die Hüften. “Du wusstest verdammt gut, was passiert war und trotzdem hast du dich mal wieder dazu entschieden, einer von Youngs Soldaten zu sein.”

“Was?”, fragte Eli. Er schüttelte den Kopf.

“Was genau hast du getan während ich weg war?”

Eli verschränkte die Arme. Er funkelte Rush wütend an. “Alles, was nötig war, okay?”

“Alles, was Young dir befohlen hat.”

“Was hätte ich tun sollen? Eine Rebellion anzetteln?”

“Ihn nicht damit durchkommen lassen, dass er mich umbringen wollte, Eli.”

“Sie verschweigen es auch.”

Rush nickte und machte einen Schritt zurück. Er rieb sich mit einer Hand das Kinn. “Der Colonel und ich ...”

Aber Eli war noch nicht fertig und unterbrach ihn. “Und was hätte ich machen sollen, Rush? Mein Wort gegen das des Colonels. Wem würde man wohl glauben?” Er warf die Hände in die Luft. “Richtig. Dem erfahrenen Colonel der Air Force, der uns anführt. Was genau habe ich vorzuweisen, außer ein paar Kino-Aufnahmen, auf denen Sie zu sehen sind, die Sie die Waffe aus Spencers Quartier holen? Aufnahmen, die ich löschen musste, weil Young es so wollte. Aufnahmen, die außer mir nur er kennt, weil ich sie verschwiegen habe.” Eli fuhr sich mit einer Hand durch die Haare. “Sie sagen, dass ich auf Youngs Seite stehe, aber Sie geben mir auch überhaupt keine Gelegenheit, mich zu entscheiden. Sie zetteln einen Aufstand an, von dem alle Zivilisten wussten ... außer mir.”

Rush hob die Augenbrauen. “Ich konnte mir nicht sicher sein-“

“Schon klar”, antwortete Eli, “’Besser wir verschweigen es Eli und tauschen ihn später gegen Wasser ein. Viel mehr kann man für ihn nicht bieten.’ So ein Glück für Sie, dass Young Ihnen da zugestimmt hat.” Eli wandte sich ab und schloss einen Moment geschlagen die Augen. Er hatte das alles nicht sagen wollen, aber er war müde und verletzt und er hatte seit Tagen mit niemandem mehr über sich gesprochen, weil er nicht wusste, an wen er sich wenden sollte, denn sogar Chloe hatte ihn ausgenutzt. Und das tat mehr weh, als Eli irgendjemandem eingestehen wollte.

“Bist du fertig?”, fragte Rush schließlich leise. Elis Schweigen schien er als Zustimmung zu interpretieren, denn er sagte: “Wir konnten es dir nicht sagen, Eli, weil wir dir nicht vertrauen konnten.”

Eli drehte sich zu ihm um. Es war eine Sache, es zu vermuten, aber er hätte nie gedacht, wie sehr es weh tat, seine Vermutung bestätigt zu finden.

Rushs Augen waren wesentlich sanfter als seine Worte und nun lächelte er etwas. “Und du kannst uns dafür nicht die Schuld geben. Aber wir haben darüber nachgedacht, dich einzuweihen.” Er lachte bitter. “Immerhin hast du es fast geschafft, mich aufzuhalten. Der Daten-Transfer war langsamer, als er hätte sein sollen.”

“Das lag nicht an mir. Jeder, der in den Transfer eingegriffen hätte-“

“Nicht jeder”, antwortete Rush mit einem Schulterzucken, “Garantiert nicht Volker. Brody oder Park vielleicht. Aber nicht so schnell.” Er stieß ein humorloses Lachen aus. “Damit machst du deinem Namen alle Ehre, Mathboy”, sagte er bitter, “Wie Chloe schon sagte: Wenn einer es schafft, dann du.”

Eli runzelte verwirrt die Stirn, dann fiel ihm das Gespräch in der Offizierskantine auf der Ikarus-Basis ein. Es waren gerade mal drei Monate seitdem vergangen. Es kam ihm länger vor. Rush war nicht dabei gewesen. Er musste das Gespräch trotzdem mit angehört haben.

“Du bist talentiert, ein schneller Lerner ... leider konnte man dir nicht trauen, Mathboy.”

Eli wurde bewusst, dass er den Namen zu hassen begann. Er war nicht mehr der Junge, der sich im Scherz selbst so getauft hatte. Drei Monate konnten ein Leben verändern. “Nennen Sie mich nicht so.”

Rush zuckte mit den Schultern und Eli wandte sich ab, um zu gehen.

“Eli.”

Er blieb stehen und blickte zurück zu Rush. Der Mann hatte nun doch die Arme verschränkt. Es gab Gewohnheiten, an denen nicht mal Schmerzen etwas ändern konnten. “Du warst seit Tagen nicht im Kontrollraum. Ich habe Colonel Young gefragt und er meinte, dass er dich nicht für irgendwelche Aufgaben eingeteilt hat, also ... was hält dich ab weiterzuarbeiten?”

Eli zuckte mit den Schultern und senkte den Blick. “Sie scheinen mit Park und Brody alles unter Kontrolle zu haben.”

Rush nickte langsam. Er kam auf Eli zu. “Wir sind uns doch darüber einig, dass ich deine Hilfe gebrauchen kann.”

“Sie vertrauen mir nicht”, sagte Eli kühl und Rush seufzte.

“Du hast deine Hand in ein offenes Wurmloch gesteckt, weil ich es dir gesagt habe. Du hast kaum gezögert. Du hast Berechnungen angestellt, die Lt. Scott geholfen haben, auf die Destiny zurückzukehren. Ich habe sie nicht mal nachgeprüft, weil ich wusste, sie stimmen.”

Eli nickte langsam. “Ein gutes Team”, sagte er leise.

“Ja”, bestätigte Rush, “Das waren wir, bevor ...” Er seufzte und schüttelte den Kopf. Eli wusste, was er sagen wollte. Bevor Loyalitäten das wichtigste an Bord wurden und sie in verschiedenen Lagern gelandet waren. Es war so albern, wenn man bedachte, was ihnen womöglich noch bevor stand. Rush schien seine Gedanken zu lesen, denn er sagte: “Der Colonel will seine Leute dazu anhalten, mehr auf die Zivilisten zuzugehen. Er wird ab morgen auch auf die nächtlichen Rundgänge verzichten. Ich habe die Zivilisten darum gebeten, toleranter den Soldaten gegenüber zu sein. Der Colonel und ich sind uns einig, dass wir nicht weitermachen können wie bisher. Nicht mit einer Bedrohung wie diese Aliens sie darstellen.”

Eli runzelte die Stirn. “Wann sind Sie zu dieser Überzeugung gekommen?”

Rush verzog das Gesicht. “Wir haben geredet. Es war ... nötig.”

Eli konnte nicht anders. Er lächelte. Rush lächelte zurück. “Wir können lernen, einander wieder zu vertrauen. Wie die Zivilisten und das Militär”, meinte er dann.

Eli nickte. “Mit der Zeit”, antwortete er.

Rushs Hand auf seiner Schulter war warm. Sein Lächeln auch. “Mit der Zeit.”


ENDE
05/10

Destiny's Gesichter Masterlist
Komplette Fanfiction Masterlist

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