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Torchwood: Letzte Worte (Fanfiction)

Letzte Worte



Worte: ~ 2.200
Inhalt: Prompt von ms_bekahrose: Gwen trifft Rhiannon nach Anwens Geburt. (Kombiniert mit einem zweiten Prompt: Rhiannons erste Begegnung mit Ianto.)
Charaktere: Gwen Cooper, Rhiannon Davies, Anwen Cooper-Williams
Pairing: Jack/Ianto (angedeutet)
Rating: PG-13
Spoiler: Kinder der Erde, Charakter von Miracle Day
Setting: Zwischen Kinder der Erde und dem Roman First Born
Warnungen: Erwähnung von Canon Character Death
Anmerkungen: Geschrieben für das tw_femficfest. Ich habe ms_bekahrose bekommen und zwei ihrer Prompts kombiniert (s. Inhalt).
Beta: Eleanor Harkness-Jones, danke!
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

***
***


Andys E-Mail an Gwens Notfalladresse sagte nicht viel.

IJs Schwester kommt inzwischen jeden Tag hier vorbei. Sie will mit dir sprechen. Was soll ich ihr sagen?

Gwen saß lange Zeit still in der Wohnung, die Torchwood als Notfallquartier nutzte und starrte den Bildschirm an. Anwen, die in Gwens Armen eingeschlafen war, machte ein verschlafenes Geräusch und wimmerte leise. Gwen wiegte sie beruhigend. "Sh." Die Wohnung, in der Gwens kleine Familie im Moment lebte, befand sich in einer der ärmeren Gegenden Swanseas. Sie hatten alles, was sie brauchten, aber auch nicht mehr als das. Rhys drängte sie inzwischen jeden Abend, in ein neues Quartier umzuziehen, etwas größeres, vielleicht, im Norden in einem Dorf. Er wollte etwas erschaffen, was einem endgültigen Heim nahe kam, wenigstens für eine Weile. Gwen verstand seine Argumentation. Diese Nachbarschaft war nicht sehr sicher – nachts fanden Prügeleien auf der Straße statt und eine Nachbarin hatte Gwen von Diebstählen und schlimmeren Dingen erzählt, die hier regelmäßig passierten. Aber wenn sie auf Rhys hörte und in eine Gegend zog, in der niemand sie kennen würde, dann mussten sie weit von Cardiff wegziehen und Gwen wollte das nicht.

Sie drehte sich vom Computer weg, das ominöse Quietschen des Schreibtischstuhls ignorierend, und summte ein leises Schlaflied für Anwen. Sie sah auf die Uhr. Rhys würde in einer Stunde zu Hause sein. Er hatte einen Job in einem nahen Supermarkt gefunden. Gwen seufzte mit Bedauern. Er hatte so viel für sie aufgegeben – wegen ihr. In den Norden zu ziehen schien dagegen nur ein kleines Opfer zu sein. Sie überdachte ihre Optionen – sie hatten kaum welche. Nach Cardiff zurückzugehen würde nicht nur die Konfrontation mit schmerzhaften Erinnerungen bedeuten, sondern auch mit den Fremden, die ihr und Rhys wegen was auch immer auf den Fersen waren. Sie konnte auch nicht zu ihrer Familie fliehen, denn das würde sie in Gefahr bringen. In den Norden zu gehen schien tatsächlich die einzige Lösung zu sein. Gwen schuldete Rhys, es zumindest zu versuchen.

Aber bevor sie gingen, musste sie etwas tun. Was auch immer Rhiannon Davies dazu brachte, Andy täglich aufzusuchen und um ein Treffen mit Gwen zu bitten, sodass er ihr eine E-Mail an die Adresse schrieb, die nur für äußerste Notfälle galt … Gwen musste es ihr geben.

***

Gwen und Rhiannon trafen sich in einem heruntergekommenen Diner irgendwo zwischen Cardiff und Swansea. Es war billig und roch nach altem Fett. Eine Kellnerin lungerte hinter der Bar herum und sah Fernsehen. Als Gwen eintrat, blickte die Kellnerin sie mit einem tödlichen Blick durch das Pony ihrer blond gefärbten Haare an, als könne sie nicht fassen, dass sie nun zwei Gäste bedienen musste. Gwen lächelte sie freundlich an und drückte Anwen fester an sich. Rhys war in ihrer Wohnung geblieben, um alles zu packen, was sie besaßen. Sie würden gehen, sobald Gwen zurückkam. Gwen hatte Anwen mitgenommenen, da diese schon den ganzen Tag schlecht gelaunt war und Gwen im Moment Rhys vorzog. Das bedeutete natürlich nichts. Anwen änderte ihre Meinung darüber, wer ihr liebster Elternteil war, regelmäßig.

Als Gwen sich umsah, entdeckte sie Rhiannon an einem Tisch in der hintersten Ecke des Raumes, nervös die Speisekarte studierend. Der Tisch befand sich gleich neben der Hintertür. Gwen konnte nicht anders, als darüber zu lächeln. Sie nahm einen tiefen Atemzug, um sich zu beruhigen, dann setzte sie sich Rhiannon gegenüber und sagte: "Ich habe nicht viel Zeit."

Rhiannon sah auf und Gwen wünschte, sie hätte ihre Worte bedachter gewählt. Rhiannons Augen waren gerötet und sie sah erschöpft und älter aus, als sie war. Gwen konnte sehen, dass sie Gewicht verloren hatte und fragte sich, ob Iantos Verlust ihr einen Teil von ihr genommen hatte. Für Gwen fühlte es sich manchmal zumindest so an. Rhiannon nickte und antwortete leise, als wolle sie von niemandem als Gwen gehört werden: "Andy hat mir erzählt, dass ihr auf der Flucht seid." Es war merkwürdig, Rhiannon so selbstverständlich über einen von Gwens Freunden reden zu hören. Aber sie waren sich nach allem, was passiert war, näher gekommen. Andy hatte die Nachbarschaft mehr als ein Mal besucht, um zu sehen, ob es den Kindern gut ging und er hatte sich angeboten, Rhiannons Kontaktperson zu werden, sollte es je einen Notfall geben oder falls sie mit Gwen sprechen wollte.

"Ich weiß nicht, vor wem", antwortete Gwen, "aber Fremde tauchten an unserer Tür auf und haben nach Wegbeschreibungen gefragt oder sie saßen in Autos vor unserer Wohnung." Sie drückte Anwen an sich. "Wir mussten an die Sicherheit unserer Tochter denken.”

"Natürlich." Rhiannon seufzte. "Es tut mir leid, dass ich bei unserem letzten Treffen so hart zu dir war. Du … ich hatte vergessen, dass du ihn auch verloren hast." Gwen wollte ihr sagen, dass es in Ordnung war, da sie Trauer verstand, aber Rhiannon fuhr bereits fort: "Es fühlte sich nur an, als ob … er war mein kleiner Bruder und ich wusste nicht mal, dass er eine Beziehung hatte – mit einem Mann. Du schienst ihm so viel näher zu stehen. Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, dass seine Bekanntschaft mit euch ihn getötet hat. Also habe ich diese Dinge gesagt." Sie starrte eine Weile auf den Tisch.

"Schon okay", versicherte Gwen ihr. "Ich verstehe." Sie gab Rhiannon ein paar Minuten Zeit, sich zu beruhigend.

Als sie endlich wieder zu Gwen aufsah, lächelte sie traurig und streckte eine Hand aus, um Anwens Finger zu streicheln. Die winzige Hand ergriff Rhiannons Zeigefinger und sie lächelte zärtlich. "Sie ist wundervoll.”

"Danke", antwortete Gwen.

"Als meine Eltern Ianto das erste Mal nach Hause brachten, war ich acht. Sie waren nicht wirklich ..." Sie schluckte. "Sie hatten kein zweites Kind erwartet. Das Geld war immer knapp, da mein Vater bei Debenhams nicht genug verdiente." Sie blickte zu Gwen, bevor sie sich wieder auf Anwen konzentrierte. "Er war kein Meisterschneider. Ich meine, doch, das war er schon, aber … er hatte keinen Laden."

"Ianto hat nie Probleme in seiner Kindheit erwähnt." Gwen biss sich auf die Lippe. "Aber hat auch nie wirklich … über seine Kindheit allgemein gesprochen."

"Er war immer etwas zu empfindlich für Dad."

"Das kann ich mir nicht vorstellen", sagte Gwen mit einem Grinsen. "Der Ianto, den ich kannte, war überhaupt nicht empfindlich.”

Rhiannon lachte. "Ja. In den Jahren, in denen er sich mit Gelegenheitsjobs in London durchgeschlagen hat … diese Jahre haben ihn hart gemacht, selbständig … ich konnte mich nie wirklich daran gewöhnen. Ich habe meine Kindheit damit verbracht, ihn vor allem zu beschützen. Von Anfang an … ich sah dieses kleine Baby in den Armen meiner Mutter und ich war … hingerissen. Er war mein kleiner Bruder. Ich habe ihn von Anfang an abgöttisch geliebt." Ihr Gesicht wurde traurig. "Ich habe immer gedacht, er würde eines Tages selbst eine Familie haben." Sie sah Gwen an. "Lisa schien ideal für ihn zu sein. Und ich dachte, es würde uns einander wieder näher bringen." Sie schüttelte den Kopf. "Er hat mir nicht mal von Jack erzählt, bis ich ihn quasi gezwungen habe. Das hat mich so traurig gemacht. Und gleichzeitig war ich … erleichtert. So, wie er von ihm gesprochen hat, wie er gelächelt hat … er wirkte so glücklich." Sie starrte Gwen fragend an. "Das war er doch, oder?”

Gwen wusste nicht recht, wie sie darauf antworten sollte. Nervös wich sie Rhiannons Blick aus. Obwohl sie Jack und Ianto jeden Tag bei der Arbeit gesehen hatte, obwohl sie sich geküsst und Insiderwitze gemacht hatten … waren sie doch immer professionell geblieben und hatten sich während der Arbeit kaum berührt. Es machte sie etwas traurig, zuzugeben, dass sie keine Ahnung hatte, wie ihre Beziehung eigentlich gewesen war. Sie räusperte sich und überlegte gerade, wie sie Rhiannon am besten fragten könnte, weshalb sie hier waren, ohne zu offensichtlich das Thema zu wechseln, da unterbrach die Kellnerin sie und nahm ihre Bestellungen auf.

Gwen wartete, bis sie beide Wasser und Kuchen hatten, dann sagte sie: "Mein Mann und ich werden weggehen, sobald ich nach Hause komme. Wir ziehen in den Norden." Rhiannon nickte verstehend. Gwen änderte ihren Griff um Anwen, sodass sie eine Hand für die Gabel frei hatte. Sie stocherte in ihrem Kuchen und überlegte, ob er wohl essbar war. "Ich weiß nicht, ob … wann wir zurückkommen können, also wenn es etwas gibt, worüber du reden willst ..."

"Ich will, dass du aufhörst, mir Geld zu überweisen."

Gwen war überrascht. Das hatte sie nicht erwartet. "Wovon sprichst du?"

Rhiannon runzelte die Stirn. "Es ist nicht von dir?”

"Ich war seit Wochen in keiner Bank", antwortete Gwen. Sie lebten von Bargeld, das sie im Kofferraum des Autos aufbewahrten. Sie hatten all ihr Geld von ihren Konten abgehoben und noch mehr in Torchwood-Lagereinheiten überall in der Stadt gefunden. Ianto war sehr gründlich gewesen – er hatte für jede Katastrophe vorher geplant. Deshalb gab es in jeder Lagereinheit Schlüssel zu den sicheren Häusern, Bargeld und sogar drei oder vier Autos. Er hatte Gwen kurz nach ihrer Einstellung abverlangt, sich die Adresse jeder Lagereinheit einzuprägen. "Manchmal passieren unvorhersehbare Dinge", hatte er erklärt. "Du wirst dort alles finden, was du brauchst." Und er hatte Recht gehabt. Wie immer.

Rhiannon erklärte: "Seit ein paar Monaten überweist mir jemand Geld."

Gwen runzelte die Stirn, doch dann kam ihr eine Idee und sie schloss mit einem tiefen Seufzen die Augen. "Hattest du Besuch von Jack Harkness?”

"Ja, vor ein paar Monaten. Ich … er war sehr freundlich, hat nette Dinge über Ianto gesagt: Dass er mir wieder näherkommen wollte." Sie lachte bitter. "Eine nette Lüge.”

Gwen umging diese verbale Landmine, indem sie fragte: "Die Überweisungen fingen danach an, oder?”

Rhiannon nickte nachdenklich. "Jetzt, wo du es sagst … warum sollte er das tun?"

"Weil er das nötige Geld hat. Weil er es nicht mehr braucht. Weil er sich verantwortlich für Iantos Tod fühlt." Manchmal, in ihren dunkelsten Stunden, gab Gwen ihm ebenfalls die Schuld. Dafür, dass er Ianto mitgenommen hatte, dass er mit seinem Leben gespielt hatte, dass er sie verlassen hatte, nachdem einer ihrer besten Freunde gestorben war. Aber natürlich wusste sie, dass Jack das alles nicht gewollt hatte, dass Iantos – und Stephens – Tod schwer auf seinen Schultern lastete. Diese Schuld war der Grund, aus dem er den Planeten verlassen hatte. Sie wusste, wie sie Jack und Ianto im Thames House gefunden hatten: Eng aneinander liegend auf dem Boden. Jack war so zerbrochen gewesen, unfähig, Gwens Nähe zu ertragen. Er war für mehrere Monate verschwunden und als er zurückgekommen war … hatte er sich endgültig verabschiedet.

Rhiannon sagte: "Ich will sein Geld nicht. Ich will nicht, dass er mich für meinen Verlust bezahlt. Es wird nichts besser machen."

"Ich kann die Überweisungen nicht stoppen. Aber du kannst mir glauben, dass er weiß, dass Geld diese Wunden nicht heilen kann. Er hat selbst genug durchgemacht, um das zu wissen. Und Jack ist … manchmal kann er die richtigen Gesten oder Worte nicht finden … er tut stattdessen solche Dinge, um zu zeigen, dass er mit einem fühlt."

Rhiannon nickte langsam, akzeptierte diese Antwort scheinbar. Sie zog ihren Finger aus Anwens Griff und seufzte. "Ich sollte dich nicht länger aufhalten. Du musst gehen", sagte sie, obwohl ihr der Widerwille anzusehen war.

Gwen nickte ernst. "Danke."

"Nein, ich muss mich bedanken. Weil du gekommen bist … für dein Verständnis."

Gwen lächelte traurig. "Na ja, Ianto war ein Freund. Das war das Mindeste, was ich tun konnte." Sie stand auf und drückte Anwen mit einem Arm an sich, während sie mit der freien Hand Rhiannons nahm. "Pass auf dich auf", sagte sie.

Rhiannon hielt ihre Hand fest und drückte sanft zu. "Du bist diejenige, die auf sich aufpassen muss. Mir geht's gut. Und falls du Jack siehst … sag ihm, dass ich mich über seinen Besuch gefreut habe und dass … ich ihn gerne wiedersehen würde."

Gwen biss sich auf die Lippe. Sie wusste, dass nur ein Teil dieser Worte der Wahrheit entsprachen. Rhiannon fühlte sich wahrscheinlich, als hätte sie etwas verpasst. Vielleicht glaubte sie, dass die Nähe zu Jack sie auch automatisch ihrem Bruder näher bringen würde. Was auch immer der Grund war, Gwen versprach: "Das werde ich." Obwohl sie bezweifelte, dass sie Jack je wieder sehen würde.

"Ianto hat ihn geliebt", sagte Rhiannon, beinahe so, als wäre ihr das eben erst eingefallen. Sie ließ Gwen los.

"Ja", antwortete Gwen. Da war sie sich sicher. Ianto hatte Jack geliebt. Sie wandte sich zum Gehen.

Rhiannons zögernde Stimme hielt sie auf. "Du hast mir nie geantwortet: War er glücklich? Hat Jack ihn geliebt?"

Gwen sah zurück und dachte einen Moment darüber nach. Schließlich antwortete sie: "Er war glücklich."

Sie sah, dass Rhiannon Tränen zurück biss und nahm das als Zeichen zu gehen.


ENDE
10/11

Komplette Fanfiction Masterlist

Comments

( 2 comments — Leave a comment )
amilyn
Nov. 2nd, 2011 07:16 pm (UTC)
Es gefällt mir besonders, wie du es gesagt hast, daß jemand nach Gwen und ihre Familie jägt. Du hast es auch gut geschrieben, wie auch Gwen und Rhiannon Ianto nicht vollig oder wirklich gut kennen. Ich habe gemerkt, daß Gwen als "Unreliable Narrator" da steht, wenn sie von Jack und Ianto spricht. Entweder Gwen oder Rhiannon weiß oder versteht klar wie, wieviel, oder ob Jack Ianto vollgeliebt hat. Die Beiden glauben, daß Ianto glücklich war, aber weiter wissen und verstehen sie wenig. Im ganzen, schön gut geschrieben. Vielen Dank.
jolinarjackson
Nov. 3rd, 2011 05:22 am (UTC)
Danke. Gwen kann gar nicht genau wissen, wie die Gefühle zwischen Jack und Ianto letztlich standen. Die beiden haben sich während der Arbeit ja immer sehr zurückgehalten und bei privaten Treffen werden sie nicht viel anders gewesen sein. Gwen schließt keinesfalls aus, dass Jack Ianto geliebt hat, aber da sie es nicht genau weiß, sagt sie lieber nichts.

Edited at 2011-11-03 09:23 am (UTC)
( 2 comments — Leave a comment )