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Torchwood: Stille (Fanfiction)

Stille

Serie: Lyrics 'Verse
Worte: ~ 1.900
Inhalt: Als Jack mit dem Doktor weggeht, muss Ianto alleine weitermachen.
Charaktere: Ianto Jones, Gwen Cooper, Toshiko Sato, Owen Harper
Pairing: Jack/Ianto, Ianto/Lisa Hallett (angedeutet)
Rating: PG-13
Spoiler: Cyberwoman, Erntezeit, Das Ende aller Tage / Doctor Who: Utopia
Setting: nach Das Ende aller Tage
Anmerkungen: Der Song Still von Jupiter Jones hat diese Story und den Titel inspiriert.
Beta: Eleanor Harkness-Jones, danke!
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Abhängig
Lyrics 'Verse Masterlist

***
***


So laut
Die Stunden nach dem Aufschlag als es galt, das alles
Zu erfassen und verstehen und es war
So laut, dass alles was wir dachten nichts als Leere zu uns brachte
So laut und so verloren war es hier
Als Stille bei uns wohnte anstatt dir
(Still von Jupiter Jones)



"Das ist deine Schuld!", sagte Gwen laut und wandte sich von Toshs Bildschirm ab, um Owen wütend anzustarren.

Er blickte wütend zurück, sein Gesicht eine sture Maske. "Wieso ist das meine Schuld?", fragte er und legte die Hände auf die Hüften. Ianto sah, dass er leicht zusammenzuckte, als die Bewegung an der Schusswunde in seiner Schulter zog, aber er versteckte den Schmerz rasch. "Soweit ich mich erinnern kann, war ich nicht der Einzige, der sich gegen Jack gestellt hat!”

Ianto sah, wie Tosh die Schultern hochzog und ihren Stuhl näher an den Schreibtisch rollte, um der emotionalen Explosion hinter ihr zu entgehen. Nun konnte er von seinem Platz in den Schatten des Korridors, der zu den Archiven führte, auch erkennen, was sich auf ihrem Bildschirm abspielte. Ein Mann in einem langen Mantel rannte über den Roald Dahl Plass und klammerte sich an die Außenwand einer blauen Polizeizelle, bevor er mit ihr ins Nichts verschwand.

Jack war weg.

Wahrscheinlich für immer.

Ianto schluckte schwer, schluckte Tränen. Er hatte in den letzten Tagen genug geweint, als sie dachten, dass Jack gestorben war. Nun hatten sie ihn ans Leben verloren – ein Leben, das er vorzog – und Ianto war nicht mal überrascht, wenn man bedachte, wie alles geendet hatte. Er konnte den Streit zwischen Gwen und Owen nicht mehr ertragen. Im Gegensatz zu Tosh konnte er jedoch fliehen und er nutzte die Gelegenheit, um mit den Schatten zu verschmelzen.

***

Die Archive waren so ziemlich der einzige Ort in der Basis, der Ianto nicht an Jack erinnerte. Es war eine Erleichterung, als könne er endlich wieder atmen. Er verlor sich in Ordnern, Papieren und Kisten. Alles hier unten hatte ein bestimmtes System, eine Struktur, und niemand würde einfach hereinkommen und es ändern können. Das hier war Iantos Reich und wenn er etwas ändern wollte, dann war das seine Entscheidung allein … er wünschte, das Leben wäre genauso einfach zu kontrollieren. Oder die Liebe. Seine Liebe für Lisa war wundervoll und unkompliziert gewesen … ordentlich. Sie hatten einander geliebt, waren zusammengezogen und Ianto hatte knapp eine Woche vor der Schlacht von Canary Wharf nach Eheringen Ausschau gehalten. Liebe, eine Wohnung, also war Hochzeit der nächste logische Schritt gewesen und sie waren beide bereit gewesen.

Seine Liebe für Jack hingegen war das reinste Durcheinander. Jack hatte sie verlassen. Ianto hatte gewusst, dass es dazu kommen würde, aber es schmerzte dennoch. Jack hatte sie ohne ein Wort des Abschieds verlassen. Ohne eine Nachricht. Ohne irgendetwas.

Ianto glaubte, er könne er noch immer die sanfte Berührung von Jacks Lippen auf seinen spüren, nachdem Jack von seinem langen Tod erwacht war. Er konnte sich noch immer an die Wärme seines Körpers erinnern, als Jack ihn umarmt hatte und er hörte noch immer die geflüsterten Worte: "Du bist okay." Er hatte so erleichtert geklungen. Ianto hatte sich geschämt, da er diese Erleichterung nicht verdiente. Immerhin hatte er Jack wie die anderen auch betrogen, aber mit weitaus weniger ehrenvollen Absichten. Nicht, weil er eine geliebte Person hatte zurückhaben wollten wie Gwen oder Owen, nicht, weil er verzweifelt gewesen war und nicht gewusst hatte, was er tun sollte wie Tosh … nur aus Bosheit. Nur, weil Jack ihn verletzt und seine Liebe zurückgewiesen hatte. Ianto hatte sich versprochen, dass ihre persönliche Beziehung niemals Einfluss auf ihren Job haben würde und doch war es geschehen. Und jetzt war Jack fort. Er hatte eine Wahl bekommen und sich für die Flucht entschieden. Und wieso nicht? Torchwood, die Erde und Ianto konnten es nicht aufnehmen mit dem Universum, der TARDIS und dem Doktor.

Toshs Stimme hallte durch den Raum. "Ianto?" Er erschrak und blickte zu ihr auf. Sie stand in der Tür und lächelte ihn zögernd an. "Gwen und Owen sind gegangen und ich bin auch auf dem Weg nach Hause. Du solltest gehen. Wir treffen uns morgen zur üblichen Zeit und besprechen dann … was nun passiert."

"Jemand muss den Riss überwachen", sagte Ianto leise.

Tosh schüttelte den Kopf. "Ich habe den Detektor mit unseren Handys verlinkt, also ...” Sie trat näher und er konnte die Sorge in ihren dunklen Augen sehen. "Du solltest gehen. Du siehst erschöpft aus. Es waren ein paar harte Tage."

Eher ein paar harte Wochen, dachte Ianto, aber sprach es nicht laut aus. Niemand wusste von ihm und Jack und das sollte auch so bleiben. Es jemandem zu sagen, würde es nur peinlicher machen, denn Jack hatte ihn zurückgelassen wie irgendeinen One Night Stand. Natürlich war er das im Prinzip nur gewesen und Jack hatte nie Andeutungen gemacht, dass mehr dahinter steckte. Ianto konnte ihm nicht mal die Schuld geben. Jack war von Anfang an ehrlich gewesen, was das anging. Ianto war der Schuldige. Es war dumm, sich in jemanden zu verlieben, der die Gefühle nicht erwidern wollte. Es ihm gegenüber zuzugeben, hatte die Beziehung endgültig zerstört. Jacks Erleichterung, die sich in dem Kuss gezeigt hatte, den er Ianto nach Abaddon aufgedrückt hatte, bedeutete nichts. Jack war um sie alle besorgt gewesen und seine Reaktion darauf, sein Team am Leben aufzufinden, rein instinktiv. Jack drückte sich immer mit Berührung aus.

Tosh räusperte sich und Ianto zuckte zusammen. "Mir geht's gut", flüsterte er.

"Du brauchst Schlaf.”

"Ich werde schlafen. Mach dir keine Sorgen." Er schenkte ihr ein Lächeln, das nicht mal ihn überzeugte.

"Okay", antwortete sie, aber sie glaubte ihm eindeutig nicht. Sie würde ihn wahrscheinlich die nächsten Tage im Auge behalten und mit Owen sprechen, falls sie glaubte, das sei nötig.

Ianto seufzte tief, als sie ging und ihre Schritte verhallten. Dann stand er auf und ging in den Hauptraum.

In den drei Tagen, in denen Jack tot gewesen war, hatten sie die Schäden weitgehend reparieren können. Nur das Fenster im Konferenzraum und einige Computer mussten noch ersetzt werden. Ianto dachte, dass es an der Zeit war, ein paar Änderungen vorzunehmen. Vor ein paar Monaten hatte Owen vorgeschlagen, einen der Räume im Keller zum Konferenzraum auszubauen, da er größer war und näher an der Garage lag. Er wollte dann das Gewächshaus in den alten Konferenzraum verlagern und im früheren Gewächshaus ein Labor einrichten. Jack hatte die Idee gefallen, aber es war nie Zeit gewesen, um die Änderungen vorzunehmen. Ianto konnte sich keinen besseren Zeitpunkt als jetzt denken. Er würde es morgen vorschlagen.

Er betrat Jacks Büro. Es war merkwürdig leer, ohne seinen Besitzer eigentlich nur ein Raum, aber Jacks Geister waren da: Im Stuhl hinter dem Schreibtisch blickte er Ianto erwartungsvoll an; er lehnte am Schreibtisch und knöpfte sich langsam das Hemd auf, während sein Blick Ianto einlud, näherzukommen; er öffnete die Luke zu seinem Schlafzimmer und zwinkerte ihm zu, bevor er hinabstieg.

Ianto schloss die Augen. Er fühlte sich verloren, einsam und kalt in einem Raum, den er immer mit leisem Lachen, gestohlenen Küssen und Wärme in Verbindung gebracht hatte.

Ianto öffnete die Luke und kletterte in Jacks verstecktes Schlafzimmer. Es war eigentlich nur ein Bunker, groß genug für einen Schrank, ein schmales Bett und einen Nachttisch, aber es hatte Jack gereicht. Es war genug für Ianto gewesen, wenn er mit Jack zusammen gewesen war. Sie hatten hier unten das erste Mal Sex gehabt. Langsam und perfekt, wie Jack immer im Bett war. Tosh dachte vielleicht, dass Ianto nicht schlafen würde, aber er wollte es zumindest versuchen. Er wusste, es wäre dumm, das Leben der anderen zu riskieren, nur weil er übermüdet war. Er wusste nicht, ob er mit ihnen auf Einsätze gehen würde, wie Jack es manchmal veranlasst hatte, aber er war bereit für alles. Und Jack würde nicht wollen, dass er sich selbst vernachlässigte. Nicht, nachdem er Ianto nach Lisa, nach der Suspendierung und nach den Kannibalen so sorgfältig wieder aufgepäppelt hatte. Also zog Ianto sich aus, den schweren Blick eines der Geister ignorierend, der auf dem Bett lag und auf ihn wartete. Er kletterte ins Bett und wickelte sich in die Decke. Sein Gesicht grub er in das Kissen, das noch nach Jack roch.

Für einen Moment glaubte er, dass Arme ihn an einen breiten Oberkörper zurückzogen. Er konnte leise Atemzüge hören und sanfte Küsse spüren, die auf seinen Nacken fielen. Alles war, wie es sein sollte.

Doch dann wachte Ianto auf und war allein. Und es war Zeit, den Tag zu beginnen.

***

"Ianto", sagte Gwen und er drehte sich zu ihr um. Sie saß an ihrem Schreibtisch, eine Tasse Kaffee in ihren Händen. Ein gedämpfter Knall war aus der Richtung des Schießstands zu hören, wo Tosh und Owen eine Waffe testeten, die gestern durch den Riss gefallen war. Was auch immer sie genau tat, es war sehr laut. Gwens Augen huschten zu dem Korridor, der zum Schießstand führte, und sie verzog das Gesicht. Dann wandte sie sich wieder Ianto zu. "Owen, Tosh und ich haben während dem Mittagessen geredet." Eine stille Sorge schwang in ihren Worten mit. Eine Frage, wo er gewesen war.

Ianto hatte in den letzten Tagen keine Lust gehabt, mit den anderen zu essen oder mit ihnen wegzugehen. Er hatte keine Lust gehabt zu essen. Er hatte keine Lust gehabt zu schlafen. Er war in ein Muster verfallen: Er arbeitete bis zur Erschöpfung – in den Archiven, im Hauptraum der Basis, wo er die Feldeinsätze koordinierte, er ging niemals selbst auf Einsätze, blieb immer in der Basis – und dann fiel er irgendwann in Jacks Bett und schlief für ein paar Stunden, bevor sich der Prozess wiederholte. Er wusste, was passierte. Er hatte dasselbe während seiner Suspendierung getan. Nach Lisa. Wenn es irgendeinen Zweifel an seinen Gefühlen für Jack gegeben hätte, wären sie nun aus der Welt.

Gwens sanfte Stimme brach durch seine Gedanken. "Wir denken, dass du uns auf Einsätze begleiten solltest."

Ianto runzelte die Stirn. "Wer bleibt in der Basis?"

"Niemand muss hier sein, aber wir brauchen vier Leute auf Einsätzen. Falls wir uns aufteilen müssen."

"Ich bin sicher, wie können jemanden einstellen-”

"Wir wollen dich", unterbrach Gwen. "Jack hat angefangen, dich zu trainieren. Owen könnte das zu Ende bringen. Ich glaube ohnehin nicht, dass du noch viel lernen kannst. Wir wollen, dass du Teil des Teams wirst. Auf Einsätzen…" Sie zögerte einen Moment, bevor sie hinzufügte: "… und nach der Arbeit." Sie faltete die Hände um ihre Tasse. "Wir machen uns Sorgen.”

"Mir geht's gut." Die Antwort kam automatisch und klang selbst für Ianto, als hätte er sie eingeübt.

"Du bist müde. Du hast Gewicht verloren – nicht, dass es da viel zu verlieren gäbe." Gwen sah zur Seite, als ob ihr das Thema irgendwie peinlich wäre. "Wir wissen, wie viel dir Jack als … Freund bedeutet hat und … er war der Einzige, mit dem du viel zu tun hattest, aber … wir wollen für dich da sein." Ihre Augen fingen seine. "Stoß uns nicht weg. Gib uns eine Chance."

Ianto schluckte, dann, weil er nicht wusste, was er sonst tun sollte, nickte er. "Okay."

Gwen lächelte erleichtert. "Okay." Ianto drehte sich weg, um zur Kaffeemaschine zu gehen, aber Gwen rief ihn zurück. "Glaubst du …" Sie stoppte und zögerte, dann fragte sie: "Glaubst du, er kommt zurück?"

Ianto hatte in den letzten Tagen viel über diese Frage nachgedacht und es gab nur eine Antwort. "Nein", antwortete er, "ich glaube, er ist nach Hause gegangen.”


ENDE
12/11


Seelenschmerz
Lyrics 'Verse Masterlist


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Comments

jolinarjackson
Jan. 3rd, 2012 02:38 pm (UTC)
Danke. :)