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Stargate: Kopie 11/12 (Fanfiction)

KOPIE 11/12

Inhalt: Daniel wird von einer alternativen Realität um Hilfe gebeten. Die Erde steht dort am Rande der Zerstörung: Ba’al und die Ori haben sich zusammen geschlossen, um sie zu erobern. Die letzte Hoffnung scheint die Verlorene Stadt der Antiker zu sein. Mit Jack O’Neill, Rodney McKay und Carson Beckett bricht Daniel auf, um die alternative Version der Erde zu retten, nicht wissend, dass dieses Abenteuer sein Leben und die Beziehung zu seinem besten Freund für immer ändern wird.
Pairing: Jack/Daniel, Rodney/Carson
Rating: PG
Spoiler: Kleine für Kinofilm, Der Feind in seinem Körper, Freund oder Feind?, Seth, Lebenslinien, Doppelter Einsatz, Die Entscheidung, Avenger2.0, Helden, Die Verlorene Stadt, Neue Machtverhältnisse, Avalon, Das Geheimnis der Ori, Ex-Deus Machina, Die Quelle der Wahrheit
Crossover-Spoilers: Stargate Atlantis: Aufbruch in eine neue Welt, Dunkle Schatten / Stargate Universe: Die Destiny, Führungskampf auf der Destiny
Warnungen: Folter, Slash
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serien Stargate SG-1, Stargate Atlantis und Stargate Universe und die in ihnen vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Kopie Masterlist
Kapitel 10


11.



Dr. Rush rieb sich das Kinn und blickte zu Lorne. “Sie wissen, was das bedeutet.“

Lorne starrte weiterhin Colonel Young an, der auf dem Flachbildschirm im Konferenzraum zu sehen war. Hinter dem Kommandeur der Artemis war geschäftiges Treiben zu sehen. Das Bild wackelte in unregelmäßigen Abständen. Die Artemis wurde getroffen, aber noch hielten ihre Schilde.

“Sie kennen die Position der Antiker-Basis“, sagte Rush eindringlich, “Warum sonst sollten sie in die Antarktis fliegen?“

“Das müssen Sie mir nicht erklären“, antwortete Lorne gereizt.

Young nickte jemandem zu, den Lorne und Rush nicht sehen konnten und meinte dann: “Evan, wir haben versucht, das Schiff, das durch unsere Linie gebrochen ist, zu attackieren, aber die anderen feindlichen Schiffe lassen uns keine Gelegenheit. Wir sind vollauf damit beschäftigt, uns zu verteidigen.“

“Wie konnte es durch die Linien brechen?“

“Wir haben es einfach nicht gesehen. Dabei scannen wir das Umfeld alle 15 Minuten. Wir wissen nicht, wie unsere Geräte es übersehen konnten.“

“Möglicherweise eine neue Art der Tarnung“, überlegte Rush.

Lorne fuhr sich durch die kurzen Haare. “Everett, ich will dass die Artemis die Menschen in der Antiker-Basis evakuiert.“

Young nickte und gab den Befehl weiter.

Rush lachte humorlos. “Das war es, was sie von Anfang an wollten“, meinte er, “Die Antiker-Basis.“

“Wie konnten sie plötzlich wissen, wo sie liegt?“, fragte Lorne.

Rush verschränkte die Arme. “Sie kennen die Antwort darauf, Colonel.“

***

Rodney war so damit beschäftigt darauf zu achten, dass Carson nicht stolperte und ihn mit zu Boden riss, dass er nicht bemerkte, dass Teal’c stehen blieb. Erst die große Hand des Jaffa, die sich gegen seine Schulter drückte, machte ihn darauf aufmerksam, dass der Krieger sich nicht weiter bewegte. “Sei vorsichtig“, sagte der Hüne und Rodney schluckte, als er in seine Augen blickte. Teal’c wirkte vollkommen ruhig. Daniel aus der alternativen Realität lag inzwischen über seinen Schulter, noch immer bewusstlos. Rodney zog Carson näher und festigte den Griff um die Hüfte des anderen Mannes. Jack blieb neben ihnen stehen, der andere bewusstlose Daniel auf seiner Schulter.

Carson legte den Kopf auf Rodneys Schulter. “Hab’s ihnen gezeigt …“, murmelte er.

“Ja, weiß ich“, antwortete Rodney.

“Sei still“, sagte Teal’c und Rodney gehorchte. Vor ihnen lag der riesige Hangar. Todesgleiter, das Äquivalent der Goa’uld zu Kampfjets, hingen in ihren Vorrichtungen und machten sich zum Abflug bereit, manche von ihnen starteten gerade. Ein Truppentransporter, Al-Kesh genannt, verließ das Schiff. Während die Todesgleiter nur aus einer Pilotenkanzel und zwei Tragflächen bestanden, hatte das große Al-Kesh eine Form, die etwas an eine Pyramide erinnerte. Sowohl die Todesgleiter als auch das Al-Kesh schimmerten in einem neutralen Grau.

“Verdammt, die greifen an“, sagte Jack, starrte durch das Schutzschild, durch das die Gleiter das Schiff verließen und durch den Weltraum auf die weite Eiswüste der Antarktis zuhielten, die von hier aus so klein aussah.

“Das ist ein Tel’tak“, sagte Teal’c und deutete auf ein Schiff, das wie eine kleinere Version der Al-Keshs aussah, “Es ist ein Transportschiff. Es wird für unsere Zwecke reichen.“

“Merken die nicht, dass wir abhauen?“, fragte Jack.

Teal’c blickte in ernst an. “Das werden sie.“

“Super“, murmelte Jack, “Lass uns loslegen.“

Teal’c hob eine Augenbraue. Er wandte sich ab und ging voran. Sie schlichen eng an die Wand gepresst zum Tel’tak, hinter mehrere Todesgleitern vorbei. Das geschäftige Treiben im Hangar verhinderte, dass sie gesehen wurden. Die Tür des Schiffes stand offen und Teal’c trat als erstes ein.

“Das wird übel enden“, meinte Rodney, “Ich habe Flugangst.“

“Jetzt gehen Sie schon“, sagte Jack und stieß ihn vorwärts. Sie betraten die kleine Pilotenkanzel des Schiffes. Die Wände waren golden verkleidet und mit Hieroglyphen versehen. Zwei Sitze für Pilot und Co-Pilot waren vorhanden. Gesteuert wurde das Schiff mit einem rot leuchtenden, runden Kristall, der in etwa so groß wie Jacks Kopf war. Hinter Jack schloss sich die Tür. Teal’c kam aus einem Nebenraum. Rodney nahm an, dass das der Frachtraum des Schiffes war. Sogar Transportringe, mit denen man das Schiff per Beam-Technologie verlassen konnte, waren vorhanden. Jackson lag nahe der Wand am Boden und war so blass, dass Rodney sich mit einem Blick versichern musste, ob er noch atmete. Danny sah nicht besser aus; Jack legte ihn vorsichtig hin und streichelte seine Wange, ehe er sich zu Teal’c umdrehte, der im vorderen Teil des Schiffes im Pilotensitz Platz genommen hatte. “Lass uns verschwinden.“ Ein Zittern durchfuhr das Schiff, als die Motoren starteten. Jack beugte sich über Daniel. Rodney half Carson, sich zu setzen. Carson verzog das Gesicht und Rodney kniete sich neben ihn. “Wo tut’s weh?“

“Überall“, antwortete Carson.

Rodney lächelte. “Du hältst dich großartig“, versicherte er und nahm Carsons Hand. Der Arzt blickte überrascht zu ihm auf und Rodney ließ rasch seine Hand los. Nervös wandte er sich ab. “Wohin jetzt, General?“, fragte Rodney und sah nach Jackson. Er war noch immer bewusstlos, seine Haut bedeckt mit kaltem Schweiß.

Jack zog seine Jacke aus und deckte Danny damit zu, offensichtlich frustriert, dass er nicht mehr für ihn tun konnte. Er blickte zu Rodney. “Erst mal verschwinden wir hier.“

“Antarktis“, sagte Carson leise.

Jack schüttelte den Kopf. “Das ist keine gute Idee. Die haben die Basis gefunden und werden sie angreifen. Wir können da nichts mehr tun.“

Carson schüttelte den Kopf. “Hab’s ihnen gezeigt“, sagte er und öffnete leicht die Augen.

Rodney seufzte. “Ja, dass du es ein drittes Mal sagst, bessert die Lage nicht gerade.“

“Nein“, sagte Carson leise, “Atlantis … ich habe ihnen Atlantis gezeigt. Nicht die Basis.“

Jack kam zu ihnen und ging vor Carson in die Hocke. “Dr. Beckett, sind Sie sicher?“

“Ich wollte es nicht … aber sie haben … ich habe ihnen Atlantis gezeigt. Die Adresse und … die Stadt. Nicht die Basis. Sie mussten aufgeben, weil ich … es ihnen nicht gezeigt habe.“

“Sie wissen nicht, wo die Basis ist?“, fragte Jack.

Carson schüttelte den Kopf. “Sie wissen nur, sie … ist irgendwo in der Antarktis.“

“Deshalb fliegen sie dahin“, sagte Rodney.

“Aber was greifen sie an?“, fragte Jack. Er stand auf und ging nach vorne zu Teal’c. Das Fenster zeigte ihm die Erde, näher als zuvor. Todesgleiter und Al-Keshs flogen an ihnen vorbei und schienen keine Notiz von ihnen zu nehmen. Der Anblick war beängstigend.

“Wir sind im Tarnmodus und nicht in Gefahr“, sagte Teal’c, als hätte er Jacks Gedanken gehört, “Sie werden inzwischen entdeckt haben, dass ihr entkommen seid.“

“Teal’c, diese Gleiter … wenn sie nicht wissen, wo die Basis liegt, sondern nur ungefähr, wo … was werden sie dann tun?“

Teal’c blickte Jack einen Moment ernst an. “Sie werden Energiesignaturen in der Umgebung suchen und diese angreifen. Eine nach der anderen. Bis nichts mehr übrig ist.“

“Also haben sie die Basis möglicherweise noch nicht gefunden.“ Er setzte sich in den Co-Pilotensitz. “Teal’c, ich werde dich hinführen. Vielleicht haben wir doch noch eine Chance.“

***

Everett zuckte zusammen, als die Odin direkt neben ihnen von einem der Ori-Schiffe getroffen wurde und einem hellen Ball aus Feuer verschwand. Die Erschütterung der Explosion erfasste auch die Artemis. Major Marks, der seinen Posten neben Everett eingenommen hatte, verkündete: “Das ist das dritte Schiff, das wir an die Ori verloren haben. Ihre Waffen sind wirkungsvoller als alles, was wir bisher gesehen haben.“

“Unsere Schutzschilde stammen von den Asgard“, antwortete Young, “Wollen Sie mir sagen, die Ori sind cleverer als die? Dann haben wir wirklich ein Problem.“

Sie hatten zwei der Goa’uld-Schiffe abgeschossen.

Die Kampfflieger der Erdflotte in ihren F-302s versuchten, die Todesgleiter und Al-Keshs über der Antarktis in Schach zu halten und machten hohe Verluste. Noch immer ließen ihnen die Gegner keinen Spielraum, um das Schiff anzugreifen, auf dem sich vermutlich Ba’al befand. Es schwebte weiterhin bedrohlich über Erde und schickte immer neue Todesgleiter Richtung Antarktis. Hinter Everett herrschte ein wildes Durcheinander. Die Besatzung rief sich Befehle zu und versuchte, Schäden zu regulieren.

“Feuern Sie weiter. Konzentrieren Sie sich auf die Ori“, befahl Everett und hielt sich an den Lehnen seines Stuhls fest, als eines der Ori-Schiffe sie traf.

“Schilde auf 50%“, verkündete Marks.

“Wir sind die nächsten“, murmelte Everett, “Kontaktieren Sie Lorne. Wir evakuieren die Mitglieder der Antarktis-Expedition von hier aus ins SGC.“

Marks nickte und während er mit Lorne sprach, rief Captain Fry von Everetts anderer Seite über den Lärm eines anderen Treffers hinweg: “Sir, Berichte von der Erde. Todesgleiter und Al-Keshs haben angefangen, Forschungsstationen in der Antarktis zu bombardieren. Zwei zivile Stationen sind bereits zerstört.“ Er blickte Everett erschrocken an. “Die sind auf dem Weg nach McMurdo.“

Everett rieb sich die Stirn. “Die suchen die Antiker-Basis und greifen alles an, was danach aussieht, als ob sie es sein könnte.“

Marks sagte: “Sir, Colonel Telford für Sie.“

Everett blickte auf den Bildschirm vor sich und nickte dem Kommandeur der Selene zu. “David, was gibt’s?“

Telfords dunkle Augen waren das einzige in seinem Gesicht, das seine Anspannung zeigte. Die scharf geschnittenen Gesichtszüge wirkten vollkommen ruhig. “Ich habe den Kontakt zu meinen F-302s verloren. Sieht so aus, als ob wir die Schlacht über der Antarktis verlieren. Gerade eben wurde uns bestätigt, dass die Todesgleiter und Al-Keshs Richtung McMurdo fliegen.“

Everett nickte. “Ja, habe ich auch gerade gehört. Unsere F-302s sind noch in der Schlacht, aber stark dezimiert. Colonel Caldwell hat seine Piloten verloren. Wir kriegen keinen Kontakt zur Prometheus, aber sie ist noch da. Wahrscheinlich ist ihr Funksystem gestört.“

Die Artemis wurde von einem erschütternden Treffer erfasst.

“Sir, Schilde auf 30%. Antarktis-Expedition sicher im SGC angekommen“, sagte Marks.

“David, ihr müsst McMurdo evakuieren. Alle Stationen in der Antarktis – egal, ob zivil oder militärisch – müssen sofort evakuiert werden.“

Telford nickte. “Unsere Schilde sind bei 76%. Everett-“

“Ich weiß“, unterbrach Young. Die Schlacht war so gut wie verloren.

***

Teal’c landete das Tel’tak so sanft, dass Jack es kaum merkte.

“Das Schiff ist noch immer getarnt“, sagte der Jaffa und stand von seinem Sitz auf.

“General?“, fragte Rodney und kam in die Pilotenkanzel. Er starrte hinaus in die Antarktis und auf die SGC-Basis direkt vor ihnen. Offiziell galt die Basis als ein Forschungsstandort der USA. Nur wenige wussten, das ein paar Meter unter der Oberfläche der Antiker-Außenposten lag. “General, was soll das? Was tun wir hier?“, fragte Rodney.

Jack stand auf. “Wir retten die Welt“, sagte er, “Mal wieder.“

Teal’c folgte ihm in den hinteren Teil des Schiffes. Jack beugte sich über seinen Partner, der noch immer bewusstlos war. Als Teal’c Jackson auf die Beine half, erkannte Rodney, dass er wach war. Er hielt den Kopf in einer Hand und hatte die Augen geschlossen. Seinem Gesicht sah Rodney an, dass er starke Schmerzen haben musste. “Was …“, fragte er verwirrt. Er blickte zu Teal’c auf. “Was …“

“Lange Geschichte, Danny“, antwortete Jack, “McKay, Sie helfen Beckett.“ Er hob Danny auf seine Schultern.

“Okay“, meinte Rodney, fühlte sich etwas überfordert. Er setzte den Rucksack mit dem ZPM darin auf. Dann half er Carson auf die Beine und folgte den anderen nach draußen. Die Kälte der Antarktis ließ ihn beinahe zurück ins Schiff stolpern. Sie waren bei weitem falsch angezogen für diese Temperaturen. Schnee knirschte unter seinen Stiefeln. Der Eingang zur Basis war noch einige Meter entfernt. Er hörte, wie die Tür des Schiffes zu glitt und als er sich zum Schiff zurückdrehte, musste er mehrmals blinzeln. Vor ihm lag nur die weite Eiswüste. Die Tarnung des Schiffes war perfekt. Man würde es erst bemerken, wenn man dagegen lief. Der kalte Wind zerschnitt Rodneys Lungen bei jedem Atemzug und er verzog das Gesicht. “Oh, Mann, das ist so unfair. Hätte ich den Job doch nie angenommen“, murmelte er.

“McKay“, sagte Jack und er klang nicht genervt oder tadeln, sondern schockiert.

Rodney starrte ihn an. “Was? Man wird doch wohl noch-“

“Ist das McMurdo?“, fragte Jack und Rodney blickte in die Richtung, in die Jack starrte. Eine Rauchwolke stieg in der Ferne auf. Darüber lieferten sich Todesgleiter und Al-Keshs ein erbittertes Gefecht mit F-302s. Der Krieg war hier.

Er nickte. “McMurdo.“ Seine Augen weiteten sich erschrocken. “General, dieses Al-Kesh-“

“Es kommt näher“, bestätigte Jack.

“Wir müssen uns beeilen“, sagte Teal’c und hob Jackson mit einer schnellen Bewegung über seine Schulter. Jack rannte voran zum Eingang der Station. Teal’c folgte ihm. Rodney wollte hinter ihnen her, aber Carson stolperte.

“Oh, komm schon“, sagte Rodney eindringlich, “Komm, komm, komm!“

Carson stolperte erneut.

“McKay!“, schrie Jack.

“Ich mache ja schon!“, antwortete Rodney. Er versuchte, Carson hochzuheben, stolperte über eine Schneewehe und fiel in den Schnee, Carson mit ihm.

“Das gibt es doch nicht!“, hörte er Jack fluchen. Rodney stand auf und half Carson hoch. Und plötzlich war Teal’c da und half ihm, den Arzt zum Eingang der Station zu stützen. Rodney stolperte über Schneewehen und rutschte mehrfach aus, aber er schaffte es, auf den Beinen zu bleiben. Erleichtert rannte er mit Teal’c in die Station. Innerhalb der Glaskuppel war es ruhig. Die Plätze der Wachposten waren verlassen. Die Fahrzeuge standen verwaist auf ihren Plätzen. Niemand war zu sehen und es war totenstill. Jack stand vor dem Aufzug, der nach unten in den Außenposten führte, und drückte auf den Rufknopf. “Verdammt, McKay“, sagte er, drückte immer wieder ungeduldig den Kopf.

“Was?“, fragte Rodney gereizt, “Wir sind nicht alle Superman, wissen Sie?“

Jack drückte weiter den Knopf und Rodney meinte: “Davon geht es auch nicht schneller.“ Draußen schlugen Sprengsätze ein und zerschlugen die Stille. Sie wurden angegriffen. Der Feind war hier. Die Explosion bildete ein Echo über der endlosen Eiswüste und Rodney schnappte nach Luft. Er schob Jacks Hand beiseite und drückte selbst auf den Knopf. Der provisorische Lift rumpelte zu einem quietschenden Halt und Rodney konnte gar nicht schnell genug die Tür öffnen und einsteigen.

“Sie müssen schon evakuiert haben“, sagte Jack mit einem Blick zurück in den Eingangsbereich. Zwei weitere Sprengsätze schlugen ein, dieses mal dicht genug, dass die Hitze durch die Tür schlug und Rodney sie spüren konnte. Der Lift setzte sich gemächlich in Bewegung. Rodney starrte auf das durch die Glaskuppel verzerrte näher kommende Al-Kesh, die Einschläge und schickte ein Stoßgebet zum Himmel, dass sie rechtzeitig aus dem Gefahrenbereich verschwinden konnten, ehe sie unter der Oberfläche verschwanden und er das Al-Kesh nicht mehr sehen konnte. Der Lift hatte gerade die Hälfte der Strecke zurückgelegt, da waren mehrere Explosionen über ihnen zu hören.

Das Geräusch von splitterndem Glas und berstendem Metall war ohrenbetäubend. Der Lift schwankte und Rodney hatte einen Moment die Sorge, dass er stehen bleiben würde – oder abstürzen –, aber sie war unbegründet.

Jack schob die Tür auf, ehe sie ausstiegen. Auch hier unten herrschte Ruhe. Die Arbeitsstationen waren verlassen, der große Raum still und der Stuhl auf seinem Podest verwaist. Eis regnete von der Decke, die Einschläge klangen durch die meterdicke Eisschicht dumpf. “Sie sind direkt über uns“, sagte Jack.

“Sie werden solange schießen, bis alles vernichtet ist“, antwortete Teal’c.

Jack eilte zum Stuhl, der in der Mitte des Raumes stand und setzte Danny auf dem Boden ab. “McKay, helfen Sie Beckett.“

“Ja, ja“, murmelte Rodney und half Carson zu dem Stuhl zu gehen, “General, ich weiß nicht ob-“

“Welche Möglichkeiten haben wir denn noch?“, fragte Jack. Erneut gab es Einschläge, wieder regneten Teile der Decke auf sie hinab.

Teal’c setzte Jackson neben sein Alter Ego und blickte nach oben. “Ist eure Baukunst stabil?“, fragte er.

“Du meinst für den Fall, dass die Ori und Goa’uld uns angreifen?“, fragte Jack mit gehobenen Augenbrauen. Teal’c griff nach dem Rucksack und Rodney befreite sich aus den Trägern. Teal’c öffnete den Rucksack und Jack nahm das ZPM heraus. Er kniete sich an die Basis des Podestes und öffnete die ZPM-Kammer. “Das ZPM ist noch nicht ausgeschöpft“, sagte er zu Teal’c, der ihn interessiert beobachtete, während er die alte Energiequelle herausholte, “Aber es hat nicht mehr genug Energie, um die Waffen zu aktivieren. Das hier …“ Er setzte das neue ZPM ein, das gehorsam aufleuchtete, als es in Position war. “.. sollte reichen.“

Rodney setzte Carson in den Stuhl. Nichts passierte. Carson lag mit geschlossenen Augen auf dem Gerät und rührte sich nicht. Sorge ergriff Rodney und er rüttelte an Carsons Schulter. “Hey, aktivieren!“, sagte er. Carson drehte schwach den Kopf. “Komm schon“, bat Rodney.

Jack hob die Augenbrauen. “Vielleicht stimmt was mit dem ZPM nicht.“

Rodney schüttelte den Kopf. “Nein, es sollte funktionieren.“

“Woher wollen Sie das wissen? Sehen Sie sich das Ding doch mal lieber an.“

“Ich kann das Problem nicht durch Anstarren lösen, General, ich- autsch!“

Die Fußstützen des Stuhls hatten ihn ins Schienbein getroffen, als er sich aktivierte.

“Das ist es“, sagte er begeistert, “Jetzt die Drohnen.“

Carson kniff die Augen zusammen und versuchte, sich zu konzentrieren, aber er schüttelte den Kopf. “Ich kann nicht.“

Eine weitere Explosion, diese lauter, traf die Station. Jack sprang zur Seite, als sich ein großer Teil der Decke löste und dicht neben ihm einschlug. Er eilte zu Jackson und Danny. “McKay!“, rief er. Teal’c gesellte sich zu Jack und half ihm, die beiden anderen Männer an eine geschütztere Stelle des Raumes zu bringen.

“Carson, komm schon. Konzentrier dich.“

Carson schüttelte den Kopf. “Ich versuch’s. Ich …“

“Komm schon“, flehte Rodney. Er ergriff fest Carsons Schulter und der andere Mann zuckte weg, als hätte Rodney ihn geschlagen. “Du kannst das“, sagte Rodney. Er beugte sich über Carson und legte seine Hände in Carsons Nacken. “Sieh mich an!“, sagte er laut, “Ignorier die Schmerzen.“

Carson schluchzte.

“Ich weiß, das ist schwer, aber, Carson …“

Ein weitere Einschlag und in der Decke über dem Stuhl entstanden Risse. Rodney blickte kurz nach oben, dann wieder zu Carson und als er bemerkte, dass der andere Mann schwer atmend ängstlich an die Decke starrte, presste er seine Stirn an die von Carson und zwang die blauen Augen, ihn anzusehen.

“Carson … aktivier die Drohnen. Ich weiß, dass du es kannst.“

Carson starrte Rodney an – Schmerzen und Erschöpfung lagen in seinen Augen.

“Komm schon“, sagte Rodney, etwas leiser. Er blendete ihre Umgebung aus. “Komm schon.“ Er schloss die Augen und streichelte mit den Fingern durch Carsons dunkle Haare, dann drückte er einen Kuss auf seine Lippen. “Komm schon.“

Ein gelber Lichtblitz neben ihm ließ ihn aufblicken und er erstarrte, als sich Hunderte kleiner, gelber Lichtbälle ihren Weg durch die Decke und in die Freiheit erkämpften. Er blickte wieder zu Carson, der mit geschlossenen Augen und angestrengtem Gesicht im Stuhl saß.

“Das ist es“, sagte er fassungslos, “Das ist es!“

***

Lorne und Rush standen nebeneinander im Konferenzraum und blickten auf die Satellitenbilder, die der Flachbildschirm ihnen zeigte. Über McMurdo tobte eine Schlacht zwischen der Erde und den Angreifern. Aus dieser Entfernung war schwer zu sagen, welche Seite die Oberhand hatte, oder welcher der kleinen Punkte zu welcher Seite gehörte.

Rush deutete auf mehrere kleinen schwarzen Punkte, die sich in Richtung der Antiker-Basis bewegten.

“Sie werden angreifen.“

“Das haben sie bereits“, antwortete Lorne und starrte auf die Rauchwolke, die sich über der Basis erhob. Die Vogelperspektive war gewöhnungsbedürftig, aber er wusste, dass es nicht gut aussah.

Rush rieb sich das Kinn. Dann kniff er die Augen zusammen und lehnte sich näher zum Bildschirm. “Colonel“, sagte er. Lorne folgte seinem Blick. Etwas helles hob sich von Rauchwolken ab.

“Was ist das?“

“Wenn ich es nicht besser wüsste …“, murmelte Rush.

“Drohnen“, sagte Lorne, als die gelben, pfeilschnellen Waffen näher kamen, unterwegs die Todesgleiter und Al-Keshs über der Antarktis zerfetzten, “Ein Bild von dem Schiff, schnell.“

Rush eilte an den nahen Schreibtisch und rief mit der Tastatur ein anderes Satellitenbild auf. Es zeigte das Ha’tak, von dem die Todesgleiter-Attacke ausgegangen war. Es hing noch immer unterhalb der Erdflotte – unangreifbar, da die Erde zu sehr damit beschäftigt war, die anderen Schiffe abzuwehren. Rush eilte wieder zu Lorne. Gemeinsam beobachteten sie, wie die Drohnen das Ha’tak zerrissen. Die Explosion war heftig, ein Teil des Schiffes raste auf die Kamera zu und als der Satellit getroffen wurde, fiel das Bild aus. Rush und Lorne starrten auf den dunklen Bildschirm, als würde er noch immer die Schlacht zeigen.

“Sie haben es geschafft“, sagte Lorne schließlich. Rush konnte nur stumm nicken.

***

“Sir!“, rief Marks, “Wir sind auf 10%.“

Everett schloss die Augen. “Danke, Major.“

Captain Fry sagte: “Wir haben Bestätigung von der Selene. Alle Basen in der Antarktis wurden evakuiert.“

“Gut“, antwortete Everett.

“Sir“, sagte Marks wieder. Er starrte auf seinen Bildschirm. “Sir, da sind … Tausende von Energiesignaturen auf meinem Bildschirm und sie nähern sich uns.“

“Todesgleiter?“, fragte Everett. Er blickte durch das Fenster nach draußen auf die Schlacht zwischen den verbliebenen Erdschiffen, den letzten zwei Ha’taks und den noch immer scheinbar unbesiegbaren Ori-Schiffen.

“Nein“, antwortete Marks. Everett wollte gerade fragen, was es denn sei, da schrie eine Frau hinter ihm überrascht auf und Marks deutete in das All. “Sir“, sagte er fassungslos. Everett wandte den Blick nach draußen. Seine Augen weiteten sich überrascht, als eine Flut von gelb leuchtenden Körpern am Schiff vorbeizischte und direkten Kurs auf die feindlichen Schiffe nahm.

“Was …“

Die Hektik auf der Brücke erstarb, als alle aus dem Fenster starrten.

“Drohnen“, sagte Captain Fry ehrfürchtig, dann wiederholte er lauter, “Sir, das sind Drohnen aus der Antiker-Basis.“

Die Drohnen drangen durch die Schilde der feindlichen Schiffe, als würden sie sie gar nicht wahrnehmen, rissen Löcher in die Hüllen, und sogar die Ori-Schiffe konnten ihnen nicht stand halten. Everett stand auf und ging auf das Fenster zu, gesellte sich zu ein paar Technikern, die gebannt auf das Schauspiel starrten. Die feindlichen Schiffe explodierten, ihre Teile flogen ziellos durchs All, trafen einander und zerbrachen. Everett schloss geblendet die Augen, als auch die Schiffe der Ori in vier riesigen Feuerbällen aufgingen. Dann war es vorbei. Die Drohnen erloschen.

Atemlose Stille herrschte auf der Brücke.

Dann brachen alle gleichzeitig in Jubel aus. Everett fühlte sich von einem der Techniker in eine freudige Umarmung gezerrt und erwiderte sie knapp, noch immer auf die Stelle starrend, an der die feindlichen Schiffe geschwebt hatten.

“Es ist vorbei“, flüsterte er.

“Ja, Sir“, sagte Major Marks, der plötzlich neben ihm stand, “Es ist vorbei.“

Kapitel 12
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