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Torchwood: Die Grenze (Fanfiction)

Die Grenze

las

Worte: ~ 1.100
Inhalt: "Wir haben frei, hier sind nur du und ich. Du bist nicht mein Anführer, du bist mein Geliebter. Du darfst Emotionen zeigen."
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones
Pairing: Jack/Ianto
Rating: PG
Spoiler: Die Gestrandeten
Setting: nach Die Gestrandeten
Warnungen: Erwähnungen von Selbstmord
Anmerkungen: Geschrieben für torchwood_las und den Prompt Feier. Das zusätzliche Wort war Ein Zeitmesser. Das hier hat Platz 3 im Finale belegt. Ich muss zugeben, dass ich etwas geschlampt habe. Ich hatte so viel um die Ohren und der Prompt war schwer für mich und ich war erst recht spät hiermit fertig und konnte keinen Beta mehr nehmen. Also, nicht meine beste Arbeit. :)
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

***
***


"Er kam nicht mit seinem neuen Leben klar", sagte Jack und starrte auf John Ellis hinunter, der tot und bleich vor ihm lag. Es war kalt in der Leichenhalle, aber Jack begrüßte das. Er wollte sich nicht warm und lebendig fühlen, denn John konnte es nicht mehr.

Ianto hob den Blick von seinem Klemmbrett. "Das habe ich bereits vermutet." Er notierte etwas – vielleicht die Worte Tod durch Selbstmord –, dann sah er Jack traurig an. "Es tut mir leid. Ich weiß, dass er dir sehr viel bedeutet hat."

Jack verschränkte die Arme und starrte auf Johns Gesichtszüge, die im Tod so viel entspannter und glücklicher schienen. "Ja, das hat er." Er sah John noch einen Moment an, dann seufzte er und wandte sich ab. Er ging ohne ein weiteres Wort, wissend, dass Ianto ihn nicht aufhalten würde und er war dankbar dafür. Es war schmerzhaft genug, dass er gerade jetzt nicht allein war, wo die Wut auf sein eigenes Versagen stetig wuchs. Warum hatte er es nicht kommen sehen? Oder hatte er die Zeichen einfach ignoriert? Weil er wünschte, wie John auch sterben zu können, ohne wieder aufzuwachen?

Der kurze Weg zu seinem Büro erschien lang, seine Glieder fühlten sich schwer und unkoordiniert an. Zum ersten Mal seit sehr langer Zeit fühlte Jack sich absolut erschöpft. Er sank in den Stuhl hinter seinem Schreibtisch und legte den Kopf in die Hände. Er zog an seinem Haar, bis es wehtat. Vielleicht fühlte er sich so müde, weil er heute Abend so oft gestorben war. Oder vielleicht, weil Johns Tod ihm so nahe ging.

Seine Augen glitten durch den Raum und blieben auf einem der Monitore hängen, die an die Wand montiert waren. Die Nachrichten zeigten geschmückten Straßen und lächelnde Menschen, die in den Geschäften einkauften – irgendwo da oben war es Weihnachten. Ianto betrat das Büro und Jack fragte etwas gereizt: "Warum bist du noch hier?"

Ianto zögerte nur eine Sekunde, dann ging er zu dem kleinen Beistelltisch, auf dem der Alkohol stand und goss ein Glas Scotch ein. "Es gibt genug Arbeit hier, Sir."

"Du solltest bei deiner Familie sein." Nicht hier, ganz allein mit Jack, seiner Wut und dem wachsenden Bedürfnis, sich selbst umzubringen. Denn es war ein gutes Gefühl gewesen, alleine mit John im Auto. Einfach alles für ein paar Minuten zu vergessen. Sich um nichts sorgen zu müssen als sich selbst.

"Heute nicht, nein. Wir haben uns für Silvester verabredet." Ianto stellte das Glas vor Jack ab. "Ich habe dieses Jahr nicht das Verlangen, Weihnachten zu feiern."

Jack legte die Finger einer Hand um das Glas. "Lisa?"

"Es ist nicht nur wegen Lisa. Gwen und Tosh haben sich freigenommen, um den Tag mit ihren Familien zu verbringen und du brauchst jemanden hier, der dich und Owen davon abhält, euch gegenseitig umzubringen." Er machte eine Pause. "Auch wenn ich mir in deinem Fall keine Sorgen darüber machen müsste, nicht wahr?"

Jack erstarrte, das Glas auf halbem Weg zum Mund. Er war ein wenig überrascht, dass ihm die Tatsache, dass Ianto von seiner Unsterblichkeit wusste, nicht mehr Sorgen bereitete. Vielleicht, weil er nicht daran zweifelte, dass Ianto es für sich behalten würde. "Wie hast du es herausgefunden?"

"Es gab Gerüchte bei Torchwood 1, in letzter Zeit gab es immer mehr Hinweise darauf und als du mit Johns Leichte zurückgekommen bist, hast du nach Abgasen gerochen ... niemand riecht so stark danach, wenn er nicht eine Weile im Auto gesessen hätte. Also habe ich nach Überwachungskameras in der Umgebung gesucht. Du warst über eine Stunde in dieser Garage." Iantos Stimme war ruhig, wie seine Augen auch.

Jack sah ihn für eine lange Zeit an. Das einzige Geräusch im Büro kam von der Uhr, die die Sekunden verstreichen ließ. Dann sagte Jack: "Ich bin acht Mal mit John gestorben. Ihn in den letzten Tagen zu beobachten war, als würde ich in den Spiegel schauen."

Ianto trat um den Schreibtisch herum und lehnte sich dagegen. "Du bist nicht aus dieser Zeit", folgerte er. "Aber du kommst klar. Ich sehe doch jeden Tag, dass du dein Leben im Griff hast."

Jack knallte das Glas auf seinen Schreibtisch. "Weil ich muss!", schrie er, als die Wut auf sich selbst, auf Ianto, den Doktor und John übersprudelte. "Ich kann dir nicht sagen, wie oft ich den Punkt erreicht habe, an dem John heute war. Auf dem Rand eines Daches oder mit einer Waffe auf meinen Kopf gerichtet oder manchmal einfach nur absichtlich unvorsichtig bei der Weevil-Jagd ... ich bin schon so oft gestorben, weil ich einfach nicht mehr konnte. Wage es nicht, da zu stehen und mir zu sagen, dass ich mein Leben im Griff habe, als ob du über mich Bescheid weißt! Du kennst mich gar nicht! Ich komme nicht klar. Vielleicht werde ich das auch nie."

Schweigen trat in das Büro. Jack starrte Ianto schwer atmend an. Ianto erwiderte den Blick ruhig.

Dann überraschte er Jack, indem er sein Gesicht umfasste und einen sanften Kuss auf seine Lippen drückte. "Hat sich gut angefühlt, oder?"

Jack stieß die Luft aus und fühlte sich plötzlich unendlich müde. "Es tut mir leid."

"Du hast mir nicht weh getan."

"Ich habe eine Grenze überschritten. Ich bin dein Anführer, ich sollte nicht ..."

"Wir haben frei, hier sind nur du und ich. Du bist nicht mein Anführer, du bist mein Geliebter. Du darfst Emotionen zeigen." Er lehnte sich zurück und lächelte. "Außerdem ist es Weihnachten. Es ist schon beinahe Tradition, sich zu streiten. Da kannst du jede Familie fragen, die Verwandte zu Besuch hat."

Jack lachte leise und seufzte tief, dann rieb er sich die müden Augen.

Ianto zog ihn in eine Umarmung. "Glaub es oder nicht, aber du bist okay. John hat aufgegeben, er hat keinen Platz für sich auf dieser Welt gesehen oder in dieser Zeit ... aber du ... du hast einen Platz. Genau hier. Mit uns. Auch wenn du es noch nicht siehst, ich bin sicher, dass du das irgendwann erkennst."

Jack legte seine Arme um Ianto und dachte an den Doktor. "Ich weiß nicht, wann das sein wird."

Ianto drückte einen Kuss in seine Halsbeuge. "Das ist okay. Lass mich wissen, wenn es soweit ist."


END
07/12

Torchwood Masterlist

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