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Gefangen (2)

Worte: ~ 23.100
Inhalt: Als ein Mitglied der Crew spurlos verschwindet, finden die meisten einen offensichtlichen Verdächtigen, der sich jedoch als unschuldig ausgibt. Während die Flüchtlinge Hand in Hand arbeiten müssen, bilden sich unerwartete Allianzen, um Eli zu finden.
Charaktere: Eli Wallace, Nicholas Rush, Everett Young, Camile Wray, Ronald Greer, Matthew Scott, Tamara Johansen, Chloe Armstrong, Sgt. Spencer, Adam Brody, Vanessa James, Dale Volker, Jeremy Franklin, Lisa Park, Airman Becker, Marian Wallace, OCs
Pairing: Chloe/Matt
Rating: PG-13
Spoiler: Die Destiny, Führungskampf auf der Destiny, Rettung für die Destiny, Finsternis, Gefahr für die Destiny, Die Zeitreise, Die Rückkehr, Human
Setting: Season 1 – nach Die Rückkehr
Warnungen: Gewalt
Beta: artemis_neith, die die allererste deutsche Version vor Jahren gesehen hat – danke auch für den Input, um die Story besser zu machen. elaiel, die die englische Version korrigiert hat.
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Stargate Universe und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Kapitel 1
Gefangen Masterlist

***
***


2.



Dr. Rush starrte nachdenklich auf die Kontrollen, die Stirn gerunzelt. “Siehst du das?“

Eli, der mit dem Kinn müde auf eine Hand gestützt an der Kontrolleinheit neben ihm stand, antwortete: “Wenn Sie die Zugriff Verweigert-Anzeige meinen, dann Ja.“

“Ich meine das hier.“ Rush schickte die Daten auf Elis Schirm.

Eli gähnte, während er sie sich ansah. “Eine Ansicht des Schiffes“, sagte er müde.

“Konzentriere dich bitte“, seufzte Rush und trat neben ihn. Er deutete auf den hinteren Teil des Schiffes. “Sieh genau hin.“

Ein roter, blinkender Punkt. “Merkwürdig“, murmelte Eli und rieb sich die Müdigkeit aus den Augen. “Eine Energiequelle. Die war gestern noch nicht da, oder?“

“Nein, war sie nicht“, antwortete Rush leicht genervt.

“Sie ist winzig. Kaum wahrnehmbar.“

“Wir sollten sie uns näher ansehen“, meinte Rush und griff nach dem Funkgerät. “Lt. Scott, hier Rush. Kommen Sie mit Sgt. Greer in den Kontrollraum.“

Es dauerte einen Moment, dann meinte Matt: “Sicher, Doktor.“ Er klang zurückhaltend freundlich, wie immer, wenn er mit Rush oder den anderen Wissenschaftlern an Bord sprach. Eli ahnte aber, dass er die Augen verdrehte. Und er ahnte, dass es wieder eine lange Nacht werden würde, wenn sie der Energiesignatur jetzt nachgingen.

“Was denn, jetzt?“, fragte er daher unwillig. “Ich bin müde.“

“Du solltest mehr schlafen.“

Eli hob die Augenbrauen und sparte sich die scharfe Bemerkung, die ihm auf der Zunge lag. Er wäre auch gar nicht dazu gekommen, etwas zu sagen, denn Colonel Young betrat den Kontrollraum. “Eli, ich brauche dich.“

Rush verschränkte die Arme. “Jetzt? Sofort?“

“Sofort“, antwortete Young nickend und verschränkte die Hände auf dem Rücken, ganz der Soldat.

“Wir gehen gerade etwas nach.“

“Das schaffen Sie sicher auch alleine“, meinte Young mit einem falschen Lächeln. Eli hasste es, wenn das passierte. Manchmal fühlte er sich wie ein Scheidungskind, dessen Eltern sich nicht einigen konnten. Entweder war es Rush, der ihn für Berechnungen und Erkundungen des Schiffes brauchte oder aber Young, der von ihm erfahren wollte, was Rush so trieb.

Rush schnaubte. “Tatsächlich ist das nicht der Fall, Colonel. Ich brauche Eli. Und ich finde es unzumutbar, dass Sie ihm ständig Aufgaben zuweisen, die sicher alles andere als wissenschaftlich sind.“

Eli stützte den Kopf in die Hände und seufzte tief. Er würde am liebsten einfach verschwinden. Sein Blick wanderte zur Tür, die nur wenige Schritte entfernt hinter Young lag. Und Young blockierte Rushs Blick auf die Tür und die Konsole, an der Eli gerade stand … die Entscheidung war schnell getroffen. Eli floh.

***

Chloe atmete tief aus und zog das rechte Bein an, drückte die Fußsohle gegen ihr linkes Knie und legte die Handflächen aneinander. Sie hatte mit Yoga angefangen, als sie den Job bei ihrem Vater begonnen hatte. Eine Kollegin hatte es ihr empfohlen und Chloe fand bald die Ruhe in den Trainingsstunden, die in ihrem hektischen, politischen Alltag fehlte.

Hier – viele Lichtjahre von der Erde und ihrer Mutter entfernt – half es ihr, zu entspannen. Sie blickte aus dem Fenster ihres Quartiers in die Schleier, die der FTL-Antrieb um das Schiff herum aufbaute, und schloss die Augen. Das Klopfen an der Tür ließ sie zusammen zucken. Sie zog ihre Fleecejacke an und ging barfuß über den kühlen Metallboden zur Tür. Sie öffnete. “Eli“, sagte sie überrascht.

“Hey!“ Er hatte die Hände in die Taschen seiner grauen Jacke geschoben und blickte den Korridor hinunter. “Kann ich mich hier verstecken?“

“Sicher.“ Sie trat zur Seite und ließ ihn rein. Die Tür schloss sich gehorsam, als Chloe die Kontrolle berührte. Eli stand unschlüssig mitten im Raum. Sie fand, dass er müde wirkte. Dunkle Ringe lagen unter seinen Augen.

Chloe verschränkte die Arme. “Versteckst du dich vor TJ?“

Verwirrt blickte er sie an.

“Die Therapiestunden“, erinnerte Chloe ihn.

“Nein. Das habe ich hinter mir.“

“Wirklich?“, fragte Chloe überrascht. “Ich dachte, du wolltest das auf jeden Fall verhindern.“

“Sie hat mich gestern nach dem Abendessen erwischt.“

“Wie war’s?“ Chloe hatte ihre Stunde ebenfalls hinter sich. Für sie war es alles andere als angenehm gewesen, mit TJ über ihre Gefühle die Destiny betreffend zu sprechen und auch über ihre Gefühle Matt gegenüber. Sie hatte nichts gegen sie, aber Chloe war nie mit dem Konzept einer Therapie klar gekommen. Sich so zu öffnen – mit Ausnahme ihren Eltern gegenüber – lag ihr nicht.

Eli verzog das Gesicht und fuhr sich durch die braunen Haare. “Nicht gut.“ Er holte sein Funkgerät aus der Jeanstasche und ließ es auf das Bett fallen, ehe er sich daneben setzte.

Das Gerät gab ein Rauschen von sich, dann ertönte Youngs Stimme: “Eli, mein Quartier.“ Nach einem Moment Pause fügte er hinzu: “Bitte.“

Eli schaltete das Funkgerät ab.

“Du versteckst dich vor Young?“, fragte Chloe und nahm ihre Hose vom Bettende auf. Sie trat hinter Eli und zog die Trainingshose aus.

Er stützte den Kopf in die Hände. “Vor ihm und Rush.“

Chloe zog ihre Hose an und wechselte dann auch das Top. “Worum ging es dieses mal?“ Sie entließ ihre langen Haare aus dem Zopfband und kämmte mit ihren Fingern durch die braunen Strähnen.

Eli zuckte mit den Schultern. “Ist das nicht egal?“ Chloe kam um das Bett und setzte sich neben ihn. Er sah sie Hilfe suchend an. “Ich bin es nur leid, zwischen ihnen herum geschubst zu werden.“ Er seufzte tief. “Hast du was dagegen, wenn ich hier schlafe?“

Chloe hob überrascht die Augenbrauen.

“Im Sessel“, ergänzte Eli rasch und nickte zu dem Stuhl, der in einer Ecke von Chloes Quartier stand. Chloe zögerte einen Moment und Eli schloss die Augen und schüttelte den Kopf. “Nein, entschuldige. Das ist albern. Du bist mit Matt verabredet. Ich sollte nicht … ich sollte gehen.“

Er wollte aufstehen, aber Chloe hielt seinen Arm fest. “Unsinn. Natürlich kannst du bleiben. Matt hat sowieso was anderes zu tun.“

Eli atmete erleichtert aus. “Danke. Früher oder später sucht einer der beiden mich in meinem Quartier und ich brauche dringend Schlaf.“

“Kein Problem“, antwortete sie. Er sah wirklich erschöpft aus. Chloe stand auf. “Hey, ich hole uns das Abendessen her, okay?“

Er nickte. “Okay.“

***

Chloe hatte nie über viel Menschenkenntnis verfügt. Ihre ehemaligen Freunde auf der Erde bewiesen ihr das nur zu gut. Das oberflächliche Leben, das sie mit ihnen geführt hatte – die Bars, die Clubs, die Partys – war ihr erst bewusst geworden, nachdem sie nach DC gezogen war und mit Leuten arbeitete, die so viel erwachsener waren als sie selbst.

Aber sie glaubte, Eli verstehen zu können. Er machte es den Menschen in seiner Umgebung nicht schwer. Obwohl es Dinge gab, über die er nur sehr vorsichtig sprach, als fürchtete er, zu viel zu sagen – Chloe hatte festgestellt, dass seine Mutter eines dieser Themen war – so war doch meistens offen auf seinem Gesicht zu sehen, was er dachte oder wie er sich fühlte. Dass er seit ein paar Tagen einen konstant erschöpften Eindruck machte, war nicht nur Chloe aufgefallen. “Ich finde, wir sollten etwas sagen“, meinte sie leise und nahm die beiden Schüsseln mit Essen an, die Airman Becker ihr reichte. TJ legte die Stirn in nachdenkliche Falten und ging ein paar Schritte zur Seite, um Platz für die zu machen, die hinter ihnen warteten. Chloe folgte ihr. “Colonel Young und Dr. Rush sind quasi ständig dabei, Eli irgendwie zu beschäftigen. Er sitzt bis spät in der Nacht an den Kino-Aufnahmen – er sagt es zwar nicht, aber ich weiß von Matt, dass es für Young ist – und tagsüber kommt er auch nicht zu Ruhe. Und er sagt nie Nein. Er ist müde.“

TJ rührte in ihrem Essen. “Nur kann ich nicht wirklich zu Colonel Young gehen und ihm sagen, er soll Eli in Ruhe lassen.“

“Aber du bist Ärztin-“

“Sanitäterin“, unterbrach TJ kopfschüttelnd und strich sich eine blonde Haarsträhne aus dem Gesicht, die der sorgsam gerichteten Frisur entkommen war.

“Du bist Ärztin“, wiederholte Chloe stur. “Auf diesem Schiff bist du Ärztin. Gibt dir das nicht irgendwie Sonderrechte dem Colonel gegenüber, wenn du siehst, dass jemand erschöpft ist?“

TJ seufzte. “Ich könnte vor Colonel Young mit Elis Therapiestunde argumentieren.“

Chloe runzelte besorgt die Stirn. “Was? Wieso?“

TJ zuckte mit den Schultern. “Ich kann dir keine Einzelheiten sagen, aber irgendetwas beschäftigt ihn.“

“Seine Mutter, denke ich.“

“Mehr als das.“ TJ schüttelte den Kopf. “Etwas auf dem Schiff. Aber er redet nicht darüber.“

Sie wurden unterbrochen, als Matt sich zu ihnen gesellte und Chloes Wange küsste. “Hey! Ich bin Rush entkommen. Wir sehen uns also später, richtig?“

Chloe schüttelte den Kopf. “Entschuldige. Können wir das verschieben? Ich habe Eli irgendwie versprochen, dass wir Zeit miteinander verbringen.“

Matt wirkte enttäuscht, nickte aber. “Er ist bei dir? Colonel Young sucht ihn schon.“

“Ja, sag ihm nicht, dass er bei mir ist, okay?“, bat Chloe.

Matt runzelte die Stirn und blickte zu TJ, die ihm zunickte. Chloe störte die unbewusste Geste etwas. Als bräuchte Matt als Soldat die Bestätigung eines anderen Soldaten, um ihr einen Gefallen zu tun. Aber sie schüttelte das Gefühl ab. Es ging hier immerhin darum, Matts Vorgesetztem etwas zu verschweigen und er nahm seine Pflichten sehr ernst. “Okay“, meinte er zögerlich. “Sehen wir uns morgen?“

“Sicher“, antwortete Chloe. Als er weg war, blickte sie wieder zu TJ auf. “Vielleicht reagieren wir über. Vielleicht braucht er nur eine Nacht Schlaf.“ Sie lächelte schwach und verließ die Kantine.

***

Als Chloe in ihr Quartier zurückkam, lag Eli am Fußende des Bettes ausgestreckt, die Füße auf dem Boden, als hätte er sich zurückfallen lassen, um an die Decke zu starren. Er schlief. Chloe stellte sein Abendessen auf den kleinen Tisch neben dem Bett und nahm ihren iPod aus der Jackentasche. Sie setzte sich in den Sessel und hörte Musik, während sie aß. Dann lehnte sie sich in dem Stuhl zurück und schloss die Augen, um zu warten.

Sie merkte gar nicht, dass sie einschlief.

***

Als sie aufwachte, war Eli verschwunden und eine Decke lag auf ihr. Der iPod lag auf dem Boden neben dem Stuhl und die beiden Schüsseln waren weg. Chloe rieb sich die Augen und sah auf die Uhr. In einer halben Stunde würde Airman Becker anfangen, das Frühstück auszuteilen. Sie hatte bereits jetzt Hunger. Sie stand auf und legte die Decke zurück an ihren Platz auf dem Bett. Da bemerkte sie den Zettel auf ihrem Nachttisch. Das Blatt war aus einem kleinen Notizblock gerissen worden. Elis unordentliche Schrift erklärte:

Ich muss etwas erledigen. Wir sehen uns zum Frühstück. Danke für das Bett und das Essen. Entschuldige, dass ich eingeschlafen bin.
P.S. Falls ich nicht wieder auftauche, such meine Leiche bei Rush oder Young und räche mich.


Chloe lachte leise. Es hörte sich ganz so an, als hätte Eli die Nacht Schlaf tatsächlich gut getan.


Kapitel 3
Gefangen Masterlist

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