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Torchwood: Flicken (Fanfiction)

Flicken

Serie: Stiche Mastlist
Worte: ~ 1.400
Inhalt: "Dann rede nicht darüber. Zeig es mir stattdessen. Wie du dich fühlst."
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones
Pairing: Jack/Ianto
Rating: PG-13
Spoiler: Cyberwoman
Setting: Irgendwann in der ersten Staffel
Warnungen: Gewalt
Anmerkungen: Geschrieben für die torchwood_fest Winter Exchange. rudika hat fünf Prompts gegeben und ich habe mit drei davon eine Serie gemacht. Das hier ist Teil 2 zu dem Prompt Es war nicht so, dass Jack nachts nicht schlafen konnte – er wollte nicht. Teil 1 war Riss und man sollte ihn gelesen haben.
Beta: larsinger29, die mir auch geholfen hat, einiges zu verbessern, danke!
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Riss
Stiche Mastlist

***
***


Es war nicht so, dass Jack nachts nicht schlafen konnte. Er wollte nur nicht. Seine Albträume waren hartnäckig, folgten ihm schon seit Jahrzehnten und mischten sich ständig mit neuen traumatischen Erlebnissen. Manchmal versuchte er, schlafen zu gehen, nur, um sich für eine kleine Weile normal zu fühlen; nur, um den langen einsamen Nächten in der Basis zu entkommen. Aber es endete immer gleich: Verschwitzt und ängstlich nach Luft schnappend in seinem kleinen Bett. Manchmal ging er aus, um zu trinken, mit jemandem nach Hause zu gehen und dann wieder in die Basis zurückzukehren, aber die meisten Nächte blieb er an seinem Schreibtisch und holte Papierarbeit nach. Sein Körper brauchte keinen Schlaf mehr, seit er unsterblich geworden war.

Bei Ianto war das jedoch anders. Und seit er vor ein paar Tagen zur Arbeit zurückgekehrt war, bekam er eindeutig nicht Ruhe. Er schien immer im Dienst zu sein. Manchmal, wie jetzt, überraschte er Jack, indem er spät abends in sein Büro trat und ihm Formulare zum Unterschreiben reichte.

Jack nahm die Papiere langsam entgegen. "Du solltest nicht hier sein."

Ianto blickte ihn an, nahm die Worte zur Kenntnis, aber antwortete nicht.

Jack ließ sich davon nicht abschrecken und beobachtete, wie Ianto Ordnung auf seinem Schreibtisch machte. Selbst in den schwachen Lichtern seines Büros konnte Jack die dunklen Schatten unter Iantos Augen erkennen, die angespannte Haltung mit den hochgezogenen Schultern und dem gesenkten Kopf. Jack kniff nachdenklich seine Unterlippe zwischen zwei Fingern, unsicher, ob er fragen sollte, ob er ein Recht dazu hatte nach dem, was geschehen war. Aber er konnte nicht anders. "Ianto-"

"Es geht mir gut, Sir."

"Das glaube ich dir nicht."

"Ich würde nur gerne nach Hause gehen, Sir", antwortete Ianto und fügte hinzu: "Bitte unterschreib die Papiere, damit ich sie einreichen kann." Jack seufzte und gehorchte. Ianto nahm die Formulare entgegen und ging zur Tür.

"Ianto", sagte Jack und wartete, bis er stehenblieb, bevor er fortfuhr: "Du hast mich nicht ein Mal während deiner Suspendierung angerufen. Hast du mit irgendjemandem über das geredet, was passiert ist?"

Ianto drehte sich zu ihm. "Mit wem sollte ich sprechen, Sir? Dem Team? Sie wissen gar nicht, was passiert ist."

Jack faltete die Hände auf seinem Schreibtisch. "Darum habe ich dir angeboten, zuzuhören."

Ianto verschränkte die Arme vor den Ordnern, drückte sie gegen seine Brust wie ein Schild. "Ich brauche nicht darüber zu reden, Sir."

"Würdest du es mir sagen, wenn es so wäre?"

Ianto senkte den Blick. "Wahrscheinlich nicht", gestand er und ging.

Jack seufzte. "Dachte ich mir."

***

Etwas später schreckte Iantos leise Stimme Jack aus seiner Arbeit. "Kaffee, Sir?"

Jack nickte. Er sah auf die Uhr. Es war kurz vor drei Uhr morgens, und es war unmöglich, dass Ianto zwischendurch zu Hause gewesen war, um zu schlafen. Oder zumindest, um ein Nickerchen zu machen. Als Ianto die Tasse auf Jacks Schreibtisch stellte, ergriff Jack sein Handgelenk.

Ianto hob den Kopf, seine blauen Augen fragend. "Sir?"

"Ich meinte es ernst. Du kannst mit mir reden."

Iantos Augen waren kalt. "Mit ihrem Mörder?"

Jack schluckte. "Ich verstehe, dass du Probleme hast, deine Gefühle auszudrücken, weil es dich verletzlich macht – besonders mir gegenüber."

"Du verstehst", wiederholte Ianto langsam, seine Stimme kalt. In seinen Augen lag eine Spur Spott, als er sagte: "Danke, Sir." Er wollte sich wieder abwenden, aber Jack hielt ihn fest.

"Dann rede nicht darüber", sagte er und blickte Ianto ernst an. Ianto runzelte verwirrt die Stirn. Jack erklärte: "Zeig es mir stattdessen. Wie du dich fühlst."

Ianto schüttelte mit einem nervösen Lächeln den Kopf und richtete sich auf, als Jack sein Handgelenk losließ. "Sir?" Sein Körper spannte sich an, bereit zu fliehen, zu zerstören, zu bestrafen, zusammenzubrechen und zu weinen ... Jack wusste nicht genau, was. Er wusste nur, dass Ianto sehr wohl bewusst war, was Jack ihm anbot.

Er stand auf und trat um den Schreibtisch herum. "Kein 'Sir', nicht jetzt." Er starrte Ianto herausfordernd an. "Tu es."

Ianto schüttelte den Kopf und trat einen Schritt zurück. Er wich Jacks Blick aus und faltete die Hände auf dem Rücken.

Jack verschränkte die Arme. "Du redest mit mir oder du zeigst mir, wie du dich fühlst. Es gibt keine andere Wahl. Ich kann dich suspendieren, bis du eines von beidem tust." Er seufzte und versuchte, zu erklären: "Es frisst dich auf. Du kannst deine Gefühle nicht so unterdrücken."

"Du würdest zulassen, dass ich dich schlage", sagte Ianto langsam.

Jack zuckte mit den Schultern. "Wenn es das ist, was du brauchst. Du könntest mich schlagen. Oder wir könnten Sex haben, wenn du willst." Er hatte sich immer vorgestellt, diese Worte mit einem charmanten Lächeln und einem verführerischen Unterton zu sagen, seit Ianto begonnen hatte, mit ihm zu flirten. Doch er ließ es bleiben. Damals wäre es um Spaß gegangen. Jetzt war die Situation ernst und Sex nur eine Option.

Ianto schien schockiert und trat einen Schritt zurück. "Ich will keinen Sex mit dir", sagte er.

"Okay", antwortete Jack. Ianto wandte sich zum Gehen, aber Jacks Worte ließen ihn an der Tür verharren. "Wir würden nie wieder über heute Abend reden." Ianto drehte sich zu ihm um. Jack zuckte mit den Schultern. "Ich möchte, dass wir wieder miteinander zurecht kommen und wenn du mich schlagen musst, um diesen Punkt zu erreichen, dann ist das okay." Jack konnte sehen, dass Ianto darüber nachdachte. Und dann trat er langsam wieder auf Jack zu und zog sein Jackett aus. Jack straffte die Schultern und spannte seinen Körper ab. Er ließ seine Hände an den Seiten nach unten hängen – wehrlos. Ianto kämpfte sichtbar mit sich. Er sah ihn nicht an. Jack ahnte, dass Ianto das hier nicht tun konnte ... nicht ohne Hilfe. Er schluckte und flüsterte: "Ich bereue nicht, dass ich sie getötet habe."

Der rechte Haken war keine Überraschung, aber er tat weh. Wie auch die nächsten drei Schläge, die sein Gesicht trafen, bevor er auf die Knie fiel. Ianto trat ihm in den Magen und Jack schrie leise auf.

"Komm schon", sagte Ianto. Jack hustete und sah ihn an. Ianto stand da, bleich und zitternd, herausfordernd. "Los!" Jack wusste nicht, was Ianto von ihm wollte. Iantos Gesicht verzog sich vor Wut und er warf sich auf Jack, drückte ihn zu Boden und schlug seinen Kopf gegen den Beton. Schwarze Flecken explodierten vor Jacks Augen. "Mach etwas!", schrie Ianto. "Du bist dran!" Er packte Jack am Kragen und dann waren seine Hände plötzlich an Jacks Hals und drückten ihm die Luft ab. "Du bist dran", keuchte Ianto. Jack hustete und versuchte, Luft zu bekommen und seine Gedanken rasten: Er durfte sich nicht wehren, dies war Iantos Gelegenheit, seine Wut zu zeigen und genau das hatte Jack ihm angeboten ... aber Ianto durfte nicht herausfinden, dass Jack nicht sterben konnte und Jack hätte nie gedacht, dass es so weit kommen würde ...

Bevor er noch richtig darüber nachdenken konnte, übernahmen seine Instinkte wieder und er schaffte es, ihre Position umzukehren, seine Hände in Iantos Hemd verkrampft, während sein Körpergewicht Ianto zu Boden drückte. Ianto kämpfte nicht gegen ihn an, er schloss nur die Augen. Und plötzlich verstand Jack, dass Ianto auf Rache wartete. Dass Ianto ihn nur angegriffen hatte, weil er ihn provozieren wollte. Weil er bestraft werden wollte.

Und es brach Jack das Herz.

"Du bist dran", flüsterte Ianto. Jacks Hände strichen durch Iantos Haare, eine berührte dann seine Wange, versuchte, ihn zu beruhigen. Ianto starrte ihn durchdringend an. "Du bist dran."

"Ich weiß", antwortete Jack und dann küsste er ihn. Ihre Lippen blieben geschlossen, aber der Kuss war nicht flüchtig. Jack verharrte und streichelte mit einem Daumen über Iantos Wange. Iantos Hände packten seine Arme und versuchten, ihn wegzuschieben, aber Jack schüttelte den Kopf. "Jetzt bin ich dran", flüsterte er gegen Iantos Lippen, "und ich verzeihe dir."

"Warum?"

Jack starrte ihn an. "Irgendjemand muss es tun."


ENDE
08/12

Naht
Stiche Masterlist