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Numb3rs: Verbindungen 2/13 (Fanfiction)

VERBINDUNGEN 2/13

Worte: 28.456
Inhalt: Während er Don bei den Ermittlungen gegen den Drogenboss JM hilft, wird Charlie von einem Auto angefahren. Als klar wird, dass der Unfall in Wahrheit ein Attentat war, beginnt Don sich Sorgen um Charlies Leben zu machen. Ein Wettrennen gegen die Zeit beginnt, Loyalitäten werden in Frage gestellt und Charlie muss gegen seine ganz eigenen Dämonen kämpfen.
Pairing: Charlie/Amita (angedeutet)
Rating: PG
Spoiler: Hinterhalt, Spiel des Lebens
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Numb3rs und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Verbindungen Masterlist
Kapitel 1


2.



Colby nippte an seinem Kaffee, während er seine Kollegen beobachtete, die mit ihm am Konferenztisch saßen. Während Megan durch die Fall-Akten blätterte, sich aber nicht wirklich darauf zu konzentrieren schien, saß David Colby gegenüber und wartete. Am Kopf des Tisches stand Agent Tom Hitchcock. Er hatte die Hände in die Hosentaschen vergraben, während er auf den Rest seines Teams wartete. Er war groß und schlank. Seine jahrelange Erfahrung zeigte sich in seinen stechenden, braunen Augen und den Fältchen auf seiner Stirn und um seinen Mund. Als seine Agents, Sandra Balin, Simon Mirren und Tanja Singer, am Tisch Platz genommen hatten, begann er das Briefing mit den Neuigkeiten zu Charlie, “Agent Eppes wird später zu uns stoßen. Sein Bruder hatte letzte Nacht einen Autounfall und liegt auf der Intensivstation.”

Während Sandra und Tanja einander schockiert anblickten, hob Simon Mirren überrascht seine hellen Augenbrauen.

“Wie geht’s ihm?”, fragte Agent Balin.

David räusperte sich. “Den Umständen entsprechend. Er wurde von einem Auto erwischt, als er mit dem Fahrrad unterwegs nach Hause war. Er hat sich ein paar Knochen gebrochen und ein paar Schnittwunden. Die Ärzte machen sich am meisten Sorgen wegen der Kopfverletzungen.”

Hitchcock seufzte. “Wie auch immer, wie werden die Ermittlungen ohne Dr. Eppes’ Hilfe fortsetzen müssen.“ Er klang, als würde er es bedauern, aber Colby wusste, dass Hitchcock Charlie nicht leiden konnte – und seine Methoden noch viel weniger. Colby war der Letzte, der behaupten würde, dass er anfangs nicht ebenfalls skeptisch gewesen war, was Charlies Hilfe anging, aber inzwischen war er überzeugt worden. Seit Charlie von Don zu dem Fall hinzugezogen worden war, tat Hitchcock alles, um seine Beteiligung herabzusetzen. Das sorgte nicht nur für Reibereien zwischen Charlie und Hitchcock, sondern auch zwischen Hitchcock und Dons Team.

Hitchcocks Team hatte anfangs versucht, sich aus dem Konflikt herauszuhalten, aber Sandra und Tanja hatten schnell eine kleine Schwärmerei für Charlie entwickelt und Simon, selbst nicht unbegabt mit Zahlen, zeigte sich interessiert an Charlies Methodik.

Die Tatsache, dass es Hitchcock nicht im Geringsten zu interessieren schien, wie es Charlie ging, regte Colby auf. Er verbarg das Gefühl und konzentrierte sich stattdessen auf das, was Hitchcock sagte. “JM scheint zu wissen, dass wir ihm auf der Spur sind. Unsere Kontakte in der Drogenszene sagen, dass er ein paar seiner Dealer hat fallen lassen, weil er glaubt, dass sie ihn für das FBI bespitzelt haben.“

“Konkrete Spuren haben wir trotzdem nicht“, meinte David.

Hitchcock schüttelte den Kopf und Tanja fragte: “Warum bewachen wir nicht die Raststätten, die Dr. Eppes errechnet hat?“ Sie hielt die Akte hoch, die Colby persönlich vor ein paar Tagen bei Charlie im Büro abgeliefert hatte. Sie war etwas dicker und Colby wusste, dass Charlie seine Rechenwege und Ergebnisse wie immer säuberlich ausgedruckt und der Akte hinzugefügt hatte.

Niemand verstand die Gleichungen, aber Charlie schien die Hoffnung nicht aufzugeben, dass jemand seine Beiträge zu den Fallakten las.

Tanja strich sich die schulterlangen, blonden Haare hinter die Ohren, eine nervöse Geste im Angesicht ihres Bosses. “Er hat sie mir gestern Abend gegeben.“

Was erklärte, warum Dons Team die Ergebnisse nicht zuerst bekommen hatte. Sie waren bei einer Razzia gewesen. Ein Tipp hatte sie zu einem Lagerhaus im Industriegebiet Vernon geführt, sich aber als Pleite herausgestellt. Völlig erschöpft von einem Tag, der bereits um drei Uhr morgens mit der Nachricht des Todes eines von JMs Dealern begonnen hatte, war Dons Team kurz vor Mitternacht nach Hause gefahren, während Hitchcocks Team die Stellung im Büro hatte halten wollen.

Hitchcock verzog das Gesicht. “Wir sollten Einheiten nicht auf etwas ansetzen, das möglicherweise keinen Sinn ergibt.“

David runzelte die Stirn. “Ich denke schon, dass wir das sollten. Und Don denkt das sicher auch.“

“Nun, Agent Eppes ist nicht hier“, antwortete Hitchcock gefährlich leise.

Megan nickte. “Richtig. Aber Charlie hat uns mehr als einmal geholfen. Und er hat sich die Arbeit gemacht und die Raststätten berechnet. Wir sollten sie zumindest im Auge behalten und sehen, ob wir etwas Verdächtiges beobachten. Irgendwo müssen wir anfangen. Warum also nicht bei den Orten, an denen JM seine Drogen an die Dealer verkauft?“

Hitchcock verschränkte die Arme. Dann nickte er widerwillig. “Na schön.“

***

Als Don gegen Mittag zu ihnen stieß und sich kommentarlos an seinen Schreibtisch setzte, um seine Nachrichten durchzugehen, warfen sich Colby, David und Megan unschlüssige und alarmierte Blicke zu. Schließlich wurde stumm entschieden, dass Megan mit Don reden sollte, und sie räusperte sich leise, ehe sie aufstand und zu ihm trat. Sie lehnte sich an seinen Schreibtisch. “Hey!“

Er blickte nur kurz von einer E-Mail auf. “Hey!“, antwortete er. Sie konnte sehen, wie sehr ihn die Nacht mitgenommen hatte. Nach einem anstrengenden Tag mitten in der Nacht ins Krankenhaus gerufen zu werden, schien ihn völlig erschöpft zu haben.

Dabei war Don sonst eher robust.

“Wie geht’s Charlie?“ Ihr Ton war sanft. Ihre Therapie-Stimme, wie Colby und David es scherzhaft nannten.

Don rieb sich die Stirn, die Augen auf den Bildschirm geheftet. “Er hält durch. Er ist noch bewusstlos.“

“Solltest du nicht im Krankenhaus sein?“, fragte Megan.

“Sie lassen uns bis um drei nicht mehr zu ihm. Er muss sich von der Operation erholen.“

Megan sah die Sorgenfalten auf seiner Stirn und meinte leise: “Du solltest nach Hause gehen und dich ausruhen.“

“Megan“, sagte er fest und starrte entschlossen zu ihr hoch, “mir geht’s gut. Charlie kommt durch. Das Einzige …“ Er atmete durch. “Das Einzige, worüber wir uns Sorgen machen müssen, ist ein Hirnschaden.“

Megan schluckte eine Welle der Betroffenheit hinunter. Sie hatte Charlie in den wenigen Wochen, die sie ihn kannte, lieb gewonnen. Nicht nur wegen der Hilfe, die er ihnen leistete, sondern auch als Freund. Sie konnte auch sehen, dass die Beziehung der Brüder davon geprägt war, dass Don sich verantwortlich für Charlie fühlte. Er starrte auf den Bildschirm, aber er sah ihn nicht wirklich. Vermutlich sah er Charlie, blass und verletzt in einem Bett im Krankenhaus. Charlie war Dons wunder Punkt. So sehr sie manchmal auch stritten … Dons Sorge und Loyalität zu seinem Bruder konnte nichts erschüttern.

“Don“, sagte Megan sanft, “du musst nicht hier sein. Wir können den Fall alleine regeln. Zumindest, bis Charlie wieder bei Bewusstsein ist.“

Don ignorierte sie.

“Du musst dich auf deine-“

“Megan!“, sagte er laut genug, um Colby und David zu ihnen blicken zu lassen, “Lass es! Ich bin hier!“ Seine Augen starrten sie warnend an.

Megan nickte. “Okay.“

“Gut“, antwortete Don. Er zog sein Handy aus der Tasche und warf einen Blick auf das Display. Sein erstarrter Blick ließ Megan an ihrem Platz verharren.

“Er hat mich angerufen“, sagte Don. Es klang nicht wie eine Neuigkeit für ihn, eher wie ein Fakt, den er wiederholen musste, um ihn zu glauben.

Megan erkannte eine Liste verpasster Anrufe auf Dons Display. “Hast du die Anrufe noch nicht bemerkt?“, fragte sie verwirrt.

Don war für gewöhnlich sehr genau, was sein Handy anging. “Ich habe … im Krankenhaus habe ich gedacht, ich mache das später.“ Er starrte auf das Handy. “Megan, er hat mich um halb vier Uhr morgens angerufen.“ Er blickte zu ihr auf. “Da war der Unfall schon passiert.“

“Don“, sagte Megan sanft, “soll ich die Mailbox abhören?“

“Ich habe das Handy nicht gehört. Es lag im Wohnzimmer. Erst, als das Krankenhaus anrief …“

“Gib mir das Handy“, sagte Megan und nahm es ihm aus der Hand, “Ich stelle auf Freisprechanlage, okay?“ Sie erhielt keine Antwort, nahm das als Zustimmung und legte eine Hand auf seine Schulter, während die andere das Handy hielt und die erste Nachricht zu spielen begann.

“Hey, Don, ich bin’s. Du schläfst sicher schon. Ich dachte nur, ich … hör mal, lass mich wissen, ob es dir gut geht. Ich hoffe, die Razzia ist gut gelaufen. Hast du die Berechnungen bekommen? Ich habe sie Agent Singer gegeben. Uh … melde dich.“

Er legte auf. Don rieb sich die Stirn, während die nächste Nachricht begann.

“Hey, Don! Es ist jetzt fast Mitternacht. Ich mache mir ein bisschen Sorgen, weil du nicht dran gehst. Ich fahre jetzt nach Hause. Ruf mich an, okay?“

Megan schloss die Augen und schluckte, während die letzte Nachricht spielte. Charlie klang deutlich verwirrt und er atmete schwer.

“Don? Ich glaube, ich bin in Schwierigkeiten. Bitte … geh ran. Bitte …“

Die Nachricht endete. Wütend nahm Don Megan das Handy aus der Hand. “Warum habe ich das Handy im Wohnzimmer liegen gelassen? Ich hätte ihm helfen können, wenn ich früher gehört hätte, dass er anruft! Ich hätte ihn an der CalSci abholen sollen!“

Megan wusste, dass es nichts brachte, Don zu erklären, dass nichts von dem, was passiert war, seine Schuld war. Er lud sich immer die Schuld auf.

“Don, du warst vollkommen erschöpft, wie wir alle. Dass du das Handy nicht gehört hast, wundert mich nicht.“

Don rieb sich die Stirn. “Die Berechnungen? Haben wir die Raststätten?“

“Don-“

“Die Raststätten“, sagte er fest – beinahe verzweifelt – und Megan seufzte ergeben.

“Agent Singer hat sie auf der Karte im Konferenzraum eingezeichnet. Charlie hat acht mögliche Marktplätze errechnet. Wir haben verdeckte Einheiten dort aufgestellt. Möglicherweise gelingt es uns, einen Händler direkt abzufangen, der etwas höher in der Nahrungskette steht.“

“Gut“, sagte Don.

“Colby, David und ich denken, wir sollten Larry oder Amita bitten, uns weiterhin zu unterstützen.“

“Amita?“, fragte Don. Er lachte humorlos. “Sie kann nicht, Megan. Sie ist vollkommen durch den Wind. Und ich denke auch nicht, dass Larry in der Lage ist, sich zu konzentrieren.“

“Aber sie verstehen, wie Charlie arbeitet. Sie sollten sich seine Link-Analyse ansehen. Es ist wirklich wichtig, dass wir die schmutzigen Cops im LAPD finden, Don. JMs Drogen sind lebensgefährlich, wir müssen ihn fassen und herausfinden, wer dafür gesorgt hat, dass er uns bisher immer entwischt ist.“

“Ich weiß, was auf dem Spiel steht“, antwortete Don scharf. Er stand auf. “Aber ich finde, wir sollten Amita und Larry erst damit belasten, wenn Charlie aufgewacht ist und wir sicher sein können, dass er keinen Hirnschaden hat, denkst du nicht?“ Damit verließ er das Büro.

***

Alan war sich nicht sicher, ob er Amita den Vortritt lassen sollte. Er wusste, dass sie und Charlie sich endlich dazu entschlossen hatten, es mit Dates zu versuchen. Er wusste aber auch, dass es ein katastrophaler Abend gewesen war, der Charlie dazu gebracht hatte, ernsthaft an seinen Gefühlen zu zweifeln.

Amita nahm ihm die Entscheidung ab, indem sie ihm zunickte und sagte, dass sie mit Larry im Wartezimmer bleiben würde. Alan folgte der Krankenschwester den Weg, den er am viel zu frühen Morgen schon einmal gegangen war. Die Intensivstation des Huntington Hospital brachte er in Verbindung mit einer Blindarm-Operation, die Charlie vor Jahren gehabt hatte, nachdem er die Schmerzen zu lange ignoriert hatte. Mit seinem Vater, der hier gestorben war.

Alan trat durch die Tür, die die Schwester für ihn geöffnet hielt und rieb sich das Kinn, als er seinen Sohn sah. Charlie war blass. Sein Kopf lag wie vor einigen Stunden schon, als er und Don ihn nach der Operation kurz hatte sehen dürfen, mit dem Gesicht zur Tür und Alan konnte nicht umhin zu bemerken, dass seine Miene sich geändert hatte.

Er wirkte friedlicher. Aber das konnte nicht sein. Der Arzt hatte ihm gesagt, dass Charlie nach der Operation nur sehr kurz im Aufwachraum das Bewusstsein wieder erlangt hatte und seitdem schlief. Das Trauma, das sein Körper durchgemacht hatte, war zu groß.

Trotz der Schmerzmittel brachte das Bewusstsein schneidende Schmerzen mit sich und Alan war beinahe froh, dass Charlie nichts spürte. Er trat an das Bett und setzte sich auf den Stuhl daneben. Er hatte nicht viel Zeit und er wollte sie nutzen. Seine Hand strich Charlie ein paar verirrte Locken aus der Stirn. Charlies linkes Bein war eingegipst und lag auf einem Kissen. Unter dem Kittel, den das Krankenhaus zur Verfügung stellte, schimmerte das helle Weiß von Bandagen, die die gebrochenen Rippen stabilisierten. Die linke Hand war in einem Gips, die Handflächen mit Pflastern versehen, die genähte und nicht genähte Schürf- und Schnittwunden bedeckten. Über dem rechten Auge war ein Pflaster. Alan wusste, dass eine Platzwunde am Hinterkopf genäht worden war, die er nicht sehen konnte.

Dort, wo der Schädelbruch war – am Haaransatz, befand sich ein Pflaster, das nur mäßig die Naht verdeckte. Alan nahm vorsichtig Charlies linke Hand, wollte eine Verbindung zu seinem Sohn. Charlie runzelte die Stirn.

“Charlie?“, fragte Alan überrascht.

“Dad“, flüsterte Charlie und öffnete leicht die Augen.

Alan drückte den Rufknopf. “Hallo. Wie fühlst du dich?“, fragte er sanft.

“Dad?“

“Ja“, antwortete Alan.

Charlie schluckte hart. “’s passiert?“, fragte er. Er kniff die Augen zusammen.

Die Tür öffnete sich und die Krankenschwester trat ein. “Mister Eppes?“

“Er ist wach“, sagte Alan.

Sie nickte. “Ich rufe den Doktor.“

Alan wandte sich an Charlie. “Du hattest einen Unfall.“

Charlie runzelte Stirn, als müsse er sich konzentrieren. “Dad … ’s passiert?“

“Du hattest einen Unfall“, wiederholte Alan und kalte Panik machte sich in ihm breit. “Charlie, du bist mit dem Fahrrad gefahren und … ein Auto hat dich erwischt.“

“Nicht richtig“, murmelte Charlie und blickte sich um, “Dad …“

Er hustete und Alan beugte sich über ihn.

“Schon gut“, meinte er.

Dr. Brody betrat den Raum. “Hallo, Dr. Eppes“, grüßte er mit einem warmen Lächeln, “wie geht es Ihnen?“

Charlie starrte ihn einen Moment verständnislos an. “Müde“, murmelte er schließlich.

“Das ist in Ordnung“, sagte Brody, “Sie haben viel durchgemacht.“

Charlie schloss die Augen. Brody blickte auf die Monitore, die um ihn herum aufgestellt waren. “Dr. Eppes?“, fragte er. Charlie reagierte nicht. Brody nickte sich selbst zu. “Er ist eingeschlafen. Keine Sorge, das ist vollkommen normal bei den starken Schmerzmedikamenten, die wir ihm geben.“

“Er wirkte durcheinander“, sprach Alan seine Sorge an.

“Er spürt noch die Auswirkungen der Anästhesie, Mr. Eppes, und er erholt sich von einem schweren Trauma.“ Brody lächelte versichernd. “Glauben Sie mir, noch ist ein bisschen Verwirrung zu erwarten.“

“Und wenn es Hirnschäden sind?“

“An diesem Punkt sollten wir noch nichts auf die Goldwaage legen. Ich verlege Charlie heute Nachmittag auf die Neurologie. Geben wir ihm Zeit bis heute Abend. Dann machen wir uns Sorgen.“

Kapitel 3
Verbindungen Masterlist