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Der Faden der Ariadne – 7/15

Worte: ~ 30.000
Inhalt: Nach einem Unfall im Archiv landen die Torchwood-Agenten Jack und Gwen in einer alternativen Dimension, wo sie unerwartet auf die Warehouse 13-Agenten Artie und Claudia treffen, die ebenfalls dort gestrandet sind. Um sie zu retten, müssen die Organisationen zusammenarbeiten: Ianto und Rhys fliegen nach South Dakota, während die Gestrandeten sich einem tödlichen Feind gegenüber sehen.
Charaktere: Jack Harkness, Gwen Cooper, Claudia Donovan, Arthur Nielsen, Ianto Jones, Steve Jinks, Rhys Williams, Myka Bering, Pete Lattimer, Leena, Mrs. Frederick, Trailer, OCs
Pairing: Jack/Ianto, Gwen/Rhys, Pete/Kelly Hernandez (angedeutet), Artie/Vanessa Calder (angedeutet)
Rating: PG-13
Spoiler: Die Braut, die vor nichts graut, Wundmale / Doctor Who: The Sound Of Drums
Setting: nach Wundmale
Crossover: Warehouse 13
Crossover-Setting: nach Lovesick
Crossover-Spoilers: Spielt in der dritten Staffel von Warehouse 13, also sind Charakter-Spoiler selbstverständlich! Aber ich verrate nichts über den wirklich spannenden Handlungsbogen. :)
Warnungen: Erwähnung von Canon Character Death
Beinhaltet: Canon Slash
Anmerkungen: Das hier ist das Produkt eines Traumes. Und dann dachte ich, dass die beiden Serien gut zusammenpassen würden. Also passierte das hier.
Beta: larsinger29 und EmrysofWriting, danke. :)
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und Warehouse 13 und die in ihnen vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.


Kapitel 6
Der Faden der Ariadne Masterlist

***
***


7.



Sioux Falls war etwa vier Stunden per Auto vom Warehouse entfernt. Steve meldete sich freiwillig, die Besucher abzuholen. Das würde ihn etwas von seiner Sorge ablenken.

Ianto Jones trug noch immer seinen makellosen Anzug. Er war ein großer Mann mit dunklen Haaren und einem ernsten Ausdruck auf seinem jungenhaften Gesicht. Rhys Williams war lässiger angezogen. Er hatte ein freundliches Gesicht und hellbraune Haare. Die Warehouse-Agenten hatten sich vorbereitet und die Akten der beiden Besucher gelesen. Rhys war Manager bei einem Transportunternehmen. Steve fragte sich, ob er überhaupt in der Lage sein würde, ihnen zu helfen.

Als sie den Flughafen verließen, fragte Steve deshalb: ”Hat Rhys überhaupt die nötige Sicherheitseinstufung?”

Rhys runzelte die Stirn und blickte ihn entschlossen vom Rücksitz aus an. ”Das ist meine Frau, die verschwunden ist. Also solltet ihr euch lieber damit abfinden-”

”Er arbeitet manchmal mit uns zusammen”, unterbrach Ianto ihn und Steve sah, wie er sich zu Rhys umdrehte und ihn warnend anblickte. Dann sah er wieder zu Steve. ”Er gehört zu uns.”

Steve nickte. ”Okay.” Sie verließen die Stadt und fuhren auf den Highway. ”Wir haben Torchwood recherchiert, ein paar vertrauliche Akten gefunden und wir haben gewisse Verbindungen.”

”Das erspart mir die Erklärung”, erwiderte Ianto.

”Ich nehme an, ihr habt euch auch vorbereitet?”

”Ich musste sichergehen, dass ich euch vertrauen kann. Versteh mich nicht falsch, aber wir haben schon Erfahrung mit gerissenen Täuschungen – ein Mal stellte sich sogar unser Premierminister als Alien heraus, der die Erde beherrschen wollte. Ich bin im Moment der einzige Torchwood-Agent, der noch übrig ist, und muss vorsichtig sein.”

Steve nickte verstehend. ”Also, wen genau vermisst ihr?”

”Unseren Anführer Captain Jack Harkness und Agent Gwen Cooper.”

Steve brauchte einen Moment, um zu verstehen, was Ianto ihm sagte. ”Ihr seid nur zu dritt?”, fragte er ungläubig.

Einen langen Moment war es still, dann antwortete Ianto: ”Es gab mehr von uns. Unser Hauptquartier in London wurde vor Jahren zerstört, der Zweig in Schottland wurde kürzlich geschlossen. Wir haben vor ein paar Tagen zwei Teammitglieder verloren.”

”Tut mir leid.”

”Keine Sorge. Es ist nicht deine Schuld.”

Steve dachte, dass es letzten Endes keinen großen Unterschied zwischen dem Torchwood-Team und dem Team des Warehouse gab. Im Warehouse waren sie auch nur zu fünft – sechs, wenn man Leena mitzählte. Manchmal fragte er sich, was passieren würde, wenn etwas Schlimmes geschah … wenn zwei oder mehr von ihnen sterben würden. Es war eine realistische Möglichkeit. Im Warehouse zu arbeiten war gefährlich. Artefakte hatten fatale Nebenwirkungen und wurden häufig gegen sie eingesetzt.

Die Stille im Auto störte Steve nicht sonderlich und auch Ianto schien es vorzuziehen, an seinem PDA zu arbeiten. Rhys jedoch wurde es bald unangenehm und er fragte schließlich: ”Wen genau vermisst ihr?”

”Es hat auch unseren Anführer getroffen – Artie Nielsen.”

Noch immer mit seinem PDA beschäftigt sagte Ianto: ”Er hat eine lebhafte Vergangenheit.”

”Allerdings, aber er ist ein guter Kerl – nur etwas mürrisch.”

”Und wen vermisst ihr noch?”

”Claudia Donovan. Ebenfalls eine lebhafte Vergangenheit, aber ansonsten das genaue Gegenteil von Artie.” Er zögerte einen Moment. ”Sie ist meine beste Freundin.”

Ianto sah von seinem PDA auf. Steven fragte sich, ob er sich ihre Akten in dieser Minute ansah. Er erkannte ein tröstendes Lächeln auf Iantos Lippen, als er sagte: ”Eine lebhafte Vergangenheit ist Pflicht, wenn man bei Torchwood arbeitet. Wir holen sie zurück. Alle vier.”

”Ich hoffe, du hast Recht”, erwiderte Steve. Er seufzte. ”Wir fahren heute nicht mehr ins Warehouse. Es wird schon spät sein, wenn wir in Univille ankommen und ihr müsst erschöpft sein. Wir haben Zimmer für euch in dem B&B, in dem wir leben. Die Besitzerin Leena erwartet euch zum Abendessen. Myka und Pete werden uns dort treffen und dann reden wir. Ihr könnt etwas schlafen, bevor wir morgen an die Arbeit gehen.”

Ianto zögerte. ”Ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist. Wir sollten sofort ins Warehouse.”

”Glaubt mir, das Warehouse betritt man am Besten das erste Mal, wenn man ausgeschlafen ist. Die Artefakte sind inaktiv, aber sie strahlen eine Art Energie aus, die dich dazu bringt, sie zu berühren und das kann tödlich werden. Es wird stärker, je müder du bist.” Er blickte Ianto an. “Es ist nicht so, als ob wir nichts tun. Wir werden besprechen, was ihr und wir bereits getan haben und einen Plan schmieden.”

Ianto nickte und gab nach.

***

Jack drehte den Kopf in ihre Richtung, als Claudia zu ihm auf das Regal kletterte. Sie setzte sich neben ihn und ließ die Beine baumeln, während sie über die Reihen an Regalen zum Büro blickte. Vom Boden aus drang Arties Schnarchen nach oben und Claudia lehnte sich vor, um zu ihm hinabzublicken. Er schlief aufrecht gegen das Regal gelehnt. Gwen saß ihm gegenüber, ebenfalls fest eingeschlafen.

Jack stieß sie mit der Schulter an. ”Du solltest schlafen.”

Claudia sah ihn an. ”Artie schnarcht.” Sie verzog das Gesicht, als ihr Magen sich krampfhaft zusammenzog. ”Ich kann ohnehin nicht schlafen. Ich bin so hungrig.” Sie wünschte Artie hätte seine Tasche dabei. Das riesige, alte Ding beinhaltete immer einen Snack für Notfälle: Sandwichs, Früchte und Kekse. Was sie nicht dafür geben würde … Jack wandte sich wieder ab und starrte zum Büro. Sie schlug vorsichtig vor: ”Du könntest schlafen gehen und ich halte Wache.”

Jack lächelte sie an. ”Ich schlafe nicht.” Er schien es vollkommen ernst zu meinen. ”Ich muss nicht.”

”Ernsthaft?”, fragte Claudia.

Jack schüttelte den Kopf.

”Wieso?”

”Lange Geschichte.” Er seufzte. ”Ich denke nicht, dass wir einen Wächter brauchen.”

Der Themenwechsel kam plötzlich, aber Claudia akzeptierte ihn. ”Warum?”

”Hast du es nicht bemerkt?” Jack starrte sie suchend an. Allmählich wurde Claudia sein Blick unangenehm. Sie fragte sich, ob es eine gute Idee gewesen war, hier hochzukommen. Jack war so merkwürdig und geheimnisvoll. Er schien vertrauenswürdig, aber auch abweisend, warm aber auch streng. Gwen war leichter einzuschätzen. Dennoch fühlte Claudia sich in Jacks Nähe sicher. Es erinnerte sie an das Gefühl, das sie vom ersten Moment an bei Artie verspürt hatte und das half ihr auch, Jack zu vertrauen.

Nun wartete der noch immer auf eine Antwort und starrte sie neugierig an. Sie sah zum Büro und dann weiteten sich ihre Augen, als sie verstand. ”Der Minotaurus hat uns nicht mehr gejagt, als wir uns vom Büro entfernt haben.” Sie sah Jack an. ”Du glaubst, dass er eine Grenze bewacht.”

Jack grinste stolz und nickte. ”Es ist nur fair, den Teilnehmern eine Rückzugsmöglichkeit zu bieten”, antwortete er. ”Was mich davon überzeugt, dass das Wollknäuel im Büro ist.”

”Vielleicht”, sagte Claudia mit einem Nicken.

Einen Moment lang waren sie still. Claudia blickte zu Jack. Er sah grimmig aus und besorgt … und als würde er nicht hierher gehören. Er schien zu bemerken, dass sie ihn anstarrte und lächelte. ”Bist du alt genug, um hier zu arbeiten?”

”Ich bin alt genug, um zu trinken”, antwortete sie und verzog das Gesicht, als sie widerwillig hinzufügte: ”Gerade so.” Er hob die Augenbrauen und Claudia zuckte mit den Schultern. ”Ich bin daran gewöhnt. Ich hatte definitiv schlimmere Zeiten.” Jack starrte sie weiter an und Claudia wurde es wieder unangenehm. ”Was?”

”Du bist älter, als du aussiehst.”

”Gott, danke, das will eine Frau hören.”

”Nein, ich meine, dass du mehr gesehen hast als du solltest.” Er wandte sich ab, um wieder zum Büro zu blicken. ”Ich bin umgeben von Menschen wie dir. Ich erkenne sie wieder.” Er klang traurig, resigniert. ”Die Frage ist: was machst du noch in einem Job wie diesem? Du bist ein kluges Mädchen, könntest studieren, mit Leuten deines Alters zusammen sein, Partys feiern, daten, die Liebe deines Lebens finden.”

Ein Witz lauerte auf ihren Lippen, aber sie hielt ihn zurück. Artie und die anderen hatten ihr bereits öfter dasselbe gesagt. Sie war sogar in einer Fern-Universität eingeschrieben und studierte. Und es war auch nicht so, als ob sie nie dasselbe gedacht hatte, aber sie glaubte nicht, das so offen sagen zu können. Sie hatte Angst, dass die anderen sie dann nur mehr drängen würden. Doch Jack war keiner von den anderen. ”Vielleicht kann ich das nicht. Nicht nach dem, was ich gesehen habe.” Sie seufzte. ”Ich könnte niemals gehen. Das hier ist meine Familie. Sie haben mehr für mich getan als irgendjemand sonst. Ich habe auf der Straße gelebt, sie haben mich aufgenommen, mir ein Zuhause gegeben, einen Job … meinen Bruder gerettet. Dieser Job ist manchmal schwierig, aber das ist es wert.”

”Ist es auch die Alpträume wert?”

”Die habe ich auch ohne diesen Job. Darauf kommt es nicht mehr an.”

Jack nahm einen tiefen Atemzug und wandte sich plötzlich zu ihr um, als wolle er etwas sagen, doch dann hielt er inne, runzelte die Stirn und schüttelte den Kopf.

”Was?”, fragte Claudia. ”Habe ich was im Gesicht?”

”Ich würde dich sofort einstellen, wenn du nicht bereits vergeben wärst.”

Claudia hob die Augenbrauen. ”Ihr braucht wohl ein Computer-Genie?” Jacks Lächeln wurde schwächer und Claudia realisierte, dass sie einen Nerv getroffen haben musste. ”Entschuldige.”

”Mach dir keine Gedanken. Wir haben nur kürzlich Freunde verloren.”

”Und einer war euer Computer-Genie?” Claudia schloss die Augen. ”Artie sagt mir ständig, dass ich mehr denken und weniger reden soll.” Sie spürte seine Hand an ihrer Wange.

”Ich denke da anders”, sagte er. Etwas piepste und Jack zog den Ärmel zurück, um auf ein Lederarmband zu sehen. Er öffnete eine Abdeckung und überprüfte den kleinen Bildschirm darin.

Fasziniert lehnte Claudia sich näher, um sich das Gerät anzusehen. ”Was ist das?”

”Technologie. Ich versuche, herauszufinden, was wir tun können, um nach Hause zu kommen.”

”Irgendeine Lösung?”

Jack seufzte. ”Noch nicht.”

***

Das Bed & Breakfast gab Ianto das Gefühl, zu Hause zu sein. Es hatte ein britisches Flair, das ihn an das Haus seiner Großmutter erinnerte – dunkle Holzmöbel und gemütliche Stühle und Sofas, Blumen auf kleinen Beistelltischen und Lampen in jeder Ecke. Ianto saß an dem großen, runden Tisch im Wohnzimmer, an dem sie gegessen hatten und las wieder in der Akte über die Hörner. Letztlich hatte er sich dagegen entschieden, die Skulptur mitzubringen. Die Gefahr, dass sie bei Berührung wieder aktiviert werden könnte, war zu groß. Und er wusste ohnehin nicht, welche Untersuchungen sie daran durchführen könnten, die Tosh nicht schon längst gemacht hatte.

Die kühle Nachtluft kam durch die Terrassentür, die er geöffnet hatte und er schloss erleichtert die Augen. Er hatte sich umgezogen und trug nun Jeans und ein T-Shirt. Er würde wahrscheinlich auch dabei bleiben, denn bei diesen Temperaturen schien ein Anzug unpassend. Er war nicht an das heiße Wetter eines Sommers in South Dakota gewöhnt, da er durch und durch ein Waliser war. Das Haus war ruhig, aber Ianto bezweifelte, dass er der einzige war, der noch nicht schlief. Ab und zu knarrten die alten Holzdielen und er hörte Schritte aus dem Obergeschoss, wo die Schlafzimmer lagen.

”Kannst du nicht schlafen?”, fragte jemand und erschrocken wandte er sich zu Myka um, die in einer Trainingshose und einem übergroßen Shirt in der Tür stand.

Er seufzte und gab zu: ”Nein, nicht wirklich.”

”Ich verstehe.” Sie setzte sich neben ihn und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück. ”Wir bekommen sie zurück.”

”Ich weiß. Ich bin nur besorgt.”

”Ich auch, aber wir wissen doch, dass sie nur in einer anderen Phase dieser Realität sind, richtig? Wir müssen sie nur zurück hierher bringen.”

”Ja, ich bin nur besorgt wegen der Funktion des Geräts. Es ist eine Unterhaltungseinheit.” Er sah Myka an. ”Wie eine Gameshow. Was wissen wir über Gameshows?”

Mykas grüne Augen weiteten sich etwas und ihre Finger spielten nervös mit einer lockigen Haarsträhne. ”Es gibt immer ein Hindernis, das über wunden werden muss.”

”Ja. Ich bezweifle, dass es ein Quiz ist”, erwiderte Ianto.

“Was denkst du, was es ist?”, fragte Myka.

Ianto räusperte sich. ”Ein Minotaurus.” Myka runzelte die Stirn und Ianto zuckte mit den Schultern. ”Ihr sagt, dass Artie und Claudia von einem Wollknäuel wegtransportiert wurden – Ariadnes Faden – und unser Gerät ist eine Statue – Hörner.”

”Das Labyrinth des Minotaurus”, sagte Myka. ”Du denkst, es ist kein Mythos, sondern war Realität.”

Ianto nickte. ”Weitererzählt von Überlebenden und zum Mythos stilisiert.”

”Wirklich?”, fragte Myka.

Ianto zuckte mit den Schultern. ”Ich weiß von Feen, begegnete einem Dämon und Filmfiguren, die zur Realität wurden … das hier ist nicht viel verrückter.” Er rieb sich die Stirn. ”Ich hoffe, sie werden damit zurechtkommen.”

”Artie ist wirklich gut, was das angeht.”

”Jack und Gwen auch, aber Dinge passieren”, antwortete Ianto und sah sie an. ”Egal, wie vorsichtig man ist.”



Kapitel 8
Der Faden der Ariadne Masterlist


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