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Der Faden der Ariadne – 8/15

Worte: ~ 30.000
Inhalt: Nach einem Unfall im Archiv landen die Torchwood-Agenten Jack und Gwen in einer alternativen Dimension, wo sie unerwartet auf die Warehouse 13-Agenten Artie und Claudia treffen, die ebenfalls dort gestrandet sind. Um sie zu retten, müssen die Organisationen zusammenarbeiten: Ianto und Rhys fliegen nach South Dakota, während die Gestrandeten sich einem tödlichen Feind gegenüber sehen.
Charaktere: Jack Harkness, Gwen Cooper, Claudia Donovan, Arthur Nielsen, Ianto Jones, Steve Jinks, Rhys Williams, Myka Bering, Pete Lattimer, Leena, Mrs. Frederick, Trailer, OCs
Pairing: Jack/Ianto, Gwen/Rhys, Pete/Kelly Hernandez (angedeutet), Artie/Vanessa Calder (angedeutet)
Rating: PG-13
Spoiler: Die Braut, die vor nichts graut, Wundmale / Doctor Who: The Sound Of Drums
Setting: nach Wundmale
Crossover: Warehouse 13
Crossover-Setting: nach Lovesick
Crossover-Spoilers: Spielt in der dritten Staffel von Warehouse 13, also sind Charakter-Spoiler selbstverständlich! Aber ich verrate nichts über den wirklich spannenden Handlungsbogen. :)
Warnungen: Erwähnung von Canon Character Death
Beinhaltet: Canon Slash
Anmerkungen: Das hier ist das Produkt eines Traumes. Und dann dachte ich, dass die beiden Serien gut zusammenpassen würden. Also passierte das hier.
Beta: larsinger29 und EmrysofWriting, danke. :)
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und Warehouse 13 und die in ihnen vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.


Kapitel 7
Der Faden der Ariadne Masterlist

***
***


8.



Das Warehouse war von außen unauffällig und etwas heruntergekommen. Rost fraß bereits an den Wänden und Pfeilern, die das Metalldach stützten. Es schien in den Berg hinein gebaut zu sein, vor dem es stand – ein vergessenes Gebäude inmitten der fruchtlosen Badlands.

Innen sah es groß genug aus, um den Berg auf der anderen Seite wieder zu durchbrechen. Rhys hatte kaum Zeit, den Anblick des Waldes aus Regalen zu verdauen, den man vom Balkon vor dem Büro sehen konnte – ganz zu schweigen von der Pyramide, die in der Mitte thronte oder dem Zeppelin, der in der Luft schwebte (und war das die Ecke eines Fußballfeldes, die er sehen konnte?) – bevor sie sich versammelten und einen Schlachtplan machten.

Rhys fühlte sich etwas eingeschüchtert von den Warehouse-Agenten. Es war dasselbe Gefühl, dass er bei Jack und Ianto hatte und manchmal sogar bei Gwen, wann immer er in der Basis war oder dem Team half. Als ob jeder um ihn herum mehr wusste als er, als wäre er gerade einem geheimen Club beigetreten und hatte versäumt, das Handbuch zu lesen. Es war Ianto, der ihm unbewusst half. Am Morgen hatte er ihn damit überrascht, nicht in seinem üblichen Anzug zu erscheinen. Stattdessen trug er Jeans, ein T-Shirt und eine Jeansjacke, die ihn zehn Jahre jünger wirken ließen – eher wie die 24, die er laut Gwen eigentlich war. Und auch mehr wie jemand, mit dem Rhys sich wohl fühlte. Sein Verhalten war jedoch noch immer strikt professionell und er sprach für sich selbst und Rhys, worüber Rhys recht froh war. Sie alle hatten sich mit dem Frühstück beeilt und Rhys war erleichtert, dass es nun endlich losging.

“Okay”, sagte Myka, als alle wieder im Büro versammelt waren, ”gestern habe ich einen Suchlauf auf dem Computer gestartet, um nach Artefakten zu suchen, die uns helfen könnten. Die Suche lief die ganze Nacht, doch leider haben wir nur eine kurze Liste von Artefakten, die Ariadnes Faden neutralisieren könnten.” Sie verteilte ein Blatt an jeden. ”Wir sollten sie uns näher ansehen.”

Rhys sah sich die erschreckend kurze Liste an. Die Namen und unverständlichen Abkürzungen verwirrten ihn und die Liste beschrieb auch nicht, was die Artefakte in der Lage waren zu tun. Bevor er jedoch fragen konnte, meinte Steve: ”Artie wäre sicher nicht glücklich darüber, dass wir Artefakte benutzen.”

Pete beschäftigte sich bereits damit, das Papier so klein wie möglich zusammenzufalten. ”Ich glaube, er ist noch unglücklicher über seine momentane Situation.”

Myka hatte sich einer Karte an der Wand zugewandt, die Rhys bisher noch nicht bemerkt hatte. So voll gestellt, wie das Büro war, wunderte ihn das nicht sehr. Die Karte zeigte das Warehouse aus der Vogelperspektive. Die Anordnung der Regale machte nun mehr Sinn. Die Farben und Abkürzungen jedoch nicht. Als er sah, dass Myka die Liste mit der Karte verglich, wurde ihm klar, dass sie die Lagerplätze der Artefakte heraussuchte. Schließlich drehte sie sich wieder zu ihnen um. ”Okay, wir sind zu sechst und müssen vier Artefakte kontrollieren. Pete und ich kümmern uns Morey Amsterdams Hut und Max Tegmarks Brille, da sie nah beieinander liegen. Ianto und Steve, wie wär’s, wenn ihr die Originalausgabe von Edwin Abotts Flatland nehmt? Und dann könnten Leena und Rhys Larry Butlers Oscar checken.” Sie deutete auf die Karte, während sie sprach. Die Warehouse-Agenten nickten verstehend, doch Rhys fürchtete, er würde sich verirren. Die Tatsache, dass Leena mit ihm gehen würde, war beruhigend.

Steve runzelte die Stirn. ”Ich weiß, ich bin noch neu, aber können wir die Eigenschaften nicht einfach im Computer nachlesen?”

Myka räusperte sich. ”Der Computer hat 16 Artefakte aufgelistet, von denen vier nicht gut dokumentiert wurden. Es gab hier über die Jahre hinweg einige Agenten, die es mit der Papierarbeit nicht so eng sahen. Also, 14 der Artefakte können uns nicht helfen, das habe ich bereits gecheckt. Die anderen vier kamen in einer Lieferung von Warehouse 12 und wer auch immer die Verantwortung trug hat nicht mehr getan, als ihren Eingang zu bestätigen. Wir haben keine Akten oder Computereinträge über sie, nur die Bestätigung, dass sie hier sind und eine kurze Beschreibung. Der gesunde Menschenverstand sagt uns aber, dass sie von Nutzen sein könnten.”

Pete hob die Augenbrauen. ”Wessen gesunder Menschenverstand?” Er zeigte auf Myka, als wolle er bereits die Antwort geben.

Myka warf ihm einen genervten Blick zu. ”Meiner.”

”Also”, unterbrach Ianto die Neckerei mit einem Stirnrunzeln, ”du hoffst, dass sich eine Beschreibung bei den Artefakten befindet?”

Myka nickte. ”Andere Artefakte aus Warehouse 12 haben Karteikarten im Regal liegen, die ihre Eigenschaften beschreiben. Ich hoffe, dass diese vier sie auch haben.”

Leena nickte. ”Bringt sie mit, wenn ihr zurückkommt, dann kann ich die Artefakte richtig ins System eintragen.”

Ianto schien entsetzt und verärgert darüber zu sein, aber die anderen bemerkten das offensichtlich nicht. Rhys fragte sich, was das für ihn bedeutete: Er kannte Ianto offenbar gut genug, um seine Stimmung zu erkennen. Iantos Stimme verriet nichts von seinem Ärger als er fragte: ”Passiert das hier oft? Dass die Datenbank vernachlässigt wird?”

”Das passiert”, antwortete Myka. “Wir finden es immer nur durch Zufall heraus.”

”Nimm es nicht persönlich”, sagte Rhys. ”Er ist Archivar.”

Petes Augen weiteten sich. ”Er wäre der perfekte Ehemann für Myka. Sie steht auf Bücher und Papierarbeit.”

”Halt die Klappe, Pete”, sagte sie.

Etwas bereitete Rhys noch Sorgen. ”Was, wenn keines dieser … Artefakte uns helfen kann?”

”Das sehen wir, wenn es soweit ist.”

Rhys runzelte die Stirn. ”Ihr wisst es nicht, oder?”

Die antwortende Stille sagte alles.

***

Artie starrte den Gang hinunter, der zum Büro führte. Es sah furchtbar weit entfernt aus, als läge es am Ende eines Flurs, der sich ins Endlose erstreckte. ”Das ist also der Plan?”, fragte er und sah zu Jack auf, der mit entschlossen verschränkten Armen neben ihm stand. Er sah wie ein Held aus einem Film aus. Artie mochte ihn nicht sehr. Sogar Jacks Plan hörte sich an wie aus einem Film. ”Dorthin rennen, dem Minotaurus ausweichen und irgendwie hoch ins Büro und zum Wollknäuel gelangen?”

Jack nickte. ”Das ist der Plan.”

Artie sah über seine Schulter zurück zu Claudia und Gwen. An ein Regal gelehnt sitzend sah Claudia blass und müde aus und Gwen ging nervös auf und ab.

”Wir haben kaum eine andere Wahl”, sagte Jack und Artie bemerkte, dass er seinem Blick gefolgt war. ”Wir sind hungrig, wir sind erschöpft, wir müssen heute hier raus.”

”Ich weiß”, sagte Artie. ”Das Büro … wir kommen nicht da hoch.”

”Wir müssen eben improvisieren”, erwiderte Jack und lächelte schief. ”Darin bin ich gut.”

Artie verschränkte die Arme und lächelte ebenfalls. ”Ich auch.”

Jack blickte wieder zu Gwen und Claudia. ”Claudia ist etwas jung und das hier wird hart. Sie wird doch nicht den Anschluss verlieren?”

”Du würdest nicht fragen, wenn du sie besser kennen würdest”, antwortete Artie. ”Sie muss … also packt sie es.”

***

Sie fanden es auf einem Regal, etwa 15 Minuten zu Fuß vom Büro entfernt. Ianto hatte sich umgesehen, während er Steve gefolgt war, sicher, dass Steve den Weg zurück auch finden würde. Sie wurden von Trailer begleitet. Arties Hund schien sich in dessen Abwesenheit an Steve zu halten. Das Warehouse war ein interessanter Ort, so viel musste Ianto zugeben. Sie gingen an unzähligen Artefakten mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten vorbei und Iantos Gedanken versuchten krampfhaft, mit seinen Augen mitzukommen. Schließlich stoppte Steve und sah ein altes, staubiges Buch in einem der Regale näher an. Es sah eigentlich ganz gewöhnlich aus, die Buchstaben auf dem Deckel waren jedoch etwas verblasst und die Seiten von der Zeit gelb gefärbt.

“Das ist es”, sagte Steve und nahm die kleine Karte zur Hand, die daneben lag, ebenso alt und von Hand beschrieben. Ianto lehnte sich über Steves Schulter, um sie lesen zu können.

Edwin Abotts Flatland: A Romance Of Many Dimensions. Original-Version (1884)
Der Leser kann andere Dimensionen erblicken


“Das klingt doch gut”, sagte Ianto.

Steve machte ein nachdenkliches Geräusch. ”Ich bin mir da nicht so sicher.” Er deutete auf eine Warnung, die auf der Karte stand.

Man nimmt an, dass es Leser in andere Dimensionen transportiert!

“Man nimmt an?”, fragte Ianto.

”Nun, man kann die Betroffenen nicht mehr fragen, oder?”, erwiderte Steve mit einem schiefen Grinsen und einem Schulterzucken.

”Richtig”, sagte Ianto und lehnte sich an das Regal. ”Dann schließen wir wohl aus, dass uns das Buch helfen kann.“

”Okay”, stimmte Steve mit einem Seufzen zu. Ianto stieß sich vom Regal ab und blickte kurz zu der Kamera, die darin stand, dann realisierte er, dass Steve bereits auf dem Weg zurück zum Büro war. Trailer folgte ihm mit hängendem Schwanz. Ianto wollte zu ihm aufschließend, aber ein Hustenanfall erwischte ihn urplötzlich und ließ sich nicht abschütteln. Er schloss die Augen und lehnte sich vor, um den Husten zu ersticken, doch es funktionierte nicht. Er fühlte eine Hand auf seiner Schulter und Steve fragte: ”Alles okay?”

Der Husten stoppte, aber seine Kehle fühlte sich merkwürdig wund an. ”Ich weiß nicht”, antwortete Ianto und runzelte die Stirn. Er schluckte und spürte, wie ein neuer Hustenanfall heranrückte. ”Mein Hals ist etwas entzündet, glaube ich.” Er hustete wieder.

”Entzündet? So plötzlich?”, fragte Steve.

Ianto wurde schwindelig und er taumelte. Steve stützte ihn und lehnte ihn gegen das Regal. Ianto runzelte die Stirn, als er jemanden schreien hörte. ”Was war das?”

”Was meinst du?”

”Ein Schrei. Da war ein Schrei.”

Er konnte Steves Antwort nicht hören, denn der Schrei wurde lauter und dann schrien auch andere Leute und ihm wurde heiß. Sehr heiß. Und dann gefror sein Blut, als er die unmissverständlichen Schritte von Metallstiefeln auf dem Boden hörte – rhythmisch, näher kommend, eine Armee von Geistern, die zu Cyberwesen geworden waren, die ihn suchten und fesseln wollten, um alles menschliche aus ihm zu entfernen. Er wimmerte und kauerte sich zusammen, drückte sich an das Regal hinter ihm und versuchte, sich so klein wie möglich zu machen.

Er hörte jemanden seinen Namen rufen und war dann wurde sein Kopf angehoben, bis er jemanden anblickte. Er konnte ihn nicht ganz erkennen, denn der Rauch der Feuer brachte seine Augen zum Tränen. Doch es war Steve, realisierte er. Steve … sollte nicht hier sein.

Und plötzlich kauerte er nicht mehr in Torchwood Tower, sondern stand in einem Wohnzimmer. Ein Mann stand vor einer Couch, auf der eine weinende Frau saß.

In der Tür stand ein Junge mit blonden, vom Wind zerwühlten Haaren. Er konnte nicht älter als 14 sein. ”Was ist passiert?”, fragte er. Etwas an ihm kam Ianto bekannt vor.

”Steve”, sagte der Mann und Ianto realisierte, dass es sich bei dem Jungen tatsächlich um Steve handelte, vor vielen Jahren. Er fragte sich, ob er eine wahre Erinnerung wieder erlebte. Er versuchte, sich zu bewegen, zu reden, aber er konnte nicht. Es war, als wäre er erstarrt. Der Mann starrte Steve an und schluckte. ”Es geht um deine Schwester”, sagte er. ”Etwas ist passiert und ...” Er stockte und die Frau – Steves Mutter, dachte Ianto, schluchzte. ”Sie ist tot”, flüsterte Steves Vater.



Kapitel 9
Der Faden der Ariadne Masterlist


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