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Firefly: Ankunft (Fanfiction)

Ankunft

Serie: Ankunft
Worte: ~ 2.000
Inhalt: River neigte neugierig ihren Kopf und starrte ihn an. "Verletzt", sagte sie und ihre Hand fuhr ihm ungeschickt durch die Haare. "Armer kleiner Vogel."
Charaktere: Simon Tam, Jayne Cobb, River Tam, Kaylee Fry
Pairing: Simon/OMC (angedeutet), Simon/Kaylee (Vergangenheit), Simon/Jayne (angedeutet)
Rating: PG-13
Spoiler: Eine Weile nach dem Film Serenity
Beinhaltet: Gespräche über Prostitution, Slash
Anmerkungen: Meine erste Firefly-Fanfiction. Ich bin etwas stolz. Geschrieben für das queer_fest und den Prompt Firefly, Simon, Nachdem er Jahre damit verbracht hat, zu verneinen, dass er schwul ist, realisiert Simon nach der Beziehung mit Kaylee, dass er es ist.
Beta: pechfeder für die deutsche Version. larsinger29 für die englische, danke.
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Firefly und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Komplette Fanfiction Masterlist
Ankunft Masterlist

***
***


Er fühlte sich merkwürdig, als würde er schweben.

Er wusste nicht ganz, was vorging. Sein ganzer Körper fühlte sich unglaublich schwer an, als hätte er zu viel getrunken. Er konnte sich nicht bewegen, nur zur Tür des kleinen, schmutzigen Zimmers starren. Die Tür war zugefallen, als der Kerl, der ihn unter Drogen gesetzt hatte, mit seinem Diebesgut geflohen war.

Simon nahm an, dass er das hier vermutlich verdiente.

Er konnte die Zurechtweisung seines Vater praktisch hören, während seine Mutter in einer Ecke stehen und weinen würde - sie würde sich für ihn schämen. Wenn sie es wüssten, wäre es ihnen peinlich. Ihr Sohn, intelligent und so talentiert ... lag hilflos in einem dieser dreckigen, kleinen Zimmer eines Bordells. Auf diesem Felsklumpen am Rande des bekannten Weltraums. Nachdem er von einem Mann unter Drogen gesetzt und ausgeraubt wurde. Von einem Stricher.

Wenn er gekonnt hätte, hätte er hysterisch darüber gelacht, dass ausgerechnet Jayne Cobb am Ende Recht behalten hatte. "Deshalb küsse ich sie nie auf den Mund."

'Dummi', glaubte er die Stimme seiner Schwester zu hören. 'Ihn zu küssen. Du hast es ihm leicht gemacht. Und es fühlt sich an, als ob er dir nicht bloß ein Schlafmittel gegeben hat …' Seine Brust schien sich zusammenzuziehen, das Atmen fiel ihm schwer ... Dunkelheit drang auf ihn ein, als ihm die Augen zufielen, bis er nichts mehr wahrnehmen konnte als das langsamer werdende Schlagen seines Herzens. 'Er hat dich vergiftet. Du wirst sterben. Der beste Unfallchirurg auf Osiris ... und du stirbst als Verbrecher.'

Er hörte ein Klicken.

Das Geräusch von Schritten und ein Fluch in einer rauen, tiefen Stimme.

Dann nichts mehr.

***

Aufwachen war schmerzhaft.

Er hörte ein stetiges Brummen, bekannt und beruhigend.

Serenity.

Ihm tat alles weh, seine Muskeln fühlten sich überanstrengt an. Doch das Atmen fiel ihm leichter. Seine Augenlider waren schwer, doch er schaffte es, sie zu öffnen.

Sein verschwommenes Sichtbild zeigte ihm sein Quartier, bevor sich jemand so nah an ihn heran lehnte, dass ihre Nasen sich berührten. River neigte neugierig ihren Kopf und starrte ihn an. "Verletzt", sagte sie und ihre Hand fuhr ihm ungeschickt durch die Haare. "Armer kleiner Vogel."

Er versuchte zu antworten, sie zu beruhigen, aber er schaffte nur ein Stöhnen. Er zitterte vor Kälte, obwohl ihm heiß war und er erkannte die Symptome eines Fiebers.

Rivers Augen weiteten sich plötzlich und - als würde sie ihm ein Geheimnis anvertrauen - lehnte sich näher und flüsterte: ”Zoe hat mir neue Stiefel gekauft ... und Süßigkeiten.” Sie grinste breit und es war kaum zu glauben, dass diese kindliche Frau in einen Raum voller Reavers eingesperrt überlebt hatte. Dann wurde sie ernst und ihre blauen Augen bekamen wieder diesen abwesenden Ausdruck, den er hasste. Sie schmollte. "Wie kannst du mich heilen, wenn du selbst verletzt bist?"

Simon versuchte zu antworten, aber Dunkelheit umfing ihn wieder.

***

"Du kommst wieder in Ordnung", sagte Kaylee, als er wieder aufwachte. Sie blickte ihn mit demselben resignierten und traurigen Gesichtsausdruck an, den sie seit ihrer Trennung immer trug, wenn sie ihn sah. "Der Cap'n hat eine Ärztin aus der Stadt geholt. Die kannte das Gift und konnte helfen." Ihre Augen verrieten ihm, dass sie genau wusste, wie er vergiftet worden war.

Er schämte sich und kam sich wie ein Lügner vor. Als hätte er ihre Beziehung nie eingehen sollen ... und das stimmte. ”Es tut mir leid", sagte er. Seine Stimme klang heiser. Doch alles in allem fühlte er sich etwas besser.

”Aber es ist schon okay", antwortete Kaylee. "Hätte nur nicht gedacht, dass jemand, der so viel Wert auf Anstand legt, eine Frau für Sex bezahlt."

Er runzelte verwirrt die Stirn und öffnete den Mund, um zu antworten.

Doch Kaylee unterbrach ihn: "Jayne hat es uns gesagt."

Simon starrte sie einen Moment sprachlos an. Schließlich fragte er: "Wirklich?"

"Er hat dich gerettet, sozusagen." Kaylee lächelte etwas und Simon bemerkte wieder, wie hübsch sie eigentlich war. "Du warst die Dame in Nöten."

Simon konnte sich eines Lächelns nicht erwehren. "Das würde Jayne zu meinem Ritter machen und dieses Bild ist verstörend."

Kaylee lachte und Simon war plötzlich traurig darüber wie es zwischen ihnen geendet hatte. Kaylee war sicher nicht perfekt für ihn gewesen - nicht auf den ersten Blick -, aber sie war die realistischste Beziehung gewesen, die er je gehabt hatte. Das Problem war ... für ihn war es platonisch, für sie nicht. Er hatte es beenden müssen. Es war das Beste gewesen.

Kaylee verdiente etwas Besseres.

***

Simon stand lange vor der Tür und versuchte, sich zu überwinden. Er war sich nicht sicher, ob er klopfen sollte. Aber nur hier zu stehen kam ihm ebenfalls albern vor.

Am Ende hatte er nicht den Mut zu klopfen.

Er schwor sich, sich am nächsten Tag zu überwinden und drehte sich gerade um, um in sein Quartier zurückzugehen, als die Tür geöffnet wurde und Jayne die Leiter hochkletterte. Als er Simon auf dem Gang über sich sah, hielt er inne und runzelte misstrauisch die Stirn. ”Was willst du?”

”Ich ...” Er verstummte unsicher und fragte dann: ”Könnten wir kurz reden?”

”Reden?”

”Dort drinnen”, fügte Simon hinzu und nickte vage hinunter in Jaynes Quartier.

”Ich will dich nicht da unten.”

Simon leckte sich die Lippen und schluckte. Er wischte seine verschwitzten Handflächen an seiner Hose ab. Obwohl er es niemals zugeben würde, machte Jayne ihm etwas Angst. Wenn er nicht die Kontrolle über die Situation hatte, wie in der Krankenstation, sondern sich in Jaynes Terrain befand, wurde er leicht panisch. Und warum auch nicht? Jayne war groß, brutal und unberechenbar. Er holte tief Luft und versuchte, sich etwas zu beruhigen. ”Bitte.”

Jayne verdrehte die Augen. ”Na schön.” Er kletterte wieder in sein Quartier hinunter und Simon nickte sich selbst zu, bevor er ihm folgte.

Simon war noch nie wirklich in Jaynes Quartier gewesen. Er bezweifelte, dass irgendjemand jemals hier gewesen war, außer vielleicht Mal. Er verschränkte die Arme, als er den Boden erreicht hatte. Nun, da er allein in diesem winzigen Raum mit Jayne war, wurde seine Unsicherheit nur stärker. Jayne bot Simon keinen Sitzplatz an, ließ sich aber auf sein Bett fallen. ”Also?”

”Ich wollte dir danken”, antwortete Simon. ”Dass du ihnen nichts gesagt hast.”

”Worüber?”

Simon schluckte. ”Darüber, wo du mich gefunden hast.”

”Hab' ich doch. In 'nem Bordell. Ist doch nicht meine Schuld, dass sie glauben, es war 'ne Frau.”

”Dann muss ich mich dafür bedanken, dass du ihre Annahme nicht korrigiert hast.”

Jayne wandte den Blick ab, beobachtete stattdessen, wie er seine Finger langsam zu einer Faust ballte und wieder entspannte.

”Und ...”, fuhr Simon fort. ”Ich muss mich bedanken dafür, dass ... du mich gerettet hast.”

Widerwillig antwortete Jayne: ”Deine verrückte Schwester hätte mich sonst kastriert.”

Simon konnte ein leichtes Lächeln nicht unterdrücken. Es gab nicht viele Dinge, vor denen Jayne Angst hatte, aber River war sicher an der Spitze dieser vermutlich kurzen Liste. Es entstand ein peinlicher Moment der Stille, der deutlich machte, dass sie beide lieber woanders wären. Doch Simon war noch nicht fertig. ”Du hättest lügen können. Du hättest behaupten können, dass du nicht weißt, wo ich bin.”

”Sie kann Gedanken lesen, Mann", erwiderte Jayne. Simons Lächeln wurde breiter. Jayne räusperte sich und kratzte seine Nase. ”Sonst noch was?”

”Nein. Ich denke ... ich denke, das war's.” Erleichtert entspannte er sich etwas.

”Dann verschwinde.”

Simon nickte hastig und wandte sich zur Leiter um.

Doch plötzlich sagte Jayne: ”Es ist irgendwie interessant. Dass du mir erst fürs Lügen dankst und dann für dein Leben.”

Simon erstarrte mit den Händen auf der Leiter und starrte an die Wand. Er wandte sich um und lächelte betreten. ”Ich sollte wohl meine Prioritäten überdenken.”

”Du bist so gorram steif, dass du zerbrechen würdest, wenn jemand dich hart anfasst. Ich wusste von Anfang an, dass du schwul bist, zu offensichtlich. Und trotzdem fängst du was mit einem scharfen Mädchen wie Kaylee an, die nicht mal sieht, dass du den Cap'n vögeln willst.”

Simon starrte Jayne an, erstaunt, weil er ihn noch nie so viel am Stück hatte sagen hören. Besonders nicht zu ihm. Und was ihn noch mehr erstaunte, waren Jaynes Worte. ”Das ... ist wirklich sehr aufmerksam beobachtet.”

”Die Frage ist nur, warum jemand wie du – reich, erfolgreich, hübsch – sich so verstellt. Ich wette, dein Daddy hatte keine Ahnung, oder?”

”Es ist nicht so einfach.”

”Das ist es nie für euch verwöhnte Schnösel.”

”Es wird nicht als ... angemessen angesehen.” Sogar in seinen eigenen Ohren klang das schwach.

Jayne lachte und stand auf. ”Angemessen?”, wiederholte er spöttisch.

Simon senkte den Blick.

”Ja, du benimmst dich immer so angemessen, Doc. Und ich wette, du weißt nicht mal mehr, wieso. Sogar deine Schwester passt besser zu uns als du und sie hat nicht mehr alle Tassen im Schrank.”

Simon musste das eingestehen. Und es tat weh, dass er nach so langer Zeit noch immer ein Außenseiter in der Crew war.

”Ich glaube, du solltest dich endlich wie ein Mann verhalten und nicht wie der Schwächling, den dein Vater haben will. Weil wir doch alle wissen, dass du so bald nicht nach Hause zurückkehren kannst.”

Simon schluckte. ”Das will ich auch nicht”, gab er zu, bevor er realisierte, mit wem er sprach. Sich selbst Jayne gegenüber verwundbar zu zeigen war sicher keine gute Idee, doch es war ohnehin zu spät. ”Nach Hause gehen. Das will ich nicht mehr.” Es war das erste Mal, dass er es laut sagte, dass er offen zugab, dass Serenity keine temporäre Lösung mehr war. Er starrte direkt in Jaynes Augen. ”Ich will bleiben.”

”Dann benimm dich auch so.”

Simon starrte Jayne einen Moment an, dann runzelte er die Stirn. ”Warum warst du in diesem Bordell? Wie hast du mich gefunden?”

Jayne zuckte mit den Schultern. ”Es gibt da diesen Kerl, den ich manchmal bezahle. Ziemlich teuer, aber sein Geld wert. Und wir haben dich beobachtet, als du reingekommen bist.”

Simon wurde rot. Er musste wie ein Idiot ausgesehen haben: Nervös und unsicher und dankbar, als er von dem Stricher angesprochen wurde und sich nicht selbst jemanden aussuchen musste.

”Du hast ihn geküsst”, sagte Jayne mit einem dreckigen Grinsen. ”Auf den Mund. Du warst noch nicht mal in seinem Zimmer angekommen und schon hast du's versaut.”

”Ich kann es nicht ohne ...” Simon zögerte. Es kam ihm albern vor, dies ausgerechnet Jayne zu erklären. ”Ich kann es nicht machen, als wäre es nur …”

”Dann brauchst du einen festen Partner, keinen Stricher. Du kannst denen nicht trauen.”

”Küsst du ihn? Den Mann, den du besuchst?”

”Nein.”

”Obwohl du ihn kennst ...”

”Er ist ein Stricher. Du willst, dass sie vorgeben, dich zu lieben? Du brauchst einen Companion.”

Simon nickte langsam. ”Okay … danke.” Er war beinahe traurig, als ihm bewusst wurde, dass sie wahrscheinlich nie wieder so ehrlich miteinander sprechen würden. Jayne war eigentlich … ganz in Ordnung. Simon fragte sich, warum er das nie bemerkt hatte.

Jayne verdrehte die Augen und streckte sich auf seinem Bett aus. Simon war beinahe die Leiter hochgeklettert, da meinte Jayne plötzlich: ”Übrigens würde ich nicht Nein sagen.”

Simon hielt inne und wandte sich um. Er runzelte verwirrt die Stirn. Jayne bewegte die Hüften – unmissverständlich – und Simon wurde rot. Seine Hände verkrampften sich um die Streben der Leiter. ”Du magst mich doch nicht mal.”

”Ich werde dir bestimmt keine Blumen kaufen”, erwiderte Jayne. ”Aber du könntest mich wenigstens küssen.”

"Das … bezweifle ich.” Der Gedanke war absurd. Rasch kletterte er aus dem Quartier und ließ Jayne lachend zurück.

Er erschreckte sich, als River plötzlich vor ihm stand. Sie lächelte. ”Wir helfen dir”, sagte sie und wippte auf ihren Fußballen.

Simon sah sie unentschieden an, dann erwiderte er das Lächeln zögerlich. ”Vielleicht.”

”Damit du mich reparieren kannst.”

Die Worte taten weh, stachen gnadenlos zu, und er musste sich anstrengen, das Lächeln auf seinem Gesicht zu halten. Er umarmte sie sanft. ”Du bist doch nicht kaputt, mei-mei.” Er strich ihr die Haare aus der Stirn und starrte in ihre Augen. ”Du bist perfekt.”

Sie grinste. "Du doch auch, Dummi."


END
06/13


Damit er aufhört
Ankunft Masterlist


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