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Numb3rs: Verbindungen 11/13 (Fanfiction)

VERBINDUNGEN 11/13

Worte: 28.456
Inhalt: Während er Don bei den Ermittlungen gegen den Drogenboss JM hilft, wird Charlie von einem Auto angefahren. Als klar wird, dass der Unfall in Wahrheit ein Attentat war, beginnt Don sich Sorgen um Charlies Leben zu machen. Ein Wettrennen gegen die Zeit beginnt, Loyalitäten werden in Frage gestellt und Charlie muss gegen seine ganz eigenen Dämonen kämpfen.
Pairing: Charlie/Amita (angedeutet)
Rating: PG
Spoiler: Hinterhalt, Spiel des Lebens
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Numb3rs und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Verbindungen Masterlist
Kapitel 10


11.



“Dad sagte mir, dass du übermorgen vielleicht entlassen wirst“, meinte Don und brachte den Rollstuhl im Wartezimmer der Neurologie zum Stehen.

Charlie nickte. “Ja.“

“Bist du fit dafür?“

Charlie zuckte mit den Schultern und starrte aus dem Fenster in den warmen sonnigen Abend. Don zog sich einen Stuhl heran und setzte sich neben ihn. Los Angeles kam auch abends nicht zur Ruhe. Der Verkehr schlich am Krankenhaus vorbei, auf den Gehwegen eilten Menschen ihrem nächsten Ziel entgegen. Die Abendsonne fiel durch das Fenster und fing sich in Charlies Haaren. Don seufzte, als er den distanzierten, nachdenklichen Ausdruck auf dem blassen Gesicht seines Bruders sah. “Was ist los, hm?“

Charlie schluckte schwer. “Die Zahlen sind nicht mehr da.“

Don runzelte die Stirn. “Wie meinst du das?“

“Ich kann jede Aufgabe lösen, die mir gestellt wird, aber … sie sind früher immer von selbst gekommen.“

Don seufzte. “Du hattest einen Unfall, Charlie. Du wurdest verletzt. Sogar dein Kopf erreicht seine Grenzen. Gib der Sache noch etwas Zeit.“

Charlies Hände verkrampften sich um die Armlehnen des Rollstuhls und er schloss die Augen. “Aber ich will dir helfen, Don. David hat mir von dem Fall erzählt und es gibt Möglichkeiten, daran zu arbeiten, aber ich-“

“Hey!“, unterbrach Don und legte eine Hand in Charlies Nacken. “Hey, ganz ruhig, okay? Beruhige dich. Keine Aufregung, hat die Ärztin gesagt.“ Er seufzte. “Mach dir keine Sorgen um die Zahlen, okay?“ Er lächelte. “Sie haben dich noch nie im Stich gelassen. Sie kommen wieder.“

Charlie blickte zu ihm. “Ich will dir helfen.“

“Ich weiß“, antwortete Don, “Aber ich kann warten, bis es dir besser geht.“

“Charlie, vergiss die verdammten Zahlen. Mom braucht dich.“

Charlie schloss die Augen, irritiert von der Erinnerung. Das Bild der Garage seines Elternhauses blitzte in seinem Kopf auf, gefüllte Tafeln, doch es verschwand wieder, ehe er es greifen konnte.

“Bist du okay?“, fragte Don. Er nickte.

“Bist du okay? Charlie.“ Don klang nicht ungeduldig, eher besorgt und Charlie spürte, wie er von Don gegen ein Auto gedrückt wurde. “Er hat dich nicht etwa doch getroffen, oder?“, fragte Don alarmiert und seine Hände suchten nach Verletzungen.

Charlie schüttelte den Kopf, blickte hoch zu den Banitec-Türmen und antwortete: “Nur … noch etwas durcheinander.“


Charlie blickte zu Don. “Arbeitest du gerne mit mir zusammen?“

Don hob überrascht angesichts der Frage die Augenbrauen. “Ja“, antwortete er schließlich, “sicher.“

Charlie blieb skeptisch. “Wirklich?“

Don nickte besorgt. “Was ist los, Brüderchen?“

Charlie wich seinem Blick aus und schüttelte den Kopf. “Ich weiß nicht. Ich bin nur verwirrt.“

“Schon gut“, sagte Don, “Alles kommt in Ordnung.“ Er fuhr durch Charlies Haare und lächelte.

***

Don kramte seinen Autoschlüssel aus der Jackentasche und blickte zu seinem Vater, der stumm neben ihm über den Parkplatz des Krankenhauses ging. Um sie herum stiegen Menschen in Autos. Die Besuchszeit war offiziell vorbei und die Angehörigen und Freunde der Patienten machten sich auf den Weg nach Hause. Da es Charlie inzwischen besser ging, war auch Alan nach Hause geschickt worden, obwohl er bei seinem Sohn hatte bleiben wollen. Don hätte sicher dafür sorgen können, dass Alan hätte bleiben dürfen, aber er wollte nicht. Sein Vater sah müde aus und er brauchte Schlaf. Deshalb hatte er ihm vorgeschlagen, ihn nach Hause zu fahren und gemeinsam mit ihm zu essen. Anschließend wollte er zurück ins Büro und sich auf den Fall konzentrieren. Don öffnete das Auto. “Steig doch schon mal ein, Dad. Ich muss kurz telefonieren“, meinte er und Alan nickte müde. Er stieg auf der Beifahrerseite ein und schloss die Tür, noch während Don bereits Megans Büronummer wählte.

Sein Blick glitt gewohnheitsgemäß über den Parkplatz, suchte instinktiv nach Bedrohungen, während er wartete, dass sie abhob. “Megan Reeves“, sagte sie schließlich und klang etwas außer Atem.

Don lächelte. “Wo habe ich dich hergeholt?“

“Pausenraum“, antwortete sie und er hörte ihr Grinsen, “Du rufst wie immer genau richtig an, Boss.“

Er blickte zu dem Fenster, hinter dem Charlies Zimmer lag und sah Davids Schatten an der Scheibe. Das Gespräch mit seinem Bruder ging ihm nicht mehr aus dem Kopf.

“Kannst du mir einen Gefallen tun?“, fragte er.

Megan klang besorgt. “Sicher. Was gibt’s denn?“

***

Charlie konnte Don und David nicht sehen, aber er hörte sie. Die Tür zum Konferenzraum war nur angelehnt und Don sprach laut. Von ihrem Platz aus warf Terry Charlie ein aufmunterndes Lächeln zu und er zwang sich zurück zu lächeln, ehe er seine Hand in dem Gurt seiner Tasche verkrampfte und sich auf Don konzentrierte.

“Was hast du dir dabei gedacht?“

“Ich weiß nicht“, antwortete David, “Ich habe einen Fehler gemacht. Er wollte hinfahren-“

“Mir ist egal, was Charlie will, verstanden? In seiner solchen Situation ist er ein Zivilist mit absolut keiner Erfahrung und es ist deine Aufgabe, ihn zu beschützen. Der Typ hätte ihn fast erschossen. Ist dir klar, was das bedeutet?“

“Ja“, antwortete David leise.

“Ich hatte mehr Verantwortungsbewusstsein erwartet. Ich weiß, du bist noch relativ neu im Team, aber du solltest nichts weiter tun, als mit Charlie zu warten, und das hast du nicht hingekriegt.“

“Es tut mir doch auch Leid, Don.“

“Leid? Wenn Edgerton nicht gewesen wäre, wäre Charlie jetzt tot!“

Charlie zuckte zusammen und ein paar Köpfe drehten sich zum Konferenzraum. Dann gingen die Agenten wieder an die Arbeit. Im Konferenzraum war es einen Moment lang still. Dann meinte David: “Ich werde beim nächsten Mal besser aufpassen.“

“Es gibt kein nächstes Mal. Das ist mein kleiner Bruder und er wird nie wieder für mich arbeiten.“

Charlie konnte nicht schnell genug reagieren. Don verließ den Konferenzraum und als er Charlie an der Tür stehen sah, blitzten seine Augen wütend auf. Er nahm Charlie grob am Arm und steuerte ihn Richtung Fahrstuhl. “Was zum Teufel tust du hier? Ich habe dir gesagt, dass ich dich hier nicht mehr sehen will.“


Es klopfte an die Tür zu Charlies Zimmer und David legte seine Zeitschrift zur Seite. Er stand auf und ging mit einer Hand an der Waffe zur Tür. Als er sie öffnete, sah Charlie eine junge Frau davor stehen. David musste sie kennen, denn er entspannte sofort. “Hey, was machst du hier?“

Sie blickte mit scharfen, grünen Augen zu Charlie und sprach einen Moment so leise mit David, dass er sie nicht hören konnte. Charlie wusste nicht, was er davon halten sollte, und fühlte sich an Lehrer und Dozenten erinnert, die über ihn sprachen, während er rechnete. David nickte und drehte sich zu Charlie um. “Hör zu, das ist Megan Reeves. Sie ist auch in Dons Team und ihr kennt euch. Ich gehe was essen.“ Damit war er weg und ließ Charlie allein mit Agent Reeves. Sie lächelte und schloss die Tür. Ihre hellbraunen Haare hatte sie zurück gebunden und die Hände schob sie in die Taschen ihrer dunklen Jeans. Sie wirkte nett, aber Charlie kannte sie nicht wirklich. Allmählich fühlte er sich überfordert von all den Menschen, die er kannte.

“Hey, Charlie!“

“Hey!“, antwortete er.

“Ich bin Megan“, sagte sie und setzte sich an sein Bett.

“Charlie?“

Er blickte von seinem Laptop auf.

“Könntest du nächstes Mal ausnahmsweise nicht mein Mittagessen verwenden, um etwas zu demonstrieren?“


“Ich bin Profilerin.“

Charlie wich unbewusst etwas von ihr zurück. Megan lächelte. “Ja, das war auch deine Reaktion, als ich es dir das erste Mal gesagt habe.“

“Entschuldigung.“

“Keine Sorge“, sagte Megan ernst. Sie nahm Charlies Hand. “Als Kind musstest du zu Therapeuten gehen“, sagte sie, “und du hast es gehasst.“

Charlie starrte sie überrascht an.

“Das hast du mir erzählt“, erklärte sie, “Deine Mutter hat dich irgendwann aus der Therapie raus genommen und entschieden, dass sie und dein Vater Unterstützung genug seien.“ Sie lächelte. “Es geht dir anscheinend schon besser.“

“Vielleicht werde ich übermorgen entlassen.“

“Das ist doch toll“, meinte Megan und ließ seine Hand los. Sie stützte sich auf dem Bett ab und lehnte sich vor. Sie wurde plötzlich ernst und Charlie vermutete, dass sie nicht bloß gekommen war, um ihn zu sehen. “Don macht sich Sorgen.“

“Worüber?“, fragte Charlie erstaunt.

“Dich.“

Charlie wich ihrem Blick aus und Megan seufzte. “Er sagt, du verschweigst ihm und deinem Vater etwas.“

“Ich weiß nicht …“ Charlie brach ab.

Megan wartete. Als Charlie nicht weiter sprach, sondern an die Decke starrte, sagte sie: “Das Gespräch könnte unter uns bleiben. Ich werde Don sagen, dass wir geredet haben und es dir besser geht, aber dass ich ihm keine Einzelheiten nennen kann.“

“Seien wir ehrlich, du konntest noch nie ein Geheimnis für dich behalten.“

Charlie schloss die Augen. Dons Stimme klang scherzend, aber die Bemerkung tat trotzdem weh. “Ich habe etwas getan, glaube ich.“

“Was?“, fragte Megan vorsichtig.

“Es hat mit … meiner Mom zu tun und … Don hasst mich deswegen.“

“Don hasst dich nicht.“ Megan lächelte. “Glaub mir, Charlie, Don ist weit entfernt davon, dich zu hassen. Wenn wir den Typen, der dich angefahren hat, finden, wird er ihn in der Luft zerreißen.“

“Ich habe Erinnerungen, in denen … er mich anschreit. Wegen Mom.“

Megan wurde bewusst, wovon Charlie sprach. Sie kannte keine Details, aber Don hatte es mal beiläufig erwähnt, und sie konnte Menschen gut lesen. “Charlie, das liegt längst in der Vergangenheit.“

“Was habe ich getan?“

“Das solltest du deine Familie fragen.“

Charlie drehte den Kopf weg.

“Aber du kannst dir sicher sein, dass Don dich nicht hasst. Das könnte er gar nicht.“

Charlie wirkte nicht sehr überzeugt, also fügte Megan hinzu: “Du solltest darüber wirklich mit ihm reden, aber er liebt dich, okay? Ihr habt nur … eine schwere Zeit hinter euch.“

“Ich hasse es, dass ich nichts mehr davon weiß. Ich fühle mich wie ein Fremder.“

Megan zögerte einen Moment, dann fuhr sie mit einer Hand sanft durch Charlies Haare. Er ließ die Berührung zu.

“Das bist du nicht.“

“Ich hatte nie viele Freunde. Ich weiß nicht. Plötzlich sind so viele Leute da, die mich kennen und ich …“ Er schluckte. “Ich kenne sie gar nicht. Ich will sie nicht verlieren. Indem ich was Falsches sage.“

“Du kannst nichts Falsches sagen“, antwortete Megan und wartete, bis Charlie sie anblickte. “Darum geht’s bei Freundschaft.“

***

Der Asphalt zerriss seine Jeans und seine Beine verfingen sich im Fahrrad. Der Boden war nass und kalt und alles tat weh. Über ihm die Regenwolken und Scheinwerferlicht zerschnitt die Dunkelheit und er hörte Schritte. Jemand beugte sich über ihn. “Verdammt.“

Charlie stöhnte auf und hustete. Er versuchte, sich auf die Seite zu drehen, aber sein Körper kooperierte nicht. Der Mann neben ihm packte ihn am Arm und nahm ihm grob den Rucksack ab, ehe er Charlie wieder auf die Straße fallen ließ. Charlie war verwirrt. Wollte er ihm denn nicht helfen?

“Wo hast du sie, huh?“, fragte der Mann. Charlie keuchte, als er sich aufzurichten versuchte und ein Stechen durch seinen Oberkörper zuckte..

“Da sind sie ja“, sagte der Mann. Charlie kam auf die Füße, aber der Mann schubste ihn nach hinten und er fiel zurück zu Boden.

“Das hättest du nicht überleben sollen“, sagte er. Plötzlich schien er mit jemand anderem zu reden. “Mach den Kofferraum auf.“ Er blickte auf Charlie hinunter, sein Gesicht war verschwommen und helle Blitz zuckten hinter Charlies Augen.

“Bring mir den Baseballschläger.“


Charlie schrie auf und wollte sich zur Seite werfen, aber ein scharfer Schmerz in seiner Seite ließ ihn zusammen zucken.

“Charlie“, sagte Colby erschrocken und schaltete das Licht ein. Es verscheuchte die bedrohlichen Schatten aus dem Krankenzimmer, aber Charlie schien es gar nicht zu bemerken. Er versuchte krampfhaft, sich von der Infusion zu befreien, die dunklen Augen panisch aufgerissen und seine Atmung viel zu schnell. Seine Hände zitterten und er bekam den Zugang nicht zu fassen.

“Charlie, ist alles okay?“ Colby ergriff sanft seine Arme und zwang ihn, ihm in die blauen Augen zu sehen. “Es war nur ein Traum, okay?“

Charlies Augen waren unfokussiert und er wehrte sich gegen Colbys Griff.

“Hör auf, Charlie“, sagte Colby fest.

“Beta 13 48 Omega 83“, flüsterte Charlie.

“Was?“, fragte Colby verwirrt.

Charlie blinzelte und plötzlich starrte er Colby viel klarer an. Er atmete noch immer schwer, aber er schien endlich wach zu sein. “Colby“, keuchte er. Seine Augen suchten das Zimmer ab und fanden das Handy auf seinem Nachttisch.

Er griff ungeschickt danach und Colby ließ ihn los.

“Charlie“, sagte er sanft und setzte sich auf die Bettkante. Charlie drückte das Handy an sein Ohr und starrte Colby hilflos an.

“Charlie?“, fragte Don besorgt, als er abhob.

“Ich erinnere mich an den Unfall.“ Charlies angsterfüllte Stimme ließ Don die spätabendliche Besprechung mit Hitchcocks Team vergessen. Er wandte sich von den anderen Agenten ab und blickte aus der Glasfront des Konferenzraumes in das Großraumbüro, in dem noch immer einige Agenten arbeiteten.

“Charlie, du erinnerst dich? An alles?“

“Nein“, antwortete Charlie.

Hitchcock schaltete sich ein. “Eppes, kann er ihn identifizieren?“

Don hob eine Hand, um ihn zum Schweigen zu bringen. Sein kleiner Bruder atmete viel zu panisch.

“Charlie, atme tief durch. Ist Colby da?“

“Ja. Er ist hier.“

“Gut. Nichts kann passieren. Atme durch.“ Don hörte zu, während Charlie ein paar tiefe Atemzüge nahm. “Besser?“, fragte er dann.

“Ja“, antwortete Charlie.

“Gut“, meinte Don, “Hast du den Fahrer erkennen können?“

“Nein“, antwortete Charlie, “alles war verschwommen und … aber, Don …“ Charlie atmete zittrig ein. “Don … er war nicht allein.“

***

JM klang immer ruhig, wenn er ans Telefon ging. “Was gibt’s?“

“Ich hab’s gerade gehört“, sagte er und fuhr sich durch die kurzen Haare. Er blickte über die Straße vor dem FBI-Gebäude und lächelte einem Pärchen zu, das einen spätabendlichen Spaziergang machte. Reeves und Sinclair waren nur ein paar Meter entfernt und schnappten etwas frische Luft. Er musste so tun, als würde er tatsächlich nur seinen Bruder anrufen. “Der Professor fängt an, sich zu erinnern.“

JM schwieg einen Moment. “Ist das sicher?“

“Ziemlich. Er kann mich noch nicht beschreiben, aber ich weiß nicht, ob sich das noch ändert. Ich habe Eppes und Granger belauscht. Sieht so aus, als würde der Professor übermorgen entlassen werden. In seinem Haus könnte ich leichter an ihn dran kommen.“

JM seufzte tief. “Dann kümmere dich drum.“

Kapitel 12
Verbindungen Masterlist