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Rettung für Redbeard

Worte: ~ 1.400
Inhalt: John seufzte tief und rieb sich das Gesicht, versuchte, zu entspannen. Vielleicht hätte er sich nicht wünschen sollen, dass sein Leben wieder etwas mehr Aufregung bot, wenn er das hier dafür bekam.
Charaktere: John Watson, Sherlock Holmes
Rating: PG
Spoiler: The Sign Of Three, His Last Vow
Setting: während His Last Vow, nachdem Sherlock angeschossen wurde
Warnungen: Erwähnung von Drogenmissbrauch
Anmerkungen: Geschrieben auf einen Prompt auf sherlockbbc hin. Prompt unter dem Cut wegen Spoilern.
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Sherlock und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

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Prompt: velja wollte eine Geschichte, die im Krankenhaus spielt, als Sherlock aufwacht.

***
***


John bemerkte nur, dass Sherlock endlich aufwachte, weil er darauf achtete. Er hatte beobachtet, wie die Narkose langsam nachließ und es Sherlock erlaubte, seinen Weg zurück ins Bewusstsein zu finden. Es bestand kein Zweifel, dass es ein schwerer Kampf war, denn es gab wenig, was Sherlock mehr hasste als Inaktivität welcher Art auch immer. Selbst, wenn sein Körper still lag, rannten seine Gedanken noch umher. John war sich ziemlich sicher, dass Sherlock sogar im Schlaf nachdachte. Wahrscheinlich wanderte er durch seinen Erinnerungspalast und mistete den Dachboden aus …

Zuerst bewegten sich Sherlocks Finger, dann zog er die Augenbrauen zusammen und drehte den Kopf etwas zur Seite. Seine Augenlider zuckten kaum merklich, aber er schaffte es nicht, sie zu öffnen. Das Narkosemittel war noch immer zu übermächtig. John dachte, dass er sicher wieder einschlafen würde und sagte deshalb nichts. Aus persönlicher Erfahrung wusste er, dass es am besten war, die Wirkung des Narkosemittels auszuschlafen.

Nach mehr Schlaf schien Sherlock jedoch nicht zumute zu sein, denn er bewegte sich etwas und stöhnte leise auf. Der Versuch, sich auf die Seite zu drehen schlug fehl und sorgte für ein weiteres Stöhnen, das nicht nur Schmerzen, sondern auch Verwirrung ausdrückte. Dann entkam ihm ein undeutliches Wort, das John nicht verstand.

John befand, dass Sherlock das Narkosemittel etwas zu stark zu bekämpfen versuchte und entschied sich, einzuschreiten. "Sherlock", sagte er und legte eine Hand auf seinen Unterarm. "Alles ist okay, Sherlock."

Obwohl nichts okay war. Sherlock war angeschossen worden. Er wäre beinahe gestorben. Sein Herz hatte tatsächlich aufgehört zu schlagen, wie John erzählt worden war - für eine Minute waren die Ärzte überzeugt gewesen, dass sie Sherlock nicht helfen konnten. Der plötzliche, schwach wieder einsetzende Herzschlag hatte jeden im Operationssaal überrascht, doch das Team hatte nicht gezögert, Sherlock zu unterstützen. Ihn zu stabilisieren. Die Kugel zu entfernen. Das Leben zu retten, an dem er so sehr festhielt.

Sherlock seufzte schwach und drehte den Kopf etwas mehr in Johns Richtung, bevor er etwas sehr überraschendes murmelte: "Mary."

John hob die Augenbrauen. "Okay”, antwortete er. “Das hatte ich nicht erwartet."

"Mary", wiederholte Sherlock und holte so tief Luft, dass sein Oberkörper schmerzen musste ... dann öffnete er die Augen, als wäre er aus einem Albtraum erwacht und starrte John an.

John schenkte ihm ein versicherndes Lächeln. ”Sherlock?", fragte er. "Bist du wach?"

Sherlock schloss die Augen wieder und sein Gesichtsausdruck wurde traurig. "Sie töten mich", flüsterte er. "Wie ihn."

"Also noch nicht ganz wach", murmelte John und setzte sich auf die Bettkante. Er wusste, dass es am besten war, Sherlock reden zu lassen. Sanft schloss er seine Hand um Sherlocks Unterarm, um ihm zu zeigen, dass er noch da war ... und real.

"Ich töte ihn zuerst", murmelte Sherlock, die Worte noch immer etwas undeutlich, aber er schien sich insgesamt recht schnell zu erholen.

'Hohe Toleranz gegenüber Drogen', warf eine gemeine Stimme in Johns Kopf ein, 'er ist es gewöhnt.'

Sherlock öffnete leicht die Augen und obwohl die Lider immer wieder zuzufallen drohten, hielt er Johns Blick mit ruhiger Entschlossenheit. "Ich tue es für Mary."

"Okay", sagte John und nickte Sherlock zu, obwohl er sich fragte, woher dessen plötzliche Besessenheit mit Mary kam.

"Konnte nichts dafür …”, sagte Sherlock. Seine Stimme wurde leiser, die Worte verschwammen wieder mehr miteinander. “... kann nicht glauben, dass ich ... das dachte …" Einen Moment lang schlief er ein, dann schreckte er hoch. "Keine Zeit, kein Schlaf, ich muss rennen ... die Treppe hoch …"

John unterbrach ihn ruhig, bevor Sherlock sich noch mehr aufregen konnte. "Ich denke, du solltest etwas schlafen."

Sherlocks blasse Augen fokussierten sich wieder auf ihn ... oder zumindest versuchten sie es. "Ich weiß, was vorgeht."

"Das tust du doch immer", erwiderte John mit einem Lächeln.

Sherlock nickte ernst ... und verlor den Kampf gegen den Schlaf.

John seufzte tief und rieb sich das Gesicht, versuchte, zu entspannen. Vielleicht hätte er sich nicht wünschen sollen, dass sein Leben wieder etwas mehr Aufregung bot, wenn er das hier dafür bekam. Doch das ruhige Eheleben war in letzter Zeit etwas zu ruhig und vorhersehbar gewesen und Sherlock ... plötzlich so weit entfernt. Nach der Hochzeit war Distanz zwischen ihnen eingezogen. John fühlte sich nun etwas schuldig deshalb, aber eine Weile lang hatte er es nicht wirklich bemerkt. Zu sehr war er mit Mary beschäftigt gewesen und Möbeln für das Kinderzimmer und der Arbeit und ehe John es gemerkt hatte, war ein Monat vergangen und die eine Sorge, die Sherlock im Zusammenhang mit Johns Hochzeit so gefürchtet hatte, war eingetreten: Er verlor seinen besten Freund.

Auf der Kante von Sherlocks Bett sitzend nahm John sich vor, das zu ändern. Es war offensichtlich, dass Sherlock jemanden brauchte, der ihn im Auge behielt. Und John brauchte Sherlock.

"Mary", sagte Sherlock plötzlich und schlug verwirrt die Augen auf, suchte das Zimmer ab, als würde sie sich in einer der Ecken verstecken.

John legte Hand wieder auf Sherlocks Arm und gewann seine Aufmerksamkeit. "So langsam macht mir das aber doch Sorgen", scherzte er.

Sherlock blinzelte ihn an und dann schien sich etwas von dem Nebel in seinem Blick zu lichten. "John?"

"Endlich richtig."

"Schmerzen …"

"Ja, tut mir leid", sagte John sanft und regelte die Morphium-Dosis. "Das liegt daran, dass du angeschossen wurdest." Er sah Sherlock ernst an. "Erinnerst du dich, wer dir das angetan hat?"

"Ist Magnussen tot?", fragte Sherlock anstatt einer Antwort.

"Nein. Er konnte wohl entkommen."

Sherlock schloss fest die Augen und schüttelte den Kopf. "Natürlich. Dummkopf. Er hatte Glück …" Seine Augen fanden wieder John, ernst und beinahe traurig. "Du warst da."

"Du redest Unsinn", erwiderte John.

"Ich wurde angeschossen." Die Antwort war einfach, sarkastisch … ganz Sherlocks Art.

John lächelte. "Daran könnte es liegen." Rasch benutzte er sein Handy, um auf die Uhr zu sehen. "Okay, hör zu, Mary sollte inzwischen hier sein. Ich bringe sie her. Du bleibst einfach liegen und … schläfst noch etwas. Ich bin nicht lange weg."

Sherlock runzelte die Stirn, aber er nickte. John berührte seine Schulter und stand auf, ging Richtung Tür.

"Aber … John?"

Der leicht panische Unterton in Sherlocks Stimme – so untypisch für ihn – ließ John innehalten und er wandte sich wieder zu ihm um. "Ja?"

Sherlock sah so unglaublich verletzlich aus … und merkwürdigerweise mehr als nur etwas nervös. "Wir bekommen einen Klienten."

John nickte langsam. "Sobald du dich besser fühlst. Nichts überstürzen."

"Du bist nicht Redbeard."

John biss sich auf die Lippe, um sein Grinsen zu unterdrücken. "Was auch immer das bedeutet."

Sherlock blieb ernst. "Ich konnte damals nichts tun. Jetzt kann ich alles tun." Sein Blick war leicht fiebrig und John trat wieder näher an das Bett, nun besorgt. Er kannte diesen Gesichtsausdruck. Für gewöhnlich bedeutete er nichts Gutes … diesem Blick folgte meist eine lebensgefährliche Situation.

John räusperte sich. "Sherlock, hat Magnussen dich angeschossen?”

”Nein.”

”Dann lass es. Lass ihn in Ruhe. Wenigstens für eine Weile."

"Wie verhindert man, dass etwas unter einer Last zerbricht, John?", fragte Sherlock, noch immer mit diesem wilden Blick in den Augen, obwohl seine Stimme ruhig blieb.

John schluckte. "Du minderst den Druck."

"Du minderst den Druck", bestätigte Sherlock mit einem Nicken. ”Wenn es zu schwer wird … wenn es zerbricht …" Er schloss die Augen. "… vermindere ich den Druck." Er sagte es mit solcher Überzeugung, dass John nicht ganz wusste, wie er reagieren sollte. Sprach noch immer die Narkose aus Sherlock? John war sich da nicht so sicher.

"Okay", antwortete er schließlich und drückte kurz Sherlocks Hand. "In Ordnung."

Seine Antwort schien die zu sein, die Sherlock hören wollte, denn er entspannte sich und schloss die Augen. "Ich kann Redbeard retten", flüsterte er und schlief wieder ein.

John schluckte. "Ja", erwiderte er. "Wenn es jemand kann, dann du."


ENDE
01/14

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Comments

( 2 comments — Leave a comment )
velja
Jan. 16th, 2014 07:10 am (UTC)
Auf deutsch gefällt mir das sogar noch besser! Und das kommt nicht oft vor, ich lese sonst eigentlich nie was auf deutsch.
Aber du hast es geschafft, dass mir eine deutsche story gefällt, wow!
jolinarjackson
Jan. 17th, 2014 02:11 am (UTC)
Man sieht so selten andere deutsche Leute hier. :)
Danke erst mal!

Ich ziehe ja eigentlich immer meine englischen Versionen vor, weil ich die auch zuerst schreibe und die deutsche Version letztlich "nur noch" die Übersetzung ist.
( 2 comments — Leave a comment )