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Numb3rs: Verbindungen 12/13 (Fanfiction)

VERBINDUNGEN 12/13

Worte: 28.456
Inhalt: Während er Don bei den Ermittlungen gegen den Drogenboss JM hilft, wird Charlie von einem Auto angefahren. Als klar wird, dass der Unfall in Wahrheit ein Attentat war, beginnt Don sich Sorgen um Charlies Leben zu machen. Ein Wettrennen gegen die Zeit beginnt, Loyalitäten werden in Frage gestellt und Charlie muss gegen seine ganz eigenen Dämonen kämpfen.
Pairing: Charlie/Amita (angedeutet)
Rating: PG
Spoiler: Hinterhalt, Spiel des Lebens
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Numb3rs und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Verbindungen Masterlist
Kapitel 11


12.



Die Hitze in der Stadt erreichte zum Mittag ihren Höhepunkt. In den tiefen Häuserschluchten der Innenstadt war es besonders unerträglich. Amita nickte Agent Mirren dankend zu, als sie das Auto verließ und sich Charlies Laptoptasche und ihren Rucksack von der Rückbank holte. Sie betrat das angenehm klimatisierte Krankenhaus. Im Fahrstuhl öffnete sie ihren Zopf. Sie fuhr sich durch die langen Haare und musterte ihr Spiegelbild in der matt glänzenden Fahrstuhltür, ehe sie auf Charlies Stockwerk ausstieg. Sie betrat sein Zimmer nach einem kurzen Klopfen. Charlie saß aufrecht im Bett, David ihm gegenüber auf einem Stuhl und zwischen ihnen war ein Schachbrett aufgebaut.

“Hey, Charlie!“, sagte Amita und er blickte auf. Seine Augen wirkten aufmerksam und wacher als in den letzten Tagen. David lächelte Amita grüßend zu und machte seinen Zug. “Agent Mirren hat mich hergebracht“, meinte Amita und zog sich einen Stuhl an das Bett, ehe sie den Laptop auspackte und öffnete, “Don meinte, du fühlst dich besser.“

Charlie zuckte mit den Schultern und lächelte leicht. “Es ist besser“, sagte er. “Ich darf morgen nach Hause.“

“Ich dachte mir, du könntest einen Blick auf diese Berechnungen werfen“, meinte Amita, “Ich komme da nicht weiter. Es ist deine Arbeit, also ...“ Sie hielt Charlie den Laptop hin und er nahm ihn interessiert entgegen. “Du wolltest dreckige Cops im LAPD finden und hast mit Personalakten gearbeitet. Aber die Variablen, die du verwendest, ergeben absolut keinen Sinn.“

David stand auf. “Wir beenden das Spiel später“, schlug er vor.

Charlie schüttelte den Kopf. “Nein, nein.“ Er setzte seinen Läufer vor, blickte auf den Laptop-Bildschirm und meinte abgelenkt: “Schachmatt.“

“Was?“ David blickte auf das Spiel.

Charlie warf ihm einen verlegenen Blick zu. “Du bist schon seit drei Zügen geliefert. Ich dachte nur ...“ Er zuckte mit den Schultern.

“Jetzt weiß ich, was Alan gemeint hat“, erklärte David seufzend und lächelte Charlie zu, ehe er sich in seine Ecke des Raumes zurückzog.

Charlie blickte auf die Formeln. “Hm.“

Amita beobachtete, wie seine Augen über die Zahlen flogen, und lächelte. Sie liebte diese Facette an Charlie. Konzentriert, analytisch und vollkommen versunken in seiner eigenen Welt. “Das sagt mir nichts“, meinte er nach einer Weile. “Ich bräuchte die Quelle der Daten, die ich verwendet habe.“

“Die haben wir nicht.“ Amita schaute zu David. “Wir nehmen an, dass du sie während dem Unfall bei dir hattest und dass sie gestohlen wurden.“

“Wo hast du sie, hm?“

Charlie schloss die Augen und verbannte die Erinnerung. “Ja“, sagte er, “Jemand hat mir den Rucksack weggenommen und etwas mitgehen lassen.“

David stand auf. “Du erinnerst dich?“

“Nicht wirklich“, antwortete Charlie, “Nur, dass es zwei Leute waren und dass sie etwas mitgenommen haben.“

“Charlie“, sagte Amita, “du musst gewusst haben, wer es war. Oder zumindest eine sehr genaue Vermutung gehabt haben.“

“Ich erinnere mich nicht“, antwortete Charlie.

Er richtete sich auf und starrte verwirrt auf die riesige Scherbe in seiner Seite. Einen Moment lang verstand er nicht, was sie da suchte, dann schnappte Charlie nach Luft. “Oh Gott“, murmelte er. Ihm wurde übel. Eine kräftige Hand packte seine Jacke und hielt ihn fest, während die andere Hand des Mannes grob seinen Helm von seinem Kopf riss.

“Nein, was ...“ Charlie hörte Schritte und blickte auf. Jemand kam auf sie zu, einen Baseball-Schläger in der Hand. Eine Taschenlampe blendete ihn und er schloss die Augen.

Der Mann ließ ihn los. “Gib her. Ich mache das.“

Charlie wartete nicht länger. Er kam auf die Beine und wollte rennen, aber der Mann war schneller. Der Schläger traf Charlies Hüfte und er schrie auf und fiel zu Boden. Die Scherbe in seiner Seite bohrte sich tiefer in seine Brust und er hustete, als sein Schmerzempfinden zurückkehrte und ihm den Atem nahm. Der nächste Schlag traf sein linkes Bein und Charlie wurde schwarz vor Augen, als einer seiner Knochen brach. Er kam nur ein paar Sekunden später wieder zu sich, als der Mann neben ihm stehen blieb.

“Sagen Sie mir, wieso“, keuchte Charlie. “Wir haben Ihnen vertraut.“ Charlie spürte den ersten Schlag gegen seinen Kopf nicht mehr.


“Charlie“, sagte Amita alarmiert und er öffnete die Augen. Er musste Zeit verloren haben, denn David saß nicht mehr auf seinem Platz, sondern auf seiner Bettkante. Beide wirkten besorgt.

“Hey, bist du okay?“

Charlie schüttelte den Kopf. “Die wollten mich umbringen“, sagte er leise.

“Wer?“, fragte Amita und Charlie schüttelte den Kopf.

“Ich weiß es nicht.“ Er blickte auf die Formeln. “Aber ich wusste es.“

***

Don rieb sich die müden Augen und seufzte tief. Es war bereits später Nachmittag, aber eine Uhrzeit spielte beim FBI kaum eine Rolle. Zwar waren weniger Agenten anwesend, aber noch immer klingelten pausenlos Telefone und rund die Hälfte der Schreibtische war besetzt. Agent Hitchcock blieb neben Dons Schreibtisch stehen und verschränkte die Arme. “Kein Wort“, sagte er. Don blickte zu ihm auf. Hitchcock zog sich einen Stuhl heran und ließ sich hinein fallen. Sein Gesicht war angespannt und die Augen müde. Sie stießen alle langsam an ihre Grenzen. “Freddy und Kirk schweigen. Ihre Anwälte sind nicht viel kommunikativer. Sie mit dem Anschlag zu konfrontieren hat auch nicht das Geringste gebracht.“

“JMs Leute“, antwortete Don und Hitchcock nickte.

“Ja. Schweigsamer Haufen“, antwortete er.

“Bis auf Officer McTroy“, antwortete Don.

Hitchcock lachte. “Wissen Sie, was ich glaube? JM hat McTroy für seine Aussage bezahlt. McTroy geht in den Knast und wenn er wieder draußen ist, darf er sich über ein Bündel Geld in einem Schließfach in irgendeiner Bahnhofshalle freuen.“ Er zuckte mit den Schultern. “JM behandelt seine Leute gut.“

Don schnaubte. “Warum sollte er jemandem sagen, dass er gestehen soll?“

Hitchcock zuckte mit den Schultern. “JM spielt mit uns, Eppes. Das hat er von Anfang an getan.“

Don räusperte sich. “Charlie ist fit genug, um sich an die Berechnungen zu setzen. Er hat heute Nachmittag angefangen. Bisher noch nichts, aber wie ich ihn kenne, wird er dahinter kommen.“

“Ihr Bruder ist der einzige Zeuge, den wir haben, Eppes. Wenn er sich an die beiden erinnern kann, die ihn angefahren haben …“

“Ich weiß“, antwortete Don, “Aber bisher kämpft er noch mit seinem Gedächtnis.“

Hitchcock seufzte. “Morgen wird er entlassen?“

Don nickte.

“Sie lassen ihn weiter bewachen?“

“Rund um die Uhr“, nickte Don.

“Ist besser so“, antwortete Hitchcock, “Ich glaube nicht, dass JM gewollt hat, dass er am Leben bleibt. Und er hat schon immer das bekommen, was er wollte.“

***

Als Don am Abend am Krankenhaus vorfuhr, stand Alan bereits auf dem Bürgersteig und wartete. Sein Vater stieg in den Wagen und schnallte sich an, während Don sich wieder in den Verkehr einfädelte. “Hey, Dad!“, sagte er verspätet und Alan lächelte ihm zu. “Wie geht’s Charlie?“

“Er ist frustriert“, antwortete Alan und blickte Don skeptisch von der Seite an, “Er sitzt an diesen Berechnungen, die Amita ihm gebracht hat – für deinen Fall.“

Don nickte. “Ich weiß.“

“Ich halte das für keine gute Idee.“

Don runzelte die Stirn. “Wieso denn nicht, Dad?“

“Weil er nicht aufgehört hat, daran zu arbeiten, seit er es heute bekommen hat. Und er kommt nicht weiter damit. Don, du weißt wie er sein kann.“

“Er kommt nicht weiter?“, fragte Don etwas enttäuscht.

“Nicht der Punkt“, antwortete Alan gereizt, “Charlie ist verletzt und ich will nicht, dass er sich überanstrengt.“

Don seufzte genervt. Er und sein Vater hatten diese Diskussion bereits häufiger gehabt. Manchmal hatte Don das Gefühl, dass Alan glaubte, er könnte nicht auf seinen kleinen Bruder achten. “Dad, Charlie kann selbst bestimmen, wann er aufhören muss. Er ist nicht mehr derselbe wie vor ein paar Jahren.“

“Genau das ist er aber.“

Don hielt an einer roten Ampel und blickte zu seinem Vater.

“Er will dich beeindrucken, Donnie, deshalb macht er weiter.“

“Verdammt“, murmelte Don frustriert, “ich dachte, wir hätten diese Phase hinter uns.“

Er griff nach seinem Handy, aber Alan meinte nur: “Er schläft. Die Arbeit hat ihn angestrengt. Colby hat mir versichert, dass er darauf achtet, dass Charlie den Laptop erst morgen wieder anrührt.“

Don nickte zustimmend.

Alan und er schwiegen für die nächsten Minuten. Doch schließlich brach Alan die Stille. “Wie dicht seid ihr dran, Donnie?“

Er musste nicht fragen, um zu wissen, wovon sein Vater sprach. Es war klar, dass Alan sich Sorgen wegen JM machte und wegen der Tatsache, dass Charlies Unfall keiner gewesen war. Vor allem aber, weil Charlies Angreifer noch da draußen war und vermutlich schon den nächsten Schritt plante. Er seufzte tief. “Nicht nah genug.“

***

“Gib her. Ich mache das.“

Charlie wartete nicht länger. Er kam auf die Beine und wollte rennen, aber der Mann war schneller. Der Schläger traf Charlies Hüfte und er schrie auf und fiel zu Boden. Die Scherbe in seiner Seite bohrte sich tiefer in seine Brust und er hustete, als sein Schmerzempfinden zurückkehrte und ihm den Atem nahm.


“Charlie“, sagte jemand und er öffnete die Augen. Einen Moment war er desorientiert, denn nicht die neutrale, weiße Decke des Krankenzimmers war über ihm, sondern dunkles Holz. Seine rechte Hand ertastete Leder unter sich und er drehte den Kopf. Amita saß auf dem Couchtisch und blickte ihn besorgt an. “Du hattest einen Albtraum“, sagte sie. Charlies Augen jagten durch das vertraute Wohnzimmer seines Elternhauses und beruhigt stieß er die Luft aus. Er lag auf der Couch unter dem Fenster und die Sonne wärmte seinen Körper. In der Küche waren Geräusche zu hören und Gesprächsfetzen drangen bis ins Wohnzimmer. David und sein Vater. “Bist du okay?“, fragte Amita besorgt.

Er nickte langsam. “Ja.“ Aber er war sich nicht sicher. Er unterdrückte die Frustration darüber, dass seine linke Hand noch immer eingegipst war und stützte sich mit der rechten Hand ab, um sich aufzurichten.

“Wo willst du hin?“, fragte Amita.

“Garage“, antwortete er automatisch. Er wollte weiter an dem Fall arbeiten. Aber etwas stimmte nicht und er runzelte die Stirn. “In den Wintergarten“, antwortete er erneut, verunsichert. Denn er arbeitete nicht mehr in der Garage, seit er aus Princeton zurückgekommen war. Der Wintergarten bot viel mehr Licht. Oder war er inzwischen wieder in die Garage gezogen?

Amitas dunkle Augen drückten Trauer aus. “Nein, du hast deine Arbeit in der Garage“, antwortete sie.

“Wieso?“, wollte er wissen.

“Da ist mehr Platz“, antwortete sie. Charlie seufzte und wollte aufstehen, aber Amita drückte ihn zurück. “Du musst dich ausruhen.“

“Ich kann nicht mehr schlafen.“ Charlie hatte das Gefühl, nur noch Albträume zu haben.

“Leg dich hin“, antwortete Amita. Sie lächelte.

“Bist du dir wirklich sicher?“, fragte Amita leise.

Charlie rieb sich die Stirn und stützte sich auf seinem Schreibtisch ab. “Wir haben das besprochen. Wir waren einer Meinung.“

“Wir sind nicht kompatibel“, sagte Amita langsam. Charlie blickte zu ihr auf und zuckte traurig mit den Schultern. Amita wirkte zutiefst verletzt. Aber sie maskierte es mit einem Lächeln. “Okay.“


Charlie fragte sich, wem er eigentlich nicht weh getan hatte. Sein Vater und sein Bruder hatten laut seinen Erinnerungen Grund gehabt, wütend auf ihn zu sein, und nun Amita. Die noch immer neben ihm saß und ihn anlächelte. Instinktiv richtete er sich wieder auf und küsste sie. “Tut mir Leid“, sagte er leise. Amita blickte ihn überrascht an und aus so großer Nähe fiel Charlie das erste Mal auf, wie dunkel ihre Augen waren. Und er war sich sicher, dass er verliebt in sie war. “Was immer ich getan habe-“

“Nichts“, unterbrach Amita ihn rasch und legte eine Hand in seinen Nacken. “Gar nichts, Charlie“, schüttelte sie den Kopf. Sie seufzte. “Es war nur … ein vermasseltes Date. Okay? Nicht mehr.“

Er blickte Amita unentschlossen über das Dessert hinweg an und sie blickte zurück. Sie setzte an etwas zu sagen, brach jedoch ab.

“Oh!“, machte Charlie, als die Erinnerung an den Abend sich dort einfügte, wo sie hingehörte.

“Aber wir haben das geklärt“, sagte Amita.

Charlie runzelte die Stirn. “Du hast Harvard für mich aufgegeben.“

“Nein“, antwortete sie, “Charlie, ich gebe einen Posten nicht für einen Mann auf. Tut mir Leid.“ Sie lächelte. “Die CalSci hat das bessere Angebot gemacht.“ Sie strich ihm die Haare aus der Stirn. “Was nicht heißt, dass du nicht ein entscheidender Faktor warst.“

Er räusperte sich. “Also …“ Er wich ihrem Blick aus. “Keine Dates mehr.“

Amita schüttelte den Kopf. “Nein. Im Moment nicht.“

Er legte sich zurück und seufzte tief.

***

Beta 13 48 Omega 83.

Amita kniff die Augen zusammen und seufzte. Je länger sie die Zahlen und Buchstaben anstarrte, desto weniger Sinn ergaben sie. Aber sie mussten eine Bedeutung haben. Charlie sagte selten etwas, das nichts zu bedeuten hatte. Larry setzte sich neben sie an den Konferenztisch und stellte eine Tasse Kaffee für sie ab. “Vielleicht ist es eine Verschlüsselung.“

Amita runzelte die Stirn und blickte zu Larry auf. “Wofür?“

Larry seufzte. “Ich kenne Charles bereits eine lange Zeit. Er sieht die Welt anders als wir. Vielleicht ist es ein Name.“

“Es ist kein Code, den ich kenne. Keiner, den du kennst. Das hatten wir doch schon versucht.“ Ratlos schüttelte sie den Kopf. “Aber irgendetwas bedeutet es.“

“Davon ist auszugehen“, antwortete Larry. “Aber vielleicht“, und er zog einen Stapel Akten näher, “sollten wir uns erst weiter mit der Korruption beschäftigen.“

***

Er kontrollierte, ob seine Waffe geladen war, und blickte aus der Windschutzscheibe seines Wagens in die Tiefgarage des FBI-Gebäudes. Außer ihm war niemand hier unten. Als das Wegwerf-Handy auf seinem Beifahrersitz klingelte, hob er ab. “Ich wollte gerade losfahren.“

JM klang zufrieden. “Sieh zu, dass du es bald erledigst.“

“Das einzige Problem könnte sein Bruder werden.“

“Werd ihn los“, antwortete JM und legte auf.

Er seufzte und wählte eine Nummer auf dem Handy, ehe er eine Hand auf das Lenkrad legte und mit der anderen das Handy hielt. Als auf der anderen Seite abgehoben wurde, sagte er nur: “Sieh zu, dass Eppes in der nächsten Stunde das Gebäude nicht verlässt. Ich kümmere mich jetzt um seinen Bruder.“

Bei der Antwort runzelte er verärgert die Stirn. “Ist mir scheißegal, wie du das anstellst. Denk dran, dass der Professor dich ebenfalls identifizieren könnte.“ Damit legte er auf und startete den Wagen.

Kapitel 13
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