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Sherlock: Führen und Folgen (Fanfiction)

Führen und Folgen

Worte: ~ 3.000
Inhalt: Sherlock hat John nicht nur für seine Hochzeit im Tanzen unterrichtet. Tatsächlich haben sie bereits viel früher gelernt, miteinander zu tanzen. Oder: Wie Sherlock John beibrachte, zu folgen und John Sherlock zeigte, wie man führt.
Charaktere: John Watson, Sherlock Holmes
Rating: PG-13
Setting: nach Ein Fall von Pink
Beinhaltet: Sherlock und John sind ein Paar – für einen Fall
Beta: tardisjournal, danke!
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Sherlock und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Komplette Fanfiction Masterlist

***
***


Tanz: Die Kunst, sich zusammen zur Musik zu bewegen.
Freundschaft: Die Kunst, sich zusammen durch das Leben zu bewegen.



Johns Leben hatte sich verändert. Noch vor zwei Monaten war er in Afghanistan gewesen und seine Routine hatte daraus bestanden, in der Morgendämmerung aufzustehen, Seite an Seite mit der Gefahr zu leben und zu versuchen, jene zu retten, die meistens jenseits von Rettung waren. Nun lebte er in einer gemütlichen Wohnung mit einem Mann, der gerne menschliche Körperteile auf ihrem Küchentisch sezierte und mit John Verbrecher durch London jagte.

John hatte geglaubt, dass es ihm schwerer fallen würde, sich wieder an das zivile Leben zu gewöhnen und es war auch hart gewesen … bis er Sherlock begegnet war. Gleichgültig, was Mycroft glaubte, John vermisste nicht das Schlachtfeld, die militärische Disziplin oder die Angst, dass der Tod siegen könnte, während er Blutungen stillte oder Kugeln und Bombensplitter entfernte. Was er jedoch vermisste, war die Herausforderung, das Unerwartete, die Chance, mehr zu werden als der kleine, einfache Mann, den die meisten Menschen auf den ersten Blick in ihm sahen. Das bedeutete jedoch nicht, dass er nicht gerne in seinem Sessel entspannte und die Zeitung las oder dass er nicht gerne Fish & Chips im Hyde Park aß. Er mochte das einfache, normale Leben ebenso sehr.

An Sherlocks Seite bekam er beides – Aufregung und Ruhe.

Und manchmal auch Situationen wie die, in der er sich gerade befand. "Als du sagtest, wir würden an einem Ball teilnehmen, hatte ich mir das anders vorgestellt", meinte er trocken.

Sherlocks Hand auf Johns Rücken ballte sich zur Faust, zog an Johns Pullover. Er starrte ihn missbilligend an. Das tat er, seit sie angefangen hatten. Als hätte John ihn irgendwie persönlich beleidigt, als er gezögert und dann die Vorhänge zuzogen hatte ... oder vielleicht atmete er auch nur im falschen Takt. "Rückwärts", sagte er streng, versuchte, John zurückzudrängen, indem er nahe an ihn herantrat. John schluckte, versuchte, sich daran zu erinnern, welchen Fuß er benutzen musste und schaffte es nicht. Er zuckte hilflos mit den Schultern. Verärgert wiederholte Sherlock: "Rückwärts, John."

"Schon gut", erwiderte John. "Gib mir eine Sekunde."

"Die Schrittfolge ist nicht sonderlich kompliziert."

"Kompliziert genug für Laien."

Sherlock stieß genervt die Luft aus. Einen Moment lang waren nur die melodischen Klänge des Walzers zu hören. Dieser wurde jedoch vollkommen ignoriert, während Sherlock versuchte, John die Schrittfolge in einem zu hohen Tempo aufzuzwingen. John starrte auf ihre Füße hinunter und versuchte, sich von der Tatsache abzulenken, dass er sich vor einem überraschend guten Tänzer blamierte, indem er an den Fall dachte. Mycroft hatte um ihre Hilfe gebeten. Jemand hatte es ich zur Aufgabe gemacht, einige von Mycrofts Bekannten zu erpressen. Er behauptete, Beweise für Untreue, Steuerhinterziehung oder – in einem Fall – Drogenmissbrauch zu besitzen. Die diskreten Dienste von Mycrofts jüngerem Bruder waren angefragt worden und Sherlock hatte nachgegeben, als Mycroft ihm schließlich schriftlich zugesichert hatte, ihm etwas schuldig zu sein.

Mycroft vermutete, dass der Erpresser ein Insider war und nachdem er sich die Briefe angesehen hatte, glaubte Sherlock dasselbe. Das bedeutete, dass jemand aus Londons besserer Gesellschaft gerne andere Mitglieder dieser besseren Gesellschaft terrorisierte. John hatte zu dieser Schlussfolgerung nur eine Augenbraue gehoben und etwas gemurmelt, auf das Mycroft mit einem schockierten Blick reagiert hatte. Und nun musste John innerhalb weniger Stunden lernen, wie man tanzte, weil Sherlock am Abend einen Ball besuchen wollte, an dem viele potentielle Verdächtige teilnehmen würden.

"Rückwärts, John!"

"Gott!" John ließ los und wollte zurücktreten, aber Sherlocks Hand klammerte sich immer noch in seinen Pullover und hielt ihn auf.

Sherlocks Blick war entschlossen. "Wir hören jetzt nicht auf."

"Ich brauche eine Pause. Wir sind seit Stunden am Üben."

"Gerade mal eine halbe Stunde."

John verschränkte die Arme. "Kommt mir wie Stunden vor. Du bist kein sehr guter Lehrer."

Sherlocks Augen verengten sich. "Du bist ein furchtbarer Schüler."

Sie starrten einander einen Moment lang an, beide entschlossen. Dann hob John die Hände und beschloss, der bessere Mann zu sein, bevor diese Situation in einer weiteren 'Hygiene versus Experimente'-Diskussion enden konnte, nach der er etwa die Hälfte seiner mageren Pension in eine neue Mikrowelle hatte investieren müssen. Er ließ sich in seinen Sessel fallen und griff seine Zeitung vom Beistelltisch. "Dann nimm jemand anderen mit. Ich weiß sowieso nicht, was ich da soll. Ist nicht meine Szene."

Sherlock sah aus, als wäre er einem Trotzanfall sehr nahe. Noch vor zwei Monaten hätte John dieses Wort niemals in Verbindung mit einem Erwachsenen verwendet, aber es passte zu Sherlock, wenn der nicht bekam, was er wollte. Er starrte John entrüstet an, schnaubte und sagte: "Es ist doch nur ein Tanz."

Seine Worte reizten John nur mehr. Für ihn waren seine Gründe offensichtlich. "Es ist nicht nur ein Tanz, Sherlock. Es ist ein feiner, teurer Ball."

Sherlock winkte ab. "Um Geld musst du dir keine Gedanken machen. Mycroft übernimmt das."

"Darum geht es nicht."

"Ich weiß, worum es geht und es ist irrelevant. Du begleitest mich. Sie werden dich nicht darum bitten, zu gehen, weil du der unteren Mittelklasse entstammst. Außerdem werde ich sichergehen, dass es niemand bemerkt."

"Charmant", sagte John. Er schüttelte den Kopf. "Du solltest mit jemand anderem gehen. Jemandem, der etwas ..." John machte eine unbeholfene Geste.

Sherlock hob eine Augenbraue und machte Johns Geste spöttisch nach. "Etwas ...?"

"Plausibler erscheint", meinte John.

"Und damit meinst du eine Frau."

John stieß die Luft aus. Das hatte er nicht sagen wollen. Nicht, wo Sherlock doch vielleicht … oder war er es nicht?

Wenn John ehrlich war, wusste er nicht, welches Geschlecht Sherlock bevorzugte. Meistens schienen ihn weder Männer noch Frauen sonderlich zu interessieren. Es war John ein Rätsel. Nicht, dass Sherlock asexuell sein könnte, sondern, dass er jede Art von menschlicher Beziehung scheinbar vollkommen zurückwies. Soweit er wusste, war er der einzige, den Sherlock vielleicht einen Freund nennen würde. John jedenfalls betrachtete Sherlock als einen. Wie konnte er das nicht? Trotz seiner ständig wechselnden Launen, trotz der Experimente in der Küche und der kalten Arroganz war Sherlock doch der brillanteste und interessante Mensch, dem John jemals begegnet war.

Er senkte die Zeitung und faltete sie wieder zusammen, während er erklärte: "Wir würden nur Aufmerksamkeit auf uns ziehen und eigentlich wollten wir doch subtil an Informationen kommen."

"Die Tarnung ist genau, was wir brauchen", erwiderte Sherlock und faltete die Hände auf dem Rücken. John konnte das amüsante Bild nicht unterdrücken, das ihm durch den Kopf schoss: Sherlock in einem Frack, der Smalltalk mit Londons Oberklasse machte. Er unterdrückte ein Grinsen, denn das Bild passte nicht ganz. Es war wahrscheinlicher, dass Sherlock in einer Ecke stehen und jeden verärgert anstarren würde. Er wusste, dass Sherlock ebenso wenig dorthin gehen wollte wie er selbst, aber wenigstens schien Sherlock mit dieser Art Veranstaltung aufgewachsen zu sein. Zumindest vermutete John das … Sherlock musste für seinen Lebensunterhalt jedenfalls nicht zwingend arbeiten.

John auf der anderen Seite war noch nie bei einer solchen Veranstaltung gewesen. Er hatte auch nie tanzen gelernt. Als er ein Teenager gewesen war, waren manche seiner Freunde in der Tanzschule gewesen, doch John hatte das nicht interessiert. Sein Lächeln war seiner Meinung nach ausreichend gewesen, um die Aufmerksamkeit von Mädchen zu erregen.

Die Bedeutung von Sherlocks Worten drang nun zu ihm durch und er runzelte die Stirn. "Du willst Aufmerksamkeit erregen?"

"Die Begleitung einer Frau würde mir sicherlich helfen, mich anzupassen, aber in diesem Fall wäre das nicht sehr produktiv. Der Ball ist eines der größten jährlichen Ereignisse in London und über 500 Gäste werden erwartet. Es würde zu lange dauern, mit genug von ihnen zu sprechen, um den Erpresser zu finden. Es ginge schneller, wenn du mich begleiten würdest."

"Indem wir Aufmerksamkeit erregen?"

"Ein homosexuelles Paar auf einem bekannten Ball", meinte Sherlock herausfordernd und klang dabei leicht frustriert angesichts Johns angeblicher Dummheit. John hatte bereits vor Tagen aufgehört, diesen Tonfall persönlich zu nehmen. Er wusste inzwischen, dass Sherlock so ziemlich jeden als intellektuell weit unter sich betrachtete – und der verdammte Mistkerl hatte damit wahrscheinlich auch noch recht. Sherlock sah ihn an, wartete auf die Erleuchtung.

John seufzte und schüttelte den Kopf.

"John, die Menschen werden mit uns gesehen werden wollen. Wir leben in Zeiten, in denen die Freundschaft mit einem homosexuellen Paar eine gewisse Glaubwürdigkeit verleiht. Es ist modern, Homosexuelle in der Mitte der Gesellschaft zu akzeptieren. Besonders in den höheren Klassen. Die Menschen sehen sich gern als tolerant und gebildet und übersehen dabei, dass ihre Beweggründe eher beleidigend sind."

“Also”, schloss John, ”denkst du, dass der Erpresser uns bemerken wird, weil wir … so eine Art Highlight der Party sind? Und dass er zu uns kommt, um uns kennenzulernen und vielleicht zu erpressen?"

"Ja."

"Aha."

Obwohl Sherlock sich von anderen Menschen fernhielt, wusste er doch beunruhigend viel über menschliche Verhaltensweisen.

Nun streckte er eine Hand in Johns Richtung aus, die Handfläche nach oben. "Wollen wir dann fortfahren? Ein Tanz ist die beste Möglichkeit, von allen bemerkt zu werden."

John seufzte und akzeptierte die Aufforderung, ließ sich aus seinem Sessel ziehen. "Ich denke noch immer, dass das eine schlechte Idee ist." Sherlock hielt Johns Hand auf Schulterhöhe und legte seine rechte auf Johns Hüfte, ließ sie nach oben zu seinem Schulterblatt gleiten, als John näher trat. John hielt etwas mehr Distanz zwischen ihnen als nötig, da er seine Schritte beobachten wollte. Seine freie Hand legte er auf Sherlocks Schulter. "Warum darfst du führen?"

"Weil du nicht tanzen kannst und weil ich größer bin.”

”Richtig.”

”Rückwärts.”

John sah auf seine Füße hinab und gehorchte. "Worüber wird auf solchen Bällen denn geredet?"

"Da fällt mir ein, dass es in deinem Fall vielleicht am besten wäre, zu schweigen."

John trat Sherlock auf den Fuß … nicht ganz unbeabsichtigt. "Oh", sagte er, als Sherlock das Gesicht verzog und zusammenzuckte. "Das tut mir aber leid."

"Kläglich", erwiderte Sherlock mit einem bösen Blick und zog John vorwärts, um den Tanzschritt zu vollenden.

John verzog das Gesicht und hob die Schultern, um Sherlocks festen Griff in seinem Pullover etwas zu lockern. "Ich weiß nicht, was du meinst."

Sherlock hielt Johns Hand etwas fester. "Versuchen wir es etwas schneller, zur Musik." Was einer Bestrafung so nahe kam, wie es Sherlock in dieser Situation möglich war.

John versuchte es. Das tat er wirklich. Immerhin ging es hier auch um seinen Stolz. Doch er konnte sehen, dass Sherlock ein Augenrollen unterdrückte und fragte sich, ob es ein gutes Zeichen war, dass er es nicht offen zeigte. Trotzdem ärgerte es ihn. "Du bist nicht gerade hilfsbereit", schnappte John.

"Wie sollte ich dir noch helfen? Ich habe dir die Schritte gezeigt."

John stoppte und trat einen Schritt zurück, verschränkte die Arme. "Sherlock, beim Tanzen geht es nicht nur um die Theorie oder Technik. Es geht auch um den Partner."

"Soll heißen?"

"Zeig etwas Verständnis, okay?"

Die Musik stoppte.

Sherlock stieß die Luft aus und fuhr sich mit einer Hand durch die Haare. "Wie kann das so schwer für dich sein? Im Prinzip ist es doch wie Gehen."

"Für dich vielleicht. Dein Lehrer musste es dir wahrscheinlich nur ein Mal zeigen und du konntest es schon.”

”Ich hatte keinen Lehrer.”

”Dann dein Partner.”

Sherlock schüttelte den Kopf. ”Ich habe es mir selbst beigebracht.” Er zuckte mit den Schultern und wandte sich dem Laptop zu, um die Musik erneut abzuspielen. ”Das mache ich immer.”

John starrte ihn an. "Hast du jemals mit jemand anderem getanzt? Jemals?"

Sherlock verstellte die Lautstärke. "Ich musste es nie."

John schluckte. Er dachte, dass das ein bisschen traurig war, doch es stärkte nur den Eindruck, den er von Sherlock hatte. Sally, Lestrade, Mrs. Hudson, Mycroft und sogar Sherlock selbst hatten mehrmals angedeutet, dass Sherlock immer allein gewesen war. John fragte sich, wie so etwas passieren konnte. Abgesehen von seinen nervigen Angewohnheiten und seiner Arroganz war Sherlock eigentlich ein guter Mensch.

Er räusperte sich, zögerte. Er wusste, Sherlock würde jede Art von Mitgefühl nur zurückweisen, also erwiderte er nur: "Deshalb benimmst du dich also wie ein Arsch."

Sherlock wandte sich wieder zu ihm um und legte den Kopf etwas schief. Ein leichtes Lächeln zog an seinen Mundwinkeln. Er trat näher und nahm die klassische Tanzstellung ein.

John seufzte. "Denkst du nicht, dass ich dir genug auf die Füße getreten bin?"

"Ich lasse es dich wissen, wenn es so ist", antwortete Sherlock ernst. "Du bist zu angespannt", sagte er dann, wieder ganz der Lehrer. "Entspann dich etwas."

”Ist ein bisschen schwer, wenn du so hohe Erwartungen an mich stellst.”

”Meine Erwartungen sind nicht allzu hoch.”

John runzelte die Stirn. ”Danke … denke ich.”

Sherlock positionierte seine Hände neu und zog ihn näher. "Versuchen wir es so. Ich kann dich so besser führen. Wir werden den Abstand später wieder vergrößern."

John seufzte. "So kann ich meine Füße nicht sehen.”

“Das sollst du auch nicht. Sieh nicht nach unten. Schau in meine Augen.”

”Ich werde nicht sehen, wo ich hintrete.”

”Folge mir einfach. Denk nicht darüber nach.”

"Sagt sich so einfach."

Sherlock lächelte. "Schließen deine Vertrauensprobleme das Tanzen mit ein?"

John verdrehte die Augen. "Halt die Klappe."

”Konzentriere dich.”

Eine Weile lang bewegten sie sich langsam. Sherlock führte John, indem er ihn nahe bei sich hielt und John fand es einfacher, den Bewegungen so zu folgen: Sherlock drückte ihn leicht rückwärts oder zog ihn vorwärts, deutete den nächsten Schritt mit seinen Augen an und nickte, wenn John es richtig machte. John fand, dass er sich noch immer etwas steif bewegte, aber er trat nicht mehr ganz so oft daneben und bald schon tanzten sie zur Musik.

"Viel besser", sagte Sherlock schließlich und vergrößerte den Abstand zwischen ihnen wieder zur klassischen Haltung.

John lächelte erleichtert. "Wir können es doch."

Sherlock schüttelte den Kopf. "Es ist nicht perfekt."

"Das muss es nicht sein. Die besten Dinge sind es nie.” John zuckte mit den Schultern. “Außerdem gewöhnen wir uns noch aneinander. Ich habe noch nie mit einem Mann getanzt. Du hast noch nie mit irgendjemandem getanzt."

Sherlock presste seine Lippen zusammen und bewegte sich etwas schneller, zog John mühelos in eine Drehung. John war noch immer erstaunt darüber, wie gut er damit klargekommen war, als Sherlock erwiderte: "Allein ist es leichter."

"Es ergibt keinen Sinn, es allein zu machen", sagte John.

Sherlocks Hand auf seinem Schulterblatt ballte sich zur Faust und entspannte dann wieder. "Niemand hat mich je aufgefordert."

"Du bist etwas unnahbar." John verzog das Gesicht, als er wieder auf Sherlocks Fuß trat. "Entschuldige. Das sollte nicht mehr passieren."

”Schon in Ordnung.” Sherlock sah auf ihre Füße hinunter. "Du bist jetzt viel besser. Ich denke, gut genug."

John zwinkerte ihm zu. "Wie wäre es mit einer Fallfigur, Liebling?"

Sherlock unterdrückte das verärgerte Augenrollen dieses Mal nicht. "Sei nicht albern."

John lächelte scherzend. "Wir sind doch aber angeblich ein Paar."

"Und da du dich immer schnell angegriffen fühlst, wenn deine Sexualität in Frage gestellt wird, sollten wir bei den Grundschritten bleiben."

Johns Lächeln wurde breiter. "Es ist doch nur für einen Fall. Wir tun nur so. Könnte Spaß machen."

Er freute sich nun beinahe darauf. Er hatte bereits gesehen, wie leicht es Sherlock fiel, in Rollen zu schlüpfen. Er war sehr gut darin und es schien ihm Spaß zu machen. John wollte es ebenfalls ausprobieren. Und es gab keine bessere Gelegenheit, als in einem Raum voller Menschen, die er nie wieder sehen würde. Und es gab auch keine bessere Gelegenheit, Sherlock etwas aus dem Konzept zu bringen, indem er vielleicht die Worte 'Hochzeit' und 'Adoption' fallen ließ.

Sherlock wirkte nun nachdenklich. "Denkst du, wir sollten eine Fallfigur einbauen?"

John lachte leise. ”Nein, das vielleicht nicht.” Er stoppte, stellte sich auf die Zehenspitzen und drückte einen kurzen Kuss auf Sherlocks Lippen.

Sherlock reagierte nicht, er starrte ihn nur an. ”Du hast mich geküsst.”

”Brillante Schlussfolgerung, ja”, erwiderte John.

Sherlock schien das einen Moment lang zu überdenken. ”Ich verstehe etwas nicht”, sagte er schließlich und wirkte so verwirrt, dass John Erbarmen zeigte.

”Bloß, weil ich nicht schwul bin, heißt das nicht, dass ich nicht für einen Fall so tun kann. Ich habe kein Problem damit, dich zu küssen … für einen Fall.”

Sherlocks Gesicht hellte sich auf und John konnte sehen, wie sich eine Idee in seinen Augen formte.

”Nur auf die Lippen!”, unterbrach er, bevor Sherlock irgendwelche verrückten Ideen bekommen konnte, die ihrer Rolle noch mehr Glaubwürdigkeit verleihen würden.

Sherlock nickte, aber er wirkte etwas enttäuscht. ”Ich denke, du hast Recht. Küssen sollte … dem mehr Glaubwürdigkeit verleihen.” Er hielt inne. “Wir sollten uns auch berühren.”

John nickte. "Ich könnte die Führung darin übernehmen”, sagte er. ”Ich weiß ...” Er hielt inne, nicht sicher, ob er es sagen sollte, doch dann entschied er sich dafür. ”Ich weiß, wie man sich als Paar benimmt.”

Sherlock nickte knapp und John fragte sich wieder, wie sein Liebesleben wohl aussah. Sherlock legte die Hände auf die Hüften. ”Ich glaube, du könntest tatsächlich ganz nützlich sein, John.”

Dieser Bastard! Seine Komplimente klangen immer wie Beleidigungen.

John seufzte. ”Nun, du kennst dich in der Theorie aus, ich bringe praktische Erfahrung mit."

"Allerdings."

"Könnte dir helfen", konnte John nicht widerstehen. "Ich glaube, du brauchst etwas Übung."

"Im Tanzen? Das bezweifle ich."

"Im Tanzen mit anderen", korrigierte John. "Lass es uns noch ein Mal versuchen.” Er streckte eine Hand aus. "Sollen wir?"

Sherlock spielte erneut das Stück ab, zu dem sie gerade getanzt hatten. Dann runzelte er die Stirn. "Ich sollte dich fragen. Immerhin führe ich."

John lächelte. "Na schön."

Sherlock streckte die Hand aus. "Möchtest du tanzen?"

John nahm die Einladung an. "Und ich dachte, du würdest nie fragen."


ENDE
04/14

Komplette Fanfiction Masterlist


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