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Torchwood: Überlebende (Fanfiction)

Überlebende

Worte: 1.851
Inhalt: “Dir sollte es nie leid tun, dass du überlebt hast.”
Charaktere: Ianto Jones, Jack Harkness
Pairing: Jack/Ianto
Rating: PG
Spoiler: Kiss Kiss Bang Bang
Setting: Season 2, etwas nach Kiss Kiss Bang Bang
Warnungen: Dunkel, traurig
Anmerkung: Geschrieben für den Prompt #05 – Dunkelheit auf redisourcolor . Das hier ist das dunkelste dass ich je geschrieben habe. Ich fange gerade erst an, mit dieser Art von FF zu spielen.
Feedback: Brauche ich wie Luft zum Atmen.
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

***
***


Sie kam leise, schlich sich an ihn heran in diesen stillen Stunden, wenn er zu Hause war und putzte oder fern sah. Er konnte nie vorher sagen wann sie ihn das nächste mal überfallen würde, ihm den Atem stahl, ihn krank machte, bis er in Tränen ausbrach und sich in der Dunkelheit versteckte, wo niemand ihn sehen konnte. Wo Jack ihn nicht sehen konnte. Sie war eine Mischung aus Traurigkeit und Depressionen, Trauer und Hysterie, Schmerz und Angst. Sie war das eine große Geheimnis, das er vor jedem, auch vor Jack, verbarg. Und er hatte nicht mal einen Namen dafür.

Ianto starrte in die Dunkelheit des Archivs, die Beine an den Körper gezogen und die Arme darum gewickelt. Doch trotz der Dunkelheit konnte er sie noch immer sehen.

Ein Lichstrahl traf den Boden, jagte die Dunkelheit davon und machte aus den Regalen und Akten-Containern Scherenschnitte.

“Ianto?“

Das Licht flackerte kurz und blendete ihn dann. Ianto schloss die Augen.

“Ianto?“

Jack würde ihn in seiner Ecke nicht sehen können. Er war zu weit weg von der Tür und versteckt hinter Regalen und staubigen Kisten.

“Ich weiß, dass du hier bist.“

Ianto ließ die Stille in der Luft hängen, rieb sich die feuchten Augen und legte den Kopf auf seine Knie. Jacks Schuhe machten ein Geräusch auf dem Zement. Ianto hörte ihn weiter in den Raum hinein treten.

“Spielen wir Nackt-Verstecken? Es wäre fair, mich das wissen zu lassen.“

Tränen liefen Iantos Wangen hinunter und er wischte sie wütend weg.

Schreie.

Ianto schloss mit einem erschrockenen Keuchen die Augen und zog seine Beine näher, als könnte das die Erinnerungen vertreiben. “Mach das Licht aus. Geh weg“, sagte er leise. Es gab so viele Dinge, die er nicht über Jack wusste, aber das hier … das hier war etwas, das Jack nicht über ihn wusste und nun, da der Captain dabei war, es herauszufinden, schämte Ianto sich.

Feuer. Blut.

“Wie bitte?“, antwortete Jack, eindeutig beleidigt.

Leere Augen. Kalte Haut. Tod.

“Mach das Licht aus!“, schrie Ianto und verlor das “Verschwinde” in einem Schluchzen.

Jack schaltete das Licht aus. Er zog sogar die Tür an, sodass nur noch wenig Licht vom Korridor in das Archiv fiel. “Ianto? Wo bist du?“ Er klang jetzt besorgt. Eine Taschenlampe wurde angeknipst – die, die Ianto für Notfälle neben der Tür aufbewahrte – und seine Schritte wandten sich schnell und entschlossen Iantos Versteck zu.

Ianto wollte, dass er weg ging und kniff die Augen zusammen. Er wollte woanders sein, wollte ...

“Dachte ich es mir“, murmelte Jack, nun ganz dicht, und er stoppte. “Warum versteckst du dich hier unten?“

28.

“Warum folgst du mir?“, antwortete Ianto, hielt die Augen geschlossen. Doch sogar durch die Augenlider konnte er das Licht der Taschenlampe wahrnehmen. Es zerstörte den wenigen Trost, den die Dunkelheit brachte.

“Ich dachte mir, ich probiere mal diese fester Freund-Sache aus? Da du jetzt seit drei Stunden verschwunden bist und niemand weiß wohin. Und wir daten. Also … ist es meine Pflicht, nach dir zu sehen.“

“Tut mir leid so eine Last zu sein.“

Für ein oder zwei Sekunden schwieg Jack schockiert.

“So habe ich das nicht gemeint. Du weißt, dass ich ...“ Jack stieß frustriert die Luft aus. “Was ist los?“

“Nichts“, antwortete Ianto. Er hörte das Rascheln von Stoff und das leise Ächzen des Leders von Jacks Schuhen und er konnte sich denken, dass der Captain vor ihm hockte, verwirrt.

“Also sitzt du hier im Dunkeln und weigerst dich, deine himmlisch blauen Augen zu öffnen, weil ...“ Jack wartete darauf, dass er den Satz beendete.

Ianto wollte nicht. Er wollte allein sein.

“Ianto?“ Eine Hand legte sich sanft auf seine Wange.

Ianto drehte den Kopf weg und erstickte ein Schluchzen, überfordert von der Geste.

Jack flüsterte, “Cariad?“

Und Ianto brach. Ehe er wusste, was geschah, hatte Jack die Taschenlampe fallen gelassen. Sie schlug mit einem Klappern auf dem Boden auf, während Jacks Hände Iantos Schulten ergriffen und ihn an sich zogen.

Er weinte in Jacks Schulter, in Jacks Armen.

“Was ist los?“, fragte Jack. Seine Stimme verriet, dass er ratlos war. “Was ist los?“

Ianto hasste sich für seine eigene Schwäche und versuchte, ihn weg zu stoßen. “Du solltest nicht hier sein.“

Jack zog ihn zurück in seine Arme und hielt ihn fest, obwohl Ianto weiterhin versuchte zu entkommen.

“Ich denke schon.“

“Nein“, antwortete Ianto und kämpfte gegen Jacks Griff. Sein Fuß traf die Taschenlampe und sie rollte unter eines der Regale, tauchte die Szene in eine Fast-Dunkelheit. Ianto brach in Jacks Armen zusammen und der Captain zog ihn näher, bis Ianto fast auf seinem Schoß saß, sein Gesicht in Jacks Schulter und seine Arme um Jacks Hals. Jack lehnte sich an das Regal hinter ihm. “Es ist okay“, flüsterte er. “Was auch immer es ist.“

“Ist es nicht“, weinte Ianto, klammerte sich an Jacks Hemd und starrte in seine Augen. Er war wütend, dass Jack überhaupt andeuten könnte, alles sei in Ordnung. In diesem Moment bemerkte er, dass Tränen in Jacks Augen standen.

“Ianto.“

Auch in Jacks Stimme waren Tränen. Ianto legte seinen Kopf auf Jacks Schulter und klammerte sich an ihn. Ein Kuss berührte seine Schläfe, Finger fuhren durch Iantos Haare und so saßen sie lange da.

Schließlich flüsterte Ianto: ”Ich will tot sein.” Er konnte ein erschrockenes Keuchen von Jack spüren.

”Ianto ...”

”Ich sollte tot sein.”

“Sag das nicht“, antwortete Jack. Er küsste Iantos Stirn und dann seine Lippen. “Sag das nicht!“ Er legte sein Kinn auf Iantos Kopf. ”Sag das nie wieder. Ich brauche dich. Ich brauche dich!”

Schreie zerschnitten die heiße Luft. Überall Feuer. Blut an seinen Händen, auf seiner Kleidung. Leere Augen starrten ihn an, während seine Finger nach einem Puls suchten, nach Leben unter der kalten Haut. Tot. Alle außer 28 Leute.

Ianto schluchzte.

”Worum geht es hier?”, fragte Jack.

Ianto versteckte sein Gesicht in Jacks Schulter.

Jack gab ihm ein paar Minuten, dann fragte er leise: ”Lisa?”

Ianto schüttelte den Kopf.

”Was dann?”

Ianto starrte auf eine Kiste, auf der 1938 stand, und flüsterte: ”Canary Wharf.”

Jack küsste Iantos Kopf. Er wusste, dass die Schlacht seinen Freund noch immer heimsuchte.

Ianto wischte sich über die Augen, aber neue Tränen ließen seine Sicht sofort wieder verschwimmen. ”Wir waren 823 Leute. 28 Überlebende.”

Jack kannte die Zahlen. Er hatte sie immer und immer wieder gelesen, als er endlich den offiziellen Bericht in seinen Händen gehalten hatte, unfähig, den enormen Verlust zu begreifen. UNIT hatte 467 Tote gezählt und 356 Vermisste. Aber …

”Im Bericht war von nur 27 Überlebenden die Rede.”

”Ich habe Lisa mitgezählt”, antwortete Ianto. ”Ich habe sie vermisst gemeldet, deshalb stand sie nicht auf der Liste der Überlebenden. Offiziell gab es nur 27 von uns. Sie haben gesagt, wir hätten Glück gehabt. Glück.”

Jack festigte seinen Griff und verstand langsam, was Ianto so traurig machte. ”Du hast überlebt. Das ist gut.”

”Ist es nicht”, antwortete Ianto schwach. Er war erschöpft und Jacks warmer Körper an seinem, die starken Arme um ihn … er wurde müde. ”Schau, was es dir gebracht hat.”

Überlebende fühlten sich schuldig. Jack kannte das Phänomen nur zu gut. Es war auch sein ständiger Begleiter. ”Genau das mache ich. Es hat mir dich gebracht.”

”Ich habe dich betrogen, Lisa hergebracht und euch alle beinahe getötet.”

Jack hob sanft Iantos Kinn an. Die Taschenlampe verbreitete genug Licht, um Iantos müde und gerötete Augen zu sehen. ”Aber das hat sie nicht und wir haben das hinter uns gelassen und schau, was es mir gebracht hat – einen leidenschaftlichen, freundlichen, tapferen und süßen Mann in seinem Bett und in meinem Leben. Einen Begleiter und Geliebten.”

Neue Tränen sammelten sich in Iantos Augen.

Jack lehnte ihre Stirn aneinander. ”Ich bin froh, dass du überlebt hast.” Er drückte seine Lippen auf Iantos und vertiefte den Kuss, als der jüngere Mann leise stöhnte und den Mund öffnete. Er schmeckte Tränen und Verzweiflung und Ianto zog ihn näher. Jack brach den Kuss und lehnte seine Wange an Iantos Schläfe. Er spürte, dass der jüngere Mann zitterte und wurde an ihren Aufenthaltsort erinnert. An das defekte Heizungssystem. Er versuchte, sich von Ianto zu lösen und ihm beim Aufstehen zu helfen, aber sein Freund hielt ihn fest. “Nicht. Noch nicht. Bitte ...“

Jack nickte langsam. “Okay. Ich bin hier, solange du mich brauchst.“

***

Es kam plötzlich, zuckte durch seinen Körper mit einer ungeheuren Gewalt. Er konnte niemals vorhersagen, wie sehr es beim nächsten Mal wehtun würde oder ob es ein nächstes Mal geben würde. Es erstickte ihn, bereitete ihm Übelkeit und die einfachsten Dinge wurden wichtig. Atmen, kämpfen, die Suche nach Wärme. Es tat weh und nahm ihm etwas, machte ihn verletzlich und klein, schwach und traurig. Es war das eine große Geheimnis, dass er vor jedem haben wollte, aber von dem jeder in seiner Nähe irgendwann erfuhr. Und es gab nur ein Wort dafür.

Jack war ein Überlebender … und es war ein Fluch.

”Ist okay.” Wärmer Atem streifte seine Wange und da waren Arme um seinen Brustkorb. Ein starker Herzschlag. Jack drückte seinen Kopf an Iantos Brust, konzentrierte sich auf das beruhigende Geräusch. Wind zerrte an seiner Kleidung. Sie waren draußen, umringt von verlassenen Lagerhäusern. Der Himmel war grau.

”Was?”, fragte er.

”Der Weevil war nicht allein”, sagte Ianto leise, wusste, wie sehr Jack eine Erklärung brauchte. Manchmal erinnerte er sich. Manchmal nicht.

”Ein anderer hat dich von hinten angesprungen.” Die nächsten Worte wurden von einem Schluchzen zerrissen. ”Hat deine Kehle raus gerissen.”

Jack fühlte nichts. Es gab eine Zeit, da hatten ihn seine vielen Tode erschreckt. Nun war er daran gewöhnt. Es war nur eine weitere Erinnerung für ihn. Für Ianto nicht. Jack wandte dem jüngeren Mann seine ganze Aufmerksamkeit zu. ”Hast du es gesehen?”

Ein Nicken und Jack setzte sich etwas auf, wickelte einen Arm um Iantos Schultern und zog ihn näher. Ianto wurde blass und Jack bemerkte, dass sein Hemd und sein Mantel voller Blut waren. Sein Blut. Iantos Mantel war auch damit befleckt und Iantos Hände waren rot verschmiert. Sogar sein Gesicht, wo er sich die Tränen von den Wangen gewischt hatte.

Jack war daran gewöhnt.

Ianto nicht. Er würde es nie sein. Und das brach Jack das Herz.

”Komm her.” Er zog Ianto in eine enge Umarmung. Ihm war es egal, dass sie auf dem schmutzigem, nassen Boden knieten und dass nur wenige Meter entfernt zwei tote Weevils lagen.

”Es tut mir leid”, flüsterte er, spürte Tränen auf seinen Wangen.

Ianto schüttelte den Kopf. ”Nicht. Dir sollte es nie leid tun, dass du überlebt hast.” Er drückte seine Stirn in Jacks Halsbeuge. ”Ich brauche dich.”

”Ich dich auch”, antwortete Jack.

Es bedeutete alles. Es bedeutete Ich liebe dich, Ich passe auf dich auf und Ich will dich. Es war alles, was sie brauchten.

Ianto seufzte. ”Ich bleibe solange du mich brauchst.”


ENDE
07/10

Komplette Fanfiction Masterlist

Comments

( 3 comments — Leave a comment )
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jolinarjackson
Sep. 2nd, 2010 05:06 pm (UTC)
Das war schnell reagiert. :) Danke.
ravenja1170
Sep. 8th, 2010 04:03 pm (UTC)
wunderschön! Die Parallelen, die du ziehst sind auch schön - beide geplagt durch das Überleben, beide füreinander da ... Toll!
jolinarjackson
Sep. 9th, 2010 04:25 pm (UTC)
Danke. :)
( 3 comments — Leave a comment )