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Stargate Universe: Anführer (Fanfiction)

Anführer

Serie: Destinys Gesichter (Masterlist)
Inhalt: “Und jeder hier lügt.“ Eli zog die Schultern hoch und blickte Everett fest in die Augen. “Jeder.“ Damit wandte er sich ab und ging. Everett hörte seine Schritte verhallen und fragte sich, wieso er Elis Vertrauen so leichtfertig weg geworfen hatte.

Rating: PG
Spoiler: Justice
Setting:
nach Justice
Beta: sheneya
 - danke!

Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Stargate Universe und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Diese Fanfiction enthält massive Spoiler für die Episode Justice!

Destiny's Gesichter Masterlist


Er hatte viele Dinge getan, die er nicht tun wollte.

Ein Leben lang war er der gehorsame Soldat gewesen und es hatte ihn weit gebracht.

Doch in letzter Zeit bröckelte die saubere Fassade der Institution, an die Everett glaubte, seit er 19 Jahre alt war. Es war nicht nur O’Neill – der General wirkte selbst eher wie ein Spielball zwischen IOA und Präsident – es war auch alles, was hier passierte, an Bord der Destiny.

Er hatte Menschen getötet in seinem Leben als Soldat. Im Krieg oder in einer Situation, in der sein eigenes Leben auf dem Spiel stand. Oder auf Befehl hin, mit dem bitteren Nachgeschmack auf der Zunge, dass er das Falsche getan hatte. Aber er hatte nie gemordet. Bewusst einen Menschen angesehen und ihn mit einer Bewegung zum Tode verurteilt.

Er hatte keinen Abzug gedrückt. Er hatte sich nur umgedreht und war gegangen.

Das Ergebnis war dasselbe.

Everett hatte Rush getötet. Der Wissenschaftler lag irgendwo auf einem Sandplaneten und verhungerte, verdurstete, ohne die Chance, jemals auf die Destiny zurückzukehren …

Everett stöhnte auf und drückte die Handballen in seine Augen, versuchte, die Übelkeit hinunter zu kämpfen, die bei dem Gedanken hochkam.

Was für ein Anführer war er eigentlich? So wollte er Konflikte in Zukunft lösen?

Was Rush getan hatte, war falsch gewesen. Aber das machte Everetts Tat nicht richtig. Seine Frau Emily wäre so enttäuscht von ihm. Er war auf Rushs Level gesunken und er konnte nicht mal behaupten, dass er es zum Wohle der Gemeinschaft getan hatte. Rush war wichtig für sie gewesen. Er hatte die Destiny am besten verstanden und am meisten über die Antiker gewusst, die Sprache beherrscht wie kaum ein anderer an Bord.

Rush war tot.

“Colonel.“

Everett blickte auf, die Ellbogen auf seinen Schreibtisch gestützt, und erkannte Eli in seiner Tür. Er räusperte sich. “Was gibt’s?“

“Ich habe mich gefragt …“

Eli trat ein, als Everett ihn näher winkte, blieb ein paar Schritte von seinem Schreibtisch entfernt stehen und vergrub die Hände in den Taschen seiner Jacke.

“… ob Sie irgendetwas über das Raumschiff raus gefunden haben.“

“Nein“, sagte Everett rasch und warf Eli ein kurzes Lächeln zu, das nicht erwidert wurde.

Eli hatte Rush gemocht – wenigstens zu ihm als brillanten Wissenschaftler aufgeblickt. Sie hatten einander erstaunlich nahe gestanden, wenn man bedachte, dass Rush ein manipulativer Mistkerl und Eli ein netter Junge war. Rush schien Eli tatsächlich gemocht zu haben.

Und Everett hatte ihn umgebracht.

“Die Lawine … Dr. Rush hat mir etwas über das Schiff sagen wollen, als sie runterkam. Also …“ Er räusperte sich wieder. “Nein.“

Der Junge starrte ihn an.

“Sonst noch was, Eli?“, fragte Everett ungeduldig.

“Nein“, antwortete er, “nur … gute Besserung.“

Everetts Finger strichen über das Pflaster an seiner Stirn. “Danke.“

Eli wandte sich ab und war schon an der Tür, als er sich wieder umdrehte. “Eins noch. Wie konnten Sie entkommen?“

Er wusste es.

Everett schluckte. “Das sagte ich doch … Dr. Rush …“

Eli nickte zögerlich. “Sicher. Aber haben Sie nicht versucht, ihm zu helfen? Er kann nicht … er kann nicht gleich tot gewesen sein. Die Steine dort waren nicht so groß.“

Eli wusste es.

Natürlich. Everett kannte seine Akte. Der Junge war nicht dumm – alles andere als das. Manchmal vergaß Everett diese Tatsache, wenn Eli seinen Befehlen gehorchte wie ein braver kleiner Soldat, der er eigentlich nicht war, oder wenn er seine KINO-Aufnahmen verteidigte.

Tatsächlich war Eli ein mathematisches Genie. Logisches Denken lag ihm. Everett und Rush hatten sich gehasst, das war allgemein bekannt gewesen. Rush hatte Everett eine Mordanklage angehängt. Everett hatte das herausgefunden.

Und er kam alleine von einem Planeten zurück, auf dem nur noch er und Rush gewesen waren. Man musste kein Genie sein, um nicht zumindest zu vermuten, dass mehr vorgefallen war als eine Steinlawine. Die anderen vermuteten möglicherweise nichts, weil sie Rush gehasst hatten.

Aber Eli … Eli durchschaute ihn.

“Er ist blöd gefallen, Eli. Ich hatte keine Zeit mehr. Die Zeit lief mir davon.“

Eli senkte den Blick. Er wandte sich ab.

“Eli …“, sagte Everett. Der junge Mann blieb stehen und drehte sich wieder zu ihm um. Sein Gesichtsausdruck zeigte nur eine Spur Trauer, dominiert von viel Unsicherheit und vor allem Enttäuschung.

Everett wusste nicht, wie er es schaffte, dass Menschen ihn immer wieder so ansahen. Sein Vater, als er verkündet hatte, er würde nicht Medizin studieren, sondern zum Militär gehen. TJ, als er ihr sagte, dass er seine Frau nicht verlassen könne. Emily, als er ihr sagte, dass er für eine Weile nicht mehr nach Hause kommen konnte – zumindest nicht als der Mann, an den sie gewöhnt war.

Und nun Eli.

“Ich weiß nicht, was ich dir sagen soll.“ Er seufzte. “Es tut mir leid.“

Eli nickte.

“Bist du … bist du sonst in Ordnung?“, fragte Everett und Eli starrte ihn scharf an.

“Ja.“ Er ließ ein hilfloses Lachen hören. “Wie könnte ich nicht? Jeder hier … lügt und ist zu beschäftigt damit, selbst gut dazustehen, um sich um so etwas wie eine Gemeinschaft zu kümmern, ich meine … wir hatten eine Gerichtsverhandlung noch bevor wir irgendeine Art von … friedlicher Zusammenkunft hatten. Meine Mom glaubt, ich bin zu beschäftigt, um sie zu besuchen. Das Schiff fällt auseinander. Und der einzige, der es versteht, ist nicht hier. Und nun scheinen alle zu denken, bloß, weil ich die meiste Zeit mit Rush verbracht habe, bin ich der Experte für die Destiny, weshalb natürlich alle mit ihren Fragen zu mir kommen und ich kenne die Antworten nicht. Und jeder hier lügt.“ Eli zog die Schultern hoch und blickte Everett fest in die Augen. “Jeder.“ Damit wandte er sich ab und ging.

Everett hörte seine Schritte verhallen und fragte sich, wieso er Elis Vertrauen so leichtfertig weg geworfen hatte.


ENDE
JJ 01/10

Destiny's Gesichter Masterlist
Komplette Fanfiction Masterlist

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Comments

( 2 comments — Leave a comment )
artemis_neith
Jan. 28th, 2010 12:14 pm (UTC)
Wie schon bei Mathboy fängst Du auch hier wieder die Stimmung von Justice gut ein, der Episode an die deine Geschichte anknüpft.

Young hat getan, was er getan hat, aber er ist nicht wirklich glücklich darüber, und er hat sich von Eli dabei ertappen lassen, daß er gelogen hat, was den Unfall von Rush angeht. Eigentlich muß Young doch bewußt sein, daß Eli nur die einzelnen Ereignisse in die richtige Relation zueinander setzen muß, um zu verstehen, was tatsächlich passiert ist. Eli ist zwar noch sehr jung, unreif und naiv, aber er durchaus ist in der Lange Personen richtig einzuschätzen und ich denke, da hat er Young gegenüber etwas voraus.

Young ist sicher tendenziell ein guter Mensch, aber ein katastrophaler Anführer. Ich vermute einmal, daß wir in den späteren Folgen noch mehr über ihn und den Hintergrund zu seiner Persönlichkeit erfahren. Ein ganz wesentlicher Aspekt schein für ihn die Sicherheit der Menschen zu sein, die unter seiner Obhut stehen und es macht ihn geradezu krank, wenn er mitbekommt, daß es Leute gibt, die hier nicht die gleichen Maßstäbe wie er ansetzen. Und Rush scheint in seinen Augen geradezu die Verkörperung eines solchen Menschen zu sein, einer, der ohne mit der Wimper zu zucken über Leichen geht, wenn es ihm in den Kram paßt.

Rush, auf der anderen Seite, ist sicherlich nicht der gewissenlose Soziopath für den Young ihn hält. Auch über ihn wissen wir immer noch zu wenig, um ein deutlicheres Bild zu haben, aber ein wesentlicher Antrieb scheint für ihn die Erweiterung der wissenschaftlichen Erkenntnis zu sein, wegen der er schließlich nicht zuletzt an dem Ikarus Projekt beteiligt wurde. Er ist primär dafür verantwortlich, daß um die 80 Personen auf einem alten, rostigen Raumschiff festsitzen und um ihr nacktes Überleben kämpfen müßen, ohne eine Chance - zumindest nicht aus momentaner Sicht - je wieder nach Hause zu kommen. Ich vermute, daß er die Leute durchaus gerne wieder nach Hause bringen möchte, alleine schon um die ewig quengelnden "Idioten" loszuwerden, aber das geht nun mal nicht, ohne daß er das Potential des Schiffes in Erfahrung bringt und aus seiner Sicht hindert ihn Young ständig daran, genau das zu tun.

Eingeklemmt zwischen diesen beiden Polen befindet sich also Eli, in einer Situation, die ihm nichts als Unbehagen bereiten kann, denn er respektiert beide Männer, jeden auf seine Art und Weise. Ich fürchte, wenn Rush und Young wieder aufeinandertreffen, wird es wirklich interessant. Aber für Eli wird es nicht lustig werden, wenn er entgültig bestätigt bekommt, wie ihn beide belogen und manipuliert haben, um ihre Ziele durchzusetzen.

Bin gespannt welche Charaktäre Du nächstes Mal porträtierst.
jolinarjackson
Jan. 29th, 2010 02:54 pm (UTC)
Hey,

wow, was für ein Kommentar. Vielen Dank erst mal.

Justice hat mich ziemlich beeindruckt. Das merkt man vielleicht an der FF. Die Episode hat was. Sie ist nicht nur ein großartiger Cliffhanger, sondern auch der Punkt, an dem es nicht mehr weiter nach oben in der Frustrations-Kurve zwischen Young und Rush gehen kann, sondern es knallt. Gehörig.

Ich denke nicht, dass Young glücklich über sein Handeln ist. Es war nicht nur rein menschlich gesehen absolut unverantwortlich (womit ich Rush nicht Recht gebe - er war auch ein Idiot), sondern auch als Anführer. Ich persönlich stehe momentan ein bisschen auf Kriegsfuß mit ihm wegen der ganzen Geschichte und wünsche mir eigentlich Camile als Anführerin oder jemand anderen - weder Young noch Rush haben scheinbar die Fähigkeit dazu. Meine Sympathie liegt bei Rush, obwohl ich - wie gesagt, die Nummer, die er abgezogen hat, auch absolut unverantwortlich fand. Das Vertrauen eines Anführers auf die Art zu untergraben, in einer Situation, in der nun einmal einer gebraucht wird, geht nicht. Young hatte hier sicher die richtigen Motive - die Sicherheit der Menschen in seiner Obhut - aber er ist den falschen Weg gegangen.

Ich bin mir noch nicht ganz sicher, was ich von Rush nun endgültig halten soll. Von Folge zu Folge ändert sich meine Meinung über ihn. Aber ein Soziopath ist er nicht. Und ein Mensch, der andere gewissenlos in den Tod schickt, ist er auch nicht. Er hat, wie Young, die richtigen Motive hinter seinem Handeln (Sicherung der bisherigen Erkenntnisse und Wissenschaft, was für ihn geradezu eine Religion zu sein scheint), aber er geht manchmal etwas hart vor und etwas egoistisch.

Young reizt ihn, indem er sich nur zögerlich bereit erklärt, ihn die Dinge erforschen und versuchen zu lassen, die er versuchen will. Er nimmt ihm die Leute weg, wenn Rush sie braucht (besonders Eli ist immer wieder für Young beschäftigt, obwohl Rush ihn braucht) und er untersagt ihm Versuche, wenn Rush sie machen will. Im Gegenzug verheimlicht Rush ihm Dinge, klärt ihn nicht über das Schiff auf (immer nur das nötigste) und stiehlt ihm in entscheidenden Momenten die Autorität, indem er die Rettung präsentiert, die noch nicht mit Young abgesprochen ist.

Interessantester Faktor ist dabei Eli, der genau zwischen den beiden steht. Young nutzt ihn als Spion und Rush scheucht ihn durch die Gegend, aber ich glaube, beide (besonders Rush) haben eigentlich viel für Eli übrig. Der weiß nicht, was er von der Situation halten soll und schlichten liegt ihm nicht, da er Konfrontationen gerne aus dem Weg geht.

Und jetzt bin ich gespannt, wie es weitergehen wird. Gerade die Beziehung Young/Rush/Eli dürfte sich jetzt gehörig verändert haben ...

Bye,
JJ
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