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Feind im Spiegel

Worte: 40.911
Inhalt: Nach Iantos Verrat glaubt Jack die Kontrolle über sein Team verloren zu haben. Er versucht, die mentalen Wunden zu heilen, obwohl er selbst nicht in der Lage ist, Ianto vollständig zu vergeben. Als das Team dann scheinbar von jemandem bedroht wird, der über Gedankenkontrolle Zugang zu Torchwood sucht, ahnen sie nicht, dass der Feind bereits unter ihnen ist …
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Owen Harper, Toshiko Sato, Gwen Cooper, Rhys Williams, Myfanwy, OCs
Pairing: Jack/Ianto, Gwen/Rhys, Tosh/OC, Owen/OC
Rating: PG-13
Spoiler: Tag Eins, Cyber Woman
Setting: nach Cyber Woman
Warnungen: Kraftausdrücke, wirklich kurze Dub-Con Kussszene
Disclaimer: Diese Fanfiction wurde nicht zu kommerziellen Zwecken verfasst. Die Serie Torchwood und die in ihr vorkommenden Personen gehören den verantwortlichen Produzenten und Autoren. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Kapitel 8
Masterliste

***
***


9.


Der Regen hatte aufgehört, aber der schneiden Wind war noch immer da. Er wühlte durch Owens Haar und der Arzt begann vor Kälte zu zittern, obwohl er seine Lederjacke trug. Er lehnte an der Brüstung und starrte in die Bucht hinaus. Jack schien nicht zu frieren, obwohl er seinen Mantel nicht an hatte. Manchmal fragte Owen sich, ob der Captain ihn nur anzog, weil er darin mysteriöser wirkte.

Jack blickte ihn nachdenklich an.

”Ich glaube, ich verstehe, was los ist”, sagte er.

Owen seufzte.

”Lass mich mal fünf Minuten allein, okay?”

”Du benimmst dich wie ein Kind.”

Owen drehte den Kopf zu Jack.

”Wie bitte?”

”Das sollte keine Beleidigung sein.”

”Es war eine”, antwortete Owen.

Jack legte den Kopf schief.

”Aber es stimmt. Du benimmst dich wie ein Kind, das mehr Aufmerksamkeit will, weil du glaubst, dass du nicht genug bekommst. Und du hast Recht.” Er blickte aufs Meer hinaus. ”Gwen ist neu, also achte ich mehr auf sie. Sie braucht noch Schutz und Unterstützung. Du brauchst weder das eine noch das andere. Du passt auf dich selbst auf und du weißt, was du zu tun hast. Und Tosh … sie braucht mich sogar noch mehr als Gwen.”

Owen schnaubte.

”Du überschätzt dich selbst.”

”Ich denke nicht. Tosh ist zerbrechlich. Sie hat kaum Vertrauen in sich oder ihre Arbeit, nicht wie du, also lobe ich sie etwas mehr als ich sollte. Und dann ist da Ianto. Dass ich ihn bleiben lasse, dass ich ihm kein Retcon gebe, dass ich mit ihm schlafe.”

”Hey, mich interessiert wirklich nicht, was du in deiner jämmerlichen Version eines Schlafzimmers machst.” Owen kommentierte nicht, dass Jack gerade offiziell zugegeben hatte, was er von Anfang an gewusst hatte … was Suzie von Anfang gewusst hatte. Ianto und Jack hatten Sex. Bisher hatte er die Vermutung benutzt, um Ianto zu provozieren. Der Archivar und Jack hatten Owens Vermutungen aber nie bestätigt oder dementiert. Es schockierte Owen dennoch nicht wirklich. Ianto mit seinem hübschen Gesicht, den blauen Augen und den nicht wirklich ernst gemeinten Abweisungen von Jacks Avancen, war so unerwartet in der Basis aufgetaucht, dass Suzie schon am ersten Tag während des Mittagessens gefragt hatte, ob sie schon Sex gehabt hätten oder bis zur Unterzeichnung des Arbeitsvertrags warten wollten. Ianto war rot geworden, Jack hatte gelächelt und die Frage ignoriert, wie immer, wenn er nicht über etwas reden wollte – oder etwas zugeben.

”Ich weiß. Aber dass ich mit ihm schlafe ist eine Entschuldigung für dich, ihn zu verletzen.”

Owen spielte mit einem Splitter, der vom Geländer abstand, und wich Jacks Blick aus.

”Ich bin nicht eifersüchtig. Ich bin nicht heimlich in dich verknallt oder so.”

”Ich weiß”, antwortete Jack. ”Du bist nur wütend, weil ich ihn bleiben lasse, obwohl er einen riesigen Fehler gemacht und uns hintergangen hat. Du denkst, dass ich dir an seiner Stelle Retcon gegeben hätte und ich Ianto nur behalte, weil ich mit ihm schlafe.” Er lächelte. ”Ich weiß nicht, ob ich das beleidigend finden sollte. Es ist nun wirklich nicht so, als würde ich nicht schnell Gesellschaft finden. Ich sehe verdammt gut aus, ich bin charmant … und ich gehe gern bei Sonnenaufgang am Strand spazieren.”

Owen konnte nicht anders, als darüber zu lächeln. Jacks Hand in seinem Nacken war warm und schwer. Er stand nun dicht genug neben ihm, dass Owen seine Körperwärme spüren konnte, und er blickte zu Jack auf.

”Deshalb behalte ich ihn nicht hier. Versprochen.”

”Weshalb dann?”

Jack seufzte.

”Ich tendiere dazu, verlorene Seelen einzustellen. Tosh, du und Ianto … ihr seid was besonderes und gute Menschen. Ihr braucht nur etwas Hilfe.”

”Hey, wenn du diese Hilfe bist, haben wir schon verloren”, lächelte Owen. Er fühlte sich etwas besser.

Jack zuckte mit den Schultern.

”Owen, ich denke, du bist ein großartiger Wissenschaftler, ein großartiger Arzt, ein großartiger Mann und ich habe das als selbstverständlich hingenommen. Es tut mir leid. Ich werde das ändern.”

”Ich wusste nicht mal, dass es mich so sehr stört”, sagte Owen.

”Ja”, antwortete Jack, ”das war offensichtlich. Nimm dir noch ein paar Minuten Zeit, komm dann wieder runter und entschuldige dich. Ich mag es nicht, wenn mein Team sich streitet.”

Owen nickte und zwang ein “Okay“ an dem Kloß vorbei, der sich in seinem Hals gebildet hatte.

”Und wenn Ianto es nicht schon getan hat, obwohl ich es ihm verboten habe, räum die zerbrochene Tasse weg.” Damit wandte Jack sich zum Gehen, drehte sich jedoch trotzdem noch einmal zu Owen um.

”Nur, um das klar zu stellen – ich würde absolut alles für jeden von euch tun.” Er lächelte und machte sich auf den Weg zurück zur Touristeninformation. Owen lächelte. Er fühlte sich entspannter und etwas glücklicher, aber dennoch war da noch diese Unruhe in ihm. Er blickte auf seine Hände. Sie zitterten. Er wusste, dass es noch nicht vorbei war … was auch immer es war.

***

Owen seufzte genervt und verdrehte die Augen in Gwens Richtung. Sie kicherte.

Tosh stellte ihre Getränke auf dem Tisch ab und setzte sich.

”Was?”, fragte sie, als ihre Kollegen einen langen Blick austauschten. Die Kneipe war voll und laut. Die Stimmen der Gäste machten es unmöglich, den Song zu identifizieren, der gespielt wurde.

”Der Typ, der gerade mit dir geredet hat”, sagte Gwen. ”Was wollte er?”

Tosh blickte zu dem großen, attraktiven Mann mit den grünen Augen und der braunen Lederjacke zurück.

”Er wollte mir beim Tragen der Gläser helfen.”

Owen schnaubte. Gwen versetzte ihm unter dem Tisch einen Tritt.

”Das ist süß, Tosh”, sagte sie lachend. Owen war froh, dass er das Friedensangebot der Frauen angenommen und sie hierher begleitet hatte. Er war entspannt und das Bier dämpfte das irritierende Summen, das er seit dem Aufwachen am Morgen gespürt hatte.

”Ja, er will vor allem dein Schlafzimmer von innen sehen.”

Tosh wurde rot.

”Leute”, sagte sie und nippte an ihrem Bier.

Owen verdrehte wieder die Augen.

”Wo liegt das Problem, Tosh? Geh zu ihm, sag Hallo, lass dich flachlegen. Ich weiß, dass du es brauchst.” Das brachte ihm einen weiteren harten Tritt ein, dieses mal von Tosh.

”Er hat Recht”, sagte Gwen. ”Geh zu ihm und sprich mit ihm. Er ist ziemlich süß.”

Tosh schüttelte den Kopf.

”Nein, Leute. Wirklich.”

”Oh, komm schon!”, sagte Gwen. Owen wünschte, dass Tosh ihre Schüchternheit ablegen würde. Sie verdiente einen Freund. Sie brauchte jemanden.

”Tosh, sei nicht so prüde. Geh hin und sprich mit ihm”, sagte er. Sie blickte zu dem Mann, der sie von seinem Platz an der Bar aus anlächelte, und wurde rot. Owen wusste in dem Moment, dass sie sich nicht traute.

Ehe er wahrnahm, was er tat, drang er in ihr Bewusstsein ein.

Geh zu ihm.

Sie verzog ein wenig das Gesicht, dann stand sie auf und ging zur Bar.

Gwen lachte.

”Na also”, sagte sie zu Owen und er grinste sie an, bevor er sein besorgtes Stirnrunzeln versteckte, indem er einen Schluck Bier nahm. Es war beinahe, als ob er sich selbst gezwungen hätte, Tosh zu manipulieren, und das gefiel ihm nicht.

Aber die plötzliche Wärme und der Stolz über die erfolgreiche Nutzung des Steins dämpften seine Sorge nur eine Minute später. Er fühlte sich deutlich besser.

Tosh lächelte den Mann schüchtern an und kehrte zu ihrem Tisch zurück. Sie nahm ihre Jacke.

”Delwyn hat mich in ein kleines Restaurant um die Ecke eingeladen.”

”Woohoo!”, sagte Gwen. ”Siehst du? Das war nicht schwer. Halt ihn dir warm, er ist ein guter Fang.”

Tosh lächelte schüchtern.

”Ist es okay, wenn ich gehe?”

”Großer Gott, lass dich flachlegen”, antwortete Owen und Tosh eilte zu dem Mann zurück. Sie beobachteten, wie die beiden die Kneipe verließen.

”Also, was machen wir zwei Hübschen?”, fragte Owen.

”Wir?”, fragte Gwen.

”Ja.”

”Also ich gehe nach Hause zu meinem eigenen guten Fang.”

Owen tat so, als würde er an ihren Worten ersticken, und Gwen schlug ihm spielerisch auf den Hinterkopf.

”Hey, vorsichtig!”, beschwerte er sich. Sie winkte und verließ die Kneipe. Er seufzte tief und überlegte einen Moment, ob er eine der anwesenden Frauen anmachen sollte, aber er fühlte sich zu müde. Also trank er sein Bier aus und ging. Die kalte Nachtluft ließ ihn zittern und er schloss seine Jacke, dann schob er die Hände in die Jeanstaschen. Seine Finger fanden die glatte Oberfläche des Steins und er zog ihn raus. Er ging weiter, während er den Stein betrachtete. Er sollte ihn zurücklegen und nie wieder benutzen, aber er hatte heute etwas Gutes getan. Er hatte Tosh davon überzeugt, einen attraktiven Mann anzusprechen und wenn das keine Belohnung verdiente, dann wusste er auch nicht.

Er seufzte tief und lächelte bei der Erinnerung an das warme Gefühl, das seinen Körper nach der Manipulation überflutet hatte. Es hatte sich gut angefühlt. Zu gut, um es aufzugeben. Er hatte sich gefühlt, als hätte er endlich einem Verlangen nachgegeben, das ihn schon den ganzen Tag quälte. Er würde den Stein nicht bei Jack und Ianto anwenden, aber er könnte ihn behalten und gute Dinge tun. Genau. Das wäre möglich. Es gab keinen Grund, den Stein aufzugeben. Keinen Grund, Jack davon zu erzählen.

Owen wies den Arzt in ihm zurück, der flüsterte: 'Denk drüber nach. Du fühlst dich gut, wenn du ihn benutzt. Du fühlst dich mies, wenn du es eine Weile lang nicht tust. Das ist eine Abhängigkeit, Junge. Wie bei den Junkies, die du früher behandelt hast.'

Das war natürlich lächerlich. Er war nicht abhängig. Er könnte jederzeit aufhören.

Er wollte nur nicht.

Kapitel 10